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Warum Sie jetzt nicht einfach Jodtabletten nehmen sollten

  • Sandra Simonsen
Von Christiane Braunsdorf, Sandra Simonsen

Aktualisiert am 04.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Der zerstörte Reaktor in Tschernobyl (Archivbild): Seit der russischen Eroberung haben sich dort die Strahlenwerte erhöht.
Der zerstörte Reaktor in Tschernobyl (Archivbild): Seit der russischen Eroberung haben sich dort die Strahlenwerte erhöht. (Quelle: Konrad Zelazowski/imago-images-bilder)
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Nach dem Feuer am Kernkraftwerk in der Ukraine vor einigen Tagen werden bei vielen Erinnerungen an Tschernobyl wach. Sollte man also jetzt schon für eine neue Strahlenkatastrophe vorsorgen?

Das Wichtigste im Überblick


Nach der Einnahme der zerstörten Atomanlage von Tschernobyl durch die russische Armee sind dort nach Angaben der Ukraine erhöhte Strahlungswerte gemessen worden. In der Sperrzone sei am Freitagmorgen ein "Anstieg der Indikatoren über die Kontrollniveaus hinaus" festgestellt worden, sagte Alexander Grigoratsch von der ukrainischen Atomaufsicht der Nachrichtenagentur AFP.

Düstere Erinnerungen werden wach. Der Reaktorblock 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl war am 26. April 1986 explodiert und hatte weite Teile der Ukraine, Russlands und Weißrusslands verseucht. Die radioaktive Wolke zog auch über Mitteleuropa und damit Deutschland. Die Sorge steigt: Kann Deutschland erneut verseucht werden? Müssen wir Vorsorge treffen?

Besorgnis in den sozialen Medien: Brauchen wir jetzt Jodtabletten?

Bei Twitter und in anderen sozialen Netzwerken entbrannte dennoch eine Diskussion, ob nun jeder vorsorglich Jodtabletten kaufen sollte. Sie können Strahlenschäden abwenden.

Zur Wirkweise erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): "Bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk kann es zur Freisetzung radioaktiver Stoffe – darunter auch radioaktivem Jod – kommen. Wird radioaktives Jod eingeatmet oder gelangt über Nahrung bzw. Getränke in den Körper, kann es sich in der Schilddrüse anreichern und die Entwicklung von Schilddrüsenkrebs befördern."

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Wenn Betroffene zum richtigen Zeitpunkt nicht-radioaktives Jod in Form von hoch dosierten Jodtabletten (auch: "Kaliumiodidtabletten") einnähmen, könnten sie verhindern, dass sich radioaktives Jod in ihrer Schilddrüse anreichert. Das BfS weiter: "Die Schilddrüse wird mithilfe der Tabletten mit nicht-radioaktivem Jod gesättigt, sodass radioaktives Jod von der Schilddrüse zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr aufgenommen werden kann. Man spricht dabei von einer Jodblockade."

Aktuell rät die Behörde jedoch eindringlich davon ab, diese Tabletten einzunehmen. "Hier und da taucht gerade auf, man solle jetzt Jodtabletten nehmen. Das ist falsch."

Was ist zum aktuellen Anstieg der Radioaktivität bekannt?

Am Freitag erklärte das ukrainische Parlament, es sei an mehreren Messstellen in der Sperrzone eine erhöhte Gammastrahlung registriert worden, ohne allerdings genaue Werte zu nennen. Wegen der Besetzung der Anlage Saporischschja durch die russische Armee sei es derzeit nicht möglich, die Gründe für die Veränderung zu ermitteln. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, dass der Betrieb normal laufe, erklärt die Nachrichtenagentur Tass.

Der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) liegen mittlerweile jedoch genauere Daten vor. Sie stuft diese Strahlungswerte von bis zu 9,46 Mikrosievert pro Stunde als niedrig ein. Die Werte lägen innerhalb der Spannweite der bisherigen Messungen in der Sperrzone um Tschernobyl, hieß es. "Deshalb stellen sie keine Gefahr für die Öffentlichkeit dar", schrieb die IAEA in Wien.

Die erhöhte Strahlung könnte laut ukrainischen Behörden durch Militärfahrzeuge vom Boden aufgewirbelt worden sein, der Jahrzehnte nach der Atomkatastrophe noch immer belastet ist.

IAEA-Chef Rafael Grossi berichtete zur allgemeinen Lage, dass die Betriebssicherheit der 15 aktiven AKWs in der Ukraine gewährleistet sei. Dennoch sei er weiterhin zutiefst besorgt über die Situation in dem Land.

Welche Tabletten können bei radioaktiver Strahlung helfen?

Damit die Jodtabletten zu einer Jodblockade führen können, gibt es klare Angaben zur Dosierung. Von der Strahlenschutzkommission heißt es dazu, damit die Jodblockade vollständig sei, "muss eine hohe Plasmakonzentration an stabilem Jodid hergestellt werden".

Dies werde bei Erwachsenen durch eine Dosis von 130 mg Kaliumiodid erreicht, für Kinder und Jugendliche gibt es geringere Vorgaben. Wichtig dabei: "Eine Verringerung der Dosis reduziert eventuelle Nebenwirkungen nicht, eine Erhöhung bringt keine weitere nennenswerte Verringerung der Strahlenbelastung." Die Jodtabletten, die bei einer Strahlenbelastung helfen können, sind derart hochdosiert.

Zusätzlich gibt es Jodtabletten, die zur Vorbeugung von Jodmangelkrankheiten verwendet werden. Diese haben einen niedrigen Jodgehalt von 0,1 bis 0,2 mg und sind daher für eine Jodblockade der Schilddrüse gänzlich ungeeignet.

Jodtabletten nur nach ausdrücklicher Aufforderung einnehmen

In einer Information auf der Internetseite des BfS heißt es: "Jodtabletten sollten nur nach ausdrücklicher Aufforderung durch die Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden – und nur in der von den Behörden genannten Dosis. Da die Einnahme der (hoch dosierten) Jodtabletten zu Nebenwirkungen führen kann, wird von einer Eigenmedikation dringend abgeraten."

Entscheidend sei zudem der Zeitpunkt, an dem die Medizin verabreicht werde, um überhaupt zu wirken. Und dieser wird nach einem Notfall über die Katastrophenschutzbehörden bekannt gegeben.

Was passiert, wenn Sie hochdosierte Jodtabletten einnehmen?

Gesunde Menschen sollten nicht einfach selbstständig Jodtabletten zu sich nehmen, um sich vor möglichen Strahlenschäden zu schützen. Bei Personen über 45 Jahren wird sogar von der Einnahme abgeraten, da das Risiko der Nebenwirkungen den Nutzen überwiegen könnte. Zu den Nebenwirkungen zählen "in seltenen Fällen" allergische Reaktionen. Dazu gehören:

  • Hautausschlag
  • Jucken und Brennen der Augen
  • Schnupfen
  • Reizhusten
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Fieber oder ähnliche Symptome

Zudem kann es bei der Einnahme auf nüchternen Magen zu einer Reizung der Magenschleimhaut kommen.

Insbesondere bei Schilddrüsenerkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) birgt die Einnahme von Jodtabletten zusätzliche gesundheitliche Risiken.

In Deutschland gebe es viele Betroffene, die noch gar nicht von ihrer Erkrankung wüssten, heißt es vom BfS. "Diese latente Hyperthyreose kann durch Einnahme hoher Dosen von Kaliumjodid in eine Hyperthyreose mit Krankheitszeichen übergehen. Die Krankheitszeichen können bis hin zu akutem Herz-Kreislauf-Versagen reichen."

Anzeichen dafür sind beispielsweise ein erhöhter Puls, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit, Zittrigkeit, Durchfall oder Gewichtsabnahme. Auch bei einer offiziellen Anweisung zur Einnahme von Jodtabletten sollten Betroffene daher immer Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Andrea Goesch
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