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Silikon: Horror nach der Brust-OP

PIP-Skandal  

Wie ein "Seelenbonbon" zum Albtraum wurde

10.12.2013, 09:17 Uhr | dpa

Silikon: Horror nach der Brust-OP . Silikon: Wie ein "Seelenbonbon" zum Albtraum wurde. (Quelle: dpa)

Auf der ganzen Welt warteten Frauen mit Spannung auf das Urteil im Strafprozess um minderwertige Brustimplantate aus Frankreich. (Quelle: dpa)

Scham, Angst und Schmerzen: Französische Billig-Brustimplantate aus Industriesilikon sind allein in Deutschland für mehr als 5.000 Frauen zum Albtraum geworden. Am heutigen Dienstag ist der PIP-Unternehmensgründer Jean-Claude Mas schuldig gesprochen und zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das dürfte bei Cornelia H. für Erleichterung sorgen. "Ich wünsche mir sehr, dass die Verantwortlichen ihre gerechte Strafe bekommen. Sie sind kriminell und haben die Gesundheit der Frauen aufs Spiel gesetzt, um ihre Geldgier zu stillen", sagte sie vor der Verhandlung.

Die 42-Jährige aus der Nähe von Karlsruhe erzählt als eine von ganz wenigen Frauen ihre Leidensgeschichte. Sie will aufklären und ermutigen, offen mit dem Thema umzugehen. 

Cornelia litt unter ihrer kleinen Brust

"Viele wollen sich nicht als PIP-Opfer outen, weil sie Angst haben, belächelt zu werden. Es ist ja leider immer noch der Fall, dass Frauen mit Brustimplantaten auf eine gewisse Schiene gestellt werden", sagt Cornelia H. Kaum jemand wisse, dass eine Entscheidung für eine Operation oft am Ende eines gut überlegten Prozesses stehe. Nach jahrelangen Komplexen, langer Stillzeit oder einer Krebserkrankung zum Beispiel. 

Bei Cornelia H. begann alles damit, dass ihr Busen nicht so wuchs wie bei anderen Mädchen. "Die Komplexe fingen schon in der Schule an. Ich weigerte mich, am Schwimmunterricht teilzunehmen." Auch später habe sie wegen ihrer "extrem kleinen Brust" immer einen großen Bogen um öffentliche Bäder gemacht. "Ich habe mich nie wohl gefühlt in meiner Haut." Einfach ein schönes Dekolleté - das habe sie sich gewünscht.

Brustvergrößerung als "Seelenbonbon"

Als dann noch ein Kinderwunsch zunächst unerfüllt blieb und Cornelia H. "auch in diesem Bereich todunglücklich" war, beschloss sie nach langer Überlegung, sich als "Seelenbonbon" eine Brustvergrößerung zu gönnen. Das war 2004, sie war 33 Jahre alt. "Zu diesem Zeitpunkt waren im Fernsehprogramm quasi tagtäglich irgendwelche Schönheitsoperationen zu sehen», erzählt sie. Dabei wurden auch Operationen im Ausland vorgestellt und schmackhaft gemacht. Gerade Osteuropa habe den Vorteil, dass Krankenhaus- und Personalkosten bei gleicher Qualität viel geringer seien als in Deutschland, hieß es. 

Operation fand in Tschechien statt

Cornelia H. entschied sich für eine Operation in Tschechien. Die organisatorischen Dinge wurden über eine Vermittlung in Deutschland geregelt, die der jungen Frau sogar ein Hotel reservierte. "Beim Besprechungstermin mit dem behandelnden Arzt Dr. B. machte dieser einen sehr netten, kompetenten Eindruck. Er sprach deutsch, und ich konnte mich ohne Missverständnisse unterhalten", berichtet sie. 

Ärzte empfahlen PIP-Implantate

Bei der Frage nach dem Implantate-Hersteller kam für Dr. B. nur PIP in Betracht. "Er sprach von den besten Implantaten überhaupt, die weltweit marktführend sind." Die PIP-Produkte sollten "innen zäh wie Gummibärchen" sein, und außen hätten sie eine angeraute Oberfläche, die sich besonders gut mit dem Gewebe verbinden würde, hieß es. Cornelia H. hatte von den PIP-Implantaten auch in Deutschland gehört. Sie wusste, dass sie sehr viel verwendet werden und sagte ja. 

Nach einem Jahr kam der Schock

Mehr als sieben Jahre später, im Januar 2012, folgte der Schock. Ihr Mann las in der Zeitung vom PIP-Skandal. "Als ich dann nach meinen Implantatausweisen schaute und sah, dass meine Implantate betroffen waren, war ich wie vom Blitz getroffen", erzählt sie. Am nächsten Tag vereinbarte sie sofort einen Kontrolltermin beim Frauenarzt, dieser verwies sie an einen Chirurgen in Karlsruhe. "Dort wurde ich nochmals untersucht und in einem Gespräch darauf hingewiesen, dass es besser wäre, die Implantate eher heute als morgen zu entfernen und auszutauschen", erinnert sie sich. 

Kosten mussten selbst getragen werden

Der OP-Termin wurde auf den 13. Februar festgelegt. Die Kosten musste Cornelia H. selbst tragen. Bei dem Eingriff wurde festgestellt, dass das linke Implantat auf einer Länge von mehr als neun Zentimetern gerissen war, und dass sich viel Eiter in der Brust befand. Das Einsetzen von neuen Implantaten war deshalb nicht möglich, die Brust musste erst drei Monate heilen. 

Der Schreck saß tief, vor allem, weil Cornelia H. in der Zwischenzeit doch noch einen Jungen und ein Mädchen zur Welt gebracht hatte. "Wer weiß, was die Kinder während der Schwangerschaft vielleicht für Gifte von den Implantaten abbekommen haben?", sorgt sie sich immer noch. Sie ist froh, dass es bis heute keine Belege dafür gibt, dass durch das PIP-Silikon schwere Krankheiten ausgelöst werden können.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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