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Schwesigs gro├čer Pipeline-Bluff

  • Jonas Mueller-T├Âwe
Von Jonas Mueller-T├Âwe

Aktualisiert am 09.02.2022Lesedauer: 10 Min.
SPD-Ministerpr├Ąsidentin Manuela Schwesig: Ihre mit Gerhard Schr├Âder gegr├╝ndete "Wasserstoff-Hanse" klang nach Klimaschutz. Nord Stream 2 stand nur zwischen den Zeilen.
SPD-Ministerpr├Ąsidentin Manuela Schwesig: Ihre mit Gerhard Schr├Âder gegr├╝ndete "Wasserstoff-Hanse" klang nach Klimaschutz. Nord Stream 2 stand nur zwischen den Zeilen. (Quelle: Janine Schmitz/photothek.de/imago-images-bilder)
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Die Initiative klingt nach Zukunft und Klimaschutz. Recherchen von t-online zeigen: Eigentlich dient sie russischen Interessen. Pl├Âtzlich wollen zentral Beteiligte nichts mehr damit zu tun haben.

Sie hat nur unterschrieben. So, wie es eine Ministerpr├Ąsidentin t├Ąglich x-fach macht. Doch diese eine Unterschrift k├Ânnte Manuela Schwesig noch in Verlegenheit bringen. Sie prangt unter der Gr├╝ndungserkl├Ąrung der "Wasserstoff-Hanse", einer harmlos daherkommenden Wirtschaftsinitiative aus Mecklenburg-Vorpommern, die nach gro├čer Zukunft, viel Innovation und noch etwas Gutem klingt: Klimaschutz.

Neben Schwesig haben sechs weitere Leute unterschrieben, darunter der heutige Landesinnenminister Christian Pegel, der im vergangenen Sommer noch Energieminister war. Am 5. August pr├Ąsentierten beide ihre Signaturen in Rostock stolz vor der Kamera.

Problematisch ist eine der anderen Unterschriften. Davon war zum damaligen Zeitpunkt aber nicht die Rede. Geleistet hat sie ein damals betrugsverd├Ąchtiger Wissenschaftler, der mittlerweile einen Strafbefehl akzeptiert hat. Und problematisch sind die Kontakte, die er mit Wissen der Landesregierung einbrachte.

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Denn augenscheinlich ist die Initiative zwar angetreten, den Klimaschutz voranzubringen. Auf den zweiten Blick spricht aber einiges daf├╝r, dass sie eher als ein Lobbyinstrument f├╝r die deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2 zu verstehen ist. Die SPD-Ministerpr├Ąsidentin setzt sich seit Langem f├╝r das Projekt ein ÔÇô auch unter Zuhilfenahme einer dubiosen Landesstiftung, die US-Sanktionen gegen den Bau der Pipeline unterlaufen soll.

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t-online berichtete ├╝ber die Intransparenz des Konstrukts und vorausgegangene vertrauliche Gespr├Ąche mit Nord-Stream-2-Vertretern, unter anderem Altkanzler Gerhard Schr├Âder. Angeblich wurde bei ihnen nie etwas Aktenrelevantes besprochen. Umso erstaunlicher ist es, dass Schr├Âder auch in der Rostocker Wirtschaftsinitiative eine Rolle spielt.

Noch erstaunlicher ist, dass heute ÔÇô also ein halbes Jahr nach Gr├╝ndung ÔÇô die federf├╝hrend Verantwortlichen sich nach Anfragen von t-online eiligst von der Initiative distanzieren. Das PR-tr├Ąchtige Projekt f├Ąllt offenbar auseinander. Und damit ein Konstrukt, das wie ein gro├čer Bluff wirkt, eine Charade, in der wenig so ist, wie es zun├Ąchst scheint.

Segelschiff vor malerischer Kulisse w├Ąhrend der "Hanse Sail": Das Volksfest war der feierliche Ausgangspunkt f├╝r die Klimainitiative.
Segelschiff vor malerischer Kulisse w├Ąhrend der "Hanse Sail": Das Volksfest war der feierliche Ausgangspunkt f├╝r die Klimainitiative. (Quelle: RicoK/Panthermedia/imago-images-bilder)

1) Die Gas-Lobby und der Wasserstoff

Eigentlich sollte die etwas gro├čspurig daherkommende "Wasserstoff-Hanse" der Start in eine neue Zeit sein: So zumindest inszenierte die Landesregierung ihre Gr├╝ndung w├Ąhrend eines maritimen Fests in Warnem├╝nde. Allj├Ąhrlich treffen sich dort Traditionssegler zur "Hanse Sail" und lassen Erinnerungen an die gro├če Zeit des Seehandels auf der Ostsee bei einem Volksfest aufleben.

Passend zu den Schiffen, die auf Wind und Segel statt auf Diesel und Motor setzen, feierte die Landesregierung dort den Start ihrer Initiative, die auch zum Ziel hat, den Schiffsverkehr wieder m├Âglichst klimaneutral zu gestalten. Vor allem darum ging es jedenfalls bei der Pr├Ąsentation. ├ľffentlichkeitswirksam stach die F├Ąhre "Breitling" in See, die "deutschlandweit als erstes Schiff" mit "E-Fuels" angetrieben wird.

Die Erfolgsformel zur Erreichung der Klimaneutralit├Ąt soll lauten: Wasserstoff. So weit liegt die Initiative im Trend und folgt vordergr├╝ndig der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Sie hat zum Ziel, ├╝ber erneuerbare Energien und den vielf├Ąltig einsetzbaren Energietr├Ąger Wasserstoff den CO2-Aussto├č so weit wie m├Âglich zu reduzieren.

Der Teufel steckt aber, wie so oft, im Detail.

Eine Illustration soll Energie darstellen: Die "Wasserstoff-Hanse" soll eine Klimainitiative darstellen.
Eine Illustration soll Energie darstellen: Die "Wasserstoff-Hanse" soll eine Klimainitiative darstellen. (Quelle: SAKKMESTERKE/SCIENCE PHOTO/imago-images-bilder)

Denn das Problem ist: Um Wasserstoff herzustellen, braucht es sehr viel Energie. Klimaneutral ist er also nur, wenn zur Produktion erneuerbare Energien verwendet werden. Dann spricht man vom sogenannten "Gr├╝nen Wasserstoff". Den will die Bundesregierung f├Ârdern, etwa indem der Wasserstoff in sonnenreichen L├Ąndern hergestellt und dann mit Schiffen nach Deutschland transportiert wird.

Andere Wasserstoffe, die etwa aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden, spielen f├╝r die Bundesregierung eine v├Âllig untergeordnete Rolle und sollen auch nicht staatlich gef├Ârdert werden. Dazu z├Ąhlen sowohl der "Blaue Wasserstoff" als auch der "T├╝rkise Wasserstoff", die auf Erdgas oder Methan basieren.

Zwar sollen die CO2-Emissionen, die bei der Produktion entstehen, abgetrennt oder gelagert werden. Aber wie genau das gelingen soll, ist offen. Und es gelangt laut Studien trotzdem weiterhin CO2 in die Atmosph├Ąre, sodass "Gr├╝ner Wasserstoff" ihnen mit Blick aufs Klima deutlich ├╝berlegen ist.

Entsprechend gelten sowohl Umweltorganisationen als auch der Bundesregierung diese Wasserstoffarten als Scheinl├Âsung des Klimaproblems. Das trifft vor allem die Gas-Lobby hart, die sich schon aus eigenem ├ťberlebenstrieb seit Jahren bem├╝ht, ihr Produkt als klimafreundliche Br├╝ckentechnologie zu pr├Ąsentieren, wie "Lobbycontrol" in einer Recherche aufgearbeitet hat.

So pl├Ądiert etwa der ehemalige CDU-Politiker und heutige Aufsichtsratsvorsitzende des Branchenverbands "Zukunft Gas", Friedbert Pfl├╝ger, seit Langem daf├╝r, in Deutschland auch "Blauen Wasserstoff" zu verwenden. Der "Spiegel" nannte Pfl├╝ger bereits den "Schattenmann" von Nord Stream 2, weil er von der Pipeline-Gesellschaft Auftr├Ąge angenommen habe. Im vorigen Jahr erst legte er eine Studie vor, die auf die gro├čen Kooperationspotenziale mit Russland abzielt ÔÇô und die nicht vergisst, auch die vermeintliche N├╝tzlichkeit der k├╝nftigen Pipeline f├╝r den Wasserstofftransport zu erw├Ąhnen.

Friedbert Pfl├╝ger beim Nord-Stream-2-Business-Fr├╝hst├╝ck in St. Petersburg: Der ehemalige CDU-Politiker ist heute Gas-Lobbyist.
Friedbert Pfl├╝ger beim Nord-Stream-2-Business-Fr├╝hst├╝ck in St. Petersburg: Der ehemalige CDU-Politiker ist heute Gas-Lobbyist. (Quelle: Valery Sharifulin/TASS/imago-images-bilder)

Und in genau diese eifrige Lobbyarbeit f├╝r Gaskonzerne und die Pipeline scheint sich die Schwesig'sche "Wasserstoff-Hanse" gut einzuf├╝gen. In ihrer Gr├╝ndungserkl├Ąrung hei├čt es hinsichtlich der Pl├Ąne, in der Ostsee-Region eine grenz├╝berschreitende Wasserstoff-Zusammenarbeit und eine deutsch-russische Klimapartnerschaft voranzutreiben:

  • "Hierzu k├Ânnen in erheblichen Mengen m├Âgliche Lieferungen von klimaneutral produziertem Wasserstoff mit geologischer CO2-Speicherung auf dem Weg zu 'gr├╝n' erzeugtem Wasserstoff einen zeitlich befristeten Beitrag leisten."


Dazu, so hei├čt es weiter, k├Ânne "die bestehende Erdgasinfrastruktur (...) bei geringen technischen Ver├Ąnderungen zeitnah" f├╝r den Transport genutzt werden. Erforderlich w├╝rden demnach bleiben: "verschiedene Transportwege durch die Ostsee".

├ťbersetzt bedeutet das: "Blauer Wasserstoff" k├Ânnte durch die gro├čen Pipelines Nord Stream und Nord Stream 2 flie├čen, mit denen der russische Staatskonzern Gazprom bislang Erdgas nach Deutschland schickt. Die R├Âhren w├╝rden also nicht nur f├╝r ein paar Jahre, sondern m├Âglicherweise ├╝ber Jahrzehnte ihren Dienst erf├╝llen. Also auch dann, wenn die Bundesrepublik l├Ąngst aus fossilen Energietr├Ągern ausgestiegen ist.

Schwesig an der Pipeline-Anlandestelle in Lubmin: Seit Jahren verteidigt sie das Projekt.
Schwesig an der Pipeline-Anlandestelle in Lubmin: Seit Jahren verteidigt sie das Projekt. (Quelle: BildFunkMV/imago-images-bilder)
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So k├Ânnte sich auch das pl├Âtzliche Interesse des Nord-Stream-2-Verwaltungsratsvorsitzenden Gerhard Schr├Âder an der vorgeblich klimaneutralen Wasserstofftechnologie erkl├Ąren. Die Gazprom-Tochter betont seit Langem die M├Âglichkeit, die Pipelines f├╝r Wasserstofftransport zu nutzen ÔÇô auch wenn Umweltorganisationen vehement daran zweifeln.

Das Problem: Russland wird auf absehbare Zeit keinen "Gr├╝nen Wasserstoff" in relevanten Mengen produzieren k├Ânnen. Es fehlt nicht nur die Sonne, sondern es fehlen auch die Windr├Ąder. Wenn Gazprom Wasserstoff ├╝ber seine Pipelines liefern will, dann bestenfalls welchen, der mit Hilfe von Erdgas oder ├ľl produziert wurde. Oder Erdgas f├╝r die Produktion in Deutschland selbst.

Nur hat die Bundesregierung eben daran kein Interesse. Das Bundesministerium f├╝r Wirtschaft und Klimaschutz erkl├Ąrte auf Anfrage von t-online ausdr├╝cklich:

  • "Eine Nutzung bestehender Gasinfrastrukturen in der Ostsee f├╝r den Wasserstofftransport ist derzeit nicht vorgesehen. Die nationale Wasserstoffstrategie sieht ferner nur die F├Ârderung von gr├╝nem Wasserstoff vor und nicht von sogenanntem blauen Wasserstoff."


Ist die Initiative unter Schwesigs Schirmherrschaft also eher ein Lobbyverein f├╝r Nord Stream 2? Alles im Zeichen des Klimaschutzes? Gegr├╝ndet wurde sie immerhin w├Ąhrend der finalen Pipeline-Arbeiten. Und an deren Fertigstellung beteiligte sich die mit Gazprom-Millionen finanzierte Klimastiftung des Landes, die mit ├Ąhnlichen Winkelz├╝gen auffiel. Sie verf├╝gt ├╝ber einen wirtschaftlichen Gesch├Ąftsbetrieb, um US-Sanktionen zu unterlaufen.

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Es ist alles ziemlich kompliziert. Und das soll es wohl auch sein. Zumindest konnten zahlreiche Anfragen von t-online an die beteiligten Unternehmen und die Landesregierung nicht aufkl├Ąren, welche konkreten Planungen mit der Initiative eigentlich verbunden waren. Dass Nord Stream 2 jedoch ein fester Teil davon war, daran kann es kaum einen Zweifel geben.

Da sind zum Beispiel die Stellungnahmen des Mitgr├╝nders und damaligen Energieministers Christian Pegel: Er geht l├Ąngst davon aus, dass die neue Pipeline eines Tages Wasserstoff transportieren wird. Eine deutsch-russische Klimapartnerschaft wird von der Landesregierung in Schwerin zudem ganz offiziell als Ziel ausgegeben.

Der damalige Energieminister Christian Pegel: In St. Petersburg fr├╝hst├╝ckte er mit Nord Stream 2. Am Nebentisch: Gerhard Schr├Âder.
Der damalige Energieminister Christian Pegel: In St. Petersburg fr├╝hst├╝ckte er mit Nord Stream 2. Am Nebentisch: Gerhard Schr├Âder. (Quelle: Fotoagentur Nordlicht/imago-images-bilder)

Ein weiterer Hinweis k├Ânnte der von Schirmherrin Schwesig gegen viel Kritik Mitte des Jahres ausgerichtete "Russland-Tag" in Rostock sein ÔÇô mit Nord Stream 2 als Sponsor: Dort diskutierten beteiligte Unternehmen mit Vertretern der dubiosen Landesklimastiftung, Gazprom, Nord Stream 2 und der russischen Atomagentur Rosatom bereits die "deutsch-russische Wasserstoffpartnerschaft".

Nicht wirklich ├╝berraschend waren sich alle Beteiligten einig, dass f├╝r die Rettung des Klimas auf Erdgas basierender Wasserstoff und Nord Stream 2 notwendig sind.

Doch Details ├╝ber die Hintergr├╝nde und die bisherigen Aktivit├Ąten der vom Land gegr├╝ndeten "Wasserstoff-Hanse" sind erstaunlich schwierig in Erfahrung zu bringen. Das k├Ânnte auch daran liegen, dass gegen einen der federf├╝hrend Beteiligten ein Strafbefehl wegen Betrugs erlassen wurde ÔÇô und andere Beteiligte nun eilig auf Distanz zu gehen versuchen.

Das Gasometer in Berlin-Sch├Âneberg: Hier entstand die Idee der "Wasserstoff-Hanse".
Das Gasometer in Berlin-Sch├Âneberg: Hier entstand die Idee der "Wasserstoff-Hanse". (Quelle: A. Friedrichs/imago-images-bilder)

2) Der Investor und sein Partner

Ausgangspunkt der "Wasserstoff-Hanse" scheint ein durchaus symboltr├Ąchtiger Ort zu sein: Im ehemaligen Gasometer in Berlin-Sch├Âneberg residiert die Euref AG, die federf├╝hrend an der Gr├╝ndung der Initiative beteiligt gewesen ist. Und so, wie auch der Start in ihre Wasserstoff-Ambitionen offenkundig mit Kontakten in die Spitzenpolitik einherging, begann auch ihr Aufstieg in die Zirkel der Berliner Macht vor fast 15 Jahren.

Als der vor allem in der Sozialdemokratie gut vernetzte Investor Reinhard M├╝ller damals aus der Brache einen Leuchtturm der Energie-Innovation machen wollte, konnte er sich der hochrangigen Unterst├╝tzung aus der Bundes- und Landespolitik sicher sein. Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier, Rainer Br├╝derle, Roland Koch, Lothar de Maizi├Ęre und auch Friedbert Pfl├╝ger ÔÇô sie alle sprachen sich f├╝r das hochtrabende Projekt aus, wie unter anderem der "Spiegel" damals berichtete.

F├╝r die deutsch-russische Bildungsarbeit im Energiebereich gewann M├╝ller neben anderen Sponsoren auch die Deutschland-Tochter von Gazprom und Nord Stream. Pfl├╝ger trat als Redner auf. Und trotz anf├Ąnglicher ├Âffentlicher Skepsis etablierte sich der Standort erfolgreich als Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft: Zahlreiche Unternehmen und Verb├Ąnde vor allem aus der Energiewirtschaft siedelten sich an. Heute sollen rund 5.000 Menschen dort forschen und arbeiten.

M├╝ller blieb w├Ąhrenddessen umtriebig, was seine Kontakte in die Spitzenpolitik anbelangt. L├Ądt er zum Charity-Event, golfen auch heute noch Gerhard Schr├Âder und Klaus Wowereit f├╝r die gute Sache. Weiht er ein neues Restaurant ein, z├Ąhlen neben Schr├Âder und Wowereit auch Kevin K├╝hnert und Franziska Giffey zu den G├Ąsten.

Die SPD nominierte Olaf Scholz auf seinem Berliner Campus zum Kanzlerkandidaten. Union und FDP sondierten dort nach der Bundestagswahl eine Jamaika-Koalition. Noch im Januar traf sich das SPD-Pr├Ąsidium hier zur Jahresauftaktklausur. Den Spatenstich zu einem Campus-Ableger in D├╝sseldorf setzte der damalige Ministerpr├Ąsident Armin Laschet.

Immer wieder zu Gast am Euref-Campus: das SPD-Pr├Ąsidium.
Immer wieder zu Gast am Euref-Campus: das SPD-Pr├Ąsidium. (Quelle: Metodi Popow/imago-images-bilder)

V├Âllig ├╝berraschend kann es also nicht sein, dass M├╝ller in der Lage ist, eine Wirtschaftsinitiative mit einer sozialdemokratischen Ministerpr├Ąsidentin in Rostock aus der Taufe zu heben.

├ťberraschend hingegen fiel die Wahl seines Partners aus, der neben M├╝ller ebenfalls die Gr├╝ndungserkl├Ąrung der "Wasserstoff-Hanse" unterschrieb. Auf Grundlage seiner Ideen gr├╝ndete M├╝llers Euref AG im Dezember 2020 am Standort Berlin eigens eine auf Wasserstoff spezialisierte GmbH. Mittlerweile firmiert sie unter anderem Namen ÔÇô beide Unternehmen legen heutzutage gr├Â├čten Wert darauf, dass sie mittlerweile gesellschaftsrechtlich getrennt sind.

Offenbar nicht ohne Grund.

Denn M├╝llers Partner war damals Reinhard H├╝ttl, der als einer der bestvernetzten deutschen Wissenschaftler gilt. Er beriet sowohl die Regierung Schr├Âder als auch Kanzlerin Angela Merkel, sa├č der Deutschen Akademie f├╝r Technikwissenschaften vor, war lange im Aufsichtsrat von BMW und leitete ├╝ber fast 15 Jahre das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) ÔÇô bis zu seiner fristlosen K├╝ndigung im Januar 2021.

Reinhard H├╝ttl (r.) im Jahr 2018 mit dem damaligen US-Botschafter (l.) und Brandenburgs SPD-Ministerpr├Ąsident Dietmar Woidke (2.v.l.): Das dortige Geoforschungszentrum musste H├╝ttl verlassen.
Reinhard H├╝ttl (r.) im Jahr 2018 mit dem damaligen US-Botschafter (l.) und Brandenburgs SPD-Ministerpr├Ąsident Dietmar Woidke (2.v.l.): Das dortige Geoforschungszentrum musste H├╝ttl verlassen. (Quelle: Martin M├╝ller/imago-images-bilder)

Aufgrund von Betrugsvorw├╝rfen war er untragbar geworden. Ein "Erdbeben" in der Forschungspolitik nannte das die "taz". Doch H├╝ttl fiel weich.

Wenige Wochen nach der K├╝ndigung, w├Ąhrend des laufenden Strafverfahrens, machte ihn Reinhard M├╝ller zum Chef seiner neu gegr├╝ndeten Euref Energy Innovation GmbH (E.E.I.). Das war naheliegend, denn die Idee zur Unternehmensgr├╝ndung stammte laut Euref von H├╝ttl selbst. Als langj├Ąhriger Vorsitzender des Euref-Beirats hatte er den Plan schmackhaft gemacht: Wasserstoff- und E-Fuel-Produktion in Rostock. Auf dem "Russland-Tag" sprach er sich anschlie├čend im Beisein der russischen Gash├Ąndler und des Klimastiftungsvorsitzenden f├╝r den Import aus Russland aus.

Und in den Beirat des neuen Unternehmens zog Gerhard Schr├Âder als Vorsitzender ein. Wann, wie und warum der Nord-Stream-2-Verwaltungsratspr├Ąsident ins Spiel kam, ist auf Anfrage von t-online weder von M├╝llers Euref AG noch von H├╝ttls heutiger E.E.I. in Erfahrung zu bringen. Den Einblick in die wenig sp├Ąter, im August 2021, mit der Landesregierung gegr├╝ndete "Wasserstoff-Hanse" erschwert auch der von Investor M├╝ller und Gesch├Ąftsf├╝hrer H├╝ttl herbeigef├╝hrte Umbruch der Unternehmensstrukturen.

Corona-Handschlag in Rostock-Warnem├╝nde: Schr├Âder und Schwesig riefen gemeinsam die "Wasserstoff-Hanse" ins Leben. Was nach Klimainitiative klang, setzte zentral auf Nord Stream 2.
Corona-Handschlag in Rostock-Warnem├╝nde: Schr├Âder und Schwesig riefen gemeinsam die "Wasserstoff-Hanse" ins Leben. Was nach Klimainitiative klang, setzte zentral auf Nord Stream 2. (Quelle: Jens B├╝ttner/dpa-bilder)

Denn Ende des Jahres akzeptierte H├╝ttl in seinem Verfahren einen Strafbefehl ├╝ber 58.500 Euro: In 21 F├Ąllen soll er bei der Abrechnung von Reisekosten und Spesen betrogen haben, wie unter anderem der "Tagesspiegel" berichtete. Er gilt damit als vorbestraft.

Etwa im selben Zeitraum ├╝bernahm er alle ├╝brigen Anteile der E.E.I. und benannte das Unternehmen um. Man habe hinsichtlich des Strafverfahrens die Strukturen klar trennen wollen, hei├čt es dazu in einer Stellungnahme. Die Euref gr├╝ndete wenig sp├Ąter eine Wasserstoff-Hanse Verwaltungsgesellschaft mbH deren Gesch├Ąftszweck fast identisch mit dem der E.E.I. ist.

Doch wie gestaltet oder gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Landesregierung? Gab es eine Kooperation mit der sogenannten Klimastiftung, die im Auftrag des Landes Nord Stream 2 vorantrieb?

3) Die "Wasserstoff-Hanse" und ihr Ende

Fragt man die beiden federf├╝hrend beteiligten Unternehmen heute, ist alles sozusagen Schnee von gestern. Miteinander haben sie demnach nichts mehr zu tun, mit der Initiative, der Landesregierung oder der Klimastiftung auch nicht. Fragen zur Rolle Gerhard Schr├Âders werden durchgehend nicht beantwortet.

Wohlgemerkt: Es sind gerade erst sechs Monate seit Gr├╝ndung vergangen, noch Ende des Jahres wurden zwei neue GmbHs gegr├╝ndet.

Die Euref AG gab auf Anfrage an, gesellschaftsrechtlich von der heutigen E.E.I. getrennt zu sein. Die Landesinitiative sei dazu gedacht gewesen, "den ├ťberseehafen Rostock zu einem Umschlags- und Produktionsstandort f├╝r klimaneutralen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe aufzubauen". Von dieser Idee sei man weiter ├╝berzeugt. Die "Wasserstoff-Hanse" habe aber keine Aktivit├Ąten entfaltet.

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Die gleichnamige GmbH habe die Euref AG im Dezember "im Nachgang der symbolischen Gr├╝ndung" und "ohne eine wirtschaftliche Beteiligung Dritter" gegr├╝ndet, "um das Thema voranzutreiben". Zumindest mit der Landesinitiative soll aber nun offenbar Schluss sein, wie die Euref AG nach mehreren vorausgegangenen Nachfragen schlie├člich am Montag mitteilte.

  • "Uns ist selbstverst├Ąndlich bewusst, dass dieses Vorhaben in der aktuellen Situation nicht mehr nur ein klimapolitisches ist. Wir haben uns daher entschieden, es nicht fortzuf├╝hren und haben die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern bereits entsprechend informiert."


Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung machte das Unternehmen keine Angaben.

Die E.E.I. gab auf telefonische Anfrage an, seit der ├ťbernahme durch H├╝ttl im November weder mit der Euref AG noch mit der "Wasserstoff-Hanse", der Landesregierung oder der Klimastiftung zusammenzuarbeiten. Schr├Âder sitze seitdem auch nicht mehr im Beirat. Wie der Nord-Stream-2-Vertreter dort hinein gekommen sei, k├Ânne man nicht sagen. Schriftliche Fragen blieben unbeantwortet.

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Und auch das heute f├╝r die "Wasserstoff-Hanse" zust├Ąndige Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern blieb Antworten schuldig. Einen ausf├╝hrlichen Fragenkatalog von t-online beantwortete es binnen mehrerer Tage nicht.

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