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Darum ist die US-Wahl so wichtig für die deutsche Wirtschaft

Es geht um Milliarden  

Darum ist die US-Wahl so wichtig für die deutsche Wirtschaft

Von Florian Schmidt, Mauritius Kloft

02.11.2020, 19:05 Uhr
Darum ist die US-Wahl so wichtig für die deutsche Wirtschaft . Schatten von Donald Trump (Symbolbild): Die US-Wahl ist für die deutsche Wirtschaft von Interesse. (Quelle: imago images/CHROMORANGE)

Schatten von Donald Trump (Symbolbild): Die US-Wahl ist für die deutsche Wirtschaft von Interesse. (Quelle: CHROMORANGE/imago images)

Die US-Wahl bestimmt, wer im Weißen Haus regiert: Donald Trump oder Joe Biden. t-online erklärt, warum die Wahl auch für die deutsche Wirtschaft entscheidend ist.

Am Dienstag wählen die Amerikaner ihren Präsidenten – und entscheiden damit auch über die Wirtschaftspolitik der USA in den nächsten Jahren. Auch in Deutschland schauen viele Unternehmen gespannt auf den Ausgang der Wahl, da die deutsche Wirtschaft eng mit der amerikanischen verbunden ist.

t-online erklärt, warum die USA so wichtig für die deutsche Wirtschaft sind, welchen Einfluss die Wahl auf Unternehmen und Finanzmärkte haben kann und was das für Privatanleger bedeutet.

Warum sind die USA so bedeutend für die deutsche Wirtschaft?

Weil die Vereinigten Staaten weiterhin der wichtigste ausländische Absatzmarkt für Waren und Dienstleistungen "made in Germany" sind. Im vergangenen Jahr exportierten Deutschlands Unternehmen Güter im Wert von insgesamt 118,7 Milliarden Euro in die USA – so viel wie in kein anderes Land der Welt und 6 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.

"Besonders wichtig ist der US-Markt für die Automobilindustrie, den Maschinenbau sowie für Medikamentenhersteller", sagt Michael Böhmer, Chefökonom am Prognos-Institut. Besonders angewiesen auf die Abnehmer aus den USA ist die Pharmaindustrie: 17 Prozent der Medikamenten-Ausfuhren landeten Prognos zufolge im Jahr 2019 in den USA.

Ein Großteil der Arbeitsplätze hierzulande hängt also direkt vom Handel mit den USA ab. "Hinzu kommt: Zahlreiche deutsche Firmen haben Fabriken in den USA eröffnet, zum Beispiel BMW", so Böhmer. "In keinem anderen Land der Welt investierten deutsche Unternehmen so viel Geld wie in den USA."

Laut einer aktuellen Berechnung von Prognos flossen 2017 rund 335 Milliarden Euro in Form direkter Investitionen in die Staaten. Zum Vergleich: In der gesamten EU landeten im selben Jahr 593 Milliarden Euro, wichtigstes einzelnes Investitionsland war darunter Großbritannien mit 145 Milliarden Euro.

Welche Konsequenzen hat die US-Wahl für Unternehmen in Deutschland?

Die engen Verflechtung der deutschen mit der amerikanischen Wirtschaft sorgen dafür, dass die Wahl des US-Präsidenten große Auswirkungen auf deutsche Unternehmen hat. Denn: Der Präsident der Vereinigten Staaten bestimmt maßgeblich über die Außen- und Handelspolitik der USA.

"Trump stellt alle Konventionen des internationalen Handels in Frage", sagt Jens Südekum, Ökonom und Experte für internationale Volkswirtschaftslehre, t-online. "Bliebe er an der Macht, könnte das der deutschen Exportwirtschaft langfristig sehr schaden. Einen Vorgeschmack haben wir bereits in den vergangenen Jahren bekommen."

Beispiel Welthandelsorganisation (WTO): Unter Trump haben die USA die WTO faktisch lahmgelegt. Die Folge, so Südekum: "Der Welthandel funktioniert nicht mehr regelgebunden. Es ist ein Dschungel entstanden, der für viel Unsicherheit bei den Firmen sorgt. Die Wahl entscheidet darüber, ob die USA diesen Kurs weiterverfolgen, oder Besserung in Sicht ist."

Beispiel Handelskriege: Trumps Ziel ist es, das Außenhandelsdefizit der USA im Ausland abzubauen. Er will, dass die USA im Ausland mehr Waren ver- und weniger einkaufen. Im Fokus stand dabei zuletzt China: Mit Strafzöllen versuchte er die größte Volkswirtschaft der Welt zu Handelsabkommen zu zwingen, in denen sich China etwa zum Import festgelegter Mengen Soja verpflichtet. "Wirklich erfolgreich war diese Strategie für die USA bislang nicht", sagt Südekum. "Der Handelsstreit mit China zeigt aber, was auch der EU und Deutschland drohen könnte. Wenn die USA hier ähnliche Zölle einführten, bekämen deutsche Unternehmen große Probleme."

Wer wäre besser für Wirtschaft und Finanzmärkte – Biden oder Trump?

Lange Zeit war Donald Trump der Wunschpräsident vieler Ökonomen, Analysten und Finanzexperten. Der Grund: Trump gilt als unternehmerfreundlich. Unter anderem senkte er die Unternehmenssteuer von 35 auf 21 Prozent. "Biden als linker Kandidat will Steuererleichterungen zurücknehmen", sagt etwa Manuel Heyden, Chef der Aktienhandels-Plattform Nextmarkets. "Für große US-Firmen ist das ein Problem."

Spätestens seit Beginn der Corona-Krise hat sich das Blatt aber gewendet. Biden trauen viele inzwischen eher zu, die Pandemie in den USA einzudämmen. "Trump ist bei der Corona-Bekämpfung völlig unberechenbar", sagt Christian Kahler, Chef-Anlagestratege bei der DZ-Bank, im Gespräch mit t-online. Mit Biden hingegen könnte man sich darauf einstellen, dass es einen Plan gegen Corona gebe. "Biden wäre für die Aktienmärkte angenehmer."

Kahler hält es generell für eine "Faustregel", dass ein republikanischer Präsident besser für die Märkte sei als ein demokratischer. "Es kommt immer auf das Marktumfeld an." Dass sich die Finanzmärkte unter Trump in der Vergangenheit positiv entwickelt haben, liege nicht ausschließlich an Trump. "Treiber der Entwicklung waren Tech-Aktien wie Facebook, Amazon oder Google", sagt Kahler. "Trump hat dafür wenig getan – auch wenn er das gerne so darstellt."

Ökonom: "Unter Biden wäre es USA besser gegangen"

Ähnlich sieht es mit Blick auf die Realwirtschaft abseits der Finanzmärkte auch Ökonom Jens Südekum. "Trump hat stark von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage profitiert. Seine protektionistische Handelspolitik konnte deshalb gar nicht so viel kaputt machen", sagt er. "Ich glaube allerdings, dass es den USA unter Biden sogar noch besser gegangen wäre."

Auch für die deutsche Wirtschaft wäre Biden der vorteilhaftere Kandidat. "Anders als Trump wird er den Handelsstreit mit China voraussichtlich etwas sanfter führen. Außerdem wird er sich die EU wohl nicht mit strengen Zöllen überziehen", sagt Südekum.

Was passiert nach der US-Wahl an der Börse?

Geht es nach Trump, werde die Welt "einen Crash sehen, wie es ihn noch nie gab" – sofern Biden gewinnt. Wenn umgekehrt DZ-Anlagestratege Kahler recht behält, wird der Aktienmarkt kurzfristig kaum Auswirkungen spüren.

Auch der Vorstandschef von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, Asoka Wöhrmann, sagte unlängst im t-online-Interview: "Es wird voraussichtlich einen leichten kurzfristigen Rückschlag für die Aktienkurse geben. Danach aber rechne ich mit einer schnellen Erholung der Märkte."

Jedoch könnten die Kursschwankungen zunehmen, wenn die Wahl sehr knapp ausgeht – oder Trump sich gar weigerte, seinen Platz freizumachen. "Wir werden in diesem Fall einen rapiden Kurssturz sehen", sagt Manuel Heyden von Nextmarkets.

Das sieht auch DZ-Anlagestratege Kahler so. "Finanzmärkte mögen keine Unsicherheit", sagt er. "Wenn Trump nicht geht, obwohl er müsste, werden die Aktienmärkte in den nächsten Wochen sicherlich bergab gehen."

Was heißt die US-Wahl für mich als Anleger?

Für Anleger kann die Wahl vor allem Kaufgelegenheit für bestimmte Aktien darstellen, wie sowohl Kahler von der DZ-Bank als auch Nextmarkets-Chef Heyden sagen. "Privatanleger sollten in den kommenden Wochen den Markt beobachten und schnell zugreifen, wenn sich eine Situation bietet", sagt Kahler.

Besonders Titel aus der Konsumgüterbranche oder der Tech-Branche könnten sich dann lohnen, weil sie womöglich kurzfristig im Wert fallen. "Aktien also, die durch Corona kaum verloren haben – oder sogar noch stark zulegten", so Kahler.

Breite Streuung reduziert Risiko

Investmentexperten raten Privatanlegern aber generell, den größten Teil Ihres Geldes auf ein breit gestreutes Portfolio zu setzen – am besten mit sogenannten ETFs, auch Indexfonds genannt. Diese bilden einen gesamten Aktienindex wie den amerikanischen Leitindex Dow Jones nach. So können Anleger ihr Risiko auf viele Branchen streuen.

Anleger mit dieser Strategie bräuchten auch weniger Angst vor einem Ausgang der Wahl zu haben, wie Heyden betont. Einzelne Aktien könnten das Ganze dann noch ergänzen – "aber auf einen bestimmten Wahlausgang spekulieren sollten Privatanleger nicht", warnt Heyden.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Prognos-Studie
  • Gespräch mit Jens Südekum
  • Gespräch mit Christian Kahler
  • Gespräch mit Manuel Heyden
  • weitere Quellen
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