Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Der Irrglaube der Söder-Fans

  • Sven Böll
Von Sven Böll

Aktualisiert am 13.04.2021Lesedauer: 7 Min.
Die Ungleichen: CDU-Chef Armin Laschet (l.) und der CSU-Vorsitzende Markus Söder
Die Ungleichen: CDU-Chef Armin Laschet (l.) und der CSU-Vorsitzende Markus Söder (Quelle: imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextMedizinischer Notfall bei PokalfinaleSymbolbild fĂŒr einen TextUmfrage: Söder vor MerzSymbolbild fĂŒr einen TextMehr LĂ€nder melden AffenpockenSymbolbild fĂŒr einen TextScholz stellt Forderung an SchröderSymbolbild fĂŒr einen TextKleinflugzeug abgestĂŒrzt: FĂŒnf ToteSymbolbild fĂŒr einen TextGas-Streit: China verĂ€rgert JapanSymbolbild fĂŒr einen TextZweitliga-Absteiger hat neuen TrainerSymbolbild fĂŒr einen Text25-JĂ€hriger sticht auf Frau einSymbolbild fĂŒr einen TextKerber triumphiert bei TennisturnierSymbolbild fĂŒr einen TextBeatrice Egli begeistert Fans mit FotosSymbolbild fĂŒr einen Watson Teaser"Let's Dance": Promi soll 2023 zurĂŒckkehren

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

heute schreibe ich fĂŒr Sie den kommentierten Überblick ĂŒber die Themen des Tages.

Das MissverstÀndnis

HĂ€tte Helmut Kohl 1998 auf eine erneute Spitzenkandidatur verzichtet, wĂ€re Wolfgang SchĂ€uble wahrscheinlich Kanzler geworden – und Gerhard Schröder niedersĂ€chsischer MinisterprĂ€sident geblieben.

HĂ€tte der Wahlkampf 2005 etwas lĂ€nger gedauert, wĂ€re Gerhard Schröder vielleicht als Kanzler bestĂ€tigt worden – und die politische Karriere von Angela Merkel beendet gewesen.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

HĂ€tte es Angela Merkel 2017 mit einem Martin Schulz zu tun gehabt, der Martin Schulz hĂ€tte sein dĂŒrfen, wĂ€re der SPD womöglich ein Coup bei der Bundestagswahl gelungen und Friedrich Merz unter UmstĂ€nden nun Kanzlerkandidat der Union.

HÀtte, hÀtte, hÀtte.

Denn es kam in den genannten FĂ€llen bekanntlich anders. Das zeigt auch: Wir wissen nicht, ob der trotz der jĂŒngsten Turbulenzen noch immer wahrscheinliche Kanzlerkandidat der Union Armin Laschet uns in den kommenden Monaten noch ĂŒberraschen wird – oder ob sich seine Kritiker bestĂ€tigt fĂŒhlen werden.

Und wir wissen auch nicht, ob Laschet im Fall der FĂ€lle ein guter Kanzler sein wird. Und schon gar nicht, ob Söder den Job besser machen wĂŒrde.

Die Kanzlerin und ihr VorgÀnger: Angela Merkel und Gerhard Schröder.
Die Kanzlerin und ihr VorgÀnger: Angela Merkel und Gerhard Schröder. (Quelle: imago-images-bilder)

NatĂŒrlich spricht im Moment vieles dafĂŒr, dass die Union mit dem bayerischen MinisterprĂ€sidenten einen erfolgreicheren Wahlkampf fĂŒhren könnte als mit seinem Kollegen aus Nordrhein-Westfalen: Söder ist deutlich beliebter, er kann Politik viel besser erklĂ€ren, ist unbestritten der Macher-Typ, nach dem sich viele sehnen. Und er glaubt an sich – mehr als alle anderen. Das hat er am Montag einmal mehr bewiesen.

Allerdings sollten sich die Söder-Fans auch nicht tĂ€uschen: WĂŒrde ihr Favorit in den kommenden Tagen doch noch der Kandidat der gesamten Union, gĂ€be es in den nĂ€chsten Wochen und Monaten auch allerlei Kritisches: Söder, die One-Man-Show. Söder, der Prinzipienlose. Söder, der einstige Super-Konservative ...

Auch kĂ€me der rastlose Kandidat im Wahlkampf wahrscheinlich alle zwei Stunden mit einer neuen Idee oder Initiative um die Ecke. In seiner RegierungserklĂ€rung als frischgewĂ€hlter MinisterprĂ€sident prĂ€sentierte er im April 2018 in rund einer Stunde 100 Projekte. Da verliert man schnell den Überblick.

Ob – und wenn ja wie – all das den Wahlkampf beeinflussen wĂŒrde, ist offen. Zumal unklar ist, ob im SpĂ€tsommer noch immer Corona dominiert, also der vermeintlich hĂ€rteste VirusbekĂ€mpfer gesucht wird. Oder lĂ€ngst andere Themen im Mittelpunkt stehen und sich die Republik zwar nach Aufbruch sehnt, aber eben auch nach Ausgleich.

Dass sich die Frage, ob Markus Söder ein besserer Kanzler als Armin Laschet wĂ€re, derzeit ebenfalls nicht seriös beantworten lĂ€sst, hat mit einem MissverstĂ€ndnis gegenĂŒber der großen Politik zu tun. Die Erfahrung zeigt: Entscheidend fĂŒr die Beurteilung einer Kanzlerschaft ist weniger, ob jemand im Wahlkampf beliebt ist und ein attraktives Programm umsetzen will, als vielmehr die Tatsache, wie geschickt der Amtsinhaber auf den Lauf der Geschichte reagiert.

Von Angela Merkel wird nicht ihr umfassendes Reformprogramm vom Leipziger Parteitag in Erinnerung bleiben, mit dem sie 2005 in den Wahlkampf zog, sondern ihr besonnenes Management der nicht enden wollenden Krisen – von der Finanz- ĂŒber die FlĂŒchtlings- bis hin zur Corona-Krise.

Bei Helmut Kohl hat es auch nicht die 1982 großspurig angekĂŒndigte geistig-moralische Wende in die GeschichtsbĂŒcher geschafft, sondern sein beherztes Zupacken, als es 1989 zur politischen Wende in der DDR kam.

Und Gerhard Schröder setzte die Hartz-Kommission, aus deren VorschlĂ€gen die Agenda 2010 und sein Ruf als Reformkanzler entstand, 2002 nicht deshalb ein, weil sie im Wahlprogramm der SPD aufgeschrieben war. Nein, die damalige Bundesanstalt fĂŒr Arbeit hatte ihre Statistiken zur Vermittlung von Arbeitslosen manipuliert.

Da sind sie alle versammelt: Kanzlergalerie im Kanzleramt.
Da sind sie alle versammelt: Kanzlergalerie im Kanzleramt. (Quelle: imago-images-bilder)

Dieses Reagieren bedeutet natĂŒrlich nicht, dass Kanzler nicht auch selbst agieren sollten, um eigene politische Ziele durchzusetzen.

Aber vor allzu großen Erwartungen an die Umsetzbarkeit von hehren Visionen sei gewarnt. Das gilt nicht nur fĂŒr Deutschland. Wenn Sie das nicht glauben, schauen Sie sich gern die Siegesreden von Barack Obama 2008 oder Emmanuel Macron 2017 an. Und dann vergleichen Sie diese damit, was beide in ihrer (bisherigen) Regierungszeit umsetzen konnten.

Sowohl der US- als auch der französische PrĂ€sident verfĂŒgen ĂŒber deutlich mehr Macht als ein Kanzler in der Bundesrepublik.

Das deutsche System ist viel stĂ€rker auf Ausgleich angelegt: Sei es, dass das Wahlrecht auf allen Ebenen zumeist BĂŒndnisse verschiedener Parteien notwendig macht. Sei es, dass fast immer alle Interessengruppen mitreden dĂŒrfen. Und sei es, dass der Föderalismus in der Regel eine VerstĂ€ndigung von Bund und LĂ€ndern erzwingt.

Durchregieren ist in Deutschland immer schwierig. Egal, ob der Regierungschef Laschet, Söder oder wie auch immer heißt. Das musste in den vergangenen Wochen nicht nur Angela Merkel spĂŒren, sondern eben auch Markus, der Starke. Sein selbsternanntes Pandemie-Team "Vorsicht" konnte sich immer weniger durchsetzen.

Trotzdem wĂŒrde Söder nun gern den Nachweis erbringen, dass er zumindest der bessere Kanzlerkandidat als Laschet wĂ€re. Bis zur endgĂŒltigen Entscheidung der Union wird es wohl noch etwas dauern. Schließlich haben beide Parteichefs RĂŒckhalt aus ihren PrĂ€sidien bekommen. "Jetzt wird's schmutzig", schreibt mein Kollege Tim Kummert zum eskalierenden FĂŒhrungsstreit zwischen CDU und CSU.

Söder setzt erkennbar auf den Druck der Bundestagsfraktion und der Basis. Wenn selbst dieses inszenierte "Wir hier unten, ihr da oben" nicht reicht, ist es gut möglich, dass er am Abend der Bundestagswahl sagen kann: "HÀtte die Union einen stÀrkeren Kanzlerkandidaten aufgestellt, wÀre das Ergebnis besser geworden."


Noch ein Duell NRW-Bayern

Die Wahrheit ist auf dem Platz: In diesen Tagen treffen Bayern und Dortmund nicht direkt aufeinander.
Die Wahrheit ist auf dem Platz: In diesen Tagen treffen Bayern und Dortmund nicht direkt aufeinander. (Quelle: imago-images-bilder)
Loading...
Loading...
Loading...
Was heute wichtig ist

Erhalten Sie jeden Morgen einen Überblick ĂŒber die Themen des Tages als Newsletter.

Heute und morgen kommt es zu einem weiteren Duell zwischen Nordrhein-Westfalen und Bayern – wenn auch nur indirekt. Der FC Bayern muss um 21 Uhr im Viertelfinal-RĂŒckspiel der Champions League bei Paris St. Germain einen RĂŒckstand von 2:3 aus der Heimniederlage aufholen. Am Mittwochabend ist dann Borussia Dortmund dran. Zwar ging das Hinspiel bei Manchester City ebenfalls verloren, nun aber spielt Dortmund zu Hause (was auch immer das in einem leeren Stadion wert ist).


Jetzt aber schnell

Am Vormittag verabschiedet das Bundeskabinett das neue Infektionsschutzgesetz. Es sieht unter anderem verpflichtende Maßnahmen ab einer Inzidenz von 100 vor. Anschließend beraten auch die Fraktionen darĂŒber. Nach Möglichkeit soll es noch in dieser Woche vom Bundestag und womöglich sogar vom Bundesrat verabschiedet werden. Trotz dieses enormen Tempos wird wohl auch dieses Mal das sogenannte Strucksche Gesetz (nach dem frĂŒheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck) gelten: "Kein Gesetzesentwurf verlĂ€sst den Bundestag so, wie er hereingekommen ist."


Hauptsache normal reden

Welcome to Germany: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin.
Welcome to Germany: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. (Quelle: imago-images-bilder)

Fast drei Monate nach der Vereidigung von US-PrĂ€sident Joe Biden besucht erstmals ein Minister der neuen Regierung Deutschland. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin trifft vormittags Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und redet dann mit US-Soldaten in Stuttgart. Bahnbrechende Ergebnisse sind nicht zu erwarten. In Berlin sind aber alle froh, dass man ĂŒberhaupt mal wieder vernĂŒnftig miteinander spricht.


Was lesen?

Schon lange forschen Wissenschaftler an Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 – mit mĂ€ĂŸigem Erfolg. Doch jetzt sorgt eine Studie der UniversitĂ€t Oxford zu einem bekannten Asthmaspray fĂŒr neue Hoffnung. Meine Kollegin Melanie Weiner hat sich die Ergebnisse genauer angeschaut.


Einfach mal raus damit: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht.
Einfach mal raus damit: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. (Quelle: imago-images-bilder)

"Der typische Lifestyle-Linke wohnt in einer Großstadt. Er hat ein abgeschlossenes UniversitĂ€tsstudium, plĂ€diert fĂŒr eine Post-Wachstums-Ökonomie und achtet auf biologisch einwandfreie ErnĂ€hrung. Dieselauto-Fahrer und Mallorca-Billigflugreisende sind ihm ein Graus. Das heißt nicht, dass er selbst nicht Auto fĂ€hrt oder nie ein Flugzeug besteigt. Aber dabei handelt es sich eben nicht um Ballermann-Tourismus, sondern um Bildungsreisen, die dabei helfen, andere Kulturen kennenzulernen, die letztverbliebenen wilden Orang-Utans zu besichtigen oder im Ayurveda-Hotel dem inneren Selbst nĂ€herzukommen."

Das klingt nicht nur wie eine Abrechnung, das ist auch eine. Und sie kommt von der noch immer prominentesten Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Ihr Buch "Die Selbstgerechten" erscheint in dieser Woche. Einen Auszug können Sie schon jetzt bei uns lesen. Und ihr dann zustimmen oder widersprechen.

Mehr aus dem Ressort
Der "AfD-KĂŒchenschreck" und seine Putin-Propaganda
Ein Screenshot aus Lindemanns Kochsendung auf YouTube: Die Show habe angeblich mit Politik nichts zu tun.



Zur "Bild"-Zeitung hat jeder eine Meinung. Prominente und Politiker suchen bis heute die NĂ€he des Boulevardblatts. Aber ist es immer noch so einflussreich wie frĂŒher? "Die 'Bild'-Zeitung wird nicht mehr so ernst genommen", stellt der Wissenschaftler Tanjev Schultz im GesprĂ€ch mit meinem Kollegen Marc von LĂŒpke fest.


Im Moment erhalten viele Smartphone-Nutzer rĂ€tselhafte Paket-Nachrichten mit einem Link darin. "Bloß nicht öffnen!", warnen Experten. Denn dahinter verbirgt sich Schadsoftware, die etwa Zugangsdaten zum Onlinebanking ausspĂ€hen kann. Doch wie gefĂ€hrlich sind die Meldungen wirklich? Die wichtigsten Infos hat unser Digital-Team zusammengetragen.


Unser Finanzressort erklĂ€rt Ihnen zusammen mit unserem Videoteam die wichtigsten Themen aus der Finanzwelt. Diesmal zeigen Ihnen meine Kollegen Axel KrĂŒger und Philip Friedrichs in 150 Sekunden, mit welchem Effekt Sie Ihr Vermögen bei der Geldanlage vermehren können. Falls Sie befĂŒrchten, dass es trocken wird, kann ich Sie beruhigen. Hier geht es zur Animation.


Was amĂŒsiert mich?

Bilder, heißt es, sagen mehr als 1.000 Worte. Ich glaube, es gibt auch Bilder, die mehr als 10.000 Worte sagen.

Deshalb beeindruckt mich mit einer Mischung aus Schaudern und Schmunzeln noch immer dieses Bild vom Sonntag: Markus Söder schildert nach der Klausur des Fraktionsvorstands gerade seine Sicht der Dinge – und CDU-Chef Armin Laschet, Fraktionschef Ralph Brinkhaus und der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag Alexander Dobrindt (v. l.) hören zu ... nein, sie blicken recht sorgenvoll zu ihm: Plant er mal wieder irgendetwas Fieses?

Was fĂŒhrt er denn jetzt schon wieder im Schilde?: Armin Laschet, Ralph Brinkhaus und Alexander Dobrindt beĂ€ugen Markus Söder kritisch
Was fĂŒhrt er denn jetzt schon wieder im Schilde?: Armin Laschet, Ralph Brinkhaus und Alexander Dobrindt beĂ€ugen Markus Söder kritisch (Quelle: Reuters-bilder)

Hoffentlich haben Sie heute frĂŒh einen Grund, deutlich fröhlicher zu gucken. Morgen schreibt an dieser Stelle wieder mein Kollege Florian Harms fĂŒr Sie.

Ihr

Sven Böll
Managing Editor t-online
Twitter: @SvenBoell

Was denken Sie ĂŒber die wichtigsten Themen des Tages? Schreiben Sie es uns per E-Mail an t-online-newsletter@stroeer.de.

Mit Material von dpa.

Den tÀglichen Newsletter von Florian Harms hier abonnieren.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Florian Harms
Von Florian Harms
Angela MerkelArmin LaschetBundestagCDUCSUDeutschlandFriedrich MerzGerhard SchröderMarkus SöderMartin SchulzSPDSahra WagenknechtWolfgang SchÀuble
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website