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Am Ende siegen Sitzenbleiber

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 24.08.2021Lesedauer: 6 Min.
Olaf Scholz ist in der SPD-Spitzenriege übrig geblieben.
Olaf Scholz ist in der SPD-Spitzenriege übrig geblieben. (Quelle: photothek/imago-images-bilder)
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

alle vier Jahre dürfen die Deutschen entscheiden, wer ihnen sagt, wo's langgeht. Also wollen sie sich ein Bild von den Parteien und deren Kandidaten machen. Es gab Jahre, in denen im Wahlkampf heftig gestritten wurde: 1990 Lafontaine gegen Kohl, 1998 Schröder gegen Kohl, 2002 Stoiber gegen Schröder, irgendwie auch 2017 Schulz gegen Merkel, mit der AfD im Nacken. In diesem Jahr aber tröpfelt der Bundestagswahlkampf dahin, echte Höhepunkte sind rar, dafür werden Kleinigkeiten zu Aufregern aufgebauscht. Obwohl es genügend Anlässe für große Diskussionen gäbe, führen die Kanzlerkandidaten allenfalls Diskussiönchen. Die Gründe mögen zum Teil in der von Lockdowns und Dauerpolitikalarm erschöpften Öffentlichkeit liegen, teils auch im Hyperventilieren mancher Medien, aber eben auch in den Persönlichkeiten der Kanzlerkandidaten.

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Wer das politische Geschäft aus der Nähe verfolgt oder wenigstens die ARD-Dokumentation "Die wollen da rein" über die drei Bewerber ums Kanzleramt gesehen hat (in der Mediathek steht sie noch), lernt drei Menschen kennen, die auf bemerkenswerte Weise in ihre heutigen Positionen gelangt sind, denen aber noch vor wenigen Jahren kaum jemand zugetraut hätte, nach dem mächtigsten Staatsamt zu greifen.

In der SPD ist Olaf Scholz übrig geblieben, nachdem Andrea Nahles, Sigmar Gabriel, Martin Schulz, Peer Steinbrück, Kurt Beck, Matthias Platzeck und all die anderen Top-Sozialdemokraten entnervt hingeschmissen haben oder von den eigenen Genossen abserviert wurden. Keine deutsche Traditionspartei hat sich selbst so geschadet wie die SPD. Vorstandsitzungen galten zeitweise als Minenfelder, auf Parteitagen wusste man vorher nicht, ob die Spitzenleute hinterher noch was zu sagen haben würden, und besonders gern piesackten sich die Damen und Herren, indem sie Journalisten allerhand Übles über die eigenen Leute zuflüsterten. Das verkraftet die stärkste Truppe nicht, und so lichteten sich die Reihen. Olaf Scholz ist ein Übriggebliebener, er hat sich mit der zur Parteichefin geadelten Hinterbänklerin Saskia Esken, ihrem Co-Chef Norbert Walter-Borjans, dem umtriebigen Kevin Kühnert und vor allem den Würden-, Bedenken- und Aktenträgern im Willy-Brandt-Haus arrangiert. Bislang hält der rote Pakt eisern – in der Partei des "Friendly Fire" ist das außergewöhnlich.

In der CDU hat die langjährige Vorsitzende Angela Merkel alle starken Männer, die ihr irgendwie gefährlich werden konnten, ausmanövriert. Erst nach ihrem Abgang als Parteichefin tauchte ihr Rivale Friedrich Merz wieder auf und traute sich Norbert Röttgen, wieder ganz vorn mitzumischen. Doch der eine bereitete sich nicht gut genug vor, dem anderen fehlten starke Verbündete. Roland Koch und Günther Oettinger spielten schon länger keine Rolle mehr, Annegret Kramp-Karrenbauer bald auch nicht mehr, Wolfgang Schäubles Macht reichte immerhin noch dafür, Markus Söder die Kanzlerkandidatur abzutrotzen und sie Armin Laschet zu servieren. Denn anders als all die früheren CDU-Aspiranten war Herr Laschet halt noch da – und genau das ist es, wofür ihm sowohl Verbündete als auch Gegner Anerkennung zollen: Er bleibt einfach da, auch wenn es knifflig wird; er ist sich nicht zu schade, Probleme auszusitzen. So gesehen hat er mehr Ähnlichkeit mit Helmut Kohl als alle anderen CDU-Granden der vergangenen Jahre.

Bei den Grünen hat Annalena Baerbock sich die Kandidatur genommen; ermutigt vor allem von vielen Frauen in ihrer Partei, sah sie darin einen Akt weiblicher Emanzipation gegen den immer noch männlich geprägten Politikbetrieb. Da bei den Grünen die Regel gilt, dass bei einem weiblichen und einem männlichen Bewerber stets die Frau das Erstzugriffsrecht hat, wirkte ihr Machtmanöver vergleichsweise einfach. Trotzdem war es ein Wagnis, ihren populären Co-Chef Robert Habeck sachte, aber bestimmt beiseitezuschieben. Noch vor gut drei Jahren musste sie in ihrer ersten Bewerbungsrede für den Grünen-Vorsitz klarstellen, dass sie "nicht die Frau an Roberts Seite" sein wolle. Anschließend sah sie zu, wie der Robert in jeder Talkshow saß, ein Buch nach dem anderen schrieb, eloquent philosophierte und dabei viel Glanz abbekam. Neben so einem Überflieger weiterzumachen, obwohl man nicht dieselben Fähigkeiten hat, ist kein Spaziergang. Aber sie blieb auf ihrem Kurs nach oben, und am Ende griff sie zu.

Alle drei – Scholz, Laschet, Baerbock – haben ihre Karrieren sorgfältig geplant, alle drei haben kluge Berater. Trotzdem ist es, mit etwas Abstand betrachtet, außergewöhnlich, dass ausgerechnet diese drei Personen nun ums Kanzleramt kämpfen. Würden sich parteipolitische Findungsprozesse ausschließlich nach der Popularität von Kandidaten richten, würden nun wohl Robert Habeck, Markus Söder und Kevin Kühnert (oder vielleicht die von ihrer Krebserkrankung genesene Manuela Schwesig) von den Wahlplakaten lächeln. Aber um in der Politik Erfolg zu haben, braucht es eben mehr als Beliebtheit und Kompetenz. Entscheidend sind Machtbewusstsein, taktisches Geschick, starke Verbündete – und vor allem Sturheit: Wer siegen will, bleibt sitzen, wenn andere gehen.


Ringen um Evakuierungsflüge

Taliban-Sprecher Suhail Shahin droht den Amerikanern und Briten.
Taliban-Sprecher Suhail Shahin droht den Amerikanern und Briten. (Quelle: imago images)

Die Zeit läuft ab: Wenn die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten heute über die Lage in Afghanistan beraten, geht es nicht mehr nur um die grundsätzliche Bereitschaft der USA, Evakuierungsflüge aus Kabul auch nach dem 31. August abzusichern. Denn inzwischen haben die Taliban gesagt, was sie von solchen Plänen halten: Das Datum sei "eine rote Linie", stellte ihr Sprecher Suhail Shaheen klar und schob hinterher: "Wenn die USA oder das Vereinigte Königreich um zusätzliche Zeit für die Fortsetzung der Evakuierungen bitten würden, lautete die Antwort nein – oder es würde Konsequenzen geben." In der fragilen Sicherheitslage am Flughafen der afghanischen Hauptstadt könnten nun also auch noch Kämpfe oder Anschläge drohen. Für Tausende Menschen, die noch auf einen Flug warten, macht das die Situation umso schlimmer. Gleichwohl gibt es auch viele humanitäre Helfer, die das Land nicht verlassen wollen, darunter alle Organisationen der Vereinten Nationen und die Welthungerhilfe. "In vielen Provinzen wurden wir von den Taliban gebeten, dass wir bleiben und unsere nachweislich erfolgreiche Arbeit für Kinder fortsetzen", hören wir vom Kinderhilfswerk Unicef. Klingt seltsam? Nein, bewundernswert.


Ukraine feiert Unabhängigkeit

Ukrainische Soldaten proben auf Kiews Prachtboulevard die Militärparade.
Ukrainische Soldaten proben auf Kiews Prachtboulevard die Militärparade. (Quelle: Ukrinform/dpa)
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Tagesanbruch - Was heute wichtig istWas heute wichtig ist

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Am 24. August 1991, kurz nach dem Putschversuch gegen Gorbatschow in Moskau, verabschiedete das Parlament der Ukraine eine Unabhängigkeitserklärung, die später vom Volk mit 90 Prozent Zustimmung bestätigt wurde. Den 30. Jahrestag dieses identitätsstiftenden Ereignisses feiert das Land heute mit einer großen Militärparade in Kiew. 5.000 Soldaten marschieren durchs Zentrum der Hauptstadt, begleitet von Panzern, Kampfflugzeugen und Helikoptern. Auch Soldaten aus den Nachbarstaaten Polen, Slowakei, Moldawien und Tschechien laufen mit; in der südukrainischen Hafenstadt Odessa ist eine Parade der Schwarzmeerflotte mit mehr als 20 Schiffen und Marinefliegern geplant. Wem das ganze militärische Brimborium auch gilt, ist unschwer zu erahnen: dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinen imperialen Ambitionen auf der Krim und in der Ostukraine. Dort schwelt trotz eines Waffenstillstands weiter ein Stellungskrieg zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen. Kein Wunder, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Besuch Angela Merkels lieber heute als am vergangenen Sonntag gesehen hätte. Aber das war der scheidenden Kanzlerin wohl zu viel Symbolik – die im Übrigen nicht so gut zum Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 gepasst hätte.


Eröffnungsfeier der Paralympics

Gut zwei Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele beginnen heute in Tokio die Paralympics. Dabei kämpfen rund 4.400 Athleten in 23 Disziplinen und 540 Wettkämpfen bis zum 5. September um Medaillen; erstmals im Programm sind Badminton und Taekwondo. Ohne Zuschauer, aber im Beisein des japanischen Kaisers Naruhito steigt um 13 Uhr die Eröffnungsfeier, bei der Rollstuhlbasketballerin Mareike Miller und Radfahrer Michael Teuber die deutsche Fahne tragen. Die ARD überträgt live.


Was lesen?

Welche Pläne haben die Parteien für Deutschland, was steht in den Wahlprogrammen? Meine Kolleginnen und Kollegen aus unseren Politikteams geben Ihnen einen schnellen Überblick: hier zur SPD, hier zu CDU/CSU, hier zu den Grünen, hier zur FDP, hier zur AfD und hier zur Linkspartei.


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Bars wie die Hamburger Strandperle könnten bald nur noch bestimmten Bürgern zugänglich sein. (Quelle: imago images)

Die Stadt Hamburg will in der Corona-Politik einen Sonderweg gehen: Restaurants, Kinos und Theater sollen nur noch Geimpften und Genesenen offenstehen. Entsteht da eine Zwei-Klassen-Gesellschaft? Unsere Reporterin Judith Tausendfreund hat sich in der Hansestadt umgehört.


Nordrhein-Westfalen hat gegenwärtig die höchsten Corona-Zahlen. Warum ist das so? Meine Kollegin Lisa Becke klärt Sie auf.


Leroy Sané ist ein Star. Moment, oder war er ein Star? Oder wird er vielleicht wieder einer? Gegenwärtig kickt er beim FC Bayern eher schlecht als recht. Was ist da los? Mein Kollege David Digili hat genauer hingesehen.

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Was amüsiert mich?

Falls Sie wissen möchten, wie ich mich heute Morgen fühle …

(Quelle: Mario Lars)

Ihnen (und mir) wünsche ich einen gelassenen Tag. Morgen schreibt Camilla Kohrs den Tagesanbruch, von mir lesen Sie am Donnerstag wieder.

Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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