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Fachkräftemangel: Große Unzufriedenheit in Handel und Handwerk | Umfrage


Exklusive Umfrage
Der große Frust der Handwerker

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 07.09.2023Lesedauer: 3 Min.
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Ein Handwerker auf einer Baustelle (Symbolbild): Fachkräfte sind gerade im Handwerk stark nachgefragt.Vergrößern des Bildes
Ein Handwerker auf einer Baustelle (Symbolbild): Fachkräfte sind gerade im Handwerk stark nachgefragt. (Quelle: Rolf Zöllner/imago images)

Überall fehlen Fachkräfte und viele Unternehmen drohen ihre Mitarbeiter zu verlieren. Der Grund: Viele Angestellte in Handel und Handwerk sind unzufrieden. Einfache Maßnahmen könnten helfen.

Hotels und Restaurants, Klempner und Elektriker, sie alle suchen händeringend nach Fachkräften. Schon jetzt sind zahlreiche Stelle offen, können Aufträge oft nur verzögert bearbeitet werden. Doch die Lage dürfte sich in den kommenden Monaten noch verschlechtern, wie jetzt eine aktuelle Forsa-Umfrage zeigt.

Demnach ist rund ein Fünftel (21 Prozent) der sogenannten Blue-Collar-Angestellten, also der Arbeitnehmer in Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor, eher oder sehr unzufrieden mit ihrer aktuellen beruflichen Situation. Noch deutlich mehr von ihnen überlegen den Job zu wechseln. Zum Vergleich: Unter den Beschäftigten mit Bürojobs gaben 14 Prozent an, unzufrieden zu sein.

Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Recruiting-Firma Onlyfy durchgeführt. Die Ergebnisse lagen t-online vorab vor.

Nicht nur Unzufriedene wollen neue Jobs

Was die Situation zusätzlich verschärft: Nicht nur die Unzufriedenen schauen sich nach einem neuen Job um. Insgesamt sagen 37 Prozent der Befragten, entweder aktiv nach einer neuen Stelle zu suchen (6 Prozent) oder einen Wechsel in Erwägung zu ziehen (31 Prozent). Vor allem unter jüngeren Beschäftigten ist die Wechselbereitschaft hoch. 59 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gaben das entsprechend in der Umfrage an.

Dabei führen vor allem eine hohe Arbeitsbelastung (45 Prozent), Gehalt (39 Prozent) und das Verhalten von Kollegen (35 Prozent) und Führungskräften (34 Prozent) die Angestellten dazu, über einen Wechsel nachzudenken.

Bei ihren aktuellen Arbeitgebern halten sie hingegen Jobsicherheit (74 Prozent) und ein guter Zusammenhalt unter Kollegen (59 Prozent). Auch ein attraktiver Standort ist für über die Hälfte der Befragten ein Argument für ihr aktuelles Unternehmen.

Einige Arbeitnehmer fürchten zudem, dass sie zu alt für einen Jobwechsel sind (39 Prozent) oder sie scheuen einen Umzug (36 Prozent). Ein Viertel der Befragten hat zudem bislang keine attraktiven Stellenangebote gefunden.

Methodik

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag von Onlyfy insgesamt 1.736 über 18-jährige Personen in Deutschland online befragt. 1.006 von Ihnen fallen in die Kategorie Blue-Collar-Arbeitnehmer. Damit gemeint sind Arbeitnehmer aus Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor. 730 Personen entfallen auf den Bereich White Collar, womit vor allem Büroangestellte bezeichnet werden. Parallel wurde eine Studie unter 200 Mitarbeitern aus Personalabteilungen in Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern in Deutschland durchgeführt. Onlyfy gehört zur New Work SE. Zum Konzern zählen auch Marken wie die Arbeitgeberbewertungsplattform kununu und das Jobnetzwerk Xing.

Jobsicherheit ist wichtigster Faktor

Womit können Unternehmen also Fachkräfte für sich gewinnen? Mit 74 Prozent Zuspruch steht die Jobsicherheit an erster Stelle. Dahinter folgen ein höheres Gehalt (71 Prozent), ein attraktiver Standort und pünktliche Bezahlung (jeweils 69 Prozent). Ein gutes Führungsverhalten der Vorgesetzten ist 64 Prozent wichtig und für 55 Prozent sollte ein neuer Job sinnerfüllend sein.

Nur jeder Fünfte klagt über mangelnde flexible Arbeitszeiteinteilung im aktuellen Job, aber 48 Prozent würden bei einem neuen potenziellen Arbeitgeber darauf achten. Zwei von drei Befragten (66 Prozent) sagen, dass mehr Flexibilität in Form von Gleitzeit oder einer 4-Tage-Woche ein Unternehmen in ihren Augen attraktiver machen.

"Der Wettbewerb um Arbeitskräfte, die nicht einer klassischen Büroarbeit nachgehen, ist härter als je zuvor. Es geht um einen deutlich wahrnehmbaren Arbeitskräftemangel – und das unabhängig von Konjunkturschwankungen", so Frank Hassler, Recruiting-Vorstand bei der New Work SE. Um künftig Mitarbeiter zu finden, müssten Handwerk, Hotellerie und Einzelhandel stärker auf die Bedürfnisse der Fachkräfte eingehen.

Der Fachkräftemangel, gerade in diesen Bereichen, ist auch von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Immerhin entfallen laut Statistischem Bundesamt rund 80 Prozent der deutschen Beschäftigten auf Tätigkeiten, die überwiegend durch körperliche Arbeit geprägt sind.

Wenige Leute, fehlende Qualifikationen und hohe Ansprüche

Aus Sicht der Unternehmen stellt sich die Situation etwas anders dar. Das zeigt eine parallel durchgeführte Befragung von 200 Personalern. So gaben 83 Prozent der Befragten an, dass es insgesamt zu wenige Arbeitskräfte am Markt gebe. Unzureichende fachliche Qualifikationen führten laut 62 Prozent der Befragten zu Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Aber auch die hohen Gehaltsansprüche von möglichen Kandidaten sind für mehr als die Hälfte (55 Prozent) ein Problem.

Entsprechend lange dauert es, offene Stellen zu besetzen. Bei fast jedem zweiten Unternehmen vergehen zwischen drei und sechs Monate, bis Nachfolger für frei gewordene Jobs gefunden werden. Besonders schwer zu finden sind dabei Fachkräfte im Dienstleistungssektor (95 %) und der Industrie (94 %).

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Auswertung von Onlyfy
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