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Studie zum Brexit: So viel kostet der EU-Austritt Deutschland

Studie der Bertelsmann-Stiftung  

So viel kostet der Brexit jeden einzelnen Deutschen

21.03.2019, 09:38 Uhr | dpa

 (Quelle: Getty)
Der Brexit: Was er für Deutschland und die Bevölkerung bedeutet

Beinahe drei Jahre sind seit dem Brexit-Votum vergangen, der Austrittstermin wackelt. Doch was bedeutet der Austritt Großbritanniens eigentlich für Deutschland und seine Einwohner? (Quelle: t-online.de)

Brexit-Chaos: Das würde ein harter Brexit für Deutschland bedeuten. (Quelle: t-online.de)


Wie wirkt sich der Brexit auf die Einkommen in Deutschland und der übrigen EU aus? Es wird zu Verlusten in Milliardenhöhe kommen, prognostiziert eine Studie. Doch es gibt auch Profiteure.

Auch wenn keiner weiß, wie der Brexit aussehen und wann er vollzogen wird – das Bruttoeinkommen in Deutschland schmälert er einer Studie zufolge wohl in Milliardenhöhe. Komme es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens ohne Vertrag, müssten sich die Deutschen auf einen Einkommensverlust von fast 10 Milliarden Euro jährlich einstellen. Pro Kopf bedeute das rein statistisch gesehen rund 115 Euro weniger, schätzt eine neue Berechnung der Bertelsmann-Stiftung, die in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Nach Großbritannien selbst wäre demnach das exportorientierte Deutschland bei den Bruttoeinkommen am stärksten belastet, gefolgt von Frankreich und Italien. Auf das Vereinigte Königreich käme laut Simulation bei einem No-Deal-Austritt ein jährlicher Einkommensverlust von 57 Milliarden Euro zu – umgerechnet etwa 875 Euro pro Einwohner. Auf fast 8 Milliarden Euro weniger müssten sich die Franzosen und auf gut 4 Milliarden Euro weniger die Italiener gefasst machen, sagt die Studie voraus.

Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die negativen Auswirkungen deutlich abmildern, betonen die Autoren. Sie hatten auf Basis von amtlichen Handelsdaten in zwei Szenarien – Brexit mit oder ohne Vertrag – Einkommensentwicklungen geschätzt, auf Grundlage erwarteter Veränderungen beim Bruttoinlandsprodukt. Als Gründe für die erwarteten Verluste nennen sie Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung.

Besonders Bayern und NRW betroffen

Fast 10 Milliarden Euro absoluter Einkommensverlust für Deutschland jedes Jahr sei ein hoher Wert, entspreche aber nur etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erläuterte Mitautor Dominic Ponattu. Es sei von regional unterschiedlichen Auswirkungen auszugehen. Nordrhein-Westfalen wäre voraussichtlich besonders stark betroffen, auch weil Großbritannien für den NRW-Export eine große Rolle spiele.

Bayern würde bei den absoluten Einkommensverlusten ebenfalls recht deutlich verlieren. Zudem treffe der Brexit stark Regionen mit einem hohen Anteil an mittelständischen Unternehmen – etwa das Umland von Stuttgart und Hamburg oder das Rheinland.

Bei einem vertraglich geregelten Austritt sieht die Simulation weit weniger negative Auswirkungen. Für Deutschland nehme man dann Einkommensverluste von rund 5 Milliarden Euro an. Auch für die gesamte EU (ohne Großbritannien) würde sich der Verlust in etwa halbieren – auf geschätzte 22 Milliarden Euro.

Es gibt auch Profiteure

Profitieren könnten wohl die USA und China mit jährlichen Milliarden-Einkommenszuwächsen, einen leichten Anstieg erwartet die Studie auch für Russland. Ponattu sagte, werde der Handel innerhalb Europas teuer, würden die "Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest der Welt" attraktiver. Stiftungsvorstand Aart de Geus mahnte, London und Brüssel sollten den Ausstieg unbedingt vertraglich regeln. Das Fundament des weltweit größten gemeinsamen Wirtschaftsraums drohe schwer beschädigt zu werden.
 

 
Zahlreiche Stimmen aus Politik, Wirtschaft und auch Verbraucherschützer hatten vor drastischen Folgen gewarnt, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen. Die britische Premierministerin Theresa May hatte die EU am Mittwoch um einen Aufschub bis 30. Juni gebeten – ohne Teilnahme an der Europawahl zuvor im Mai.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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