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Darum haben es Rentner bei der Wahl besonders leicht

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 20.07.2021Lesedauer: 3 Min.
Eine Wahlurne (Symbolbild): Je nach Einkommen und Alter lohnt es sich bei der Bundestagswahl andere Parteien zu wählen.
Eine Wahlurne (Symbolbild): Je nach Einkommen und Alter lohnt es sich bei der Bundestagswahl andere Parteien zu wählen. (Quelle: getty-images-bilder)
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Beim Thema Geld ist der Unterschied zwischen den Parteien bei dieser Wahl so groß wie lange nicht. Welche Partei zu Ihrem Geldbeutel passt, hängt von drei Faktoren ab.

Der legendäre Gründungschefredakteur des "Focus" beauftragte seine Wirtschaftsredakteure vor Bundestagswahlen regelmäßig mit einer Titelgeschichte, Überschrift: "Wen würde Ihr Geldbeutel wählen?"

Bei dem Münchner Magazin kam in aller Regel eine Empfehlung für die FDP dabei herum – Helmut Markwort ist FDP-Mitglied und sitzt heute für die Partei im bayerischen Landtag. Doch in der Sache hat er recht. Vor einer Wahlentscheidung ist es wichtig zu wissen, wie die Parteien nach der Wahl mit dem Geld ihrer Wähler umgehen wollen.

Aus der Perspektive des Privatvermögens sind verschiedene Dinge zu bedenken: das Alter des Wählers, die wichtigste Einkommensquelle des Haushaltes, die Größe des Hausstandes.

Rentner haben es bei der Wahl leicht

Außerdem muss sorgfältig überlegt werden, in welcher Koalition sich die gewählte Partei wahrscheinlich wiederfinden wird, wenn sie an der Regierung beteiligt wird. Für die "Süddeutsche Zeitung" hat zuletzt das Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW ausgerechnet, wer in welcher Regierungskonstellation profitieren, oder besonders belastet würde.

Erstens: Alter. Für die meisten Senioren sind Rente und/oder Pension die wichtigsten Einkommensquellen. Für ihre materielle Lage in den kommenden Jahren ist es also wichtig zu wissen, wie es die Parteien mit den Alten halten werden. Schließlich steht eine große Rentenreform ganz oben im Pflichtenheft der künftigen Regierung.

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Keine Partei droht mit Rentenkürzungen. Das ist die gute Nachricht für Rentner. Außerdem hat der CDU-Parteivorsitzende Armin Laschet vor, im Fall einer Regierung unter seiner Führung einen großen Konsens zu suchen, damit die Reform dann auch die nächste Wahl überlebt. Im Prinzip könnten Rentnerinnen also die Partei wählen, die ihnen auch sonst am besten gefällt.

Heutige Arbeitnehmer müssen sich entscheiden

Dennoch gibt es Unterschiede, die sich vor allem auf die heute noch Erwerbstätigen beziehen: Die Linkspartei (die aber nur magere Aussichten hat, mitregieren zu dürfen) will das Renteneintrittsalter senken und das Rentenniveau erhöhen.

CDU/CSU wollen einen späteren Renteneintritt, FDP und AfD eine flexible Altersgrenze. In einer künftigen Regierung sollen in jedem Fall Selbstständige und Freiberufler, eventuell auch (so will es die SPD) Beamte in die Rentenkasse einzahlen müssen. Alle Parteien planen außerdem eine verpflichtende private Altersvorsorge.

Zweitens: Einkommen und Vermögen. Hier sieht das ZEW einen klaren "Lagerwahlkampf" heraufziehen. Wer viel verdient und ein hohes Vermögen hat, fährt mit den Unionsparteien und der FDP am besten. Haushalte mit einem Bruttojahreseinkommen von über 150.000 Euro sollen mit knapp fünf (CDU) oder sogar fast zehn Prozent (FDP) entlastet werden.

Linke Parteien wollen Reichere zur Kasse bitten

Alle Parteien im linken politischen Spektrum würden dagegen diese Haushaltseinkommen stärker belasten, am deutlichsten würde die Linke zulangen: Die Besserverdienenden würden mit fast einem Drittel weniger leben müssen. Mit der Wiedereinführung der Vermögenssteuer würde zudem die Substanz besteuert:

Auch wenn das Vermögen einmal nicht zum Einkommen beiträgt – zum Beispiel bei einem Börsencrash – sollen die Reichen Steuern dafür zahlen müssen. Wer dagegen unter 20.000 Euro im Jahr nach Hause bringt, wird bei den Grünen und der Linkspartei einen bemerkbaren Zuwachs an Einkommen haben. Die SPD bewegt sich im Mittelfeld.

Drittens: Hausstand. Alleinerziehende mit einem Kind und Familien mit zwei oder mehr Kindern können wählen, wen sie wollen. Sie werden in jeder möglichen Regierungskonstellation steuerlich entlastet und fahren damit besser als bisher. Singles ohne Kind sollten die FDP in Betracht ziehen. Hier werden alle Einkommensklassen nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft am deutlichsten entlastet – je höher das Einkommen allerdings ist, desto stärker.

Unterschiede zwischen den Parteien so deutlich wie lange nicht

Natürlich entscheidet am Ende nicht das Portemonnaie, sondern der Verstand. Regierungskoalitionen kommen zu Entscheidungen, die niemand erwartet hat. Es gilt: Keines der Programme der Parteien wird vollständig umgesetzt.

Und doch werden die Unterschiede zwischen den politischen Lagern diesmal so deutlich wie lange nicht. Die allerdings werden aller Voraussicht nach schnell ausgeglichen – wenn es nach den Wahlen zu der Wunschkonstellation vieler CDU-Anhänger kommt: einer Koalition mit den Grünen.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Im August erscheint ihr neues Buch: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche. Sie können es jetzt schon vorbestellen.

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