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Was Ostdeutschland beim Ă–lembargo droht

  • Nele Behrens
Von Nele Behrens

Aktualisiert am 02.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Gesperrt: Im schlimmsten Fall könnte der Region Berlin bei einem Ölembargo das Benzin ausgehen.
Gesperrt: Im schlimmsten Fall könnte der Region Berlin bei einem Ölembargo das Benzin ausgehen. (Quelle: Hubert Jelinek/imago-images-bilder)
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Sprit für drei Euro? Im Falle eines Ölembargos wäre das in Teilen von Deutschland durchaus möglich – sofern es überhaupt noch Benzin gibt. Grund dafür ist die Raffinerie im ostdeutschen Schwedt.

Nur knapp 100 Kilometer nördlich von Berlin liegt der Ort, der Russland und Deutschland im Ölgeschäft noch zusammenhält: In Schwedt ist man – trotz aller Gräuel des Krieges – glücklich über das russische Öl, das seit Jahrzehnten über die Druschba-Pipeline fließt.

In der Kleinstadt nehmen viele die Abhängigkeit von Russland in Kauf, gerade weil die Region die Folgen eines Ölembargos empfindlich spüren würde. Berlin, die Bundespolitik ist für die Menschen vor Ort weit entfernt, obwohl Schwedt mit seiner PCK-Raffinerie für die Hauptstadt von großer Bedeutung ist.

Von dort kommen das Benzin, das Kerosin und das Heizöl für Berlin und Brandenburg. Gemeinsam mit der Raffinerie in Leuna nahe Leipzig versorgt Schwedt einen Großteil des deutschen Ostens.

Drei Faktoren bestimmen das Schicksal von Ostdeutschland

Ruht in Schwedt bei einem Ölembargo die Arbeit, würde in ganz Ostdeutschland Benzinknappheit drohen. Der Hauptstadtflughafen könnte im schlimmsten Fall den Betrieb einstellen müssen.

Doch die Politik versucht, die Weichen so zu stellen, dass die Hindernisse, die ein mögliches Ölembargo gegen Russland mit sich brächte, aufgefangen werden könnten. Im Kern hängt die Versorgungssicherheit von drei Faktoren ab.

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  • Logistik: Die Raffinerien in Schwedt und Leuna bräuchten andere Lieferanten als Russland.
  • Umstellen der Produktsorte: Schwedt mĂĽsste die Produktion vom russischen Ă–l auf andere Ă–lsorten umstellen.
  • Reserven: Bei Produktionsausfällen in Schwedt mĂĽssten Benzinreserven aus anderen Teilen des Landes per Zug oder Lkw herangeschafft werden.

Rosneft blockiert die Lösungen über Polen

Gelingt all das, ist die Branche zuversichtlich. "Wenn der Übergang bei Rohölimporten, angepasster Logistik und Weiterbetrieb zumindest in Teillast gelingt, wovon wir ausgehen, bleibt auch die Tankstellenversorgung bundesweit inklusive Ostdeutschland aufrechterhalten", sagt ein Sprecher des Wirtschaftsverbandes Fuels & Energie (en2x) t-online.

Dennoch: Die Versorgungssicherheit ist an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Während sich in der Raffinerie in Leuna bereits eine Lösung in Kooperation mit Polen abzeichnet, bleibt Schwedt ein Sonderfall.

Denn die Raffinerie ist zum größten Teil im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft – und der hat kein Interesse daran, russisches Öl gegen polnische Lieferungen zu tauschen. "Die große Frage ist, inwieweit Rosneft als russischer Eigentümer der Raffinerie bereit ist, anderes Öl zu verarbeiten. Wenn nein, bleibt wohl nur die Verstaatlichung der Raffinerie", sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Dresdener Niederlassung des Ifo-Instituts, t-online.

Es wird teurer – deutlich teurer

Vorlage dafür könnte das Vorgehen bei der der Gazprom-Tochter Gazprom Germania sein. Diese hat die Bundesnetzagentur nicht enteignet, sondern verwaltet den Konzern treuhänderisch. Das bedeutet: Die Bundesnetzagentur hat die Kontrolle über das Unternehmen, aber der Besitzer hat nicht gewechselt. Die Frage ist, ob unter diesem Kompromiss die Polen bereit wären, aus Danzig nicht nur Leuna, sondern auch Schwedt zu beliefern.

Solange es keine Zusage aus Warschau gibt, liegen die Hoffnungen auf Rostock. Vom dortigen Hafen aus könnte die Raffinerie ebenfalls mit Öl versorgt werden. Sowohl für die Lösung in Rostock als auch für Lieferungen aus dem Hafen von Danzig braucht es aber eine Vielzahl an Tankschiffen, die die Pipelines beliefern. Und selbst wenn die Betreiber genügend Tankschiffe erhalten, wird das Ergebnis teurer.

Kostenfaktor Nummer zwei ist der Rohstoff selbst. Allein das Öl aus alternativen Lieferländern wie den USA, Norwegen, Großbritannien oder Libyen ist deutlich teurer. Da aktuell viele Importeure Russland meiden, verkauft der Kreml Öl zu Sonderkonditionen. "Durch die verringerte Nachfrage wird russisches Rohöl der Sorte Urals bereits mit einem Preisabschlag von derzeit mehr als 30 Dollar je Barrel gegenüber Nordsee-Öl der Sorte Brent gehandelt", sagt ein en2x-Sprecher t-online.

Produktionsausfälle drohen in Schwedt

Dazu kommen die Kosten fĂĽr die Tankschiffe, die teurer sind als die Pipeline, die seit Jahrzehnten genutzt wird. Und dann muss Schwedt voraussichtlich auch noch die Produktion umstellen. Das steigert die Kosten weiter.

Kommt es zu Produktionsausfällen, müssten die Tankstellen der Regionen Berlin und Brandenburg über Lkw und Züge versorgt werden, sagt zudem Ragnitz. Das kann, muss aber nicht immer ausreichen, um jede Tankstelle zu versorgen. "In Einzelfällen mag es zu Versorgungsengpässen kommen, aber wahrscheinlich sind wohl eher höhere Abgabepreise", so der Ifo-Experte weiter.

Benzinpreise könnten dramatisch steigen

Damit nicht genug: Die genannten Lieferideen für Leuna und Schwedt können die Raffinerien nur zu Teilen auslasten. Es wird also weniger Benzin, Kerosin und im Fall von Leuna auch Öl für die Industrie produziert und auf dem Markt sein.

Das dürfte die Preise ebenfalls in die Höhe treiben – nicht nur für Ostdeutschland. In der gesamten Wirtschaft dürfte sich eine angespannte Dynamik entwickeln. Die Benzinpreise könnten womöglich auf einen Preis von 3 Euro pro Liter ansteigen, das sei aber nur kurzfristig. "Dauerhafte Benzinpreis-Höhen von 3 Euro pro Liter sollten eher unwahrscheinlich sein", sagt Energieexperte Manuel Frondel vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung der "Rheinischen Post".

Ostdeutschland trägt das Risiko

Wirtschaftsminister Habeck sind diese Folgen bewusst – und dennoch bleibt er bei der Unterstützung für das Ölembargo innerhalb der EU, das aktuell noch am Widerstand Ungarns scheitert. Das Land scheut die Maßnahme, da es noch deutlich stärker von russischen Energieträgern abhängig ist.

Die Angst scheint nicht ganz unberechtigt. Das Beispiel von Deutschland zeigt: Selbst wenn ein Land die Abhängigkeit vom russischen Öl reduziert, geht ein Ölembargo nicht spurlos an der Wirtschaft vorbei. Im Falle von Deutschland ist das Risiko dazu noch ungleich verteilt: Ganz Deutschland würde die Preissprünge merken. Doch wenn alle Vorkehrungen reißen, ist zuerst der Tank in Berlin leer.

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