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Steuerpflicht nach Rentenerhöhung – So sparen Sie Geld

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Fristen, Pflichten, Freibeträge  

Steuerpflicht nach Rentenerhöhung – So können Rentner Geld sparen

11.05.2018, 11:00 Uhr | sm, dpa

Die Renten sollen in diesem Jahr im Westen um 3,2 Prozent und im Osten um 3,4 Prozent steigen. Damit bekommen über 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner mehr Geld. (Screenshot: Imago)
Rente soll 2018 stark ansteigen

Rentenanstieg ab Juli: Diese Gefahren bergen die erhöhten Altersbezüge. (Quelle: t-online.de)

Rentenanstieg ab Juli: Diese Gefahren bergen die erhöhten Altersbezüge. (Quelle: t-online.de)


Erst die Freude, dann das böse Erwachen für Rentner in Deutschland? Mit der Anhebung der Rentenwerte zu Mitte des Jahres werden viele Senioren zum ersten Mal steuerpflichtig. Eine Steuererklärung kann für Rentner durchaus sinnvoll sein, denn auch sie können sich vom Fiskus einen Teil des Geldes zurückholen.

Über 20 Millionen Rentner in Deutschland können sich ab Juli 2018 auf eine satte Erhöhung ihrer Altersbezüge freuen. Die Renten sollen im Westen um 3,22 Prozent und im Osten um 3,37 Prozent steigen. Damit werden viele Ruheständler erstmals steuerpflichtig. Nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums (BMF) müssen nach der Anhebung der Rentenwerte Mitte 2018 rund 4,41 Millionen Rentner Steuern zahlen. Für 2019 steigt die Zahl der steuerpflichtigen Renten – bei gleichbleibenden Rentenbezug – voraussichtlich auf 4,57 Millionen. Das wäre jeder Vierte Rentner in Deutschland.

Die Erhöhung der Rentenbezüge ist jedoch nur ein Aspekt der Frage, ab wann Rentner eine Steuererklärung abgeben sollten und in welcher Höhe die Altersbezüge besteuert werden. Grundlage ist das Alterseinkünftegesetz, das 2005 in Kraft trat.

Hat das Finanzamt Grund zur Annahme, dass Ihre Einkünfte über dem Grundfreibetrag für Rentner liegen, kann es Sie zur Abgabe einer Steuererklärung auffordern – sogar rückwirkend bis zum Jahr 2005.

Wann Rentner eine Steuererklärung abgeben müssen

Grundsätzlich gilt: "Eine Einkommensteuererklärung wird immer dann verlangt, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte eines Rentners, der keine dem Lohnsteuerabzug unterliegenden Einkünfte bezogen hat, den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet", erklärt das Bundesfinanzministerium.

  • Für das Jahr 2017 lag der Grundfreibetrag bei 8.820 Euro und bei Paaren bei 17.640 Euro.
  • Für das Jahr 2018 erhöht sich das steuerfreie Existenzminimum auf 9.000 Euro für Alleinstehende und 18.000 für Paare.

Bei der Besteuerung der Alterseinkünfte kommt es nicht nur auf die Höhe der Rente an, sondern auch darauf, wann der Betreffende in den Ruhestand gegangen ist. Denn Renten werden nach dem Alterseinkünftegesetz für jeden Jahrgang seit 2005 stärker steuerpflichtig. Wer 2005 in Rente gegangen ist, erhält noch die Hälfte seiner damals bezogenen Rente steuerfrei. Für das Jahr 2017 müssen 74 Prozent und für 2018 bereits 76 Prozent versteuert werden.

Info: Seit 2005 gilt die sogenannte nachgelagerte Rentenbesteuerung. Welcher Anteil der Rente besteuert wird, hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Bei Rentnern, die 2005 oder vorher in Rente gegangen sind, sind 50 Prozent der erstmaligen Altersbezüge als steuerfreier Betrag festgeschrieben. Bei Neurentnern des Jahres 2018 bleiben nur noch 24 Prozent steuerfrei. Ab 2040 werden die gesetzlichen Renten dann komplett besteuert.

Ein lediger Rentner kann in diesem Fall im Rentengebiet West rund 19.240 Euro und im Rentengebiet Ost 18.030 Euro Rente pro Jahr beziehen, ohne dass er eine Steuerzahlung befürchten muss. Wer hingegen erst 2015 in den Ruhestand ging, muss schon 70 Prozent der Rente versteuern. Hier liegt die höchste steuerfreie Jahresbruttorente für 2017 bei rund 14.940 Euro im Westen und 14.830 Euro im Osten.

Wer im Jahr 2018 erstmals in den Ruhestand geht, darf maximal 13.817 Euro Altersrente beziehen, ohne Steuern abführen zu müssen, so das BMF. Das entspricht einer monatlichen Bruttorente von 1.132 Euro von Januar bis Juni und von 1.170 Euro nach der Rentenerhöhung zum 1. Juli. Für Ehepaare gilt das Doppelte. 

Die Angaben gelten, wenn als Ausgaben lediglich Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge berücksichtigt werden. Kommen weitere Einnahmen wie eine Betriebsrente oder eine private Rentenversicherung hinzu, muss noch einmal neu gerechnet werden. Wer unsicher ist, ob er eine Einkommensteuererklärung machen muss, sollte sich Hilfe suchen, zum Beispiel bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater.

Nicht vergessen: Auch Rentner sind gegenüber dem Finanzamt in der Bringpflicht. Liegen Ihre Einkünfte unter dem steuerfreien Existenzminimum, können Sie sich von der Abgabepflicht der Steuererklärung befreien lassen.

Ausfüllhilfe – Kostenlose Bescheinigung der Rentenversicherung

Senioren müssen ihre Einnahmen nicht mühsam zusammensuchen. Zumindest bei den Altersbezügen gibt es Hilfe: Die Rentenversicherung stellt Rentnern auf Wunsch kostenlose Bescheinigungen aus, die beim Ausfüllen der Steuervordrucke helfen. Diese Papiere enthalten alle relevanten Beträge mit Hinweisen, in welchen Zeilen dieser Vordrucke die Werte eingetragen werden müssen.

Rentner blicken auf Laptop: Ruhestand schützt nicht vor Arbeit und nicht vor Papierkram. Denn immer mehr Rentner müssen ihre Steuererklärung machen. (Quelle: Getty Images/Rawpixel Ltd)Rentner blicken auf Laptop: Ruhestand schützt nicht vor Arbeit und nicht vor Papierkram. Denn immer mehr Rentner müssen ihre Steuererklärung machen. (Quelle: Rawpixel Ltd/Getty Images)

Steuererklärung für Rentner bei Kapitalerträgen – Sparerpauschbetrag

Wird der Grundfreibetrag von 8.820 Euro (17.640 für Ehepaare) für das Jahr 2017 beziehungsweise 9.000 Euro (18.000 Euro für Ehepaare) im Jahr 2018 nicht überschritten, haben Sie die Möglichkeit, auch Kapitaleinkünfte von der Abgeltungssteuer freistellen zu lassen, indem Sie beim zuständigen Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Dies gilt allerdings nur für Kapitaleinkünfte, welche den Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro (1.602 für Ehepaare) überschreiten.

Wenn keine weiteren steuerpflichtigen Einnahmen vorhanden sind, können Sie sich Kapitalerträge bis zu einer Grenze von 9.657 Euro (für das Steuerjahr 2017) beziehungsweise 9.837 Euro (für das Steuerjahr 2018) steuerfrei auszahlen lassen. Dieser Betrag ergibt sich aus dem Grundfreibetrag des Jahres, dem Sparer-Pauschbetrag (801 Euro) und dem Sonderausgaben-Pauschbetrag (36 Euro).

Sind Ihre Einnahmen aus Kapitaleinkünften niedriger als die mit dem Sparer-Pauschbetrag festgelegten 801 Euro, genügt das Einreichen eines Freistellungsauftrags beim Finanzamt. Für darunter liegende Einkünfte wird generell keine Abgeltungssteuer fällig.

Geld sparen mit Werbungskosten

Bei Werbungskosten erkennt das Finanzamt für Rentner und Pensionäre eine Pauschale von 102 Euro automatisch an. Sie brauchen diese deshalb nicht extra geltend machen. Sind die Werbungskosten höher, dann lohnt es sich auf jeden Fall, diese durch Belege auszuweisen.

Was viele nicht wissen: Wenn Sie einen Rentenberater nutzen, können Sie diese Ausgaben geltend machen. Ruheständler profitieren auch von Steuerfreibeträgen wie dem Altersentlastungsbetrag. 

So haben Sie immer die Möglichkeit, Geld zu sparen, denn eine Eintragung in den entsprechenden Zeilen der Steuererklärung kann nicht zu negativen Einkünften führen.

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge steuerlich geltend machen

Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler können im Jahr 2017 maximal bei einem ledigen Rentner 2.901 Euro und bei verheirateten Rentnern 5.802 Euro steuerlich anerkannt werden, soweit nicht höhere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung vorliegen. 

Älteres Paar wirft Geld ins Sparschwein: Auch im Alter müssen viele eine Steuererklärung abgeben. Allerdings können Rentner auch viele Kosten absetzen. (Quelle: Getty Images/Andrey Popov)Älteres Paar wirft Geld ins Sparschwein: Auch im Alter müssen viele eine Steuererklärung abgeben. Allerdings können Rentner auch viele Kosten absetzen. (Quelle: Andrey Popov/Getty Images)

Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen sind absetzbar

Mit Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen können Rentner bei der Steuererklärung ebenfalls Geld sparen. So lassen sich etwa die Kosten für die private Haftpflichtversicherung absetzen sowie Spenden jedweder Art aber auch die Kirchensteuer. Beschäftigen Sie Haushaltshilfen oder einen Pflegedienst, können sich diese Kosten ebenfalls steuermindernd auswirken. 

Ein weiterer Bereich sind Ausgaben für Kuren, Arztbehandlungen, medizinische Hilfsmittel und Medikamente, die Ihre Krankenkasse nicht übernimmt. Sie sollten beachten, dass Sie hier einen zumutbaren Eigenanteil übernehmen müssen, der sich nach Ihren Einkünften und Familienstand richtet. Also: Über das Jahr Belege für Brille, Zahnersatz, Medikamente, Kuren oder Gehhilfen sammeln. 

Der Kauf einer Brille oder die medizinisch erforderliche Fahrt zu einem Angehörigen, der seit längerer Zeit im Krankenhaus ist, kann sich durchaus lohnen und bei der Steuererklärung für Rentner geltend gemacht werden. Die Höhe liegt bei 30 Cent pro Kilometer.

Senioren mit gesundheitlichen Einschränkungen können zusätzlich den Behindertenpauschbetrag, der zwischen 310 und 3.700 Euro liegt, beanspruchen. Voraussetzung ist, dass ein Schwerbehindertenausweis oder eine entsprechende Bescheinigung vorliegt.

Ruhestand im Ausland: In der Regel sind Ruheständler im Ausland, die Renten- oder Versorgungsleistungen beziehen, in Deutschland steuerpflichtig. Es gibt jedoch Ausnahmen. (Quelle: Getty Images/Jacob Ammentorp Lund)Ruhestand im Ausland: In der Regel sind Ruheständler im Ausland, die Renten- oder Versorgungsleistungen beziehen, in Deutschland steuerpflichtig. Es gibt jedoch Ausnahmen. (Quelle: Jacob Ammentorp Lund/Getty Images)

Steuerpflicht beim Wohnsitz im Ausland?

Grundsätzlich sind Bezieher von Renten oder Versorgungsleistungen in Deutschland steuerpflichtig, auch wenn diese ihren Wohnsitz im Ausland haben. Aber: Es gibt auch individuelle Regelungen, die dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und dem Auslandswohnsitz zu entnehmen sind. So unterliegen zum Beispiel Auslandsrentner in der Schweiz, den USA sowie den Urlaubsländern Portugal und Spanien nicht der deutschen Steuerpflicht.

Wann endet die Frist zur Abgabe der Steuererklärung?

Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung eines Jahres endet auch für Rentner jeweils am 31. Mai des Folgejahres. Auf Antrag beim Finanzamt kann die Abgabefrist verlängert werden. Insofern Sie Hilfe von einem Lohnsteuerverein in Anspruch nehmen oder einen Steuerberater engagieren, verlängert sich die Frist automatisch von Ende Mai bis zum 31. Dezember des Abgabejahres.

Sollten Sie nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sein, diese aber aufgrund erwarteter Steuerrückzahlungen freiwillig machen, können Sie sich mit der Abgabe vier Jahre Zeit lassen. Das kann sich durchaus lohnen: Denn der Zins sowohl für eine Steuernachzahlung an das Finanzamt als eine Steuerrückzahlung durch den Fiskus liegt bei sechs Prozent, die Sie dann für diese Zeit auf den Rückzahlungsbetrag geltend machen können.

Wichtig: Wer anfänglich keine Steuern zahlen musste – also von einer Steuerbefreiung profitierte, sollte sich nicht entspannt zurücklehnen. Denn durch Rentenerhöhungen oder Witwenrenten, die nach dem Tod des Partners nun bezogen werden, können Rentner unter Umständen später doch steuerpflichtig werden. 


Verwendete Quellen:
  • dpa
  • Deutsche Rentenversicherung
  • Bundesministerium der Finanzen
  • eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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