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Dieses Szenario droht uns im Winter

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 21.06.2022Lesedauer: 10 Min.
Arbeiter an einem Bohrturm f├╝r Fracking-Gas in New Mexico (Symbolbild): Bislang gibt es in Deutschland keine Terminals, die Fl├╝ssiggas aus den USA annehmen k├Ânnten, doch das soll sich im Laufe des Jahres ├Ąndern.
Arbeiter an einem Bohrturm f├╝r Fracking-Gas in New Mexico (Symbolbild): Bislang gibt es in Deutschland keine Terminals, die Fl├╝ssiggas aus den USA annehmen k├Ânnten, doch das soll sich im Laufe des Jahres ├Ąndern. (Quelle: Jim Thompson/imago-images-bilder)
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Ukraine-Krieg, Inflation, Corona: Die Zeiten sind so unsicher wie lange nicht mehr. Und der Blick in die Zukunft ist nicht gerade rosig. Die n├Ąchsten Monate k├Ânnten ungem├╝tlich werden.

Das Wichtigste im ├ťberblick


  • Was ist der aktuelle Stand?
  • Die Szenarien
  • Was sagen Entscheider und Experten?

Die Bef├╝rchtungen und Warnungen der Entscheider Deutschlands sind eindringlich. Wirtschaftsminister Robert Habeck sagte, es sei eine "angespannte, ernste Lage". Im Winter k├Ânne es "wirklich eng" werden. Gar von "Schockwellen", die durch das Land gehen k├Ânnten, sprach etwa der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus M├╝ller.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Telefonschalte zum Thema Gasnotlage stattfindet. Und Habeck mahnt regelm├Ą├čig an, Energie zu sparen.

Denn: Der Winter und das kommende Fr├╝hjahr k├Ânnten hart werden. Nicht zuletzt wegen eines drohenden Lieferstopps von russischem Gas, der angesichts der j├╝ngsten Gasdrosselung wohl so leicht wie nie zuvor Realit├Ąt werden k├Ânnte. Dazu kommt die hohe Inflation, die in einer Gasnotlage noch kr├Ąftiger als bisher anziehen d├╝rfte. Dazu belasten Deutschland auch noch alte Sorgen: Die Corona-Zahlen steigen derzeit wieder rasant, der Bund diskutiert ├╝ber entsprechende Regelungen.

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Wladimir Putin: Dreht er uns das Gas ab?


Bei dieser Gemengelage kann die Zukunft sich sehr dynamisch entwickeln. Allein: Wie es tats├Ąchlich in einem halben Jahr aussieht, kann niemand seri├Âs beantworten. Dennoch versucht t-online, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Daf├╝r stellen wir mehrere Szenarien vor, die auf verschiedenen Annahmen beruhen: ein optimistisches, ein pessimistisches und ein neutrales, das zwischen den beiden anderen rangiert.

Was ist der aktuelle Stand?

Im Moment ist die Gasversorgung im Winter nicht gesichert, die Gasspeicher noch nicht ausreichend gef├╝llt. "Wir sind bei der Bef├╝llung jetzt bei ├╝ber 57 Prozent", sagte Netzagentur-Chef Klaus M├╝ller am Montag. Damit ist Deutschland deutlich besser aufgestellt als in den vergleichbaren Zeitr├Ąumen in den Vorjahren. "Wir haben etwas aufgeholt", sagt auch M├╝ller.

Doch ausruhen k├Ânne sich Deutschland darauf nicht: In zw├Âlf Wochen beginne bereits die Heizsaison. Wichtig seien die Gasfl├╝sse. Diese seien aber nicht garantiert. In den vergangenen Tagen hat Russland bereits die Lieferungen deutlich reduziert. "Im Kern f├╝hrt Russland einen Wirtschaftskrieg gegen Europa, insbesondere gegen Deutschland", so M├╝ller.

Klaus M├╝ller (Archivbild): Der Chef der Bundenetzagentur pl├Ądiert f├╝r ein Auktionsmodell f├╝r die Industrie.
Klaus M├╝ller (Archivbild): Der Chef der Bundenetzagentur pl├Ądiert f├╝r ein Auktionsmodell f├╝r die Industrie. (Quelle: tagesspiegel/imago-images-bilder)

Es gebe viele Unbekannte, die eine Rolle spielten. So habe der russische Pr├Ąsident Wladimir Putin in der vergangenen Woche die Regeln ge├Ąndert, sagte M├╝ller mit Blick auf die Reduzierung der Liefermengen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Zudem stehe im Juli die Wartung der Pipeline an. Auch k├Ânnte der Sommer nicht so warm bleiben wie bislang.

Pipeline-Wartung als "Test"

Wie "Bild" j├╝ngst schrieb, strebt M├╝ller einen F├╝llstand der Gasspeicher von mindestens 80 Prozent im Oktober und von mehr als 90 Prozent im November an.

Optimistischer als M├╝ller gibt sich Sebastian Bleschke. Er ist Gesch├Ąftsf├╝hrer der Initiative Energie Speichern, dem Zusammenschluss der deutschen Gasspeicher. "Aktuell sehen wir nach einem Einbruch vergangene Woche wieder erh├Âhte Gaseinspeicherungen. Die Lage ist also recht stabil", sagte er t-online.

"Wenn die Pipeline Nord Stream 1 Mitte Juli gewartet wird, werden wir sehen, inwiefern die Einspeicherungen ohne Lieferungen ├╝ber Nord Stream 1 aufrechterhalten werden k├Ânnen. Das ist im Grunde ein Test, f├╝r den Fall, dass auch nach den Wartungsarbeiten kein Gas mehr ├╝ber die Pipeline kommt." Das k├Ânne im Moment schlicht niemand ausschlie├čen. Es sollte deshalb in die ├ťberlegungen einbezogen werden, sagte er weiter.

Wirtschaft ist widerstandf├Ąhig ÔÇô noch

Die deutsche Wirtschaft gibt sich jedoch im Moment recht widerstandsf├Ąhig, wie auch Timo Wollmersh├Ąuser, Chef der Konjunkturprognosen am M├╝nchner Ifo-Institut, sagt. Die wirtschaftliche Erholung sei vor allem durch den Konsum der Deutschen nach der Corona-Krise getrieben.

Das Ifo-Institut erwartet f├╝r dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, das IfW Kiel ist mit 2,1 Prozent vorsichtiger. Im vergangenen Jahr hatten beide Institute noch eine schnellere Erholung nach der Corona-Pandemie prophezeit, der Ukraine-Krieg bremst aber die Konjunktur. "Die deutsche Wirtschaft steht vor einer m├╝hsamen Erholungsphase", sagte IfW-Vizepr├Ąsident Stefan Kooths.

Die gr├Â├čten Konjunkturrisiken sieht Wollmersh├Ąuser in einer sich verfestigenden Inflation, einem Gaslieferstopp oder einer sinkenden Konsumneigung der Deutschen. Alles Situationen, die uns im Winter drohen k├Ânnten.

Die Szenarien

In allen Szenarien setzt der Bund verst├Ąrkt auf Kohlekraftwerke, wie Habeck bereits angek├╝ndigt hat. Der Wirtschaftsminister hatte am Sonntag gesagt, dass weniger Gas zur Stromproduktion genutzt werden solle und stattdessen ÔÇô befristet bis Ende M├Ąrz 2024 ÔÇô Kohlekraftwerke als Gasersatz-Reserve st├Ąrker zum Einsatz kommen m├╝ssten.

Auch ein Gas-Auktionsmodell ist in den drei Szenarien seit Sommer im Einsatz. Es soll der Industrie Anreize bieten, Gas einzusparen. Ein solches Modell befindet sich derzeit in Planung. Zudem soll der staatliche Gaseinkauf ├╝ber Kreditlinien gesichert werden.

Wichtiger Hinweis: Die t-online-Szenarien sind stark vereinfacht und k├Ânnen nicht s├Ąmtliche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen umfassen. Sie sollen lediglich zeigen, wie die Entwicklungen der n├Ąchsten Monate sein k├Ânnten. Die vergangenen Monate haben uns jedoch vor allem eines gezeigt: Es kann auch ganz anders kommen als erwartet.

Optimistisches Szenario

Ausgangslage: Wir schreiben den 21. Dezember 2022, also genau in einem halben Jahr. Kremlchef Putin drosselte die Gaslieferungen im Sommer zun├Ąchst noch weiter, schob es auf Wartungsarbeiten an Nord Stream 1. Im August fuhr er sie aber wieder hoch, sodass auch vor dem Winter gen├╝gend Gas eingespeichert werden konnte. Wir sind mit einem F├╝llstand von rund 80 Prozent in den Winter gegangen.

Dabei geholfen hat nicht zuletzt auch, dass der Sommer recht lang war, die Temperaturen bis in den Oktober hinein mild genug waren, sodass viele Deutsche erst sp├Ąter mit dem Heizen begonnen haben. Habeck mahnt zwar immer noch, weniger zu heizen, doch staatlich verordnete Einsparungen sind nicht gekommen.

Energiepreise: Entsprechend sind die Gaspreise zwar im Sommer wegen Putins Ank├╝ndigung gestiegen, als aber wieder ausreichend Gas floss, sind diese auch wieder gefallen. Die Gasnachzahlungen f├╝r viele Mieter d├╝rften dennoch hoch ausfallen, weshalb die Ampelkoalition ├╝ber ein weiteres Entlastungspaket debattiert.

Inflation: Die Teuerung hat sich insgesamt aber etwas beruhigt. Im Sommer ist sie nochmals angestiegen, hat damit ihre Rekorde aus dem Mai nochmals gebrochen. Doch seit Herbst gehen die Teuerungsraten zur├╝ck, die Inflation lag zuletzt bei nur noch gut vier Prozent. Bei den Verhandlungen zwischen der IG Metall und den gro├čen Industriebetrieben haben sich die Tarifpartner auf einen ordentlichen Abschluss samt Einmalzahlungen geeinigt, der allerdings nicht deutlich oberhalb der Inflation liegt.

Corona: Die Corona-Infektionszahlen sind im Sommer und Herbst gestiegen. Seit Oktober gilt wieder eine Maskenpflicht. Doch die Konsumneigung ging nicht zur├╝ck, auch weil die Verbraucherpreise nicht weiter anstiegen.

Konsumstimmung: Der Sommer war gut: Die Deutschen fuhren in den Urlaub und haben auch f├╝r den Winter entsprechende Reisen gebucht. Wir haben keine weitere Lockdowns in China gesehen, die Lieferketten normalisieren sich, was ebenfalls an der Preisfront entlastet.

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Auch Wollmersh├Ąuser sagte: "In einem optimistischen Szenario w├╝rde sich der Inflationsanstieg langsam abschw├Ąchen. Wir w├╝rden zwar kr├Ąftige Lohnsteigerungen sehen. Doch die Teuerung w├╝rde sich nicht verfestigen, sondern vielmehr langsam auslaufen."

Timo Wollmersh├Ąuser: Der Ifo-├ľkonom erwartet eine Rezession bei einem Gasembargo.
Timo Wollmersh├Ąuser: Der Ifo-├ľkonom erwartet eine Rezession bei einem Gasembargo. (Quelle: Carsten Koall/dpa-bilder)

Wirtschaftslage: Die Konjunktur kann sich von der Corona-Krise erholen, eine Rezession ist in diesem Szenario nicht in Sicht. Vielmehr d├╝rfte die Wirtschaft um rund zwei Prozent wachsen, wie ├ľkonomen erwarten.

Neutrales Szenario

Ausgangslage: Nachdem Putin die Gaslieferungen bereits auf 40 Prozent reduziert hatte, stoppte er sie im Juli ganz, zumindest f├╝r zwei Wochen. Danach fuhr er sie zwar wieder hoch, aber lediglich auf einen Stand von rund 20 Prozent. Schuld seien hier erneut technische Teile, die fehlten. Wirtschaftsminister Habeck reagierte und rief Ende Juli die zweite Stufe des Notfallplans Gas aus, die Alarmstufe. Mehr zum Notfallplan Gas lesen Sie hier.

Energiepreise: Sparen ist angesagt. Denn der Bund ist trotz aller Bem├╝hungen mit einer zu geringen Gasspeicher-Kapazit├Ąt in den Winter gegangen. Die Regierung verabschiedete daher eine Reihe von Energiesparma├čnahmen: So m├╝ssen Vermieter die Heizungsanlage w├Ąhrend der Heizperiode nicht mehr auf mindestens 20 bis 22 Grad hochstellen, die Vorgaben sind entsprechend gesunken. Auch Hallenb├Ąder und Saunen d├╝rfen zeitweise nicht mehr ├Âffnen, zudem sind Heizpilze verboten. Weihnachtsm├Ąrkte sollen m├Âglichst auf Beleuchtung verzichten.

Doch all die Einsparungen k├Ânnten nicht reichen: Trotz allem steht Ende Dezember die Bef├╝rchtung im Raum, dass bereits in wenigen Wochen eine Gasnotlage droht. Zumal das Fr├╝hjahr recht kalt werden d├╝rfte. Noch ist es nicht so weit, dass die dritte Stufe des Gasnotfallplans greifen muss und Industrien kein Gas mehr erhalten. Aber viele Unternehmen haben bereits von sich aus ihre Produktion eingestellt, weil sie die hohen Energiepreise nicht mehr stemmen k├Ânnen.

Denn die Gaspreise sind seit dem Sommer nochmals kr├Ąftig angestiegen. Besonders kleine Firmen und Mittelst├Ąndler treffen die hohen Preise. Der Bund legte im November bereits ein erstes Hilfspaket auf, um eine Insolvenzwelle zu verhindern und die Produktion zu sichern. Wie in der Corona-Pandemie setzen viele Firmen auf Kurzarbeit, um ihre Mitarbeiter halten zu k├Ânnen.

Inflation: Die Inflation beruhigte sich nicht. Die hohen Energiekosten trieben die Preise an, wir stehen Ende des Jahres bei einer Teuerungsrate von mehr als acht Prozent. Nicht zuletzt wegen der Lieferkrise, die sich erst in der zweiten Jahresh├Ąlfte beruhigte. Entsprechend hoch waren auch die Lohnabschl├╝sse. Die Gefahr einer Preis-Lohn-Spirale, bei der sich L├Âhne und Preise immer weiter hochschaukeln, steht im Raum. Die Europ├Ąische Zentralbank (EZB) muss die Zinsen schneller anheben, als sie das eigentlich vorhatte. "Damit w├╝rde sie aber die Konjunktur abw├╝rgen, eine Rezession w├Ąre die Folge", so Wollmersh├Ąuser.

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Konsumstimmung: Die hohen Preise belasten die Verbraucherinnen und Verbraucher. Seitens des Staates soll es Ma├čnahmen geben. Im Januar will der Bund ein weiteres milliardenschweres Entlastungspaket verabschieden. Unter anderem k├Ânnte bald eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel in Kraft treten. Zudem soll es eine erneute Energiepauschale geben. Auch gezielte Zahlungen an Menschen im Homeoffice werden diskutiert, die tendenziell mehr heizen m├╝ssen und mehr Strom verbrauchen.

Corona: Denn nicht nur die Gaskrise macht dem Bund zu schaffen: Auch die Corona-Zahlen sind in den vergangenen Monaten gestiegen. Der Bund hat daher eine Maskenpflicht, versch├Ąrfte Quarant├Ąne- sowie Homeoffice-Regeln beschlossen.

M├╝ssen wir bald alle wieder regelm├Ą├čig zum Schnelltest?
M├╝ssen wir bald alle wieder regelm├Ą├čig zum Schnelltest? (Quelle: Wolfgang Maria Weber/imago-images-bilder)

Wirtschaftslage: "Bei weiter sinkenden Lieferungen w├╝rden die Gaspreise noch st├Ąrker anziehen. In der Folge w├╝rden auch die Verbraucherpreise noch steigen, was die Konjunktur d├Ąmpfen w├╝rde", sagte Ifo-├ľkonom Wollmersh├Ąuser. "Bereits heute wirkt die hohe Inflation negativ auf die wirtschaftliche Erholung."

Pessimistisches Szenario

Ausgangslage: Der Super-GAU. Nachdem Putin das Gas im Sommer drosselte, stellte er kurz darauf die Lieferungen vollst├Ąndig ein. Ende Juli rief Wirtschaftsminister Habeck die Alarmstufe des Notfallplans Gas aus, zwei Monate sp├Ąter die Notfallstufe. Die Bundesnetzagentur hat seitdem die Kompetenz, Gas zu rationieren und Industrien die Versorgung abzustellen. Noch macht sie das nicht, sondern beh├Ąlt sich diesen Schritt als Ultima Ratio vor. Dazu k├Ânnte es jedoch im Januar oder Februar kommen, weil die Gasspeicher Ende Dezember so gut wie leer sind. Privathaushalte sind besonders gesch├╝tzt, doch auch f├╝r sie k├Ânnte es unangenehm werden.

Energiepreise: Der Bund hat scharfe Energiesparma├čnahmen verh├Ąngt, die noch ├╝ber die im neutralen Szenario hinausgehen. So machen Hallenb├Ąder und Saunen ganz dicht, auch die Beleuchtung in Gemeinden wird radikal heruntergefahren.

Freizeitparks und Einkaufszentren m├╝ssen schlie├čen, Gro├čveranstaltungen werden abgesagt. Strom muss gespart werden, wo es m├Âglich ist. Vermieter m├╝ssen die Heizungen deutlich drosseln, viele Verbraucher lassen wegen der Energiekosten die Heizung lange aus. Auch autofreie Sonntage werden verh├Ąngt, um ├ľl einzusparen, das f├╝r die Stromerzeugung gebraucht wird. Die Ampelkoalition droht auseinanderzubrechen, nicht zuletzt wegen des Streits um den Einsatz von Fracking und Atomkraftwerken.

Konsumstimmung: In Supermarktregalen klaffen einige L├╝cken, auch weil Produkte aus dem Ausland fehlen, die wegen des Gasstopps nicht mehr produziert werden k├Ânnen. Vielen Verbrauchern fehlt allerdings ohnehin die Kaufkraft, da die Energiepreise sich enorm gesteigert haben.

Inflation: Die Inflation ufert aus, Ende des Jahres sehen wir eine Teuerungsrate von mehr als zehn Prozent. Und sie k├Ânnte noch steigen, sollte der Bund Industrien von der Versorgung abschneiden m├╝ssen. Auch in anderen L├Ąndern der EU sind die Folgen des Gasembargos drastisch. Auf EU-Ebene hat sich ein Krisenteam gebildet, das die Ma├čnahmen der EU-Staaten koordinieren soll.

Corona: Die wirtschaftliche Erholung nach Corona ist pass├ę. Zur Gaskrise kommt die Pandemie, wir stecken erneut in einer Corona-Welle. Der Bund hat wieder 3G-Regeln eingef├╝hrt sowie eine Maskenpflicht und Beschr├Ąnkungen. Oftmals ist das jedoch egal. Denn wegen der hohen Preise haben viele Restaurants und Dienstleister ohnehin zeitweise dichtgemacht. Corona r├╝ckt wegen der Gaskrise in den Hintergrund.

Einkaufsstra├če in Stuttgart: Bei einer Gaskrise w├╝rde Deutschland in eine Rezession schlittern.
Einkaufsstra├če in Stuttgart: Bei einer Gaskrise w├╝rde Deutschland in eine Rezession schlittern. (Quelle: Arnulf Hettrich/imago-images-bilder)

Wirtschaftslage: Viele Firmen mit hohem Energiebedarf haben bereits aufgegeben, weil sie wegen der stark gestiegenen Gaspreise nicht mehr produzieren k├Ânnen. Der Bund verabschiedet mehrere milliardenschwere Hilfspakete f├╝r gebeutelte Firmen, um eine Pleitewelle zu verhindern. Auch wird der vereinfachte Zugang zur Kurzarbeit ausgeweitet, um ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit zu verhindern. F├╝r Verbraucher soll es ein weiteres milliardenschweres Entlastungspaket geben, das unter anderem aus hohen Einmalzahlungen besteht.

Deutschland steuert auf eine tiefe Rezession zu. Wollmersh├Ąuser f├╝rchtet in einem Szenario mit einem Gasstopp ebenfalls einen wirtschaftlichen Einbruch. "Ein vollst├Ąndiges Gasembargo st├╝rzt Deutschland und die EU sp├Ątestens in der ersten Jahresh├Ąlfte 2023 in eine Rezession", sagte er.

"Wie schlimm diese ausfallen w├╝rde, h├Ąngt davon ab, wie lange Putin noch Gas liefert, wie voll die Gasspeicher werden und wie kalt der Winter wird." Klar sei jedoch: "Bei einem Gasstopp m├╝sste die EZB ihre Zinsschritte, die sie bis dahin gemacht hat, wieder zur├╝cknehmen. Sonst w├╝rde sie die Rezession in der Eurozone noch versch├Ąrfen."

Was sagen Entscheider und Experten?

Es ist im Moment vollkommen offen, ob Putin tats├Ąchlich den Gashahn abdreht und wir auch die negativen Folgen, wie oben beschrieben, sehen werden. Die Szenarien sollen jedoch Hinweise darauf geben, welche Folgen verschiedene Situationen haben k├Ânnten.

Fakt ist jedoch: Netzagentur-Chef Klaus M├╝ller erwartet weiter steigende Gaspreise und kr├Ąftige Nachzahlungen. "Schon jetzt haben sich die Gaspreise f├╝r private Haushalte gegen├╝ber der Vorkriegszeit vervielfacht", sagte M├╝ller j├╝ngst. F├╝r Mieter k├Ânne es eine b├Âse ├ťberraschung geben, wenn hohe Nachzahlungen f├Ąllig werden.

"Das k├Ânnen schnell mehr als tausend Euro sein, da werden Schockwellen durch das Land gehen. Banken werden ihre Gesch├Ąfte mit Ratenkrediten hochfahren, angeschlagenen Firmen droht die Insolvenz", so M├╝ller weiter. Seine Einsch├Ątzungen w├╝rden sich entsprechend im "neutralen Szenario" von t-online bewegen.

St├Ądtetag: Dann wird es "ernst"

Auch der St├Ądtetag f├╝rchtet die Folgen einer Gaskrise. "Sollte vor dem Winter zu wenig Gas in den Speichern sein, wird es ernst", sagte Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer Helmut Dedy t-online. "Kaum jemand hat Erfahrung mit einem Mangel an Gas, und wenn es langfristig ausf├Ąllt, am Ende vielleicht sogar an Strom."

St├Ądtetag-Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer Helmut Dedy: "Sollte vor dem Winter zu wenig Gas in den Speichern sein, wird es ernst."
St├Ądtetag-Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer Helmut Dedy: "Sollte vor dem Winter zu wenig Gas in den Speichern sein, wird es ernst." (Quelle: biky/imago-images-bilder)

Deshalb schalteten die St├Ądte schon jetzt alle wichtigen Akteure zusammen: die kommunalen Versorgungsunternehmen, die Feuerwehren, die Krankenh├Ąuser, die Polizei, die sozialen Einrichtungen. Sie erabeiteten und aktualisierten Krisen- und Katastrophenpl├Ąne. "Die St├Ądte tun alles, um im Notfall vorbereitet zu sein", so Dedy.

"Wichtig ist, dass die Menschen weiter mit Strom, Wasser und Lebensmitteln versorgt werden und die kritische Infrastruktur, wie etwa Krankenh├Ąuser, abgesichert ist. Bund, L├Ąnder und Kommunen m├╝ssen sich daf├╝r eng abstimmen."

Corona wird kein "Gamechanger" sein

Angesichts steigender Corona-Zahlen erwartet Ifo-Experte Wollmersh├Ąuser indes keinen weiteren Lockdown. "Die Corona-Krise hierzulande wird kein 'konjunktureller Gamechanger' sein", sagte er. "Die Erholung k├Ânnte sich zwar etwas verz├Âgern, wenn die Infektionszahlen steigen und die Menschen wieder ├Âfter im Homeoffice sitzen. Doch dass es staatliche Lockdown-Ma├čnahmen geben wird, halte ich f├╝r unwahrscheinlich."

Vielmehr h├Ąnge die Wirtschaftsentwicklung davon ab, wie hoch die Deutschen ihr Risiko einsch├Ątzen, sich anzustecken. "Also ob sie wegen Corona weniger einkaufen, seltener in Restaurants oder ins Kino gehen", so Wollmersh├Ąuser.

"Problematisch k├Ânnten weitere Corona-Lockdowns in China werden. Aktuell rechne ich zwar nicht damit. Sollte es jedoch dazu kommen, werden die Lieferketten sich nicht allzu schnell normalisieren, die Preise werden noch steigen ÔÇô sowohl f├╝r Verbraucher als auch die Industrie."

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