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Immer weniger Menschen sorgen für Pflege vor

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"Falsches Sicherheitsgefühl"  

Immer weniger Menschen sorgen für Pflege vor

08.08.2018, 12:44 Uhr | AFP

Immer weniger Menschen sorgen für Pflege vor. Ein Therapeut hilft einer älteren Frau: Seit Mitte der 90er Jahre gibt es neben den privaten Pflegeversicherungen die gesetzliche Pflegeversicherung. (Quelle: imago/photothek)

Ein Therapeut hilft einer älteren Frau: Seit Mitte der 90er Jahre gibt es neben den privaten Pflegeversicherungen die gesetzliche Pflegeversicherung. (Quelle: photothek/imago)

Für den Fall der Pflegebedürftigkeit vorzusorgen, ist wichtig. Doch die Zahl der Neuabschlüsse an privaten Pflegeversicherungen zeigt: Die Nachfrage geht immer mehr zurück.

Das Interesse an privaten Pflegeversicherungen erlahmt. Wie das "Handelsblatt" schreibt, stieg die Zahl der privaten Policen ohne staatliche Förderung im ersten Halbjahr um 8.100. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 28.000, im ersten Halbjahr 2016 sogar 52.000. Die Zeitung beruft sich dabei auf Zahlen der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Auch bei der staatlich geförderten Zusatzvorsorge sank das Interesse. Stieg die Gesamtzahl der Policen dort 2015 noch um 150.000, waren es 2017 nur noch 51.000 mehr.

Ministerium sieht keinen Grund zur Beunruhigung

Wie das "Handelsblatt" berichtet, gab es Ende Juni somit rund 2,74 Millionen private Pflegezusatzversicherungen ohne staatliche Förderung. Bei den 2013 vom damaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) eingeführten geförderten Policen lag die Zahl bei knapp 850.000.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht in den Zahlen keinen Grund zur Beunruhigung. "Viele Menschen entscheiden sich für eigene Vorsorge für den Fall der Pflegebedürftigkeit, um die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung zu ergänzen", erklärt eine Ministeriumssprecherin. Die Neuabschlüsse würden sich zwar "weniger dynamisch" entwickeln, stiegen aber weiterhin stetig an.

PKV-Anbieter warnt vor "falschem Sicherheitsgefühl"

Die PKV-Anbieter warnen hingegen vor der Entwicklung. "Mit Blick auf die begrenzte finanzielle Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegeversicherung sollten keine unrealistischen Erwartungen geweckt werden", warnt PKV-Geschäftsführer Stefan Reker. Er macht Union und SPD für die Entwicklung verantwortlich. Durch die vielen Versprechen in der Pflege werde den Bürgern ein "falsches Sicherheitsgefühl" vermittelt, sagt er dem "Handelsblatt".

Seit Mitte der 90er Jahre gibt es neben den privaten Pflegeversicherungen die gesetzliche Pflegeversicherung. Diese funktioniert anders als die kapitalgedeckten Angebote der Privaten nach dem Umlageverfahren. Allerdings deckt sie nicht alle Kosten ab, sodass Betroffene oder Angehörige oft auf ihr Vermögen zurückgreifen müssen.

Damit die Bürger stärker für den Pflegefall vorsorgen, brachte die schwarz-gelbe Bundesregierung 2013 eine Förderung von privaten Zusatzversicherungen auf den Weg. 60 Euro jährlich schießt der Staat beim "Pflege-Bahr" dazu. An der Summe hat sich bis heute nichts geändert.

"Eine grundsätzliche Reform ist überfällig"

Die FDP-Pflegepolitikerin Nicole Westig erklärt, die große Koalition müsse sich endlich Gedanken machen, wie die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest gemacht werden könnten. Eine nachhaltige Pflegefinanzierung erfordere eine zusätzliche private Eigenvorsorge, sagt sie.

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, sieht den Nachfrageeinbruch bei den Pflegezusatzversicherungen dagegen als Beleg dafür, dass das System der privaten Vorsorge in diesem Bereich gescheitert ist. "Eine grundsätzliche Reform ist überfällig: Wir müssen zu einer Art Bürgerversicherung in der Pflege kommen, die Eigenanteile von Pflegebedürftigen begrenzt und die Finanzierung auf eine breitere und gerechtere Basis stellt", sagt Schulz-Asche dem "Handelsblatt". Auch Steuermittel müssten stärker für die Pflege verwendet werden.

Verwendete Quellen:
  • AFP

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