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Corona-Pandemie: Welches Land wird Impf-Weltmeister?

Kampf gegen Corona-Pandemie  

So liegt Deutschland im internationalen Impfvergleich

23.01.2021, 10:04 Uhr
Corona-Pandemie: Welches Land wird Impf-Weltmeister?. Frankreich, Le Cannet: Krankenschwester Coralie Ferron verabreicht einem Patienten eine Dosis des Corona-Impfstoffes des Biotechnologieunternehmens "Moderna".  (Quelle: dpa)

Frankreich, Le Cannet: Krankenschwester Coralie Ferron verabreicht einem Patienten eine Dosis des Corona-Impfstoffes des Biotechnologieunternehmens "Moderna". (Quelle: dpa)

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben alle Länder der Welt momentan ein zentrales Ziel: Ihre Bevölkerungen sollen schnell geimpft werden. Zwei Nationen haben dabei deutlich die Nase vorn. 

Viele Länder der Welt wurden von der zweiten Welle der Corona-Pandemie hart getroffen. Wegen hoher Infektionszahlen wurden vielerorts strenge Maßnahmen beschlossen, besonders auf dem europäischen Kontinent muss die Bevölkerung im Winter mit vielen Einschränkungen leben. Aber es gibt Hoffnung: In vielen Nationen sind die Impfkampagnen angelaufen – die Durchimpfung der Gesellschaft ebnet den Weg zu einer Normalität nach der globalen Krise.

Bei den flächendeckenden Corona-Impfungen ist Tempo besonders wichtig. Eine schnellere Durchimpfung sorgt nicht nur für weniger Todesopfer, sondern auch die wirtschaftlichen Schäden fallen geringer aus, wenn Länder schneller aus dem Lockdown kommen. Außerdem werden viele Staatsregierungen an dem Erfolg ihrer Impfkampagnen gemessen – besonders im internationalen Vergleich.

Nach dem Impfstart in vielen Ländern steht fest: Es gibt große Unterschiede beim Tempo, einige Regierungen legten einen Fehlstart bei den Corona-Impfungen hin. Eine Übersicht:

Deutschland (1.501.639 Menschen geimpft, 1,8 Prozent der Bevölkerung)

In Deutschland sind mehr als 1,5 Millionen Impfungen verabreicht worden, davon haben über 100.000 Menschen schon die zweite Impfung erhalten. Mehr als jeder zweite Pflegeheimbewohner hat nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn inzwischen eine erste Impfung bekommen. "60 Prozent der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner sind bereits geimpft erstmalig, die ersten haben die Zweitimpfung erhalten. Ein großer Teil des Personals ist geimpft", sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin.

Hamburg: Die 84-jährige Karin Sievers wird im Hospital zum Heiligen Geist mit der zweiten Corona-Impfung geimpft.  (Quelle: dpa)Hamburg: Die 84-jährige Karin Sievers wird im Hospital zum Heiligen Geist mit der zweiten Corona-Impfung geimpft. (Quelle: dpa)

Spahn zeigte sich insgesamt optimistisch: "Dieser Winter ist nicht leicht, das wussten wir immer, aber ich bin sicher, wir haben Aussicht auf einen besseren Sommer." Ziel sei es, bei weiteren Zulassungen von Impfstoffen, im Sommer jedem, der möchte, ein Impfangebot zu machen und die Pandemie zu überwinden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, wenn alles wie zugesagt erfolge, könne man es schaffen, "bis Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot zu machen." Sie verwies allerdings darauf, dass der Sommer kalendarisch bis 21. September geht.
 

 
Fazit:
Der Impfstart in Deutschland wird von einigen Problemen begleitet, besonders die Verfügbarkeit des Impfstoffes macht noch immer Sorgen. Allerdings steht die Bundesrepublik international nicht schlecht dar, das Impftempo erhöht sich – in der vergangenen Woche wurden über 550.000 Menschen geimpft. 

Dänemark (185.777 Menschen geimpft, 3,2 Prozent der Bevölkerung)

In Dänemark zeigte man sich zuletzt verärgert über die Impfstoff-Lieferengpässe bei Biontech/Pfizer. Trotzdem kommt das Land äußerst gut bei den Impfungen voran. Søren Brostrøm konnte zuletzt einen Erfolg vermelden: Der Chef der dänischen Gesundheitsbehörde hat Dänemark in nur kurzer Zeit zum europäischen Spitzenreiter in der EU gemacht. Über drei Prozent der Bevölkerung sind bereits gegen Covid-19 geimpft.

Die Regierung hat einen ehrgeizigen Plan: Bis zum 16. Juni sollen alle Menschen, die über 16 Jahre alt sind, geimpft sein. Das Erfolgsgeheimnis der dänischen Impfkampagne besteht darin, dass die Behörden auf zentral gespeicherte Patientendaten zugreifen können. Dadurch können schnell alle Menschen in Dänemark angeschrieben werden, wonach sie sich online einen Termin für ihre Impfungen buchen und zwischen 30 Impfzentren auswählen können.

Fazit: Dänemark ist auf einem guten Weg. Die aufgebauten Strukturen funktionieren, es gibt eine hohe Bereitschaft in der Bevölkerung. Doch auch die Dänen haben das zentrale Problem, dass sie auf Impfstoff warten müssen und deshalb auf die Zulassung weiterer Impfstoffe hoffen.

Israel (3.292.190 Menschen geimpft, 38 Prozent der Bevölkerung)

Die Impfkampagne in Israel ist unfassbar erfolgreich, zuletzt wurde ein Tagesrekord an Impfungen verzeichnet. Wie Gesundheitsminister Juli Edelstein am Freitag bei Twitter schrieb, wurden am Vortag 224.000 Dosen verabreicht. Insgesamt erhielten in dem Land mit seinen neun Millionen Einwohnern seit dem 19. Dezember rund 3,3 Millionen Menschen eine erste und über 850.000 Menschen bereits die zweite Impfung.

Israel, Jerusalem: Joseph Zalman Kleinman (92) bekommt im Clalit Health Services Impfzentrum in einer Sportarena seine zweite Impfdosis mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. (Quelle: dpa)Israel, Jerusalem: Joseph Zalman Kleinman (92) bekommt im Clalit Health Services Impfzentrum in einer Sportarena seine zweite Impfdosis mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. (Quelle: dpa)

In Israel gibt es ausreichend Impfstoff. Die Regierung hat früh entsprechend viele Dosen bestellt. In einer Kooperation mit dem Unternehmen Pfizer stellt das Land zudem im Gegenzug für Impfstofflieferungen Datenmaterial zur Verfügung. Experten führen den Erfolg der Impfkampagne auch auf das starke und digitalisierte öffentliche Gesundheitssystem zurück.

Israel steckt in einer dritten Corona-Welle. Bis Ende Januar gilt ein Lockdown mit strengen Restriktionen. So darf man die eigene Wohnung in der Regel nur in einem Umkreis von 1.000 Metern verlassen. Die Regierung will damit die hohen Infektionszahlen bekämpfen und eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Am Freitag wurden 7.099 Neuinfektionen binnen 24 Stunden ausgewiesen. In den Krankenhäusern liegen viele Schwerkranke. Seit Beginn der Pandemie starben mehr als 4.200 Menschen in Verbindung mit dem Virus.

Fazit: Israel liegt nicht nur weltweit beim Tempo der Corona-Impfungen in Führung, das Land konnte das Tempo noch einmal steigern. Binnen weniger Wochen wurden 1.101.000 Menschen geimpft – mehr als doppelt so viele wie in Deutschland

Vereinigte Arabische Emirate (2.246.069 Menschen geimpft, 22,7 Prozent)

In der Emirate-Hauptstadt Abu Dhabi hatten die Impfungen mit Sinopharm Mitte Dezember begonnen. Wenig später wurden in Dubai die ersten Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs verabreicht. Insgesamt wurden in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach offiziellen Angaben bereits mehr als 2,2 Millionen Menschen geimpft – fast ein Viertel der Bevölkerung. Seit Beginn der Pandemie wurden dort mehr als 253.000 Ansteckungen mit dem Coronavirus nachgewiesen, 745 Infizierte starben.

Vereinigte Arabische Emirate, Dubai: In Rekordzeit baute das Scheichtum Impfzentren auf. (Quelle: Reuters)Vereinigte Arabische Emirate, Dubai: In Rekordzeit baute das Scheichtum Impfzentren auf. (Quelle: Reuters)

Die Emirate haben zum Eiltempo aufgerufen, weil man den Tourismussektor schonen möchte. Dubai lässt touristische Reisen bereits seit Juli vergangenen Jahres wieder zu. Anders als im benachbarten, weniger stark vom Tourismus abhängigen Emirat Abu Dhabi, müssen sich die Menschen nach ihrer Einreise nicht in Quarantäne begeben. Reisende, die in Dubai ankommen, müssen aber einen negativen PCR-Test aus ihrem Heimatland vorlegen und gegebenenfalls einen weiteren Test vor Ort machen. Mit der Öffnung für den Tourismus will Dubai die von der Corona-Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise bewältigen. 

Fazit: Die Emirate setzen auf Tempo um jeden Preis. Es war das erste Land, das auch den chinesischen Impfstoff zuließ, in Rekordzeit wurden 130 Impfzentren organisiert. Mit einer schnell durchgeimpften Bevölkerung möchten die Vereinigten Arabischen Emirate zum Urlaubshotspot im Sommer 2021 werden. 

USA (17.546.374 Menschen geimpft, 5,3 Prozent der Bevölkerung)

Mit Joe Biden sitzt nun ein Präsident im Weißen Haus, der die Bekämpfung von Corona konsequenter angehen möchte. Er hat am ersten vollen Tag seiner Amtszeit eine nationale Strategie im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie vorgestellt. "Die Dinge werden schlimmer werden, bevor sie besser werden", warnte Biden. Vermutlich werde die Zahl der Toten in den USA im kommenden Monat die Marke von 500.000 überschreiten. 

USA, Miami: Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens spricht mit einem Autofahrer, der mit seinem Auto in der Schlange eines Drive-In Corona-Impfzentrums am Marlins Park steht.  (Quelle: dpa)USA, Miami: Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens spricht mit einem Autofahrer, der mit seinem Auto in der Schlange eines Drive-In Corona-Impfzentrums am Marlins Park steht. (Quelle: dpa)

Die "brutale Wahrheit" sei, dass es noch Monate dauern werde, bis alle Amerikaner geimpft werden könnten. Ziel sei es, 100 Millionen Impfungen in 100 Tagen zu verabreichen. Biden will dafür auch auf Rüstungsgesetze zurückgreifen, um gezielt die Produktion anzukurbeln. Das US-Seuchenzentrum CDC gab bekannt, dass sie bislang 17,5 Millionen Impfungen vorgenommen und 35,9 Millionen Impfdosen verteilt habe. In den USA leben etwa 328 Millionen Menschen.

Fazit: Die Impfkampagne "Operation Warpspeed" des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump scheint nach Anlaufschwierigkeiten zu funktionieren. Die USA legen ein hohes Tempo vor – 6.397.000 pro Woche – ein Spitzenwert. Außerdem wird sehr flexibel geimpft: Es gibt zum Beispiel Drive-Ins, in denen Menschen im Auto geimpft werden.  

Großbritannien (5.437.284 Menschen geimpft, 8 Prozent der Bevölkerung)

Großbritannien verzeichnet derzeit, relativ zur Bevölkerung, die weltweit höchste Anzahl von Corona-Todesfällen. Im gleitenden Sieben-Tage-Durchschnitt waren es zuletzt mehr als 16,5 Tote pro einer Million Menschen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Universität Oxford hervor, die sich auf Daten der Johns-Hopkins-Universität bezieht. Besonders eine neue Corona-Mutation verbreitet auf der Insel Schrecken. 

Großbritannien, Salisbury: Vierzehn Tische mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/BionTech werden in der Kathedrale von Salisbury bereitgestellt.  (Quelle: dpa)Großbritannien, Salisbury: Vierzehn Tische mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/BionTech werden in der Kathedrale von Salisbury bereitgestellt. (Quelle: dpa)

Beim Impfstoff sah man sich deshalb zu schnelleren Zulassungen der Corona-Impfstoffe gedrängt. Mehr als fünf Millionen Briten haben der Regierung zufolge inzwischen eine erste Dosis erhalten. Das Land ist damit – abgesehen von kleineren Ländern wie Israel und mehreren Golfstaaten – weltweit einsamer Spitzenreiter. Mehr als die Hälfte der über 80-Jährigen und die Hälfte der Pflegeheimbewohner wurden in England bereits geimpft, wie Gesundheitsminister Matt Hancock mitgeteilt hatte. 

Fazit: Großbritannien ist Impf-Europameister. Die Insel legt bei Impfungen ein hohes Tempo vor. Es gab schnellere Zulassungen der Impfstoffe – und der Zeitraum zwischen erster und zweiter Impfung wurde ausgedehnt, damit mehr Menschen zunächst eine erste Dosis erhalten können. Allein 2.081.000 Menschen wurden vergangene Woche geimpft, fast vier mal so viel wie in Deutschland.

Russland (1.500.000 Menschen geimpft, 0,9 Prozent der Bevölkerung)

Moskau atmet auf. Angesichts gesunkener Infektionszahlen lockert die russische Hauptstadt Moskau einige Corona-Beschränkungen. So dürften in Kinos, Theatern und Konzertsälen von diesem Freitag an die Hälfte aller Plätze belegt werden, schrieb Bürgermeister Sergej Sobjanin. In der vergangenen Woche seien in der Millionen-Metropole täglich zwischen 2.000 und 4.000 neue Corona-Fälle gemeldet worden, sagte Sobjanin. "Das ist deutlich weniger als Ende Dezember." Zudem hätten mittlerweile mehr als 220.000 Moskauer nach einer Corona-Impfung einen wirksamen Schutz gegen das Virus entwickelt.

Seit Dezember wird in Russland geimpft. Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben bereits das von russischen Forschern entwickelte Mittel "Sputnik V" erhalten. Seit Beginn der Pandemie haben sich landesweit mehr als 3,6 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Am Donnerstag kamen der offiziellen Statistik zufolge mehr als 21.800 neue Fälle hinzu. Mehr als 67.800 Menschen starben mit dem Virus.

Fazit: Russland war das erste Land, das einen Impfstoff entwickelte, bereits im Dezember begann man mit der flächendeckenden Impfung. Aber es fehlen Produktionskapazitäten für "Sputnik V", deshalb kommt das Land nur langsam voran – zuletzt mit 200.000 geimpften Menschen pro Woche. 

Viele weiße Flecken auf der Landkarte

Russland und China haben außerdem das Problem, dass große Teile ihrer Impfstoffproduktion exportiert werden. Die Volksrepublik impft zwar aktuell 5.000.000 Menschen pro Woche, aber bei knapp 1,4 Milliarden Einwohnern ist das Tempo eher langsam – 15 Millionen Menschen erhielten dort laut offiziellen Angaben eine Impfdosis.

Brasilien, Rio De Janeiro: Die 106-jährige Zelia de Carvalho Morley (l) hält den 70-jährigen Paulo Cesar Cunha Fabiano (r) die Hand, während er eine Spritze mit dem chinesischen Sinovac CoronaVac-Impfstoff im Altersheim erhält. (Quelle: dpa)Brasilien, Rio De Janeiro: Die 106-jährige Zelia de Carvalho Morley (l) hält den 70-jährigen Paulo Cesar Cunha Fabiano (r) die Hand, während er eine Spritze mit dem chinesischen Sinovac CoronaVac-Impfstoff im Altersheim erhält. (Quelle: dpa)

Neben vieler Impfkampagnen, die mit hohem Tempo laufen, gibt es global allerdings noch sehr viele weiße Flecken auf der Landkarte – Länder, in denen gar kein oder kaum Impfstoff verfügbar ist. In vielen Ländern Süd- und Mittelamerikas laufen die Impfungen sehr schleppend. Ärmere Staaten wie Bolivien, Nicaragua, Guatemala und Honduras bleiben zunächst auf der Strecke. Brasilien legte vor allem durch Inkompetenz einen Fehlstart hin. Man entschied sich gegen den Impfstoff von Pfizer/Biontech und für den von AstraZeneca aus Indien. Der Deal platzte. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wetterte außerdem gegen das Impfen, behauptete, man könne sich dadurch in ein Krokodil verwandeln.

Noch schlechter sieht es auf dem afrikanischen Kontinent aus, dort ist bislang kaum Impfstoff angekommen. "Alle angekündigten Impfdosen sind bisher nur Reservierungen und existieren noch nicht. Es ist völlig ungewiss, wann es auf dem Kontinent flächendeckend losgeht", sagt der kenianische Gesundheitsexperte Githinji Gitahi dem "Spiegel". Die globale Pandemie wird erst besiegt sein, wenn auch global gegen Covid-19 geimpft wird. Der Weg bis dahin ist noch weit. 

Verwendete Quellen:

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