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Viertagewoche: Großteil der Deutschen ist skeptisch – Studie


So skeptisch sehen die Deutschen die Viertagewoche


Aktualisiert am 11.02.2024Lesedauer: 4 Min.
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Zwei Mitarbeiter in einem Lebensmittelladen (Symbolbild): Viele Arbeitnehmer sind skeptisch, ob eine Viertagewoche umsetzbar ist. (Quelle: IMAGO/Dinoco Greco/imago)

Immer mehr Arbeitnehmer fordern eine geringere Wochenarbeitszeit. Doch eine Studie zeigt nun: Nur die wenigsten glauben, dass das funktionieren kann.

Weniger Arbeit bei gleichem Gehalt: Für viele Deutsche klingt das Konzept der Viertagewoche wohl zu gut, um wahr – oder besser gesagt: umsetzbar – zu sein. Nur 30 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass sich die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich mittelfristig durchsetzen kann. Zwei Drittel (66 Prozent) glauben das nicht. Das geht aus einer Auswertung der Karriereplattform Xing hervor, die t-online exklusiv vorliegt.

Doch die Einschätzungen unterscheiden sich teils deutlich, je nachdem, in welcher Branche die Personen arbeiten oder auch wie alt sie sind. "Vor allem für die jungen Generationen sind flexible Arbeitsmodelle enorm wichtig – man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass sie für viele junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht verhandelbar sind", sagt Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte bei Xing und mitverantwortlich für die Studie.

Babyboomer glauben kaum an Viertagewoche

Diese Anspruchshaltung deckt sich auch damit, dass jüngere Generationen eher daran glauben, dass eine Viertagewoche umsetzbar ist. Auf die Frage "Glauben Sie, dass sich in Deutschland ein Modell wie die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich in den nächsten fünf Jahren durchsetzen kann?" antworteten 43 Prozent der Befragten aus der Generation Z (1997-2012) mit "Ja" und 48 Prozent mit "Nein". Je älter die Befragten werden, desto geringer fällt der Anteil der Zustimmung aus. In der Generation Y (1981-1996), auch als "Millennials" bekannt, gaben noch 39 Prozent an, an die Durchsetzung der Viertagewoche zu glauben, 58 Prozent glauben es nicht.

Zur Studie

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa erhebt im Rahmen der sogenannten Wechselbereitschaftsstudie seit 2012 Daten für die Plattform Xing. Es handelt sich dabei um eine repräsentative Online-Umfrage. Die letzte Erhebung fand im Januar statt. Dabei wurden 3.200 volljährige Erwerbstätige aus Deutschland, 1.009 aus Österreich sowie 500 aus der deutschsprachigen Schweiz befragt. Die Prozentwerte sind gerundet.

In der Generation X (1965-1980) sind es dann nur noch 22 Prozent Zustimmung und 73 Prozent Ablehnung und bei den Babyboomern (1946-1964) stimmen noch 17 Prozent der Aussage zu, ganze 74 Prozent lehnen sie ab.

Für die veränderte Einstellung der jüngeren Generationen sieht Stahl mehrere Gründe: "So sind die jungen Generationen in einen Arbeitsmarkt eingetreten, der in den meisten Branchen ein Arbeitnehmermarkt ist. Sie sind sehr gut ausgebildet, selbstbewusst und wollen anders arbeiten als die Generationen vor ihnen."

Dulger: "Gefährdet den Wohlstand"

Hinzu kommt: Es gibt erste Vorbilder. Einige Unternehmen bieten bereits eine Viertagewoche an, teilweise mit vollem Lohnausgleich oder zumindest mit mehr Flexibilität. Im aktuellen Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn fordert GDL-Chef Claus Weselsky ebenfalls eine niedrigere Wochenstundenzahl. Dabei konnte er erste Erfolge verbuchen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Von Arbeitgeberseite hingegen gibt es regelmäßig deutlichen Gegenwind. "Viertagewoche gefährdet unseren Wohlstand", sagte etwa Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger im Interview mit t-online. Eine Sorge, die durchaus auch Arbeitnehmer teilen, wie die vorliegende Studie zeigt.

Handel optimistischer als Industrie

Nicht nur das Alter hat Einfluss auf die Einstellung zur Viertagewoche, auch die Einschätzungen zwischen verschiedenen Branchen unterscheiden sich, wenn auch weniger deutlich. So glaubt im Handel und im Dienstleistungssektor fast ein Drittel der Befragten (jeweils 31 Prozent) daran, dass die Viertagewoche innerhalb der kommenden fünf Jahre umgesetzt werden könnte. In der Industrie ist es nur jeder Vierte (25 Prozent). 72 Prozent der Befragten gaben hier an, nicht daran zu glauben.

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Die Skepsis der Befragten hat dabei eine Vielzahl von Gründen, die in der Studie ebenfalls erhoben wurden. "Für mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Facharbeiterinnen und Facharbeiter in der Industrie ist dabei vor allem die Sorge um Produktivitätsverluste im Unternehmen ein Grund für ihre Skepsis", erläutert Stahl. Gerade in der Industrie sei es schwer, durch Effizienzsteigerung das Produktionsniveau zu halten, wie es etwa in Bürojobs machbar sei.

Darüber hinaus wurden von allen Befragten zahlreiche Gründe angegeben, warum sie in den kommenden Jahren nicht mit einer Viertagewoche rechnen. Die meisten Befragten fürchten, dass einer Viertagewoche vor allem der Fachkräftemangel im Weg steht. So gaben 65 Prozent an, dass es einfach zu wenig Arbeitskräfte gebe. 44 Prozent rechnen zudem damit, dass eine Viertagewoche vor allem für mehr Stress an den verbleibenden Arbeitstagen sorgen würde und lehnen sie deshalb ab.

Auch die Finanzen ihres Arbeitgebers haben viele Angestellte im Blick. So gehen 52 Prozent der Befragten davon aus, dass für den Arbeitgeber nicht finanzierbar wäre, eine geringere Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich anzubieten. Dazu passt, dass 44 Prozent der Befragten mit Blick auf die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland nicht glauben, dass eine Viertagewoche umsetzbar ist.

Unsicherheit wegen Produktionsverlusten

37 Prozent der Befragten rechnen damit, dass eine Viertagewoche zu Produktionsverlusten bei den Unternehmen führen würde. Bei dieser Begründung gab es einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während 43 Prozent der Männer diesen Grund nannten, waren es bei den Frauen nur 29 Prozent, die diese Befürchtung teilten.

Gerade mit der Sorge vor Produktivitätsverlusten haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Studien beschäftigt. Ein Pilotprojekt in Großbritannien etwa kam dabei zu dem Schluss, dass diese Sorge zumeist unbegründet war. Nach einer Testphase von sechs Monaten gaben 56 von 61 Arbeitgebern an, die Viertagewoche weiterführen zu wollen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Verwendete Quellen
  • Umfrage von Xing
  • Anfrage an Julian Stahl (Xing)
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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