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"So fangen Rezessionen an": Trumps Strafzölle könnten drastische Folgen haben


Nach Drohungen aus aller Welt  

Trump nennt Handelskriege "gut und leicht zu gewinnen"

02.03.2018, 12:09 Uhr | rtr

"So fangen Rezessionen an": Trumps Strafzölle könnten drastische Folgen haben. US-Präsident Donald Trump: Vor einem Handelskrieg hat er nach eigener Aussage keine Angst. (Quelle: AP/dpa/Carolyn Kaster)

US-Präsident Donald Trump: Vor einem Handelskrieg hat er nach eigener Aussage keine Angst. (Quelle: Carolyn Kaster/AP/dpa)

Mit seiner Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium hat US-Präsident Donald Trump weltweit für Empörung gesorgt. Die USA stehen isoliert da und könnten eine neue Rezession heraufbeschwören.

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Ankündigung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte die Angst vor einem weltweiten Handelskrieg geschürt. Die Strafzölle könnten die globalen Handelsbeziehungen beeinträchtigen, erklärte die Ratingagentur Moody's. An den Börsen in den USA und Asien gingen die Kurse in die Knie, auch für den Dax wurden fallende Kurse erwartet.

Am Freitag legte Trump über Twitter noch einmal nach. Handelskriege seien "gut und leicht zu gewinnen", schrieb er in dem Kurzbotschaftendienst und reagierte damit auf scharfe Kritik aus aller Welt an seiner Ankündigung. Er hatte sein Vorhaben am Donnerstag damit begründet, dass er die heimische Industrie wieder aufbauen wolle. 

Die EU kündigte umgehend eine entschiedene Gegenreaktion an. Australien warnte vor verzerrten Handelsbeziehungen, die letztlich Jobs kosten würden. Südkorea kündigte an, weiter das Gespräch mit Washington zu suchen. "Die Welt steht am Rande eines Handelskrieges", sagte der ING-Aktienexperte Robert Carnell in Singapur. "So fangen Rezessionen an."

Die Tokioter Börse büßte 2,5 Prozent ein. Sie folgte der Wall Street ins Minus. Der Dax in Frankfurt wurde zur Eröffnung ebenfalls tiefer erwartet. Die Papiere des Stahlherstellers Thyssenkrupp wurden vorbörslich 1,7 Prozent tiefer gehandelt, Salzgitter verloren rund drei Prozent.

Nachteile auch für US-Unternehmen

Moody's erklärte, es sei mit negativen Auswirkungen auf die Stahlindustrie in Asien zu rechnen. Doch auch US-Unternehmen, die auf Stahl und Aluminium angewiesen sind, müssten mit höheren Kosten rechnen. Wegen weltweiter Überkapazitäten im Stahlsektor schwelt seit Jahren ein Streit zwischen den USA, der EU und China. Trump hatte angekündigt, für Stahl einen Zoll von 25 Prozent zu erheben, für Aluminium von zehn Prozent.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einer "eklatanten Einmischung" zum Schutz der US-Industrie. In den nächsten Tagen würden Gegenmaßnahmen erarbeitet, die im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO stünden. "Wir werden nicht untätig dabeisitzen, während unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", erklärte Juncker.

Nach Angaben aus Washington und Berlin telefonierte Trump am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Worum es dabei ging, wurde zunächst aber nicht mitgeteilt.

Nicht das schlimmste Szenario eingetreten

Der australische Handelsminister Steven Ciobo sagte, Zölle brächten nichts anderes als verzerrte Handelsbeziehungen. "Das führt unserer Meinung nach letztlich zum Verlust von Arbeitsplätzen." Gegenmaßnahmen bei anderen wichtigen Handelspartnern seien zu befürchten. "Das dient niemandem."
Aus dem südkoreanischen Handelsministerium verlautete, zwar sei der schlimmste befürchtete Fall nicht eingetreten – Zölle von 54 Prozent. Aber auch geringere Abgaben würden die südkoreanische Stahlindustrie beeinträchtigen. Mexikos Stahlindustrie dagegen hatte unmittelbar nach Bekanntgabe der US-Zollpläne sofortige Gegenmaßnahmen gefordert.

China zeigt sich gelassen – und plant Gegenmaßnahmen

Gelassen zeigte sich die chinesische Stahlvereinigung. Die Auswirkungen auf China seien nicht groß, sagte der stellvertretende Vorsitzende Li Xinchuang. Trump könne man nicht ändern. "Wir sind ihm gegenüber schon taub."

Insgesamt dürfte die Verhängung der Zölle die USA dennoch insbesondere auf Kollisionskurs mit China bringen. Zwar machen chinesische Einfuhren nur zwei Prozent der US-Stahlimporte aus, aber die massive Überproduktion in China hat zum Einbruch der Weltmarktpreise geführt. Die Regierung in Peking hat bereits Gegenmaßnahmen angedeutet. So könnte sie Zölle auf Agrarimporte aus den USA erheben – etwa auf Sojabohnen. Hier sind die USA der größte Anbieter.

Verwendete Quellen:
  • Reuters

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