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Aus für Soli: Wer muss ab 2021 immer noch den Solidaritätszuschlag zahlen?

Aus für Solidaritätszuschlag  

Wer muss ab 2021 immer noch Soli zahlen?

22.12.2020, 16:02 Uhr
Aus für Soli: Wer muss ab 2021 immer noch den Solidaritätszuschlag zahlen?. Hand mit Geldscheinen (Symbolbild): Der Soli fällt ab Januar 2021 weg. (Quelle: imago images/Eibner)

Hand mit Geldscheinen (Symbolbild): Der Soli fällt ab Januar 2021 weg. (Quelle: Eibner/imago images)

Die meisten Steuerzahler müssen ab 2021 keinen Solidaritätszuschlag mehr an den Staat abführen. Doch wer kann sich freuen? Und wer muss den Soli weiterhin zahlen?

Um die Infrastruktur im Osten zu finanzieren, führte der Bund einst den Solidaritätszuschlag, kurz Soli, ein – eine Abgabe, die sich an der Höhe der Einkommensteuer orientierte. Jetzt, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, fällt er für die allermeisten Steuerzahler weg: Ab Januar 2021 fällt der Soli weg, zumindest für rund 33 Millionen Steuerzahler. Für weitere rund 2,5 Millionen Bürger wird er teils abgeschafft, rund 1,3 Millionen Deutsche müssen ihn weiterhin bezahlen.

Doch wer profitiert besonders von der Teil-Abschaffung? Und für wen fällt der Soli nicht weg?

Was ist der Soli genau?

Den Solidaritätszuschlag zahlt bislang grundsätzlich jeder Steuerpflichtige. Er wird als Zuschlag in Höhe von 5,5 Prozent auf die Einkommen-, Lohn und Kapitalertragssteuer erhoben.

Ab einem Steuerbetrag von 973 Euro steigt der Soli schrittweise an. Erst wenn sie 1.340 Euro Einkommensteuer im Jahr zahlen, wird der volle Soli in Höhe von 5,5 Prozent fällig. Für zusammenveranlagte Ehepaare gilt der jeweils doppelte Wert von 1.944 Euro als Freigrenze und 2.680 Euro für den vollen Soli.

Ab 2021 fällt der Soli jedoch weg – zumindest für rund 90 Prozent der Steuerzahler (siehe unten). Unternehmen und Vereine, die Körperschaftssteuer zahlen müssen, zahlen den Soli ebenfalls.

Gut zu wissen: Der Soli wurde ursprünglich im Jahr 1991 zur Finanzierung des sogenannten Aufbau Ost eingeführt und zeitweise abgeschafft. In der heutigen Form besteht er seit 1998 als Teil des Solidarpakts. Das Geld ist – wie alle Steuereinnahmen – nicht zweckgebunden und fließt in den Bundeshaushalt ein.

FDP hat Klage gegen Teil-Abschaffung eingereicht

Der Bundestag hat im November 2019 für die Teil-Abschaffung des Soli gestimmt. Die FDP hält den Soli über 2020 hinaus für verfassungswidrig. Die Argumentation: Der Soli sei an den Solidarpakt II gebunden, der jedoch Ende 2019 auslief. Die Liberalen haben deshalb eine Klage vorm Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Auch von mehreren Wirtschaftsverbänden kommt diese Kritik. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) verteidigt die Regelung in ihrer jetzigen Form – und sieht keine verfassungsrechtlichen Bedenken.

"Der Solidarpakt ist Ende 2019 ausgelaufen, aber die Aufgaben, die sich mit der Finanzierung der deutschen Einheit verbinden, sind keineswegs alle erledigt", sagte der Politiker jüngst den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Gleichwertige Lebensverhältnisse" seien noch nicht erreicht, der Soli sei rechtens.

Für wen entfällt der Soli ab 2021?

90 Prozent aller Einkommenssteuerpflichtigen werden die 1991 erstmals eingeführte Zusatzabgabe ab Januar nicht mehr zahlen. Für weitere 6,5 Prozent der Zahler gilt: Der Soli wird in Stufen von bislang 5,5 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt.

Konkret funktioniert die Abschaffung so: Die Freigrenzen, die bislang dafür sorgten, dass Geringverdiener den Soli nicht zahlen müssen, steigen drastisch. Bei einem Single steigt sie von 972 Euro auf 16.956 Euro. Bei einem Ehepaar erhöht sich die Freigrenze von 1.944 Euro auf 33.912 Euro.

Besonders Steuerzahler mit mittleren Einkommen profitieren – denn Niedrigverdiener zahlen ohnehin keinen Soli. Bis zu welchem Einkommen künftig der Soli wegfällt, kann man aufgrund unterschiedlicher steuerlicher Freibeträge nur ungefähr sagen. Ein Überblick:

  • Single: Alleinstehende mit einem Jahresbruttoeinkommen von bis zu rund 73.000 Euro sollen keinen Soli mehr zahlen müssen.
  • Ehepaar: Hier hängt der Soli-Wegfall davon ab, ob beide verdienen oder nicht. Wenn nur einer verdient, entfällt der Soli bis zu einem Einkommen von 136.000 Euro. Verdienen beide ungefähr gleich viel, fällt der Soli bis zu einem Einkommen von 147.000 Euro im Jahr weg.
  • Familie mit Kindern: Der Wegfall des Soli ist hier abhängig von der Anzahl der Kindern und ob beide Elternteile Verdiener sind. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Verdiener, wird in etwa bis zu einem Jahresbruttolohn von 151.000 Euro voll entlastet.

Wie viel werde ich mit dem Wegfall des Soli sparen?

Auf der Seite des Bundesfinanzministeriums können Sie ausrechnen, wie viel Soli Sie ab 2021 sparen. Sie müssen lediglich angeben, wie Ihr Einkommen veranlagt wird – also Einzelveranlagung oder Zusammenveranlagung – und Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen.

Sollten Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen nicht kennen, können Sie es auf dieser Seite des Finanzministeriums ausrechnen.

Tipp: Schauen Sie doch einmal, was dabei herauskommt, wenn Sie das Geld anlegen würden, das Sie durch den Soli-Wegfall sparen. Sie können dazu folgenden Sparplanrechner von t-online nutzen:

Wer muss ab 2021 noch Soli zahlen?

Der Soli fällt nicht für alle Steuerzahler weg – einige Bürger müssen den Zuschlag weiterhin zahlen, nämlich Top-Verdiener.

Wer als Single mehr als rund 9.300 Euro monatlichen Bruttoverdienst hat, muss auch künftig den vollen Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent bezahlen. Für Paare liegt die Grenze bei einem gemeinsamen Bruttogehalt von 18.250 Euro pro Monat.

Außerdem gilt: Der Soli entfällt nicht für Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags von 801 Euro. Auch Unternehmen, die die sogenannte Körperschaftssteuer von 15 Prozent zahlen, müssen weiterhin hierauf den vollen Soli zahlen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Bundesfinanzministerium
  • Finanztip
  • sparkasse.de
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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