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Steuerentspurt: Steuerzahler können noch bis Jahresende Geld sparen

Steuerendspurt  

So können Steuerzahler noch bis Jahresende Geld sparen

30.11.2019, 15:13 Uhr
Steuerentspurt: Steuerzahler können noch bis Jahresende Geld sparen. Sparschwein: Mit diesen Tipps lässt sich bares Geld sparen. (Quelle: dpa/tmn/Alexander Heinl)

Sparschwein: Mit diesen Tipps lässt sich bares Geld sparen. (Quelle: Alexander Heinl/dpa/tmn)

Nicht mehr lange und das Jahr ist Geschichte. Bis dahin können Sie noch einiges für Ihren Geldbeutel tun. Wer bis zum Jahresende seine Unterlagen ordnet und wichtige Anträge stellt, spart Steuern.

Weihnachtsgeschenke kaufen, Plätzchen backen, Baum aufstellen – zum Jahresende wird es bei vielen richtig hektisch. Doch bei all dem Stress sollten die eigenen Finanzen nicht aus dem Blick geraten. Denn bis zum 31. Dezember kann jeder noch einiges für den eigenen Geldbeutel tun. Ein Überblick:

Freistellungsauftrag richtig verteilen

Ob Tagesgeldkonto, Bausparvertrag oder Fondsanteile – jeder Sparer hat einen Freibetrag. Ledige können bis zu 801 Euro und zusammen veranlagte Verheiratete bis zu 1.602 Euro Kapitalerträge im Jahr vor dem Steuerabzug schützen.

Der Sparer-Pauschbetrag kann auf mehrere Konten und Depots aufgeteilt werden. Bis spätestens 15. Dezember sollten Sparer prüfen, ob der Pauschbetrag richtig verteilt ist. Wenn nicht, darf die Bank grundsätzlich 25 Prozent davon als Abgeltungssteuer einbehalten – zuzüglich Solidaritätszuschlages und gegebenenfalls Kirchensteuer. Zu viel gezahlte Steuern können sich Anleger zwar über die Einkommensteuererklärung zurückholen. Weniger aufwendig ist es jedoch, die Freistellungsanträge vor dem Jahreswechsel anzupassen.

Info: Verluste aus Wertpapiergeschäften bei einem Geldinstitut können mit Gewinnen bei einer anderen Bank verrechnet werden.

Beitrag für Rentenversicherung prüfen

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, für eine Rürup-Rente oder zu berufsständischen Versorgungswerken können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Im Jahr 2019 beträgt der Prozentsatz der Beiträge, die als Sonderausgaben abgesetzt werden können, 88 Prozent von maximal 24.305 Euro bei Ledigen beziehungsweise 48.610 bei Verheirateten oder eingetragenen Lebenspartnern. Das macht am Ende 21.388 Euro oder 42.776 Euro, die als Sonderausgaben geltend gemacht werden können.

Wichtig: Bei Arbeitnehmern reduziert sich dieser Maximalwert um den Betrag, den der Arbeitgeber für ihn in die gesetzliche Rentenversicherung oder das Versorgungswerk eingezahlt hat.

Arbeitnehmer, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, Einzahler in ein Versorgungswerk, aber auch Rürup-Sparer sollten überprüfen, ob sie den Maximalbetrag 2019 ausgeschöpft haben. Nur so erhalten sie den höchst möglichen Steuereffekt. Ist das nicht der Fall, können Rürup-Sparer eine zusätzliche Einmalzahlung überdenken und durchrechnen.

Selbstständige und Freiberufler können über den Abschluss einer Rürup-Rente nachdenken und mit einer Einmalzahlung starten, um sich so maximale steuerliche Vorteile für 2019 zu sichern.

Riester-Zulagen sichern

Riester-Sparer bekommen Zulagen vom Staat. Die fließen jedoch nicht automatisch, sondern müssen beim Anbieter des Riester-Vertrags beantragt werden. Dies kann bis zu zwei Jahre rückwirkend erfolgen. Danach verfällt der Anspruch. Einfacher ist es, wenn der Riester-Anbieter mit einem Dauerzulagenantrag bevollmächtigt wird. Wichtig dabei ist, alle Änderungen der Einkommens- und Lebensverhältnisse, so auch die Geburt eines Kindes, mitzuteilen.

Um die staatliche Zulage zu erhalten, müssen Riester-Sparer zumindest die Mindestbeträge für das entsprechende Jahr gezahlt haben – vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres, maximal jedoch 2.100 Euro. Ist dies nicht der Fall, werden die Zulagen entsprechend gekürzt. Bis Jahresende haben Riester-Sparer Zeit, die Beiträge in ihren Riester-Vertrag einzuzahlen.

NV-Bescheinigung beantragen

Wer wenig verdient, muss keine Einkommensteuer zahlen. Im Jahr 2019 liegt die Grenze bei 9.168 Euro. Betroffene können sich in diesem Fall auch von der Abgeltungssteuer befreien lassen. Dafür müssen sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) beantragen.

Wird das Dokument bei der Bank vorgelegt, schreibt diese alle Kapitalerträge ohne Steuerabzug gut. Da die NV-Bescheinigung in der Regel für drei Jahre gilt, sollte zum Jahreswechsel geprüft werden, ob sie noch gültig ist oder neu beantragt werden sollte.

Info: Geringverdiener mit hohen Kapitaleinkünften – so zum Beispiel Rentner – sollten prüfen, ob ihre Nichtveranlagungsbescheinigung noch gültig ist.

Werbungskosten überschlagen

Jeder Beschäftigte kann pauschal 1.000 Euro Werbungskosten pro Jahr geltend machen. Überschreiten die Ausgaben für den Job diese Grenze, mindert das die Steuerlast. Es lohnt sich also, Kosten zu bündeln. Das gilt insbesondere, wenn der Arbeitnehmer-Pauschbetrag überschritten ist oder der Steuerzahler knapp darunter liegt.

Berufstätige können in diesem Fall versuchen, Ausgaben bereits 2019 geltend zu machen – indem sie etwa eine Rechnung für eine 2020 geplante Fortbildung vorziehen und noch im Jahr 2019 bezahlen. Für teure Elektrogeräte und Arbeitsmittel können Berufstätige nun Ausgaben bis zu einem Kaufpreis von 952 Euro brutto voll absetzen. Was mehr kostet, muss über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden.

Handwerkerkosten richtig planen

Wer einen Handwerker beauftragt, sollte genau rechnen. Bis zu 6.000 Euro können pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. 20 Prozent davon werden vom Finanzamt anerkannt – also maximal 1.200 Euro. Um in den Genuss der höchsten steuerlichen Abschreibung zu gelangen, kann es sich lohnen, Ausgaben vorzuziehen – Arbeiten also etwa schon 2019 anzuzahlen.

Das Finanzamt erkennt Kosten für Reparaturen, Renovierungs- sowie Sanierungsarbeiten an, die ein Handwerker am Haus, in der Wohnung, im Garten, in der Garage oder an Geräten im Haushalt erledigt hat. Wichtig, damit die Aufwendungen abzugsfähig sind: Der Handwerker muss eine Rechnung stellen – und Materialkosten separat ausweisen. Der Auftraggeber muss den Betrag zudem überweisen. Für den Fiskus zählt der Zeitpunkt, an dem die Rechnung bezahlt wurde.

Wichtig: Nur das, was 2019 tatsächlich bezahlt wurde, zählt in die Berechnung der Steuer ein. Die Bezahlung muss bargeldlos erfolgt sein.

Lohnsteuerklassen prüfen

Für Ehepaare kann sich ein Wechsel der Steuerklassen günstig auswirken. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Partner im nächsten Jahr Leistungen erhalten wird, die vom Nettoeinkommen abhängen. Dazu zählen Lohnersatzleistungen wie: Arbeitslosengeld, Elterngeld oder Krankengeld. Für die steuerliche Optimierung nimmt der Partner, der künftig die Lohnersatzleistungen erhalten wird und vorab sein monatliches Nettoeinkommen erhöhen will, die Steuerklasse III und der andere die Steuerklasse IV. Dies gilt auch für Paare mit einem generell großen Einkommensunterschied.

Alleinerziehende, die bislang in der Steuerklasse I veranlagt werden, können bis zum Jahresende in die günstigere Steuerklasse II wechseln, wenn zum Haushalt keine weitere erwachsene Person gehört.

Auch mit der Beantragung von Freibeträgen – etwa für Fahrtkosten zur Arbeit, Kinderbetreuung oder Haushaltshilfen – kann das Netto erhöht werden. Noch bis Jahresende müssen Arbeitnehmer ihre Freibeträge beantragen, wenn sie ab Januar berücksichtigt werden sollen. Sämtliche Änderungen bei den Lohnsteuermerkmalen werden beim Finanzamt beantragt.

Wichtig: Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften können ihre Steuerklasse in der Regel einmal im Jahr bis spätestens 30. November wechseln.

Lohnsteuer-Ermäßigung prüfen

Liegen die Aufwendungen aus Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen höher als 600 Euro, kann bei den Finanzbehörden ein Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung gestellt werden. Ab dem Monat, der auf den Antrag folgt, kann es dann am Ende heißen: mehr Netto vom Brutto. Damit die steuerliche Entlastung auch beim Weihnachtsgeld oder dem Jahresbonus greift, muss der Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung bis zum 30. November gestellt sein.

Wichtig: Freibeträge senken die anfallende Lohnsteuer und erhöhen das Nettoeinkommen. Das gilt auch für Lohnersatzleistungen.

Ehegattensplitting sichern

Für Heiratswillige kann es sich lohnen, sich noch bis Jahresende das Ja-Wort vor dem Standesamt zu geben. Dann können sie noch für das Jahr rückwirkend das Ehegattensplitting beantragen. Das gilt insbesondere für Ehepaare mit unterschiedlich hohen Einkünften.

Wichtig: Den Splittingtarif können auch Ehepaare beantragen, die nach einem Trennungsjahr wieder zusammengefunden haben.

Entlastungsbetrag sichern

Menschen, die am 1. Januar 2019 mindestens 64 Jahre alt waren, können einen altersbezogenen Freibetrag geltend machen. Der Altersentlastungsbetrag in Höhe von bis zu 1.900 Euro wirkt sich steuermindernd auf alle voll steuerpflichtigen Einkünfte aus – darunter Arbeitslohn, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge.

Wichtig: Haben beide Eheleute die Altersgrenze für den Entlastungsbetrag erreicht, sollten die steuerpflichtigen Einkünfte so verteilt werden, dass beide den Freibetrag erhalten.

Gesundheitskosten bündeln

Jeder muss bei Kosten für die Gesundheit einen Eigenanteil tragen. Die Grenze der sogenannten "zumutbaren Belastung" wird individuell berechnet – je nach Familienstand und Einkommen. Hier kann es sinnvoll sein, Krankheitskosten aus zwei Jahren zu bündeln.

Wer in diesem Jahr bereits größere außergewöhnliche Belastungen hatte, sollte prüfen, ob er Aufwendungen des Folgejahres vorziehen kann. Das gilt beispielsweise für eine teure Zahnbehandlung, Medikamentenbestellungen oder eine neue Brille. Wer hingegen in diesem Jahr noch keine größeren außergewöhnlichen Belastungen hatte, kann Aufwendungen gegebenenfalls auf das nächste Jahr verlagern.


 
Spendenquittungen sammeln

Spenden können bis zu einer Höhe von 20 Prozent steuerlich geltend gemacht werden. Das gilt sowohl für Geld- als auch für Sachspenden. Für Spenden unter 200 Euro muss eine Spendenquittung erst auf Nachfrage des Finanzamtes eingereicht werden. Wichtig ist: Es können in der Regel nur Spenden an gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Organisationen abgesetzt werden.

Verwendete Quellen:
  • Bundesministerium der Finanzen
  • Bund der Steuerzahler (BdSt)
  • Stiftung Warentest
  • Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BVL)
  • Nachrichtenagentur dpa/tmn
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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