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Harmloses Omikron? Wie kritisch die Infektion wirklich ist

Von dpa
Aktualisiert am 24.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Ersten Berichten zufolge ist das Risiko, ins Krankenhaus zu mĂŒssen, bei Omikron geringer als bei Delta.
Ersten Berichten zufolge ist das Risiko, ins Krankenhaus zu mĂŒssen, bei Omikron geringer als bei Delta. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Eine immense Omikron-Welle rollt durch Deutschland, lÀngst ist die Virusvariante vorherrschend. Was sicher scheint: Omikron verbreitet sich zwar besonders schnell, schwere VerlÀufe sind aber seltener.

ImPodcast "Coronavirus-Update" des NDRfasst Virologin Sandra Ciesek zusammen: Nie sei das Risiko, sich zu infizieren, grĂ¶ĂŸer gewesen - zugleich sei das Risiko fĂŒr eine schwere Erkrankung, wenn man geimpft oder geboostert sei, niedrig wie nie. Wie Omikron das individuelle Risiko bei einer Infektion verĂ€ndert - und warum Experten weiter zu Vorsicht mahnen:

Der Hamburger Intensivmediziner Stefan Kluge verweist auf Daten aus mehreren LĂ€ndern, die zeigen, dass das Risiko, mit Omikron ins Krankenhaus zu mĂŒssen, im Vergleich zu Delta in allen Altersgruppen wohl um mehr als die HĂ€lfte reduziert ist. "Das ist eine gute Nachricht", so der Lungenfacharzt.

Covid-19-Patienten kommen seltener auf Intensivstation

Virologin Ciesek beruft sich im Podcast auf eine noch im Preprint - also ohne ÜberprĂŒfung von Fachkollegen - veröffentlichte Studie aus SĂŒdkalifornien, die klinische VerlĂ€ufe bei Omikron-Patienten mit denen von Patienten mit Delta vergleicht. Mit breiter Datenbasis zeige sich, dass Patienten mit Omikron seltener beatmet werden mĂŒssen und auf der Intensivstation liegen. Im Schnitt lĂ€gen sie bei Hospitalisierung zudem drei oder vier Tage kĂŒrzer im Krankenhaus.

Nach allgemeiner EinschĂ€tzung gelten Corona-Infektionen, bei denen man ins Krankenhaus muss, als schwere VerlĂ€ufe. Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters, sagt: "Wir wissen noch nicht so viel darĂŒber, wie schwer bei Omikron das Lungenversagen ist, wenn die Erkrankten auf die Intensivstation mĂŒssen." Er gehe "nach ersten vorsichtigen Berichten" aus dem Ausland aber nicht davon aus, dass der Einsatz von Herz-Lungen-Maschinen (Ecmo) bei Omikron so hĂ€ufig nötig sei wie bei Delta.

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Großer Einflussfaktor: der Impfstatus

Ein enormer Einflussfaktor fĂŒr den individuellen Schweregrad einer Infektion ist den Experten zufolge der Impfstatus. Die Grundimmunisierung mit Auffrischimpfung schĂŒtzt nach wissenschaftlichem Konsens zwar bei Omikron nicht unbedingt vor Ansteckung, aber zuverlĂ€ssig vor schweren VerlĂ€ufen.

Mit Blick auf US-Daten sagt Karagiannidis, derzeit seien etwa 90 Prozent der dort mit Corona im Krankenhaus liegenden Menschen ungeimpft. "Das ist sicher die Risikogruppe, bei der auch Omikron einen schweren Verlauf nehmen kann", so der Intensivmediziner. Er warnt auch vor dem Long-Covid-Risiko nach Erkrankung vor allem der Ungeimpften, das nicht unbedingt mit ihrem Schweregrad zusammenhÀnge.

Mild heißt nicht unbedingt harmlos

Typische Symptome einer Omikron-Infektion sind laut Kluge Schnupfen, Husten, Hals- und Kopfschmerzen - besonders bei Geimpften seien sie oft gering ausgeprĂ€gt. Geruchs- und Geschmacksstörungen, wie sie bei Delta-Infektionen hĂ€ufiger aufgetreten seien, sehe man selten. Doch auch die als leicht oder mild bezeichneten VerlĂ€ufe sind den Experten zufolge nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Karagiannidis macht klar, dass auch sie "einen ziemlich mitnehmen" könnten und man ebenfalls mit deutlichen Krankheitssymptomen und sehr eingeschrĂ€nkt im Bett liegen könne, teils fĂŒr lĂ€ngere Zeit.

Auch Ciesek verweist darauf, dass Infizierte, auch wenn sie laut Definition nicht schwer erkrankt seien, viel betroffener von einer Omikron-Infektion sein können als von einem "banalen Schnupfen". Sie mahnt, niemand wisse, wie der individuelle Verlauf sei, wenn man erkranke. Omikron auf die leichte Schulter zu nehmen oder sich gar vorsÀtzlich zu infizieren, sei der falsche Weg.

Auch Ältere und chronisch Kranke im Fokus

Neben den Ungeimpften ist es die Gruppe der Menschen höheren Alters, die den Experten auch in der Omikron-Welle besondere Sorgen macht. Bei den Über-60-JĂ€hrigen sei die Inzidenz derzeit noch vergleichsweise niedrig, so Karagiannidis. "Da mĂŒssen wir unglaublich gut hingucken in den nĂ€chsten Wochen." Bei vollstĂ€ndig geimpften hochaltrigen Menschen gebe es immer wieder ImpfdurchbrĂŒche - mit welcher Krankheitsschwere sich diese entwickeln, bleibe abzuwarten. "Es wird sich noch viel stĂ€rker dahin verschieben, dass Ungeimpfte und Ältere von Infektionen betroffen sein werden."

Bei gesunden, jungen Erwachsenen sei das Risiko eines schweren Verlaufs vor allem mit Impfschutz sehr gering, bei Omikron noch reduzierter, so Kluge. Doch er betont, dass dies sich mit zunehmendem Alter Àndere: Man wisse, "dass der stÀrkste Risikofaktor, schwer zu erkranken, das Alter ist". Mit jeder Dekade steige das Sterbe-Risiko.

FĂŒr Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen könne eine Infektion, besonders wenn sie ungeimpft seien, ebenfalls extrem gefĂ€hrlich sein. "Alter und Vorerkrankungen scheinen bei Omikron genau die gleiche Rolle als Risikofaktoren zu spielen wie bei Delta und vorherigen Varianten", stellt Kluge klar.

Entwarnung bei Kindern?

Experten nehmen an, dass Corona-Infektionen fĂŒr Kinder und Jugendliche allgemein weniger kritisch sind als fĂŒr Erwachsene. Das liege daran, dass ihr Immunsystem anpassungsfĂ€higer sei und das Virus stĂ€rker schon in den Atemwegen abgefangen werde, erklĂ€rt der PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch. Mit Blick auf Omikron verweist er auf US-Studiendaten, nach denen fĂŒr Unter-FĂŒnfjĂ€hrige das Risiko, ins Krankenhaus zu mĂŒssen, ein Drittel so groß sei wie bei Delta.

Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und JugendÀrzte, schildert aus seinem Berufsalltag in einer Berliner Kinderarztpraxis, die meisten derzeit positiv getesteten Kinder seien "völlig gesund und symptomfrei". Sie kÀmen wegen positiver Schnelltests in den Schulen zum PCR-Test in die Praxis und nicht wegen Beschwerden. Einige Kindern hÀtten Schnupfen, teils Husten und Fieber oder Magen-Darm-Probleme.

Dötsch erklĂ€rt, gerade bei JĂŒngeren könne die Infektion auch FieberkrĂ€mpfe bewirken. Bei Omikron fielen die Symptome aber in der Regel leichter aus als etwa bei Delta. Bei den seltenen schweren VerlĂ€ufen bei Kindern könnten allerdings schwere Atemprobleme bis hin zur Beatmung auftreten. Auch Komplikationen an den BlutgefĂ€ĂŸen wie Blutgerinnsel seien denkbar, sagt Dötsch. Weil diese Dinge bei Kindern so viel unwahrscheinlicher seien als bei Erwachsenen, könne man aber sagen: "Bei Kindern in der Gesamtheit ist der Verlauf milder."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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