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Corona | Bericht: Horst Seehofer will Katastrophenschutz und THW aktivieren

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Bericht: Seehofer will Katastrophenschutz aktivieren

17.11.2021, 04:36 Uhr | dpa, AFP, t-online, rtr

Corona | Bericht: Horst Seehofer will Katastrophenschutz und THW aktivieren. Horst Seehofer spricht vor der Bundespressekonferenz (Archivbild): Der Innenminister will nach einem Medienbericht das THW im Corona-Kampf einsetzen. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)

Horst Seehofer spricht vor der Bundespressekonferenz (Archivbild): Der Innenminister will nach einem Medienbericht das THW im Corona-Kampf einsetzen. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

Bundesinnenminister Horst Seehofer will den Ländern mehr Personal im Kampf gegen Corona anbieten. Er ruft sie nach einem Medienbericht auf, das THW vom Bund anzufordern. Alle Infos im Newsblog.

Die Corona-Pandemie hat Deutschland und die Welt seit 2020 fest im Griff. Derzeit ist die Zahl der Neuinfektionen besonders in Bayern, Sachsen und Thüringen hoch. Zuletzt wurden vereinzelt mehr als 50.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet, in einigen Landkreisen liegt die Inzidenz schon bei über 1.000. Bei den Impfungen geht es nur langsam voran. Vollständig geimpft sind derzeit rund 67 Prozent der Bevölkerung. 
 

Bericht: Seehofer will Ländern mit THW helfen

Die Bundesländer müssen einem Medienbericht zufolge aus Sicht von Innenminister Horst Seehofer Technisches Hilfswerk (THW) und Katastrophenschutz anfordern. Die Länder könnten es sich nicht leisten, die Reserven und die Unterstützung des Bundes ungenutzt zu lassen, habe der CSU-Politiker vor Fachleuten seines Ministeriums erklärt, berichtet die "Bild"-Zeitung.

Der Katastrophenschutz solle bei der Verlegung von Intensivpatienten helfen und Zelte für mobile Impfzentren stellen. Das THW solle beim Aufbau von Impfzentren, Corona-Teststationen und Hygienestationen helfen. Seehofer wolle an diesem Mittwoch die Länder offiziell auffordern, die Hilfen beider Organisationen in Anspruch zu nehmen. Der Bund kann formal keine Kräfte aus Eigeninitiative schicken, die Länder müssen diese anfordern.

Krankenhausgesellschaft: Ampel-Pläne gehen nicht weit genug

Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dringt angesichts steigender Fallzahlen auf weitergehende Corona-Maßnahmen, darunter auch die Möglichkeit für Einschränkungen für Geimpfte. "Die Ampel-Pläne gehen meiner Meinung nach noch nicht weit genug", sagt Gaß dem Handelsblatt. Er halte es für einen Fehler, weitergehende Maßnahmen grundsätzlich auszuschließen. Dafür sei die Pandemieentwicklung zu unvorhersehbar. "Von Kontaktbeschränkungen für alle bis zu Schließungen muss der gesamte Instrumentenkasten in der vierten Welle denkbar sein, wenn eine veränderte Lage dies erfordert."

Hausärzte wollen erst Auffrischung für vulnerable Gruppen

Der Deutsche Hausärzteverband lehnt Auffrischungsimpfungen für alle Interessierten zum jetzigen Zeitpunkt ab. Zuerst müssten die vulnerablen Gruppen wie Menschen über 70 Jahre und chronisch Kranke die sogenannte Booster-Impfung erhalten, sagte der Verbandschef Ulrich Weigeldt der "Rheinischen Post" (Mittwoch). "Diskussionen darüber, die ganze Bevölkerung quasi gleichzeitig ein drittes Mal zu impfen, helfen in der Impfkampagne nicht weiter." Denn jüngere und gesündere Menschen seien in der Regel auch sechs Monate nach der zweiten Impfung gut geschützt und könnten gegebenenfalls auch ohne Probleme etwas später die Booster-Impfung bekommen.

"Die Hektik durch eine desolate Krisenkommunikation, die auch durch die geschäftsführende Bundesregierung fortgesetzt wurde, führt nur zu unnötigem Stress in den hausärztlichen Praxen und trägt zumindest nicht zu Beschleunigung der Impfkampagne bei", sagte Weigeldt.

Söder – Ampel wiederholt Corona-Fehler von 2020

Die Ampel-Parteien wiederholen nach Ansicht des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder die Fehler der Corona-Politik aus dem Jahr 2020. "Ich bin 100-prozentig sicher, dass das nicht reicht", sagt Söder bei der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf die Reform des Infektionsschutzgesetzes. Diese werde noch 2021 nachgebessert werden müssen.

Der CSU-Chef wirft SPD, Grünen und FDP zudem vor, den Wert der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag zu schmälern. Nach den Beschlüssen im Bundestag am Donnerstag könnten die Länderchefs höchstens noch über Themen wie Obergrenzen bei Zuschauern von Fußballspielen oder das System der Krankenhausverlegungen reden.

Ampel-Pläne: Bis zu fünf Jahre Haft für Impfnachweis-Fälschung

Die Corona-Lage in Deutschland verschlimmert sich, jetzt wollen die künftigen Ampel-Koalitionäre mit drastischen Maßnahmen gegensteuern. Ein Bereich des öffentlichen Lebens soll aber verschont bleiben. Lesen Sie den ganzen Artikel hier

Regierung rechnet mit deutlich mehr Intensivpatienten

Die Bundesregierung rechnet für die kommenden Wochen laut einem Medienbericht bundesweit mit einer deutlich höheren Zahl von Corona-Patienten auf Intensivstationen. Das berichtet das "Handelsblatt" und beruft sich auf einen vertraulichen Lagebericht des Corona-Krisenstabs von Bundesinnen- und gesundheitsministerium. Engpässe werden demnach besonders in Thüringen befürchtet. Dort könnte sich die Auslastung der Intensivbetten mit Corona-Patienten bis Anfang Dezember mehr als verdreifachen, heißt es laut "Handelsblatt" in dem Bericht. Die Prognose geht demnach von einem gleichbleibenden regionalen Pandemiegeschehen aus.

Nach Stand vom 9. November sei etwa jedes fünfte Intensivbett in Thüringen mit Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt gewesen, hieß es. Bis zum 7. Dezember werde die Auslastung der Intensivbetten auf voraussichtlich 70 Prozent steigen. Für Bayern sagt die Prognose demnach für Anfang Dezember eine Auslastung der Intensivbetten von 56 Prozent voraus. Dahinter folgen dem Bericht zufolge Sachsen (41 Prozent), Baden-Württemberg (32 Prozent) und Brandenburg (30 Prozent).

Insgesamt werde in allen Bundesländern von einer steigenden Tendenz ausgegangen. Ausgenommen sei nur Bremen. "Bereits eine Covid-19-bedingte Auslastung über 25 Prozent kann sich in kritische Bereiche bewegen, da Intensivbetten auch für die Behandlung anderer Erkrankungen benötigt werden", zitiert das "Handelsblatt" weiter aus dem Bericht.

Nächstes Bundesland kündigt flächendeckend 2G an

Nordrhein-Westfalen will nur noch Geimpfte und Genesene am öffentlichen Leben teilhaben lassen. In anderen Bundesländern gilt bereits flächendeckend die 2G-Regel. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

Baden-Württemberg und Hamburg führen 2G ein

Ungeimpfte Menschen in Baden-Württemberg werden ab Mittwoch von der Teilnahme am öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag ankündigte, wird das Land aufgrund der sich zuspitzenden Lage auf den Intensivstationen die sogenannte Alarmstufe in der Corona-Pandemie erreichen. Nur noch Geimpfte und Genesene haben dann noch Zugang zu Restaurants und Museen sowie zu den meisten anderen öffentlichen Veranstaltungen.

Wenn die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen am zweiten Werktag in Folge den kritischen Wert von 390 überschreitet, tritt im Südwesten die sogenannte Corona-Alarmstufe automatisch in Kraft. Die Corona-Verordnung sieht in diesem Fall landesweit die 2G-Regel etwa in Restaurants und Museen, bei Ausstellungen sowie in den meisten anderen öffentlichen Veranstaltungen vor. Wer ungeimpft ist und nur einen Test vorweisen kann, bleibt auch im Kino, im Schwimmbad oder im Fitnessstudio, in Volkshochschulkursen und Musikschulen außen vor. Schulkinder müssen in der Klasse ab sofort wieder Maske tragen.

Das baden-württembergische Stufensystem hängt ab von der Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen und der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz, die die Zahl jener Menschen angibt, die pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche mit Corona-Symptomen in eine Klinik kommen. Bislang galt im Südwesten die sogenannte Corona-Warnstufe, die für viele Ungeimpfte bereits zahlreiche Beschränkungen mit sich brachte. 

Winfried Kretschmann: Baden-Württembergs Ministerpräsident führt ab Mittwoch für das Bundesland die 2G-Regel ein. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)Winfried Kretschmann: Baden-Württembergs Ministerpräsident führt ab Mittwoch für das Bundesland die 2G-Regel ein. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)

Ähnliche Regeln gelten auch ab Samstag in Hamburg: Auch dort dürfen Ungeimpfte ab Samstag unter anderem Restaurants, Bars und Clubs nicht mehr betreten. Der rot-grüne Senat strich am Dienstag für etliche Bereiche das 3G-Modell und machte stattdessen das 2G-Modell zur Pflicht.

München sagt Christkindlmarkt ab

Die Aufsteller sind schon beim Aufbau – doch nun können sie wieder einräumen. Die Stadt München hat den Christkindlmarkt für dieses Jahr abgesagt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Grünen-Politiker für frühere Booster-Impfung als bisher

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen tritt für schnellere Auffrisch-Impfungen ein: Statt nach den bisher empfohlenen sechs Monaten sollten sie bereits vier Monate nach der Grundimmunisierung verabreicht werden, sagte Dahmen am Dienstag der Online-Ausgabe des Berliner "Tagesspiegels". Das Ziel müsse sein, eine Million Impfungen am Tag zu erreichen.

Es sei nicht sinnvoll und kontraproduktiv, wenn Bürger an staatlichen Impfzentren abgewiesen würden, weil die sechs Monate noch nicht ganz erreicht sind. Dahmen unterstützte den Angaben zufolge damit die Forderung von Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger, es dürfe im Kampf gegen Impfdurchbrüche und viele Neuinfektionen auch unter Geimpften jetzt kein striktes Festhalten mehr an der Sechs-Monats-Frist geben. Dahmen sagte dazu: "Es braucht jetzt Politpragmatismus."

Die Auffrisch-Impfungen gelten als zentrale Maßnahme zur Eindämmung der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen, weil insbesondere bei Älteren der Impfschutz nach einiger Zeit deutlich nachlässt. Zuletzt hatten den Booster aber deutlich weniger Menschen erhalten, als nach der Sechs-Monatsfrist eigentlich möglich wäre.

Belgien führt Impfpflicht im Gesundheitswesen ein

Angesichts deutlich gestiegener Corona-Zahlen hat Belgien eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal auf den Weg gebracht. Das Kernkabinett der Regierung beschloss die Vorgabe am Montagabend, wie mehrere Rundfunksender berichteten. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sagte dem flämischen Rundfunk VRT, die "übergroße Mehrheit" der Pflegemitarbeiter sei bereits immunisiert. "Doch es kann nicht sein, dass es noch eine kleine Minderheit gibt, die sich nicht hat impfen lassen."

Bis zum 1. April des kommenden Jahres soll nach Angaben des Ministers jeder Mitarbeiter im belgischen Krankenpflegebereich vollständig geimpft sein. Ansonsten drohe eine Suspendierung vom Dienst. Der Gesetzestext soll am Freitag dem gesamten Kabinett vorgelegt werden und geht dann in den Staatsrat, der eine beratende Funktion hat.

Die Zahl der Corona-Patienten auf Belgiens Intensivstationen war zuletzt stark gestiegen. Die Kliniken wurden laut Medienberichten zu Wochenbeginn aufgerufen, 50 Prozent ihrer Kapazitäten für Corona-Fälle freizuhalten und nicht notwendige Behandlungen zu verschieben

FDP-Fraktionsvize kann sich berufsbezogene Impfpflicht vorstellen

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer hat sich offen gezeigt für eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. "Fakt ist: Wir haben weitgehende Maßnahmen jetzt verabredet – die Homeoffice-Pflicht, die 3G-Regel in Bus und Bahn und auch am Arbeitsplatz", sagte Theurer am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin" mit Blick auf die Pläne von SPD, Grünen und FDP zum Kampf gegen Corona. "Und ich persönlich kann mir beispielsweise auch eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen durchaus vorstellen. (...) Aber über diesen Punkt sprechen wir heute noch."

Michael Theurer: Er kann sich eine Impfpflicht in bestimmten Berufsgruppen vorstellen. (Quelle: imago images/photothek)Michael Theurer: Er kann sich eine Impfpflicht in bestimmten Berufsgruppen vorstellen. (Quelle: photothek/imago images)

Die Grünen hatten am Montag angekündigt, die möglichen künftigen Ampelregierungspartner wollten über eine Impfpflicht etwa für Beschäftigte in Pflegeheimen sprechen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz befürwortete ebenfalls eine Debatte über eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Beschäftigte in Pflegeheimen.

"Ich finde es richtig, dass wir jetzt eine Diskussion darüber begonnen haben, ob man das machen soll", sagte der geschäftsführende Vizekanzler am Montagabend beim Wirtschaftsgipfel der "Süddeutschen Zeitung". Allein darüber zu sprechen, sei schon eine deutliche Aussage – SPD, Grüne und FDP hätten diese Debatte bewusst geöffnet. Scholz sagte zugleich, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen sei nur in einem Konsens möglich, "dass viele mitmachen wollen". "Wenn der erreicht ist, fände ich das gut", sagte er. Eine solche Entscheidung könne auch kurzfristig anstehen.

Veranstaltungen wieder unmöglich? Branche warnt vor "Todesstoß"

Konzerte, Tagungen, Weihnachtsmärkte: Weitere Einschränkungen für Veranstaltungen könnten aus Branchensicht das Aus für viele beteiligte Unternehmen bedeuten. Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft warnt vor einem "Todesstoß" für die Branche. Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und aus Bundesländern, Veranstaltungen zu schließen, seien in keiner Weise nachvollziehbar. "Wir wären auch notfalls bereit, von unseren Besuchern die Vorlage eines aktuellen negativen Schnelltests zu verlangen, also '2G plus' anzuwenden", teilte Verbandspräsident Jens Michow der dpa mit.

Veranstaltung im Jugendstiltheater Cottbus: Erneut vollständig dicht zu machen würden viele Einrichtungen wohl finanziell nicht überleben. (Quelle: imago images/Rainer Weisflog)Veranstaltung im Jugendstiltheater Cottbus: Erneut vollständig dicht zu machen würden viele Einrichtungen wohl finanziell nicht überleben. (Quelle: Rainer Weisflog/imago images)

Auch Schausteller und Messeveranstalter sind angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen beunruhigt. "Wir sind höchst alarmiert, wir haben Existenzangst", sagte Schausteller-Präsident Albert Ritter. Für sie seien die Weihnachtsmärkte jetzt die wichtigste Einnahmequelle, bevor nach den Wintermonaten die Kirmessaison wieder beginne. "Wenn für Symbolpolitik die paar Weihnachtsmärkte geschlossen werden, müssen Überbrückungshilfen her."

Personal in Pflegeheim trägt keine Masken – Strafzahlung

Die Mitarbeiter eines Seniorenheims haben in Niedersachsen massiv gegen die Maskenpflicht verstoßen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Städte- und Gemeindebund: Impfzentren frühestens Ende Januar

Der Städte- und Gemeindebund hält eine kurzfristige Wiederaufstellung der Corona-Impfzentren für unrealistisch. "Impfzentren, so wie sie waren, werden wir kurzfristig nicht wieder aufbauen können. Die sind frühestens Ende Januar/Anfang Februar wieder in Aktion", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe).

Mit Blick auf die Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag forderte Landsberg eine Verständigung von Bund und Ländern auf eine "schnelle Strategie zur Booster-Impfungen". Dies würden die Kommunen "gerne unterstützen".

Die zuweilen mehr als 400 Impfzentren in Deutschland hatten im Frühjahr und Sommer eine zentrale Rolle gespielt, die meisten von ihnen sind derzeit nicht in Betrieb. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich Anfang des Monats dafür ausgesprochen, die Zentren wieder zu öffnen.

Laumann: 3G in Bussen und Bahnen macht nur bundesweit Sinn

Angesichts der Pläne der künftigen Ampelkoalitionäre, 3G in Bussen und Bahnen einzuführen, mahnt Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zu bundesweit einheitlichen Regelungen. "Grundsätzlich ist der Verkehr durch eine flächendeckende Maskenpflicht bereits gut abgesichert", sagte Laumann "Rheinischen Post" (Dienstag). "Der Verkehr macht aber vor Bundesländergrenzen keinen Halt. Deswegen ist 3G in diesem Bereich dann wirklich effektiv, wenn alle Bundesländer an einem Strang ziehen und bundesweit einheitlich agieren", betonte er.

Laumann stellte die Frage, wie im Fernverkehr denn andernfalls 3G kontrolliert werden solle, wenn teilweise innerhalb von wenigen Minuten Bundesländergrenzen überquert werden, in denen im Zweifel unterschiedliche Regelungen gelten. "Das wäre nicht praxistauglich." SPD, Grüne und FDP wollen 3G in Bussen und Bahnen einführen. Nur wer genesen, geimpft oder getestet ist, darf laut den Plänen mitfahren.

Schallenberg nennt Lockdown für Ungeimpfte schon jetzt erfolgreich

Der Corona-Lockdown für Ungeimpfte in Österreich zeigt nach Worten von Bundeskanzler Alexander Schallenberg bereits erste Erfolge. Die Maßnahme habe "jetzt schon Wirkung", sagte Schallenberg am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben letzte Woche fast eine halbe Million zusätzlicher Impfungen gehabt – und das ist genau das, was wir erreichen wollen."

Schallenberg bezog sich darauf, dass sich Ungeimpfte schon im Vorgriff auf den Lockdown doch noch impfen ließen. Der landesweite Lockdown ist seit diesem Montag in Kraft. Er gilt zunächst für zehn Tage für alle Menschen ab zwölf Jahren, die weder über einen Impfnachweis noch über den Nachweis einer in den vergangenen 180 Tagen überstandenen Corona-Infektion verfügen.

Schallenberg nannte den Lockdown eine "schwierige" Maßnahme. Seine Regierung habe diese Entscheidung "nicht leichten Herzens" getroffen, da ein Teil der Bevölkerung dadurch seiner "Freiheiten teilweise beraubt" werde. Doch sei die einzige Chance, aus dem "Teufelskreis" der Pandemie herauszukommen, die Erhöhung der Impfquote. Diese sei mit 65 Prozent der Bevölkerung "noch beschämend niedrig". In Deutschland ist der Anteil der vollständig gegen das Coronavirus geimpften Menschen mit 67,5 Prozent nicht viel höher.

Der Regierungschef bestritt, dass es sich bei dem Lockdown für Ungeimpfte um Diskriminierung handle. Seine Regierung habe die Maßnahme von Verfassungsjuristen und Rechtsdiensten prüfen lassen. Sein Ziel sei "ganz klar": "Ich will die Ungeimpften zum Impfen bringen und nicht die Geimpften einsperren." Dies werde auch weiterhin seine Linie sein. Er könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass zwei Drittel der Gesellschaft "aus Solidarität" mit dem einen Drittel der Ungeimpften bereit seien, selber auf Freiheitsrechte zu verzichten und in den Lockdown zu gehen, sagte Schallenberg.

Weihnachtsmarkt in Wien: Besucher zeigen ihr Impfzertifikat. Ungeimpfte Bürger dürfen nicht teilnehmen. (Quelle: imago images/Xinhua)Weihnachtsmarkt in Wien: Besucher zeigen ihr Impfzertifikat. Ungeimpfte Bürger dürfen nicht teilnehmen. (Quelle: Xinhua/imago images)

Ukraine will 33 Euro an Impfwillige zahlen

Die Ukraine will die maue Impfbereitschaft in der Bevölkerung mit einer Geldprämie stärken. Jeder Geimpfte solle 1000 Hrywnja (umgerechnet rund 33 Euro) erhalten, kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj an. Die Ukraine hat eine der niedrigsten Impfraten in Europa und kämpft mit der bislang stärksten Corona-Welle im Land.

Verfassungsrechtler sieht Notwendigkeit für Impfpflicht

Der Verfassungsrechtler Christian Pestalozza hält die Einführung einer Corona-Impfpflicht unter bestimmten Voraussetzungen für unausweichlich. Wenn die "kleinen Hilfsmaßnahmen" zur Bekämpfung der Pandemie nicht ausreichten, sei die Politik "sogar verfassungsrechtlich zu strengeren Maßnahmen" wie der Impfpflicht verpflichtet, sagte Pestalozza dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstagsausgabe). Sollte eine berufsgruppenspezifische Impfpflicht nicht ausreichen, sei auch eine allgemeine Impfpflicht zulässig.

"Die Politik muss sich fragen, wie viele Corona-Tote sie noch hinnehmen will und wie hoch die Inzidenzen steigen sollen, bis eine Impfpflicht kommt", sagte Pestalozza dem RND. Zur Durchsetzung einer solchen Impfpflicht könnten nach seinen Worten Sanktionen wie Bußgelder bei Verstößen eingeführt werden.

Pro Bahn hält Kontrollen für undurchführbar

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält eine Kontrolle von Corona-Impfungen und Tests in Bahnen für undurchführbar. "3G-Regelungen in Bahnen klingen zwar vernünftig, sind in der Praxis aber nicht kontrolliert umsetzbar", sagt der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Eine Kontrolle funktioniert vielleicht in Nachtzügen, weil die Fahrgäste sich dort vor der Fahrt einchecken. Doch in S-Bahnen oder Regionalbahnen ist die Fahrgastfrequenz zu hoch und die Fahrtzeiten zu kurz für eine nachhaltige Kontrolle. Hier halte ich die bisherige Praxis des Maskentragens und Abstandhaltens für angemessen."

Selbst in Fernzügen sei eine Kontrolle schwierig, "da die Fahrtzeiten zum Beispiel in NRW teilweise sehr kurz sind und zwischen Hamburg und Berlin es keinen Zwischenhalt gibt, um Nichtgeimpfte aussteigen zu lassen." Eine Passagier-Kontrolle vor Betreten der Bahnhöfe oder Züge würde seiner Ansicht nach nicht nur im Berufsverkehr zu langen Warteschlangen führen.

Bei den Plänen der Ampelkoalition zu einer 3G-Regelung in Bussen und Bahnen pocht NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) auf Einheitlichkeit. "Der Verkehr macht vor Bundesländergrenzen keinen Halt", sagt Laumann der Zeitung "Rheinische Post" (Dienstag). Deswegen sei 3G in diesem Bereich nur dann wirklich effektiv, wenn alle Bundesländer an einem Strang ziehen und bundesweit einheitlich agieren. Laumann stellte die Frage, wie im Fernverkehr denn andernfalls 3G kontrolliert werden solle, wenn teilweise innerhalb von wenigen Minuten Bundesländergrenzen überquert werden, in denen im Zweifel unterschiedliche Regelungen gelten.

Kretschmer und Spahn: Bund und Länder müssen an einem Strang ziehen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet vom anstehenden Bund-Länder-Treffen zur Corona-Lage ein einheitliches Vorgehen. "Wir müssen am Donnerstag ein gemeinsames starkes Signal senden, dass die Situation sehr bedrohlich ist", sagte der CDU-Politiker am Montagabend in einem ARD-"Extra". Sachsen hatte als erstes Bundesland seit Anfang vergangener Woche umfassende 2G-Regeln erlassen, die in vielen Bereichen Zutritt nur für Geimpfte und Genesene vorsehene. Kretschmer hält dies auch bundesweit für nötig. Das müsse Deutschland jetzt auch insgesamt tun, es bleibe nichts anderes übrig.

Der amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach in der ARD-Sendung und in einem ZDF-"Spezial" von einer Woche der Entscheidungen bei der Ministerpräsidentenkonferenz und im Bundestag am Donnerstag, wo das geänderte Infektionsgesetz zur Abstimmung steht. Auch Spahn mahnte, es sei Einheitlichkeit von Beschlüssen für die Akzeptanz bei den Bürgern notwendig. Es sollte aber auch jeder einzelne im Alltag aufpassen, sagte der CDU-Politiker in der ARD. Er verwies auf die Abstandsregeln, das Tragen von Masken und mehr Tests. Im Zweifel sollte man sich in der Familie vor einem Besuch testen lassen, auch Geimpfte, riet der Minister.

Scholz: Debatte über teilweise Impfpflicht ist richtig

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz begrüßt die Debatte über eine teilweise Impfpflicht. "Ich finde es richtig, dass wir eine Diskussion begonnen haben, ob wir das machen sollten", sagt Scholz bei einer Veranstaltung der "Süddeutschen Zeitung". Die Überzeugungsarbeit für das Impfen habe lange gut, aber nicht ausreichend geklappt. "Jetzt haben wir eine Debatte, die man führen kann", sagt er, ohne sich inhaltlich festzulegen. Er halte es aber für möglich, eine solche Entscheidung zu treffen. Nötig sei dafür ein politischer Konsens.

Verdi-Chef warnt vor Impfpflicht

"Die Impfquote in Bereichen wie der Pflege, dem Gesundheitswesen und Kitas ist im Verhältnis zum Durchschnitt der Bevölkerung sehr hoch", sagt Verdi-Chef Frank Werneke. "Wenn jetzt über eine Impfpflicht nachgedacht wird, führt das nicht dazu, dass signifikant mehr Menschen geimpft werden, sondern dass noch mehr Betroffene ihren Beruf verlassen werden. Das verschärft den Personalmangel in allen betroffenen Bereichen." Außerdem werde die Politik unglaubwürdig, weil sie eine Impfpflicht ausgeschlossen habe, fügt der Gewerkschaftsvorsitzende hinzu.

Impfung gegen das Coronavirus: Der Verdi-Chef hält eine Impfpflicht für problematisch. (Quelle: imago images/ITAR-TASS)Impfung gegen das Coronavirus: Der Verdi-Chef hält eine Impfpflicht für problematisch. (Quelle: ITAR-TASS/imago images)

Steinmeier: "Was muss noch geschehen, um Sie zu überzeugen?"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der dramatischen Verschärfung der Corona-Lage stärkere Anstrengungen gegen die Pandemie gefordert. "In diesen Wochen, in denen uns die vierte Welle mit brutaler Härte trifft, in denen auf den Intensivstationen wieder Tausende mit dem Virus ringen, in denen sich Kinder, Jugendliche und vor allem viele Ungeimpfte anstecken, in diesen Wochen müssen wir mehr tun, um diese Welle zu brechen", sagte Steinmeier am Montag in einer Diskussionsrunde im Berliner Schloss Bellevue. Zugleich rief er die noch immer Zögerlichen auf, sich jetzt impfen zu lassen.

"Wenn ich höre, dass Menschen, die im Krankenhaus mit dem Virus ringen, noch immer bestreiten, dass es dieses Virus gibt, dann erschüttert mich das zutiefst", sagte Steinmeier. Dies sei tragisch und besorge ihn zutiefst. "Wer jetzt immer noch zögert, sich impfen zu lassen, den will ich heute ganz direkt fragen: Was muss eigentlich noch geschehen, um Sie zu überzeugen?" Er bitte daher nochmals: "Lassen Sie sich impfen! Es geht um Ihre Gesundheit, und es geht um die Zukunft Ihres Landes!"

Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel: Deutschland muss erneut einen Weg aus dem exponentiellen Wachstum der Fallzahlen finden.  (Quelle: imago images/Chris Emil Janßen)Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel: Deutschland muss erneut einen Weg aus dem exponentiellen Wachstum der Fallzahlen finden. (Quelle: Chris Emil Janßen/imago images)

Die vierte Welle treffe uns härter als sie uns treffen müsste, sagte Steinmeier. "Denn wir wissen doch, was zu tun ist, um diese Pandemie endlich hinter uns zu lassen. Wir können es alle wissen." Die allermeisten Menschen ließen sich impfen, um sich und andere zu schützen. "Diejenigen, die sich nicht impfen lassen, setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, und sie gefährden uns alle." Es seien vor allem Ungeimpfte, die sich derzeit mit dem Virus infizierten. Und es seien vor allem Ungeimpfte, die auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpften.

Chef von Österreichs rechter FPÖ hat Covid-19

In Österreich ist der impfskeptische Chef der rechten FPÖ, Herbert Kickl, an Covid-19 erkrankt. Der Politiker berichtete am Montag auf Facebook, dass bei ihm und seinen Familienmitgliedern Symptome aufgetreten seien. "Ich muss Euch leider mitteilen, dass ich heute von Seiten der Gesundheitsbehörde die Nachricht bekommen habe, dass ein PCR-Test, den ich gestern abgegeben habe, positiv ist", schrieb der 53-jährige Parteichef.

Die FPÖ hat während der Pandemie die Corona-Maßnahmen der Regierung als Freiheitsbeschränkungen abgelehnt. Anfang November präsentierte Kickl einen "Plan B" gegen das Virus. Aus seiner Sicht sollte auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 statt auf die Impfung gesetzt werden, die zu viele schwere Verläufe und Todesopfer produziert habe. Er erwähnte dabei auch das Anti-Wurmmittel Ivermectin, das gegen die Krankheit eingesetzt werden könne.

Mit seiner Kampagne gegen Impfungen und für nicht empfohlene Therapien stellte sich Kickl klar gegen die medizinische Lehrmeinung. Ärzte und die Regierung haben Kickl deshalb wiederholt scharf kritisiert.

Bund verlängert Finanzierung von Impfzentren

Für die geplante Beschleunigung der Corona-Impfungen in Deutschland ist die Finanzierung geregelt: Der Bund bezahlt die Impfzentren der Länder nun bis mindestens Ende April 2022 zur Hälfte mit, wie eine am Montag vom geschäftsführenden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterzeichnete Verordnung festlegt. Bisher war dies bis Jahresende vorgesehen. Außerdem sollen Praxisärzte statt der bisherigen 20 Euro ab diesem Dienstag 28 Euro pro Impfung als Vergütung bekommen und an Wochenenden 36 Euro.

Spahn sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Impfkampagne muss wieder Tempo aufnehmen. So schützen wir uns besser im zweiten Pandemie-Winter." Den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie den Impfzentren komme dabei die entscheidende Rolle zu. Deshalb werde den Ländern bei der Finanzierung der Impfzentren Planungssicherheit gegeben. "Und wir verbessern die Honorierung für jede einzelne Impfung in den Arztpraxen spürbar."

Bei den Impfungen rücken derzeit auch Auffrischungen schon länger zurückliegender Impfungen besonders in den Blick, vor allem bei mehreren Millionen älteren Menschen.

Merkel: "Deutliche Verschlechterung der Pandemielage"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt darauf, dass Bund und Länder angesichts der Verschärfung der Corona-Lage in Deutschland an einem Strang ziehen. Es komme auf "ein gemeinsames und geschlossenes Handeln von Bund und Ländern" an, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Es gebe "eine deutliche Verschlechterung der Pandemielage". Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) an diesem Donnerstag dränge. Nötig sei eine gemeinsame Vorstellung von zusätzlichen Maßnahmen ab einem Schwellenwert für Hospitalisierungen.

Sieben deutsche Landkreise haben Inzidenz von über 1.000

Die vierte Pandemie-Welle hat die Sieben-Tage-Inzidenz vor allem in Bayern und Sachsen in die Höhe getrieben: Mittlerweile haben laut Robert Koch-Institut sieben deutsche Landkreise in den beiden Bundesländern eine Inzidenz von mehr als 1.000. Den höchsten Wert verzeichnete am Montag der Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge mit mehr als 1.300. Dahinter folgen Rottal-Inn (1263), Bautzen (1197) oder Meißen (1177).

Allerdings sind die Zahlen nicht an allen Orten so stark angestiegen: Der Landkreis Wittmund (Niedersachsen) lag am Dienstag bei einer Inzidenz von 47, gefolgt von dem Heidekreis (48) und dem Landkreis Aurich (58). Der Landkreis Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) verzeichnet sogar seit längerem eine Inzidenz von null. Woran das liegt, lesen Sie hier.

Krischer: Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte "unbedingt notwendig"

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer hält Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte für ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Solche Beschränkungen seien "unbedingt notwendig", sagte der Fraktionsvize am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Der geimpfte Teil der Bevölkerung müsse weiter am öffentlichen Leben teilnehmen können. "Und deshalb, glaube ich, ist die adäquate Maßnahme, dass diejenigen, die halt nicht geimpft sind, dass die mit Kontaktbeschränkungen rechnen müssen." Krischer betonte, dass auch regionale Maßnahmen möglich wären.

SPD, Grüne und FDP haben ihre Pläne für den Kampf gegen die Pandemie nachgeschärft. So soll die Möglichkeit von Kontaktbeschränkungen doch nicht abgeschafft werden, wie aus einer Vereinbarung von Vertretern der drei Fraktionen hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zudem sollen Ungeimpfte ohne negativen Test keine Busse und Bahnen mehr benutzen dürfen, unabhängig von der weiter geltenden Maskenpflicht.

Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist in den Bundestag bereits eingebracht. Die vereinbarten Verschärfungen müssen also nachträglich eingefügt werden. An diesem Montag steht die zum Gesetzgebungsverfahren gehörende Anhörung von Experten an. Am Donnerstag soll der Bundestag dann abstimmen.

Giffey: Arbeitgeber müssen Impfstatus abfragen können

Berlins designierte Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat sich dafür ausgesprochen, dass Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Mitarbeiter abfragen können. "Es muss ein klar definiertes – auch auf Bundesebene – Auskunftsrecht für die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen geben", sagte die SPD-Landeschefin am Montagmorgen im RBB-Inforadio.

Arbeitgeber müssten wissen, wie der Impfstatus der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei, um entsprechende Schutzmaßnahmen wie etwa Homeoffice oder Abstandsregelungen ergreifen zu können. "Das ist eine Schwachstelle", sagte Giffey. Nötig sei ein einheitliches Vorgehen. Schließlich sei der Arbeitsmarkt "ein sehr, sehr großer Teil des öffentlichen Lebens", wo es Ansteckungsgefahren gebe.

Angesichts der stark ansteigenden Corona-Zahlen sei die Ausweitung der 2G-Regel in Berlin unumgänglich, so Giffey. Sie appellierte an die Eigenverantwortung der Menschen bei der Einhaltung der seit Montag in Berlin geltenden strengeren Corona-Maßnahmen. "Es kommt auf jeden einzelnen Tag an", sagte die SPD-Politikerin. Es gehe darum, weitere Maßnahmen zu verhindern. Zugleich räumte Giffey ein: "Eine flächendeckend tägliche Kontrolle durch Polizei oder durch Ordnungsämter wird nicht möglich sein." Trotzdem sei es wichtig, Stichprobenkontrollen so weit wie möglich zu verschärfen.

NRW-Ministerpräsident verteidigt Auftakt von Karneval

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, hat trotz steigender Corona-Zahlen den Karnevalsauftakt verteidigt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Österreich geht in Lockdown für Ungeimpfte – Ausgangssperren möglich

Nach dem Lockdown für Ungeimpfte denkt die österreichische Bundesregierung auch an nächtliche Ausgangsbeschränkungen für alle Bürger. Dieser Vorschlag liege auf dem Tisch und darüber werde am kommenden Mittwoch entschieden, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Sonntagabend in der ORF-Nachrichtensendung "ZiB2".

Ein Biergarten in Wien ist abgesperrt (Archivbild): Der neue Lockdown in Österreich gilt zwar nur für Ungeimpfte. Am Mittwoch soll aber Ausgangssperren für alle gesprochen werden. (Quelle: imago images/photosteinmaurer.com)Ein Biergarten in Wien ist abgesperrt (Archivbild): Der neue Lockdown in Österreich gilt zwar nur für Ungeimpfte. Am Mittwoch soll aber Ausgangssperren für alle gesprochen werden. (Quelle: photosteinmaurer.com/imago images)

"Wir sitzen alle im gleichen Boot", sagte Mückstein. Wenn ein allgemeiner Lockdown verhindert werde solle, sei eine Verringerung der Kontakte zwischen den Menschen zwingend erforderlich, so der Minister weiter. Die Beschränkungen würden ab 22.00 Uhr gelten und auch eine erneute Schließung der Nachtgastronomie bedeuten.

In Österreich gilt ab Montag ein landesweiter Corona-Lockdown für Ungeimpfte und Ungenesene. "Die Corona-Situation in Österreich ist ernst", sagte Bundeskanzler Alexander Schallenberg am Sonntag nach einer Videokonferenz mit Spitzenvertretern der Bundesländer und sprach von einer "beschämend niedrigen Impfquote". Die Regierung ergreife "diesen Schritt nicht leichten Herzens, aber leider ist er notwendig".

Nach der Einigung zwischen Bund und Ländern stimmte am Abend auch der Hauptausschuss des Parlaments dem Lockdown zu. Die neuen Restriktionen sollen zunächst für zehn Tage und für Menschen ab zwölf Jahren gelten, die weder über einen Impfnachweis noch über den Nachweis einer in den vergangenen 180 Tagen überstandenen Corona-Infektion verfügen. Die Betroffenen dürfen ihre Wohnung nur noch für Lebensmitteleinkäufe, Arbeit oder Ausbildung, Arztbesuche sowie zur körperlichen Erholung verlassen.

Kontrolliert werden soll der Lockdown durch ein "engmaschiges Netz", wie Innenminister Karl Nehammer ankündigte. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein schloss weitere Maßnahmen nicht aus.

Lauterbach rechnet mit Überlastung der meisten Kliniken

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet Anfang Dezember mit einer flächendeckenden Überlastung der Kliniken. "Bei den Fallzahlen, die wir jetzt haben, werden die Kliniken in den ersten beiden Dezemberwochen bundesweit die Kapazitätsgrenze überschreiten", sagt Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagausgaben). Das sei jetzt schon kaum mehr abzuwenden. Damit die Maximalbelastung nicht zum flächendeckenden Kollaps führe, seien jetzt drastische Maßnahmen nötig. "Ungeimpfte sollten nur noch Zugang zu ihrem Arbeitsplatz, zu Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Apotheken haben." Das sei die einzige Möglichkeit, wieder Kontrolle über die Infektionslage zu bekommen.

Ärzte: Politik hat bei Corona vielfach versagt

Angesichts der außer Kontrolle geratenen Corona-Pandemie haben Ärztefunktionäre verantwortlichen Politikern schwere Vorwürfe gemacht und eine Mitschuld gegeben. Sie hätten "in Worten und Handeln an vielen Stellen versagt", sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Montag).

Ähnlich wie die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, in der selben Zeitung sagte er: "Zu spät, zu halbherzig, zu unterschiedlich waren die Maßnahmen gegen das tödliche Virus. Zur Kakophonie der Ministerpräsidenten gesellte sich das parteipolitische Freiheitsgesäusel, das einen völlig falschen Freiheitsbegriff versprach." Montgomery fügte hinzu: "Wer apodiktisch sagt "Keine Impfpflicht und nie wieder Lockdown", der hat die Epidemiologie des Virus nicht verstanden und spielt ihm in die Hände."

Marburger-Bund-Chefin Johna sagte: "Wir hätten viel besser vorbereitet sein können. Es hat ja an Warnungen aus der Wissenschaft nicht gefehlt." Bereits Mitte Juli habe eine Wissenschaftlergruppe der Technischen Universität Berlin ein exponentielles Wachstum der Infektionen im Herbst vorhergesagt, dies sei aber weitgehend ignoriert worden. 

Bericht: Interner Widerstand gegen Impfpflicht in der Bundeswehr

Die Einführung einer Corona-Impfpflicht für Mitglieder der Bundeswehr scheiterte bislang offenbar am internen Widerstand der Truppe. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe diesen Schritt "bereits im Frühjahr" und "mit Nachdruck" gefordert, sagt ein Ministeriumssprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). Doch bis heute fehle die nötige Zustimmung interner "Beteiligungsgremien".

Bisher müssen sich nur Soldaten im Auslandseinsatz gegen Covid-19 impfen lassen. Nach Informationen der Funke-Zeitungen entschied das Kommando Territoriale Aufgaben zudem am Mittwoch, dass künftig nur noch geimpfte Soldaten Amtshilfe in Gesundheitsämtern, Impfzentren oder Krankenhäusern leisten sollten.

Das sei auch richtig so, sagte Vorsitzende des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg, den Funke-Zeitungen. "Wir wollen schließlich Menschen helfen und nicht gefährden". Sensburg spricht sich auch für eine generelle Impfpflicht in der Truppe aus.

Israel gibt Biontech-Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren frei 

Israel hat den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren freigegeben. Damit könnten auch alle Kinder zwischen fünf und zwölf mit dem Vakzin geimpft werden, erklärte das israelische Gesundheitsministerium am Sonntag. Bisher war der Impfstoff bereits für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Der Senkung der Altersgrenze war eine Empfehlung eines Expertengremiums vorausgegangen.

In den USA ist der Biontech-Impfstoff seit Anfang des Monats ab fünf Jahren zugelassen. Die Unternehmen haben auch in der EU eine Zulassung ihres Impfstoffes für Fünf- bis Elfjährige beantragt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will voraussichtlich noch vor Weihnachten darüber entscheiden.

Ampelfraktionen wollen Homeoffice-Pflicht wieder einführen

Angesichts der verschärften Corona-Lage in Deutschland wird die Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer voraussichtlich wieder eingeführt. Das Bundesarbeitsministerium legte einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Experten der angestrebten Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP berieten am Wochenende über das Vorhaben.

Die Homeoffice-Pflicht hat zum Ziel, dass möglichst viele Menschen zu Hause arbeiten und so Kontakte vermeiden. Sie soll die bereits geplante 3G-Regel am Arbeitsplatz ergänzen, nach der nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) zur Arbeit gehen dürfen. In den Ampelfraktionen zeichnete sich eine Verständigung ab.

Wenn der Bundestag an diesem Donnerstag und der Bundesrat am Freitag zustimmen, kehrt Deutschland wieder zu einer Vorschrift zurück, die schon bis zum 30. Juni galt. Damals war die Homeoffice-Pflicht in der sogenannten Bundes-Notbremse verankert.

Über 3.000 Menschen wegen Corona auf der Intensivstation

In deutschen Kliniken müssen immer mehr Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden. Die Zahl stieg nach Angaben des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) am Sonntag auf mehr als 3.000. Laut Divi-Tagesreport kamen 93 Intensivpatienten hinzu, somit befinden sich nun 3.034 Menschen wegen Corona in intensivmedizinischer Behandlung. Innerhalb von zwei Wochen stieg die Zahl um rund 1.000.

Der Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, hatte am Samstag auf Twitter von einer "eingeschränkten Betriebsfähigkeit" der Intensivstationen gesprochen. "Die Mitarbeiter:innen rackern gerade weg, was sie können, aber sie sind zunehmend am Limit", schrieb Karagiannidis.

In der rbb-"Abendschau" warnte der Mediziner: "Uns rennt im Moment wirklich die Zeit davon." Auf den Intensivstationen lägen zum "allergrößten Teil" Ungeimpfte. Zunehmend gebe es hier aber auch doppelt Geimpfte – dies seien aber vielfach ältere Menschen sowie Patienten mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpften.

Wehrbeauftragte fordert Impfpflicht für Bundeswehr

Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) mahnt eine Corona-Impfpflicht in der Bundeswehr an. "Für Soldatinnen und Soldaten, die in den Einsatz gehen, ist eine Covid-19-Impfung bereits verpflichtend. Sie sollte für alle in der Truppe gelten, damit die Einsatzbereitschaft gewährleistet ist", sagt sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Demnach kann sich das Verteidigungsministerium seit Monaten nicht mit den Personalvertretungen der Streitkräfte auf die Aufnahme der Corona-Impfung in den Katalog der sogenannten duldungspflichtigen Impfungen verständigen und hat inzwischen ein Schlichtungsverfahren in Gang gesetzt. Högl sagt, sie hoffe auf einen schnellen Abschluss dieses Verfahrens.

Grünen-Chef bringt Einschränkung für Ungeimpfte ins Spiel 

Grünen-Chef Robert Habeck warnt vor der derzeitigen Corona-Lage und bringt Freiheitseinschränkungen ins Gespräch. "Kontaktbeschränkungen sind schmerzliche Einschnitte, das wissen wir alle noch zu gut. Aber angesichts der dramatischen Lage können sie für Ungeimpfte regional nötig werden", sagt Habeck den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Außerdem brauchten die Länder die Möglichkeit, Veranstaltungen abzusagen, wenn die epidemische Lage es notwendig mache. Habeck rief die Bevölkerung eindringlich zum Impfen auf. Eine Impfpflicht halte er für bestimmte Berufsgruppen für sinnvoll.

Dringend geboten sei auch, 3G-Maßnahmen am Arbeitsplatz zu etablieren. Homeoffice solle wieder verstärkt genutzt werden. "Die Lage in Deutschland hat eine äußerste Dramatik. Wenn die vierte Welle nicht schnell gebrochen wird, droht das Krankenhaussystem im Dezember zusammenzubrechen", so Habeck.

Ärztevertreter besorgt über Machtvakuum in Deutschland

Ärztevertreter rechnen damit, dass Corona-Patienten künftig deutschlandweit verteilt werden müssen, um Regionen mit überfüllten Kliniken zu entlasten. "Die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen wird in den kommenden Wochen so weit steigen, dass mancherorts eine überregionale, vielleicht sogar deutschlandweite Verlegung nötig sein wird, um in besonders betroffenen Regionen rechtzeitig für Entlastung zu sorgen", sagt die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Ärztevertreterin zeigt sich besorgt angesichts der machtpolitischen Übergangsphase zwischen bisheriger und neuer Regierung: "Die Zahlen steigen rasant und in der Politik herrscht ein Machtvakuum zwischen alter und künftiger Regierung, Bund und Ländern." Sie habe sich noch nie in der Pandemie so große Sorgen gemacht wie jetzt, so Johna.

Habeck und Lauterbach fordern schärfere Regeln in Zügen

Wegen der zugespitzten Corona-Lage fordern Politiker nun die Anwendung der 3G-Regel im Zugverkehr. Reisende müssten dann geimpft, genesen oder getestet sein. "Ja, auch das Bahnfahren muss sicherer werden. Aus meiner Sicht sollte hier 3G gelten, darüber werden wir reden müssen", sagte Grünen-Chef Robert Habeck den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht sich dafür aus. "3G sollte auch in Zügen gelten. In dieser Corona-­Situation ist es unverantwortlich, dass Menschen ungeimpft und ­ungetestet in vollen Zügen im Fernverkehr stundenlang eng neben anderen Passagieren sitzen", sagte Lauterbach der "Bild am Sonntag".

Ampelparteien wollen Aufschluss über Impfquote von Intensivpatienten

Die mögliche Koalition aus SPD, Grünen und FDP will genauere Daten dazu, wie viele Corona-Intensivpatienten bereits gegen das Virus geimpft sind. Dazu soll nach dem Willen der drei Ampelparteien das Intensivregister angepasst werden, wie der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte. "Bislang fehlen schlicht Daten", sagte er und sprach von einem sogenannten "Underreporting" auf Intensivstationen. Er gehe davon aus, dass die Umstellung auf tagesgenaue Angaben bis Ende des Jahres umgesetzt sein werde.

Betrieben wird das Intensivregister vom Robert Koch-Institut (RKI) und von der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Bislang stehen nur Zahlen zur Verfügung, die verzögert darstellen, wie viele Intensivpatienten geimpft und wie viele ungeimpft sind. Grund dafür ist, dass die Gesundheitsämter zunächst die Infektionen erfassen und diese dem RKI melden. Der klassische Meldeweg soll laut Dahmen beibehalten werden, daneben sollen aber die Kliniken zur Angabe verpflichtet werden, wie viele ihrer Intensivpatienten vollständig gegen das Virus geimpft sind.

Großer Andrang beim Impfen: Augsburg schickt Bürger weg

Aufgrund der hohen Nachfrage müssen Impfwillige in Bayern derzeit mit langen Wartezeiten rechnen. In Augsburg sind die Impfstationen völlig überlastet: Die Stadt appellierte bereits am Samstagvormittag an die Bürgerinnen und Bürger, das Impfzentrum ohne Termin nicht mehr aufzusuchen. Die Kapazitäten seien ausgeschöpft. Nach Angaben einer Sprecherin ist nicht nur der Impfstoff knapp, auch personell stößt das Impfzentrum an Grenzen.

Die Impfkapazitäten sollen "im Laufe der nächsten Woche", abhängig von der Impfstoffverfügbarkeit, weiter ausgebaut werden, ist auf der Webseite des Augsburger Impfzentrums zu lesen. Genauere Auskunft konnte die Sprecherin nicht geben.

Impfzentrum in München: Auch in der bayerischen Landeshauptstadt wollten sich viele Menschen am Samstag impfen lassen.  (Quelle: imago images)Impfzentrum in München: Auch in der bayerischen Landeshauptstadt wollten sich viele Menschen am Samstag impfen lassen. (Quelle: imago images)

Auch in München haben Impfzentrum und Impfstationen mit dem großen Andrang zu kämpfen. Das Gesundheitsreferat der Landeshauptstadt appelliert deswegen an die Bürger, Impftermine zu vereinbaren. Schon am Freitag gab es eine lange Schlange vor der Impfstation am Marienplatz, wie mehrere Bürger auf Twitter berichteten.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verzeichnete am Freitag laut "Münchner Merkur" erste Engpässe beim Biontech-Impfstoff. Manche Wartenden mussten nach zwei Stunden ohne Impfung wieder gehen. Im Berchtesgadener Land wurden die Kapazitäten dagegen bereits ausgebaut, wie das Landratsamt mitteilte. Hier können nun pro Tag 600 Impfungen durchgeführt werden.

Prof. Melanie Brinkmann während einer Bundespressekonferenz (Archivbild): Die Virologin und weitere Experten kritisieren die Bundesregierung in einem offenen Appell. (Quelle: imago images/IPON)Prof. Melanie Brinkmann während einer Bundespressekonferenz (Archivbild): Die Virologin und weitere Experten kritisieren die Bundesregierung in einem offenen Appell. (Quelle: IPON/imago images)

Appell: 35 Wissenschaftler fordern Umsteuern in Corona-Politik

35 führende Mediziner und andere Fachleute aus ganz Deutschland haben die Regierungen von Bund und Ländern zu einem Umsteuern in der Corona-Politik aufgefordert. Statt mit "passivem Abwarten" die Verantwortung für ein Brechen der vierten Welle zunehmend "in den Ermessensspielraum jedes einzelnen Menschen zu verlagern", müsse die Politik endlich "ihrer Verantwortung umfassend gerecht werden", schreiben die Forscher und Forscherinnen in einem dreiseitigen Aufruf, den der "Kölner Stadt-Anzeiger" und das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" veröffentlichten.

"Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben", heißt es in dem Text unter Federführung des Kölner Internisten Michael Hallek und der Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann. "Wir empfinden eine tiefe Enttäuschung über die Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und über den wiederholt nachlässigen Umgang mit dem Wohlergehen der Menschen, die auf den Schutz des Staates angewiesen sind." Die Forscher fordern die Einrichtung eines nationalen Krisenstabs mit Fachleuten aus Virologie, Medizin und Öffentlicher Gesundheit, aber auch Praktikern mit Leitungserfahrung, etwa aus Kliniken oder Unternehmen.

Corona-Impfungen: WHO-Chef nennt Auffrischungsimpfungen für Gesunde einen Skandal

Trotz explodierender Corona-Infektionszahlen in Europa hat der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, Auffrischungsimpfungen für gesunde Geimpfte verurteilt.

Auffrischungen bei ihnen oder das Impfen von Kindern mache keinen Sinn, solange Gesundheitspersonal und besonders gefährdete Menschen in ärmeren Ländern noch auf ihre erste Impfdosis warteten. "Und trotzdem horten Länder mit den höchsten Impfraten mehr Covid-19-Impfdosen, während Länder mit niedrigen Einkommen weiter warten", sagte Tedros in Genf.

"Täglich werden weltweit sechsmal mehr Auffrischungsimpfungen verabreicht als erste Impfdosen in Ländern mit niedrigen Einkommen. Das ist ein Skandal, der jetzt gestoppt werden muss", so Tedros.

Die Menschen könnten mit den vorhandenen Schutzmaßnahmen geschützt werden, darunter Testen, Maske tragen, Abstand halten sowie gute Lüftung und das Vermeiden von Menschenansammlungen auf engem Raum. "Mit der richtigen Mischung können Länder sowohl die Übertragung von Covid-19 niedrig halten als auch ihre Gesellschaften und Wirtschaft offenhalten", sagte Tedros. "Kein Land kann sich einfach aus der Covid-19-Pandemie herausimpfen."

Nach Angaben der WHO fehlen für das Ziel, bis Ende des Jahres in jedem Land der Welt 40 Prozent der Bewohner zu impfen, noch 550 Millionen Impfdosen. So viel werde innerhalb von zehn Tagen produziert. Die WHO appellierte erneut an Länder mit großen Mengen Impfstoff, auf Lieferungen zugunsten des UN-Programms Covax zu verzichten, das vor allem ärmere Länder versorgt.

Steinmeier erhält dritte Impfung und appelliert an noch Zögerliche

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seine dritte Corona-Impfung bekommen. Er erhielt am Freitag im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin den Wirkstoff von Biontech, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Steinmeier verknüpfte dies mit einem erneuten eindringlichen Aufruf an die Menschen in Deutschland, sich – sofern nicht schon geschehen – impfen zu lassen. Er zeigte dabei eine gewisse Ungeduld: "Ich frage mich: Was muss eigentlich noch geschehen, um die Zögernden zu überzeugen?"

Die Pandemie sei noch nicht vorbei, warnte Steinmeier. Die vierte Welle treffe unser Land hart. "Und sie trifft uns härter, als sie uns treffen müsste. Denn wir wissen, was zu tun ist, um diese Pandemie endlich hinter uns zu bringen." Die Mehrheit der Menschen lasse sich impfen, um sich und andere zu schützen. "Diejenigen, die sich nicht impfen lassen, setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, und sie gefährden uns alle."

Wie groß das Leid sei, könne man auf vielen Intensivstationen sehen. "Es sind vor allem Ungeimpfte, die dort um ihr Leben kämpfen." Steinmeier sagte weiter: "Ich bitte Sie noch einmal, in Ihrem Interesse und im Interesse unseres Landes: Lassen Sie sich impfen! Und erneuern Sie Ihren Impfschutz rechtzeitig."

Eine Corona-Teststation in München (Symbolbild): Mittlerweile haben vier deutsche Landkreise eine Inzidenz über 1.000. (Quelle: imago images/Peter Widmann)Eine Corona-Teststation in München (Symbolbild): Mittlerweile haben vier deutsche Landkreise eine Inzidenz über 1.000. (Quelle: Peter Widmann/imago images)

Deutschland meldet weltweit absolut höchste Fallzahl an Corona-Fällen

Mit 50.000 Neuinfektionen an einem Tag hatte Deutschland am Donnerstag global die meisten neuen Corona-Fälle zu verzeichnen. Die absoluten Zahlen aus Deutschland waren damit höher als die aus den USA, Indien und Russland. Weltweit wurden am Donnerstag eine halbe Million Neuinfektionen gemeldet. Damit entfielen knapp zehn Prozent aller Neuinfektionen auf Deutschland.

Auch am Freitag lag Deutschland im Ranking mit mehr als 48.000 Fällen vor Russland und Indien auf Platz 2 – mehr Fälle mussten nur die USA mit rund 63.000 Fällen vermelden.  

Das RKI meldet seit Wochen hohe Fallzahlen in der ganzen Bundesrepublik. Mittlerweile ist mit einer bundesweiten Inzidenz von 263,7 ein neuer Höchstwert erreicht. Zahlreiche Städte verzeichnen Inzidenzen von über 300 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. In vier Landkreisen liegt die Inzidenz sogar bei über 1.000. Mehr dazu lesen Sie hier.

In Österreich kommt der Lockdown für Ungeimpfte 

In Österreich soll im Kampf gegen die Corona-Pandemie in wenigen Tagen ein Lockdown für Ungeimpfte starten. Das kündigte Kanzler Alexander Schallenberg am Freitag in Innsbruck an. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Alexander Schallenberg: Er hat die Regierungsgeschäfte von Sebastian Kurz übernommen.  (Quelle: imago images/ SEPA.Media)Alexander Schallenberg: Er hat die Regierungsgeschäfte von Sebastian Kurz übernommen. (Quelle: SEPA.Media/imago images)

Patientenschützer warnen vor Impfpflicht für Pflegekräfte

Patientenschützer warnen mit Nachdruck vor den Folgen einer Impfpflicht für Pflegekräfte. "Schon jetzt ist es schwer, eine gute Pflege zu organisieren", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. Falls ungeimpfte Mitarbeiter kündigten oder entlassen werden müssten, würde das die ohnehin angespannte Lage dramatisch verschärfen. "Schon heute schlägt die Pandemie am stärksten nicht in den Krankenhäusern zu, sondern in der Altenpflege", sagte Brysch.

Brysch verwies auf Zahlen aus Großbritannien, wo seit Donnerstag eine Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeheimen gilt. Ungeimpfte dürfen nicht mehr in Kontakt mit zu Pflegenden kommen, ihnen droht deshalb die Entlassung. Nach Angaben des Gesundheitsdiensts NHS beträgt die Impfquote zwar rund 90 Prozent. Das bedeute aber, dass mit Stand 7. November mehr als 56.000 Pflegekräfte nicht vollständig geimpft waren.

Mit Blick auf die britischen Zahlen rechnet Brysch bei insgesamt etwa 1,2 Millionen Altenpflegekräften in Deutschland mit mindestens 100.000 Beschäftigten, die sich trotz Impfpflicht nicht impfen lassen würden. Sollten diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr eingesetzt werden dürfen, könnte bis zu 200.000 Pflegebedürftigen kein Pflegeangebot mehr gemacht werden, sagte er. Diese Konsequenz müsse bei der Diskussion über eine Impfpflicht berücksichtigt werden.

Der Patientenschützer schätzt, dass die Impfquote unter Pflegerinnen und Pflegern in Deutschland deutlich niedriger ist als in Großbritannien. Als Gründe benennt er Desinformation und mangelnde fachkundige Information durch die Berufsverbände.

Dreiwöchiger Teil-Lockdown in den Niederlanden geplant

Angesichts stark steigender Corona-Zahlen will die niederländische Regierung einem Medienbericht zufolge einen neuen Teil-Lockdown verhängen. Es wäre die erste solche Maßnahme in Westeuropa seit dem Sommer.

So sollen ab Samstag für mindestens drei Wochen Bars, Restaurants und nicht lebensnotwendige Geschäfte ab 19 Uhr schließen, wie der Rundfunksender NOS unter Berufung auf Regierungskreise berichtet. Zudem sollen die Menschen so viel wie möglich von zu Hause aus arbeiten und bei Sportveranstaltungen keine Zuschauer zugelassen werden.

Schulen, Theater und Kinos sollen aber geöffnet bleiben. Das Kabinett des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Mark Rutte soll noch im Tagesverlauf eine Entscheidung treffen. Die Behörden verzeichneten zuletzt einen Rekord bei den Neuinfektionen, obwohl 85 Prozent der Erwachsenen geimpft sind. Kliniken müssen wegen den zunehmenden Corona-Fällen Behandlungen verschieben.

Ministerpräsident Mark Rutte: Seine Regierung plant einen Teil-Lockdown in den Niederlanden.  (Quelle: imago images/ANE Edition)Ministerpräsident Mark Rutte: Seine Regierung plant einen Teil-Lockdown in den Niederlanden. (Quelle: ANE Edition/imago images)

Heil plant Gespräche zu 3G am Arbeitsplatz

Zur Frage der 3G-Regel am Arbeitsplatz hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Gespräche mit Gewerkschaften und Arbeitgebern angekündigt. "Nur im Schulterschluss zwischen Beschäftigten, Unternehmen und Staat können wir für wirksamen Schutz und mehr Impfungen sorgen", sagte er der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf vom Freitag. Er suche zur "konsequenten Umsetzung der 3G-Regeln am Arbeitsplatz" das Gespräch mit allen Seiten.

Der Bundestag hatte am Donnerstag ein Gesetz für neue Corona-Maßnahmen auf den Weg gebracht. In den bevorstehenden parlamentarischen Beratungen wollen die Ampel-Parteien dabei auch den Punkt der 3G-Regel am Arbeitsplatz einfügen. Heil verteidigte diesen Plan. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um das Infektionsgeschehen zu verringern. Vorgaben wie Maskenpflicht, Kontaktreduzierung, Testangebotspflicht sowie die Verpflichtung zur Erstellung betrieblicher Hygienekonzepte müssten beibehalten werden. Zusätzlich dürften künftig nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete zur Arbeit gehen, sagte Heil zur 3G-Regel.

Das sei notwendig, weil die Impfquote immer noch nicht ausreichend und die Zahl der ungeimpften Personen weiterhin hoch sei. Die strengen Maßnahmen seien zudem "notwendig, um sowohl die Schließung von Kitas und Schulen als auch eine erneute Einschränkung der Wirtschaft zu vermeiden", sagte der Minister der "Rheinischen Post". 

Hotel- und Gaststättenverband gegen neuen Lockdown

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) lehnt trotz der vierten Corona-Welle mit Rekordinzidenzen einen neuen Lockdown ab. "Es muss sichergestellt sein, dass unsere Betriebe jetzt dauerhaft geöffnet bleiben", sagt Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv.

Einen erneuten Lockdown würde die Branche vor allem mental und emotional nicht überleben. "Ich halte es für rechtlich auch mehr als problematisch, für Geimpfte einen Lockdown zu verhängen." Sie sprach sich dafür aus, zunächst alle Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor über Schließungen spekuliert werde. Vor allem brauche es schnell mehr Booster-Impfungen. Zudem müssten die Corona-Wirtschaftshilfen über das Jahresende hinaus verlängert werden.

Kretschmer schließt neuen Lockdown nicht aus

Angesichts massiv steigender Corona-Infektionszahlen schließt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auch einen neuerlichen Lockdown nicht mehr aus. Die 2G-Regel werde im Kampf gegen die aktuelle Corona-Welle nicht reichen, sagte er am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Wir müssen weitere Instrumente dazusetzen."

Dazu gehöre etwa die geplante Wiedereinführung kostenloser Bürgertests für alle. Zudem müssten Arbeitgeber den Impfstatus von Beschäftigten abfragen und Tests anweisen können. Auch Kontaktbegrenzungen halte er für notwendig. Andernfalls könne die jetzige Situation in einer "humanitären Katastrophe" enden.

Das geplante Auslaufen der epidemischen Lage von nationaler Tragweite zum 25. November halte er in der jetzigen Situation für einen Fehler, betonte Kretschmer. Die derzeitige Variante des Coronavirus habe eine viel größere Kraft und Wucht als die Variante vor einem Jahr. Die vierte Welle stelle alles bisher Erlebte in den Schatten.

Michael Kretschmer spricht beim Landesparteitag der CDU: Der Ministerpräsident schließt einen neuen Lockdown nicht mehr aus. (Quelle: imago images/Florian Gaertner)Michael Kretschmer spricht beim Landesparteitag der CDU: Der Ministerpräsident schließt einen neuen Lockdown nicht mehr aus. (Quelle: Florian Gaertner/imago images)

Schärfere Regeln erhöhen Impfbereitschaft in Österreich deutlich

Die deutliche Verschärfung der Regeln für Ungeimpfte hat in Österreich die Zahl der Corona-Impfungen spürbar nach oben klettern lassen. In den ersten zehn Tagen nach Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz wurden insgesamt mehr als 420.000 Impfungen verzeichnet, wie aus Zahlen der Ministerien hervorgeht. In den zehn Tagen davor waren es rund 157.000. Seit 8. November gilt obendrein eine 2G-Regel, die Ungeimpfte aus weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausschließt.

Ein Großteil der Impfungen (235.000) entfiel seit 1. November auf Auffrischungsimpfungen. Zum ersten Mal ließen sich 123.000 Menschen gegen das Coronavirus durch die Injektion schützen. Eine zweite Dosis holten sich den Zahlen zufolge 64.000 Bürger. Die Impfquote liegt in Österreich bei aktuell etwa 65 Prozent der Gesamtbevölkerung, das ist etwas schlechter als der deutsche Wert.

Der Druck auf Ungeimpfte wird sich noch erhöhen. Eine Übergangsfrist, in der ungeimpfte Arbeitnehmer ersatzweise ganztags eine FFP2-Maske tragen dürfen, endet am 15. November. Die Arbeitgeber sind aufgerufen, stichprobenartig zu kontrollieren, ob ihre Beschäftigten geimpft, genesen oder getestet sind. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 500 Euro für Arbeitnehmer und bis zu 3.600 Euro für die Unternehmen. Es steht im Raum, dass ab Mitte des Monats unter den Testangeboten nur noch PCR-Tests als Zutritt-Erlaubnis zum Arbeitsplatz gelten.

Beamte zu 2G-Kontrollen: Mehr als Stichproben ist nicht drin

Der Chef des Beamtenbundes dbb, Ulrich Silberbach, hat Erwartungen an umfassende staatliche Kontrollen von strengen Corona-Regeln in Herbst und Winter gedämpft. "Es wird auf Stichproben hinauslaufen, mehr ist einfach nicht drin", sagte Silberbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Jetzt werden die Krisenstäbe wieder hochgefahren, und ich höre aus vielen Verwaltungen, dass man überhaupt nicht weiß, woher man noch Leute nehmen soll, um 3G oder 2G zu kontrollieren." In vielen Bundesländern sind zuletzt strengere Regeln in Kraft getreten, nach denen zum Beispiel nur Geimpfte oder Genesene Zutritt zu vielen öffentlichen Räumen haben sollen.

Die Kolleginnen und Kollegen fühlten sich von der Politik zum wiederholten Mal im Stich gelassen, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. "Ausbaden müssen das nun erneut die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes." Gesundheits-, Ordnungs- und Gewerbeaufsichtsämter, Polizei, Rettungsdienste, Gesundheits- und Pflegekräfte arbeiteten seit mehr als eineinhalb Jahren am Limit. Auch in den Schulen sei die Lage dauerhaft angespannt. "Alle fahren mental und physisch auf der letzten Rille", sagte der dbb-Chef. Für die meisten habe es keinerlei Verschnaufpause zwischendurch gegeben. Aktuell fehlten dem öffentlichen Dienst mehr als 300.000 Beschäftigte.

Divi schlägt steuerfreie Nachtdienste für Pflegepersonal vor

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) warnt vor einer Überlastung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten. "Wenn sich diese Dynamik fortsetzt, können wir sehr bald nur noch Notfall- und Covid-Patienten behandeln. Das müssen wir dringend verhindern", sagte Divi-Präsident Gernot Marx dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

Er fordert sofort deutliche Verbesserungen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf den Intensivstationen. "Die Teams, allen voran die Pflegekräfte, brauchen endlich ernsthafte Unterstützung", sagte Marx. "Zum Beispiel: Nacht- und Wochenendarbeit sind ab sofort steuerfrei. Wir brauchen Verbesserungen, die jetzt und sofort spürbar sind."

Städte fordern einheitliche Strategie bei Corona-Maßnahmen

Der Städte- und Gemeindebund hat eine einheitliche Strategie von Bund und Ländern im Kampf gegen Corona gefordert. Es sei "eine verbindliche Vereinbarung zwischen Bund und Ländern notwendig, wie wir mit der aktuellen Corona-Lage durch den Winter kommen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Dazu gehöre eine Strategie für die erforderlichen Booster-Impfungen. "Nach Möglichkeit sollten bis Weihnachten 20 Millionen Menschen diese Impfung erhalten haben."

Unverzichtbar ist aus Sicht des Städte- und Gemeindebundes eine einheitliche Teststrategie. "Auch der Umgang mit Großveranstaltungen und eine einheitliche Linie, bei welchen Inzidenzwerten beziehungsweise bei welcher Belegungssituation in den Krankenhäusern, welche Maßnahmen zusätzlich ergriffen werden, sollten beschleunigt festgelegt werden", sagte Landsberg.

Göring-Eckardt: Brauchen drastische Impfkampagne

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, fordert mehr Bemühungen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Es brauche eine Vielzahl an Maßnahmen, wie das kostenfreie Testen und 3G am Arbeitsplatz. "Dazu gehört auch eine wirklich drastische Impfkampagne", sagte die Politikerin in den Tagesthemen am Donnerstagabend. Sie sieht es als wichtig an, ein Volllaufen der Intensivstationen zu verhindern. "Wir werden bei den Alten eine sehr hohe Impfquote brauchen, also bei 95 Prozent, sagen die Experten".

Bei bestimmten Einrichtungen wie in der Pflege könne man über eine Impfpflicht sprechen. "Alles hängt am Impfen, aber das hilft nicht in den nächsten drei Wochen. Für Donnerstag kündigte sie ein Expertentreffen an, bei dem weitere Maßnahmen erörtert werden sollen. Dabei ginge es darum, wie man Menschen, die bisher nicht geimpft sind, erreicht werden können. Es brauche in erster Linie mobile Impfteams. Eine Einführung von 2G verwies sie an die Bundesländer.

RKI empfiehlt: Kontakte reduzieren

Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft die aktuelle Corona-Entwicklung weiter als "sehr besorgniserregend" ein. Es rät "dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren". Das geht aus dem Wochenbericht des Instituts vom Donnerstagabend hervor. "Sofern sie nicht gemieden werden können, sollte man unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus vorher einen Test machen und die Corona-Warn-App nutzen."

Auch Geimpfte und Genesene sollten Masken tragen, Abstand halten und Räume, in denen mehrere Menschen sind, regelmäßig lüften. Bei Atemwegserkrankungen wie etwa Schnupfen oder Husten sei es für alle Menschen, auch geimpfte, "unbedingt erforderlich", daheim zu bleiben, zudem jedoch einen Hausarzt zu kontaktieren und dort einen PCR-Test machen zu lassen.

Stiko-Mitglied: "Lockdown für alle" als "Notschalter"

Ein Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) hat für den Fall einer noch dramatischeren Corona-Lage einen "Lockdown für alle" ins Spiel gebracht. "Wir brauchen einen Notschalter, falls die Intensivstationen wirklich zusammenbrechen sollten", sagte Klaus Überla, Direktor des Virologischen Instituts am Uniklinikum Erlangen und Mitglied der Stiko am Robert-Koch-Institut, am Donnerstag den "Nürnberger Nachrichten" und der "Nürnberger Zeitung". Ob 2G ausreichen würde, wisse er nicht.

Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt: Droht der nächste Winter-Lockdown? (Quelle: imago images/Olaf Döring)Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt: Droht der nächste Winter-Lockdown? (Quelle: Olaf Döring/imago images)

Der Lockdown sei ein "Notschalter", über den man sich jetzt schon Gedanken machen sollte, betonte er. Letztlich sei es am wenigsten belastend, wenn man diesen sehr kurz und sehr heftig ansetze. Überla schlug für den Fall einen "Lockdown für alle" vor – "sowohl in der Arbeit als auch im Privaten".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte am Donnerstag für eine landesweite Hochstufung auf 2G, "wo es möglich ist", plädiert, außerdem sollte in Clubs und Discos 2G plus gelten. Stiko-Mitglied Überla sagte, 2G plus sei bei bestimmten Veranstaltungen sinnvoll, generell sei es vom Aufwand und von der Logistik her kaum zu stemmen. "Ganz entscheidend" seien nun die Booster-Impfungen, sagte Überla. "Wir müssen umgehend die Impfkapazitäten erhöhen auf die Werte, die wir zuletzt im Juni hatten", sagte er. 

Brandenburg verschärft Corona-Regeln

Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen führt die Brandenburger Landesregierung die 2G-Regel in Gaststätten, Hotels, Kinos und Theatern ein. Vom kommenden Montag an haben die Menschen dort nur noch geimpft, genesen oder im Alter unter zwölf Jahren Zutritt. Das beschloss das Kabinett am Donnerstag in Potsdam. Eine Ausnahme gibt es für unter 18-Jährige mit negativem Test und die, die nicht geimpft werden können. Die 2G-Regel gilt auch in Diskotheken, Clubs und Festivals.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke im Bundesrat: "Sind in einer echten Notfallsituation." (Quelle: dpa/Emmanuele Contini)Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke im Bundesrat: "Sind in einer echten Notfallsituation." (Quelle: Emmanuele Contini/dpa)

In Grundschulen wird die Maskenpflicht wieder eingeführt – ab der ersten Klasse. Für Schülerinnen und Schüler sind zwei statt drei Tests pro Woche Pflicht. Auch in Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern werden mehr Tests notwendig. Die Verordnung gilt vorerst bis zum 5. Dezember. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält die neuen Regeln für dringend notwendig. "Wir sind in einer echten Notfallsituation", sagte er. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Brandenburg deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (249,1).

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) hat angekündigt, die Einhaltung der Regeln streng zu kontrollieren. Wie bereits vor einem Jahr solle es wieder gemeinsame Kontrollen von Polizei und kommunalen Behörden geben. "Diese neuen Regeln, auch wenn sie dem einen oder anderen nicht gefallen, sie müssen eingehalten werden", sagte Stübgen am Donnerstag.

EMA macht Weg frei für zwei Corona-Medikamente

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Weg frei gemacht für die Zulassung von zwei neuen Medikamenten gegen Covid-19. Mehr dazu lesen Sie hier.

Österreich: Lockdown für Ungeimpfte steht kurz bevor

In Österreich rückt ein Lockdown für Ungeimpfte näher. "Jetzt schon ist klar, dass dieser Winter und Weihnachten für die Ungeimpften ungemütlich wird", sagte Kanzler Alexander Schallenberg am Donnerstag in Bregenz. Es sei angesichts der Dynamik der vierten Corona-Welle möglicherweise nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis Ungeimpfte mit massiven Ausgangsbeschränkungen leben müssten, so der Regierungschef.

Er nannte die Impfquote von rund 65 Prozent "beschämend niedrig" und forderte die Österreicher erneut auf, sich umgehend einen schützenden Stich zu holen.

Österreichs Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei einer Rede: Harte Einschränkungen für Ungeimpfte sind geplant.  (Quelle: imago images/photonews.at)Österreichs Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei einer Rede: Harte Einschränkungen für Ungeimpfte sind geplant. (Quelle: photonews.at/imago images)

Unterdessen ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Österreich erneut auf einen Rekordwert gestiegen. 11.975 Fälle wurden nach Angaben der Behörden binnen 24 Stunden verzeichnet. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl würde das etwa 100.000 Fälle in Deutschland bedeuten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner kletterte auf 751, den dreifachen deutschen Wert. Die Situation in den Kliniken verschärfte sich weiter. Ärzte und Pflegekräfte schlagen inzwischen immer lauter Alarm.

Die oppositionelle SPÖ forderte die sofortige Freigabe eines dritten Impfstichs bereits nach vier Monaten, um die Corona-Welle zu brechen. Das Krisenmanagement der Regierung sei ein Desaster, sagte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. 

EMA: Weitere Nebenwirkung bei Impfstoff von Johnson & Johnson

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, eine entzündliche Erkrankung des Rückenmarks – transverse Myelitis – als Nebenwirkung des Covid-19-Impfstoffs von Johnson & Johnson hinzuzufügen. Außerdem prüfte sie Berichte über ein Kapillarlecksyndrom nach der Impfung mit dem Vakzin von Moderna. Die EMA erklärte zudem, dass es gegenwärtig nicht genügend Beweise für einen möglichen Zusammenhang zwischen seltenen Fällen von Multisystem-Entzündungssyndromen und den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech/Pfizer gebe.

Söder schlägt weitgehende Zugangsverbote für Ungeimpfte vor

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will im Kampf gegen die galoppierenden Infektionszahlen in der Corona-Pandemie flächendeckende Zugangsverbote für Ungeimpfte einführen. Einen entsprechenden Vorschlag zur landesweiten Hochstufung auf 2G – also Zugang nur für Geimpfte und Genesene, nicht mehr für negativ Getestete – werde er dem Koalitionspartner Freie Wähler unterbreiten, sagte Söder am Donnerstag in München nach einem Treffen mit Vertretern von Krankenhäusern.

Gleichzeitig solle in Clubs und Diskotheken der Standard 2G plus gelten – also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene, die aber zusätzlich noch einen Schnelltest machen müssen. 2G flächendeckend werde auch auf Bundesebene gebraucht, sagte Söder.

Kretschmer fordert Absage von Weihnachtsmärkten

Bundesweit explodieren die Infektionszahlen, besonders schlimm ist es in Sachsen. Ministerpräsident Kretschmer spricht sich deshalb dafür aus, die Weihnachtsmärkte abzusagen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Intensivmediziner: Zahl der Impfdurchbrüche sprunghaft gestiegen

Immer mehr Geimpfte über 60 Jahren müssen mit Corona auf der Intensivstation behandelt werden. Mediziner fordern, Auffrischungsimpfungen flexibler zu vergeben. Zunehmend müssen planbare OPs verschoben werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Duisburger Intensivstation: Die Zahl der vollständig geimpften Patienten ist gestiegen.  (Quelle: imago images/Reichwein )Duisburger Intensivstation: Die Zahl der vollständig geimpften Patienten ist gestiegen. (Quelle: Reichwein /imago images)

Marburger Bund: Testpflicht notfalls auch für Geimpfte 

Der Ärzteverband befürwortet die Ausweitung der 2G-Regel. Sollte das aber die Belastung für die Krankenhäuser nicht lindern, wollen die Experten auch Geimpfte und Genesene zu Tests verpflichten. Hier lesen Sie mehr dazu.

Impfpflicht in England: 50.000 Pflegern droht Jobverlust

Zehntausende ungeimpfte Pflegekräfte dürfen seit Donnerstag nicht mehr in England in Heimen arbeiten. Die von der Regierung gesetzte Frist, sich vollständig gegen das Coronavirus impfen zu lassen, ist nun verstrichen. Schätzungen von britischen Medien zufolge haben mehr als 50.000 Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen das Angebot bisher nicht genutzt. Mehr als die Hälfte davon soll aber bisher zumindest eine Dosis erhalten haben. Einige Tausend haben Ausnahmen beantragt, weil sie sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten. Die genauen, offiziellen Zahlen sollten am Nachmittag veröffentlicht werden.

Bis April müssen zudem Angestellte des Gesundheitsdiensts NHS in England nachweisen, dass sie vollständig geimpft sind. Den ungeimpften Beschäftigten in Heimen droht nun der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Sie können auch auf Stellen versetzt werden, bei denen sie keinen Kontakt zu Bewohnern haben. Wie die Zeitung "Guardian" berichtete, spüren einige Heime aber bereits den Mangel an Pflegekräften. Zahlreiche Betten könnten nicht mehr betrieben werden. Verbände und Gewerkschaften forderten deshalb bis zuletzt, die Frist bis April zu verlängern.

Nach Angaben des National Care Forum haben im Durchschnitt bereits 3,5 Prozent der Beschäftigten wegen der Impfvorschrift gekündigt oder wurden entlassen. Diese Zahl werde noch weiter steigen, hieß es. Das Gesundheitsministerium betonte hingegen, die Pflicht habe die Zahl der Impfungen in die Höhe schnellen lassen – bei der Erstimpfung von 80 auf 94 Prozent der Beschäftigten in der Branche.

Ethikrat rät zu Prüfung einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen

Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage rät der Deutsche Ethikrat, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zu prüfen. Der Ethikrat nannte konkret Menschen, die schwer oder chronisch Kranke sowie hochbetagte Menschen versorgen – "wie ärztliches und pflegendes Personal, aber auch Mitarbeitende des Sozialdienstes, der Alltagsbegleitung oder der Hauswirtschaft". Diese trügen "eine besondere Verantwortung dafür, die ihnen Anvertrauten nicht zu schädigen". "Gleiches gilt für Institutionen und Einrichtungen, die dafür verantwortlich sind, die dort versorgten Menschen keinen vermeidbaren gesundheitlichen Gefahren auszusetzen."

Der Ethikrat empfehle der Bundesregierung, "unverzüglich eine hinreichend differenzierte gesetzliche Regelung für eine berufsbezogene Impfpflicht zu prüfen und gegebenenfalls eine praktikable und effektive Umsetzung vorzubereiten". Dabei müssten "vielfach diskutierte Sorgen um etwaige negative Konsequenzen einer solchen Maßnahme, etwa Berufsausstiege in den betroffenen Berufsgruppen", berücksichtigt werden. Diese seien aber "im Rahmen der Schutzpflichten gegenüber Menschen aus Hochrisikogruppen zu bewerten".

Das Gremium äußerte die Hoffnung, "dass bereits die Diskussion um die Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht als ein Signal in den Institutionen wahrgenommen wird, zügig effektive, aufsuchende Impfkampagnen mit zielgruppenspezifischer Information und Aufklärung für die verschiedenen Berufsgruppen zu organisieren".

Angela Merkel: Die Noch-Kanzlerin fordert eine schnelle Reaktion auf die vierte Corona-Welle. (Quelle: Reuters/Kay Nietfeld)Angela Merkel: Die Noch-Kanzlerin fordert eine schnelle Reaktion auf die vierte Corona-Welle. (Quelle: Kay Nietfeld/Reuters)

Merkel: "Wir müssen handeln"

Die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf rasches Handeln im Kampf gegen die dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen. Das Virus frage nicht nach politischen Einstellungen oder nach Übergangsregierungen, sagte Merkel am Mittwoch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen in der Sitzung der Unionsfraktion in Berlin. "Wir müssen handeln", ergänzte sie. Die Kanzlerin forderte erneut eine Zusammenkunft von Bund und Ländern im Kampf gegen Corona.

Eine solche Ministerpräsidentenkonferenz werde auch stattfinden, gab sich Merkel demnach optimistisch. Sie wurde mit den Worten zitiert: "Je schneller, desto besser." Die Terminkoordinierung laufe gerade. Es müsse Solidarität zwischen den Ländern geben, wenn es darum gehe, Intensivpatienten in andere Bundesländer zu transportieren, forderte die Kanzlerin nach diesen Informationen.

Merkel bemängelte demnach, das Tempo der Auffrischungsimpfungen reiche nicht aus. Bislang hätten 3 Millionen Menschen eine solche Booster-Impfung bekommen, gemäß der Altersempfehlung sollten 24 bis 25 Millionen eine solche Auffrischung erhalten. "Da müssen wir schneller werden", wurde die Kanzlerin zitiert. Es müsse darüber gesprochen werden, wie das Tempo erhöht werden könne. Merkel warnte, es wäre schlimm, wenn es in der vierten Welle zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen würde.

Berlin führt weitreichende 2G-Regeln ab Montag ein

Der Berliner Senat hat weitere Einschränkungen für Menschen ohne Corona-Impfschutz beschlossen. Die sogenannte 2G-Regel soll nach einer Entscheidung vom Mittwoch von Montag an deutlich ausgeweitet werden. Mehr dazu lesen Sie hier.

Österreich meldet Rekord an Corona-Infektionen

In Österreich sind die Corona-Neuinfektionen rasant gestiegen und haben mit 11.398 Fällen einen Rekordwert erreicht. Damit haben sich die Infektionszahlen seit der letzten Woche fast verdoppelt. "Wir müssen die Lage sehr ernst nehmen", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Mittwoch. Besonders dramatisch sei die Lage in Salzburg und Oberösterreich.

Intensivstation für Covid-Patienten (Symbolbild): Einige Regionen in Österreich stehen Berichten zufolge kurz vor einem Lockdown. (Quelle: imago images/imagebroker/Florian Bachmeier)Intensivstation für Covid-Patienten (Symbolbild): Einige Regionen in Österreich stehen Berichten zufolge kurz vor einem Lockdown. (Quelle: imagebroker/Florian Bachmeier/imago images)

Er habe daher die Landeshauptleute der beiden Bundesländer noch für Mittwoch zu einem Krisengipfel eingeladen. In Österreich liegt die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner bei 655. Oberösterreich kommt sogar auf einen Wert von über 1.000, Salzburg liegt knapp unter 1.000.

Medienberichten zufolge sollen für die besonders schwer betroffenen Bundesländer regionale Lockdowns beschlossen werden. "Wir müssen rasch, entschlossen und umfassend handeln", sagte Mückstein. Einen Lockdown schloss er nicht aus. Den Gesprächen mit den Länderchefs wolle er aber nicht vorgreifen.

Sputnik-V-Entwickler fordert Impfpflicht für Russland

In Russland lässt sich die Ausbreitung des Coronavirus nach Ansicht des Impfstoff-Entwicklers Alexander Ginzburg nur durch eine Impfpflicht unter Kontrolle bringen. "Impfungen sollten Pflicht sein", sagte der Direktor des Gamaleja-Instituts, das den Impfstoff Sputnik V entwickelt hat, dem Amtsblatt "Rossijskaja Gaseta". Die Pandemie könne nur eingedämmt werden, wenn 70 bis 75 Prozent der Menschen in Russland vollständig geimpft seien.

NOVOSIBIRSK, Sputnik V-Ampulle: Der Entwickler des Impfstoffs wirbt für eine Impfpflicht in Russland. (Archivfoto)- NOVEMBER 3, 2021: An ampoule with the Sputnik Light vaccine is seen during vaccination of employe (Quelle: imago images/Kirill Kukhmar)Sputnik V-Ampulle: Der Entwickler des Impfstoffs wirbt für eine Impfpflicht in Russland. (Archivfoto) (Quelle: Kirill Kukhmar/imago images)

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Verfassungsausschusses im russischen Oberhaus, Andrej Klischas, verstoßen Pflichtimpfungen nicht gegen die Verfassung. Das Parlament müsse einer Impfpflicht aber zustimmen, sagte er der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Gesundheitsminister Michail Muraschko forderte unterdessen rechtliche Konsequenzen für Ärzte, die ihren Patienten von Impfungen abraten. "Meiner Meinung nach ist das ein sehr unangemessenes Verhalten", sagte Muraschko laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Der Corona-Impfstoff Sputnik V ist in Russland seit Dezember 2020 verfügbar. Nach offiziellen Angaben sind bisher aber lediglich 34 Prozent der 144 Millionen Einwohner vollständig geimpft. Zugleich erreichen die Corona-Zahlen gerade fast täglich neue Höchstwerte. Am Mittwoch meldeten die Behörden 1.239 weitere Todesfälle. Einige Regionen haben bereits Impfpflichten für bestimmte Berufsgruppen erlassen. Am Montag hatten die Behörden in St. Petersburg Corona-Impfungen auch für Senioren ab 60 Jahren und für chronisch kranke Menschen verpflichtend gemacht.

91 Prozent der Intensivbetten in Bayern belegt

Die stetig steigende Zahl der Corona-Patienten bringt immer mehr bayerische Krankenhäuser an die Kapazitätsgrenze. Am Mittwoch waren in über der Hälfte der 96 Kreise und größeren Städte Bayerns weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei, wie aus dem Divi-Intensivregister hervorgeht. Davon meldeten 21 Kommunen, dass bis auf das letzte Bett die Intensivstationen voll belegt seien. Landesweit waren 653 Covid-Patienten in Intensivbehandlung, gut 130 mehr als vor einer Woche und rund doppelt so viele wie noch vor drei Wochen. Im landesweiten Schnitt sind knapp 91 Prozent der Intensivbetten belegt.

Wenn alle Intensivbetten in einer Kommune belegt sind, müssen neue Intensivpatienten in anderen Krankenhäusern in größerer Entfernung von Wohn- oder Unfallort behandelt werden. Derartige Verlegungen werden innerhalb Bayerns bereits seit Wochen praktiziert. Ebenso sind Krankenhäuser mit einer hohen Zahl von Corona-Patienten gezwungen, geplante Operationen zu verschieben. Grund ist, dass die Patientinnen und Patienten nach größeren Eingriffen – beispielsweise Tumoroperationen – üblicherweise zur Beobachtung auf die Intensivstation kommen. Wenn kein Intensivbett frei ist, ist dies nicht möglich. Laut Intensivregister meldet die große Mehrheit der bayerischen Krankenhäuser Einschränkungen des regulären Betriebs.

Merkel dringt auf schnelle Corona-Länderrunde

Die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt wegen der kritischen Corona-Lage mit Nachdruck auf eine rasche Bund-Länder-Abstimmung mit den Ministerpräsidenten. Die Pandemie breite sich in dramatischer Weise aus, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Dies erfordere eine schnelle und einheitliche Reaktion. Merkel sei in der Regierung, mit den Ländern und den möglichen künftigen Koalitionsparteien in intensivem Kontakt, um einen schnellstmöglichen Termin herbeizuführen.

"Das Virus nimmt keine Rücksicht auf politische Abläufe oder Übergangszeiten", sagte Seibert. Alle spürten die gleiche Verantwortung, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden – "ob in der alten oder in der neuen Bundesregierung". Merkel hat wiederholt klargemacht, für eine Ministerpräsidentenkonferenz bereitzustehen. Unter den Ländern gab es dazu bisher aber keine einheitliche Linie.

Die Kanzlerin mache sich Sorgen über die rapide Entwicklung vor allen in einigen Regionen, sagte Seibert. Dabei zeige sich, dass dies von der Impfquote abhänge. Zu klären sei in einer Bund-Länder-Runde unter anderem eine gemeinsame Kraftanstrengung, um mehr Tempo bei Auffrischungsimpfungen zu erreichen. Es fehle aus Sicht Merkels zudem ein bundesweit vereinbarter Schwellenwert, ab welcher Klinikbelegung mit Corona-Patienten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssten.

Spahn äußert sich zu bundesweiter 2G-Regelung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat ein bundesweites Vorgehen bei der Anwendung der 2G-Regel in der Corona-Pandemie verlangt. Es werde Einheitlichkeit in der Frage 3G oder 2G gebraucht, sagte Spahn am Mittwoch im "Frühstart" von RTL/ntv. "Wir haben jetzt bald wieder 16 unterschiedliche Regelungen, das führt nicht per se zu mehr Akzeptanz."

Jens Spahn: Der Bundesgesundheitsminister ist für eine bundesweite einheitliche Regelung zur Bekämpfung der Pandemie.  (Quelle: imago images/Political-Moments)Jens Spahn: Der Bundesgesundheitsminister ist für eine bundesweite einheitliche Regelung zur Bekämpfung der Pandemie. (Quelle: Political-Moments/imago images)

Der geschäftsführende Minister warf die Frage auf, ob 2G etwa im Freizeitbereich "flächendeckend im ganzen Bund" gelten soll. Die Einführung von 2G oder 3G-Regeln ist bislang Sache der Länder. Auch der Gesetzentwurf der Ampel-Parteien, mit dem Neuregelungen für die Zeit nach der epidemischen Lage von nationaler Tragweite geschaffen werden sollen, sieht hier keine grundlegende Änderung vor.

Lediglich für den Arbeitsplatz wollen SPD und Grüne und FDP künftig bundesweit die weichere 3G-Regel festlegen. Sie schreibt vor, dass entweder ein Impf-, Genesenen oder Testnachweis vorgelegt werden muss. Bei der 2G-Regel entfällt die Möglichkeit des Freitestens.

23.000 bekannte Corona-Fälle bei Schülern in Deutschland

An den Schulen in Deutschland gab es nach aktuellen Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) zuletzt rund 23.000 bekannte Corona-Fälle bei Schülerinnen und Schülern. Wie aus der regelmäßigen Statistik der KMK zur Corona-Situation an den Schulen hervorgeht, waren darüber hinaus in der vergangenen Woche rund 54.000 Schüler in Quarantäne. Grundlage sind Rückmeldungen aus den Bundesländern aus knapp 24.000 allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen mit rund 8,5 Millionen Schülerinnen und Schülern.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler an rund 40.000 Schulen und Berufsschulen. Für die vergangene Woche lagen aber etwa aus Baden-Württemberg keine Zahlen vor, weil im Südwesten zu dieser Zeit Ferien waren. Zudem bekommen die Länder nicht aus allen Schulen Rückmeldungen.

Die Statistik weist außerdem rund 1.800 Corona-Fälle bei Lehrkräften aus und zusätzlich rund 1.100 Quarantäne-Fälle. Zugrunde liegen hier Angaben zu 741.000 Lehrkräften. Einer vor kurzem veröffentlichten Forsa-Umfrage zufolge waren Ende September bereits 95 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland vollständig geimpft.

Belgien will allen Bürgern Booster-Impfung ermöglichen

Gegen nachlassenden Corona-Impfschutz soll in Belgien jeder die Möglichkeit zu einer Auffrischungsimpfung bekommen. Die Gesundheitsminister des Landes einigten sich am Mittwoch auf einen grundsätzlichen Beschluss für den sogenannten Booster, wie mehrere Medien berichteten. Details sollen demnach Ende des Monats geklärt werden - etwa die Fragen, nach welcher Zeitspanne und mit welchem Impfstoff aufgefrischt wird.

Die Corona-Lage in Belgien ist trotz recht hoher Impfquote angespannt. Zwar sind nach offiziellen Angaben 75 Prozent der Gesamtbevölkerung komplett geimpft. Dennoch steigen die Infektionszahlen seit Wochen dramatisch. Die 14-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen zwei Wochen – liegt bei knapp 960.

Stiko schränkt Empfehlung für Moderna-Impfstoff ein 

Kinder ab 12 sowie Jugendliche und Erwachsene unter 30 sollen laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) künftig nur noch mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer und nicht mit dem von Moderna geimpft werden. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Infektiologe: Drittimpfung wichtiger als Lockdown

Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner hält trotz massiv steigender Corona-Zahlen einen neuen Lockdown aktuell nicht für hilfreich. "Lockdowns sind bezogen auf die Pandemie-Kontrolle nicht nur politisch das radikalste Mittel, sondern auch wissenschaftlich ein eher schwaches – außer sie werden absolut konsequent umgesetzt und konsequent kontrolliert", sagte der Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der TU München der Deutschen Presse-Agentur. "Anders als im Frühjahr steht eine wirksame Präventionsmöglichkeit zur Verfügung: die Schutzimpfung."

Ausreichend hohe Impfquoten seien der einzige Weg zurück in die Normalität. In Ländern mit hohen Impfquoten wie Spanien oder Israel gebe es deutlich niedrigere Infektions- und Hospitalisierungszahlen.

"Entscheidend für den Winter sind aus meiner Sicht breit angelegte Booster-Impfungen bei Menschen, deren Impfung mehr als sechs Monate zurückliegt", sagte Spinner. Dadurch ließen sich Studien zufolge bis zu 95 Prozent symptomatischer Infektionen verhindern. 

So hohe Fallzahlen in Ungarn wie zuletzt im April

Ungarn registriert einen starken Anstieg der Corona-Fallzahlen. Nach Auskunft der Behörden wurden in 8434 weiteren Fällen Menschen positiv auf das Virus getestet. Das ist der höchste Tageswert seit Anfang April. Die neuen Fälle liegen derzeit etwa doppelt so hoch wie vergangene Woche.

Tschechien meldet höchste Fallzahlen seit März

Tschechien meldet die höchsten Corona-Fallzahlen seit rund acht Monaten. Wie aus Daten des Gesundheitsministeriums hervorgeht, wurden in 14.539 neuen Fällen Menschen positiv auf das Virus getestet. Das ist das höchste Niveau seit Mitte März. Die scheidende Regierung von Ministerpräsident Andrej Babis hat Forderungen nach einem Lockdown oder ähnlichen Beschränkungen zurückgewiesen. Sie setzt auf die Impfungen. Von den 10,7 Millionen Einwohnern des Landes waren zuletzt nach offiziellen Angaben 58,7 Prozent geimpft. Die Quote liegt unter dem von europäischen Behörden ermittelten EU-Durchschnitt von 64,6 Prozent.

Frankreich: Rentner brauchen Booster-Impfung für Geimpften-Status

Angesichts steigender Corona-Zahlen erhöht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Druck beim Impfen. Menschen über 65 Jahren gelten ab Mitte Dezember nur noch als geimpft, wenn sie eine Booster-Impfung nachweisen können, wie Macron am Dienstagabend in Paris ankündigte.

In Frankreich war ebenso wie in anderen europäischen Ländern die Zahl der Neuinfektionen zuletzt stark gestiegen. Von Dezember an könne sich jeder über 50 die Booster-Impfung geben lassen, sagte Macron. Macron bezeichnete den Anstieg der Inzidenz als beunruhigend. Auch die höheren Hospitalisierungsraten seien alarmierend. Das Staatsoberhaupt ruft alle Bürger auf, sich so schnell wie möglich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die Pandemie sei noch nicht beendet.

Bartsch für 2G-Regel deutschlandweit

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hat angesichts der Corona-Lage bundesweite Einschränkungen für Ungeimpfte gefordert, die nicht als genesen gelten. "Es geht um eine Güterabwägung und um die Frage, was ist der größere Grundrechtseingriff: Ein erneuter Lockdown mit katastrophalen Folgen, insbesondere für Kinder und Familien, oder ein bundesweit geltendes 2G-Modell", sagte Bartsch der Deutschen Presse-Agentur. Die Corona-Lage sei wieder außer Kontrolle. Bei der Grundfrage der Pandemiebekämpfung dürfe es keinen Flickenteppich und keine falsche Rücksichtnahmen geben.

Epidemologe: 2G plus Test als Standard

Angesichts steigender Corona-Zahlen mahnt Epidemiologe Hajo Zeeb zu mehr Vorsicht. "Es ist dringend nötig, dass wir vom Entspannungsmodus in den Ernsthaftigkeitsmodus zurückkehren, leider auch alle Geimpften", erklärte der Experte vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Da auch Geimpfte und Genesene sich infizieren könnten, dürfte aus seiner Sicht "2G plus Test" Standard werden über den Winter. Das würde bedeuten, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt zu bestimmten Orten haben und zusätzlich getestet sein müssen.

Neuer Höchststand an Infektionen in Griechenland

In Griechenland hat die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Infektionen einen neuen Höchststand erreicht. Binnen 24 Stunden wurden in dem Mittelmeerland 8.613 Neuinfektionen registriert, wie die Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten. 46 weitere Menschen starben demnach im Zusammenhang mit Covid-19. Vor zwei Wochen hatte die Zahl der täglichen Neuansteckungen noch halb so hoch gelegen.

Besonders schwer von dem derzeitigen Anstieg bei den Infektionsfällen betroffen ist der Norden Griechenlands. Dort ist die Impfquote geringer als im restlichen Teil des Landes. Der Chef der Notaufnahme des Papanikolaou-Krankenhauses in Thessaloniki, Nikos Kapravelos, warnte zuletzt vor Zuständen wie im November des vergangenen Jahres, als Griechenland eine heftige zweite Corona-Welle erlebt hatte.

Drosten: "Sind schlimmer dran als vor einem Jahr"

Christian Drosten: Der Virologe warnt eindrücklich vor den Folgen der vierten Infektionswelle. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)Christian Drosten: Der Virologe warnt eindrücklich vor den Folgen der vierten Infektionswelle. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen schlägt der Virologe Alarm: Die Situation sei gefährlicher als noch vor einem Jahr. Jetzt müsse man schnell reagieren. Mehr dazu lesen Sie hier.

Charité sagt alle planbaren Operationen ab

Noch vor wenigen Tagen hatte der Charité-Klinikpersonalrat vor einem Notstand gewarnt. Zu viel Personal werde auf Covid-19-Stationen benötigt. Jetzt sieht sich die Charité selbst zu einem drastischen Schritt gezwungen. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Ampelparteien wollen bundesweit 3G-Regel am Arbeitsplatz

Die mögliche künftige Ampelkoalition will bundesweit die sogenannte 3G-Regel am Arbeitsplatz einführen. SPD, Grüne und FDP hätten am Dienstagmorgen beschlossen, dies in ihrem neuen Entwurf für das Infektionsschutzgesetz zu verankern, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Sabine Dittmar, der "Süddeutschen Zeitung".

Mit der 3G-Regel dürfte künftig nur zur Arbeit gehen, wer geimpft oder von Corona genesen ist oder einen aktuellen negativen Test vorlegen kann. Die Details seien noch offen, sagte Dittmar. Nun soll das Bundesarbeitsministerium eine Formulierung für den Gesetzentwurf erarbeiten, der nächste Woche vom Bundestag beschlossen werden soll.

Sie gehe davon aus, dass man jeden Tag einen negativen Test neu vorlegen müsse, sagte Dittmar der Zeitung. Das Ministerium erarbeite nun auch, wie Verstöße gegen die 3G-Regel am Arbeitsplatz geahndet und wie die Tests finanziert würden. Bisher habe jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass ihm sein Arbeitgeber zwei Tests in der Woche zur Verfügung stelle. Das solle auch so bleiben. Zudem würden die kostenlosen Schnelltests für alle, die sogenannten Bürgertests, wieder eingeführt. Eine 3G-Regel am Arbeitsplatz gilt seit Dienstag bereits in Bayern.

Klinken in den Niederlanden warnen vor Überlastung

In den Niederlanden schlagen Krankenhäuser wegen der steigenden Corona-Zahlen Alarm. Eine Gruppe von fünf Kliniken in der südniederländischen Provinz Limburg fordert die Regierung zu neuen Schutzmaßnahmen auf, da sie weder Platz noch Personal hätten, um mehr Covid-19-Patienten zu behandeln. "Wir steuern geradewegs auf eine Katastrophe im Gesundheitswesen zu, und das ganze System gerät ins Stocken", heißt es in einem Brief an Ministerpräsident Mark Rutte.

Den anderen Regionen in den Niederlanden dürfte es bald ähnlich gehen. Nötig seien unter anderem sofortige Auffrischungsimpfungen für Ältere und andere gefährdete Personen. Die Infektionszahlen in den Niederlanden nähern sich wieder ihren Höchstwerten des vorigen Winters, obwohl bereits etwa 85 Prozent der Erwachsenen geimpft sind.

Brandenburg plant Einführung von 2G-Regel

Brandenburg will die Corona-Vorgaben verschärfen und die 2G-Regel einführen – wie weitgehend, ist offen. Das Kabinett verabredete am Dienstag, dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt zu Diskotheken, Clubs und Festivals haben sollen. Am Donnerstag soll die Entscheidung fallen – auch ob dann Gaststätten und Hotels hinzukommen.

Anästhesisten-Verbände: Akutversorgung gefährdet

Nach den Intensivmedizinern schlagen auch Anästhesisten-Verbände Alarm, weil die rapide zunehmenden Corona-Infektionen die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gefährden drohen. Es gehe inzwischen nicht mehr allein um Engpässe bei der Versorgung der Covid-19-Patienten in den Kliniken. Mit größter Sorge betrachte man die aktuellen und mittelfristigen Auswirkungen für die Gesamtbevölkerung, zum Beispiel bei Herzinfarkten, schweren Verletzungen oder Krebserkrankungen, die nicht mehr ausreichend behandelt werden könnten, schreiben der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief an die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Sie forderten die Politiker auf, wirksamere Schritte zur Eindämmung der Corona-Pandemie einzuleiten.

Die Narkose-Ärzte fordern unter anderem eine verbindliche 2G-Regelung für alle Bereiche des öffentlichen Lebens, besonders Großveranstaltungen. Das bedeutet, dass dort nur noch Geimpfte und Genesene Zugang bekämen, Ungeimpfte blieben auch mit einem Test ausgeschlossen. Kontaktbeschränkungen sollen strikt eingehalten werden. Außerdem setzen sich die Anästhesisten für Auffrischungsimpfungen für alle ein, ebenso wie für einfachere Regeln beim Impfen.

Die Verbände repräsentieren nach eigenen Angaben rund 30.000 Ärztinnen und Ärzte. Sie warnten auch generell vor der Überlastung der Intensivmedizin, die dazu führen werde, dass die Personalabwanderung sich weiter erhöhen und die Zahl der betreibbaren Intensivbetten damit weiter sinken werde. Die Ausbildung müsse attraktiver gestaltet werden, abgewanderte Pflegekräfte sollten zurückgewonnen werden.

So stehen die Deutschen zu Beschränkungen für Ungeimpfte

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland befürwortet weitere Beschränkungen für Ungeimpfte zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprechen sich 31 Prozent dafür aus, die sogenannte 2G-Regel stärker als bisher anzuwenden. Diese erlaubt nur den von Covid-19 Genesenen und dagegen Geimpften den Zutritt beispielsweise zu Restaurants, Kinos oder Konzerten. Weitere 25 Prozent der Befragten sind für eine flächendeckende 2G-Regel in ganz Deutschland.

Fußgängerzone in München: Ein Viertel der Deutschen ist für die Einführung einer flächendeckenden 2G-Regelung. (Quelle: imago images/ Sven Simon)Fußgängerzone in München: Ein Viertel der Deutschen ist für die Einführung einer flächendeckenden 2G-Regelung. (Quelle: Sven Simon/imago images)

19 Prozent meinen dagegen, dass Ungeimpfte mit einem negativen Testergebnis Geimpften bei den Zutrittsregeln gleichgestellt werden sollten (3G). 18 Prozent wünschen sich, dass alle Zugangsbeschränkungen abgeschafft werden.

In Österreich gilt wegen der stark steigenden Corona-Zahlen seit Montag bundesweit die 2G-Regel für den Zutritt zu Lokalen, Fitnesscentern, Veranstaltungen und Friseursalons. In Deutschland gibt es dagegen keine einheitlichen Regelungen. Sachsen setzt bisher als einziges Bundesland die 2G-Regel in Teilen des öffentlichen Lebens flächendeckend und verpflichtend um. Dort haben nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt etwa zur Innengastronomie, zu Diskotheken oder Freizeit- und Kultureinrichtungen. Auch Großveranstaltungen wie der Besuch von Fußballstadien sind betroffen.

In anderen Bundesländern ist es Betreibern von Restaurants oder Veranstaltern selbst überlassen, ob sie die 2G-Regel anwenden wollen. Sie ist umstritten. Manche Experten kritisieren, sie wiege die Menschen in falscher Sicherheit, weil auch Geimpfte sich infizieren und das Virus übertragen könnten. Sie fordern deshalb, auch Geimpfte und Genesene regelmäßig zu testen, vor allem dort, wo besonders gefährdete Menschen leben, und diese Tests wieder kostenlos anzubieten.

Ausbruch in Seniorenheim: Vier weitere Bewohner gestorben

Das Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee hat noch immer mit den Folgen eines Corona-Ausbruchs zu kämpfen. Vier weitere Bewohnerinnen und Bewohner sind inzwischen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben, wie der Landkreis Barnim auf Nachfrage bestätigte.

Damit steigt die Zahl auf insgesamt 16 Tote. Die Verstorbenen seien zwei Frauen im Alter von 63 und 90 Jahren sowie zwei 81 und 98 Jahre alte Männer. Zwölf Mitarbeitende befinden sich nach wie vor in häuslicher Quarantäne. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

In dem Heim im Nordwesten Brandenburgs wird nach Angaben des Trägers das Personal seit dem Ausbruch täglich getestet. Nach Kreis-Angaben liegt die Impfquote der Mitarbeitenden laut Amtsärztin Heike Zander bei 50 Prozent.

Helge Braun: Brauchen 20 Millionen Booster-Impfungen bis Weihnachten

Der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun pocht auf eine starke Beschleunigung der Corona-Booster-Impfungen. "Wenn es nach mir geht, müssen wir bis Weihnachten rund 20 Millionen Auffrischimpfungen erreichen", sagt der CDU-Politiker in der ARD. Dafür brauche es eine organisatorische Abstimmung zwischen Bund und Ländern.

Braun pocht erneut auf eine Bund-Länder-Spitzenrunde. Die Signale des bisherigen Vizekanzlers und wahrscheinlichen künftigen Kanzlers Olaf Scholz (SPD) seien bisher, dass es dafür keine Bereitschaft gebe. In dieser schwierigen Lage müssten aber alle zusammenarbeiten, fordert Braun.

Müller rechnet mit MPK nächste Woche

Berlins scheidender Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) geht davon aus, dass sich die Länderchefs bald wieder gemeinsam über Corona-Maßnahmen abstimmen werden. "Es ist nötig, und ich gehe auch davon aus, dass wir im Laufe der nächsten Woche wieder zusammenkommen werden", sagte Müller am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin".

Gerade mit Blick auf grenzüberschreitende Fragen für Arbeitnehmer sei es gut, sich abzustimmen. Allerdings werde es weiterhin regionale Anpassungen in den einzelnen Ländern geben, "weil wir auch bei den steigenden Zahlen ja sehen, dass manche Bundesländer noch besser dastehen als andere", betonte Müller.

Ukraine meldet viele neue Todesfälle

Die Ukraine meldet einen Rekordwert an Todesfällen, die mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums starben weitere 833 Menschen, die positiv auf das Virus getestet wurden. Damit steigt die Gesamtzahl in dem Land auf 73.390. Der bisherige Tages-Höchstwert lag bei 793 und wurde am Samstag gemeldet. Die Zahl der neuen Positiv-Tests gibt das Ministerium mit 18.988 an.

Dänemark führt wieder Corona-Beschränkungen ein 

Die dänische Regierung will wieder Corona-Beschränkungen einführen. Ein Gremium von Epidemiologen habe die Wiedereinführung der 3G-Regelung vorgeschlagen, die Regierung folge diesem Rat, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Montagabend in Kopenhagen. Erst Mitte September hatte die dänische Regierung die letzten Beschränkungen aufgehoben. Zuletzt waren die Neuinfektionen stark gestiegen. 

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen: Dänemark führt wieder Corona-Beschränkungen ein. (Quelle: imago images/Ritzau Scanpix)Ministerpräsidentin Mette Frederiksen: Dänemark führt wieder Corona-Beschränkungen ein. (Quelle: Ritzau Scanpix/imago images)

Wie die deutschsprachige dänische Zeitung "Der Nordschleswiger" berichtet, soll der Corona-Pass wieder eingeführt werden. Die Dänen müssen demnach den Pass vorzeigen, etwa wenn sie in einen Nachtclub, ein Restaurant, Altenheim oder Krankenhaus wollen.

Außerdem wolle die Regierung vorschlagen, dass Covid-19 wieder als eine gesellschaftsbedrohende Krankheit kategorisiert werde, sagte Frederiksen. Am Dienstag will die Regierung die Vorschläge dem Epidemieausschuss im Parlament unterbreiten. Solange die Mehrheit im Ausschuss nicht gegen die Maßnahmen stimmt, können sie umgesetzt werden. 

Zahl der Neuinfektionen in Thailand sinkt unter 7.000

Die Behörden in Thailand haben erstmals seit Monaten wieder weniger als 7.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert. Am Dienstag wurden 6.904 neue Fälle verzeichnet – das ist offiziellen Statistiken zufolge der niedrigste Wert seit Anfang Juli. 61 Menschen in dem beliebten Urlaubsland mit 70 Millionen Einwohnern starben innerhalb eines Tages in Verbindung mit Covid-19.

Der Verlauf des jüngsten, von der Delta-Variante angetriebenen Ausbruchs in Thailand ist ungewöhnlich: Zwar sind die Zahlen seit August – als ein Höchstwert von mehr als 23.000 Neuinfektionen verbucht worden war – gesunken, jedoch stagnierten sie lange zwischen 9.000 und 12.000 neuen Fällen am Tag.

Derweil hofft das südostasiatische Land seit gut einer Woche auf den Neustart der wichtigen Tourismusbranche. Seit dem 1. November dürfen vollständig Geimpfte aus 63 Ländern quarantänefrei in Thailand Urlaub machen.

Lauterbach: Zeit läuft uns davon

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert strengere 2G-Kontrollen. Er verweist auf eine vorab veröffentlichte Studie aus Kanada. Darin wurde untersucht, ob die Ankündigung von 2G für bestimmte Einrichtungen die Impfquote erhöhte. Diese allein hat in vielen Provinzen einen Anstieg an Impfungen gebracht. "So wäre es auch bei uns, wenn strenge 2G Kontrollen angekündigt wären. Wir sollten nicht länger zögern, die Zeit läuft uns davon", schrieb Lauterbach auf Twitter.

Er sieht außerdem das Problem, dass in den nächsten Wochen an jedem Tag bei mehr Menschen die Impfung ihren Schutz vor Ansteckung verliere als man durch einen Booster vor Ansteckung schützen könne.

Intensivmediziner: 2G-Regeln in Corona-Brennpunkten einführen

Der Verband der Intensivmediziner Divi fordert die Einführung von 2G-Regeln in den Corona-Brennpunkten. "Wir müssen ganz schnell 2G da einführen, wo die Inzidenzen wirklich hochgehen", fordert Divi-Vertreter Christian Karagiannidis im ZDF. Arbeitgeber seien gefordert zu entscheiden, ob 3G-Regeln am Arbeitsplatz eingeführt werden müssen.

Karagiannidis rechnet damit, dass die derzeitige Corona-Welle erst im März oder April abebben wird. Er erklärt, auf den Intensivstationen lägen im Vergleich zu vergangenen Winter deutlich jüngere, fast ausschließlich ungeimpfte Menschen. Zunehmend würden auch Impfdurchbrüche bei älteren Menschen erfasst.

Dreyer: Brauchen derzeit keine Länderkonferenz

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hält eine Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage vorerst nicht für erforderlich. "Wir verschließen uns perspektivisch nicht einem Gespräch, aber da muss das Ziel und die Notwendigkeit sehr klar sein", sagt die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Wir haben im Moment alle Instrumente, die wir brauchen, wenn Gesundheitsminister Spahn die rechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung der Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz schafft: Boosterimpfung für alle, Freihaltepauschale für die Krankenhäuser und Aufheben der Pflegepersonaluntergrenze."

Frankreich: Behörde rät von Moderna-Impfstoff für unter 30-Jährige ab

Frankreichs oberste Gesundheitsbehörde hat Menschen unter 30 Jahren vom Corona-Impfstoff des Herstellers Moderna abgeraten. Es bestehe bei diesem Impfstoff in der Altersgruppe ein geringes, aber etwas höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen als beim Impfstoff von Biontech/Pfizer, hieß es in einer Empfehlung der Behörde vom Montagabend. Soweit möglich sollten Menschen zwischen 12 und 29 Jahren daher nicht mit Moderna gegen das Coronavirus geimpft werden.

Die Corona-Impfstoffe der Hersteller Astrazeneca und Johnson & Johnson sind in Frankreich für Menschen unter 30 Jahren ohnehin nicht empfohlen. Politische Entscheidungen treffen kann die Gesundheitsbehörde nicht. In der Regel folgt die französische Regierung aber ihren Empfehlungen.

Kretschmer fordert neuen Corona-Gipfel

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dringt wegen der steigenden Corona-Fallzahlen auf eine Bund-Länder-Konferenz. "Uns läuft die Zeit davon", sagte Kretschmer am Montagabend im MDR-Magazin "Sachsenspiegel". Die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung müssten sich angesichts der hohen Inzidenzen möglichst bald auf gemeinsame Maßnahmen verständigen. "Wenn man zu spät handelt, bleibt nur ein knallharter Lockdown - und den wollen wir verhindern", sagte Kretschmer.

Er brachte ein Wiedereinführen der kostenlosen Schnelltests sowie Leerbettenpauschalen für Krankenhäuser ins Gespräch. Kretschmer kritisierte außerdem die derzeitige Impfstrategie: Ärzte würden derzeit von Engpässen beim Impfstoff berichten, über die dritte Booster-Impfung habe zu lange große Unklarheit bestanden. Über diese Fragen müsse man sich dringend verständigen – und es sei "fahrlässig", dass das bisher nicht passiert sei.

Lauterbach warnt vor Karnevalsfeiern

Karl Lauterbach rät von Karnevalsfeiern in Innenräumen dringend ab. "Der Karneval kann zum Superspreader-Event werden", sagte der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Köln. "Wir stehen vor einer sehr massiven Welle", warnte Lauterbach.

Für den Karneval gelte deshalb: "Wenn möglich: Draußen feiern! Falls es drinnen ist, muss striktes 2G gelten. Mit Kontrollen." Aber auch dann seien Veranstaltungen in Innenräumen eine Riesengefahr, sagte Lauterbach weiter. "Deshalb ist jede abgesagte Karnevalsveranstaltung im Innenraum eine gute Veranstaltung. Denn sie schützt Leben."

Auch wenn für Saalveranstaltungen 2G gelte – wenn also nur Geimpfte und Genesene zugelassen würden –, schaffe das keine wirkliche Sicherheit, weil der Impfschutz bei vielen schon nachlasse. "Jeder, der in einen Innenraum geht, muss mit einem Impfdurchbruch rechnen", sagte Lauterbach. "Diese Impfdurchbrüche darf man nicht unterschätzen. Zum Glück ist es so, dass die ganz schweren Verläufe nicht so häufig sind. Aber dennoch sind viele Impfdurchbrüche schwerer, als der Laie sich das vorstellt. Sie können auch zu Long-Covid führen."

Krankenhaus-Ampel in Bayern springt auf Rot

Die Krankenhaus-Ampel des bayerischen Gesundheitsministeriums ist am Montag wegen der hohen Zahl von mehr als 600 Corona-Patienten auf den Intensivstationen auf Rot gesprungen. Damit gelten ab Dienstag Verschärfungen der Zutritts- und Testregeln. Unter anderem ist dann laut Gesundheitsministerium an vielen Arbeitsplätzen die 3G-Regel verpflichtend: Zutritt haben nur noch Mitarbeiter, die geimpft, genesen oder getestet sind.

Wie am Montag aus dem Divi-Intensivregister hervorging, lagen aktuell am Mittag 609 Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen im Freistaat, mehr als die Hälfte davon müssen beatmet werden. Landesweit sind demnach nur noch 446 Intensivbetten frei, davon 155 Covid-spezifische Betten mit Beatmungsmöglichkeit.

Nachfrage nach Corona-Impfungen wächst wieder

Mit dem starken Anstieg der Corona-Zahlen wächst auch die Nachfrage nach Impfungen wieder. In Sachsen seien die 30 mobilen Impfteams an der Belastungsgrenze, erklärte das Deutsche Rote Kreuz am Montag auf Anfrage. Mehr dazu lesen Sie hier.

Spahn berät mit Ampel über Wiedereinführung kostenloser Corona-Tests

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) berät mit den Parteien der voraussichtlichen Ampelkoalition über die Wiedereinführung der kostenlosen Corona-Bürgertests. Das sagte ein Ministeriumssprecher. Die Entscheidung von Bund und Ländern im August für ein Ende der kostenfreien Tests ab Oktober sei damals richtig gewesen. Seitdem sei bei den Erstimpfungen ein Anstieg zu erkennen, sagte der Sprecher.

"Der Minister sieht es auch so, dass es genauso richtig ist, sie in dieser vierten Welle vorübergehend wieder einzuführen und er ist zu einem möglichen Neustart der kostenlosen Bürgertests im konstruktiven Austausch mit den Ampelkoalitionären."

Über das Thema wird vor dem Hintergrund der stark steigenden Infektionszahlen diskutiert. Kostenlose Schnelltests gibt es seit dem 11. Oktober nur noch in Ausnahmefällen, etwa für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, darunter Kinder unter 12 Jahren, sowie übergangsweise für 12- bis 17-Jährige und Schwangere.

Söder: Es braucht mehr "als ein bisschen Testpflicht in Altenheimen"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert angesichts des neuen Höchstwertes bei der Corona-Inzidenz ein entschlosseneres Handeln im Kampf gegen die Pandemie. Es müsse mehr getan werden, "als ein bisschen Testpflicht in Altenheimen", sagt der CSU-Chef im Deutschlandfunk. Nötig seien grundlegende Gespräche von Bund und Ländern.

Markus Söder: Bayerns Ministerpräsident fordert angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen eine Reihe von neuen Maßnahmen. (Quelle: imago images/Sven Simon)Markus Söder: Bayerns Ministerpräsident fordert angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen eine Reihe von neuen Maßnahmen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Söder fordert eine bundesweite 2G-Regelung sowie 3G am Arbeitsplatz und eine Veränderung des Datenschutzes, um schneller und präziser ein Lagebild zu haben. Außerdem müssten Impfzentren reaktiviert werden und Tests wieder kostenlos angeboten werden. Das gelte auch für Antikörper-Test, damit jeder seine aktuelle Situation abfragen könne, um dann – vom Alter unabhängig – gegebenenfalls eine Drittimpfung zu erhalten.

Gassen: Jeder Ungeimpfte wird sich im Winter infizieren

Im Herbst und Winter werden sich nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, so gut wie alle Nicht-Geimpften mit Corona infizieren. "Wir werden erleben, dass sich in den nächsten Monaten aller Voraussicht nach jeder, der nicht geimpft wird, infizieren wird", sagte Gassen "Bild TV".

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, bei einer Pressekonferenz (Archivbild): Er geht davon aus, dass sich im Winter alle Ungeimpften mit Corona infizieren. (Quelle: imago images/Jürgen Heinrich)Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, bei einer Pressekonferenz (Archivbild): Er geht davon aus, dass sich im Winter alle Ungeimpften mit Corona infizieren. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago images)

Andere Maßnahmen als Impfen böten vor dem Coronavirus keinen Schutz. "Es ist eine trügerische Sicherheit, wenn die Leute meinen, weil sie nicht zum Karneval gehen oder noch in der U-Bahn eine Maske tragen, sind sie davor geschützt, sich mit Corona zu infizieren", sagte Gassen.

"Wir werden erst Ruhe im Sinne einer epidemischen Lage haben, wenn tatsächlich der Großteil der Bevölkerung geimpft oder genesen ist", sagte der KBV-Chef. Die Quote der Nicht-Geimpften gab Gassen mit 30 Prozent an.

Intensivmediziner befürchten Verdoppelung bei Corona-Patienten

Mediziner befürchten eine Verdopplung der Corona-Patienten auf Intensivstationen. Schon jetzt müssten mit knapp 2.500 Fällen genauso viele Corona-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen versorgt werden wie zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr bei der zweiten Corona-Welle, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), der "Augsburger Allgemeinen".

In den kommenden Wochen werde sich die Zahl voraussichtlich fast verdoppeln, wenn die Neuinfektionen weiter so steigen wie bisher. "Bei einer Inzidenz von 300 erwarten wir bundesweit etwa 4.500 Covid-Patienten mit großen regionalen Unterschieden", warnte Karagiannidis.

Die Zahl der Neuinfektionen ist in den vergangenen Tagen rasant gestiegen, am Sonntag lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner bei knapp unter 200.

Lehrerverband für 3G-Regel

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat sich im Fall besonders hoher Infektionszahlen für eine 3G-Regel bei Lehrkräften ausgesprochen. Eine Impfpflicht sei nicht zuletzt angesichts der sehr hohen Impfquote in dieser Berufsgruppe nicht notwendig, sagte Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Dort, wo die Inzidenzen sehr hoch sind, halte ich aber eine 3G-Regel für Lehrkräfte für eine richtige Idee", fügte er hinzu.

"Das heißt: Lehrer, die ungeimpft sind, müssten sich dann jeden Tag testen." Meidinger begründete dies damit, dass die meisten Lehrkräfte täglich mit mehreren verschiedenen Klassen in Kontakt kämen. "Die Ansteckungsgefahr für sie selbst und in der Folge dann auch für andere ist also vergleichsweise hoch, wenn sie ungeimpft sind."

FDP für kostenlose Tests

Auch die FDP fordert die Wiedereinführung der kostenlosen Corona-Tests. "Die Abschaffung der kostenlosen Bürgertests war ein Fehler", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ihre Wiedereinführung wäre ein Beitrag, um Infektionsketten schneller zu unterbrechen."

Tschentscher: Auf Ungeimpfte individuell zugehen

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hat dazu aufgerufen, energisch den Kontakt zu den bisher nicht gegen Corona geimpften Menschen zu suchen. "Wir müssen unterschiedlichste Wege gehen, um die noch nicht Geimpften zu erreichen. Die Wege müssen so unterschiedlich sein wie die Menschen unterschiedlich sind, die bisher noch skeptisch sind", sagte der SPD-Politiker im ZDF-"heute journal".

Er machte sich zudem für 2G-Optionsmodelle in ganz Deutschland stark, mit denen bestimmte Einrichtungen Ungeimpften den Zutritt verwehren können. "Wir haben in Hamburg im August schon die 2G-Regel eingeführt. Das muss jetzt in ganz Deutschland umgesetzt werden", sagte Tschentscher.

Auf die Frage, ob zwei 2G-Modelle letztlich nicht eine Art Lockdown für Ungeimpfte bedeuteten, sagte der SPD-Politiker: "Wir können diese Pandemie nicht immer aus der Sicht der Ungeimpften beurteilen." Die große Zahl der schon geimpften Personen habe schließlich auch Rechte. In vielen Bundesländern gebe es bisher eine zu niedrige Impfquote – "und dort eskaliert jetzt auch die Situation."

Lauterbach und Drosten teilen Bild von Coronamedikamenten

Wie viele Medikamente muss ein Corona-Patient schlucken, der unter einem schweren Verlauf leidet? Ein britischer Intensivmediziner verdeutlichte das nun mit einem Foto auf Twitter. Auf dem Bild sind zahlreiche Ampullen, Spritzen und Tabletten aufgereiht, die offenbar für einen Intensivpatienten pro Tag nötig sind.

Das Bild teilten auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und Virologe Christian Drosten und warben gleichzeitig dafür, sich stattdessen gegen das Coronavirus impfen zu lassen. "Derjenige, dem die Impfung zu gefährlich erscheint, muss bei schwerer Infektion mit den 'langfristigen Nebenwirkungen' all dieser Medikamente rechnen", heißt es etwa von Lauterbach. Darüber hinaus seien bei der Behandlung noch mehr Medikamente notwendig: "Das ist nur die Tagesdosis und nicht komplett."

Auch Drosten verwies darauf, dass die Medikamente deutlich stärkere Nebenwirkungen aufweisen würden als eine Impfung: "Ich würde mir dazu mal eine Schilderung von einem Intensivmediziner in einer Talkshow wünschen."

Städtetag schlägt 2G-Regel für Weihnachtsmärkte vor

Der Städte- und Gemeindebund wirbt dafür, Weihnachtsmärkte und Karnevalsveranstaltungen nur für Geimpfte und Genesene zu öffnen. "Bei Weihnachtsmärkten oder auch Karnevalsveranstaltungen, die ja regelmäßig von privaten Veranstaltern durchgeführt werden, steht es diesen frei, von vorneherein auf 2G-Regeln zu setzen", sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es sei auch nachvollziehbar, wenn ein Bundesland mit hohen Inzidenzen und niedriger Impfquote wie Sachsen die 2G-Regel anordne. Das werde hoffentlich noch manchen Zweifler dazu bewegen, sich doch noch impfen zu lassen.

Israel prüft Kauf von Corona-Medikament von Pfizer

Israels erwägt den Kauf einer neuen Pille gegen das Coronavirus vom US-Pharmakonzern Pfizer. Ministerpräsident Naftali Bennett sprach am Sonntag in der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem von "guten Nachrichten". Er habe die Verantwortlichen angewiesen, die Sachlage gründlich zu untersuchen und "einen Erwerb für den Staat Israel zu prüfen".

Der Konzern hatte am Freitag gemeldet, dass er im Kampf gegen die Corona-Pandemie über eine wirksame Pille verfüge, die schwere Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten verhindern soll. Noch gibt es allerdings keine Zulassung. Pfizer vertreibt zusammen mit dem deutschen Konzern Biontech auch einen der wichtigsten Impfstoffe.

Israel ist es bislang gelungen, die vierte Corona-Welle ohne neuen Lockdown zu überstehen. Dabei setzt das Land stark auf Booster-Impfungen: Fast 43 Prozent der 9,4 Millionen Einwohner sind inzwischen dreifach geimpft. 62 Prozent bekamen zumindest zwei Spritzen.

Zahl der Impfungen in Österreich nimmt zu

Angesichts massiv ansteigender Infektionszahlen und den ab Montag verschärften Corona-Maßnahmen nimmt die Zahl der Impfungen in Österreich deutlich zu. Allein am Samstag seien fast 32.000 Menschen geimpft worden, jeder dritte davon zum ersten Mal, meldete die Nachrichtenagentur APA am Sonntag unter Berufung auf Angaben des Gesundheitsministeriums. Einschließlich der Auffrischungsimpfungen habe es in der vergangenen Woche 213.000 Impfungen gegeben – so viele wie zuletzt Anfang August.

Insgesamt holten sich den Angaben zufolge am Samstag 10.488 Österreicher ihre Erstimpfung, 17.113 Menschen erhielten eine Booster-Impfung. Allerdings habe es schon am Freitag – also noch vor der offiziellen Ankündigung der ab Montag verschärften Regeln – einen deutlichen Anstieg der Impfungen gegeben, betonte APA.

2G in Österreich wohl bis nach Weihnachten

In Österreich werden angesichts rekordhoher Neuinfektionen die verschärften Corona-Maßnahmen wohl über Weihnachten und den Jahreswechsel hinaus gelten. Kanzler Alexander Schallenberg geht nicht davon aus, dass die Situation so sei, dass die Maßnahmen wieder zurückgenommen werden könnten. "Also es wird wohl ein 2-G-Weihnachten werden", sagt er der "Kronen Zeitung". Vizekanzler Werner Kogler fügt hinzu: "Allerhöchstwahrscheinlich werden wir zu Weihnachten und zu Silvester noch 2G haben." Österreich verzeichnet derzeit täglich Neuinfektionen von fast 10.000.

Messen wollen 3G-Regel für Aussteller und Besucher

Die deutsche Messebranche will auch negativ getestete Aussteller und Besucher auf ihren Veranstaltungen zulassen, nicht nur geimpfte und genesene. Denn die sogenannte 2G-Regelung – also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene – würde vor allem viele Besucher aus dem Ausland ausschließen, kritisierte Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft (Auma), am Sonntag. Der Erfolg vieler Messen in Deutschland hänge eben auch von der Teilnahme ausländischer Besucher und Aussteller ab. "Impfstoffe wie Sinovac und Sinopharm sind in Deutschland bislang nicht anerkannt. Die damit geimpften Menschen gelten hierzulande als ungeimpft", teilte der Verband mit.

Noch besser seien Regelungen, die den Messeveranstaltern die Wahl zwischen 3G, 2G und ähnlichen Hygienekonzepten überlassen. "Was wir nun wirklich nicht brauchen, sind Debatten, die den Messe-Neustart behindern und die ganze Branche verunsichern", sagte Holtmeier. "Messen sind der Treffpunkt, um die Erholung der Wirtschaft voranzutreiben."

In sieben Thüringer Regionen keine Intensivbetten mehr frei

In sieben Thüringer Regionen waren am Samstag laut Divi-Register keine Intensivbetten mehr frei. Das betraf die Städte Erfurt, Gera und Weimar sowie die Landkreise Greiz und Sömmerda, den Kyffhäuserkreis und den Saale-Orla-Kreis, wie aus einer Übersicht der Intensivmediziniervereinigung hervorgeht. Im Altenburger Land gab es den Zahlen zufolge noch ein freies Intensivbett. In Jena mit seinem großen Universitätsklinikum waren noch zwei der insgesamt 76 Betten frei. Landesweit waren 12,7 Prozent der Intensivbetten noch unbelegt. Insgesamt waren den Divi-Zahlen zufolge 17,3 Prozent der betreibbaren Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Ministerpräsident Bodo Ramelow hatte tags zuvor gewarnt, dass Ungeimpfte wegen der vollaufenden Intensivstationen schon bald nicht mehr in Thüringen behandelt werden könnten. Den Menschen werde geholfen, allerdings gebe es keine Garantie, dass sie auch in ihrem Heimatbundesland behandelt würden.

Bericht: Ampelkoalition plant Corona-Maßnahmenkatalog

Angesichts der hohen Rate an Neuinfektionen in Deutschland beraten die Ampel-Fraktionen zurzeit über die Einführung zusätzlicher Maßnahmen für das Nachfolge-Gesetz für die epidemische Notlage. Laut einem Vorabbericht der "Bild am Sonntag" aufgrund von Informationen aus Verhandlerkreisen planen SPD, Grüne und FDP eine tägliche Testpflicht für Mitarbeiter und Besucher in Pflegeheimen, unabhängig davon, ob sie geimpft oder genesen sind.

Die Corona-Prämie für Kliniken solle wieder reaktiviert werden. Krankenhäuser bekämen staatliche Entschädigungszahlung, wenn sie einen Teil ihrer Intensivbetten für mögliche Corona-Patienten freihielten. Um die Booster-Impfungen bei Senioren zu beschleunigen, sollten Ärzte verpflichtet werden, ihre älteren Patienten anzuschreiben und über die dritte Impfung zu informieren. Auf einen Lockdown für Ungeimpfte oder eine bundesweite 2G-Regel für das öffentliche Leben wollten die Ampel-Fraktionen demnach aber verzichten.

BKA sieht "relevantes Risiko": Impfgegner attackieren immer häufiger Ärzte

Impfgegner schrecken immer seltener vor verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Ärzte zurück. Das Bundeskriminalamt schätzt daher "Impfgegner oder Corona-Leugner" als "relevantes Risiko" im Zusammenhang mit Angriffen auf Impfzentren oder Arztpraxen ein. Für das "dort tätige Personal besteht die Gefahr, zumindest verbalen Anfeindungen bis hin zu Straftaten" wie etwa Körperverletzung ausgesetzt zu sein, teilte das Bundeskriminalamt der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit. Genaue Zahlen gibt es zwar noch nicht. In vielen Fällen ermittelt aber der Staatsschutz.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, bestätigte der Zeitung die Bedrohungslage. Er erklärte, die Entwicklung sei Teil einer "Hysterisierung der Gesellschaft", unter der nun das medizinische Personal in den Arztpraxen leiden müsse. Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, monierte, dass insbesondere impfkritische Menschen Arztpraxen zunehmend als "Instrument der Politik" wahrnähmen.

Augsburg, Bayern: So ruhig wie bei diesem Aufklärungstermin zur Corona-Impfung bleibt es nicht immer.  (Quelle: imago images/Bihlmayerfotografie)Augsburg, Bayern: So ruhig wie bei diesem Aufklärungstermin zur Corona-Impfung bleibt es nicht immer. (Quelle: Bihlmayerfotografie/imago images)

Mediziner: Lage auf Intensivstationen "macht nachdenklich"

Mediziner haben angesichts der angespannten Corona-Lage auf die sich verschärfende Situation auf deutschen Intensivstationen hingewiesen. "Trauriger Tagesrekord der Covid-19-Herbstwelle: Erstmals mehr als 100 gemeldete Todesfälle auf Intensivstationen bei 179 Erstaufnahmen. Macht nachdenklich", schrieb Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), am Samstag auf Twitter.

Die zuletzt deutlich gestiegenen 7-Tage-Inzidenz "als vielleicht wichtigster Leitindikator" gehe weiter Hand in Hand mit den Neuaufnahmen auf Intensivstation. Die Inzidenz ist in den vergangenen zwei Wochen von 100 auf 184 gestiegen. Laut DIVI-Angaben von Samstag sind 2.449 Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Marburger Bund ist für berufsbezogene Impfpflicht

Der Marburger Bund hat eine Pflicht zur Impfung gegen Covid-19 für Pfleger, Ärzte und einige andere Berufsgruppen gefordert. "Die Pflicht zur Schutzimpfung gegen das Coronavirus soll für Personen gelten, die in medizinischen Einrichtungen, Alten- und Pflegeheimen sowie Schulen und Kindertagesstätten tätig sind", heißt es in einem Beschluss, den der Marburger Bund auf einer Hauptversammlung fasste.

Impfung in Deutschland: Eine berufsbezogene Impfpflicht ist derzeit im Gespräch. (Quelle: imago images/MiS)Impfung in Deutschland: Eine berufsbezogene Impfpflicht ist derzeit im Gespräch. (Quelle: MiS/imago images)

Wie der Bundesverband der Ärzte-Vereinigung am Samstag mitteilte, ging dem Votum eine mehrstündige, intensive Debatte der Delegierten voraus. Die Ärzte hielten in ihrem Beschluss fest, auch für Menschen, die in Obdachlosenunterkünften, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, in Arztpraxen oder bei ambulanten Pflegediensten arbeiten, sollte eine Impfpflicht eingeführt werden.

Der Marburger Bund ist ein Berufsverband der angestellten und verbeamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Bereits in den vergangenen Tagen hatte sich der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, dafür ausgesprochen, Pflegekräfte zur Impfung zu verpflichten. "Mit einer Kündigungswelle rechnen wir beim Pflegepersonal nicht", fügte er hinzu. Es sollte zum Berufsethos jeder Pflegekraft gehören, die ihm anvertrauten Menschen vor Gefahren zu schützen.

Polizeigewerkschaften: Erneutes Böllerverbot denkbar

Wegen der erneut steigenden Corona-Infektionszahlen haben sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) für erneute Böllerverbote an Silvester ausgesprochen. "Wir fordern die Kommunen auf, sogenannte Böllerverbote möglichst restriktiv auszusprechen und genügend Ordnungskräfte zur Überwachung bereitzuhalten", sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. "Angesichts der steigenden Infektionszahlen durch Corona ist es ohnehin derzeit nicht angezeigt, sich in großen Gruppen zu treffen und die Risiken noch zu vergrößern." Mehr dazu lesen Sie hier.

Grüne und FDP fordern Rückkehr zu kostenlosen Schnelltests

Angesichts der deutlich steigenden Corona-Infektionszahlen hat sich die Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag für die Wiedereinführung von kostenlosen Corona-Tests ausgesprochen. "Es muss jetzt darum gehen, die Corona-Gefahr schnell wirksam einzudämmen. Ansonsten droht noch vor Weihnachten ein neuer Lockdown", sagte die Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg. Da die Auffrischungsimpfungen nach ihrer Einschätzung nur schleppend laufen, sollte auf bereits bekannte und erprobte Maßnahmen zurückgegriffen werden, wie die kostenlosen Bürgertests.

Ähnlich hatte sich zuvor auch FDP-Chef Christian Lindner geäußert: "Angesichts der Entwicklungen war die Entscheidung der CDU-geführten Bundesregierung offenbar verfrüht, die kostenlosen Bürgertests zu beenden", sagt Lindner der "Bild" am Freitag. Die FDP wolle, dass die kostenlosen Tests noch bis ins Frühjahr angeboten würden. Das wäre ein Baustein, um die Kontrolle zu behalten, sagt er.

Seit dem 11. Oktober können sich viele Menschen in Deutschland nicht mehr kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Dies wurde damit begründet, dass für eine Vielzahl Impfangebote bereitgestellt worden sind. Nach Angaben der Bundesregierung können sich jedoch noch einige Gruppen weiterhin kostenlos testen lassen, etwa Minderjährige oder Schwangere. Wer Symptome auf eine Covid-19-Infektion hat, kann sich zudem kostenlos mit einem PCR-Test testen lassen.

Berliner Rechtswissenschaftler für allgemeine Impfpflicht

Der Berliner Rechtswissenschaftler Christian Pestalozza hat sich im Kampf gegen das Coronavirus für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. "Da sich offenbar nicht ausreichend Menschen freiwillig haben impfen lassen, halte ich diesen Schritt für unumgänglich", sagte Pestalozza dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND). Aus Sicht des Experten für Verfassungsrecht sind alle grundrechtlichen Voraussetzungen für eine Impfpflicht erfüllt: "Die Maßnahme verfolgt ein legitimes Ziel, ist geeignet, erforderlich und zumutbar." Damit schließt er sich der Einschätzung von Alt-Kanzler Gerhard Schröder an.

Pestalozza plädierte für eine bundeseinheitliche gesetzliche Regelung im Infektionsschutzgesetz, um einzelne Länder nicht "in Entscheidungsnot" zu bringen. "Wer impfpflichtig ist, muss ebenfalls auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes klar sein", sagte er. Hier sei der neue Bundestag gefordert.

Thüringer Corona-Inzidenz nun über 400er-Marke

Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist erneut stark gestiegen und hat die Marke von 400 überschritten. Am Samstag lag die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen je 100.000 Einwohner bei 406,0, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Am Vortag hatte sie bei 386,9 gelegen, am Donnerstag bei 357,4. Es wurden 1474 neue Fälle und sechs weitere Todesfälle registriert. Thüringen ist damit nach Sachsen (415,8) das am zweitstärksten betroffene Bundesland. Bundesweit stieg die Zahl kräftig auf 183,7 nach 169,9 am Vortag.

Im Landkreis Sonneberg stiegen die Zahlen weiter rapide. Der Wochenwert lag am Samstag bei 764,3 (Vortag 688,9). Sonneberg ist damit die bundesweit am zweitstärksten betroffene Kommune. Im Ilm-Kreis kletterten die Zahlen über die 500er-Marke und erreichten den Wert von 516,1 (Vortag 469,7). Im Altenburger Land lag der Wert bei 488,9 (Vortag: 436,9). Am niedrigsten lag der Wert mit 263,2 im Landkreis Nordhausen.

Verfassungsschutz warnt vor radikalen Coronaleugnern

Der Präsident des thüringischen Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, hat vor einer zunehmenden Radikalisierung der Szene der Corona-Leugner gewarnt. Vor geplanten neuen Protesten sogenannter Querdenker an diesem Samstag in Leipzig sagte Kramer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Die vierte Welle, die Diskussion über Booster-Impfungen und Verschärfungen von Corona-Maßnahmen wie die Ausweitung von 2G-Regelungen können zu einem neuen Push für die Szene führen." Mehr dazu lesen Sie hier.

Amtsärzte schlagen mehr Tests vor

Die Amtsärzte in Deutschland dringen auf eine deutliche Ausweitung der Covid-Schnelltests bei Geimpften. "Je höher die Inzidenzen jetzt werden, desto notwendiger ist es, dass grundsätzlich neben den Ungeimpften auch Geimpfte getestet werden", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

Sie verwies darauf, dass Impfen und Testen völlig unterschiedliche Dinge seien: "Wer geimpft ist, kann das Virus trotzdem in sich tragen und es weitergeben, auch wenn er selbst nicht erkrankt." Das müsse in der Öffentlichkeit viel stärker herausgestellt werden. Sie plädierte dafür, "die bisherige faktische Gleichstellung von Geimpften, Genesenen und Getesteten in Form der 3G-Regel" grundsätzlich zu überdenken.

Städtetag: 2G in Pflegeheimen

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, verlangt im Kampf gegen die steigenden Corona-Zahlen, in Pflegeheimen nur noch geimpftes oder genesenes Personal einzusetzen. "Wir erwarten von den Ländern, dass für die Beschäftigten in Pflegeheimen 2G eingeführt wird", sagte Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Solange sich die Länder dazu nicht durchringen könnten, müsse es zumindest eine tägliche Testpflicht für ungeimpfte Beschäftigte geben.

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte sogar, die Betreuung von Heimbewohnern und Klinikpatienten durch ungetestetes Personal gesetzlich zu verbieten. "Es muss sofort ein gesetzliches Verbot geben, dass ungetestetes Personal am Patienten arbeitet", sagte Brysch der "Rheinischen Post". Auch eine Impfung könne einen Test nicht ersetzen. Zwingend erforderlich sei daher die tägliche Testpflicht für das gesamte Personal in der ambulanten und stationären Pflege. "Die Testpflicht muss für alle gelten, nicht nur für die Ungeimpften, sondern auch für Geimpfte und Genesene."

Söder macht Druck auf Stiko wegen Booster

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder macht Druck auf die Ständige Impfkommission (Stiko), weil sie Dritt-Impfungen gegen Corona erst für Menschen ab 70 Jahren empfiehlt. "Es würde helfen, wenn sich die Ständige Impfkommission zu einer allgemeinen Booster-Empfehlung durchringt", sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). "Eine Auffrischung muss für jeden möglich sein, der sie braucht und will." Außerdem sollte sich der Ethikrat mit der Frage einer Impfpflicht für Pflegkräfte noch einmal grundlegend beschäftigen.

Zugleich legte Söder einen Forderungskatalog für die nächste Ministerpräsidentenkonferenz vor. "Es braucht verpflichtend 3G am Arbeitsplatz in ganz Deutschland", sagte er. Arbeitgeber müssten das Recht haben, zu fragen, ob die Angestellten geimpft oder getestet sind. "Die jetzige Situation des Datenschutzes ist nicht sachgerecht und erschwert die Corona-Bekämpfung."

Österreich führt bundesweit 2G-Regel ein 

Menschen ohne Corona-Impfung dürfen in Österreich ab Montag keine Lokale, Friseure und Veranstaltungen mehr besuchen. Auch für Tourismusbetriebe gibt es dann nur noch nach Impfung oder Genesung (2G-Regel) Zutritt. Das gab die Regierung in Wien am Freitagabend nach Beratungen mit den Chefs der neun Bundesländer bekannt. In Österreich steigt die Zahl der Neuinfektionen in der vierten Welle rasant. Lesen Sie hier mehr dazu.


Bouffier fordert Bund-Länder-Gipfel

Hessens Regierungschef Volker Bouffier macht sich wegen der steigenden Corona-Zahlen für ein Bund-Länder-Treffen stark. "Die neue Koalition hat ja verkündet, dass sie die epidemische Notlage nicht verlängern will", sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). "Das passt meines Erachtens nicht zu der Situation, in der wir uns zurzeit befinden. Deshalb bin ich der Auffassung, dass wir eine Ministerpräsidentenkonferenz mit der Bundesregierung brauchen, um uns abzustimmen."

Dabei müssten die Möglichkeiten erörtert und beschlossen werden, "dass wir notwendige Maßnahmen auch nach dem 24. November machen können", erklärte der Ministerpräsident. "Ich erwarte, dass der zukünftige Bundeskanzler dabei ist. Das ist eine der zentralen Fragen, die Millionen Menschen beschäftigen. Darauf brauchen wir jetzt auch klare Antworten."

Dänemark warnt vor Überlastung von Krankenhäusern

Die dänischen Gesundheitsbehörden befürchten wegen eines Anstiegs der Corona-Ansteckungen eine Überlastung der Krankenhäuser. "Wir sehen bereits, dass die Krankenhäuser stark belegt sind und es an Personal mangelt", erklärte der Direktor der Nationalen Gesundheitsbehörde, Sören Broström, am Freitag. "Wir haben aber nicht mehr die Widerstandsfähigkeit wie in der Vergangenheit, denn wir stehen schon seit langem unter Druck."

Dänemark hatte Anfang Oktober alle Corona-Maßnahmen aufgehoben. Eine Pflicht zum Vorzeigen eines Gesundheitspasses für die Teilnahme am öffentlichen Leben hatte das Land früh eingeführt, bereits Mitte September jedoch wieder abgeschafft. Seitdem ist die Zahl der Corona-Fälle stark gestiegen. Zuletzt verzeichneten die Behörden den zweiten Tag in Folge mehr als 2.000 neue Fälle.

Das Gesundheitsministerium erwägt nun, das Coronavirus erneut als "Bedrohung für die Gesellschaft" einzustufen, was seit September nicht mehr der Fall war. In Dänemark sind 85,9 Prozent der Bevölkerung im Alter von über zwölf Jahren vollständig geimpft.

Corona-Impfung wird in Costa Rica Pflicht für Kinder und Jugendliche

Costa Rica hat eine Impfung gegen das Coronavirus in die Liste der Pflichtimpfungen für alle Minderjährigen aufgenommen. Diese Impfflicht gelte für alle Kinder und Jugendlichen, die jünger als 18 Jahre alt seien, teilte das Gesundheitsministerium des mittelamerikanischen Landes am Freitag mit.

Auf der Liste standen bereits Impfungen gegen Windpocken und Polio. Zuletzt wurde 2017 die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) aufgenommen. Sowohl Eltern und Erziehungsberechtigte als auch die Behörden seien angehalten, dafür zu sorgen, dass Minderjährige die Pflichtimpfungen in einem angemessenen Zeitraum bekommen, hieß es.

In Costa Rica haben nach Angaben der staatlichen Sozialversicherungskasse vom Dienstag bereits 73 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren mindestens eine Dosis eines der zwei dort zugelassenen Impfstoffe gegen das Coronavirus erhalten. Insgesamt sind rund 54 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. 

Sachsen setzt ab Montag 2G-Regel in einigen Bereichen um

Sachsen setzt ab Montag die 2G-Regel in Teilen des öffentlichen Lebens flächendeckend um. Das ist der zentrale Punkt der neuen Corona-Schutzverordnung, die das Kabinett am Freitag in Dresden beschloss. Damit haben nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt etwa zur Innengastronomie, Diskotheken oder Freizeit- und Kultureinrichtungen. Ausnahmen gibt es für Kinder, Jugendliche und Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Sie brauchen aber einen Test. Mehr dazu erfahren Sie hier. 

Epidemiologe schließt neuen Lockdown nicht aus

Im Corona-Herbst 2021 steht Deutschland kaum besser da als im Vorjahr – und die Prognosen sind verheerend. Ein Experte warnt vor falschen Signalen und einem möglichen neuen Lockdown. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Ab Montag Testpflicht für Pflegeheim-Besucher in MV

Infolge der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen und der besonderen Gefahr für Pflegeheimbewohner gelten von Montag an drastisch verschärfte Testvorschriften für die Einrichtungen. Ausnahmslos alle Besucher über sechs Jahren müssen dann einen negativen Test vorlegen oder beim Betreten des Heims vornehmen – selbst wenn sie geimpft oder genesen sind. Das sieht die neue Coronaverordnung Pflege und Soziales vor, die am Montag in Kraft tritt, wie Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) am Freitag bekannt gab.

"Die Einrichtungen stellen die Möglichkeit zur Testung täglich vor Ort sicher", erläuterte sie. Die Tests seien für die Besucher kostenfrei; die Heime könnten ihren Aufwand abrechnen. Ungeimpfte Mitarbeiter in den Heimen müssen sich von Montag an täglich testen lassen, geimpfte zweimal pro Woche.

Ein allgemeines Besuchsverbot in Pflegeeinrichtungen soll mit den neuen Maßnahmen vermieden werden. Die Bewohner dürften nicht isoliert werden, betonte Drese. Die Ministerin warb für mehr Impfungen von Pflege-Beschäftigten. Im Magazin "Spiegel" hatte sie sogar eine Impfpflicht gefordert. In Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben des Sozialministeriums rund 75 Prozent der Pflegekräfte geimpft. Die Auffrischungsimpfungen schon geimpfter Bewohner und Mitarbeiter seien "weit vorangeschritten".

Kontaktverfolgung verzögert sich in mehreren Kommunen

Angesichts steigender Infektionszahlen kommen etliche Thüringer Kommunen mit der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterher. In mehreren Landkreisen komme es zu Verzögerungen von zwei bis drei Tagen, in Einzelfällen auch mehr, hieß es am Freitag vom Gesundheitsministerium. Das hätten mehrere Kommunen in ihren Lageberichten gemeldet. Die Landratsämter im Ilm-Kreis, Schmalkalden-Meiningen und im Saale-Holzland-Kreis hätten bereits Überlastungsanzeigen gestellt und damit mitgeteilt, dass die Kontaktverfolgung nicht mehr sichergestellt werden kann.

Neben den stark steigenden Infektionszahlen seien personelle Engpässe wegen Quarantänen oder Krankheit die Hauptgründe für die Verzögerungen. Außerdem gestalte sich die Kontaktermittlung wegen der Ferien und wegen teils mangelnder Kooperationsbereitschaft schwierig, hieß es weiter.

Das Ministerium kündigte für den Freitag ein Schreiben an die Gesundheitsämter an. Darin werde es Empfehlungen zur Priorisierung bei der Kontaktverfolgung geben, die sich an RKI-Empfehlungen orientieren. Schon zuvor hatte sich das Ministerium an die Kommunen gewandt und auf personelle Unterstützungsmöglichkeiten etwa durch die Bundeswehr hingewiesen. Auch stünden insgesamt Mittel in Höhe von 1,1 Millionen Euro aus dem Corona-Sondervermögen des Landes zur Verfügung.

Lauterbach fordert mehr 2G-Regeln

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich für möglichst flächendeckende 2G-Regelungen ausgesprochen. "Ohne Vollimpfung, Booster und Lockdown ist 2G jetzt einzige Möglichkeit", twitterte Lauterbach am heutigen Freitag. Als sogenannte 2G-Regelungen werden Zugangsbeschränkungen für Personen bezeichnet, die nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft wurden, etwa in Restaurants oder Kneipen. Zugang haben dort dann nur vollständig Geimpfte oder Genesene.

Lauterbach fordert zudem, dass die Regeln "bundesweit und mit sehr strenger Kontrolle" durchgesetzt werden sollen. Die Drittimpfungen würden dagegen zu viel Zeit beanspruchen, um die vierte Welle wie in Israel zu brechen.

Zuvor hatte sich auch Grünen-Politiker Janosch Dahmen dafür ausgesprochen. "Wir brauchen dringend 2G-Regeln in diesem Land, und zwar flächendeckend – nicht nur in Baden-Württemberg", sagte Dahmen RTL. Er forderte auch eine Impfpflicht für Menschen, die mit vulnerablen Gruppen arbeiteten, zum Beispiel in Alten- oder Pflegeheimen. "Ich sehe eine berufsgruppenspezifische Impfpflicht als richtig an. Im Moment muss man aber so ehrlich sein, dass dafür keine politischen Mehrheiten im Deutschen Bundestag zu finden sind", so Dahmen.

Patientenschützer: Beschlüsse unzureichend

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat die Beschlüsse der Gesundheitsminister von Bund und Ländern zur Testpflicht in Heimen als unzureichend kritisiert. "Für den Schutz der Pflegebedürftigen ist gar nichts klar nach der Gesundheitsministerkonferenz", sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, am Freitag. "Mit unverbindlichen Formulierungen" werde Corona weiter "seine schreckliche Wirkung bei den Hochbetagten entfalten". Eine tägliche, kostenlose Testpflicht für Pflegekräfte sei ein effektiver Schutz, sagte Brysch. "Hier nur auf Booster-Impfungen zu setzen, wird Weihnachten in der Altenpflege nicht retten."

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten zuvor eine Ausweitung der Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen beschlossen. Demnach sollen vor allem geimpfte und genesene Besucher von Heimen zusätzlich zu Tests verpflichtet werden, die aber kostenlos sein sollen. Die Verordnungen dazu sollen dem Beschluss zufolge die Länder beschließen, der Bund dafür die Rechtsgrundlage schaffen.

Corona-Medikament von Pfizer reduziert Risiko von schwerem Verlauf um 89 Prozent

Eine von Pfizer entwickelte Tablettenreihe kann das Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben, um 89 Prozent senken, wenn sie innerhalb von drei Tagen nach Auftreten der Symptome eingenommen wird. Mehr dazu lesen Sie hier.

Kretschmer befürchtet neuen Lockdown

Sachsens Ministerpräsident schlägt Alarm: Ohne eine Kurskorrektur fürchtet er schon in Kürze ähnliche Verhältnisse wie im vergangenen Winter. Auch die Ampelparteien hätten die Lage noch nicht begriffen. Lesen Sie hier mehr.

Intensivstationen: Diese Landkreise sind bereits überlastet

Die Neuinfektionen schnellen in die Höhe, in Teilen des Landes stoßen die Krankenhäuser schon jetzt an ihre Belastungsgrenze. Wo die Lage besonders kritisch ist, lesen Sie hier.

Drosten: Medien müssen Corona-Berichterstattung aufarbeiten

Der Virologe Christian Drosten hat die deutschen Medien zu einer kritischen Reflexion ihrer Arbeit in der Corona-Pandemie aufgerufen. "Wir werden noch lange zu knabbern haben an der Aufarbeitung der Pandemie. Eine Nachbesinnung ist nicht nur in der Politik und der Wissenschaft, sondern unbedingt auch im Journalismus nötig", sagte der bekannte Experte am Donnerstagabend bei der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus in Köln. "Unsere Realität ist das, was die Medien uns spiegeln." Hierin liege eine immense Verantwortung.

Virologe Christian Drosten: Während der Corona-Pandemie wurde er häufig von den Medien zitiert. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)Virologe Christian Drosten: Während der Corona-Pandemie wurde er häufig von den Medien zitiert.

Die Journalisten sollten sich zum Beispiel fragen, wie viel Zuspitzung und Personalisierung möglich sei. "Darf es in den Unterhaltungsformen des Journalismus ein Teile-und-herrsche geben, also das Teilen von Meinungen zur Beherrschung eines Marktanteils?", fragte Drosten. "In einer Pandemie kostet unverantwortliches Handeln Menschenleben", mahnte er.

Drosten hielt die Laudatio auf den Filmregisseur Carl Gierstorfer, dessen Dokuserie "Charité intensiv – Station 43" des Rundfunks Berlin-Brandenburg mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet wurde. Die vierteilige Reihe dokumentiert die Arbeit auf der Intensivstation der Berliner Universitätsklinik in der Corona-Zeit. Drosten ist selbst Institutsdirektor an der Charité.

WHO mahnt Europäer zur Kurskorrektur

Angesichts der alarmierend steigenden Corona-Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kurskorrekturen angemahnt. "Im Moment scheinen wir versessen darauf zu setzen, dass (....) wir nur noch ein paar Leute impfen müssen und dann ist alles vorbei. Das ist aber nicht der Fall", warnte WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan am Donnerstag in Genf. "Um den Kurs zu halten, muss man auch manchmal den Kurs ändern." Dazu gehöre, sämtliche Schutzmaßnahmen wie Maske tragen und Abstand halten rigoros umzusetzen, aber womöglich auch das Testen auszuweiten. Ryan nannte kein Land beim Namen.

"Dies ist ein Warnschuss für die ganze Welt, was in Europa trotz der Verfügbarkeit von Impfungen geschieht", sagte Ryan. Er verstehe, dass Regierungen die Bevölkerung nicht enttäuschen wollten, und dass jeder Schritt zurück zu schärferen Maßnahmen wie ein Rückschritt wirke. Aber jedes Land müsse seine Corona-Pläne nun genau überprüfen, um sicherzustellen, dass die Gesundheitssysteme in den nächsten Monaten nicht an die Belastbarkeitsgrenze kommen.

RKI: Corona-Risiko für Ungeimpfte jetzt "sehr hoch"

Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht in der Corona-Pandemie eine gestiegene Gesundheitsgefahr für die Menschen in Deutschland. Für unvollständig oder nicht Geimpfte änderte das Institut die Risikobewertung von "hoch" auf "sehr hoch", wie aus dem Wochenbericht des Instituts von Donnerstagabend hervorgeht. "Für vollständig Geimpfte wird die Gefährdung als moderat, aber aufgrund der steigenden Infektionszahlen ansteigend eingeschätzt", hieß es. Noch vor einer Woche war das Risiko für Geimpfte im Bericht lediglich als "moderat" beschrieben worden. Hier lesen Sie mehr. 

Mehrheit der Deutschen wünscht sich Impfflicht

Angesichts immer weiter steigender Infektionszahlen befürwortet inzwischen eine Mehrheit der Deutschen eine Impfpflicht gegen das Coronavirus. 57 Prozent sind dafür, nachdem dies im August erst 46 Prozent waren. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-Deutschlandtrend hervor, der auf einer Infratest-Umfrage von mehr als 1.300 Erwachsenen beruht. 39 Prozent der Befragten sind gegen eine allgemeine Impfpflicht. Vor drei Monaten waren es noch 50 Prozent.

Mitarbeiterin eines Impfteams zieht eine Spritze mit Impfstoff auf: Die Zustimmung zu einer Impfpflicht hat deutlich zugenommen. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)Mitarbeiterin eines Impfteams zieht eine Spritze mit Impfstoff auf: Die Zustimmung zu einer Impfpflicht hat deutlich zugenommen. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

Bei den drei Ampelparteien, die momentan über die Bildung der nächsten Bundesregierung verhandeln, gibt es jeweils Mehrheiten für eine Impfpflicht. Bei der SPD ist die Zustimmung mit 71 Prozent am größten, bei den Grünen sind es 56 Prozent, bei der FDP 53 Prozent.

46 Prozent der Befragten halten die aktuellen Maßnahmen gegen die Pandemie für angemessen, das sind 14 Punkte weniger als im Oktober. 29 Prozent sind für strengere Maßnahmen, das sind 16 Punkte mehr als zuletzt. Allerdings geben 57 Prozent der Deutschen an, besorgt zu sein, dass es wieder zu stärkeren Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommen könnte.

Spahn und Ärzte vor Einigung auf Booster-Kurs

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Ärzteverbände wollen mit einer einheitlichen Linie für mehr Auffrischungsimpfungen werben. Eine solche Impfverstärkung ("Booster") soll demnach allen Geimpften angeboten werden, die vor sechs Monaten ihre Impfserie abgeschlossen haben, wie es nach einer Videokonferenz Spahns mit mehreren Verbänden am Donnerstag aus Teilnehmerkreisen hieß. Insbesondere sollten Ältere, medizinisches Personal und Menschen mit Immunschwäche "geboostert" werden.

Jens Spahn: Der Gesundheitsminister konnte sich offenbar auf eine Boosterstrategie mit den Ärzteverbänden einigen. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)Jens Spahn: Der Gesundheitsminister konnte sich offenbar auf eine Booster-Strategie mit den Ärzteverbänden einigen. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Die Kampagne für Auffrischungsimpfungen solle so vereinheitlicht und angepasst werden, hieß es aus den Kreisen. Vorgesehen ist demnach auch eine Information dazu an die Praxisärzte. Zuletzt hatte es Diskussionen gegeben, wie groß der Kreis für Impfverstärkungen sein soll. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie vorerst in engerem Rahmen unter anderem ab 70 Jahren, worauf sich auch Ärztevertreter bezogen. Spahn setzt sich für "Booster" auf breiterer Front ein, die laut Impfverordnung generell für alle möglich sind.

Die Sechs-Monats-Frist erreiche nun zunächst Menschen, die ohnehin noch nach der damals geltenden Prioritäts-Reihenfolge geimpft wurden, hieß es zur Erläuterung – rein kalendarisch also, wenn man bis Anfang Mai seine vollständige Impfung bekommen hatte. Demnach kämen momentan mehr als zehn Millionen Menschen infrage, einbezogen auch Geimpfte mit Johnson & Johnson sowie Menschen mit Immunschwäche. Geimpfte mit Johnson & Johnson sollen generell bereits vier Wochen nach Abschluss der Impfserie einen "Booster" bekommen.

Wien verbietet Ungeimpften Zugang zu Friseuren und Restaurants

In Österreichs Hauptstadt Wien dürfen bald nur noch Genesene und gegen das Coronavirus geimpfte Menschen Lokale und Friseure besuchen. Diese 2G-Regel solle ab Ende nächster Woche gelten, sagte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Außerdem gelte diese Vorgabe für Zusammenkünfte ab 25 Personen.

Die Pandemie-Prognosen ließen Schlimmes befürchten, so Ludwig. Daher wolle man Eltern auch ermöglich, dass sie ihre fünf- bis zwölfjährigen Kinder impfen lassen können. Bislang sind Impfungen in Österreich erst ab 12 Jahren vorgesehen.

Damit stellt die Millionen-Metropole bereits vor einem Bund-Länder-Krisengipfel am Freitag ihre Weichen. Im Vergleich zu den neun Bundesländern ist die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in Wien mit rund 300 deutlich geringer als der österreichweite Durchschnitt von etwa 478.

Länder wollen Operationen wegen Corona-Patienten verschieben

Aufgrund von steigenden Corona-Fällen planen offenbar mehrere Bundesländer Operationen zu verschieben, um mehr Covid-19-Patienten behandeln zu können. Das geht aus einem Beschlussvorschlag der SPD-geführten Bundesländer für die am heutigen Donnerstag beginnende Gesundheitsministerkonferenz hervor. Das Schreiben liegt dem Nachrichtenportal "Business Insider" vor.

Intensivbett in einem Berliner Krankenhaus: Laut RKI ist eine weitere Zunahme schwerer Erkrankungen und Todesfälle zu befürchten. (Archivfoto) (Quelle: dpa/Christophe Gateau)Intensivbett in einem Berliner Krankenhaus: Laut RKI ist eine weitere Zunahme schwerer Erkrankungen und Todesfälle zu befürchten. (Archivfoto) (Quelle: Christophe Gateau/dpa)

"Um die intensivmedizinische Versorgung sicherzustellen, könnte in Kürze wieder eine Verschiebung von elektiven Eingriffen im Krankenhaus erforderlich werden", heißt es wörtlich in dem Dokument. Um für mehr Behandlungsspielraum zu sorgen, sei auch eine erneute Ausgleichszahlung für leerstehende Betten im Gespräch. Im vergangenen Winter hatte der Bund bis zu 50.000 Euro pro Bett an die Krankenhäuser gezahlt. Während sich eine Mehrheit unter den Bundesländern für den Vorschlag abzeichnen soll, bleibt unklar, ob der Bund dem Vorschlag zustimmt.

Eine großflächige Wiedereröffnung der Impfzentren scheint laut dem Bericht kein Thema zu sein. Die Länder wollen stattdessen mehr auf mobile Impfteams und Arztpraxen setzen. Grund sollen auch die hohen Kosten der Zentren sein.

Großbritannien genehmigt als erstes Land Corona-Pille von Merck

Großbritannien hat als erstes Land weltweit eine von den US-Konzernen Merck und Ridgeback Therapeutics entwickelte Pille für den Einsatz als Medikament gegen Corona genehmigt. Das teilt die britische Arzneimittel-Zulassungsbehörde MHRA mit. Die Pille mit dem Namen Molnupiravir soll möglichst sofort nach einem positiven Coronatest eingenommen werden, spätestens jedoch fünf Tage nach Auftreten von Symptomen. Merck will noch dieses Jahr zehn Millionen Pillen produzieren, im Jahr 2022 sollen weitere 20 Millionen dazukommen.
 

 
Braun: Zwei Impfungen bedeuten nicht immer vollständigen Schutz

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hat erneut für die dritte Corona-Impfung vor allem bei älteren Menschen geworben. "Wenn die vollständige Impfung – also in der Regel zwei Impfungen – länger als sechs Monate her ist, sehen wir immer mehr Impfdurchbrüche, gerade bei Älteren", sagte Braun der "Bild".

Helge Braun: Der Kanzleramtschef wirbt für eine Auffrischungsimpfung bei älteren Menschen. (Archivfoto) (Quelle: imago images/Futureimage)Helge Braun: Der Kanzleramtschef wirbt für eine Auffrischungsimpfung bei älteren Menschen. (Archivfoto) (Quelle: Futureimage/imago images)

Ein Großteil der Bevölkerung wurde laut Braun zwar im Juni und Juli geimpft und habe deswegen auch noch im Winter einen guten Schutz. Bei den Risikogruppen sei hingegen nun Tempo gefragt, da ihre zweite Impfung schon länger her ist.

Dass die Gesundheitsminister der Länder darauf offenbar nicht ausreichend vorbereitet seien, könne der Kanzleramtsminister nicht nachvollziehen: "Wir haben im August auf der Gesundheitsministerkonferenz zwischen Bund und Ländern vereinbart, dass diese dritte Impfung erforderlich ist. Und erst jetzt, wo die Zahlen wieder steigen, merken alle, welche Dringlichkeit dahintersteht."

Corona-Hotspot in Bayern: Landkreis Miesbach mit Inzidenz über 700

Die Sieben-Tage-Inzidenz im bayerischen Corona-Hotspot Miesbach steigt weiter an. Das Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnete am Donnerstag in dem Landkreis einen Wert von 715,7 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche und damit einen bundesweiten Höchstwert. Insgesamt fünf bayerische Landkreise haben laut RKI eine Inzidenz von 500 überschritten, der landesweite Schnitt liegt mit 234,8 weit über dem Bundesdurchschnitt von 154,5. Als ein Grund gilt in den Krankenhäusern die unterdurchschnittliche Impfquote in Süddeutschland. In Norddeutschland sind die Impfquoten höher, dort ist auch die Lage in den Krankenhäusern derzeit weniger kritisch.

Bayern hatte am Mittwoch wegen des raschen Anstiegs der Infektionszahlen eine Verschärfung der Hygienevorschriften beschlossen: Unter anderem müssen ab 8. November Schülerinnen und Schüler wieder Masken in den Schulgebäuden tragen.

Auf den Intensivstationen der bayerischen Krankenhäuser sind laut Divi-Intensivregister über 90 Prozent der Betten belegt. Derzeit liegen demnach 513 Covid-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen. Das waren fast 60 mehr als noch am Dienstag. Das Robert Koch-Institut meldete zudem 38 neue Todesfälle im Freistaat.

WHO warnt vor Rekord-Infektionszahlen in Europa

Der Europa-Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hans Kluge, warnt vor einem starken Anstieg der Corona-Infektionen in Europa. "Das derzeitige Tempo der Übertragung in den 53 Ländern der Europäischen Region ist äußerst besorgniserregend", sagt Kluge. Er fügt hinzu, dass sich die Zahl der neuen Fälle einem Rekordniveau näherten.

Corona-Zahlen in Österreich steigen weiter deutlich

Der sprunghafte Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Österreich setzt sich fort. Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben der Behörden vom Donnerstag 8.183 Fälle verzeichnet – mit Abstand der höchste Wert in diesem Jahr. Zugleich verschärfte sich die Lage in den Krankenhäusern. Die Zahl der Covid-Intensivpatienten stieg innerhalb einer Woche um rund 30 Prozent auf 352.

Damit werden weitere Maßnahmen wahrscheinlich, die die Verbreitung des Virus eindämmen sollen. Für Freitag ist ein Krisengipfel von Bund und Ländern geplant, bei dem es auch um die Vereinheitlichung der regional unterschiedlichen Corona-Vorschriften gehen soll.

In etwa jedem fünften der fast 100 politischen Bezirke Österreichs wurde inzwischen eine sogenannte Ausreisetestpflicht verhängt. Für das Verlassen des jeweiligen Bezirks muss man genesen, geimpft oder getestet sein. Ausnahmen gelten für die Durchreise möglichst ohne Zwischenstopp und den Güterverkehr.

Robert Habeck will kostenlose Schnelltests wiedereinführen

Grünen-Chef Robert Habeck dringt wegen der erneuten Zuspitzung der Corona-Lage auf eine Wiedereinführung kostenloser Schnelltests. "Es war damals schon ein Fehler, sie auszusetzen, es war eine Maßnahme, um die Nicht-Geimpften negativ zu motivieren", sagte Habeck am Donnerstag in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv. Zudem äußerte er sich offen für stärkere Einschränkungen für Ungeimpfte. Der Anstieg der Zahl der Infizierten kommt aus Sicht von Habeck nicht überraschend. "Die Impfquote liegt unter 70 Prozent, die Delta-Variante ist ansteckender als die Varianten davor – und der Rest ist Mathematik", sagte er in dem Interview. Daher bleibe auch Impfen der beste Schutz.

Zu Äußerungen unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach Ungeimpften stärkere Einschränkungen drohen dürften, sagte der Grünen-Vorsitzende: "Das wird so kommen, weil die Geimpften einen höheren Schutz haben" und Eingriffe in Freiheiten "immer begründungspflichtig" seien.

Zu Forderungen nach einer neuen Ministerpräsidentenkonferenz äußerte sich Habeck skeptisch. "Die Ministerpräsidentenkonferenz ist ein Koordinierungsgremium, kein Entscheidungsgremium, und das hat in der Vergangenheit nicht wirklich gut geklappt", sagte er RTL und ntv. Falls sich die Länderchefs austauschen wollten, sei das auch ohne Konferenz durchaus möglich, denn "Telefone haben alle in den Ländern."

Gesundheitsminister Lucha für Impfpflicht bei Beschäftigten in Heimen

Vor dem Treffen der Gesundheitsminister in Lindau hat sich Baden-Württembergs Ressortchef Manne Lucha für eine Impfpflicht in Alten- und Pflegeheimen ausgesprochen. "Nachdem wir lange auf Appelle und die Einsicht der Menschen gesetzt haben, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, eine Impfpflicht für Beschäftigte in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheits- oder dem Erziehungs- und Bildungswesen zu fordern", sagte der Grünen-Minister am Donnerstag. Es dürfe nicht dieselben Szenarien wie im vergangenen Jahr geben, als viele alte Menschen an einer Corona-Infektion gestorben seien, weil das Virus von außen in die Einrichtungen getragen worden sei.

Eine tägliche Testpflicht in Pflegeheimen für Beschäftigte gebe es in Baden-Württemberg zwar bereits, sagte Lucha der Deutschen Presse-Agentur. "Trotzdem werden Infektionen in die Heime getragen. Testen löst unser Problem nicht. Wir müssen jetzt eine Schippe drauf legen."

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern kommen von Donnerstag an in Lindau am Bodensee zusammen. Die Ressortchefs wollen bei ihren Beratungen den Corona-Kurs für den Winter abstecken. Diskutiert werden soll bis Freitag unter anderem, wie mehr Menschen zu Auffrischungsimpfungen bewegt werden können. Auch eine Testpflicht in Pflegeheimen ist Thema.

RKI registriert Höchststand an Corona-Neuinfektionen

Die bundesweite Inzidenz liegt nun bei 154,5. Das Robert Koch-Institut meldete 33.949 Neuinfektionen. Es gab 194 weitere Todesfälle in Verbindung mit dem Virus. Lesen Sie hier mehr.

Karl Lauterbach bei Anne Will: Schon in der Sendung kritisierte er Sahra Wagenknechts Aussagen zur Corona-Impfung scharf. (Quelle: imago images)Karl Lauterbach bei Anne Will: Schon in der Sendung kritisierte er Sahra Wagenknechts Aussagen zur Corona-Impfung scharf. (Quelle: imago images)

Lauterbach kritisiert Wagenknechts Impf-Aussagen als gefährlich

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat Aussagen der Linkenpolitikerin Sahra Wagenknecht scharf kritisiert. Es habe eine "dunkle Vermutung", dass sie Fakten über Corona-Impfungen bewusst falsch darstelle, sagte Lauterbach im "Spiegel".

Hintergrund sind Äußerungen von Wagenknecht im ARD-Talk "Anne Will" vom Sonntag. Die Politikerin hatte sich in der Sendung skeptisch über Impfungen und die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion geäußert. Lauterbach sagte nun, er schätze Frau Wagenknecht als Politikerin, aber ihre Aussagen seien gefährlich: "Das schadet." Entweder kenne Wagenknecht sich nicht aus, "das wäre eine denkbare Interpretation", so Lauterbach. "Die andere Möglichkeit ist, sie weiß mehr, aber stellt es falsch dar."

Lauterbach sprach auch über Richard David Precht, der jüngst in einem Podcast mit Aussagen zum Coronavirus für Aufsehen gesorgt hatte. Unter anderem sagte Precht, man könne die Nebenwirkung der Impfung genauso wenig abschätzen wie die Nebenwirkung des Coronavirus. Lauterbach bezeichnete Prechts Position als abwegig. "Es waren sehr viele Dinge dabei, die einfach so falsch sind."

Tod eines Corona-Patienten: Arzt aus Essen verurteilt

Ein ehemaliger Arzt des Universitätsklinikums Essen ist am Mittwoch wegen Totschlags zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter am Essener Landgericht sind überzeugt, dass der Mediziner einem Covid-19-Patienten aus Holland im November 2020 eine tödliche Dosis Kaliumchlorid verabreicht hat. Der 45 Jahre alte Arzt hatte das im Prozess bestritten. "Wir konnten nichts mehr machen", sagte er den Richtern. Deshalb seien die lebenserhaltenden Geräte in Abstimmung mit den Angehörigen abgestellt worden. Daraufhin sei der 47 Jahre alte Patient gestorben. Medikamente seien nur gegeben worden, um den Sterbevorgang abzumildern. Das sahen die Richter jedoch anders. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Sie haben die Angehörigen angelogen, indem Sie ihnen gesagt haben, dass der Sterbeprozess unmittelbar bevorsteht", sagte Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung an die Adresse des Angeklagten. Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens hatte in ihrem Plädoyer von aktiver Sterbehilfe gesprochen. Das sei strafbar. Für sie stehe fest, dass der Angeklagte Leiden verkürzen wollte. "Wahrscheinlich, weil er überfordert war."

Ein Krankenpfleger hatte damals Alarm geschlagen. Bei einer Befragung im Klinikum hatte der Angeklagte die Gabe einer Überdosis Kaliumchlorid laut Urteil auch zugegeben. "Sie haben Ihren Kollegen gesagt, dass Sie das Leid des Patienten beenden wollten", so Schmitt. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Söder stellt verschärfte Corona-Maßnahmen vor

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schärfere Corona-Maßnahmen vorgestellt. Darüber hinaus soll in Bayern und Deutschland die Drittimpfung für alle Altersgruppen vorangebracht werden. "Der Booster ist der beste Schutz", sagte Söder auf einer Pressekonferenz in München.

Unter anderem soll ab nächster Woche in Bayern erneut für zwei Wochen eine Maskenpflicht an Schulen eingeführt werden. Bei einem Infektionsfall soll eine Schulklasse auch täglich getestet werden. 

Markus Söder: Der bayerische Ministerpraesident hat sich mit dem Kabinett zu einer Corona-Sondersitzung getroffen. (Quelle: imago images/Sven Simon)Markus Söder: Der bayerische Ministerpräsident hat sich mit dem Kabinett zu einer Corona-Sondersitzung getroffen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

In bayerischen Corona-Hotspots soll künftig eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz gelten. Bei mehr als zehn Personen in einem Raum müssten dann alle Anwesenden geimpft, genesen oder auf eine Corona-Infektion getestet sein. Das gilt in Regionen, in denen die sogenannte Krankenhausampel auf Rot steht, aber auch in allen Landkreisen, in denen die 7-Tage-Inzidenz über 300 liegt und die Intensivbetten zu mindestens 80 Prozent ausgelastet sind. Davon seien derzeit 27 Landkreise betroffen, sagt Söder. Ein Lockdown wie im vergangenen Winter sei für Söder aufgrund der Impferfolge allerdings kein Thema mehr.

Zwölfjähriges Kind nach Corona-Zweitimpfung gestorben

Ein zwölf Jahre altes Kind ist im Kreis Cuxhaven zwei Tage nach seiner Zweitimpfung gegen das Coronavirus gestorben. Wegen des zeitlich engen Zusammenhangs sei vom Gesundheitsamt die Obduktion des Leichnams in Auftrag gegeben worden, die auch bereits erfolgt sei, teilte der Kreis am Mittwoch mit.

"Zwar liegt der abschließende Obduktionsbericht noch nicht vor, das vorläufige Obduktionsprotokoll legt jedoch bereits nahe, dass der Tod des Kindes in Folge der Impfung eingetreten ist", hieß es in einer Mitteilung. Mit Blick auf Vorerkrankungen des Kindes könne nach Angaben des Rechtsmedizinischen Instituts des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf vor der Auswertung von Feingewebe-Untersuchungen eine mögliche andere Ursache jedoch noch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Ergebnisse sollten bis Donnerstag vorliegen. Es wurde der Impfstoff Biontech verwendet.

Gemeldete Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona- Impfung bei Kindern und Jugendlichen sind extrem selten. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt bis 30. September fünf solche Verdachtsfälle auf, die sich auf einen tödlichen Ausgang im Abstand von 2 bis 24 Tagen nach Impfung mit dem Produkt von Biontech beziehen. Bei mindestens drei der Jugendlichen bestanden laut PEI schwere Vorerkrankungen.

Vier Todesfälle nach Corona-Ausbruch in Altenheim

Im Altmarkkreis Salzwedel sind vier Bewohner eines Altenheimes im Zusammenhang mit einem Corona-Ausbruch in der Einrichtung gestorben. Darunter seien zwei ältere Damen gewesen, die nicht geimpft waren, sagte Ramon Rulff, der Leiter des örtlichen Gesundheitsamts, am Mittwoch in Salzwedel. Insgesamt hätten sich im Heim 38 Personen mit Covid-19 infiziert. Darunter seien 29 Bewohner gewesen, von denen sechs ungeimpft seien, und neun Mitarbeiter, von denen vier keinen ausreichenden Impfschutz hätten, hieß es weiter.

Mehreren Medienberichten zufolge waren gerade einmal knapp 50 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohnern als auch bei den Mitarbeitenden geimpft. Diese Daten stammen laut Landrat Michael Ziche (CDU) aus den Impfzentren. Die Einrichtung selbst gibt den Angaben zufolge eine höhere Impfquote an und verweist auf die Immunisierung durch die Hausärzte. Demnach sollen von den 44 Bewohnern 37 und von den 33 Mitarbeitern 28 vollständig geimpft worden sein. Das seien allerdings Daten, die der Landkreis nicht verifizieren könne, so Ziche.

Die erste Corona-Infektion in dem Altenheim war den Angaben zufolge am 22. Oktober gemeldet worden, nachdem eine Bewohnerin aufgrund von Symptomen von ihrem Hausarzt getestet worden war. Infolge der weiteren Infektionen wurde gemeinsam mit dem Gesundheitsamt ein Hygienekonzept erarbeitet. Das Altenheim ist weiter in Betrieb. Nach Bekanntwerden der Todesfälle und hohen Infektionszahlen in dem Pflegeheim sei die Heimaufsicht vor Ort, teilte das Landesverwaltungsamt auf dpa-Anfrage mit. Ziel sei es zunächst, die Umstände zu ermitteln, die zu diesem hohen Ausbruchsgeschehen mit bedauerlichen Todesfällen geführt haben, wie der Präsident des Landesverwaltungsamtes Thomas Pleye sagte.

Moskau beendet Teil-Lockdown trotz hoher Zahlen 

Ungeachtet hoher Corona-Fallzahlen beendet Russlands Hauptstadt Moskau nach nur anderthalb Wochen einen Teil-Lockdown. In den Krankenhäusern und anderswo habe sich die Lage stabilisiert, sagte Bürgermeister Sergej Sobjanin am Mittwoch nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. "Das erlaubt die Schlussfolgerung, dass die arbeitsfreien Tage von Montag an nicht verlängert werden." Aufgrund der dramatischen Lage hatte Präsident Wladimir Putin dem ganzen Land eine arbeitsfreie Woche verordnet.

Besonders stark betroffene Regionen wie Moskau führten parallel weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens ein. In Europas größter Metropole mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern sind seit vergangenem Donnerstag bis auf wenige Ausnahmen nur noch Supermärkte und Apotheken geöffnet. Sobjanin erklärte, dass die Einschränkungen, die vor dem Teil-Lockdown galten, weiter in Kraft bleiben sollten: So müssen etwa Besucher von Theatern und Museen einen QR-Code vorzeigen, der belegt, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind.

Moskaus Behörden registrierten am Mittwoch mehr als 6.800 Neuinfektionen und 95 Tote binnen eines Tages. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen in Wirklichkeit noch deutlich höher sind. Russlandweit wurden im selben Zeitraum mehr als 40.400 Infektionen gezählt. Zudem starben innerhalb von 24 Stunden 1.189 Menschen mit dem Virus – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

Merkel mahnt zu erhöhter Vorsicht und mehr Corona-Impfungen

Die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angesichts der kritischeren Corona-Lage zu erhöhter Vorsicht gemahnt und nachdrücklich für mehr Impfungen geworben. "Die Pandemie ist nicht etwa, wie mancher vielleicht im Sommer gedacht hat, am Abklingen, sondern sie fordert uns jetzt und in den kommenden Wochen wieder mit großer Wucht heraus", machte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin für die Kanzlerin deutlich. In einigen Regionen sei die Lage in den Kliniken schon wieder sehr zugespitzt.

Bundesweit vereinbarte Zugangsregeln zu Innenräumen nur für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) müssten aus Merkels Sicht konsequent kontrolliert werden. Wenn sich die Lage regional weiter zuspitze, seien weitere Beschränkungen nur bei Nicht-Geimpften möglich. Dies führe logisch zu 2G-Regeln, also Zugang nur für Geimpfte und Genesene – zumindest regional. Es sei Sache der Länder, Maßnahmen in diesem Rahmen umzusetzen.Besonders erschütternd sei es aus Merkels Sicht zudem, dass es nun auch in Pflegeheimen zu Todesfällen komme.  Jedes Heim sollte sich aktiv um die vorgesehenen Auffrischungsimpfungen bemühen. Testregeln müssten sicherstellen, dass ungeimpfte Mitarbeiter oder Besucher niemanden gefährden könnten.

Merkel sei zudem in Sorge, dass weiterhin mehr als 16 Millionen Erwachsene und drei Millionen besonders gefährdete Menschen über 60 nicht geimpft seien – trotz Informationen und leichter Angebote. Seibert erneuerte das Angebot der geschäftsführenden Kanzlerin zu einer Corona-Besprechung mit den Ministerpräsidenten der Länder.

Immunologe Fauci warnt vor Kombination von Coronaviren

Die aktuellen Coronaviren könnten in Kombination mit älteren Coronaviren noch gefährlicher werden – davor warnt der amerikanische Immunologe Anthony Fauci in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Der 80-Jährige nennt es eine "Katastrophe für die Menschheit", wenn die leichte Übertragbarkeit der jetzigen Coronaviren und die Sterblichkeit der früheren aufeinandertreffen. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Anthony Fauci: Der Immunologe fordert, dass Impfstoffe entwickelt werden, die universell gegen Coronaviren wirken. (Quelle: imago images/Everett Collection)Anthony Fauci: Der Immunologe fordert, dass Impfstoffe entwickelt werden, die universell gegen Coronaviren wirken. (Quelle: Everett Collection/imago images)

Braun drängt auf schnelles Bund-Länder-Treffen

Trotz des Widerstands einiger Ministerpräsidenten dringt die Bundesregierung auf ein Bund-Länder-Treffen zur Corona-Lage. "Die Situation ist jetzt ernst und nicht in zwei oder drei Wochen", sagte der geschäftsführende Bundeskanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Mittwoch dem "Frühstart" von RTL/ntv. "Deshalb drängen wir auch darauf, dass es bald ist." Es sei "jetzt die Zeit", um sich über die ansteigenden Infektions- und Todeszahlen auszutauschen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der zugleich Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist, hatte ein Bund-Länder-Treffen für kommende Woche vorgeschlagen, stieß dabei aber auf Bedenken bei seinen Länderkollegen. Skeptisch äußerte sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der Thüringer Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) sowie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Thema eines solchen Treffens könnten nach den Vorstellungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor allem die geplanten Auffrischungsimpfungen sein.

Mehrheit gegen Auslaufen der "epidemischen Lage"

Die erste Entscheidung der zukünftigen Ampelkoalition findet keine Mehrheit bei ihren Wählern. Das geht aus einer forsa-Umfrage im Auftrag von RTL hervor. Eine klare Mehrheit von 56 Prozent findet es demnach nicht richtig, dass SPD, Grüne und FDP die "epidemische Lage" auslaufen lassen wollen. Dieses Vorhaben unterstützen auch 65 Prozent der SPD-Unterstützer und 60 Prozent der Anhänger der Grünen nicht. Lediglich unter FDP-Anhängern unterstützen 50 Prozent die Entscheidung.

Gemischte Bilanz bei Booster-Impfungen für Heimbewohner

In vielen Bundesländern herrscht Unklarheit darüber, wie viele Booster-Impfungen in Alten- und Pflegeheimen bereits verabreicht wurden. Das geht aus einer Umfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hervor.

Viele Sozial- und Gesundheitsämter, etwa in Baden-Württemberg, Hessen oder Rheinland-Pfalz konnten keine Angaben über die Zahl der Booster-Impfungen machen. Teilweise verwiesen sie auf das RKI, wo alle Meldungen der Impfstellen gesammelt werden. Doch auch dort gibt es keine Kenntnisse darüber, wie viele der bislang rund zwei Millionen Booster-Impfungen in Alten- und Pflegeheimen verabreicht wurden. 

In anderen Bundesländern sieht es jedoch besser aus: So gab das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen an, dass knapp 90 Prozent der Heimbewohner bereits eine Booster-Impfung erhalten hätten. In Schleswig-Holstein teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium unter Berufung auf die Kassenärztliche Vereinigung mit, ebenfalls "fast alle" Bewohner von Alten- und Pflegeheimen geimpft zu haben. Mecklenburg-Vorpommern erklärte, 80 Prozent der Heime seien durchgeimpft, während in Bremen 90 Prozent von mobilen Impfteams besucht worden seien.

Uneinigkeit über möglichen Bund-Länder-Gipfel zur Corona-Lage

Zwischen den Bundesländern herrscht weiter Uneinigkeit über die Notwendigkeit eines Bund-Länder-Gipfels zur Corona-Situation. Er sehe "keine Notwendigkeit für ein Bund-Länder-Treffen", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Länder verfügten bereits "über alle erforderlichen Instrumente im Kampf gegen Corona".

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wies die Forderung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU) nach einer raschen weiteren Corona-Konferenz von Bund und Ländern zurück.

Stattdessen müssten die Parteien der voraussichtlichen künftigen Ampel-Koalition beziehungsweise Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Maßnahmenplan vorlegen, der dann vom Bundestag beschlossen werden solle, sagte er der Funke-Mediengruppe.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte dem RND, für eine Ministerpräsidentenkonferenz müsse "klar sein, worüber wir eigentlich konkret sprechen wollen". Auffrischungsimpfungen könne jedes Land selbst organisieren. Auf Ablehnung stieß der Vorstoß für eine Ministerpräsidentenkonferenz auch in Bremen.

"Aus Bremer Sicht gibt es derzeit keinen Grund für eine neuerliche MPK", sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte dem RND. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte sich ebenfalls skeptisch. "Über das weitere Vorgehen in Sachen Corona haben wir zuletzt vor zehn Tagen gesprochen. Wesentliche neue Erkenntnisse gibt es seitdem nicht und die nächste Gesundheitsministerkonferenz steht unmittelbar bevor", sagte Weil am Dienstagabend.

Lauterbach: Lage bedeutet nichts Gutes für Vorweihnachtszeit

Angesichts der angespannten Corona-Lage sieht SPD-Gesundheitsexperte größeren Weihnachtsfeiern mit Sorge entgegen. "Obwohl bereits viele Menschen geimpft sind, kann es immer noch zu einer Überlastung der Krankenhäuser kommen. Erste Intensivstationen sind bereits am Limit", sagte er der "Rheinischen Post" (Mittwoch). "Für geselliges Beisammensein in der Vorweihnachtszeit bedeutet das nichts Gutes."

Deswegen sollten seiner Meinung nach jetzt Restaurants, Kinos und andere Einrichtungen strenge 2G-Vorschriften durchsetzen und die Bundesländer rasch die Auffrischungsimpfung für Ältere ermöglichen. "Nur dann wären Menschenansammlungen bei Weihnachtsfeiern mit vielen Mitarbeitern vertretbar", sagte Lauterbach. Bei den Auffrischungsimpfungen sollten zuerst die Menschen über 70 dran sein, genauso wie Menschen mit Vorerkrankungen oder Mitarbeiter aus dem Gesundheitssektor.

US-Seuchenbehörde macht Weg frei für Impfung bei Kindern

Die US-Seuchenbehörde CDC macht den Weg frei für eine Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren mit dem Mittel von BioNTech/Pfizer. Eine entsprechende Empfehlung von CDC-Direktorin Rochelle Walensky kommt Stunden nach der Zustimmung von Fachberatern.

Die US-Arzneimittelaufsicht FDA erteilte am Freitag eine Notfallzulassung für entsprechende Impfungen. In einer ersten Stellungnahme des Präsidialamts heißt es, das Impfprogramm für Kinder werde nun hochgefahren.

Virologe Kekulé fordert Impfplicht für Pflegepersonal

Der Virologe Alexander Kekulé hat seine Meinung zur Impfplicht geändert. In Bezug auf Pflegepersonal sei es nicht mehr aussreichend, auf Freiwilligkeit zu setzen, sagte er in einem Interview mit "ntv". Er verweist auf ein Pflegeheim am Brandenburger Werbellinsee, in dem elf Bewohner nach einer Corona-Infektion starben. "In diesem Heim war offenbar die Hälfte des Pflegepersonals nicht geimpft, da schlage ich als Arzt die Hände über dem Kopf zusammen", sagt Kekulé. Dieses Heim sei nur die Spitze des Eisbergs. 

"Wer im Altenheim liegt, ist im höchsten Maße darauf angewiesen, dass die eigene Umgebung geschützt ist. Dass dann diejenigen, die diese Menschen schützen sollen, sie stattdessen infizieren, das dürfen wir als Gesellschaft nicht zulassen", so begründet Kekulé seine Forderung. Für diejenigen, die sich nicht impfen lassen können, schlägt er eine Alternative vor: einen täglichen PCR-Test und das permanente Arbeiten mit FFP2-Maske. 

Niederlande verschärfen erneut Corona-Maßnahmen

Die Niederlande haben wegen steigender Ansteckungszahlen die Corona-Maßnahmen erneut verschärft. Regierungschef Mark Rutte kündigte am Dienstagabend in Den Haag unter anderem eine Ausweitung der Maskenpflicht an. Etwa Kunden und Verkäufer in Geschäften sowie Friseure, Masseure und Tätige in anderen Kontaktberufen mit Ausnahme der Prostitution müssen nun wieder Maske tragen.

Rutte rief dazu auf, möglichst von zu Hause zu arbeiten und die öffentlichen Verkehrsmittel zu Stoßzeiten zu meiden. Auch die Vorgabe, dass im Alltag zu anderen Menschen nach Möglichkeit anderthalb Meter Abstand zu halten sind, führte die Regierung demnach wieder ein. Das Vorzeigen des Gesundheitspasses, der eine Impfung, überstandene Corona-Erkrankung oder ein negatives Testergebnis belegt, wird auch in Museen und in Außenbereichen von Gastronomiebetrieben zur Pflicht. Die Regierung plant zudem ein Gesetz, das es Arbeitgebern erlaubt, von ihren Mitarbeitern die Vorlage eines Gesundheitspasses zu verlangen.

Wie die Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten, wurden in der vergangenen Woche durchschnittlich 7711 neue Corona-Fälle pro Tag registriert, das waren 39 Prozent mehr als in der Vorwoche.

Bundeswehr fliegt Corona-Patienten aus Rumänien ein

Sechs schwer erkrankte Corona-Patienten aus Rumänien sind am Dienstag zur Behandlung nach Hamburg geflogen worden. Sie würden zu Krankenhaus-Standorten in Hamburg, Kiel und Lübeck gebracht, sagte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. In dieser Woche gebe es weitere solcher Flüge aus Rumänien in andere deutsche Städte, um dem Land zu helfen.

Nur knapp ein Drittel der Rumänen ist laut der EU-Gesundheitsbehörde (ECDC) vollständig geimpft. Die 14-Tage-Inzidenz der Neuansteckungen stieg zuletzt über 1.000 pro 100.000 Einwohner und blieb eine der höchsten in der EU. Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Notlage hatte die EU-Kommission bereits zusätzliche Ärzte und medizinische Ausrüstung in das südosteuropäische Land geschickt.

Kassenärzte-Chef fordert 15 Millionen Booster-Impfungen

Nach Ansicht des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, müssen bis Ende Dezember 15 Millionen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung verabreicht bekommen. "Das ist machbar", sagte Gassen am Dienstag in Berlin. Die Arztpraxen in Deutschland seien dazu in der Lage. Allerdings: "Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen." Es sei nicht hilfreich, wenn diese durch die Politik alle paar Wochen geändert würden. Die betreffenden Personen müssten in einem geordneten Verfahren angeschrieben werden. Zudem hält er eine Debatte über eine Impfpflicht für Pflegepersonal für nötig. Diese berechtigt, obwohl er generell gegen eine Impfpflicht sei, sagt Gassen. Zumindest sollte nicht-geimpftes Personal keinen Kontakt mehr zu Patienten haben. Eine Impfpflicht sei aber eine politische Entscheidung.

Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, betont hingegen, dass die Grundimmunisierung der Menschen wichtiger ist als Nachimpfungen. Es gebe 30 Prozent der Gebiete in Deutschland, in denen die Quote bei den Erstimpfungen viel zu niedrig sei, sagt Mertens. Erst einmal sollten die geschützt werden, die die Impfung am dringendsten benötigten.

Booster-Impfung: Für die dritte Impfung müssten die betreffenden Personen in einem geordneten Verfahren angeschrieben werden, sagt Gassen. (Quelle: imago images/Itar-tass)Booster-Impfung: Für die dritte Impfung müssten die betreffenden Personen in einem geordneten Verfahren angeschrieben werden, sagt Gassen. (Quelle: Itar-tass/imago images)

Sachsen will Schutzmaßnahmen verschärfen und 2G ausweiten

Sachsens Regierung will angesichts drastisch steigender Corona-Infektionen die Schutzmaßnahmen verschärfen und die 2G-Regel (geimpft oder genesen) für Gastronomie, Veranstaltungen im Innenbereich oder Großveranstaltungen einführen. Das sehen Eckpunkte der neuen Schutzverordnung vor, über die das Kabinett am Dienstag beriet. Zu den Großveranstaltungen zählen auch Fußballspiele. Im öffentlichen Nahverkehr sollen FFP-2-Masken Pflicht sein. Nach einer verkürzten Anhörungsphase will das Kabinett am Freitag endgültig entscheiden. Die neue Verordnung soll am kommenden Montag in Kraft treten. Es gehe um eine "Prävention in der Pandemie", erklärte Dagmar Neukirch, Staatssekretärin im Sozialministerium. Andernfalls müsste man bei einer Überlastung der Krankenhäuser den Notstand ausrufen.

Spahn für breite Auffrischungsimpfungen in der Bevölkerung

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dringt weiter auf Auffrischungsimpfungen auf möglichst breiter Front zum Schutz vor dem Coronavirus im Winter. Darüber sollten die Länder nun alle Über-60-Jährigen informieren, heißt es in einem Beschlussentwurf des Bundes für die Gesundheitsministerkonferenz mit den Ländern Ende der Woche. Ergänzend könnten Auffrischungsimpfungen auch "grundsätzlich allen Personen angeboten werden, die diese nach Ablauf von sechs Monaten nach Abschluss der ersten Impfserie wünschen". Zuerst berichteten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe darüber.

Jens Spahn: Der Bundesgesundheitsminister ist für die flächendeckenden Auffrischungsimpfungen. (Quelle: imago images/Sven Simon)Jens Spahn: Der Bundesgesundheitsminister ist für die flächendeckenden Auffrischungsimpfungen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt solche Verstärker ("Booster") für länger zurückliegende Impfungen vorerst in engerem Rahmen - unter anderem für Menschen ab 70 und Risikogruppen. Spahn bekräftigt laut den Beschlussvorschlägen nun außerdem, dass auch die Länder ihre regionalen Impfzentren aus dem Stand-by-Modus "wieder aktivieren und dort Auffrischungsimpfungen anbieten" sollen.

Pflegeeinrichtungen sollen nach den Vorschlägen des Bundes zu Testkonzepten für den Herbst und Winter verpflichtet werden. Diese sollten "unabhängig vom Impfstatus mindestens zweimal wöchentlich obligatorische Tests für das Personal vorsehen", heißt es in dem Entwurf, der auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Alle Besucher von Pflegeheimen sollten ebenfalls ein frisches negatives Testergebnis vorweisen müssen - alternativ sollen die Einrichtungen Schnelltests anbieten müssen. Die Länder könnten für Besucher auch Zugang nur für Geimpfte oder Genesene (2G) vorsehen.

NRW lockert Corona-Regeln in Schulen

Mit gemischten Gefühlen hat an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen am Dienstag der Unterricht ohne Mund-Nasen-Schutz begonnen. Nach mehr als einem Jahr Maskenpflicht wurde diese an den Sitzplätzen im Klassenraum zum 2. November in NRW abgeschafft. 

Schüler müssen allerdings nach wie vor im übrigen Gebäude Masken tragen oder diese auch anlegen, wenn sie ihren festen Sitzplatz verlassen. Für den Außenbereich war die Maskenpflicht schon vor einiger Zeit abgeschafft worden. Für Lehrkräfte entfällt die Pflicht, solange ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Schüler einer Schule in Nordrhein-Westfalen (Symbolbild): Dort werden einige Corona-Regeln jetzt gelockert. (Quelle: imago images/iky)Schüler einer Schule in Nordrhein-Westfalen (Symbolbild): Dort werden einige Corona-Regeln jetzt gelockert. (Quelle: iky/imago images)

In Nordrhein-Westfalen sind am Dienstag 1.006 Neuinfektionen registriert worden. Das teilte das Robert Koch-Institut mit. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den 15- bis 34-Jährigen schwankt je nach Landkreis zwischen 100 und 300. Die Impfquote in dem Bundesland liegt bei 73 Prozent. Bei den 5- bis 14-Jährigen bewegt sich die Sieben-Tage-Inzidenz bei fast 350 in Köln.

Immer mehr Corona-Patienten in NRWs Krankenhäusern

Die Zahl der Corona-Patienten in den nordrhein-westfälischen Krankenhäusern steigt weiter an. Wie das NRW-Gesundheitsministerium auf seiner Website mitteilte, wurden am Dienstag 1.327 Covid-Patienten behandelt, 39 mehr als noch vergangenen Freitag. 362 davon lagen auf Intensivstationen, wovon wiederum 228 beatmet wurden.

Vermutlich wegen des Feiertags Allerheiligen haben die Gesundheitsbehörden in NRW am Montag deutlich weniger neue Corona-Infektionen gemeldet als üblicherweise am Wochenbeginn. Mehr als ein Dutzend der 53 Kreise und Großstädte meldeten dem Landeszentrum Gesundheit am Montag keinen einzigen neuen Corona-Fall. Die sogenannte Wocheninzidenz sank landesweit von 111,2 auf 106,9. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner an. Seit Mitte Oktober war dieser in NRW kontinuierlich angestiegen. Den Behörden wurden außerdem acht weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung bekannt.

Österreichs Intensivbetten-Belegung steigt

In Österreich hat die Zahl der von Covid-Patienten belegten Betten auf Intensivstationen nach Angaben der Behörden die Schwelle von 300 überschritten. Damit gilt mit einer Verzögerung von einer Woche Stufe zwei der fünfstufigen Corona-Maßnahmen. So sind dann Besuche der Nachtgastronomie und verschiedener großer Veranstaltungen nur noch für Genesene und Geimpfte möglich. Am Dienstag wurden 317 Intensivbetten für Corona-Patienten gebraucht, ein Plus von 25 gegenüber dem Vortag. Besonders deutlich nahm die Zahl der Patienten auf den Normalstationen zu – um 145 auf 1.600.

Die Neuinfektionen binnen 24 Stunden lagen bei 5.398, das entspräche unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl fast 50.000 Fällen in Deutschland. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 400 Fälle pro 100.000 Einwohner. Besonders betroffen sind die Bundesländer Salzburg, Ober- und Niederösterreich. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, drohen drastische Einschränkungen für Ungeimpfte, die bis hin zum Lockdown für diese Gruppe reichen.

Tschechien registriert höchste Zahl an Neuinfektionen seit März

In Tschechien steigen die Corona-Zahlen weiter kräftig an. Die Behörden melden mit 7.591 Corona-Neuinfektionen den höchsten Wert binnen eines Tages seit Ende März, wie der Sender Czech Radio am Dienstag berichtet. Vor einer Woche waren es gut 3.300 weniger. In dem Land mit rund 10,7 Millionen Einwohnern wurden zuletzt 1.813 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern behandelt, 284 davon auf Intensivstationen. Knapp 6,1 Millionen Bürger und damit rund 57 Prozent der Bevölkerung waren am Montag vollständig geimpft.

Impfkommission will "in wenigen Wochen" über Auffrischungsimpfungen entscheiden

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will in absehbarer Zeit entscheiden, ob Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus in Deutschland für alle Bevölkerungsgruppen empfohlen werden. Es gebe Daten aus internationalen Studien, die dafürsprechen würden, wobei geprüft werden müsse, inwieweit diese Ergebnisse auf Deutschland übertragbar seien, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Dienstag. "Eine Entscheidung darüber wird in wenigen Wochen fallen."

Bei einer solchen allgemeinen Empfehlung für Booster-Impfungen sei die Frage entscheidend, ob damit die Weiterverbreitung des Virus gebremst werden könne, sagte Mertens. "Bei Jüngeren und Gesunden ginge es also sechs Monate nach der Grundimmunisierung vor allem darum, Infektionen zu verhindern, um eine Weitergabe des Virus zu vermindern."

Die Stiko hatte Anfang Oktober Auffrischungsimpfungen für Menschen ab 70 Jahren empfohlen. Zudem soll Bewohnern und Bewohnerinnen von Altenheimen sowie Pflegepersonal eine dritte Impfdosis angeboten werden. Gleiches gilt für das Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt sowie für Menschen mit Störungen des Immunsystems.

Städte kritisieren Debatte über Reaktivierung von Impfzentren

Die Städte haben die Debatte über eine kurzfristige Reaktivierung von Impfzentren für Corona-Auffrischungsimpfungen kritisiert. Ein Impfzentrum sei "keine Taschenlampe", die je nach Stimmungslage aus- und wieder angeknipst werden könne, heißt es in einem Schreiben des Deutschen Städtetags an die Gesundheitsminister der Länder, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Strukturen seien verändert, Flächen anderweitig genutzt, Personal umgeschichtet worden. Ein derartiger Richtungsumschwung sei nicht nachvollziehbar.

Bund und Länder hatten vereinbart, die zum Impfstart eingerichteten zeitweise mehr als 400 regionalen Impfzentren zum 30. September zu schließen oder die Kapazitäten zurückzufahren. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) brachte nun ins Gespräch, dass die Länder die Impfzentren wieder startbereit machen könnten, um mehr Impf-Auffrischungen als Schutz im Winter zu ermöglichen. Mehrere Länder reagierten bereits reserviert auf den Vorstoß. Kritik gibt es aber weiterhin auch an dem stockenden Impftempo im Netz der Arztpraxen.

"Auch in der Pandemie braucht es ein Mindestmaß an Kalkulierbarkeit von Entscheidungen", mahnte der Städtetag. Dabei sei es angesichts dynamisch steigender Infektionszahlen richtig, die Frage von Auffrischungsimpfungen rechtzeitig zu thematisieren. Zunächst seien die Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Organisation gefordert. Diese hätten "stets signalisiert, ein Massenimpfgeschäft im Herbst und Winter ohne die kommunalen Impfzentren leisten zu können". Die Städte stünden selbstverständlich bereit, ihre niedrigschwelligen Impfangebote aufrechtzuerhalten und bei Bedarf auch zu erweitern.

Corona-Inzidenz in Sachsen-Anhalt steigt auf 139,2

Die Corona-Infektionsrate hat sich in Sachsen-Anhalt von Montag auf Dienstag erhöht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tages-Inzidenz am Dienstag mit 139,2 an (Vortag: 121,7). Der Wert gibt an, wie viele Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen registriert wurden. Bundesweit lag die Inzidenz am Montag bei 153,7.

Negativ-Spitzenreiter unter den Regionen in Sachsen-Anhalt ist mit einem Wert von 382,2 der Altmarkkreis Salzwedel. Der benachbarte Landkreis Börde weist dagegen mit 68,0 die niedrigste Inzidenz aus. Landesweit wurden 652 neue Corona-Infektionen gemeldet. Zudem wurden vier neue Todesfälle registriert. Seit Beginn der Pandemie sind in Sachsen-Anhalt 3585 Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben.

Hausärztechef gegen Öffnung von Impfzentren

Hausärztechef Ulrich Weigeldt hat sich gegen eine Wiedereröffnung der Impfzentren zur Beschleunigung von Corona-Auffrischungen ausgesprochen. Davon halte er "gar nichts", sagt er dem Magazin "Wirtschaftswoche". Die Hausärzte seien die richtige Adresse für die Booster-Impfungen. "Wir wissen, wer von unseren Patienten dran ist und bei wem eine Auffrischung Sinn macht", betont der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands. "Dazu ist das Hausarzt-Modell mit Kosten von 20 Euro pro Impfung deutlich günstiger als ein Impfzentrum, wo man immer wieder hört, dass eine Impfung 220 Euro kostet." Zudem spricht sich Weigeldt für eine Impfpflicht für Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen aus. "Wer nicht geimpft ist, kann und sollte nicht in Alten- und Pflegeheimen arbeiten. Das sollte eigentlich vom Berufsbild her bereits eine Selbstverständlichkeit sein, wenn ich mich um schwerstkranke und besonders gefährdete Menschen kümmere."

Impfkommission prüft Booster – Weltärztebund drängt

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will kurzfristig entscheiden, ob Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus in Deutschland für alle empfohlen werden. "Die Ständige Impfkommission prüft im Moment sehr intensiv, ob sie Auffrischungsimpfungen für alle Bevölkerungsgruppen empfehlen wird", sagte der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, forderte währenddessen eine möglichst breite Nutzung der Auffrischungsimpfungen. Hier lesen Sie mehr. 

Inzwischen 14 Tote nach Corona-Ausbruch in Pflegeheim

Die Zahl der Toten nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Brandenburg hat sich auf 14 erhöht. Das teilte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Montagabend in der RBB-Sendung "Brandenburg Aktuell" mit. "Das ist ein ganz, ganz schlimmer Befund", sagte sie. "Das ist genau das, was wir nicht noch einmal erleben wollten." Am Nachmittag hatte der Landkreis Barnim die Zahl der Toten auf elf beziffert. Zudem seien 44 Bewohner und 15 Mitarbeitende der Einrichtung an Covid-19 erkrankt.

Die betroffenen Heimbewohner seien alle über 80 Jahre alt gewesen und hätten Vorerkrankungen gehabt. Gegen den Leiter der Senioren-Einrichtung sei ein Bußgeldverfahren verhängt worden, weil er nach einem positiven Testergebnis das Heim nochmals betreten hatte. Die Ursache für den Ausbruch sei aber noch unklar. Laut der Amtsärztin des Landkreises Barnim, Heike Zander, liegt die Impfquote der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung bei nur rund 50 Prozent.

Bereits Mitte Oktober starben bei einem Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) 17 Menschen. Wie die Geschäftsführerin des Seniorenzentrums "Am Tempelberg", Jolanta Armbrecht, am Montag sagte, geht es den anderen infizierten Bewohnern besser. Die Lage entspanne sich langsam. Mehr dazu lesen Sie hier.

Virologe empfiehlt Impfpflicht für bestimmte Berufe

Der Virologe Frank Hufert hält eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen für angebracht. Menschen, die Hochrisikogruppen wie etwa Senioren betreuen, sollten verpflichtet werden, sich impfen zu lassen, sagte der Wissenschaftler von der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB).

Eine Mitarbeiterin eines Krankenhauses wird geimpft: Ein Virologe fordert für bestimmte Berufsgruppen eine Impfpflicht.  (Quelle: imago images/NurPhoto)Eine Mitarbeiterin eines Krankenhauses wird geimpft: Ein Virologe fordert für bestimmte Berufsgruppen eine Impfpflicht. (Quelle: NurPhoto/imago images)

Aus medizinischer Sicht ist nach Einschätzung des Forschers eine Impfpflicht für die gesamte Bevölkerung sinnvoll. Gesellschaftswissenschaftlich sei das aber ein "Riesenproblem", weil eine Impfpflicht die Gesellschaft spalten würde. "Da muss die Politik eine Entscheidung fällen, wie man da verfährt. Das ist auch keine leichte Entscheidung", so Hufert.

Die Durchimpfungsrate sei noch zu niedrig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. "Jetzt sind wir eigentlich genau da, wo wir vor einem Jahr auch schon mal waren – nur dass wir Gott sei Dank mehr als die Hälfte der Bevölkerung schon einmal geimpft haben". Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Schließung der Impfzentren.

Bundeswehr holt Corona-Patienten aus Rumänien nach Deutschland

Die Bundeswehr fliegt schwer erkrankte Corona-Patienten aus Rumänien zur Behandlung nach Deutschland. Dazu sei am Montag ein Airbus A310 der Luftwaffe in Bukarest gelandet, schrieb der Sanitätsdienst der Bundeswehr auf Twitter. Insgesamt sollten sechs Patienten auf dem Luftweg nach Deutschland gebracht werden.

Nur knapp ein Drittel der Rumänen ist laut der EU-Gesundheitsbehörde (ECDC) vollständig geimpft. Die 14-Tage-Inzidenz der Neuansteckungen stieg zuletzt über 1.000 pro 100.000 Einwohner und blieb eine der höchsten in der EU. Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Notlage hatte die EU-Kommission bereits zusätzliche Ärzte und medizinische Ausrüstung in das südosteuropäische Land geschickt.

Österreich führt 3G-Regel am Arbeitsplatz ein

Mit einer 3G-Regel am Arbeitsplatz will Österreich wieder Schwung in die Impfkampagne gegen das Coronavirus bringen. Seit Montag müssen alle Arbeitnehmer, die Kontakt zu anderen Menschen nicht ausschließen können, getestet, genesen oder geimpft sein. Mehr dazu lesen Sie hier.  

Sachsens Ministerpräsident muss in Quarantäne

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich nach einem positiven Corona-Test in seiner Familie in häusliche Quarantäne begeben. Wie Regierungssprecher Ralph Schreiber am Montag mitteilte, steht das Ergebnis eines PCR-Tests bei Kretschmer noch aus. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Michael Kretschmer: Sachsens Ministerpräsident muss in Quarantäne. (Quelle: imago images/Political-Moments)Michael Kretschmer: Sachsens Ministerpräsident muss in Quarantäne. (Quelle: Political-Moments/imago images)

Forscher: Marke von fünf Millionen Corona-Toten überschritten

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind weltweit mehr als fünf Millionen Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das geht aus Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hervor, die die Hochschule am Montag veröffentlichte. Die Schwelle von vier Millionen Corona-Toten weltweit war Anfang Juli überschritten worden.

Nach den Daten der US-Forscher liegt die Zahl der bestätigten Infektionen inzwischen bei mehr als 246 Millionen Fällen. Experten gehen bei Infektionen und Todesfällen rund um den Globus zugleich von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Webseite der Universität wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt einen etwas höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden die Zahlen auch wieder zeitweise nach unten korrigiert. Nach Angaben der WHO von Freitag gab es bisher 4,98 Millionen bestätigte Todesfälle und rund 245 Millionen bekannte Infektionen.

Coronafälle in Österreich steigen deutlich an

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Österreich steigt weiter deutlich. Innerhalb von 24 Stunden wurden 4.523 Fälle gemeldet, wie das Gesundheits- und das Innenministerium am Montag berichteten. Vergangenen Montag waren es 2.850 Neuinfektionen. Auf den Intensivstationen wurden den Angaben zufolge 292 Menschen behandelt. Ab einer Zahl von 300 Intensivpatienten tritt mit einer Woche Vorlaufzeit die zweite der fünf Stufen des neuen Maßnahmenplans der Regierung in Kraft. Dann ist unter anderem der Zutritt zur Nachtgastronomie und zu Après-Ski-Lokalen nur noch Genesenen und Geimpften gestattet. Ab 500 mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten gilt diese Regel auch für alle anderen gastronomischen Betriebe. Ab 600 Betten droht ein Lockdown für Ungeimpfte.

Mehr als 55 Millionen Menschen in Deutschland sind geimpft

Rund 67 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Montag hervor (Stand: 10.40 Uhr). Demnach wurden am Sonntag rund 14.000 Impfdosen verabreicht. 57,7 Millionen Menschen (69,4 Prozent) haben mindestens eine Impfung verabreicht bekommen, 55,5 Millionen (66,7 Prozent) sind vollständig geimpft.

Beim Stand der Covid-19-Impfungen gibt es weiterhin erhebliche regionale Unterschiede: Unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 81,1 Prozent den höchsten Anteil Erstgeimpfter. 15 weitere Bundesländer haben die 60-Prozent-Marke geschafft, lediglich Sachsen steht mit 59 Prozent unter dieser Marke. Bremen zählt mit 78,2 Prozent ebenfalls den höchsten Anteil an vollständig geimpften Einwohnern. Sachsen ist hier mit 56,7 Prozent am Ende der Rangliste.

Kanzleramtschef gesprächsbereit zu neuem Corona-Gipfel

Kanzleramtschef Helge Braun hat sich grundsätzlich zu Beratungen mit den Bundesländern bereiterklärt, wenn diese Gesprächsbedarf zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hätten. Er sie offen dafür, sagt der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters.

Zuvor hatte er den Beschluss der Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP kritisiert, die epidemische Lage nicht zu verlängern und den Instrumentenkasten der Pandemiebekämpfung für Länder und Kommunen zu reduzieren. Diese müssten auf die Entwicklung reagieren können. Braun hatte sich allerdings deutlich gegen erneute Schulschließungen und Lockdowns ausgesprochen.

Spahn: Länder sollen Impfzentren wieder startklar machen

Angesichts stark steigender Corona-Zahlen fordert der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Länder auf, ihre Impfzentren wieder zu öffnen. "Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen", sagte er der "Rheinischen Post".

Zudem riet Spahn dazu, in einem ersten Schritt alle Menschen über 60 schriftlich zur Impfung einzuladen. "Das hat bei den Erstimpfungen auch gut geklappt." Hintergrund ist, dass mehr Menschen eine Auffrischungsimpfung – die Booster-Impfung – gegen die nachlassende Wirkung des Impfstoffs wahrnehmen sollen.

Jens Spahn: Der Gesundheitsminister wirbt für mehr Booster-Impfungen. (Quelle: F. Kern/ imago images)Jens Spahn: Der Gesundheitsminister wirbt für mehr Booster-Impfungen. (Quelle: F. Kern/ imago images)

Ärztepräsident für Mischung aus 2G- und 3G-Regel

Angesichts der sich verschlechternden Corona-Lage empfiehlt Ärztepräsident Klaus Reinhardt eine Mischung aus 2G- und 3G-Regelung. Das heißt, dass an bestimmten Orten entweder nur noch Geimpfte und Genesene (2G) Zugang bekommen oder auch Getestete (3G).

"Insofern finde ich es – wenn die Zahlen weiter steigen – angemessen, wenn wir sagen würden, die 2G-Regel gilt in größeren Teilen des gemeinsamen Lebens – zum Beispiel im Museum oder auch in der Gastronomie. Und wenn die 3G-Regel zum Beispiel am Arbeitsplatz gälte, wie das die Italiener schon länger machen und die Österreicher auch, dann glaube ich, könnte das auch hilfreich sein", sagte der Präsident der Bundesärztekammer am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

Als drittes Mittel hält Reinhardt intensive Tests in Alten- und Pflegeheimen für nötig. Eine Impfpflicht für das Pflegepersonal lehnte er ab. Dies berge das Risiko, dass ein Teil des ungeimpften Personals dann nicht mehr zur Verfügung stünde.

Australien öffnet wieder seine Grenzen: Emotionale Szenen

Australien hat seine internationalen Grenzen in New South Wales, Victoria und dem Australian Capital Territory am Montag nach fast 600 Tagen Schließung wegen der Corona-Pandemie wieder geöffnet. Am Flughafen der Metropole Sydney kam es schon in den frühen Morgenstunden zu emotionalen Szenen, teils unter Tränen nahmen Angehörige ihre ankommenden Familienmitglieder in die Arme.

Eine Frau wird von einem geliebten Menschen umarmt, nachdem sie mit einem Flug aus Los Angeles auf dem Flughafen von Sydney angekommen ist, nachdem Australien heute zum ersten Mal seit 19 Monaten seine Grenzen öffnet. (Quelle: dpa/ Rick Rycroft/)Eine Frau wird von einem geliebten Menschen umarmt, nachdem sie mit einem Flug aus Los Angeles auf dem Flughafen von Sydney angekommen ist, nachdem Australien heute zum ersten Mal seit 19 Monaten seine Grenzen öffnet. (Quelle: Rick Rycroft//dpa)

Australien hatte am 20. März vergangenen Jahres eine der härtesten Grenzregelungen der Welt wegen der Corona-Pandemie eingeführt. Fast alle Reisen in das Land wurden gestoppt. Julie Choo, die aus Großbritannien kam, um ihre kranke Mutter im Krankenhaus zu besuchen, sagte, sie habe bei der Landung die Tränen zurückhalten müssen. "Ich kann es gar nicht abwarten, die Hand meiner Mutter zu halten", sagte sie.

In den vergangenen 19 Monaten durften Australier nur mit Erlaubnis ins Ausland reisen. Familien waren getrennt, Zehntausende Australier strandeten im Ausland. Nur wenige erhielten eine Einreiseerlaubnis und mussten dann Tausende Dollar bezahlen und 14 Tage in Hotel-Quarantäne. Diese Auflagen wurden nun für Sydney und Melbourne aufgehoben, geimpfte Australier können nun kommen und gehen, ohne in Quarantäne zu müssen.

Merkel offen für Gespräche mit Ländern über Corona-Gegenmaßnahmen

Angesichts des starken Anstiegs der Corona-Fallzahlen hat sich die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) offen für rasche Gespräche mit den Bundesländern über Gegenmaßnahmen gezeigt. "Der Anstieg ist im Augenblick aus meiner Sicht schon sehr besorgniserregend. Und deshalb kann es sein, dass man noch handeln muss", sagte sie am Sonntag zum Abschluss des G20-Gipfels in Rom bei einem gemeinsamen Auftritt mit ihrem voraussichtlichen Nachfolger im Kanzleramt, Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Alle eine, "dass wir eine Überlastung unseres Gesundheitssystems verhindern wollen".

Auf die Frage, ob sie und Scholz in der Übergangszeit zur Bildung einer neuen Regierung im Kampf gegen Corona an einem Strang ziehen würden und ob es womöglich schärfere Maßnahmen gegen Impfgegner geben müsse, antwortete Merkel: "Es kann sein, dass wir uns mit der Frage nochmal jetzt beschäftigen müssen." Nachdem es sehr unterschiedliche Situationen in den Bundesländern gebe, müsse man nun mit den Ländern sprechen, sagte die Kanzlerin weiter.

Scholz forderte: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen" – Gesellschaft, Landkreise, Gemeinden, Länder sowie Bundestag und Bundesregierung. Die amtierende Bundesregierung müsse dafür sorgen, "dass wir das Notwendige tun, damit wir die Corona-Pandemie mit den Möglichkeiten, die wir als Politik haben, im Griff behalten". Auch während des Winters werde es noch Möglichkeiten brauchen, etwa Masken vorschreiben zu können. Gebraucht würden auch Regeln wie 2G (geimpft oder genesen) und 3G (geimpft, genesen oder getestet) – sowie die Möglichkeit diese durchsetzen zu können.

Klar sei aber auch, dass man in einer Lage, in der so viele Bürger geimpft seien, "natürlich nicht mehr mit den gleichen Maßnahmen – Lockdowns zum Beispiel – reagieren" könne, wie man das im vergangenen Jahr richtigerweise gemacht habe, sagte Scholz. Es müsse eine große Anstrengung unternommen werden, dass die besonders Schutzbedürftigen und jene, die in Bereichen tätig seien, die Schutz bräuchten, von der Booster-Impfung Gebrauch machten.

Dahmen (Grüne) kritisiert Impftempo bei Hausärzten

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen ist unzufrieden mit dem Verlauf der Corona-Impfungen in den Praxen der niedergelassenen Ärzte. "Nach der Schließung der meisten Impfzentren erfüllen die Praxen die in sie gesetzten Erwartungen erkennbar nicht, weder bei den Erst- noch bei den Booster-Impfungen", sagte Dahmen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag). "Das Tempo bei den Erst- und Zweiimpfungen und beim Boostern reicht nicht aus."

Der Grünen-Politiker betonte: "Wenn das Impftempo in der Regelversorgung der Praxen nicht ausreicht, werden wir endlich auch an anderen Stellen, beispielsweise Apotheken, impfen müssen." Er zeigte sich besorgt über die aktuelle Pandemie-Lage. "Schon in den nächsten Wochen könnte die Zahl der Intensivpatienten wieder auf bis 3000 steigen. Wenn dann noch eine heftige Grippewelle dazu kommt, laufen wir in eine Katastrophe hinein", sagte er.

Das DIVI-Register verzeichnete am Sonntag 1984 Corona-Patienten auf Intensivstationen. Zum Höhepunkt der Pandemie im Januar 2021 waren es mehr als 5700.

Berlins Regierungschef: Infektionszahlen machen mir große Sorge

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung dazu aufgerufen, Impfangebote konsequent zu nutzen. "Die steigenden Infektionszahlen bereiten mir große Sorge, da auch die Auslastung in den Krankenhäusern damit wieder zunimmt", sagte Müller am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "Hier sind es vor allem Ungeimpfte, die mit schweren Krankheitsverläufen in den Kliniken behandelt werden müssen", so der SPD-Politiker. "Ich appelliere daher an alle, die sich noch nicht haben impfen lassen, dieses Angebot anzunehmen. Wir haben eine gute Impfquote, aber sie reicht nicht, um die Pandemie gerade in den kälteren Monaten zu stoppen."

Müller forderte außerdem vor allem Ältere und Menschen mit einem schwachen Immunsystem auf, eine Auffrischungsimpfung (Booster-Impfungen) anzunehmen. "Auch Menschen, die in Pflege- oder Altenheimen oder im medizinischen Bereich arbeiten, sollten sich ein drittes Mal impfen lassen", sagte er. "Damit sich die Lage in den kommenden Monaten nicht weiter zuspitzt, sollten sich alle im Alltag wieder konsequenter an die gelernten und effektiven Regeln halten: Abstand und Maske, dort wo es eng wird."

Müller zeigte sich am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sehr skeptisch zur Forderung des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) nach einem Gipfel von Bund und Ländern zum Thema Booster-Impfungen. "Wenn wir dort nicht zum Plaudern zusammenkommen wollen, dann frage ich, was wollen wir denn verabreden und was bietet uns der Bundesgesundheitsminister an? Wir sind dabei, die Booster-Impfungen durchzusetzen. Wir haben die Ältesten schon wieder eingeladen", sagte Müller. Die Frage sei, was Spahn konkret besprechen wolle. "Dazu habe ich noch nichts gehört." Er erwarte, dass der Bundesgesundheitsminister sage, welchen Plan er für die schwierigen nächsten Monate habe, erklärte Müller.

Institut für Virologie in Wuhan: Die chinesische Regierung bestreitet, dass das Coronavirus bei einem Unfall aus dem Institut entwichen ist. (Quelle: imago images/Kyodo News)Institut für Virologie in Wuhan: Die chinesische Regierung bestreitet, dass das Coronavirus bei einem Unfall aus dem Institut entwichen ist. (Quelle: Kyodo News/imago images)

China weist Neuveröffentlichung von US-Bericht zu Corona-Ursprung zurück

China hat die Veröffentlichung einer ergänzten Fassung eines Berichts der US-Geheimdienste zum Ursprung des Coronavirus zurückgewiesen. "Egal, wie oft dieser Bericht veröffentlicht wird und wie viele Versionen zusammengebastelt werden, es kann nichts daran ändern, dass es sich um einen rein politischen und falschen Bericht handelt", erklärte Chinas Außenamtssprecher Wang Wenbin. Alleine die Tatsache, dass Geheimdienste bei der Herkunftssuche eingesetzt würden, sei ein "eindeutiger Beweis" für die politische Natur der Debatte.

Die US-Geheimdienste waren in ihrem Ende August veröffentlichten Bericht ähnlich wie eine vorherige Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation zu keinem klaren Ergebnis gekommen. Sowohl eine Übertragung des Virus von Tier zu Mensch als auch einen Laborunfall in China stuften die Geheimdienste als "plausible Hypothesen" ein, beklagten jedoch fehlende Proben und Daten.

Die von US-Präsident Joe Biden beauftragte Nationale Geheimdienstdirektion hatte diese Woche weitere Teile des Berichts publik gemacht. Das Papier unterstreicht demnach noch stärker, dass eine Klärung der Ursprungsfrage ohne neue Informationen nicht möglich sei. Dabei sei die Zusammenarbeit mit China notwendig, Peking behindere jedoch die internationalen Untersuchungen.

Österreichische Bundesländer verschärfen Corona-Regeln

Als sechtes der neun österreichischen Bundesländer hat Niederösterreich am Samstag eine Verschärfung der Corona-Regeln für Ungeimpfte angekündigt. In Restaurants und Bars sowie bei größeren Veranstaltungen erhalten ab 8. November nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt, wie die Behörden am Samstag berichteten. Auch ein negativer Test reicht dann bei Ungeimpften nicht mehr aus. Vielerorts wird zudem das Tragen einer FFP2-Maske etwa in Einkaufszentren oder Markthallen vorgeschrieben. Die Kontrollen sollen verschärft werden.

Zuvor hatten am Freitag Tirol, Oberösterreich und Kärnten, davor Steiermark und Wien ähnliche Maßnahmen verhängt oder angekündigt. Damit soll verhindert werden, dass die Krankenhäuser, in denen die Zahl der Corona-Infizierten deutlich gestiegen ist, an den Anschlag kommen. Die Bundesländer verhängen damit schärfere Maßnahmen, als die Bundesregierung bislang vorgegeben hat. Der Bürgermeister von Wien, Michael Ludwig forderte bundesweit einheitliche Regelungen. Das Burgenland, Salzburg und Vorarlberg haben noch nicht angekündigt, dass sie ihre Corona-Regeln für Ungeimpfte verschärfen wollen..

Am Sonntag wurden innerhalb von 24 Stunden 5.684 Corona-Infektionen gemeldet. Eine Woche vorher waren es 3.624 gewesen. Innerhalb von sieben Tagen wurden auf 100.000 Einwohner berechnet 362,4 neue Infektionen gemeldet.

Karl Lauterbach: Der Gesundheitsexperte mahnt, dass die Impfquote noch zu niedrig ist. (Quelle: imago images/Future Image)Karl Lauterbach: Der Gesundheitsexperte mahnt, dass die Impfquote noch zu niedrig ist. (Quelle: Future Image/imago images)

Lauterbach plädiert für Wiedereröffnung der Impfzentren

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach wünscht sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie, die vielfach geschlossenen Impfzentren wieder einzurichten. Die Impfungen kämen viel zu langsam voran, um die stark steigende vierte Welle der Pandemie zu brechen, schrieb er am Samstag auf Twitter. "Wir brauchen schnelle Impfung für Ältere. Ideal wäre Wiederöffnung der Impfzentren."

Die Zahl der Geimpften steigt nur noch langsam. Eine Auffrischungsimpfung gegen die mit der Zeit nachlassende Wirkung nehmen viel weniger Menschen wahr, als es könnten. Vor allem Risikogruppen wird dies empfohlen. Die Politik sucht händeringend Konzepte, mehr Menschen dazu zu bewegen.

Die regionalen Impfzentren waren im vergangenen Winter zum Start der Impfungen eingerichtet worden. Hintergrund waren Anforderungen an eine starke Kühlung der zunächst knappen Impfstoffe und ein strikter Vorrang für gefährdete Bevölkerungsgruppen. Zeitweise gab es mehr als 400 Impfzentren. Bund und Länder hatten vereinbart, sie spätestens zum 30. September zurückzufahren oder zu schließen. Die meisten Länder stellten auf mobile Impfteams um. Daneben impfen auch Arztpraxen, inzwischen sind es aber wieder weniger.

Söder für Booster-Impfungen in allen Altersgruppen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert einen stärkeren Einsatz von Antikörper-Tests und Booster-Impfungen für alle Altersgruppen. "Wir müssen viel stärker auf Antikörper-Tests setzen. Die Booster-Impfungen brauchen wir nicht nur für die über 70-Jährigen, sondern für alle," sagte Söder "Bild am Sonntag".

Eine Drittimpfung nach sechs Monaten sei für jeden sinnvoll.Die Ampel-Parteien erklärten die Pandemie im Grunde für beendet, während die Infektionszahlen explodierten. Sie dürften nicht nur ihre Lieblingsprojekte angehen, sondern müssten sich mit den Ländern absprechen, die eine klare Rechtsgrundlage für ihre Corona-Maßnahmen brauchten.

China sperrt Viertel in Peking wegen Ausbruch

China hat wegen eines erneuten Corona-Ausbruchs am Samstag neue Beschränkungen eingeführt. Die Behörden ordneten unter anderem für das Pekinger Viertel Xicheng, in dem mehr als eine Million Menschen leben, die Schließung aller Kinos bis Mitte November an. In mehreren betroffenen Regionen und Städten gelten Reisebeschränkungen. Landesweit wurden 59 innerhalb des Landes übertragene Neuinfektionen gemeldet, darunter zwei Fälle in der Hauptstadt.

Das Zentrum des jüngsten Ausbruchs liegt 650 Kilometer von Peking entfernt in der Stadt Erenhot an der Grenze zur Mongolei. Die Lage sei "ernst und komplex", sagte Mi Feng, Sprecher der Nationalen Gesundheitskommission am Samstag. Von der jüngsten Welle sind mindestens 14 Provinzen Chinas betroffen.

Ministerium: Alle haben grundsätzlich Anspruch auf Booster-Impfung

Alle Bürger haben grundsätzlich Anspruch auf eine Corona-Auffrischungsimpfung. Darauf hat das Gesundheitsministerium am Samstag noch einmal per Twitter hingewiesen. Es bezog sich dabei auf die Impfverordnung. Für einige Personengruppen seien die Auffrischungsimpfungen (Booster-Impfungen) aber besonders sinnvoll.

Das Ministerium verwies dabei auf seine Seite im Internet, auf der diese Personengruppen aufgelistet sind. Dazu zählen zum Beispiel Menschen mit einer Immunschwäche und Menschen ab 60 Jahren – "nach individueller Abwägung und ärztlicher Beratung", wie es dort heißt.

Zuvor hatten Ärztevertreter Kritik an Spahn geübt. "Wir sind verärgert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Erwartungen schürt, Booster-Impfungen seien für alle möglich", sagte das Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands, Armin Beck, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die Hausärzte folgen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, und diese empfiehlt aktuell Drittimpfungen nur für über 70-Jährige und wenige andere Gruppen." Durch Spahns Äußerungen werde nun aber der Aufklärungs- und Diskussionsbedarf in den Praxen größer. Wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlung ausweite, würden die Hausärzte auch diese Personengruppen impfen, kündigte er an.

Draghi unterstreicht Impfziel: 70 Prozent weltweit bis Mitte 2022

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hat als Vorsitzender der G20-Länder das Ziel bekräftigt, bis zur Mitte des nächsten Jahres mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen. Man sei nah dran, das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erreichen, bis Ende Dezember 40 Prozent der Menschen zumindest eine Impfdosis zu geben, sagte Draghi in seiner Auftaktrede zum G20-Gipfel am Samstag in Rom. "Nun müssen wir alles tun, um bis Mitte 2022 70 Prozent zu erreichen."

Draghi kritisierte die großen Unterschiede bei den Impffortschritten. Während in reichen Staaten rund 70 Prozent der Einwohner mindestens einmal geimpft seien, falle die Quote bei den ärmsten Ländern auf drei Prozent. Diese Unterschiede seien "moralisch nicht akzeptabel" und "untergraben" den weltweiten Kampf gegen die Pandemie, sagte er.

Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern fordert Impfpflicht für Pflegekräfte

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) hat nach mehreren Corona-Ausbrüchen in Pflegeeinrichtungen des Landes eine Impfpflicht für Beschäftigte in der Branche gefordert. "Es ist mein Ziel, eine Impfpflicht für Pflegepersonal rechtssicher hinzubekommen", sagte Drese dem "Spiegel". So sollten die Menschen geschützt werden, die besonders anfällig für eine Corona-Infektion sind. Dazu zählen Bewohner von Seniorenzentren. Die Impfpflicht muss laut Drese bundesweit im Infektionsschutzgesetz geregelt werden. Wegen juristischer Schwierigkeiten sei das in diesem Winter voraussichtlich noch nicht zu erreichen.

In den kommenden Tagen solle zunächst die Landesverordnung verschärft werden. Danach müssten sich Mitarbeiter oder Bewohner von Pflegeheimen einem PCR-Test unterziehen, wenn Symptome auftreten. Zudem sollen große Versammlungen in den Heimen, die für alle zugänglich sind, verboten werden. "Es ist leider noch nicht die Zeit für große Advents- und Weihnachtsfeiern, wir müssen das untersagen", betonte Drese.

Seit Ende des Sommers habe es neun Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen im Nordosten gegeben. In Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben des Sozialministeriums 75 Prozent der Pflegekräfte geimpft. In einem Seniorenheim im brandenburgischen Schorfheide sind nach einem Corona-Ausbruch zuletzt acht Bewohner gestorben. Nur die Hälfte des Personals in der Einrichtung soll geimpft sein.

Russland meldet neuen Höchstwert bei Neuinfektionen

In Russland verzeichnet das Gesundheitsministerium 40.251 Neuinfektionen – so viele wie nie zuvor binnen 24 Stunden. 1.160 weitere Menschen seien mit oder an dem Coronavirus gestorben. Russland erlebt derzeit rasant steigende Zahlen bei Neuinfektionen und Todesfällen.

Die Regierung hat dafür die nur langsam steigende Impfquote verantwortlich gemacht und für die erste Novemberwoche die Schließung der Betriebe im ganzen Land angeordnet. Bereits seit Donnerstag dürfen in Moskau nur noch Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Apotheken und Supermärkte öffnen.

Merkel äußert sich besorgt über Infektions- und Totenzahlen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ruft die Deutschen zu mehr Entschlossenheit im Kampf gegen das Coronavirus auf. Die aktuelle Entwicklung der Hospitalisierungswerte und der Todeszahlen "bereitet mir große Sorgen", sagte die CDU-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sie sollte uns allen Sorgen bereiten."

Derzeit mache sich "schon wieder eine gewisse Leichtfertigkeit breit". Es stimme sie sehr traurig, dass noch zwei bis drei Millionen Deutsche im Alter von über 60 Jahren nicht geimpft seien.

US-Studie: Impfung schützt fünfmal besser als Genesenenstatus

Eine Impfung schützt deutlich besser vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus als eine frühere Infektion. Das hat ein Forscherteam unter der Leitung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC in einem Bericht veröffentlicht. Die Forscher erklärten, ihre Ergebnisse sollten dazu beitragen, die Debatte darüber zu beenden, ob Menschen, die bereits infiziert waren, sich impfen lassen sollten – denn das sollten sie, sagten die Wissenschaftler. Menschen, die nicht geimpft waren und im Krankenhaus landeten, hatten demnach ein fünfmal höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken, als Menschen, die innerhalb der letzten drei bis sechs Monate geimpft worden waren. 

"Alle in Frage kommenden Personen sollten so bald wie möglich gegen Covid-19 geimpft werden, auch ungeimpfte Personen, die zuvor mit Sars-CoV-2 infiziert waren", schreiben die Forscher im wöchentlichen Bericht der CDC. "Wir haben jetzt zusätzliche Beweise, die die Bedeutung der Covid-19-Impfung bestätigen, selbst wenn Sie bereits eine Infektion hatten", sagte CDC-Direktorin Dr. Rochelle Walensky einem CNN-Bericht zufolge

Walensky fügte hinzu: "Diese Studie ergänzt den Wissensstand, der den Schutz von Impfstoffen vor schweren Erkrankungen durch Covid-19 belegt. Der beste Weg, Covid-19, einschließlich der Entstehung von Varianten, zu stoppen, ist eine flächendeckende Covid-19-Impfung und Maßnahmen zur Krankheitsvorbeugung wie das Tragen von Masken, häufiges Händewaschen, räumliche Distanz und das Verlassen des Hauses, wenn man krank ist."

Forscher aus dem ganzen Land sammelten Daten von 7.000 Personen, die zwischen Januar und September in 187 Krankenhäusern in neun Bundesstaaten wegen Covid-ähnlicher Erkrankungen behandelt wurden. Alle wurden auf das Coronavirus getestet. Diejenigen, die nicht geimpft waren, hatten ein 5,49-mal höheres Risiko, positiv auf Coronaviren getestet zu werden, als diejenigen, die innerhalb der letzten drei bis sechs Monate geimpft worden waren – selbst wenn sie erst kürzlich eine Covid-19-Infektion hatten, heißt es in dem Bericht.

Lehrer warnen vor "Augen-zu-und'-durch"-Politik

Angesichts stark steigender Corona-Zahlen haben Lehrerverband und Ethikrat davor gewarnt, mit einer Politik des Augen-zu-und-durch die Gesundheit vieler Schüler zu gefährden. Die Politik setze Lockerungen durch zu einem Zeitpunkt, an dem Gesundheitsschutzmaßnahmen eher zu intensivieren seien, kritisierte der Chef des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, mit Blick auf die Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht in einigen Bundesländern.

Die Vize-Vorsitzende des Ethikrats, Susanne Schreiber, sagte ebenfalls in der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag): "Auch, wenn schwere Verläufe bei Kindern seltener auftreten, werden bei starkem Infektionsgeschehen Hunderte von Kindern von Komplikationen betroffen sein." Und: "Eine Augen-zu-und-durch-Mentalität reicht hier nicht aus."

US-Geheimdienste: Corona nicht als Waffe entwickelt

Das Corona-Virus ist nach Einschätzung von US-Geheimdiensten entweder natürlichen Ursprungs oder ist aus einem Labor entwichen. Beide Hypothesen seien plausibel, heißt es in einem für die Öffentlichkeit freigegebenen Bericht des U.S. Director of National Intelligence. Genauer würden die US-Dienste es wohl nicht klären können. Als unwahrscheinlich verwarfen die Geheimdienste die Annahme, das Virus könne als biologische Waffe entwickelt worden sein.

Österreichische Bundesländer verschärfen Corona-Regeln

In Österreich führen rasant steigende Infektionszahlen zu Verschärfungen bei den Corona-Regeln für Ungeimpfte. Nach den Bundesländern Steiermark und Tirol lassen auch Oberösterreich und Kärnten Ungeimpfte unter bestimmten Bedingungen bald nicht mehr in Restaurants und Bars. Das gilt auch, wenn sie einen negativen Test vorweisen können, wie sie Bundesländer am Freitag beschlossen. Die Maßnahmen treten in Oberösterreich am 8. November, in Kärnten bereits am 4. November in Kraft.

Die Regeln gelten in der Nachtgastronomie und bei Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze ab 500 Personen. Zutritt haben dann nur noch Geimpfte und Genesene. Vielerorts wird das Tragen einer FFP2-Maske vorgeschrieben. Die Kontrollen sollen verschärft werden.

Wegen der rasant steigenden Zahlen hatten mehrere Bezirke bereits eine Testpflicht bei der Ausreise für alle diejenigen beschlossen, die weder geimpft noch genesen sind.

Impfung mit Pfizer: Die USA haben Biontech für Kinder zwischen fünf und elf Jahren zugelassen. (Quelle: imago images/Zuma Wire)Impfung mit Pfizer: Die USA haben Biontech für Kinder zwischen fünf und elf Jahren zugelassen. (Quelle: Zuma Wire/imago images)

Biontech-Impfung für Kinder bekommt in den USA Notfallzulassung

Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer hat in den USA nun auch für den Einsatz bei Kindern zwischen fünf und elf Jahren eine Notfallzulassung bekommen. Nachdem ein Beratergremium der FDA sich am Dienstag dafür ausgesprochen hatte, gewährte die US-Arzneimittelbehörde die Notfallzulassung am Freitag. Im Anschluss muss sich nun formell auch noch die Gesundheitsbehörde CDC damit befassen.

Damit kann die Impfkampagne für die etwa 28 Millionen betroffenen Kinder in den USA nun – wie vom Weißen Haus bereits geplant – noch im November starten. Innerhalb der kommenden Tage sollen 15 Millionen Dosen Impfstoff an Kinderärzte, Kliniken und Apotheken ausgeliefert werden. Auch in Europa haben das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer eine Zulassung ihres Corona-Impfstoffs für Kinder dieser Altersgruppe beantragt.

Eine Pflegerin zieht in Kolumbien eine Impfspritze auf: Auch das Land erhält Spenden über die Initiative Covax. (Quelle: Getty Images/Guillermo Legaria)Eine Pflegerin zieht in Kolumbien eine Impfspritze auf: Auch das Land erhält Spenden über die Initiative Covax. (Quelle: Guillermo Legaria/Getty Images)

Bericht: Millionen Impfdosen könnten vernichtet werden

Impfstoffhersteller verhindern offenbar, dass Deutschland nicht benötigten Impfstoff ins Ausland abgeben darf. Das berichtet das ARD-Magazin "Kontraste" mit Bezug auf einen Brief des Staatssekretärs Thomas Steffen an die EU-Kommission. Die Bundesregierung befürchtet demnach, dass schon bald Millionen Impfdosen vernichtet werden müssen.

Die deutsche Regierung hatte versprochen, bis Jahresende 100 Millionen Dosen über die Covax-Initiative an ärmere Staaten zu spenden. Das wird dem Bericht zufolge von einigen Herstellern jedoch blockiert. Eine Klausel in den Verträgen räume den Herstellern eine Art Veto-Recht ein. In seinem Brief kritisiert Steffen, dass einige Firmen "Mindestpreise diktieren" oder von den Empfängern "überzogene Ausgleichszahlungen" verlangen würden. Zudem werde versucht zu verbieten, dass internationale Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen Impfstoff verteilen.

Nach Informationen von Kontraste handelt es sich dabei vor allem um das US-Unternehmen Moderna. Verträge zwischen Covax und Biontech/Pfizer sowie Johnson&Johnson seien hingegen mittlerweile unterzeichnet worden, wie das Magazin vom Bundesgesundheitsministerium erfuhr. Bisher spendete Deutschland 19 Millionen Dosen, allesamt vom Hersteller Astrazeneca.

Ärztepräsident: Wenn Lockdown, dann nur für Ungeimpfte

Klaus Reinhardt: "Möglicherweise müssen wir bei weiter zunehmenden Fallzahlen eine gesellschaftliche Diskussion führen, ob Lockdownmaßnahmen nur für Ungeimpfte gelten" (Quelle: imago images/Lopata/axentis.de)Klaus Reinhardt: "Möglicherweise müssen wir bei weiter zunehmenden Fallzahlen eine gesellschaftliche Diskussion führen, ob Lockdownmaßnahmen nur für Ungeimpfte gelten" (Quelle: Lopata/axentis.de/imago images)

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen fordert Ärztepräsident Klaus Reinhardt, dass falls wieder Lockdownmaßnahmen eingeführt werden, diese nur für Ungeimpfte gelten sollen. "Ich fände das gerechtfertigt, wenn es darum gehen sollte, die stationäre Versorgung zu sichern", sagte Reinhardt in einem Interview mit dem "Spiegel" und fügte hinzu: "Schließlich sind es derzeit vor allem die Ungeimpften, die mit schweren Covid-Verläufen in den Kliniken behandelt werden müssen."

Auf die Frage, ob er härtere Maßnahmen befürwortet, antwortete der Präsident der Bundesärztekammer zurückhaltend. "Möglicherweise müssen wir bei weiter zunehmenden Fallzahlen eine gesellschaftliche Diskussion führen, ob Lockdownmaßnahmen nur für Ungeimpfte gelten", sagte Reinhardt. Entscheidend sei, wie stark die Krankenhäuser belastet sind, nicht nur auf der Intensivstation, sondern auch auf normalen Situationen.

"Nach 18 Monaten Pandemie ist das Personal ausgebrannt, viele Pflegekräfte sind aus dem Dienst geschieden, deshalb können die Kliniken nicht mehr alle Betten belegen", sagte Reinhardt. "Wir müssen genau beobachten, wie sich die Hospitalisierungsrate entwickelt und wie alt die Erkrankten sind. Niemand kann vorhersagen, wie das ausgeht."

New York: Zehntausende Ungeimpfte vor Suspendierung

Kommt in New York bald niemand mehr, wenn es brennt? Etlichen Feuerwehrkräften in der Metropole droht, in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt zu werden – wenn sie sich nicht umgehend gegen Corona impfen lassen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Corona-Booster-Impfung in Sachsen für alle ab 18 Jahre möglich

In Sachsen können ab 1. November alle Menschen im Alter ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bekommen. Das folgt aus einer Empfehlung der Sächsischen Impfkommission (SIKO), wie das Landessozialministerium am Freitag mitteilte.

Den Angaben nach ist die sogenannte Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung möglich. Neueste Daten würden eine Risikoreduktion für alle Altersgruppen eindrucksvoll belegen. Für bestimmte Personengruppen, wie zum Beispiel Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, gibt es schon seit Längerem eine Empfehlung für die Booster-Impfung. 

Panne bei Auffrischimpfungen in Osnabrück – Kochsalzlösung gespritzt

Bei Corona-Auffrischungsimpfungen in Osnabrücker Senioreneinrichtungen hat es eine Panne gegeben. Versehentlich sei sechs Personen statt dem Biontech-Impfstoff eine Kochsalzlösung gespritzt worden, teilte die Stadt am Freitag mit. Eine Gesundheitsgefahr bestehe nicht.

Insgesamt waren in zwei Einrichtungen – einem Haus für betreutes Wohnen und einer Tagespflegeeinrichtung – 42 Menschen geimpft worden. Bei der routinemäßigen Kontrolle fiel im Nachgang auf, dass mehr Impfstoff übrig war, als eigentlich da sein sollte. Nun soll bei allen Geimpften nach 14 Tagen ein Antikörpertest vorgenommen werden. Diejenigen, bei denen kein Impfschutz festgestellt wird, sollen dann sofort eine Auffrischungsimpfung bekommen.

Das Versehen erklärte die Stadt damit, dass die Fläschchen, die den Biontech-Impfstoff enthalten, vor den Impfungen mit einer Kochsalzlösung aufgefüllt werden müssen. Danach werden die Spritzen aufgezogen. Nach den Impfungen war jedoch ein noch nicht angebrochenes Fläschchen aufgefallen. Daher müsse beim Abfüllen der Kochsalzlösung versehentlich ein Fläschchen aufgefüllt worden sein, das bereits benutzt war und keinen Impfstoff mehr enthielt.

Stark betroffene Landkreise verschärfen Corona-Maßnahmen

Die derzeit vom Anstieg des Corona-Infektionsgeschehens besonders betroffenen Gegenden in Südbayern haben sich zusammengetan und ihre Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie deutlich verschärft. Das teilte die Stadt Rosenheim am Freitag mit. In den Landkreisen Mühldorf am Inn, Altötting, Traunstein, Berchtesgadener Land und Miesbach gelte ab sofort überall dort, wo bisher Maskenpflicht besteht, die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske.

Das gelte unter anderem für Supermärkte, Freizeiteinrichtungen sowie für Busse und Bahnen. Wer nicht geimpft oder genesen ist (2G), erhält keinen Zutritt mehr zu Diskotheken und Clubs. Ein negativer PCR-Test ersetzt den Nachweis der Impfung oder der überstandenen Erkrankung ausdrücklich nicht mehr.

RKI meldet mehr als hunderttausend Impfdurchbrüche

Seit Februar hat das Robert Koch-Institut zahlreiche Impfdurchbrüchen registriert. Wegen der steigenden Impfquote sei diese Zunahme aber "erwartbar", teilte das RKI mit. Lesen Sie hier mehr.

Corona-Impfung: Seit Februar wurden circa 55 Millionen Menschen vollständig geimpft, zeigt der RKI-Wochenbericht. (Quelle: imago images/Itar-Tass)Corona-Impfung: Seit Februar wurden circa 55 Millionen Menschen vollständig geimpft, zeigt der RKI-Wochenbericht. (Quelle: Itar-Tass/imago images)

Slowakei neu als Corona-Hochrisikogebiet eingestuft

Bundesregierung und Robert-Koch-Institut (RKI) haben die Slowakei neu als Corona-Hochrisikogebiet eingestuft. Das teilte das RKI am Freitag in Berlin mit. Dagegen wurden Israel und die Palästinensischen Gebiete von der Liste der Hochrisikogebiete gestrichen.

Die neuen Einstufungen werden Sonntagfrüh wirksam. Einreisende aus Hochrisikogebieten müssen für zehn Tage in Quarantäne. Geimpfte und Genesene können die Quarantäne aber abwenden, wenn sie bereits vor ihrer Einreise einen Genesenen- oder Impfnachweis an die deutschen Behörden übermitteln. Bei nachträglicher Einreichung eines Genesenen- oder Impfnachweises oder eines Negativtests kann die Quarantäne verkürzt werden.

Als Hochrisikogebiete werden Länder oder Regionen eingestuft, in denen wegen hoher Infektionsraten ein besonders hohes Infektionsrisiko angenommen wird. Auf der Risikoliste des RKI stehen derzeit rund 70 Länder ganz oder zu Teilen. Darunter sind auch mehrere EU-Staaten. Unmittelbare Nachbarstaaten Deutschlands sind mit Ausnahme französischer und niederländischer Überseegebiete derzeit nicht betroffen.

Daneben gibt es auch noch die Kategorie des Virusvariantengebiets für Gegenden, in denen bestimmte Coronavirus-Mutanten besonders weit verbreitet sind. Hier sind derzeit keine Staaten oder Regionen eingestuft.

In Sachsen droht Ungeimpften jetzt ein Quasi-Lockdown

Die sächsische Landesregierung prüft offenbar eine deutliche Verschärfung der Corona-Maßnahmen für ungeimpfte Personen. Wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, könnte die 2G-Regel bald auf den Einzelhandel ausgeweitet werden – das Weihnachtsshopping wäre dann Geimpften und Genesenen vorbehalten. Ungeimpfte dürften nur noch in den Supermarkt, zum Friseur oder körpernahe Dienstleistungen wie Kosmetik und Fußpflege in Anspruch nehmen. "Das wäre nur konsequent", zitiert die Zeitung eine ungenannte Quelle aus der Landesregierung.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): "2G ist jetzt zwingendes Muss". (Quelle: imago images/Political Moments)Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): "2G ist jetzt zwingendes Muss". (Quelle: Political Moments/imago images)

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte sich schon am Mittwoch für eine konsequente Anwendung des 2G-Modells ausgesprochen: "2G ist jetzt zwingendes Muss." Die verschärften Regeln könnten am 9. November in Kraft treten, wenn die Landesregierung die neue Corona-Verordnung verabschiedet. Städte und Landkreise im Freistaat haben sich dem Bericht zufolge gegen die umfassende 2G-Regel ausgesprochen, weil diese nicht zu kontrollieren sei.  

Die Corona-Lage in Sachsen hat sich zuletzt wieder verschärft. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei fast 240, die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen stieg in den vergangenen sieben Tagen von 117 auf 172. Die Quote vollständig Geimpfter liegt in Sachsen mit 56,5 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 66,5 Prozent (Stand: 28. Oktober).

Experte: Wegen Corona werden wieder OPs abgesagt werden müssen

Der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung, Gernot Marx, erwartet im Winter eine ähnlich starke Belastung der Intensivstationen wie im vergangenen Jahr. "Wir erwarten keinen Winter, der sich groß von den letzten zwei erlebten unterscheidet", sagte Marx dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er gehe jedoch davon aus, dass alle Patientinnen und Patienten vollumfänglich versorgt werden könnten. "Aber es werden hierzu wieder Operationen abgesagt wie auch Pflegepersonal aus anderen Bereichen abgezogen werden müssen", bekräftigte er frühere Aussagen.

Das Divi-Präsidiumsmitglied Uwe Janssens kritisierte das geplante Auslaufen des Rechtsstatus der epidemischen Notlage. Die Politik habe ein "unkluges Signal" gesetzt, sagte er dem Fernsehsender Phoenix. "Das hat das Gefühl erzeugt, es ist vorbei." Neben vielen erkrankten Ungeimpften erwartet er aber mehr Infektionen auch bei Geimpften, weil die Wirkung der Impfungen nachlasse. "Es sind so viele Punkte, die dagegen sprechen, dass wir in eine beruhigte Zone einbrechen."

Ärztegewerkschaft warnt vor erneuten Engpässen in Kliniken

Angesichts der steigenden Infektionszahlen warnt die Ärztegewerkschaft Marburger Bund vor erneuten Engpässen in den Krankenhäusern. "Ich möchte nicht wieder erleben, dass wegen Covid-19 Operationen abgesagt werden müssen, weil sonst die Versorgung personell nicht bewältigt werden kann", sagt die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Intensivstation in Duisburg: Mediziner warnen vor einer bevorstehenden Überlastung der Kliniken. (Quelle: imago images)Intensivstation in Duisburg: Mediziner warnen vor einer bevorstehenden Überlastung der Kliniken. (Quelle: imago images)

Auch Patienten mit anderen schweren Erkrankungen hätten Anspruch darauf, ohne Zeitverzug im Krankenhaus behandelt zu werden. Man müsse jetzt handeln, um erneute Versorgungseinschränkung in den Krankenhäusern zu verhindern, so Johna. Dem Klinikpersonal stecke noch der letzte Winter in den Knochen. Alles, was zum ohnehin belastenden Regelbetrieb hinzukomme, erschwere die Arbeit auf den Stationen zusätzlich.

DB-Regio-Chef: Maskenpflicht im Nahverkehr noch bis Ostern 

DB-Regio-Chef Jörg Sandvoß hofft in der Wintersaison auf weiter bestehende Maskenregelungen im öffentlichen Nahverkehr. "Die Masken werden konsequent getragen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur auf einem ÖPNV-Branchentreffen in Frankfurt am Main. Im Sommer 2020 habe es in Großstädten noch ein größeres Problem mit Maskenverweigerern gegeben. "Das ist weg. Die Akzeptanz der Masken ist extrem hoch. Deswegen ist für uns wichtig, wenn die pandemische Lage jetzt ausläuft, dass es zumindest Regelungen gibt, dass wir im ÖPNV in der Wintersaison, bis Ostern, die Maskenpflicht aufrechterhalten." Momentan trage die Maske "definitiv zum Sicherheitsgefühl bei".

Das Vertrauen, den öffentlichen Nahverkehr trotz andauernder Pandemie nutzen zu können, sieht Sandvoß zurückgekehrt. "Wir sind jetzt auf einem Niveau von 70, teilweise 80 Prozent der Vor-Corona-Zeit." Im ländlichen Bereich sei es noch etwas weniger, in den Städten hingegen gebe es teilweise wieder über 80 Prozent des Fahrgastaufkommens. "Wir haben viel in zusätzliche Hygiene und Sicherheit investiert", betonte er.

RKI: Auswertungen belegen "ausgeprägten Effekt" der Corona-Impfungen

Impfbus in Berlin: Die Corona-Impfungen haben einen großen Einfluss auf eine Covid-Erkrankung. (Quelle: imago images/Jochen Eckel)Impfbus in Berlin: Die Corona-Impfungen haben einen großen Einfluss auf eine Covid-Erkrankung. (Quelle: Jochen Eckel/imago images)

Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht einen "ausgeprägten Effekt" der Corona-Impfung zum Verhindern von Covid-19-Erkrankungen und -Krankenhausaufnahmen in Deutschland. Dies sei durch eigene Berechnungen zu den jeweiligen Inzidenzen in der ungeimpften und der vollständig geimpften Bevölkerung belegt, geht aus dem RKI-Wochenbericht vom Donnerstagabend hervor. Hier lesen Sie mehr. 

Klitschko schränkt öffentliches Leben in Kiew wegen Corona ein

Wegen der sich drastisch verschlechternden Corona-Situation führt nun auch die ukrainische Hauptstadt Kiew massive Einschränkungen ein. Ohne negativen PCR-Test oder einen Impfnachweis dürfen vom kommenden Montag an Restaurants, Bars, Fitnessstudios und Hotels nicht mehr aufgesucht werden, wie Bürgermeister Vitali Klitschko am Donnerstag sagte. Das gelte auch für Angestellte. Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs werde ebenso nur mit Impfzertifikat oder negativem Test erlaubt. Kontrollen solle es stichprobenartig geben.

Derzeit sind nach dem in der Ukraine geltenden Ampelsystem bereits acht der 25 Regionen als rot eingestuft, das heißt, dass auch hier die massiven Einschränkungen gelten. Am Freitag sollen sieben weitere Regionen folgen.

In der Dreimillionenstadt Kiew sind etwa ein Drittel der Einwohner komplett geimpft. Anlass für die verschärften Maßnahmen ist, dass mittlerweile 65 Prozent der Klinikbetten, die mit Sauerstoffmasken ausgestattet sind, ausgelastet seien. Am Donnerstag wurde dem Gesundheitsministerium zufolge mit 26.071 Neuinfektionen ein neuer Höchstwert verzeichnet. 576 Tote wurden registriert. Landesweit sind nur etwas über 17 Prozent der Bewohner geimpft.

Vitali Klitschko: Der Bürgermeister von Kiew will die Corona-Zahlen eindämmen. (Quelle: imago images/Future Image)Vitali Klitschko: Der Bürgermeister von Kiew will die Corona-Zahlen eindämmen. (Quelle: Future Image/imago images)

Virologe Kekulé fordert neue Impfstoffe

Bisher gibt es kein Impfstoff-Update, kritisiert der Virologe Alexander Kekulé. Er fordert mehr politischen Druck auf die Hersteller, denn dort stünden die neuen Mittel bereits in den Regalen. Lesen Sie hier mehr.

Voller Bus in Budapest: Auch eine Maskenpflicht wird im öffentlichen Nahverkehr in Ungarn wieder eingeführt. (Quelle: imago images/Schöning)Voller Bus in Budapest: Auch eine Maskenpflicht wird im öffentlichen Nahverkehr in Ungarn wieder eingeführt. (Quelle: Schöning/imago images)


England streicht Länder von Roter Liste

England hat die Pflicht zur Hotel-Quarantäne nach der Einreise für alle Länder aufgehoben. Ab Montag, dem 1. November, sollen für Einreisende aus allen sieben derzeit noch auf der sogenannten Roten Liste stehenden Ländern wie Peru oder Venezuela die gleichen Regeln gelten wie für Reisende aus andere Staaten. Das teilte Verkehrsminister Grant Shapps am Donnerstag auf Twitter mit.

De facto bedeutet das, dass vorerst niemand mehr eine verpflichtende, teure Quarantäne im Hotel verbringen muss, wie es bisher der Fall war. Die Kategorie bleibe aber vorsorglich bestehen, hieß es.

Chefs in Ungarn können Mitarbeiter zur Impfung zwingen

Angesichts steigender Infektionszahlen ermöglicht es die Regierung in Ungarn den Arbeitgebern, von ihren Mitarbeitern eine Corona-Schutzimpfung zu verlangen. Dies gab Kanzleramtsminister Gergely Gulyas am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Budapest bekannt. Für die Beschäftigten in staatlichen Institutionen werde der Staat eine derartige Impfpflicht vorschreiben können, fügte er hinzu.

Darüber hinaus werde ab kommendem Montag in allen öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht gelten, sagte Gulyas. Ungarn hatte vor dem Sommer die Corona-Maßnahmen weitgehend aufgehoben. Für die Teilnahme am öffentlichen Leben bedarf es derzeit keiner Nachweise über Impfschutz oder aktuelle Tests. Ausgenommen sind lediglich Großveranstaltungen. Eine Maskenpflicht gilt bislang nur in Krankenhäusern und Altenheimen.

Die Sommermonate hindurch hatte Ungarn nur wenige Corona-Fälle. Doch in den vergangenen Monaten stieg die Zahl wieder steil an. Die Sieben-Tage-Inzidenz an Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner lag zuletzt bei 170. Nur knapp 60 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft.

Söder stellt Maskenpflicht im Unterricht nach den Ferien in Aussicht

Angesichts explodierender Corona-Zahlen müssen Schülerinnen und Schüler in Bayern nach den Herbstferien – also ab 8. November – voraussichtlich auch im Unterricht wieder Masken tragen. Endgültig soll dies in einer Sondersitzung des Kabinetts in der kommenden Woche beschlossen werden. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag in München an. Auch wie lange die Maskenpflicht gelten solle, solle nächste Woche beraten werden.

Die Maske sei die schnellste und einfachste Form des Schutzes, sagte Söder. Schon nach den Sommerferien hatten Schülerinnen und Schüler auch am Platz Masken tragen müssen – diese umfassende Maskenpflicht war dann aber nach einigen Wochen wieder wie geplant ausgelaufen.

Spahn wirbt für Booster-Impfung

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zu Corona-Auffrischungsimpfungen aufgerufen – und sich am Donnerstag selbst eine zusätzliche Spritze geben lassen. "Ich werbe dafür, dass viele andere das auch tun", erklärte der CDU-Politiker in einer Twitter-Mitteilung des Ministeriums. "Boostern (verstärken) Sie Ihren Impfschutz für den Winter." Am Mittwoch wurde mit erstmals mehr als 100.000 Auffrischungsimpfungen ein Tagesrekord erzielt, wie Spahn erläuterte. Laut Robert Koch-Institut (RKI) waren es 102.400, so dass nun 1,8 Millionen Menschen eine Impf-Verstärkung erhalten haben.

Eine Auffrischung mindestens sechs Monate nach einer vollständigen Impfung wird seit September unter anderem Älteren, Risikogruppen, aber auch Geimpften mit Astrazeneca und Johnson & Johnson angeboten. Spahn bekam seine Auffrischungsimpfung nach Ministeriumsangaben mit dem Präparat von Biontech im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Im Mai hatte er sich nach einer vorherigen durchgemachten Corona-Infektion zunächst mit dem Mittel von Astrazeneca impfen lassen.

Die Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern (GMK) hatte im August beschlossen, dass auch Menschen, die nach einer Genesung einen Impfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson erhalten haben, eine Auffrischung mit Biontech oder Moderna angeboten werden kann. Dies gilt nach weiteren GMK-Beschlüssen unter anderem ebenfalls für Menschen ab 60 Jahre nach ärztlicher Beratung.

Nach Corona-Ausbruch bricht Kreuzfahrtschiff seine Donau-Reise ab

Für rund 170 Passagiere eines Fluss-Kreuzfahrtschiffs aus Deutschland ist die Reise auf der Donau wegen eines Corona-Ausbruchs an Bord abrupt zu Ende gegangen. Bei einem Stopp in Wien waren 80 Gäste nach Angaben des medizinischen Krisenstabs der Stadt positiv auf das Virus getestet worden.

Das an einer Schleuse liegende Schiff wurde unter Quarantäne gestellt. Am Donnerstag waren alle Passagiere – getrennt in Erkrankte und Gesunde – laut Krisenstab in vier Bussen wieder auf dem Weg nach Deutschland. Auf dem Weg von Passau nach Wien hatte niemand das Schiff verlassen. Auch in der österreichischen Hauptstadt war niemand von Bord gegangen. Keiner der Betroffenen musste laut ORF ins Krankenhaus.

Zahl der Corona-Fälle in Afrika sinkt – nur 5,5 Prozent geimpft

In Afrika beginnt die Zahl der Corona-Fälle spürbar zu sinken, obwohl erst 5,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind. Im Wochenvergleich sanken die Neuinfektionen laut John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC) um 26 Prozent auf 31.000 Fälle. Er sprach von einem guten Signal und meinte: "Als Kontinent haben wir eine Menge Fortschritte gemacht." Als Spitzenreiter beim Impfen gilt auf Europas Nachbarkontinent Marokko, das 57 Prozent seiner Bevölkerung bisher entsprechende Injektionen verabreicht hat.

England: Patienten wegen langer Wartezeiten vor Notaufnahme gestorben

Corona-Patienten füllen in England wieder die Notaufnahmen, die Situation ist alarmierend. Für zwei Patienten hatten die langen Wartezeiten im Krankenwagen bereits tödliche Folgen. Mehr dazu lesen Sie hier. 

Notaufnahme (Symbolbild): Eigentlich soll die Übergabe vom Rettungswagen an die Notaufnahme nicht mehr als 15 Minuten dauern. (Quelle: Getty Images/simonkr)Notaufnahme (Symbolbild): Eigentlich soll die Übergabe vom Rettungswagen an die Notaufnahme nicht mehr als 15 Minuten dauern. (Quelle: simonkr/Getty Images)

Nordrhein-Westfalen hebt Maskenpflicht in Schulen teils auf

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat die Maskenpflicht am Sitzplatz in den Schulen aufgehoben. Ab Dienstag können Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge sich wieder ohne Mund-Nasen-Schutz im Klassenzimmer aufhalten, wenn sie auf festen Plätzen sitzen, wie das Bildungsministerium am Donnerstag bekanntgab. Wer keinen festen Sitzplatz hat, ihn gerade verlässt oder auf dem Weg dahin ist, muss die Maske wieder aufsetzen.

Für Lehrkräfte und Betreuungspersonal entfällt die Maskenpflicht im Unterrichtsraum, solange ein Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten wird. Regelmäßige Tests auf das Coronavirus bleiben weiterhin Bestandteil der Schutzmaßnahmen. Auch am Lüften und dem Einhalten der Hygieneregeln wird laut Bildungsministerium weiter festgehalten.

RKI registriert 28.037 Corona-Neuinfektionen

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt weiter an. 126 Menschen starben binnen eines Tages an oder mit dem Coronavirus. Mehr als 28.000 Neuinfektionen wurden gemeldet. Mehr dazu lesen Sie hier.

Bezirksbürgermeister will Impfpflicht für Klinikpersonal

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Martin Hikel, befürwortet eine Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in Krankenhäusern, Schulen und Kitas. Eine generelle Impfpflicht werde nur sehr schwer umzusetzen sein, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im RBB-Inforadio. Deshalb sei noch mehr Aufklärung nötig. "Auf der anderen Seite müssen wir in einzelnen Berufsgruppen darüber sprechen, ob man nicht den Druck ein Stück weit erhöht", sagte Hikel. "Natürlich ist es fahrlässig, wenn Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten, nicht eine Verpflichtung haben, sich impfen zu lassen."

Das gelte von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt. "Quasi sämtliche Menschen, die in den Krankenhäusern arbeiten, sollten aus meiner Sicht geimpft sein, um den Virus nicht weiterzutragen", so der Bezirksbürgermeister. "Ähnliches gilt natürlich auch für Menschen, die im pädagogischen Bereich arbeiten, in Schulen, in Kitas, Erzieherinnen, Lehrkräfte", betonte Hikel.

In Berlin ist die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt deutlich gestiegen. Am Donnerstag lag sie nach den aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts bei 129,4. In Neukölln ist der Wert, der angibt, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner sich in sieben Tagen mit dem Virus angesteckt haben, mit 154,2 sogar noch deutlich höher.

Lauterbach ist für Ende der epidemischen Lage

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat das Vorhaben der Ampel-Parteien zur Beendigung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite und der Schaffung von Nachfolgeregelungen begrüßt. "Das Eckpunktepapier wird der Bekämpfung der Corona-Pandemie gerecht", sagte er der "Rheinischen Post (Donnerstagsausgabe). "Es ist ein guter Kompromiss aus weiterhin möglichen Maßnahmen für die Länder und einer Absage an harte Einschnitte wie Lockdowns oder Ausgangssperren."

Niemand brauche mehr einen Lockdown oder Schulschließungen, sagte Lauterbach. Zurückhaltend äußerte er sich aber zu dem von den Ampel-Parteien geplanten Enddatum der Maßnahmen. Im Frühjahr werde sich aber erst noch zeigen müssen, ob ab 21. März wirklich alle Corona-Maßnahmen fallen könnten. "Das ist auch davon abhängig, ob noch Virus-Varianten auftreten werden."

Karl Lauterbach : Der SPD-Gesundheitsexperte ist für ein Ende der geltenden epidemischen Lage in Deutschland. (Quelle: imago images/ Future Image)Karl Lauterbach : Der SPD-Gesundheitsexperte ist für ein Ende der geltenden epidemischen Lage in Deutschland. (Quelle: Future Image/imago images)

Er betonte erneut die Bedeutung von Impfungen. "Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer", sagte der SPD-Politiker.

Corona-Inzidenz in Brandenburg wieder über 100

Mit dem Coronavirus infizieren sich in Brandenburg wieder mehr Menschen. Erstmals seit Monaten ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz wieder dreistellig. In den vergangenen sieben Tagen steckten sich rechnerisch 104,1 von 100.000 Menschen mit dem Virus an, wie das Robert Koch-Institut am Donnerstag mitteilte. Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 70,9 gelegen, eine weitere Woche zuvor bei 51. Brandenburg liegt aber noch unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 130.

Weltärztepräsident warnt vor Kliniküberlastung

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat vor einer Überlastung deutscher Krankenhäuser durch ungeimpfte Corona-Kranke gewarnt. "Das Pflegepersonal der Intensivstationen und die Ärzte arbeiten längst am Anschlag", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" vom Donnerstag. "Viele haben die Arbeit im Intensivbereich aufgegeben – auch, weil sie es Leid sind, sich für die Unvernunft von Impfgegnern abzurackern", sagte er der Zeitung.

Die gegenwärtige Entwicklung bereite ihm große Sorge. Vor diesem Hintergrund forderte Montgomery größere Impfanstrengungen. Es müsse "alles in unserer Macht Stehende" versucht werden, um die Impfraten zu erhöhen. "Wer sich jetzt nicht impfen lässt, obwohl er es machen könnte, riskiert sein Leben und das seiner Mitmenschen", warnte der Weltärztepräsident.

Die Corona-Erkrankung tobe sich nun bei den Ungeimpften aus, während die Geimpften recht zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen geschützt seien, sagte er der Zeitung. Inzidenzwerte und die Zahl der Krankenhausaufnahmen seien weiterhin eng miteinander verknüpft – nur der Faktor habe sich geändert. "Bei hoher Durchimpfung der Bevölkerung gibt es sehr viel mehr milde Verläufe –  die müssen nicht ins Krankenhaus, aber viele Ungeimpfte erkranken nach wie vor schwer", sagte er.

Hohe Infektionszahlen in den USA

In den USA steigt die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages um mehr als 117.000 auf rund 45,84 Millionen. Das ergibt eine Reuters-Zählung auf Basis offizieller Daten der Gesundheitsbehörden. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus steigt um mindestens 2018 auf 743.903. Die deutlich ansteckendere Delta-Variante des Virus hat Ökonomen zufolge das Wirtschaftswachstum in den USA im dritten Quartal wahrscheinlich deutlich gebremst. Vermutlich wird der auf Donnerstag vorgezogene Bericht des Handelsministeriums auch eine hohe Inflation zeigen.

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