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Knappes Öl: Warum ausgerechnet die USA die Benzinpreise hochtreiben könnten


Warum nun die USA die Benzinpreise hochtreiben könnten

  • Nele Behrens
Von Nele Behrens

10.06.2022Lesedauer: 5 Min.
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Präsident Biden (Archivbild): Der Demokrat steckt durch die steigenden Ölpreise in einem Dilemma zwischen der Wählerzustimmung und seinen außenpolitischen Idealen.
Präsident Biden (Archivbild): Der Demokrat steckt durch die steigenden Ölpreise in einem Dilemma zwischen der Wählerzustimmung und seinen außenpolitischen Idealen. (Quelle: Ulrike Frey/t-online/imago-images-bilder)
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Mit dem geplanten Ölembargo steigen die Preise für Rohöl und Benzin weiter. Jetzt warnen Experten: Das könnte erst der Anfang sein. Ausgerechnet die USA könnten die Knappheit noch verschärfen.

Seit Russlands Überfall auf die Ukraine fordert kaum ein westliches Land so häufig scharfe Sanktionen gegen Moskau wie die USA. Mit dem Ölembargo hat die EU nach langem Zögern und internem Ringen in der vergangenen Woche eine der größten Forderung des Bündnispartners eingelöst: Ab Ende des Jahres fließt kein russisches Öl mehr in den Großteil der EU.

Betroffen davon ist auch Deutschland. Schon vor Jahresablauf will die Bundesregierung deutlich weniger auf russisches Öl setzen. Doch wer füllt die Lücke, die Russland hinterlässt?

Bislang bezog Deutschland knapp 30 Millionen Tonnen russisches Öl pro Jahr. Ein weiterer Knackpunkt: Das russische Öl durch die Pipeline war günstiger als die Konkurrenz, die über den Schiffsverkehr nach Deutschland kam.

Bei der Suche nach einem Ersatz für das russische Öl liegt die Hoffnung nun also auf dem Partner, der die EU über Wochen zu einem Verzicht auf russisches Öl gedrängt hat: die USA. "Noch ist das Leichtöl aus den USA etwa 3 Dollar pro Barrel günstiger als die Sorte Brent", erklärt Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, im Gespräch mit t-online.

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USA sind selbst Bittsteller am Ölmarkt

Zudem haben die USA zuletzt einen Großteil ihrer nationalen Ölreserven aufgelöst, um die Preisrally am Ölmarkt zu drosseln und die sinkende Fördermenge aus Russland auszugleichen. "Durch die Freigabe der nationalen Reserven haben die USA beim Export mehr Spielraum, davon könnte auch Europa und damit Deutschland profitieren", erklärt Fritsch.

Das könnte sich ändern. Denn: Auch in den USA spitzt sich die Lage zu. Präsident Biden versucht bereits, bei Ländern wie Saudi-Arabien für mehr Ölförderung zu werben und Sicherheiten für die USA zu erlangen – obwohl er den saudische Kronprinzen Mohammed bin Salman zu Beginn seiner Amtszeit noch von der Weltpolitik ausgrenzen wollte.

Die Hoffnung auf Amerika als Lösung für das Ölproblem könnte also schnell schwinden, schlimmer: Die USA könnten sogar der Grund sein, warum an deutschen Tankstellen die Preise für Benzin und Diesel weiter in die Höhe schießen.

US-Exportbeschränkungen würde deutsches Angebot verknappen

Der Grund: US-Präsident Biden steckt in einem Dilemma zwischen innen- und außenpolitischen Interessen, das Auswirkungen auf Deutschland haben könnte. Denn nicht nur in Deutschland heizen die Spritpreise die Gemüter an – auch in den USA sind viele Autofahrer über die steigenden Kosten erzürnt. Im Schnitt kostet in den Staaten eine Gallone Benzin (3,7 Liter) derzeit 4,87 Dollar, vor einem Jahr waren es etwa 3 Dollar.

Belastung für viele Amerikaner (Symbolbild): In den USA eilen die Preise an den Tankstellen dem Ölpreis voraus – wie in Deutschland.
Belastung für viele Amerikaner (Symbolbild): In den USA eilen die Preise an den Tankstellen dem Ölpreis voraus – wie in Deutschland. (Quelle: Brandon Bell/getty-images-bilder)

Das setzt Präsident Biden unter Druck, der angesichts der anstehenden Kongresswahlen geneigte Wähler braucht, um genügend Stimmen für seine Demokraten zu erhalten. Denn ohne eine Mehrheit im Kongress ist es für den Präsidenten deutlich schwieriger, seine politischen Ziele durchzusetzen.

Nicht verwunderlich also, dass Biden versucht, mit schnellen Maßnahmen die Wähler zu beruhigen. Dazu gehört unter anderem die Überlegung, Exporteinschränkungen auf bestimmte Ölprodukte zu verhängen, etwa Diesel und Benzin. Für den heimischen Markt könnte das tatsächlich eine Entlastung bringen, für Europa hätte es aber den gegenteiligen Effekt, so Rohstoffexperte Fritsch: "Das würde das Angebot bei uns an den Tankstellen spürbar verknappen."

Russland wird durch das Embargo weniger Öl fördern

Das Problem bei den Ölpreisen: Die Kurse rechnen meist auch erwartete Veränderungen in den Exportländern und dem weltpolitischen Geschehen ein. Das bedeutet: Selbst wenn die Amerikaner ein Exportverbot am Ende nicht in dieser Form verabschieden, könnten allein die weiteren Vorbereitungen und Diskussionen um solche Maßnahmen die Preise in den kommenden Wochen in die Höhe treiben.

Abseits der Spekulationen sprechen weitere Aspekte für einen Anstieg des Ölpreises. Durch das Embargo der EU dürften laut Fritsch bis zum Jahresende voraussichtlich bis zu drei Millionen Barrel russischen Öls auf der Nachfrager-Seite wegfallen. Die EU muss also nicht nur neue Lieferanten finden, Russland braucht auch neue Abnehmer – oder muss weniger Öl fördern.

In den vergangenen Wochen haben China und Indien häufig die Lücken gefüllt, die Europa mit seinen Wirtschaftssanktionen in den Handelsbeziehungen mit Russland hinterlassen hat. Allerdings lockt Russland beim Öl mit Abschlägen von rund 30 Dollar pro Barrel. Doch auch China und Indien werden nicht die gesamte Umsatzmenge, die durch das Ölembargo der EU nun für Russland bis zum Ende des Jahres wegbrechen wird, ersetzen können.

"Nicht einmal ansatzweise am Höhepunkt der Preisrally"

Das bedeutet: Russland wird seine Produktion in den kommenden Wochen drosseln müssen. Genau das war das Ziel der Sanktionen. Das heißt aber auch: Am Weltmarkt wird es weniger Öl geben, das zur Verfügung steht – das treibt die Preise an.

Wie deutlich dieser Anstieg ausfallen könnte, zeigt eine Warnung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem drittgrößten Anbieter in der Opec. "Wenn wir weiterhin in diesem Umfang konsumieren, dann sind wir nicht einmal ansatzweise am Höhepunkt der Preisrally angekommen", sagte Suhail Al-Mazrouei, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, am Mittwoch.

Warnt vor stark steigenden Preisen (Symbolbild): Suhail Al-Mazrouei, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate.
Warnt vor stark steigenden Preisen (Symbolbild): Suhail Al-Mazrouei, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate. (Quelle: Yelena Afonina/TASS/imago-images-bilder)

Denn China sei durch den strikten Lockdown in der Wirtschaftsmetropole Shanghai noch nicht auf seinem ursprünglichen Niveau angekommen. "Chinas Bedarf wird sich aber erhöhen", prognostiziert Al-Mazrouei. Experte Fritsch glaubt dagegen nicht, dass China seinen Bedarf so stark steigern dürfte wie Anfang des Jahres angenommen. "Bei der Zero-Covid-Strategie der Chinesen muss man immer wieder mit Lockdowns in großen chinesischen Metropolen rechnen. In Shanghai haben wir gesehen, wie ein solcher Lockdown die Nachfrage nach Öl dämpft", sagte er t-online.

Kaum ein Staat hat noch kurzfristige Ölkapazitäten

Fest steht dagegen: Sollte sich der Bedarf weiter erhöhen, ist unklar, welche Länder die Nachfrage noch decken sollen. Nur wenige Staaten haben überhaupt die Kapazität, signifikant mehr Öl zu fördern. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate könnten innerhalb der Opec deutlich mehr Öl fördern, aber nicht einmal das wäre genug, um den prognostizierten Rückgang im russischen Fördervolumen zu ersetzen – vor allem, wenn China dann zukünftig mehr Öl nachfragen sollte.

Boris Johnson mit Kronprinz Mohammed bin Salman: Der britische Premier besuchte bereits im März 2022 Saudi-Arabien, obwohl der Westen von dem Land für den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi Abstand nehmen wollte.
Boris Johnson mit Kronprinz Mohammed bin Salman: Der britische Premier besuchte bereits im März 2022 Saudi-Arabien, obwohl der Westen von dem Land für den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi Abstand nehmen wollte. (Quelle: Andrew Parsons/imago-images-bilder)
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Seine Sonderrolle nutzt Saudi-Arabien dementsprechend: Im Juli steigen die Preise für Abnehmer aus Europa und Asien. "Andere Länder im Nahen Osten werden da erfahrungsgemäß nachziehen", sagt Rohstoffexperte Fritsch. Die USA können dagegen nicht mehr Öl auf dem Markt bringen. Neue Ölfelder zu erschließen, ist zu zeitaufwendig, um den kurzfristig erwarteten Anstieg zu vermeiden, und die Reserven haben die Amerikaner bereits freigegeben. Der Puffer ist bereits verbraucht.

Kraftstoffpreise eilen dem Ölpreis davon

Jeff Curie, Leiter des globalen Rohstoffteams bei Goldman Sachs, hält daher einen Anstieg des Ölpreises auf 140 Dollar pro Barrel für realistisch, aktuell liegt der Kurs bei etwas über 120 Dollar. Engpässe in den Raffinerien könnten die Preise an den Tankstellen allerdings auf ein Niveau bringen, als wäre der Ölpreis bereits bei 160 Dollar angelangt. "Die Spanne zwischen den Öl- und den Kraftstoffpreisen ist so hoch wie schon lange nicht mehr – sowohl in Deutschland als auch in den USA", warnt auch Rohstoffexperte Fritsch.

Für die Verbraucher und die Industrie stellt sich in den kommenden Monaten daher nicht die Frage, ob das Öl sowie Benzin und Diesel teurer werden, sondern vielmehr, wann das Ende der Rally erreicht sein wird.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Carsten Fritsch
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Von Mario Thieme
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