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Anschlag auf Nord Stream? Krisenstäbe einberufen

Von dpa, afp, fho

Aktualisiert am 27.09.2022Lesedauer: 6 Min.
Turbulenzen in der Ostsee: Erste Aufnahmen zeigen die Austrittsstellen der Nord Stream Lecks. (Quelle: t-online)
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Beide deutsch-russischen Gasleitungen durch die Ostsee kämpfen mit Druckproblemen. Drei Lecks sorgen für Probleme – nach den Ursachen wird gesucht.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist genau passiert?
  • Woher kommen die Gaslecks in den Pipelines?
  • Wie gefährlich sind die Lecks?
  • Haben die Schäden Auswirkung auf die Gasversorgung in Deutschland?
  • Erschweren die Sanktionen die Aufklärung?

Innerhalb von 24 Stunden haben beide derzeit ohnehin ungenutzten deutsch-russischen Ostsee-Gaspipelines – Nord Stream 1 und 2 – Druckprobleme gemeldet. Das Kontrollzentrum habe einen Druckabfall in beiden Röhren von Nord Stream 1 festgestellt, teilte der Betreiber am Montagabend mit. Demnach sank die Kapazität der Pipeline ungeplant auf null. Die Ursache werde untersucht.

Drei von vier Strängen der Nordseepipeline seien beschädigt, zitiert der "Spiegel" einen Insider aus der Bundesregierung. Man glaube daher nicht an Zufälle, es könnte sich um einen Anschlag handeln, um den europäischen Gasmarkt zu provozieren.

Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) und Bundesnetzagentur teilten übereinstimmend mit, man stehe miteinander und mit den betroffenen Behörden im Austausch, um den Sachverhalt aufzuklären. "Aktuell kennen wir die Ursachen für den Druckabfall nicht", hieß es zu den Problemen an Nord Stream 1.

Dänemark und Schweden haben mittlerweile Krisenstäbe einberufen. Als man von den Lecks erfahren habe, sei das Krisenmanagement zusammengerufen worden, an dem mehrere Ministerien und Behörden beteiligt seien, sagte die schwedische Außenministerin Ann Linde am Dienstag der Zeitung "Aftonbladet". Der dänische Außenminister Jeppe Kofod habe sie kontaktiert, virtuelle Treffen seien am Abend geplant. Auf die Frage, was genau passiert sei, sagte sie: "Ich möchte nicht darüber spekulieren. Man muss ganz sicher sein, was passiert ist und wie das unsere Sicherheit beeinflusst."

Auch die Nato hat eine Untersuchung nach den Vorfällen angekündigt: "Die Nato beobachtet die Situation in der Ostsee genau", sagte ein Vertreter des Bündnisses am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Bündnispartner seien dabei auch im engen Austausch mit den Ostseeanrainern Finnland und Schweden, die zwar einen Mitgliedsantrag gestellt haben, aber noch keine Nato-Mitglieder sind.

Wie ist es zu den Löchern in der Leitung gekommen und welche Auswirkungen haben die Schäden? t-online liefert einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist genau passiert?

In der Nacht zum Montag war zunächst in einer der beiden Röhren der Pipeline Nord Stream 2 ein starker Druckabfall festgestellt worden. Am Montagabend meldete dann auch der Betreiber von Nord Stream 1 einen Druckabfall – in diesem Fall für beide Röhren. Am Dienstag teilte die dänische Energiebehörde mit, es gebe insgesamt drei Gaslecks nahe der Insel Bornholm – zwei Lecks an Nord Stream 1 nordöstlich der Ostsee-Insel sowie eines an Nord Stream 2 südöstlich der Insel.

Woher kommen die Gaslecks in den Pipelines?

Die dänische Marine und deutsche Spezialisten bemühten sich um Aufklärung, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagmorgen aus Sicherheitskreisen. Bislang sei die Ursache für die Vorfälle nicht geklärt. Jedoch spreche einiges für Sabotage. Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des technischen Aufwands eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen.

Einen ersten konkreten Verdacht äußerte der polnische Vize-Außenminister Marcin Prydacz. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass es sich um eine russische Provokation handelt. "Leider verfolgt unser östlicher Nachbar ständig eine aggressive Politik. Wenn er zu einer aggressiven militärischen Politik in der Ukraine fähig ist, ist es offensichtlich, dass keine Provokationen ausgeschlossen werden können, auch nicht in den Abschnitten, die in Westeuropa liegen", so Prydacz.

Auch Russland schließt Sabotage oder andere Gründe nicht aus. "Jetzt kann keine Variante ausgeschlossen werden", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag auf die Frage, ob Sabotage der Grund sein könne für den Druckabfall.

Auch Dänemark schließt angesichts der Lecks einen gezielten Angriff nicht aus. Die drei Lecks befänden sich in einigem Abstand zueinander, sagte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Dienstag bei einem Besuch im polnischen Goleniow bei Stettin, wo sie der Einweihung der Gaspipeline Baltic Pipe beiwohnte.

Es sei daher schwer vorstellbar, dass es sich um Zufall handle. Auf die Frage von Journalisten, inwieweit es sich um Sabotage handeln könnte, antwortete sie nach Angaben der dänischen Sender DR und TV2: "Wir können das jedenfalls nicht ausschließen." Es sei aber noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen. Mehr über die möglichen Ursachen lesen Sie hier.

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Wenig scheint aktuell dagegen für einen Schiffsunfall zu sprechen: Laut Nord-Stream-2-Sprecher Ulrich Lissek sind die Leitungen so verlegt, dass eine gleichzeitige Beschädigung mehrerer Rohre etwa durch einen einzelnen Schiffsunfall höchst unwahrscheinlich ist. Zur Frage, ob ihm ähnliche Vorfälle im Zusammenhang mit Offshore-Pipelines bekannt seien, sagte er: "Hab' ich nie gehört." Auch ein Experte für Unterwasserroboter verwies im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur auf die extrem hohen Sicherheitsstandards und die sehr robuste Bauweise der Leitungen. Aus seiner Sicht kommt nur eine bewusste Manipulation in Frage.

Wie gefährlich sind die Lecks?

Die Nord Stream 2 AG hatte in der Nacht zuvor nach ähnlichen Problemen an einer Röhre bereits alle Marinebehörden der Ostsee-Anrainer informiert. Im Verlauf des Montags wurde nun die wahrscheinliche Ursache ausfindig gemacht: Südöstlich der Insel Bornholm sei ein Gasleck beobachtet worden, hieß es in einem Hinweis der zuständigen dänischen Behörde. Das Leck sei gefährlich für die Schifffahrt, und das Fahren innerhalb eines Bereichs von fünf Seemeilen von der besagten Position verboten.

Später folgte ein weiterer Warnhinweis der dänischen Schifffahrtsbehörde, dieses Mal zu einem Gasleck nordöstlich von Bornholm. Auch hier wurde auf die Gefahr für den Schiffsverkehr hingewiesen und ein Fahrverbot für einen Radius von fünf Seemeilen ausgesprochen. Ob der zweite Hinweis im Zusammenhang mit Nord Stream 1 stand, war zunächst unklar.

Umweltgefahren wegen des Lecks bei Bornholm drohen aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zumindest kurzfristig nicht. Der Organisation zufolge entspreche Erdgas dem Treibhausgas Methan, welches sich teilweise im Wasser löse und nicht giftig sei. Selbst im Falle einer Explosion unter Wasser gäbe es nur lokale Effekte, so ein Sprecher. Schädlich ist Methan vor allem für das Klima.

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Die dänischen Behörden sind bei der Bewertung der Situation vorsichtiger. Die staatliche Energieagentur Energinet hat die orange, die zweithöchste, Alarmstufe ausgerufen. Diese sieht vor, dass Energieunternehmen verstärkt auf die Sicherheit ihrer Anlagen achten, wie der öffentlich-rechtliche Sender "DR" berichtet.

Haben die Schäden Auswirkung auf die Gasversorgung in Deutschland?

Trotz des zweiten Vorfalls innerhalb von 24 Stunden sehen BMWK und Netzagentur keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland. "Es fließt seit dem russischen Stopp der Lieferungen Anfang September kein Gas mehr durch Nord Stream 1. Die Speicherstände steigen dennoch weiter kontinuierlich an. Sie liegen aktuell bei rund 91 Prozent."

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Im schlimmsten Fall könnte eine große Menge an Gas austreten, vor allem falls auch der Druckabfall in der Nord-Stream-1-Leitung auf einen Schaden an der Leitung selbst zurückzuführen ist.

Nord-Stream-2-Sprecher Ulrich Lissek befürchtet bereits, dass die mit 177 Millionen Kubikmeter Gas gefüllte Pipeline in den kommenden Tagen leerlaufen könnte. Zum Vergleich: Das Volumen der gesamten jährlichen Trinkwasserentnahme aus dem Bodensee entspricht laut der Bodensee-Wasserversorgung 130 Millionen Kubikmeter. Wäre der mit 48 Milliarden Kubikmeter Wasser gefüllte See ein Gassee, entspräche dies zudem ungefähr den 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas, das jährlich durch beide Röhren von Nord Stream 2 hätte fließen sollen.

Während die Nord-Stream-2-Pipeline nach ihrer Fertigstellung aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nie in Betrieb genommen, sondern nur einmalig mit Gas befüllt wurde, floss durch die Nord-Stream-1-Pipeline bis Anfang September Gas nach Deutschland. Nachdem der russische Staatskonzern Gazprom seine Lieferungen durch die Röhre bereits zuvor reduziert hatte, stoppte er diese mit dem Verweis auf einen Ölaustritt in der Kompressorstation Portowaja komplett.

Erschweren die Sanktionen die Aufklärung?

Nicht nur der bisherige Gasfluss wird durch den Krieg in der Ukraine beeinflusst. Wegen der Sanktionen gegen Russland sieht die Nord Stream 2 AG ihre Fähigkeiten zur Ursachenforschung eingeschränkt: Man stehe unter Sanktionen, verfüge kaum noch über Personal, und Gelder seien eingefroren, sagte der Sprecher. "Die Behörden sind alle informiert."

In Lubmin, dem Ort, in dem die Pipeline in Deutschland anlandet, befindet sich nach Wissen Lisseks kein Personal der Nord Stream 2 AG. Man könne auch keine Aufträge erteilen, da man diese nicht bezahlen könne, und müsse schauen, woher man nun Informationen erhalte, hieß es weiter.

Schon kurz vor dem russischen Überfall auf die Ukraine hatten die USA Sanktionen gegen die Nord Stream 2 AG verhängt und alle Geschäfte mit dem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz unmöglich gemacht. Erst kürzlich konnte ein drohender Konkurs erneut abgewendet werden.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP
  • dr.dk: "Beredskab hæves: Gasrørledninger ved Bornholm ramt af flere lækager"
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