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Generationenkapital ab 2024: Wie funktioniert eigentlich die Aktienrente?


Rettet das Generationenkapital unser Rentensystem?


Aktualisiert am 08.08.2023Lesedauer: 6 Min.
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Bundesfinanzminister Christian Lindner: Von der FDP stammt die Idee zur Aktienrente – allerdings in anderer Form.Vergrößern des Bildes
Bundesfinanzminister Christian Lindner: Von der FDP stammt die Idee zur Aktienrente – allerdings in anderer Form. (Quelle: Markus Schreiber/dpa)

Norwegen und Schweden machen es vor: Ab 2024 soll auch Deutschland eine Aktienrente bekommen. Wie die funktioniert und was Ihnen das bringt.

Bald werden die Deutschen alle zu Aktionären – ob sie wollen oder nicht. Denn die Ampelkoalition bringt 2024 das Generationenkapital an den Start, früher Aktienrente genannt. Was es damit auf sich hat, wie sie sich finanziert und wer davon profitieren soll.

Was ist das Generationenkapital?

Die Generationenkapital soll dazu dienen, das Rentenniveau und die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung langfristig stabil zu halten. Sie soll der Einstieg in eine teilweise Kapitaldeckung des Rentensystems sein, wie sie SPD, Grüne und FDP bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt haben. Anfang November hat das Bundesfinanzministerium die das Generationenkapital auf den Weg gebracht.

Bisher wird die gesetzliche Rente rein nach dem sogenannten Umlageprinzip finanziert. Das heißt: Aus den Einzahlungen der jüngeren Arbeitnehmer in die Rentenversicherung werden die Renten der Älteren bezahlt. Der demografische Wandel setzt dieses System jedoch stark unter Druck.

Langfristig kommen so auf einen Beitragszahler rechnerisch immer mehr Rentenempfänger. Die Aktienrente ist ein Instrument, das rein umlagefinanzierte System zu verlassen.

Video | Das Rentensystem in Deutschland
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Quelle: t-online

Wie funktioniert das Generationenkapital?

Während andere Länder wie Schweden und Norwegen einen Teil der Rentenversicherungsbeiträge in Aktienfonds investieren, soll die Aktienrücklage beim deutschen Modell zunächst mit Haushaltsmitteln aufgebaut werden.

Ab 2024 nimmt der Bund dafür ein Darlehen in Höhe von zwölf Milliarden Euro auf. Ihm dürfte dabei zugutekommen, dass er für sein Darlehen weniger Zinsen zahlen muss, als die Kapitalmärkte langfristig an Rendite bringen. Die Summe von zwölf Milliarden Euro soll in den Folgejahren jeweils um drei Prozent jährlich erhöht werden. Bis zum Jahre 2035 soll das Generationenkapital ein Volumen von 200 Milliarden Euro erreichen.

Konkret fließen die zwölf Milliarden Euro in einen Fonds, der weltweit gestreut in Aktien investiert. Die Erträge dieses Kapitalstocks sollen dann ab Mitte der 2030er Jahre dazu beitragen, die gesetzliche Rentenversicherung zu stützen. Die Verwaltung des Fonds soll Anja Mikus übernehmen, die Chefin des deutschen Atomfonds. Mehr dazu lesen Sie hier.

Den Fonds zur kerntechnischen Sanierung (Kenfo), wie er offiziell heißt, hat der Bund 2017 als öffentlich-rechtliche Stiftung gegründet, um den Atomausstieg zu finanzieren. Er ist mit rund 24 Milliarden Euro gestartet, die die Kraftwerksbetreiber gezahlt haben, und soll in den kommenden 80 Jahren durchschnittlich 3,7 Prozent Rendite im Jahr erwirtschaften.

Reichen die zwölf Milliarden Euro?

Nein – bei Weitem nicht. Zwölf Milliarden Euro entsprechen nicht einmal dem Gegenwert der Rentenausgaben des Bundes für zwei Wochen. Wie viel es stattdessen bräuchte, hat das Verbraucherportal "Finanztip" ausrechnen lassen.

Demnach müsste die Aktienanlage des Bundes ein Volumen von mehr als 210 Milliarden Euro haben, um eine Beitragssteigerung von einem Prozent zu verhindern. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich am Aktienmarkt jährliche Renditen von acht Prozent erwirtschaften lassen. Das trifft zwar historisch betrachtet zu, ist aber nicht garantiert.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte bereits bekannt gegeben, dass er das Kapital für die Aktienrente deutlich aufstocken wolle. "Wir brauchen mittel- bis langfristig eine dreistellige Milliardensumme, damit die Erträge der Aktienanlage einen spürbaren Effekt auf die Stabilisierung der Rentenbeiträge und des Rentenniveaus haben können", sagte Lindner Anfang Dezember. Anfang August einigte man sich dann auf die jährliche Erhöhung (siehe oben).

Wer profitiert vom Generationenkapital?

So wie das Generationenkapital jetzt ausgestaltet ist, wird sie keine höheren Renten bringen, sondern lediglich dabei helfen, dass die Rentenbeiträge der Arbeitnehmer nicht völlig aus dem Ruder laufen. Der Beitragssatz in die Rentenversicherung soll nach derzeitigem Stand bis 2026 bei 18,6 Prozent verharren und 2027 auf schätzungsweise 19,3 Prozent steigen.

Ursprünglich hatte die FDP, von der die Idee zur Aktienrente stammt, damit geworben, dass ihr Modell auch höhere Altersrenten bringen werde. Im Koalitionsvertrag landete dann aber nur ein Kompromiss.

Nach Vorstellung der FDP hätte sich die deutsche Aktienrente stärker am schwedischen Rentenmodell orientiert: Alle Beitragszahler hätten dann zwei Prozentpunkte von den 18,6 Prozent des jetzigen Rentenbeitrags in den Aktienfonds zahlen sollen.

Wäre es so gekommen, hätte das dem Durchschnittsverdiener, der ab 2030 in den Ruhestand geht, nach 40 Jahren Versicherungszeit ein Rentenplus von 48 Euro im Monat gebracht. So zumindest lautet das Ergebnis einer Modellrechnung des Ökonomen und Universitätsprofessors Martin Werding. Bei einem Renteneintritt im Jahr 2060 wären es bereits 457 Euro mehr gewesen – ein Plus von fast 30 Prozent im Vergleich zur reinen Umlage-Altersrente.

Wie sinnvoll ist das Generationenkapital?

"Eine ordentliche Kapitaldeckung ist die einzige Alternative, damit das System nicht gänzlich aus den Fugen gerät", sagte Sozialpolitik-Professor Werding t-online bereits zum Start der Ampelkoalition (das ganze Interview lesen Sie hier). Dank der geplanten Aufstockung könnte der Fonds die Rentenkasse auf lange Sicht merklich entlasten und das Rentenniveau dauerhaft sichern. Doch bis sich ausreichend Erträge einstellen, müsste die Bundesregierung an weiteren Stellschrauben drehen.

Neben höheren Beiträgen wird dabei häufig auch ein späterer Renteneintritt von 70 Jahren genannt. Zudem gibt es Überlegungen, auch Beamte als Beitragszahler in die Sozialversicherung einzubeziehen und mehr Anreize für Verdienstmöglichkeiten im Alter zu schaffen. Auch braucht es mehr Zuwanderung von Fachkräften.

Risiken der Aktienrente

Wie immer bei Aktieninvestments gibt es auch bei der Aktienrente das Risiko von Kursschwankungen und Kursverlusten. Das ist normal, denn ohne Risiko keine Rendite (mehr dazu lesen Sie hier). Abfedern kann man das Risiko, indem man langfristig und breit gestreut anlegt. Wer als Privatanleger in ETFs investiert, kennt das Prinzip. Und genau das soll auch bei der Aktienrente passieren.

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Je mehr Geld mit der Zeit in den Fonds fließt, desto schwerer wiegen naturgemäß Kursverluste. Die sind so lange kein Problem, wie der Staat sie nicht realisieren, sprich Aktien verkaufen muss, um das Rentensystem mitzufinanzieren. Doch genau dafür ist der Fonds ja gedacht.

In schlechteren Phasen am Kapitalmarkt könnte es also passieren, dass der Bund fehlendes Geld aus Steuermitteln nachschießen muss. Andernfalls würden die Beitragssätze ähnlich stark schwanken wie die Kurse an der Börse. Allerdings fließt schon jetzt mehr als ein Viertel des Bundeshaushalts in das Rentensystem, um es vor dem Kollaps zu bewahren.

Kritik an der Finanzierung

Ein Kritikpunkt ist auch die Finanzierung der Aktienrente über Kredite. So sagte Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds: "Jedem Privatanleger rät man davon ab, Aktiendepots über Schulden zu finanzieren."

Es sei höchst zweifelhaft, ob es eine echte Entlastung bringe, sich "auf dem Kapitalmarkt zu verschulden, um dann aus den Erträgen eines Kapitalstocks Schuldendienste mit Zins und Zinseszins zu zahlen." Letztlich schmälern die Darlehenszinsen auch die Rendite des Fonds.

Welche Alternativen gibt es zur Aktienrente?

Wer nicht nur stabile Rentenbeiträge haben möchte, sondern tatsächlich auch ein Plus an Rente, sollte selbst aktiv werden – mit einer selbst gemachten Aktienrente. Das funktioniert bequem und einfach über einen Sparplan auf einen weltweiten Aktienindex wie zum Beispiel den MSCI World. Damit investieren Sie auf einen Schlag in 1.600 Unternehmen in 23 Industrieländern.

"Schon mit recht überschaubaren Summen können Sie ein kleines Vermögen aufbauen", schreibt Börsenexpertin Jessica Schwarzer in ihrer t-online-Kolumne und führt dazu eine Statistik des Fondsverbands BVI an. Demnach hätten Sie zum Stichtag 30. Juni 2022 46.419 Euro im Depot gehabt, wenn Sie zuvor 20 Jahre lang jeden Monat 100 Euro in einen Aktienfonds gespart hätten, der global investiert.

"Eingezahlt hätten Sie aber nur 24.000 Euro", so Schwarzer. "Das macht eine jährliche Rendite von 6,2 Prozent." Nach 30 Jahren wären es sogar 105.595 Euro gewesen – bei eingezahlten 36.000 Euro. Lesen Sie hier, wie Sie einen ETF-Sparplan aufsetzen.

Riester und Betriebsrente

Weitere Optionen für die Altersvorsorge sind klassische oder fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen. Ob sich das lohnt, ist aber stark vom Produkt abhängig. Mehr dazu lesen Sie hier.

Für Geringverdiener und Familien kann auch eine Riester-Rente sinnvoll sein. Denn sie profitieren besonders von den staatlichen Zulagen. Ob sich Riestern für Sie lohnt, lesen Sie hier. Allerdings arbeitet die Regierung auch bei dieser staatlichen Altersvorsorge an einer Reform (mehr dazu hier).

Auch Ihr Chef kann Sie dabei unterstützen, fürs Alter vorzusorgen. Das funktioniert zum Beispiel mit einer Entgeltumwandlung, also einer staatlich geförderten Form der betrieblichen Altersvorsorge. Lesen Sie hier, wie das genau funktioniert.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • tagesspiegel.de: "Wie Lindner die Aktienrente aufstellen will" (Stand: 5.12.2022)
  • finanztip.de: "So soll die Rentenversicherung entlastet werden" (Stand: 15.11.2022)
  • Koalitionsvertrag zwischen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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