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The Great Depression: Britischer Wirtschaft geht es schlecht – woran das liegt


Die große Depression

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 10.09.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ein kleiner Junge spielt vor einem heruntergekommenen Gebäude in Glasgow (Archivbild): Der Brexit verschärft die wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien. (Quelle: Jeff J Mitchell)
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Inflation und Energiepreise machen ganz Europa zu schaffen. Doch der britischen Wirtschaft geht es besonders schlecht – woran das liegt.

Zweistellige Inflationsraten, Supermärkte, die ihren Kunden zinslose Kredite zum Lebensmitteleinkauf anbieten: Wirtschaftlich steht Großbritannien, dessen König Charles III. nun wird, vor dramatischen Monaten. Das Volk droht zu verarmen, viele Unternehmen dürften den absehbaren Wirtschaftseinbruch kaum überstehen.

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Dabei war Großbritannien stark ins Jahr 2022 gestartet. Alles schien so, als würde das Land gut aus der Corona-Krise kommen. Dass die Folgen des Ukraine-Kriegs hier noch stärker zu spüren sind als in anderen Teilen der EU, ist vor allem auf eine politische Entscheidung zurückzuführen. "Der Brexit hat dazu beigetragen, die Inflation hochzutreiben", sagt Berthold Busch, Ökonom am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), im Gespräch mit t-online.

Und die Lage könnte sich weiter verschärfen. Als eine ihrer letzten Amtshandlungen hatte die nun verstorbene Königin Elizabeth die konservative Politikerin Liz Truss zur neuen Premierministerin ernannt. Truss gilt als glühende Verfechterin des EU-Austritts und scheut auch neue Konflikte nicht.

Die wichtigsten Fakten zur britischen Wirtschaft im Überblick:

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP): Laut Schätzung für 2022 beträgt es 3.376 Milliarden Pfund (3.890 Milliarden Euro), pro Kopf 49.761 Pfund (57.350 Euro)
  • Inflationsrate: 10,1 Prozent im August im Vergleich zum Vorjahresmonat
  • Arbeitslosigkeit: 4,5 Prozent (2021)
  • Aktueller Wirtschaftsminister: Kwasi Kwarteng (Conservative Party)
  • Wichtigste Wirtschaftszweige: Finanzsektor, vor allem in London
  • Wichtigste Handelspartner: Das Vereinigte Königreich importiert vor allem aus China (13,2 Prozent), Deutschland (10,9 Prozent) und den USA (8,7 Prozent) und exportiert in die USA (12,8 Prozent), nach Deutschland (8,7 Prozent) und in die Schweiz (8,5 Prozent)

Experte: Wäre für deutsche Exporteure eine Katastrophe

Die gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen waren zwar schon in den vergangenen Jahren deutlich geworden, treten in Zeiten von ohnehin hoher Inflation umso mehr hervor. In Zahlen heißt das: Der Brexit kostet Großbritannien pro Jahr 100 Milliarden Pfund und dem britischen Fiskus entgehen Steuereinnahmen von 40 Milliarden Pfund, wie das National Institute of Economic and Social Research (NIESR) vorrechnet.

Berthold Busch ist Senior Economist für Europäische Integration am Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Berthold Busch ist Senior Economist für Europäische Integration am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft)

"Die Einfuhrpreise sind gestiegen, der Fachkräftemangel hat sich verschärft und manche Handelsbeziehungen wurden eingeschränkt", erläutert Busch. "Nachdem die Entscheidung für den Brexit gefallen war, verließen viele Menschen das Land. Polen, Bulgaren und Rumänen sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt."

Welche weitreichenden Folgen das haben kann, wurde zuletzt durch den Mangel an Lkw-Fahrern deutlich. Im Sommer 2021 schlugen Supermärkte und Tankstellen in ganz Großbritannien Alarm. Durch den Brexit und Corona waren so viele Fahrer weggebrochen, dass die Lieferketten nicht aufrechterhalten werden konnten. Kurzzeitig wurde sogar das Militär eingesetzt, um wenigstens Notärzte mit Benzin zu versorgen. (Alle Details finden Sie hier zum Nachlesen.)

Der Experte blickt deshalb besorgt in die Zukunft: "Die Ausrichtung der neuen Premierministerin ist beängstigend. Ihr Umgang mit Nordirland könnte der Anfang eines Handelskriegs mit der EU werden", so Busch. "Der Warenaustausch könnte gestört und sogar Strafzölle erhoben werden. Das wäre dann auch für deutsche Exporteure eine Katastrophe."

BBC-Moderator verwundert mit Aussage

Nun haben Charles und Truss eine Gemeinsamkeit: Sie beide sollen Großbritannien durch den nächsten Winter führen. Denn während die neue Premierministerin ihre Pläne für eine Deckelung der Energiepreise vorstellte, traf die Eilmeldung ein, dass sich der Gesundheitszustand der Königin verschlechtert habe. Nur wenige Stunden später teilte der Palast den Tod mit.

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Queen Elizabeth hatte Liz Truss noch am Montag in Balmoral empfangen und sie zur neuen Premierministerin ernannt. (Quelle: IMAGO/i-Images /Pool)

Eine Zäsur, die den BBC-Moderator Clive Myrie zu der Aussage verleitete, Truss' Ausführungen seien angesichts dieser Nachrichten geradezu "unbedeutend". Nicht nur auf Twitter dürften viele Menschen dem widersprechen. Immerhin drohen es lange und kalte Monate zu werden.

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Großbritannien steht vor Rezession

Und die Aussichten sind düster: Die "Bank of England" erwartet noch weitere Preisanstiege. Im Schlussquartal könne die Teuerungsrate auf 13 Prozent steigen, heißt es. Einige Ökonomen rechnen sogar mit noch höheren Werten. Anfang des kommenden Jahres könne die Inflationsrate auf 18 Prozent steigen, schrieb etwa der Citi-Volkswirt Benjamin Nabarro.

"Im Vergleich mit anderen großen Industrienationen hat sich Großbritannien seit 2016 schwach entwickelt", sagt Experte Busch. Neben den anderen G7-Staaten steht Großbritannien derzeit wirtschaftlich am schlechtesten da. Die Notenbanker rechnen bereits damit, dass das Land Ende des Jahres in eine Rezession abrutscht, die über weite Teile des kommenden Jahres anhalten könnte.

"Der globale wirtschaftliche Ausblick hat sich spürbar verschlechtert", sagte Notenbankchef Andrew Bailey bei der Vorlage des halbjährlichen Berichts zur Finanzstabilität im Juli.

Dies veranlasste die Notenbank zuletzt zu einer ungewöhnlich deutlichen Anhebung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte auf insgesamt 1,75 Prozent. Es war der größte Zinsschritt seit 27 Jahren.

Briten schnallen bereits den Gürtel enger

Die Briten reagieren bereits auf die höheren Lebenshaltungskosten. Laut dem britischen Einzelhandelsverband sank der Umsatz der Geschäfte zwischen März und Mai bereits deutlich. In den Sommermonaten wurde dann wieder mehr Geld ausgegeben: Vor allem für dünne Kleidung und Klimaanlagen, um der historischen Hitzewelle zu trotzen.

Sollte auf den heißen Sommer ein kalter Winter folgen, stehen viele Briten – ähnlich wie viele Deutsche – vor den nächsten Sorgen. Denn im Vereinigten Königreich heizen über 70 Prozent der Haushalte mit Gas. Hochrechnungen gehen davon aus, dass ein typischer Haushalt bis zum nächsten April jährliche Kosten von 5.300 Euro für Strom und Gas aufbringen muss.

Auch einige Unternehmen reagieren mittlerweile auf die Lage. Die Supermarktkette Iceland Foods etwa bietet ihren Kunden zinslose Kredite für den Einkauf von Lebensmitteln an.

Studie: Jeder Fünfte von Armut bedroht

Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist umstritten – vor allem mit Blick auf das Ausmaß des wirtschaftlichen Einbruchs. "Großbritannien erlebt bereits den größten Rückgang der Reallöhne seit 1977, und ein harter Winter droht, da die Energierechnungen auf 500 Pfund im Monat schnellen werden", sagte Lalitha Try von der Denkfabrik Resolution Foundation (RF).

Sollte die Regierung die Politik von Ex-Premier Boris Johnson fortsetzen, so eine neue Studie von RF, werde sich die Zahl der Menschen in absoluter Armut bis zum Haushaltsjahr 2023/2024 um 3 auf 14 Millionen steigern. Das wäre dann fast jeder Fünfte der 67 Millionen Einwohner Großbritanniens.

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Berthold Busch (IW)
  • tagesschau.de: "Großbritannien steht vor Rezession"
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