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Wer ist der Mann, der gerade das Land lahmlegt?

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 03.09.2021Lesedauer: 4 Min.
Claus Weselsky bei einer Streikkundgebung 2015 in Berlin: Der streitlustige Gewerkschaftschef schreckt nicht vor Arbeitskämpfen zurück.
Claus Weselsky bei einer Streikkundgebung 2015 in Berlin: Der streitlustige Gewerkschaftschef schreckt nicht vor Arbeitskämpfen zurück. (Quelle: Christian Mang/imago-images-bilder)
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Dieser Mann steht für große Emotionen: GDL-Chef Claus Weselsky führt den Arbeitskampf gegen die Deutsche Bahn. Landesweit wird gestreikt. Doch wer ist der Mann, der so für Stillstand sorgt?

Er ist wohl der bekannteste und aktuell wohl auch der am meisten gehasste Gewerkschafter Deutschlands: Claus Weselsky. Als Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL steht er an der Spitze des Bahnstreiks – und ist dieser Tage nie um einen bösen Spruch in Richtung der Spitze des Bahnkonzerns verlegen.

Von Bahn-Vorstandschef Martin Seiler spricht Weselsky nur als dem "Lügenbaron", der "Märchen" erzähle. Auch die Pressestelle der Deutschen Bahn scheint er aus seinem Wortschatz gestrichen zu haben, lieber nennt er sie die "Propagandaabteilung".

Wer ist der Mann, der gerade das Land lahmlegt? Und gibt er sich in der Schlacht um die Macht bei der Bahn so hart?

Weselsky stammt aus Dresden. Seinen sächsischen Dialekt hört man sofort. Tritt er vor Kameras und Mikros sind seine Reden pointiert, er spricht mit Nachdruck. Äußerlich bleibt er dabei stets derselben Kombination treu: dunkler Anzug, weißes Hemd, bunte Krawatte, dazu der graue Schnauzbart. Wenn nötig klettert er damit bei Auftritten an Streiktagen auch auf Bänke oder Steinblöcke vor Bahnhofgebäuden.

Wenig Raum für Zwischentöne

Die Fronten sind für Weselsky klar. Das war 2015 so und das hat sich auch in diesem Jahr nicht geändert: Auf der einen Seite stehen die Lokführer und Bahnangestellten, die vom Konzern ungerecht und unwürdig behandelt werden, stets unterbezahlt sind. Auf der anderen Seite steht der Bahnvorstand, der selbst nach dem Einsatz der Beschäftigten in der Corona-Pandemie nicht zu Anerkennung und Wertschätzung seiner Mitarbeiter fähig sei. So begründet Weselsky sein Tun und seine harten Worte.

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Dabei schießt auch der Bahn-Vorstand regelmäßig rhetorisch scharf zurück. Zuletzt sagte der Vorstandsvorsitzende Richard Lutz: Wie GDL-Chef Weselsky agiere und vor allem rede, sei "Gift" für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Eisenbahnerfamilie. Die Wunden, die Weselsky damit schlage, würden nur schwer wieder heilen.

Martin Luther als Vorbild

An Weselsky jedoch scheint all das abzuprallen, schon seit Jahren. Man kann es Verbissenheit nennen oder Sturköpfigkeit – so sehen es wohl all jene, die von ausfallenden Zügen genervt sind oder die die ewigen Streitereien zwischen Weselskys kleineren Gewerkschaft GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) satt haben. Verdenken lässt sich das nicht. Immerhin gibt es den Streit schon länger als die EVG selbst. Denn: Weselsky war bereits bei der Vorgängervereinigung Transnet als Hardliner bekannt, der die Konflikte verschärft.

Claus Weselsky mit Mitgliedern der GDL während eines Streiks im Hauptbahnhof Dresden.
Claus Weselsky mit Mitgliedern der GDL während eines Streiks im Hauptbahnhof Dresden. (Quelle: imago-images-bilder)

Man kann Weselsky aber auch standfest nennen, konsequent. So in etwa würde er sich wahrscheinlich selbst beschreiben. Der konfessionslose Gewerkschafter hat dafür sogar ein großes Vorbild: Martin Luther. "Wegen seines Stehvermögens, seines unnachgiebigen Eintretens für eine gute und gerechte Sache", sagte er einst.

Motorrad, Nordic Walking und Ayurveda

Gegenwind und Druck ist Weselsky auch in seiner Freizeit gewohnt. Der 62-Jährige, der Wiener Klassik hört, fährt gern Motorrad und ist leidenschaftlicher Taucher. Mit seiner Frau macht er zudem Nordic Walking. Das helfe um den Kopf frei zu bekommen, sagt er selbst. Erholte er sich früher vom Stress der Tarifverhandlungen mit Zigarillos, legt er heute auch mal eine Ayurveda-Kur ein.

Weselsky kam als jüngstes von drei Kindern 1959 in Dresden zur Welt. Kurz darauf zog die Familie ins Umland nach Kreischa auf einen Bauernhof. Dort fuhr er Traktor und die Zugmaschine bei der Rübenernte.

Von 1975 bis 1977 machte er dann eine Lehre zum Lokführer. Da er sich aber weigerte, in die SED einzutreten, durfte er lange Zeit nur auf Güterbahnhöfen rangieren und erst spät Personenzüge fahren.

Claus Weselsky posiert am Berliner Hauptbahnhof während des Lokführer-Streiks im Oktober 2007.
Claus Weselsky posiert am Berliner Hauptbahnhof während des Lokführer-Streiks im Oktober 2007. (Quelle: imago-images-bilder)

Nach der Wiedervereinigung begann er seine Karriere in der Gewerkschaft. Seit den 1990er-Jahren ist Weselsky Funktionär in der GDL, 2008 wurde er ihr Chef. Damit ist er aktuell der einzige Ostdeutsche, der einer gesamtdeutschen Gewerkschaft vorsteht.

Zwischen autoritärem Führungsstil und großem Zuspruch

Auch wenn Weselsky immer wieder betont, dass er lediglich den Willen der GDL-Mitglieder vertrete, gab es auch innerhalb der Gewerkschaft durchaus Kritik an seinem Führungsstil. Im April 2013 eskalierte es im GDL-Vorstand und beide Stellvertreter Weselskys wurde ihres Amtes enthoben.

Sein Vorgänger Manfred Schell lässt auch deshalb kein gutes Haar an ihm, gründete sogar die "Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL" und forderte Weselskys Rücktritt, da er "die GDL schwer beschädigt" hätte.

Auch an Weselskys Markenzeichen – seiner scharfen Rhetorik – gab es Kritik aus den eigenen Reihen. Vor allem eine sprachliche Entgleisung nahmen ihm die Gewerkschaftsfreunde übel. Am Aktionstag der GDL im August 2014 sagte er: "Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus." Für die Äußerung entschuldigte er sich später.

Dennoch genießt Weselsky bis heute zugleich großen Rückhalt in der GDL. 2012 wurde er mit 90 Prozent der Stimmer wiedergewählt, 2017 bestätigten ihn sogar 95 Prozent der Delegierten auf der Generalversammlung.

Angespannte Beziehung zu Medien

Seine öffentliche Wahrnehmung wiederum scheint ihm fast egal zu sein: Zu den Medien hat Weselsky seit jeher ein gespaltenes Verhältnis. Zum einen braucht er sie, um seine Botschaften zu platzieren. Er gibt Interviews und ist aktuell häufig in Nachrichtensendungen zu sehen.

Claus Weselsky, damals noch stellvertretender GDL-Chef, während des Bahnstreiks 2007 im Gespräch mit Hans-Jürgen Lücking, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn.
Claus Weselsky, damals noch stellvertretender GDL-Chef, während des Bahnstreiks 2007 im Gespräch mit Hans-Jürgen Lücking, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn. (Quelle: Robert Michael/imago-images-bilder)

Doch neben teils harscher Kritik sieht er sich immer wieder auch sehr persönlichen Angriffen ausgesetzt. So wurde im Zuge des Bahnstreiks 2014 Weselskys Handynummer von "Bild" veröffentlicht. Der Gewerkschaftsboss ließ sich davon aber nicht beirren – und leitete die Nummer kurzerhand auf den damaligen Bahnvorstand Rüdiger Grube um. Als der "Spiegel" aber die Hausnummer und die ungefähre Lage des Wohnhauses der Familie Weselsky in Leipzig veröffentlichte, beantragte Weselsky Ende 2014 Polizeischutz.

Dass es im aktuellen Tarifkonflikt erneut so weit kommt, ist eher unwahrscheinlich. Dass er jedoch die Deutschen weiter nervt, die Wut der Pendler mit jedem neuen Streik noch stärker auf sich zieht – damit muss Weselsky rechnen.

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  • Nele Behrens
Von Nele Behrens
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