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Geldentwertung: Sachwerte sind die Anlagelieblinge der Experten


Drohende Geldentwertung durch EZB - Analysten raten zu Sachwerten

06.09.2012, 14:58 Uhr | t-online.de - Frank Lansky

Geldentwertung: Sachwerte sind die Anlagelieblinge der Experten. Analysten raten wegen EZB-Politik zu Immobilien, Gold und Aktien (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Experten raten wegen der EZB-Geldpolitik zu Immobilien, Gold und Aktien (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Tabubruch in der Eurozone: Die EZB wird in großem Stil und in Kooperation mit dem Rettungsfonds ESM Anleihen der Krisenstaaten kaufen - notfalls in unbegrenztem Volumen. Dass das Bundesverfassungsgericht den ESM am 12. September torpedieren wird, glaubt keiner der Experten, mit denen t-online.de gesprochen hat. Somit wurde die Bundesbank überstimmt und frisches Geld ergießt sich in den Finanzmarkt. Doch was bedeutet das für die Anleger und Sparer? Analysten beschwichtigen zwar: Eine Geldentwertung und steigende Preise werde es nicht geben - zunächst. Alle rieten aber dennoch zum Kauf von Sachwerten.

EZB dämmt Panik ein - Niedrigzins bleibt

Stefan Keitel, Chief Investment Officer der Schweizer Großbank Credit Suisse, begrüßte das Anleihe-Kaufprogramm der EZB: "Dadurch werden die Ängste vor einer nicht ausreichenden Kapazität des Rettungsschirms und einem Überschwappen der Krise eingedämmt." Dies sei im Vergleich zu einer deflationären Rezession das kleinere Übel, dürfe aber aufgrund des langfristigen Primärziels "Geldwertstabilität" nur Ausnahmecharakter haben, sagte er im Gespräch mit t-online.de.

Die EZB hielt zudem den Leitzins auf Rekordtief - hohe Zinsen für Sparer auf dem Konto sind also auch künftig kaum zu erwarten. "Wer spart und Papiergeld hortet, der verliert", urteilte Thorsten Proettel, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), im Gespräch mit t-online.de. Er geht davon aus, dass die Realrendite – also Zins minus Inflationsrate – noch länger niedrig oder gar negativ bleiben dürfte.

Verlustgeschäft mit Anleihen

Ähnlich geht es Anleihen-Käufern – der Zinssatz der zehnjährigen Bundesanleihe liegt unter der Inflationsrate, wie Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft bei der DekaBank, erläuterte. "Das ist ein Zustand, den wir in den vergangenen 50 Jahren nicht hatten – diese Realzinsfalle wird auch in den kommenden drei oder vier Jahren bestehen bleiben".

Investmentchef Keitel von der Credit Suisse ergänzte: Nur wer glaube, dass die Eurozone zerbreche, sollte Bundesanleihen kaufen – dann "würde eine deutsche Anleihe nach dem Euro-Kollaps in harter D-Mark ausgezahlt."

Verbraucherpreise werden wohl nicht steigen

Die gute Nachricht für Verbraucher: "Die EZB will und wird uns keine beunruhigende Inflation bescheren", kommentierte Deka-Chef-Volkswirt Bahr. Auch er hält den Kurs für richtig, um einen Zusammenbruch des Banken- und Finanzsektors zu vermeiden. Allerdings sei es möglich, dass in Deutschland in den kommenden Jahren das Inflationsziel von zwei Prozent gerissen werde – doch dürfte sich die Teuerung kaum stark von der Marke von drei Prozent wegbewegen.

"Eine höhere Inflation wird nur dann eintreten, wenn die Krise abgearbeitet ist und die EZB den Exit aus ihrer extrem expansiven Geldpolitik nicht schafft" – beispielsweise wenn die Notenbank weiter Staatsanleihen kauft und Geld in den Markt pumpt, urteilte Stefan Mitropoulos, Leiter Konjunkturanalyse in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Landesbank Hessen-Thüringen, auf Anfrage von t-online.de. Dieses Szenario sei auf Sicht von drei bis fünf Jahren durchaus möglich. Die Helaba-Volkswirte erwarten für Euroland 2013 aber nur eine Inflation von rund zwei Prozent.

Was, wenn die EZB auf den Anleihen sitzen bleibt?

Euroskeptiker warnen, dass die Schuldenstaaten einfach die Rückzahlung ihrer Schulden verweigern und sich auch in Zukunft auf die Notenbank verlassen könnten.

An sich müsse ein Anleihekauf nichts Schlechtes bedeuten, ergänzte LBBW-Experte Proettel - das Problem sei aber langfristiger Natur: "Wenn erst einmal die Maschinerie für solche Schritte angeworfen ist, dann ist es schwer, das Rad zurückzudrehen" Die Frage sei, ob die Krisen-Staaten die Zeit für Reformen nutzen und mittelfristig wieder auf eigenen Beinen stehen und in welchem Umfang Anleihen gekauft würden.

Credit-Suisse-Experte Keitel sah die Gefahr, die von der Straße drohe – gegen den Sparkurs könnten Revolten ausbrechen, zudem drohe immer ein Kippen von Reformen durch wahltaktische Überlegungen.

Schuldentilgung über Inflation

Eine weiteres Risiko: Die EZB ermöglicht den Krisenländern über frisch gedrucktes Geld die Entschuldung – und lässt die Inflation eben doch über mehrere Jahre auf fünf bis sieben Prozent pro Jahr hochschnellen. Leiden würden Rentner, Pensionäre, Arbeiter und Angestellte - sie dürften es kaum schaffen, ihr Einkommen jedes Jahr so stark zu steigern.

Diesen Fall schloss Deka-Experte Bahr aus: Eine Inflationierung komme nicht in Frage, da sich sonst ausländische Investoren – etwa aus Arabien, den USA oder China – aus Europa zurückziehen würden, weil ihr Geld entwertet würde.

Analysten raten zu Gold, Aktien, Immobilien

Trotzdem rieten alle Experten zu Sachwerten. Helaba-Experten Mitropoulos: "Wenn jemand ohnehin Wohneigentum erwerben will, dann soll er das jetzt tun – aber er darf nicht blind kaufen. Die Preise haben schon seit etwa zwei Jahren angezogen, was auch an den historisch niedrigen Hypotheken-Zinsen liegt." Auch geschlossene oder offene Immobilienfonds kämen als Beimischung in Frage.

Volkswirt Bahr von der DekaBank riet zu einer breiten Aufstellung mit Gewerbeimmobilien, Rohstoffen, Edelmetallen und Aktien, hier müsse der Fokus auf deutschen Blue Chips liegen, da die Bundesrepublik der wirtschaftlich stärkste und solideste Staat in Europa sei. Interessant könnten als Beimischung auch Fremdwährungsanleihen sein – vor allem Bonds aus Nicht-Euro-Staaten mit starkem Rohstoff-Fokus böten sich an.

Keitel von der Credit Suisse empfahl zudem Unternehmensbeteiligungen, Infrastruktur sowie Wald und Wiese. LBBW-Experte Proettel nannte Gold. Gerade sei die Zeit günstig, da der Goldmarkt wegen des im Sommer 2011 zu stark gestiegenen Preises und der schwachen indischen Nachfrage konsolidiert habe.

"Zusammengepackt, was nicht zusammen gehört"

Proettel konstatierte abschließend: "Kurzfristig ist die Lage für Bürger, die einen Job haben und in Sachwerten investiert sind, nicht schlecht – langfristig ist die Lage aber komplett unwägbar."

Denn der ESM alleine werde die Probleme Europas nicht lösen – er könne nur die Liquiditätsprobleme der Krisenländer auf kurze Sicht lindern. Die strukturellen Ungleichgewichte blieben – dazu gehören laut Proettel die unterschiedliche Produktivität und die Mentalität. "In der Eurozone wurde zusammengepackt, was nicht zusammengehört."

Und weiter: "Die EZB sagt immer, der Euro sei ein Erfolg gewesen. Doch die niedrige Inflationsrate ist kein Erfolg der EZB, sie wäre auch mit der D-Mark eingetreten. Denn letztlich resultiert sie aus dem Aufstieg der Schwellenländer, die uns mit günstigen Waren versorgt haben."

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