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Taliban erklĂ€ren das Pandschir-Tal fĂŒr erobert

Von afp, dpa, rtr, t-online
Aktualisiert am 06.09.2021Lesedauer: 91 Min.
Gruppe des Widerstands: Die Nationale Widerstandsfront in Afghanistan hatte das Pandschir-Tal als letzte Provinz des Landes vor den Taliban verteidigt. (Quelle: t-online)
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Die Taliban haben in Afghanistan nach eigenen Angaben das lange umkĂ€mpfte Pandschir-Tal vollstĂ€ndig unter ihre Kontrolle gebracht. Unterdessen gibt es Wirbel um die Ausreise einiger US-BĂŒrger. Alle Informationen im Newsblog.

Die letzten US-Soldaten haben Afghanistan verlassen, die Taliban haben die Kontrolle ĂŒber das Land ĂŒbernommen. Gleichzeitig laufen internationale BemĂŒhungen weiter, gefĂ€hrdeten Afghanen die Ausreise zu ermöglichen. In Kabul spitzt sich zudem der Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" zu.


Siegeszug in Afghanistan: Taliban nehmen auch Flughafen ein

In der Nacht auf den 31. August sind die letzten US-Truppen abgezogen. Zwei Wochen hielten sie den Flughafen, von dem aus noch tausende Menschen ausgeflogen wurden. Nun fahren Fahrzeuge der Taliban ĂŒber die Landebahnen.
Mitglieder der Spezialeinheit Badri 313 bewachen eine Rede des Taliban-Sprechers Sabihullah Mudschahid: Er betonte, die Miliz wolle gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt. Die westlichen Staaten bemĂŒhen sich derweil, weiter aus Afghanistan evakuieren zu können.
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â–ș Hinweis der Redaktion: An dieser Stelle endet der Newsblog. Alle aktuellen Nachrichten zur Situation in Afghanistan finden Sie in Zukunft hier.

Taliban: Pandschir-Tal vollstÀndig unter Kontrolle

Die radikalislamischen Taliban haben nach eigenen Angaben die letzte Bastion des Widerstands in Afghanistan eingenommen. Das Pandschir-Tal sei "vollstÀndig erobert", erklÀrte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Montag. "Mit diesem Sieg ist unser Land vollstÀndig aus dem Sumpf des Krieges befreit." Kurz zuvor hatten die WiderstandskÀmpfer noch einen Waffenstillstand vorgeschlagen.

Die Taliban waren am Wochenende weiter im Pandschir-Tal vorgerĂŒckt. Sie meldeten schwere KĂ€mpfe und Gebietsgewinn in der Provinz nördlich von Kabul. Wie die Nationale Widerstandsfront (NRF) am Sonntagabend mitteilte, wurden bei den KĂ€mpfen auch ein bekannter Sprecher sowie ein General der Widerstandsgruppe getötet.

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Das Pandschir-Tal war bereits in den 1990er-Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten und bislang noch nie unter deren Kontrolle. Vor drei Wochen formierte sich in dem Tal die Nationale Widerstandsfront (NRF) unter FĂŒhrung des Sohnes des 2001 getöteten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud sowie des ehemaligen VizeprĂ€sidenten Amrullah Saleh. Letzterer hatte angesichts der Belagerung durch die Taliban vor einer humanitĂ€ren Krise im Tal gewarnt.

Bericht: Taliban verhindern Abflug von mehreren FlĂŒgen mit US-BĂŒrgern an Bord

Rund 1.000 Personen sitzen Medienberichten zufolge trotz Visa fĂŒr die Vereinigten Staaten oder andere LĂ€nder den fĂŒnften Tag infolge am Flughafen in Mazar-i-Sharif in Afghanistan fest. Sechs Flugzeuge mit Amerikanern und afghanischen Dolmetschern an Bord könnten aus Mazar-i-Sharif nicht abheben, weil sie von den Taliban keine Freigabe erhalten hĂ€tten", sagt der ranghöchste Republikaner im Ausschuss fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten des US-ReprĂ€sentantenhauses, Mike McCaul, dem Sender "Fox News Sunday". Die Taliban hielten die Passagiere "als Geiseln". Er glaube, dass sie "die volle Anerkennung durch die Vereinigten Staaten von Amerika" anstrebten.

Taliban am Flughafen von Kabul (Symbolbild): Angeblich will die Gruppe "offizielle diplomatische Beziehungen".
Taliban am Flughafen von Kabul (Symbolbild): Angeblich will die Gruppe "offizielle diplomatische Beziehungen". (Quelle: Kathy Gannon/AP/dpa)

Mehrere Berichte widersprechen McCauls Aussage. Die Maschinen hĂ€tten die notwendige Freigabe erhalten und warteten auf die endgĂŒltige Genehmigung der Taliban, zitierte die "New York Times" die Organisatoren der EvakuierungsflĂŒge in Katar. "Die Taliban halten die Flugzeuge nicht als Geiseln fest", zitiert die Zeitung Eric Montalvo, einen pensionierten Major der US-Marine, der an der DurchfĂŒhrung der FlĂŒge beteiligt ist.

Der Nachrichtensender CBS zitierte in einem Bericht aus einer E-Mail des US-Außenministeriums an Kongressmitglieder, in der bestĂ€tigt wurde, dass CharterflĂŒge immer noch auf der Landebahn von Mazar-i-Sharif in Nordafghanistan stehen und die Erlaubnis haben, in Doha zu landen, "falls und wenn die Taliban dem Start zustimmen". Das Außenministerium riet den Mitgliedern des Kongresses dem Bericht zufolge, den Gruppen, die Mazar-i-Sharif verlassen wollen, mitzuteilen, dass die Regierung "kein Personal vor Ort in Mazar hat, dass wir keine LuftstreitkrĂ€fte im Land haben und dass wir den Luftraum nicht kontrollieren." "Es ist eine Entscheidung der Taliban, den Flugbetrieb in Mazar-i-Sharif einzustellen", heißt es in der E-Mail weiter.

Wehrbeauftragte schlĂ€gt Ehrung der LuftbrĂŒcke-Soldaten vor

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), hat fĂŒr eine Ehrung der am Evakuierungseinsatz in Kabul beteiligten Bundeswehr-Soldaten plĂ€diert. "Die Soldatinnen und Soldaten mĂŒssen auf jeden Fall geehrt werden", sagte sie in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Montag. Sie habe sich bei Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) fĂŒr eine persönliche Ehrung der Soldaten eingesetzt – "etwa durch ein Ehrenkreuz oder eine Einsatzmedaille".

Bundeswehrangehörige helfen afghanischen FlĂŒchtlingen aus einer Transportmaschine (Archivbild). Die Soldaten sollen fĂŒr ihren Einsatz geehrt werden.
Bundeswehrangehörige helfen afghanischen FlĂŒchtlingen aus einer Transportmaschine (Archivbild). Die Soldaten sollen fĂŒr ihren Einsatz geehrt werden. (Quelle: Bundeswehr/leer)

"Wir können sehr stolz sein auf das, was da geleistet wurde", sagte Högl mit Blick auf den dramatischen Rettungseinsatz, bei dem AuslĂ€nder und afghanische OrtskrĂ€fte nach der MachtĂŒbernahme der radikalislamischen Taliban Mitte August aus Kabul ausgeflogen wurden. Die Bundeswehr habe mit ihren Flugzeugen mehr als 5.000 Menschen gerettet. "Das ist eine Höchstleistung."

Taliban wĂŒrden Merkel-Besuch begrĂŒĂŸen

Die radikal-islamischen Taliban wĂŒrden einen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Afghanistan begrĂŒĂŸen. "Angela Merkel wĂŒrde besonders herzlich aufgenommen werden. Wir wĂŒrden uns wirklich sehr ĂŒber sie freuen", sagte ein Vertreter der Taliban, Zabihullah Mujahid, der Zeitung "Bild". "Wir wollen eine voll und ganz sichere Umgebung hier in Afghanistan - das von allen LĂ€ndern der Welt akzeptiert wird, und an das die Staats- und Regierungschefs glauben."

US-General warnt vor einem BĂŒrgerkrieg

Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-StreitkrĂ€fte, General Mark Milley, warnt vor einem BĂŒrgerkrieg in Afghanistan. "Ich weiß nicht, ob die Taliban in der Lage sein werden, ihre Macht zu konsolidieren und eine Regierung aufzubauen", sagte Milley in einem GesprĂ€ch mit dem Fernsehsender "Fox News" auf dem LuftwaffenstĂŒtzpunkt Ramstein in Deutschland. Dies könne in den nĂ€chsten drei Jahren zu einer Neukonstituierung von Al-Kaida oder einer Erstarkung der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder unzĂ€hligen anderen militanten Gruppen in Afghanistan fĂŒhren.

In Afghanistan gibt es zur Zeit im Pandschir-Tal heftige KĂ€mpfe zwischen den Taliban und der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan (NRFA), in der sich KrĂ€fte unter dem MilizenfĂŒhrer Ahmad Massud zusammengeschlossen haben. Beide Seiten behaupten,dort die Oberhand zu haben.

Flughafen Kabul hat Betrieb offenbar wieder aufgenommen

Nach dem RĂŒckzug der USA und ihrer VerbĂŒndeten aus Afghanistan ist der Flughafen der Hauptstadt Kabul nach Angaben des Emirats Katar wieder geöffnet. Die Startbahn sei in Zusammenarbeit mit afghanischen Behörden repariert worden, sagte der katarische Botschafter dem Sender Al-Dschasira.

Der Sender berichtete außerdem, InlandsflĂŒge in die StĂ€dte Masar-i-Sharif und Kandahar seien wieder aufgenommen worden. Katar hatte angekĂŒndigt, gemeinsam mit der TĂŒrkei und den Taliban an einer Wiederinbetriebnahme des Flughafens von Kabul zu arbeiten. Zuvor hatten die Vereinten Nationen mitgeteilt, ihren humanitĂ€ren Flugdienst (UNHAS) in Afghanistan wieder aufgenommen zu haben.

Wie UN-Sprecher StĂ©phane Dujarric am Freitag sagte, könnten 160 humanitĂ€re Organisationen ihre Arbeit in den afghanischen Provinzen wieder fortsetzen. Durch den Passagierflugdienst seien derzeit die pakistanische Hauptstadt Islamabad mit Masar-i-Sharif im Norden und Kandahar im SĂŒden Afghanistans verbunden. Seit dem 29. August hĂ€tten bereits drei FlĂŒge nach Masar-i-Sharif stattgefunden, nun solle der Flugbetrieb weiter intensiviert werden. Laut Dujarric werde außerdem eine LuftfrachtbrĂŒcke eingerichtet, um beispielsweise medizinische HilfsgĂŒter dorthin zu transportieren, wo sie am dringendsten benötigt wĂŒrden.

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Gewalt gegen demonstrierende Frauen in Kabul

Bei einer Demonstration fĂŒr Frauenrechte in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es zu Gewalt gekommen. Mindestens eine Frau sei verletzt worden, berichteten lokale Journalisten am Samstag. Sie teilten das Video einer Frau, der Blut vom Kopf lĂ€uft. Videos von TV-Sendern und Aktivistinnen zufolge kam es bei der Demonstration zu chaotischen Szenen.

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Rund zwei Dutzend Frauen hatten zunĂ€chst friedlich in der NĂ€he des PrĂ€sidentenpalastes demonstriert, wie auf Bildern in sozialen Medien zu sehen war. Sie hielten Schilder in der Hand, auf denen etwa "Wir sind nicht die Frauen von vor 20 Jahren" stand oder "Gleichheit – Gerechtigkeit – Demokratie!". Auf Videos ist dann zu sehen, wie die Frauen von 50 oder mehr SicherheitskrĂ€ften der Taliban umzingelt sind und sich Schreiduelle mit den Taliban liefern. Mehrere von ihnen husten. Ein Taliban-Kommandeur fragt ĂŒber einen Lautsprecher "... wartet, was ist das Problem, was wollt Ihr, es gibt kein Problem, MĂ€dchen, okay?", wĂ€hrend im Hintergrund eine junge Frauenstimme zu hören ist, die fragt: "Warum schlagt ihr uns?"

Frauen demonstrieren in Kabul: Die Teilnehmerinnen berichten von Gewalt durch die Taliban.
Frauen demonstrieren in Kabul: Die Teilnehmerinnen berichten von Gewalt durch die Taliban. (Quelle: Wali Sabawoon/ap-bilder)

Eine Frau sagt in einem Video von Aktivistinnen, etwas abseits der Demo aufgenommen, Frauen hĂ€tten sich gebildet, um in hochrangigen Regierungspositionen zu arbeiten. "Was ist unsere Schuld, dass sie uns heute ins Abseits drĂ€ngen?", fragt sie. Die Frau, die das Video aufnimmt, sagt weiter, der friedliche Protest von Frauen sei wieder von den Taliban unterdrĂŒckt worden. Diese hĂ€tten WarnschĂŒsse abgegeben und TrĂ€nengas eingesetzt. Die Videos und Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifiziert werden. Auch der Sender CNN berichtete ĂŒber den Frauenprotest. Zuvor hatten bereits am Freitag mehrere Frauen in Kabul fĂŒr Frauenrechte demonstriert.

Widerstand gebrochen? Rebellen widersprechen Taliban

Die Taliban haben nach eigenen Angaben das bisher von ihren Gegnern gehaltene Pandschir-Tal erobert – und damit ganz Afghanistan. "Mit der Gnade Allahs des AllmĂ€chtigen haben wir die Kontrolle ĂŒber ganz Afghanistan", sagte ein MilitĂ€rfĂŒhrer der Islamisten. "Die Unruhestifter haben sich ergeben und Pandschir steht nun unter unserem Befehl." Zwei weitere Personen aus Kreisen der Taliban Ă€ußerten sich ebenso. Zwei fĂŒhrende Taliban-Gegner erklĂ€rten jedoch, der Widerstand ihres Lagers dauere an.

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Rebellen-Stellung im Pandschschir-Tal: "Der Widerstand dauert an und wird andauern".
Rebellen-Stellung im Pandschschir-Tal: "Der Widerstand dauert an und wird andauern". (Quelle: Jalaluddin Sekandar/dpa-bilder)

Der frĂŒhere VizeprĂ€sident Amrullah Saleh, der zu den AnfĂŒhrern der Taliban-Gegner zĂ€hlt, dementierte Berichte, denen zufolge er außer Landes geflohen sei. In einem auf Twitter veröffentlichten Video rĂ€umte Saleh zwar ein, er und seine AnhĂ€nger befĂ€nden sich in einer schwierigen Lage, erklĂ€rte aber weiter: "Der Widerstand dauert an und wird andauern". Er verteidige seinen Boden. Amrullah Salehs Sohn Ebadullah Saleh erklĂ€rte in einer Textnachricht, die Behauptung, das Pandschir sei gefallen, sei falsch.

Zuletzt hatten beide Seiten heftige KĂ€mpfe um die letzte noch nicht von den Islamisten kontrollierte Provinz gemeldet. Die Taliban hatten am Donnerstag erklĂ€rt, der Einsatz in Pandschir sei begonnen worden, nachdem Verhandlungen mit der "bewaffneten örtlichen Gruppe" dort fehlgeschlagen seien. Ein Sprecher der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan (NRFA) hatte gesagt, man habe alle VorstĂ¶ĂŸe der Taliban abgewehrt und kontrolliere weiter alle ZugĂ€nge zum Pandschir-Tal. Beide Seiten berichteten von schweren Verlusten auf der gegnerischen Seite.

EU stellt Taliban Bedingungen fĂŒr Hilfszahlungen und Kontakte

Die EuropĂ€ische Union hat den radikal-islamischen Taliban Bedingungen fĂŒr weitere Hilfszahlungen fĂŒr Afghanistan und diplomatische Kontakte gestellt. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte am Freitag im slowenischen Kranj, die Außenminister der 27 MitgliedslĂ€nder hĂ€tten sich im Grundsatz auf gemeinsame PrĂŒfsteine fĂŒr die erwartete Taliban-Regierung in Kabul geeinigt. Dazu zĂ€hle die freie Ausreise fĂŒr europĂ€ische StaatsbĂŒrger und Afghanen sowie freier Zugang fĂŒr humanitĂ€re Helfer.

Josep Borrell, EU-Außenbeauftragter: Ein Kontakt mit den Taliban kĂ€me keiner offiziellen "Anerkennung" gleich, so Borrell.
Josep Borrell, EU-Außenbeauftragter: Ein Kontakt mit den Taliban kĂ€me keiner offiziellen "Anerkennung" gleich, so Borrell. (Quelle: Darko Bandic/ap-bilder)

Als weitere Bedingungen nannte Borrell die Achtung von Frauenrechten und Pressefreiheit, die Bildung einer "inklusiven und reprĂ€sentativen Regierung" sowie eine Zusage der Taliban, dass Afghanistan nicht erneut Zufluchtsort fĂŒr Terroristen wird. Der EU-Außenbeauftragte betonte, die Kontakte zu den Taliban kĂ€men nicht einer offiziellen Anerkennung gleich.

Wenn es die Sicherheitsbedingungen in Kabul erlauben, wollen die EU-LĂ€nder dort nach Borrells Worten eine gemeinsame diplomatische PrĂ€senz etablieren. Zudem wolle die EU mit Partnern in der Region zusammenarbeiten, was die Themen FlĂŒchtlinge und Organisierte KriminalitĂ€t angehe. Deutschland und andere EU-Staaten hatten ihre Botschaften nach dem MilitĂ€rabzug vorerst geschlossen.

Taliban: Mullah Baradar wird neuer Machthaber in Afghanistan

Knapp drei Wochen nach der Taliban-MachtĂŒbernahme in Afghanistan nimmt die Regierung der radikalen Islamisten Form an. Der Chef des Taliban-PolitbĂŒros, Mullah Baradar, werde die Regierung in Kabul leiten, verlautete am Freitag aus Taliban-Kreisen.

Mullah Abdul Ghani Baradar (m): Er ist der Nachfolger des Taliban-GrĂŒnders.
Mullah Abdul Ghani Baradar (m): Er ist der Nachfolger des Taliban-GrĂŒnders. (Quelle: Alexander Zemlianichenko/Reuters-bilder)

Der Sohn des gestorbenen Taliban-GrĂŒnders Mullah Omar, Mullah Mohammad Jakub, werde eine hochrangige Position in der Regierung einnehmen, sagten drei mit den VorgĂ€ngen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mit der Vorstellung einer Taliban-Regierung wird in KĂŒrze gerechnet. Bereits am Donnerstag erklĂ€rten Taliban-Vertreter, im PrĂ€sidentenpalast von Kabul werde dafĂŒr eine Zeremonie vorbereitet.

Angesichts eines drohenden Zusammenbruchs der Wirtschaft sind die Taliban darauf angewiesen, dass internationale Geldgeber der FĂŒhrung LegitimitĂ€t zusprechen. Die USA und die EU haben eine förmliche Anerkennung der Regierung davon abhĂ€ngig gemacht, dass die Islamisten ihren AnkĂŒndigungen zum Schutz von Menschenrechten Taten folgen lassen. Mit der Regierungsbildung wĂ€chst der Druck auf den Westen, ĂŒber eine Anerkennung einer Taliban-Regierung zu entscheiden.

UN-Flugdienst nimmt wieder FlĂŒge in Afghanistan auf

Nach der MachtĂŒbernahme der Taliban hat der Flugdienst der Vereinten Nationen wieder FlĂŒge in Afghanistan aufgenommen. UN-Sprecher StĂ©phane Dujarric sagte am Donnerstag in New York, Passagierflugzeuge des HumanitĂ€ren Flugdienstes (Unhas) verbĂ€nden derzeit die pakistanische Hauptstadt Islamabad mit Masar-i-Scharif im Norden und Kandahar im SĂŒden Afghanistans. ZusĂ€tzlich werde eine LuftbrĂŒcke fĂŒr Fracht wie beispielsweise medizinische und andere HilfsgĂŒter eingerichtet.

Dujarric sagte, sobald es die Sicherheits- und die Finanzierungslage erlaubten, wolle der vom WelternĂ€hrungsprogramm WFP betriebene Flugdienst wieder mehr als 20 Ziele in Afghanistan anfliegen – wie in der Vergangenheit. Mit den Unhas-Verbindungen solle mehr als 160 Hilfsorganisationen ermöglicht werden, ihre lebensrettenden AktivitĂ€ten in den afghanischen Provinzen fortzusetzen.

Der internationale MilitĂ€reinsatz in Afghanistan war in dieser Woche nach fast 20 Jahren beendet worden. Die letzten US-Truppen waren in der Nacht zu Dienstag aus Kabul abgeflogen. Danach ĂŒbernahmen die militant-islamistischen Taliban den Flughafen, der bis zuletzt von US-Soldaten gesichert war. Der Flughafen ist seitdem nicht mehr in Betrieb. International laufen BemĂŒhungen, wieder FlĂŒge nach Kabul zu ermöglichen, um auslĂ€ndische StaatsbĂŒrger und andere Schutzsuchende aus dem Land auszufliegen.

Rund 17.000 Afghanen warten in Deutschland auf Weiterreise in USA

Rund 17.000 Afghaninnen und Afghanen warten in Deutschland auf US-StĂŒtzpunkten auf ihre Weiterreise in die USA. Auf dem US-Drehkreuz Ramstein in Rheinland-Pfalz werden aktuell 12.000 Menschen ĂŒberprĂŒft, wie der Kommandeur der US-StreitkrĂ€fte in Europa, General Tod Wolters, am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) bei einer Videoschalte im Pentagon sagte. Weitere 5.000 hielten sich in der US-MilitĂ€ranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern auf. Rund 4.300 Afghanen befĂ€nden sich auf weiteren Drehkreuzen in Italien und Spanien.

Die Menschen werden nach seinen Worten vor der Weiterreise in die USA zweimal ĂŒberprĂŒft – einmal bei der Ankunft und ein weiteres Mal kurz vor der Abreise. Man habe bisher eine verdĂ€chtige Person aufgespĂŒrt, die sich nun in Gewahrsam befinde, sagte Wolters weiter. Er konnte keine weiteren Details zu dem VerdĂ€chtigen nennen - lediglich dass dieser keine "große Bedrohung" sei. Die Zusammenarbeit mit Deutschland sei in diesem Fall sehr kooperativ gewesen – man untersuche nun weiter den Hintergrund der Person.

Wolters lobte generell die "hundertprozentige UnterstĂŒtzung" der Behörden Deutschlands, Italiens und Spaniens bei der Mission. Schutzsuchende wie etwa ehemalige OrtskrĂ€fte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen in Ramstein oder etwa auf anderen StĂŒtzpunkten der USA zunĂ€chst in Zelten und Flugzeughangars unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt.

Gegen Bedingungen: Maas stellt Taliban Geld in Aussicht

Bundesaußenminister Heiko Maas hat den militant-islamistischen Taliban in Aussicht gestellt, dass Deutschland die derzeit gestoppten Entwicklungshilfe-Zahlungen fĂŒr Afghanistan wieder aufnimmt. Voraussetzung sei allerdings eine Regierung, die nicht nur aus Taliban besteht, erklĂ€rte der SPD-Politiker am Donnerstagabend zu Beginn von Beratungen mit EU-Amtskollegen in Slowenien. Zudem mĂŒssten grundlegende Menschen- und Frauenrechte gewahrt werden und Afghanistan dĂŒrfe zu keinem "neuen Hort fĂŒr Terrorismus" werden. "Die meisten Menschen (...) werden aufgrund der geschlossenen Grenzen Afghanistan nicht verlassen können", sagte Maas. "Deshalb muss man den Menschen in Afghanistan jetzt helfen, und dafĂŒr muss man auch mit den Taliban sprechen."

Die EU-Partner forderte Maas auf, bei dem Thema an einem Strang zu ziehen. "Es gibt in Afghanistan eine neue RealitĂ€t – ob uns das gefĂ€llt oder nicht. Und wir haben jetzt keine Zeit mehr, die Wunden zu lecken", sagte er. Wenn die EuropĂ€ische Union eine Rolle spielen wolle, mĂŒsse man jetzt schnell handeln. Maas spielte damit darauf an, dass zum Beispiel China Macht und Einfluss in der Region ausbauen könnte. Die Beratungen der Außenminister sollen an diesem Freitagnachmittag enden. Neben Afghanistan soll auch der Umgang mit China Thema sein.

EU-LĂ€nder halten GesprĂ€che mit Taliban fĂŒr unausweichlich

An GesprĂ€chen mit den radikalislamischen Taliban fĂŒhrt kein Weg vorbei – das haben die Außenminister Deutschlands und anderer EU-Staaten bei einem informellen Treffen in Slowenien am Donnerstag deutlich gemacht. Bundesaußenminister Heiko Maas warnte am Donnerstagabend in Kranj, es drohe eine "humanitĂ€re Katastrophe in Afghanistan". Um den Menschen zu helfen, mĂŒsse man "mit den Taliban sprechen". Auch eine diplomatische PrĂ€senz vor Ort sei dafĂŒr nötig.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte, es gehe "nicht um eine Anerkennung der Taliban". Zentral sei nun die Frage, wie Millionen von Menschen geholfen werden könne. Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg sprach von einem massiven "Misstrauensvorschuss", den die EU den Taliban entgegenbringe. Dennoch seien GesprĂ€che nötig, um Terror-Gefahren abzuwenden. "Afghanistan darf nicht zu einem schwarzen Loch der Sicherheitspolitik werden", betonte er.

Großbritannien schĂ€tzte Fall von Kabul 2021 als "unwahrscheinlich" ein

Die britische Regierung ist nach eigenen Angaben vom schnellen Vordringen der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan ĂŒberrascht worden. Die EinschĂ€tzung sei gewesen, dass es "unwahrscheinlich" sei, dass die Taliban noch 2021 die Kontrolle ĂŒber die Hauptstadt Kabul ĂŒbernehmen, sagte Außenminister Dominic Raab in einem Parlamentsausschuss. Vom Abzug der Alliierten an sei zwar mit einer stĂ€ndigen Verschlechterung der Situation gerechnet worden. "Es war unwahrscheinlich, dass Kabul dieses Jahr fallen wĂŒrde", so Raab.

Diese EinschĂ€tzung sei auch von den Nato-Partnern geteilt worden und habe lange Bestand gehabt, sagte Raab vor den Mitgliedern des AuswĂ€rtigen Ausschusses. Es seien allerdings auch Vorkehrungen fĂŒr "eine schnellere Verschlechterung" der Lage getroffen worden. Raab rĂ€umte ein, dass das Tempo des Taliban-Vorstoßes unterschĂ€tzt worden sei. Er machte dafĂŒr den "Optimismus" der USA verantwortlich.

Katar arbeitet mit Taliban an Wiedereröffnung von Flughafen Kabul

Der Golf-Staat Katar arbeitet mit den radikalislamischen Taliban zusammen an einer Wiedereröffnung des Flughafens in Afghanistans Hauptstadt Kabul. "Wir sind zuversichtlich, dass wir ihn so bald wie möglich in Betrieb nehmen können", sagte der katarische Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani am Donnerstag in Doha. Die nun in Afghanistan regierenden Islamisten rief er auf, sichere Ausreisen zu ermöglichen.

"Es ist sehr wichtig, dass die Taliban sich verpflichten, der afghanischen Bevölkerung sicheres Geleit und FreizĂŒgigkeit zu gewĂ€hren", sagte al-Thani. Katar arbeite mit den Islamisten und auch mit der TĂŒrkei zusammen. "Hoffentlich werden wir in den nĂ€chsten Tagen gute Nachrichten erhalten."

"Wir mĂŒssen uns an die neue RealitĂ€t anpassen", sagte Großbritanniens Außenminister Dominic Raab, der zu GesprĂ€chen mit seinem Amtskollegen nach Doha gereist war. "Unsere unmittelbare PrioritĂ€t ist es, die sichere Ausreise der verbleibenden britischen Staatsangehörigen zu gewĂ€hrleisten, aber auch der Afghanen, die fĂŒr das Vereinigte Königreich gearbeitet haben, und anderer, die am meisten gefĂ€hrdet sein könnten."

Taliban wollen in KĂŒrze neue Regierung vorstellen

Mehr als zwei Wochen nach der MachtĂŒbernahme der Taliban in Afghanistan wollen die radikalen Islamisten in KĂŒrze ihre Regierung vorstellen. Im PrĂ€sidentenpalast von Kabul werde dafĂŒr aktuell eine Zeremonie vorbereitet, erklĂ€rte ein Taliban-Vertreter am Donnerstag in den sozialen Medien. Der Privatsender Tolo meldete, die Verteilung der Ministerposten werde in KĂŒrze bekanntgegeben. Angesichts eines drohenden Zusammenbruchs der Wirtschaft sind die Taliban darauf angewiesen, dass internationale Geldgeber der FĂŒhrung LegitimitĂ€t zusprechen. Die USA und die EU haben eine förmliche Anerkennung der Regierung davon abhĂ€ngig gemacht, dass die Islamisten ihren AnkĂŒndigungen zum Schutz von Menschenrechten Taten folgen lassen.

Von 1996 bis 2001 hatten die Taliban in Afghanistan eine radikale Form des islamischen Rechtssystems der Scharia brutal durchgesetzt. Die Regierung der Islamisten bestand damals aus einem nicht gewĂ€hlten FĂŒhrungsrat. Kurz nach der kĂŒrzlichen WiederĂŒbernahme der Macht in Kabul Mitte August hatte ein ranghoher Taliban-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, die kĂŒnftige Regierungsart könnte der frĂŒheren Ă€hneln. Das letzte Wort werde wahrscheinlich Taliban-Chef Mullah Haibatullah Achundsada als geistliches und politisches Oberhaupt haben.

Putin: US-Einsatz in Afghanistan endet in einer "Tragödie"

Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hat das Ende des US-MilitĂ€reinsatzes in Afghanistan als "Tragödie" bezeichnet. Zwei Jahrzehnte lang hĂ€tten US-Soldaten versucht, westliche "Normen" in Afghanistan zu verankern, sagte Putin am Mittwoch bei einer Begegnung mit Jugendlichen in Wladiwostok. Im Ergebnis habe dies aber zu vielen "Verlusten" gefĂŒhrt – sowohl aufseiten der USA als auch aufseiten Afghanistans.

Putin sagte, es sei "unmöglich", Afghanistan in der Zukunft von außen etwas aufzuzwingen. Die russische Regierung hat im Umgang mit den radikal-islamischen Taliban, die in Kabul Mitte August die Macht ĂŒbernommen haben, eine versöhnliche Haltung angenommen. Moskau rief zu einem "nationalen Dialog" in Afghanistan auf.

Die Taliban werden von der Regierung in Moskau weiterhin als "Terrorgruppe" eingestuft, auch wenn es seit Jahren GesprĂ€chskontakte gibt. Die russische Regierung will die Herrschaft der Taliban nur anerkennen, wenn sie ausreichende Garantien zusagen. Insbesondere fĂŒrchtet Russland um die Sicherheit in den frĂŒheren Sowjetrepubliken in Zentralasien. Außerdem will Moskau einen Anstieg des Opium- und Heroinschmuggels verhindern.

Al-Kaida gratuliert Taliban zu "historischem Sieg"

Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat den Taliban zur MachtĂŒbernahme in Afghanistan gratuliert und mit Blick auf den US-Abzug aus dem Land von einem "historischen Sieg" gesprochen. Das "Generalkommando" Al-Kaidas verbreitete ĂŒber seinen PropagandaflĂŒgel Al-Sahab am Dienstagabend eine zweiseitige Mitteilung. "Das afghanische Debakel Amerikas und der Nato markiert den Anfang vom Ende einer dunklen Ära westlicher Vorherrschaft und militĂ€rischer Besatzung islamischer LĂ€nder", heißt es darin. Das afghanische Volk sei aufgerufen, den Taliban zu vertrauen und sie zu unterstĂŒtzen.

Menschenmengen an Afghanistans Grenzen

Nach dem Ende der LuftbrĂŒcke aus Afghanistan wagen viele Menschen die Flucht auf dem Landweg. Allein am Übergang Islam Kala an der Grenze zum Iran drĂ€ngten sich Tausende Menschen, wie Augenzeugen am Mittwoch berichteten. Auch an einem GrenzĂŒbergang zu Pakistan unweit des Chaiber-Passes warte eine große Zahl von Menschen darauf, dass die Tore geöffnet werden, sagte ein pakistanischer Behördenvertreter. Ein ehemaliger US-MilitĂ€rvertreter erklĂ€rte, Überlandverbindungen seien riskant, aber zurzeit die einzige Möglichkeit zur Flucht. Nach der MachtĂŒbernahme der radikal-islamischen Taliban Mitte August waren ĂŒber 122.000 Personen ausgeflogen worden. Laut UN könnten bis Jahresende bis zu eine halbe Million Menschen fliehen.

Bericht: Taliban schleusten US-BĂŒrger zum Flughafen in Kabul

Bei den Evakuierungen von Amerikanern aus Afghanistan hatte das US-MilitĂ€r offenbar einen Deal mit den Taliban. Wie der US-amerikanische Nachrichtensender CNN berichtete, haben die militanten Islamisten die zu evakuierenden Menschen von Sammelpunkten in der Hauptstadt Kabul zu einem geheimen Tor am Flughafen eskortiert. Dort sollen die BĂŒrger dann von der US-Armee in Empfang genommen worden sein.

Nach Angaben des Nachrichtenmediums, das sich auf Aussagen von US-Offizieren beruft, kam es mehrmals am Tag zu solchen Eskorten durch die Taliban. Damit sollten die Menschen vor drohenden AnschlĂ€gen am Flughafen geschĂŒtzt werden.

Deutschland strebt diplomatische Vertretung in Afghanistan an

Deutschland strebt auch nach der MachtĂŒbernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan unter bestimmten Bedingungen eine diplomatische Vertretung in der Hauptstadt Kabul an. "Wenn es politisch möglich wĂ€re und wenn die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine eigene Botschaft haben", sagte Außenminister Heiko Maas am Dienstag bei einem Besuch in Katar. Zurzeit sei man in enger Abstimmung vor allem mit den europĂ€ischen Partnern zu diesem Thema.

Maas betonte aber auch, dass eine diplomatische Vertretung keine Anerkennung einer Taliban-Regierung bedeuten wĂŒrde. "Es geht im Moment nicht um die Frage der völkerrechtlichen Anerkennung", sagte er. "Es geht um die Lösung ganz praktischer Probleme."

UN-GeneralsekretÀr warnt vor humanitÀrer Katastrophe

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hat nach dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan und dem Ende der Evakuierungsaktion vor dem völligen Zusammenbruch der Grundversorgung in dem Land gewarnt. "Eine humanitĂ€re Katastrophe bahnt sich an", sagte Guterres am Dienstagabend (Ortszeit) in New York. Die Menschen verlören jeden Tag den Zugang zu elementaren GĂŒtern und Dienstleistungen. "Fast die HĂ€lfte der Bevölkerung Afghanistans – 18 Millionen Menschen – ist auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen, um zu ĂŒberleben. Jeder dritte Afghane weiß nicht, woher seine nĂ€chste Mahlzeit kommen wird. Mehr als die HĂ€lfte aller Kinder unter fĂŒnf Jahren wird im nĂ€chsten Jahr voraussichtlich akut unterernĂ€hrt sein."

Guterres sagte, alle Mitgliedstaaten seien aufgefordert, "sich fĂŒr die Menschen in Afghanistan in ihrer dunkelsten Stunde der Not einzusetzen". Sie sollten rechtzeitig, flexibel und umfassend Mittel bereitstellen. In der nĂ€chsten Woche wĂŒrden Einzelheiten ĂŒber den dringendsten humanitĂ€ren Bedarf und den Finanzierungsbedarf fĂŒr die nĂ€chsten vier Monate bekannt gegeben werden.

Die afghanischen Kinder, Frauen und MĂ€nner brĂ€uchten jetzt mehr denn je die UnterstĂŒtzung und SolidaritĂ€t der internationalen Gemeinschaft, sagte Guterres. In diesem Jahr hĂ€tten bereits acht Millionen Menschen Hilfe bekommen. Angesichts der schweren DĂŒrre und des bevorstehenden harten Winters mĂŒssten dringend zusĂ€tzliche Nahrungsmittel, UnterkĂŒnfte und medizinische HilfsgĂŒter in das Land gebracht werden. "Ich fordere alle Beteiligten auf, den sicheren und ungehinderten Zugang fĂŒr lebensrettende und lebenserhaltende HilfsgĂŒter sowie fĂŒr alle humanitĂ€ren Helfer – MĂ€nner und Frauen – zu ermöglichen."

USA ermöglichen trotz Sanktionen gegen Taliban humanitÀre Hilfe

Die USA setzen auch nach dem Abzug in Afghanistan ihre humanitĂ€re Hilfe vor Ort fort. Eine Sondergenehmigung ermĂ€chtige die US-Regierung und ihre Auftragnehmer, trotz Sanktionen gegen die als Terroristen eingestuften Taliban Hilfe fĂŒr die Menschen in Afghanistan zu leisten, einschließlich der Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten, sagt ein Beamter des US-Finanzministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Die bestehenden Sanktionen frieren alle US-Vermögenswerte der militanten islamistischen Gruppe ein und verbieten den Amerikanern den Handel mit ihnen, einschließlich der Spende von Finanzmitteln, Waren oder Dienstleistungen. Diese Sanktionen blieben von der Sonderregelung unberĂŒhrt, sagt der Beamte.

Bericht: Maas setzt auf BusbrĂŒcke fĂŒr afghanische OrtskrĂ€fte

Außenminister Heiko Maas besucht derzeit die NachbarlĂ€nder Afghanistans, um dort ĂŒber die weitere Evakuierung von OrtskrĂ€ften und deren Familien zu verhandeln. Dort hat es nun Fortschritte gegeben: Die Mitarbeiter zweier deutscher politischer Stiftungen konnten auf dem Landweg nach Pakistan ausreisen. Ziel sei es, sie bald in Deutschland in Empfang zu nehmen, teilten die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung mit. Nach dpa-Informationen wurden insgesamt etwa 100 Menschen in einem Konvoi ĂŒber die Grenze gebracht.

Wie der "Spiegel" berichtet, hat neben Pakistan auch Usbekistan logistische UnterstĂŒtzung bei der Ausreise von OrtskrĂ€ften und deren Familienangehörigen zugesagt. Selbst FlĂŒchtlinge aufnehmen wollen beide Staaten jedoch nicht.

Die Bundeswehr hat mehr als 5.000 Menschen ausgeflogen, insgesamt waren es fast 120.000. Nun ist allerdings der Kabuler Flughafen unter der Kontrolle der Taliban. Deutschland will aber noch mehr als 40.000 weitere Menschen außer Landes bringen – auf dem Landweg ĂŒber die NachbarlĂ€nder oder auf dem direkten Luftweg vom Flughafen Kabul. Bisher traten die Taliban versöhnlich auf und sicherten Zusammenarbeit zu. Viele Afghanen aber bezweifeln, dass es dabei bleibt.

EU findet keine Einigung zu FlĂŒchtlingen aus Afghanistan

Die EU-Staaten haben sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen bezĂŒglich Migranten aus Afghanistan geeinigt, die nach der Machtergreifung der Taliban als gefĂ€hrdet gelten. Die EU-Kommissarin fĂŒr Inneres, Ylva Johansson, sagte am Dienstag vor einem Innenminister-Treffen, die EU solle Frauen, Kinder, Richter, Journalisten und Menschenrechtler aufnehmen, die nun in Gefahr seien. "Wir mĂŒssen eine humanitĂ€re Krise vermeiden, wir mĂŒssen eine Migrationskrise vermeiden, und wir mĂŒssen eine GefĂ€hrdung der Sicherheit vermeiden", sagte sie und ergĂ€nzte: "Jeder will eine Situation wie 2015 vermeiden."

Damals hatten mehr als eine Million Migranten aus Syrien und anderen Staaten die EU erreicht, was in vielen EU-Staaten zu Spannungen fĂŒhrte. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, alle Mitgliedstaaten sollten einen Beitrag leisten. DĂ€nemark, Tschechien und Österreich erklĂ€rten jedoch, dies stehe außerfrage.

Acht Taliban offenbar bei KÀmpfen in Pandschir getötet

Eine mit den Taliban verfeindete Miliz hat nach eigenen Angaben einen Vorstoß der neuen Machthaber auf die einzige von diesen noch nicht eroberte afghanische Provinz Pandschir abgewehrt. Bei den KĂ€mpfen am westlichen Eingang zum Pandschir-Tal seien acht Taliban-KĂ€mpfer getötet worden, teilt ein Vertreter der Nationalen Widerstandsfront mit. In den eigenen Reihen seien zwei KĂ€mpfer gefallen. Die Taliban waren fĂŒr eine Stellungnahme zunĂ€chst nicht zu erreichen.

Pandschir liegt nordöstlich von Kabul. Es ist die einzige Provinz, die seit der Eroberung der afghanischen Hauptstadt durch die Taliban am 15. August noch nicht in deren Hand gefallen ist. Allerdings gab es auch in der benachbarten Provinz Baghlan KÀmpfe zwischen den Taliban und lokalen Milizen.

Asselborn fordert Aufnahme von 40.000 FlĂŒchtlingen in EU

Vor einem EU-Ministertreffen zu Afghanistan hat Luxemburgs Einwanderungsminister Jean Asselborn fĂŒr die Aufnahme Zehntausender afghanischer FlĂŒchtlinge in der EU geworben. "Die EuropĂ€ische Union sollte bereit sein, 40.000 bis 50.000 Resettlement-PlĂ€tze fĂŒr afghanische FlĂŒchtlinge zur VerfĂŒgung zu stellen", sagte Asselborn der "Welt". "Damit wĂŒrden wir MĂ€dchen, Frauen, ehemalige Richterinnen, Menschenrechts-Aktivisten oder andere Personen, deren Leben unmittelbar bedroht ist, im Rahmen von Umsiedlungen auf einem legalen und sicheren Weg in Zusammenarbeit mit dem FlĂŒchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in die EU holen."

Jean Asselborn: Die EuropĂ€ische Union sollte Zehntausende FlĂŒchtlinge aus Afghanistan aufnehmen.
Jean Asselborn: Die EuropĂ€ische Union sollte Zehntausende FlĂŒchtlinge aus Afghanistan aufnehmen. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)

Maas: MilitÀreinsatz-Ziele neu beurteilen

Die "große Lehre" aus dem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes muss nach Ansicht von Außenminister Heiko Maas sein, dass kĂŒnftig "Ziele und Dauer" von MilitĂ€reinsĂ€tzen neu beurteilt werden mĂŒssen. "MilitĂ€rische Interventionen sind nicht geeignet, um langfristig eine Staatsform zu exportieren", sagt er. "Das ist offensichtlich in Afghanistan gescheitert."

Zudem appellierte er an die Taliban, die Zusagen einzuhalten, dass weitere Menschen ausreisen dĂŒrfen und eine inklusive Regierung in Kabul entstehe. "Wir wollen nicht nur, dass sie eingehalten werden, sondern sie auch umsetzen", sagt Maas in Islamabad. "DafĂŒr fĂŒhren wir weitere GesprĂ€che mit den Taliban." Man brauche Absprachen etwa fĂŒr die Evakuierung von Menschen ĂŒber den Landweg. Er hoffe, dass der Flughafen Kabul bald wieder fĂŒr Charterflugzeuge zur VerfĂŒgung stehe.

GrĂŒne und FDP kritisieren Maas erneut

GrĂŒne und FDP haben erneut das Vorgehen von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Verbindung mit der Evakuierungsaktion aus Afghanistan scharf kritisiert. Mit seiner Reise in die Region wolle Maas nun "nachtrĂ€glich den Eindruck erwecken, dass er etwas tut", sagte der GrĂŒnen-Außenpolitiker JĂŒrgen Trittin dem Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Doch die VersĂ€umnisse, die bei der Evakuierung und der Visa-Erteilung gemacht wurden, kann man nicht mehr aufholen."

Trittin wies darauf hin, dass die Bundeswehr zwar nach der MachtĂŒbernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan rund 5.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen habe. Darunter waren nach Angaben des Bundesinnenministeriums jedoch nur 138 OrtskrĂ€fte deutscher Institutionen, zusammen mit ihren Familienangehörigen 634 Menschen. Mehr als 10.000 weitere SchutzbedĂŒrftige wurden dagegen zurĂŒckgelassen.

"Private Retter haben rund 300 Menschen ausgeflogen - das heißt, sie haben mehr Menschen gerettet als Heiko Maas", sagte Trittin dazu weiter. Dies sei fĂŒr die Bundesregierung "eine verheerende Bilanz". Das Versagen der Regierung fĂŒhre auch dazu, dass Deutschland nun erpressbar sei und "mit autoritĂ€ren Herrschern wie Erdogan und den radikalen Taliban verhandeln" mĂŒsse.

Die aktuelle Reise von Maas komme "ein oder zwei Jahre zu spĂ€t", kritisierte auch der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff in den RND-Zeitungen vom Dienstag. "Die Taliban haben nun die Entscheidungshoheit darĂŒber, was mit den deutschen StaatsbĂŒrgern und den OrtskrĂ€ften passiert", warf auch er der Regierung vor. Maas besucht derzeit mehrere NachbarlĂ€nder Afghanistans. Zuvor hatte er auch GesprĂ€che in der TĂŒrkei gefĂŒhrt.

Noch einige Hundert Briten in Afghanistan

Die Zahl der britischen StaatsbĂŒrger, die sich noch in Afghanistan befinden, siedelt Außenminister Dominic Raab im "niedrigen Hunderter"-Bereich an. Das sei ein "sehr niedriges Niveau" angesichts dessen, dass 5.000 Menschen aus Afghanistan herausgeholt worden seien, sagt Raab dem Sender Sky News.

Pakistan will keine afghanischen FlĂŒchtlinge mehr aufnehmen

Nach der MachtĂŒbernahme der Taliban in Afghanistan hat Pakistans Botschafter in Deutschland der Aufnahme weiterer FlĂŒchtlinge aus dem Nachbarland eine Absage erteilt. "Pakistan nimmt keine weiteren FlĂŒchtlinge aus Afghanistan auf", sagte Mohammad Faisal dem "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe). Sein Land unterstĂŒtze allerdings mit allen KrĂ€ften die Ausreise von Afghanen in andere LĂ€nder. Die Grenzen wĂŒrden erst einmal geöffnet bleiben.

Pakistan mit seinen rund 220 Millionen Einwohnern habe bereits zwischen drei und vier Millionen Afghanen aufgenommen. Jetzt sollten "reichere und grĂ¶ĂŸere" LĂ€nder GeflĂŒchtete von dort aufnehmen, sagte Faisal weiter. Er wollte aber keine LĂ€nder nennen.

Taliban wollen "gute Beziehungen " mit den USA

Nach dem Abzug der US-Truppen wollen die radikalislamischen Taliban nach eigenen Angaben "gute" Beziehungen mit den USA. "Wir wollen gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt haben", sagte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag bei einer Rede am Flughafen in Kabul. "Wir begrĂŒĂŸen gute diplomatische Beziehungen mit allen."

US-MilitĂ€r lĂ€sst Flugzeuge und Fahrzeuge bei Abzug aus Kabul funktionsunfĂ€hig zurĂŒck

Bei ihrem Abzug haben die US-Truppen zahlreiche Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge sowie das Raketenabwehrsystem auf dem Flughafen von Kabul funktionsunfÀhig gemacht, damit diese nicht in die HÀnde der Taliban oder anderer islamistischer Gruppen fallen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Letzte US-Soldaten verlassen Afghanistan

Mit dem Abzug ihrer letzten Soldaten vom Flughafen Kabul haben die USA den MilitĂ€reinsatz in Afghanistan nach fast 20 Jahren beendet. "Ich bin hier, um die Vollendung unseres Abzugs aus Afghanistan zu verkĂŒnden", sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom fĂŒhrt, am Montag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. Damit ende auch die militĂ€rische Mission zur Evakuierung von Amerikanern, VerbĂŒndeten und schutzsuchenden Afghanen. Das letzte US-MilitĂ€rflugzeug habe eine Minute vor Mitternacht (Ortszeit) vom Kabuler Flughafen abgehoben. Mehr dazu lesen Sie hier.

UN-Sicherheitsrat beschließt Resolution gegen Taliban

Der UN-Sicherheitsrat erhöht den Druck auf die Taliban, Afghanen ungehindert aus ihrem Heimatland ausreisen zu lassen. Eine entsprechende Resolution wurde am Montag vom mĂ€chtigsten UN-Gremium mit 13 Ja-Stimmen angenommen, Russland und China enthielten sich. In der Resolution, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, verweist der Sicherheitsrat auf die Zusagen der Taliban vom Freitag, dass Afghanen das Land jederzeit und auf allen möglichen Wegen ungehindert verlassen dĂŒrften. Der Sicherheitsrat "erwartet, dass die Taliban diese und alle anderen Verpflichtungen einhalten", heißt es darin.

Die Resolution fordert zugleich, dass Afghanistan nicht zu einem Hafen fĂŒr Terroristen und ihre AnschlagsplĂ€ne werden dĂŒrfe. Ebenfalls hervorgehoben wird die Notwendigkeit fĂŒr ungehinderten humanitĂ€ren Zugang sowie die Wahrung der Menschenrechte, insbesondere "der Rechte von Frauen, Kindern und Minderheiten". Eine vom französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron zuletzt ins Spiel gebrachte UN-Sicherheitszone in Kabul wird in der Resolution nicht erwĂ€hnt. UN-Resolutionen sind völkerrechtlich bindend.

Taliban-Flaggen in Kabul: Die UN drÀngt die Islamisten. Afghanen weiter ausreisen zu lassen.
Taliban-Flaggen in Kabul: Die UN drÀngt die Islamisten. Afghanen weiter ausreisen zu lassen. (Quelle: Khwaja Tawfiq Sediqi/ap-bilder)

WHO fliegt ersten Hilfsflug nach MachtĂŒbernahme der Taliban

Zum ersten Mal seit der MachtĂŒbernahme der radikalislamischen Taliban ist ein Flugzeug mit medizinischen HilfsgĂŒtern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Afghanistan gelandet. Wie die WHO am Montag mitteilte, wurde das Flugzeug von der pakistanischen Regierung zur VerfĂŒgung gestellt. Die Maschine, die von Dubai nach Masar-i-Scharif in Norden Afghanistans flog, hatte 12,5 Tonnen Medikamente und andere medizinische AusrĂŒstung an Bord.

Vor einem Krankenhaus in Kabul: Die WHO konnte erstmals seit zwei Wochen medizinisches Material nach Afghanistan fliegen.
Vor einem Krankenhaus in Kabul: Die WHO konnte erstmals seit zwei Wochen medizinisches Material nach Afghanistan fliegen. (Quelle: Reuters-bilder)

Vergangene Woche hatte die WHO gewarnt, den Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan drohe bald der Nachschub an medizinischer AusrĂŒstung auszugehen. Durch das Chaos und die Gefahr am Flughafen von Kabul hatte die WHO mit logistischen Problemen zu kĂ€mpfen. 500 Tonnen an Medikamenten und HilfsgĂŒtern, die in Dubai gelagert waren, konnten nicht ausgeliefert werden.

Die WHO habe "tagelang ununterbrochen an einer Lösung gearbeitet", erklĂ€rte Leiter der WHO-Region Östliches Mittelmeer, Ahmed al-Mandhari. Nun könnten die VorrĂ€te der Gesundheitseinrichtungen in Afghanistan zumindest "teilweise" wieder aufgefĂŒllt werden und die von der WHO unterstĂŒtzten Gesundheitsdienste könnten "vorerst" weiterarbeiten. Die jetzige Lieferung deckt demnach den Bedarf von 200.000 Menschen und reicht fĂŒr 3.500 chirurgische Eingriffe. Die GĂŒter sollen direkt an 40 Einrichtungen in 29 Provinzen gehen.

UN-Sicherheitsrat könnte Druck auf die Taliban erhöhen

Der UN-Sicherheitsrat will noch am Montag ĂŒber eine Resolution abstimmen, die zur sicheren Ausreise von Menschen aus Afghanistan fĂŒhren soll. Das wichtigste UN-Gremium soll um 21 Uhr (MESZ) zusammenkommen, berichteten Diplomaten. Die Annahme eines entsprechenden französisch-britischen Texts wĂŒrde den Druck auf die Taliban erhöhen, Menschen eine sichere Ausreise aus Kabul zu gewĂ€hren und sich an frĂŒhere Zusagen zu halten.

Die VetomĂ€chte Russland und China hatten sich bei Verhandlungen am Wochenende Diplomaten zufolge offen fĂŒr eine Einigung gezeigt. Eine Zustimmung sei aber noch nicht sicher, hieß es. FĂŒr eine Annahme einer Resolution braucht es im wichtigsten UN-Gremium neun von 15 Ja-Stimmen ohne ein Veto der stĂ€ndigen Mitglieder USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien.

Der Resolutionsentwurf von Großbritannien und Frankreich zusammen mit den USA betont dabei, dass Afghanistan nicht zu einem Hafen fĂŒr Terroristen und ihre AnschlagsplĂ€ne werden darf. Ebenfalls hervorgehoben wird die Notwendigkeit, dass unter anderem die Vereinten Nationen ungehinderten humanitĂ€ren Zugang erhalten. Eine vom französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron zuletzt ins Spiel gebrachte UN-Sicherheitszone in Kabul wird ĂŒbereinstimmenden Angaben von Diplomaten aber nicht direkt erwĂ€hnt.

US-MilitÀr bestÀtigt Raketenangriff auf Flughafen in Kabul

Die US-Regierung hat Berichte bestĂ€tigt, wonach fĂŒnf Raketen in Richtung des Flughafens der afghanischen Hauptstadt abgefeuert worden sind. Drei der Raketen seien "ohne Auswirkungen" außerhalb des Flughafens gelandet, sagte Generalmajor William Taylor. Eine Rakete sei von einem installierten Raketenabwehrsystem am Flughafen abgewehrt worden. Eine weitere Rakete sei ohne Gefahr fĂŒr Personal oder die Mission zu Boden gekommen, so Taylor weiter.

Auf Nachfrage erklĂ€rte Pentagon-Sprecher John Kirby, dass diese Rakete innerhalb des GelĂ€nde des Flughafens gelandet sei. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte den Raketenangriff zuvor fĂŒr sich reklamiert, sprach allerdings von sechs Raketen.

Maas will nicht selbst mit Taliban reden

Bundesaußenminister Heiko Maas will nicht selbst mit den radikal-islamischen Taliban ĂŒber die Ausreise schutzsuchender Afghanen reden. Der GesprĂ€chspartner der Bundesregierung fĂŒr die Taliban sei der Diplomat Markus Potzel, der derzeit mit Vertretern der neuen afghanischen Machthaber im Golfemirat Katar verhandelt. "Das ist der Kanal, den wir nutzen." Das werde man auch weiter tun.

Außenminister Heiko Maas (l.) mit Abdulasis Komilow, Außenminister von Usbekistan: Die beiden diskutierten ĂŒber die Folgen des Konflikts in Afghanistan.
Außenminister Heiko Maas (l.) mit Abdulasis Komilow, Außenminister von Usbekistan: Die beiden diskutierten ĂŒber die Folgen des Konflikts in Afghanistan. (Quelle: Michael Fischer/dpa-bilder)

Maas befindet sich gerade auf einer viertĂ€gigen Reise durch fĂŒnf LĂ€nder, die eine Rolle fĂŒr die Ausreise schutzbedĂŒrftiger Menschen spielen. Darunter ist auch das arabische Golfemirat Katar, das einen besonders guten Draht zu den Taliban hat. Dort haben die Islamisten ihr politisches BĂŒro, eine Art Außenministerium.

LuftbrĂŒcke brachte 138 OrtskrĂ€fte aus Kabul nach Deutschland

Die von der Bundesregierung organisierte LuftbrĂŒcke aus Kabul hat nach vorlĂ€ufigen Angaben 138 OrtskrĂ€fte nach Deutschland gebracht sowie deren Familienangehörige. Insgesamt seien 634 Menschen aus dieser Gruppe ausgeflogen worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI) am Montag in Berlin. Er verwies darauf, dass die Zahl der Hilfeersuchen erst nach dem Beginn der LuftbrĂŒcke deutlich gestiegen sei – auf nunmehr mindestens 40.000 Menschen.

"WÀhrend der Evakuierungen gab es aus den Ressorts Nachreichungen, gab es auch von den OrtskrÀften sehr viele Nachmeldungen, auch von Familienangehörigen, so dass wir derzeit davon ausgehen, dass der Anteil derer, die einen Bezug zu OrtskrÀften haben, bei inzwischen mehr als 40.000 Personen liegt", sagte der Sprecher.

Über die LuftbrĂŒcke der Bundeswehr, die auch Menschen aus anderen Staaten ausflog, kamen inzwischen nach Angaben des Innenministeriums 4.587 Menschen nach Deutschland, davon 3.849 Afghanen und 403 deutsche Staatsangehörige. "Da hat sich niemand an ein deutsches Flugzeug gestellt und hat abgezĂ€hlt und hat gesagt, wir nehmen jetzt nur diejenigen mit, die nach Deutschland kommen und diejenigen, die nach Italien mĂŒssen oder nach Belgien, die lassen wir hier stehen", sagte der Sprecher.

Maas will nur Afghanen mit Aufnahmezusage bei Ausreise helfen

Bundesaußenminister Heiko Maas will nur denjenigen Menschen bei der Ausreise aus Afghanistan helfen, die eine Zusage fĂŒr die Aufnahme in Deutschland haben. "Es geht uns nur um diese Personengruppe", betonte der SPD-Politiker am Montag nach GesprĂ€chen in Usbekistan, das als Nachbarland Afghanistans eine erste Anlaufstation fĂŒr Schutzsuchende ist. Die Regierung in Taschkent habe sich bei der von Deutschland definierten Personengruppe zur Kooperation bereit erklĂ€rt. "DarĂŒber hinaus haben wir auch keine Anfrage gestellt."

Auf den Ausreiselisten des AuswĂ€rtigen Amts stehen mehr als 10.000 Afghanen. Dazu zĂ€hlen ehemalige afghanische Mitarbeiter von Bundeswehr oder Ministerien – die sogenannten OrtskrĂ€fte – und besonders schutzbedĂŒrftige Menschen wie Menschenrechtsaktivisten oder Frauenrechtlerinnen. Hinzu kommen deren Familienangehörige. Zusammen geht es nach jetzigem Stand um mehr als 40.000 Menschen, die in Deutschland aufgenommen werden sollen – wenn es ihnen gelingt, das Land zu verlassen.

Raketen auf Flughafen Kabul abgefeuert

In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es einen Raketenangriff gegeben. Am Montagmorgen seien aus der Gegend Chairchanah im Norden der Stadt mehrere Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden, schrieb der lokale Fernsehsender Tolonews unter Berufung auf Augenzeugen auf Twitter. Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter, dass mindestens fĂŒnf Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden seien.

Über mögliche Opfer oder SchĂ€den gab es zunĂ€chst keine Informationen. Der Flughafen verfĂŒgt ĂŒber ein Raketenabwehrsystem. Dieses wurde erst vor wenigen Wochen getestet. In sozialen Medien wurden Videos geteilt, die ein brennendes Auto zeigen sollen, aus dem die Raketen abgefeuert worden sein sollen.

Die AktivitĂ€ten auf dem Kabuler Flughafen sind durch den Raketenangriff nicht unterbrochen worden. Das teilt die US-Regierung mit. PrĂ€sident Joe Biden sei ĂŒber Einzelheiten des Angriffs informiert worden.

Er hatte am Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen rund um den Flughafen Kabul gewarnt. Der Islamische Staat (IS) hat bereits in der Vergangenheit immer wieder verschiedene Ziele in Kabul mit Raketen angegriffen.

China macht USA fĂŒr Situation in Afghanistan mitverantwortlich

China hat die USA fĂŒr die "chaotische" Situation in Afghanistan mitverantwortlich gemacht. Der Krieg in Afghanistan habe sein Ziel, terroristische KrĂ€fte zu beseitigen, nicht erreicht, sagte Chinas Außenminister Wang Yi laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Antony Blinken.

Der ĂŒbereilte Abzug der US- und Nato-Truppen wĂŒrde nun wahrscheinlich dazu fĂŒhren, dass Terrororganisationen zurĂŒckkehren wĂŒrden. In dem GesprĂ€ch Ă€ußerte sich Wang auch deutlich zum derzeitigen Stand der Beziehungen zwischen China und den USA. "Wenn Washington die chinesisch-amerikanischen Beziehungen wieder auf Kurs bringen will, dann sollte es aufhören, China zu verleumden und Chinas SouverĂ€nitĂ€t, Sicherheit und Entwicklungsinteressen zu untergraben", sagte der chinesische Außenminister.

Maas: Noch Zehntausende OrtskrÀfte sollen nach Deutschland

In Afghanistan befinden sich nach Angaben von Außenminister Heiko Maas noch Zehntausende Menschen, die nach Deutschland ausgeflogen werden sollen. "Es gibt noch Zehntausende OrtskrĂ€fte inklusive ihrer Familien", sagt Maas in Antalya. Zudem gebe es noch an die zehntausend SchutzbedĂŒrftige.

"Das sind noch viele Menschen, die eine Aufnahmezusage von uns haben", fĂŒgt der SPD-Politiker hinzu. FĂŒr diesen Personenkreis versuche man nun Wege zu organisieren, wie diese legal das Land verlassen könnten. In Regierungskreisen war in den vergangenen Tagen von mehr als 40.000 Personen inklusive der Familienangehörigen die Rede gewesen.

ZusĂ€tzlich bietet Deutschland laut Maas finanzielle und technische Hilfe beim Wiederaufbau des schwer beschĂ€digten Flughafens in Kabul an. Maas zeigte sich auch offen fĂŒr den französischen Vorschlag, um den Flughafen eine Schutzzone zu bilden. Ob das dann die Vereinten Nationen oder einzelne LĂ€nder mit "KommunikationskanĂ€len" zu den militant-islamistischen Taliban machen sollten, "muss man sehen", sagte Maas nach einem GesprĂ€ch mit dem tĂŒrkischen Außenminister MevlĂŒt ÇavuƟoğlu im sĂŒdtĂŒrkischen Antalya.

Taliban sichern geordnete Ausreise von afghanischen OrtskrÀften zu

Die militant-islamistischen Taliban haben mehreren LĂ€ndern versichert, dass ihre StaatsbĂŒrger und OrtskrĂ€fte aus dem Land ausreisen dĂŒrfen. Man habe von den Taliban Zusicherungen erhalten, dass "alle auslĂ€ndischen Staatsangehörigen und alle afghanischen StaatsbĂŒrger mit einer Reisegenehmigung aus unseren LĂ€ndern sicher und geordnet zu Abflugorten sowie aus dem Land reisen dĂŒrfen", hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen ErklĂ€rung von mehr als 20 LĂ€ndern, darunter die USA und auch Deutschland.

Familien, die aus Afghanistan evakuiert wurden: Die Taliban sicherten mehreren LĂ€ndern eine geordnete Ausreise zu.
Familien, die aus Afghanistan evakuiert wurden: Die Taliban sicherten mehreren LĂ€ndern eine geordnete Ausreise zu. (Quelle: Gemunu Amarasinghe/FR171825/AP/dpa-bilder)

Man werde bestimmten Afghanen weiterhin Reisedokumente ausstellen, und man habe die klare Erwartung und Zusage der Taliban, dass diese in die jeweiligen LĂ€nder reisen könnten, heißt es in der ErklĂ€rung weiter. Man nehme zudem die öffentlichen ErklĂ€rungen der Taliban zur Kenntnis, die dieses VerstĂ€ndnis bestĂ€tigten. Schon in den vergangenen Tagen hatten mehrere hochrangige Taliban-Mitglieder öffentlich versichert, dass Afghanen weiterhin ĂŒber legale Wege aus dem Land ausreisen könnten.

Bis Sonntag sind mehr als 21.000 Evakuierte aus Afghanistan allein auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet. Das teilte der weltweit grĂ¶ĂŸte US-LuftwaffenstĂŒtzpunkt außerhalb Amerikas und das US-Konsulat in Frankfurt mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz fĂŒr GeflĂŒchtete aus Afghanistan. Mehr als 6.000 Evakuierte seien von dort bereits weitergeflogen. "Wir versuchen, so viele Leute wie möglich von Afghanistan in Sicherheit zu bringen", sagte ein Sprecher des US-Generalkonsulats in Frankfurt.

USA melden erneuten Drohnenangriff gegen IS

Die USA haben nach eigenen Angaben einen Drohnenangriff auf ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in Kabul ausgefĂŒhrt. Der "defensive" Angriff habe der Beseitigung einer "akuten Gefahr" fĂŒr den Flughafen der Stadt durch den Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Afghanistan (IS-K) gedient, teilte am Sonntag das US-Verteidigungsministerium mit. Mehr dazu lesen Sie hier.

Offenbar 300 weitere Menschen aus Kabul gerettet

Mit UnterstĂŒtzung aus Deutschland sind nach dem Ende der BundeswehrflĂŒge mehr als 300 weitere SchutzbedĂŒrftige aus Kabul ausgeflogen worden. Darunter waren nach Angaben der Bundesregierung in der Nacht zum Sonntag etwa 140 Deutsche sowie OrtskrĂ€fte und Mitarbeiter eines Auftragsunternehmens des beendeten Nato-Einsatzes. "Zeit" und "Spiegel" berichteten zudem, dass 189 SchutzbedĂŒrftige organisiert von der privaten Rettungsinitiative LuftbrĂŒcke Kabul zum Flughafen gebracht und ausgeflogen wurden, darunter auch Mitarbeiter deutscher Medien. Die Bundeswehr hatte ihren Evakuierungseinsatz am Donnerstag beendet. Die US-StreitkrĂ€fte wollen bis Dienstag abziehen.

Die Rettungsinitiative warf der Bundesregierung fehlende UnterstĂŒtzung und massive WiderstĂ€nde gegen eine vorbereitete Evakuierung vor. "Mit immensem Aufwand konnten wir 18 gefĂ€hrdete OrtskrĂ€fte aus Kabul in Sicherheit bringen. 18 Menschenleben, dabei hĂ€tten es hunderte mehr sein können, wenn unsere Rettungsaktion nicht aktiv vom AuswĂ€rtigen Amt blockiert worden wĂ€re", hieß es in einer ErklĂ€rung, die am Sonntag auf der Internetseite der zivilgesellschaftlichen Initiative verbreitet wurde. Aus der Bundesregierung wurde die Kritik zurĂŒckgewiesen.

Die Rettungsmission hatte eine Chartermaschine nach Kabul geschickt, um GefĂ€hrdete auszufliegen. "FĂŒr hunderte Menschen hatten wir eine sichere Unterkunft, haben sie offiziell auf Listen des AuswĂ€rtigen Amtes registrieren und absegnen lassen, organisierten einen Bustransport ĂŒber die katarische Botschaft und hĂ€tten Menschen innerhalb weniger Stunden an den Flughafen und auf unser Flugzeug bringen können", so die Initiative. Die Bundesregierung "weigerte sich, eine E-Mail zu schreiben, um den Transport freizugeben", hieß es.

Bundeswehr flog offenbar nur 100 OrtskrÀfte aus

Mit den EvakuierungsflĂŒgen der Bundeswehr wurden einem Zeitungsbericht zufolge offenbar nur wenige OrtskrĂ€fte aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Entsprechende erste Zahlen habe das Bundesinnenministerium in dieser Woche unter anderem im Bundestag prĂ€sentiert, berichtete die "Welt am Sonntag". Demnach befanden sich unter den bis Mitte der Woche etwa 4.500 Ausgeflogenen nur knapp mehr als 100 OrtskrĂ€fte mit ihren Familien. Insgesamt mache diese Gruppe rund 500 der 4.500 ausgeflogenen Menschen aus.

Angesichts der unĂŒbersichtlichen Evakuierungen aus Kabul werde allerdings davon ausgegangen, dass sich mehrere OrtskrĂ€fte derzeit womöglich noch in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern aufhielten. Eine Anfrage dazu habe das Bundesinnenministerium unbeantwortet gelassen, schrieb die "WamS". Nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin wurden demnach mittlerweile 5.300 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht.

SPD-Innenexperte Uli Grötsch kritisierte das Innenministerium. "Dass im Zuge der Evakuierung bis Mitte der Woche nur ĂŒber 101 gerettete OrtskrĂ€fte Gewissheit herrschte, ist ein Problem", sagte er der "Welt am Sonntag". Seit Monaten habe die SPD den Koalitionspartner von der Union dazu aufgefordert, "seiner Verantwortung gerecht zu werden". "Jetzt hoffe ich, dass wir möglichst vielen OrtskrĂ€ften noch helfen können", fĂŒgte Grötsch hinzu.

Maas wirbt in Afghanistans Nachbarstaaten um Hilfe

Bundesaußenminister Heiko Maas will in den Nachbarstaaten Afghanistans fĂŒr die Aufnahme afghanischer FlĂŒchtlinge werben, die nach Deutschland weiter reisen wollen. Die Bundesregierung werde sich auch nach dem Ende der LuftbrĂŒcke aus dem Flughafen Kabul um Deutsche, afghanische OrtskrĂ€fte und schutzbedĂŒrftige Menschen kĂŒmmern, sagte Maas am Sonntag vor dem Abflug in die TĂŒrkei, nach Usbekistan, Tadschikistan, Pakistan und Katar. "Hierzu zĂ€hlt, dass wir uns mit den Nachbarstaaten Afghanistans darĂŒber verstĂ€ndigen, wie Deutsche, unsere OrtskrĂ€fte und weitere schutzbedĂŒrftige Afghaninnen und Afghanen schnell und sicher nach Deutschland gelangen können", sagte er.

Zudem gehe es um die Frage, wie am Flughafen in Kabul schnell wieder ein ziviler Betrieb ermöglicht werden könne, sagte Maas. Dazu zĂ€hle auch ein abgestimmtes internationales Auftreten gegenĂŒber den Taliban. Deutschland wolle den Nachbarstaaten auch anbieten, ihnen bei der BewĂ€ltigung der humanitĂ€ren und wirtschaftlichen Folgen zu helfen. "Es ist in unserem eigenen Interesse zu verhindern, dass der Kollaps in Afghanistan die ganze Region destabilisiert."

Es gebe in Kabul und Afghanistan noch immer "unzÀhlige Menschen", die auf eine Ausreise hofften. "Die Lage in Afghanistan ist extrem unbestÀndig und gefÀhrlich", sagte der SPD-Politiker mit Verweis auf den Anschlag am Kabuler Flughafen. Es sei ein machtpolitisches Vakuum entstanden, in das nun "mit erschreckender Geschwindigkeit" die radikalislamische Miliz IS und andere Terroristen hineinstrebten.

Frankreich und England wollen UN-Sicherheitszone in Kabul

Frankreich und Großbritannien wollen bei einer am Montag stattfindenden Dringlichkeitssitzung der Vereinten Nationen zu Afghanistan eine Resolution einreichen, in der eine Sicherheitszone in Kabul vorgeschlagen wird. "Unser Resolutionsvorschlag zielt darauf ab, eine sichere Zone in Kabul unter der Kontrolle der Vereinten Nationen zu definieren, die die Fortsetzung der humanitĂ€ren Operationen ermöglichen wĂŒrde", sagte der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron in einem Interview mit der Zeitung "Le Journal du Dimanche". Damit sollten Menschen geschĂŒtzt werden, die versuchten, das Land zu verlassen.

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder möchte hingegen die Bundeswehr im Rahmen einer EU-Mission zum Schutz des Flughafens in Kabul einsetzen, um die EvakuierungsflĂŒge wieder aufzunehmen. "Das Ziel fĂŒr Afghanistan könnte sein, in naher Zukunft auf dem Flughafen in Kabul eine eigene europĂ€ische Schutzzone zu etablieren", sagte Söder der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Er forderte sofortige Verhandlungen dazu. Europa mĂŒsse sich endlich auch militĂ€risch konsequent koordinieren.

Emmanuel Macron vor dem französischen PrÀsidentenpalast (Archivbild). Er hat eine Sicherheitszone in Kabul vorgeschlagen
Emmanuel Macron vor dem französischen PrÀsidentenpalast (Archivbild). Er hat eine Sicherheitszone in Kabul vorgeschlagen (Quelle: Jonathan Rebboah/imago-images-bilder)

Letzte englische Soldaten verlassen Kabul

Nach der Bundeswehr und anderen westlichen VerbĂŒndeten hat auch Großbritannien seine letzten StreitkrĂ€fte aus Afghanistan abgezogen. Das britische Verteidigungsministerium teilte am spĂ€ten Samstagabend ĂŒber Twitter mit, der letzte Flug mit Soldaten habe Kabul verlassen. Dank gelte all denen, die unter enormem Druck und schrecklichen Bedingungen so tapfer gedient hĂ€tten, um die am stĂ€rksten gefĂ€hrdeten Zivilisten sicher zu evakuieren.

Biden befĂŒrchtet weitere AnschlĂ€ge in Kabul

Nach dem verheerenden Selbstmordattentat am Kabuler Flughafen könnte nach EinschĂ€tzung der USA ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen. "Die Lage vor Ort ist nach wie vor extrem gefĂ€hrlich, und die Gefahr von TerroranschlĂ€gen auf den Flughafen bleibt hoch", erklĂ€rte US-PrĂ€sident Joe Biden am Samstag. Nach EinschĂ€tzung der ArmeefĂŒhrung sei "ein Anschlag in den nĂ€chsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich". Mehr dazu lesen Sie hier.

US-Soldatin schĂŒtzte erst Baby, dann bei Anschlag getötet

Die Marineinfanteristin Nicole Gee hĂ€lt auf dem Flughafen Kabul schĂŒtzend ein afghanisches Baby im Arm, wie ein vom US-Verteidigungsministerium verbreitetes Foto zeigt. Auf der Plattform Instagram postete die 23-jĂ€hrige Unteroffizierin US-Medien zufolge das gleiche Foto und schrieb: "Ich liebe meinen Beruf". Wenige Tage spĂ€ter starb sie. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die US-Soldatin Nicole Gee (links) beruhigt ein afghanisches Baby. Eine Woche spÀter wurde sie bei einem IS-Anschlag getötet.
Die US-Soldatin Nicole Gee (links) beruhigt ein afghanisches Baby. Eine Woche spÀter wurde sie bei einem IS-Anschlag getötet. (Quelle: Sgt. Isaiah Campbell/U.S. Marine Corps/ap-bilder)

Zwei IS-KÀmpfer durch US-Drohne getötet

Bei einem US-Luftangriff in Afghanistan sind nach Angaben des US-MilitÀrs zwei ranghohe Vertreter des örtlichen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden. Ein weiterer sei verletzt worden, erklÀrte Generalmajor William Taylor am Samstag im US-Verteidigungsministerium.

Nach dem unbemannten Luftangriff in der Provinz Nangarhar hatte das US-MilitĂ€r am Freitagabend (Ortszeit) zunĂ€chst nur angegeben, "einen Planer" des tödlichen Terroranschlags in Kabul vom Donnerstag getötet zu haben. Nun gehe man davon aus, bei dem Vergeltungsschlag einen Planer und einen UnterstĂŒtzer des Vorhabens getötet zu haben, hieß es. Es gebe nach bisherigen Erkenntnissen keine zivilen Opfer, sagte Taylor. Bei dem Anschlag vom Donnerstag am Flughafen in Kabul waren Dutzende Menschen, darunter auch 13 US-Soldaten, getötet worden. Der IS hatte sich zu der Tat bekannt.

Das US-MilitĂ€r teilte darĂŒber hinaus mit, man habe weiter den Flughafen von Kabul unter Kontrolle. Das MilitĂ€r werde noch bis zum geplanten Abzug am Dienstag fĂŒr Sicherheit und Betrieb des Airports verantwortlich sein, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Samstag. Alle Tore des Flughafens stĂŒnden weiter unter Kontrolle der US-Truppen. Damit widersprach Kirby einer Darstellung der militant-islamistischen Taliban, wonach die USA "zwei, drei" ZugĂ€nge zum Flughafen in der Nacht zu Samstag an KrĂ€fte der Islamisten ĂŒbergeben hĂ€tten. Die Taliban hĂ€tten Sicherheitskontrollen rund um den Flughafen errichtet, sagte Kirby. "Aber sie kontrollieren keine Tore, sie sind nicht am Flughafen und haben keine Rolle fĂŒr die Sicherheit", betonte Kirby.

Nach Evakuierungen: Maas zu GesprĂ€chen in fĂŒnf LĂ€ndern

Außenminister Heiko Maas bricht am Sonntag zu einer viertĂ€gigen Reise in fĂŒnf LĂ€nder auf, die alle eine Rolle bei den weiteren BemĂŒhungen um die Ausreise Schutzsuchender aus Afghanistan spielen. Erste Station ist am Sonntag die TĂŒrkei, die fĂŒr den Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul und die Aufnahme von FlĂŒchtlingen große Bedeutung hat.

Heiko Maas (SPD): Der Bundesaußenminister besucht nach dem Ende der Afghanistan-LuftbrĂŒcke mehrere LĂ€nder.
Heiko Maas (SPD): Der Bundesaußenminister besucht nach dem Ende der Afghanistan-LuftbrĂŒcke mehrere LĂ€nder. (Quelle: Annegret Hilse/dpa-bilder)

Danach besucht der SPD-Politiker mit Usbekistan, Pakistan und Tadschikistan drei NachbarlĂ€nder Afghanistans sowie Katar. Das kleine, aber einflussreiche Golfemirat hat sich tatkrĂ€ftig an den Evakuierungen beteiligt. In der Hauptstadt Doha sitzt außerdem das politische BĂŒro der militant-islamistischen Taliban, das quasi als Außenministerium der neuen Machthaber in Afghanistan fungiert und mit dem der deutsche UnterhĂ€ndler Markus Potzel seit Tagen GesprĂ€che ĂŒber Ausreisefragen fĂŒhrt.

Maas startet nur drei Tage nach dem Ende der Evakuierungsoperation der Bundeswehr, bei der die Luftwaffe unter extrem gefĂ€hrlichen Bedingungen 5.347 Menschen aus mindestens 45 LĂ€ndern aus Kabul ausgeflogen hat. Es stehen aber immer noch mehr als 10.000 Menschen auf den Ausreiselisten des AuswĂ€rtigen Amts, darunter 300 Deutsche. "Die militĂ€rische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter, und zwar so lange, bis alle in Sicherheit sind, fĂŒr die wir in Afghanistan Verantwortung tragen", hatte Maas am Donnerstag versprochen.

Insgesamt rund 112.000 Menschen ausgeflogen

In den EndzĂŒgen der militĂ€rischen Evakuierungsmission in Afghanistan sind binnen 24 Stunden rund 6.800 Menschen aus Kabul ausgeflogen worden. Eine Sprecherin des Weißen Hauses teilte mit, bis zum Samstagvormittag (Ortszeit Kabul) habe die US-Luftwaffe mit 32 FlĂŒgen rund 4.000 Menschen in Sicherheit gebracht, Flugzeuge von VerbĂŒndeten hĂ€tten rund 2.800 Menschen evakuiert. Seit dem Start des Einsatzes Mitte August hĂ€tten die Vereinigten Staaten und ihre Partner damit insgesamt rund 112.000 Menschen ausgeflogen.

Etwa 20.500 Evakuierte aus Afghanistan sind bis Samstag auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz fĂŒr GeflĂŒchtete aus Afghanistan.

Etwa 100 Flugzeuge der United States Air Force seien auf der Air Base eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des StĂŒtzpunkts. Mehr als 5.000 Evakuierte seien von dort mit etwa 22 FlĂŒgen weitergereist. Die FlĂŒge werden voraussichtlich ĂŒber das ganze Wochenende andauern.

Taliban ĂŒbernehmen mehrere Gates am Flughafen in Kabul

Die militant-islamistischen Taliban haben eigenen Angaben zufolge mehrere Tore am Flughafen Kabul unter ihre Kontrolle gebracht. "Zwei, drei" ZugĂ€nge zum Flughafen seien in der Nacht zu Samstag von den USA an KrĂ€fte der Islamisten ĂŒbergeben worden, sagte ein Vertreter der Taliban der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte eine derartige Übergabe nach ersten Medienberichten darĂŒber in der Nacht zum Samstag allerdings vehement und ohne Zögern dementiert. Taliban kontrollierten weder den Flughafen noch Teile davon, noch Tore des GelĂ€ndes, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Freitag.

In der Nacht zu Samstag hatten Pro-Taliban-Nutzer auf Twitter Bilder geteilt, die Taliban-KrÀfte wenige Meter hinter dem Zugang zum zivilen Teil des Flughafen zeigen sollen, also innerhalb des FlughafengelÀndes. Auch am Samstagmorgen (Ortszeit) teilten sie Bilder, die Taliban-KrÀfte noch etwas weiter innerhalb des zivilen Teils des FlughafengelÀndes zeigten, nahe des VIP-Parkplatzes und des Inlandsterminals.

Von wann die Fotos sind, ist nicht klar. In der Vergangenheit haben die Islamisten ihre KĂ€mpfer immer wieder kurzzeitig an bekannte Punkte geschickt und Fotos machen lassen, um beispielsweise in sozialen Medien ihr VorrĂŒcken auf eine bestimmte Stadt vorzutĂ€uschen und Panik zu schĂŒren.

Bundeswehr zieht SanitÀtsflieger aus Usbekistan ab

Die Bundeswehr hat nun auch ihr SanitĂ€tsflugzeug aus dem usbekischen Taschkent abgezogen, das dort noch fĂŒr eine mögliche Rettung Verletzter aus dem afghanischen Kabul stationiert war. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus der Bundeswehr erfuhr, startete die fliegende Intensivstation "MedEvac" am Samstag Richtung Wunstorf bei Hannover. Auch eine Transportmaschine A400M brach mit Material an Bord zurĂŒck nach Deutschland auf.

Bereits am Freitagabend waren drei Bundeswehrmaschinen aus Taschkent in Wunstorf gelandet, die rund 380 Soldaten aus dem Einsatz zurĂŒckbrachten. Bei der grĂ¶ĂŸten Evakuierungsoperation in der Geschichte der Bundeswehr hatte die Luftwaffe in elf Tagen 5.347 Menschen aus mindestens 45 LĂ€ndern aus Kabul ausgeflogen, ĂŒberwiegend Afghanen, aber auch mehr als 500 Deutsche.

Am Sonntag sollen die letzten zwei Transportmaschinen aus Taschkent nach Deutschland mit Material und Munition an Bord zurĂŒckkehren. Dann ist auch das Drehkreuz des Evakuierungseinsatzes in Taschkent Geschichte.

Söder will Bundesverdienstkreuz fĂŒr Bundeswehr-Soldaten

CSU-Chef Markus Söder hat sich dafĂŒr ausgesprochen, allen Bundeswehr-Soldaten im Afghanistan-Einsatz das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. "Unsere Bundeswehr hat mehr Respekt und Anerkennung verdient. Alle Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz waren, sollten das Bundesverdienstkreuz oder eine vergleichbare Ehrung bekommen", sagte der bayerische MinisterprĂ€sident der "Bild am Sonntag". "FĂŒr mich sind unsere Soldatinnen und Soldaten wahre Helden."

Bundesanwaltschaft ermittelt nach Schuss auf Deutschen in Kabul

Die Bundesanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren zu den Schussverletzungen eines Deutschen am Flughafen in Kabul eingeleitet. Es bestehe ein Anfangsverdacht fĂŒr die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit gefĂ€hrlicher Körperverletzung, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Samstag. Da bislang unklar sei, wer den Schuss abgegeben habe, werde das Verfahren gegen Unbekannt gefĂŒhrt. ZunĂ€chst hatte die "Welt" darĂŒber berichtet.

Am Freitag der vergangenen Woche wurde bekannt, dass ein Deutscher auf dem Weg zum Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul angeschossen worden war. Um den Flughafen herrschen seit der MachtĂŒbernahme der militant-islamistischen Taliban chaotische ZustĂ€nde. Die Lage ist extrem gefĂ€hrlich. Ein weiterer Deutscher wurde in der NĂ€he des Flughafen leicht verletzt.

Italien soll europaweit die meisten Afghanen ausgeflogen haben

Italien hat nach eigenen Angaben mehr bedrohte afghanische BĂŒrger aus Kabul ausgeflogen als jedes andere EU-Mitgliedsland. Mit der Ankunft von 58 Afghanen an Bord des letzten Evakuierungsflugs am Samstagmorgen habe Italien in den vergangenen Wochen rund 4900 Afghanen aus dem Land gebracht, sagte Außenminister Luigi di Maio am Flughafen Rom Fiumicino. An Bord des Flugzeugs waren auch die letzten diplomatischen Vertreter und SicherheitskrĂ€fte.

Nach dem Ende der LuftbrĂŒcke werde sich Italien weiterhin um rasche Ausreisemöglichkeiten fĂŒr bedrohte OrtskrĂ€fte aus dem Krisenland bemĂŒhen, versprach di Maio. Italien sei bereit, "gemeinsam mit den Vereinten Nationen und Afghanistans NachbarlĂ€ndern" dafĂŒr zu sorgen, dass auch diese Menschen das Land verlassen könnten.

Nun beginne die "schwierigste Phase, in der es unser Gebot sein muss, das afghanische Volk, die afghanischen Frauen, die jungen Afghanen und alle, die in den vergangenen Jahren auf den Wandel gehofft haben, nicht im Stich zu lassen", fĂŒgte er hinzu.

Italien gehörte neben den USA, der TĂŒrkei, Großbritannien und Deutschland zu den fĂŒnf LĂ€ndern, die am stĂ€rksten an der Nato-Mission "Resolute Support" zur Ausbildung und UnterstĂŒtzung der afghanischen SicherheitskrĂ€fte beteiligt waren. Das letzte italienische Kontingent im Rahmen der Mission hatte Ende Juni die westafghanische Provinz Herat verlassen.

Details ĂŒber Opfer der Explosionen am Kabuler Flughafen bekannt

Am Donnerstag sprengte sich ein SelbstmordattentÀter des IS am Flughafen in Kabul in die Luft. Mehrere Medien sprechen von 183 Opfern. Wie die britische "Times" berichtet, sind unter den Opfern auch drei Staatsangehörige, darunter ein Kind. Die Regierung bestÀtigte das am Freitagabend.

Ein weiteres Kind aus Großbritannien, das unter zehn Jahre alt sein soll und mit einem der getöteten Briten verwandt ist, war nach den Explosionen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gekommen. Ein weiterer Brite sei zudem verletzt worden, habe aber inzwischen das Land verlassen können.

Die drei Todesopfer, die aus verschiedenen Familien stammen, warteten vor dem Flughafen auf einen Evakuierungsflug, als der Anschlag verĂŒbt wurde.

Taliban rufen Frauen im Gesundheitsbereich zur Arbeit auf

Taliban in Aghanistan haben alle im öffentlichen Gesundheitssektor beschĂ€ftigten Frauen aufgefordert, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Das Gesundheitsministerium weise alle weiblichen Mitarbeiter in der Hauptstadt und den Provinzen an, an ihren Arbeitsplatz zurĂŒckzukehren, hieß es in einem Tweet des Taliban-Sprechers Sabiullah Mudschahid von Freitagabend. Der AusĂŒbung ihrer Arbeit stehe nichts im Wege.

Es ist bisher weitgehend unklar, ob Frauen in Afghanistan mit der MachtĂŒbernahme der Taliban weiter ihren Berufen nachgehen können. Bislang gab es lediglich fĂŒr den Gesundheits- und den Bildungsbereich konkretere Aussagen, dass Frauen wieder ihre Arbeit aufnehmen sollten.

Briten wollen heute Evakuierungen beenden

Der Oberbefehlshaber der britischen Armee, General Nick Carter, kĂŒndigt an, dass noch am Samstag die von Briten durchgefĂŒhrten Evakuierungen von Zivilisten abgeschlossen werden. "Und danach wird es nötig sein, unsere Truppen mit den verbliebenen Flugzeugen rauszubringen." Er sagt in der BBC: "Wir waren nicht in der Lage, jeden rauszubringen. Und das war herzzerbrechend. Es gab einige sehr schwierige Entscheidungen, die wir (...) treffen mussten."

Sicherheitswarnung und Sorge vor neuem Anschlag am Flughafen

Die US-Botschaft veröffentlichte in der Nacht erneut eine Sicherheitswarnung und rief alle Landsleute dazu auf, die Gegend rund um die Eingangstore zum Flughafen sofort zu verlassen. Die Lage am Flughafen Kabul, wo die US-Luftwaffe ihre EvakuierungsflĂŒge fortsetzt, bleibt hochgefĂ€hrlich. US-BĂŒrger, die sich am Abbey-Gate, Ost-Gate, Nord-Gate oder New-Ministry-of-Interior-Gate aufhielten, "sollten das Gebiet sofort verlassen", appellierte die US-Botschaft. Stunden vor der Terrorattacke am Donnerstag hatte sie eine Ă€hnliche Warnung veröffentlicht.

"Die Bedrohung ist akut, sie dauert an. Unsere Truppen sind immer noch in Gefahr", hatte Psaki am Freitag gesagt. Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam darĂŒber informiert worden, "dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich ist". Die kommenden Tage werden nach Angaben des Weißen Hauses die gefĂ€hrlichsten des Evakuierungseinsatzes sein. Biden hatte am Freitag dennoch betont, dass die USA weiter Menschen ausfliegen wĂŒrden und es ein "lohnender Einsatz" sei.

Vergeltungsschlag: USA greifen IS mit Drohne an

Das US-MilitÀr hat mit einem Vergeltungsangriff auf den tödlichen Terroranschlag in Kabul reagiert und einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS attackiert. Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangahar habe "einem Planer" von Isis-K gegolten, teilte das US-Zentralkommando Centcom am Freitagabend (Ortszeit) mit. Mehr dazu lesen Sie hier.

Taliban weiten Einfluss am Flughafen aus

Die Taliban haben nach eigenen Angaben die Kontrolle ĂŒber Teile des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ĂŒbernommen. Am Freitag habe das US-MilitĂ€r "drei wichtige Bereiche" im militĂ€rischen Teil des Flughafens verlassen, erklĂ€rte der Taliban-Sprecher Bilal Karimi auf Twitter. Diese Bereiche seien nun "unter der Kontrolle des Islamischen Emirats" und nur noch "ein sehr kleiner Teil" des Airports werde von US-Soldaten kontrolliert.

Das US-Verteidigungsministerium erklĂ€rte daraufhin, die ZugĂ€nge zum FlughafengelĂ€nde und der Betrieb des Flughafens wĂŒrden weiter von US-Soldaten kontrolliert. "Sie haben weder die Verantwortung fĂŒr irgendeines der Tore noch fĂŒr den Betrieb des Flughafens", sagte der Pentagon-Sprecher John Kirby ĂŒber die Taliban. "Das steht weiter unter Kontrolle des US-MilitĂ€rs."

US-Botschaft rechnet mit weiteren AnschlÀgen

Die kommenden Tage werden nach Ansicht der US-Regierung die gefĂ€hrlichste Phase des Evakuierungseinsatzes aus Afghanistan. PrĂ€sident Joe Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam davor gewarnt worden, dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich sei, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Es wĂŒrden maximale Schutzmaßnahmen ergriffen.

Psaki betonte die Entschlossenheit der US-Regierung, die Drahtzieher des Anschlags von Kabul töten zu lassen. "Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben", sagte sie mit Blick auf Bidens jĂŒngste Drohung gegen die Terroristen. Psaki reagierte auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle. Psaki sagte, die Regierung werde sich nicht zu Details Ă€ußern, wie genau man gegen die Urheber des Anschlags vorgehen werde. Sie betonte aber, dieses Bekenntnis dazu bleibe bestehen, "bis es erledigt ist". Der PrĂ€sident und das MilitĂ€r hĂ€tten keinen Zweifel, dass sie jede Befugnis hĂ€tten, Isis-K anzugreifen.

Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Die Amerikaner sprachen von Isis statt vom IS – daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K. Biden hatte den Terroristen wenige Stunden nach der Attacke mit Vergeltung gedroht und gesagt: "Wir werden euch jagen und euch dafĂŒr bezahlen lassen." Die Evakuierung der US-BĂŒrger, die sich noch in Afghanistan aufhielten, habe aber Vorrang. Es wĂŒrden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um diese sicher zum Flughafen zu bringen.

Bericht: BND bringt eigene OrtskrÀfte in Sicherheit

An der deutschen Evakuierungsmission in Afghanistan ist laut einem Bericht der "Bild" auch der Bundesnachrichtendienst (BND) beteiligt gewesen. Der Auslandsgeheimdienst habe bis zuletzt im Ă€ußeren Umfeld des Flughafens von Kabul gearbeitet, berichtete die "Bild" am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise. Demnach halfen BND-Mitarbeiter beim Abgleichen von Listen und dem Auffinden schutzwĂŒrdiger Menschen. Zudem habe der BND alle eigenen afghanischen OrtskrĂ€fte in Sicherheit gebracht.

Laut "Bild" schickte der BND vor einigen Tagen ein frisches Team nach Kabul, um die Arbeit bis zum Schluss der Evakuierungsmission fortzusetzen. Dieses habe in der letzten deutschen A400M-Maschine Afghanistan verlassen.

Tausende noch auf deutscher Ausreiseliste

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist beendet. Doch es warten noch Tausende Menschen auf eine Ausreise nach Deutschland. Die Bundesregierung verhandelt mit den Taliban. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.

Trotz Terror – USA wollen noch 5.400 Menschen aus Kabul ausfliegen

Trotz des verheerenden Selbstmordanschlags mit mindestens 85 Todesopfern am Flughafen von Kabul wollen die USA weiter "bis zum letzten Moment" Menschen ausfliegen. Mehr als 5.400 Menschen warteten noch am Airport, erklĂ€rte Pentagon-Sprecher John Kirby. Der Einsatz sei nach wie vor "konkreten und glaubwĂŒrdigen Bedrohungen" ausgesetzt. Das Ministerium korrigierte derweil seine Angaben zum Anschlag. Demnach war es die Tat eines einzelnen SelbstmordattentĂ€ters.

Eine Familie aus Afghanistan nach ihrer Ankunft in Washington: Wie viele Menschen kann die US-Armee noch aus Kabul ausfliegen?
Eine Familie aus Afghanistan nach ihrer Ankunft in Washington: Wie viele Menschen kann die US-Armee noch aus Kabul ausfliegen? (Quelle: Jose Luis Magana/ap-bilder)

Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder, sagten zwei frĂŒhere Mitarbeiter des afghanischen Gesundheitsministeriums. Mehr als 150 Menschen seien verletzt worden. Nach Angaben des britischen Außenministeriums sind unter den Toten auch zwei britische StaatsbĂŒrger sowie das Kind eines Briten oder einer Britin. Derweil suchten in Kabul viele Menschen nach dem Anschlag verzweifelt ihre Angehörigen. In einem Krankenhaus der Hilfsorganisation Emergency operierten die Ärzte bis in die frĂŒhen Morgenstunden. Die Situation sei nach wie vor kritisch, berichteten sie auf Twitter.

Der afghanische Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat Provinz Chorasan" (IS-K) bekannte sich zu dem Anschlag am Flughafentor Abbey Gate, wo Tausende Menschen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge warteten. Der Anschlag war die verlustreichste Attacke auf die US-Armee am Hindukusch seit zehn Jahren. US-PrĂ€sident Joe Biden kĂŒndigte Vergeltung fĂŒr den Anschlag an, bei dem auch 13 US-Soldaten starben und 18 verletzt wurden. "Wir werden euch jagen und euch bĂŒĂŸen lassen", sagte Biden an die Drahtzieher gerichtet.

Erste Bundeswehr-Soldaten von Evakuierungsmission zurĂŒckgekehrt

Die ersten Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurĂŒckgekehrt. Auf dem LuftwaffenstĂŒtzpunkt Wunstorf bei Hannover landete am Freitagabend die erste von drei MilitĂ€rmaschinen. Die zwei weiteren Flugzeuge wurden wenig spĂ€ter erwartet. An Bord eines Flugzeugs war nach MilitĂ€rangaben auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die EinsatzkrĂ€fte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen ShuttleflĂŒgen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen. FĂŒr den RĂŒckflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei MilitĂ€rtransporter A400M eingesetzt. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission 454 EinsatzkrĂ€fte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen.

Biden genehmigt EinsÀtze gegen Islamistengruppe IS-Chorassan

US-PrĂ€sident Joe Biden hat einem Insider zufolge seinen Kommandeuren die Erlaubnis zu Angriffen auf Ziele der Islamistengruppe IS-Chorassan erteilt. Diese wird fĂŒr den Anschlag am Flughafen verantwortlich gemacht. Berater des PrĂ€sidenten hĂ€tten Biden zudem gewarnt, dass ein weiterer Terrorangriff in Kabul wahrscheinlich sei, sagt der Insider.

Frankreich will FlĂŒge ĂŒber Freitagabend hinaus fortsetzen

Frankreich verhandelt seit Tagen mit den Taliban ĂŒber die Evakuierung. Es gebe Kontakte, um die Ausreise von Menschen zu erleichtern, bestĂ€tigte das französische Außenministerium. Frankreich will die FlĂŒge ĂŒber Freitagabend hinaus fortsetzen.

Verletzte US-Soldaten werden in Deutschland versorgt

Bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verletzte US-Soldaten sind nach Deutschland geflogen worden. Zwei Maschinen mit den Verletzten seien am Freitag am US-LuftwaffenstĂŒtzpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz gelandet, erklĂ€rte das US-Verteidigungsministerium in Washington.

Die Soldaten seien zum nahegelegenen US-MilitĂ€rkrankenhaus in Landstuhl gebracht worden und wĂŒrden dort behandelt. In Landstuhl westlich von Kaiserslautern befindet sich das grĂ¶ĂŸte US-MilitĂ€rkrankenhaus außerhalb der USA.

UN-FlĂŒchtlingshilfswerk rechnet mit 500.000 Schutzsuchenden

Das UN-FlĂŒchtlingshilfswerk UNHCR geht bei seinen Planungen davon aus, dass bis zu einer halben Million Afghanen zu FlĂŒchtlingen werden. Die Organisation ruft alle NachbarlĂ€nder in der Region dazu auf, Schutzsuchende aufzunehmen.

Deutsche Helfer sehen kaum noch Chancen fĂŒr OrtskrĂ€fte in Afghanistan

Das Patenschaftsnetzwerk Afghanische OrtskrĂ€fte sieht kaum noch Chancen, die ehemaligen Helfer der deutschen Truppen noch aus Kabul zu evakuieren. "Die Möglichkeit fĂŒr OrtskrĂ€fte Deutschlands rauszufliegen, ist jetzt nicht mehr vorhanden", sagte der Leiter der Organisation, Marcus Grotian, im Interview mit Reuters TV am Freitag.

Alle seien nach dem Ende der deutschen LuftbrĂŒcke und den AnschlĂ€gen vom Donnerstag "verbittert und frustriert und auch hoffnungslos, denn so richtig, wie es jetzt weitergehen soll, wissen sie alle nicht". Wichtig fĂŒr eine Ausreise seien vor allem Papiere wie ein Visum und ein gĂŒltiger Reisepass. "Schnell und einfach wird es da gar nichts geben", sagte Grotian.

Ankunft von Verletzten aus Kabul in Rheinland-Pfalz erwartet

Im Rahmen der Amtshilfe fĂŒr die Air Base Ramstein hat sich der Landkreis Kaiserslautern am Freitag mit seinem Rettungsdienst auf die Ankunft zahlreicher Verletzter aus Kabul vorbereitet. Es könne sich um etwa 30 bis 40 Verletzte durch den Anschlag am Vortag am Flughafen Kabul handeln, sagte Landrat Ralf Leßmeister (CDU). Genaue Zahlen waren zunĂ€chst nicht bekannt.

Afghanische FlĂŒchtlinge aus Afghanistan kommen in Rheinland-Pfalz an (Archiv): Die UN ruft die NachbarlĂ€nder Afghanistans auf, Schutzsuchende aufzunehmen.
Afghanische FlĂŒchtlinge aus Afghanistan kommen in Rheinland-Pfalz an (Archiv): Die UN ruft die NachbarlĂ€nder Afghanistans auf, Schutzsuchende aufzunehmen. (Quelle: Emma James/dpa-bilder)

Bei den Verletzten und zum Teil Schwerstverletzten soll es sich um MĂ€nner, Frauen und Kinder handeln. Ob darunter Soldaten, Zivilisten oder Deutsche sind, konnte Leßmeister nicht sagen. Die Rettungsdienste und umliegenden Kliniken seien in Abstimmung mit dem rheinland-pfĂ€lzischen Innenministerium alarmiert, sagte der Landrat.

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Zahl der Opfer von Anschlag in Kabul steigt weiter

Die Zahl der bei dem Anschlag am Flughafen Kabul ums Leben gekommenen Menschen steigt weiter. Afghanische Gesundheitsbehörden sprechen jetzt von 79 getöteten Einheimischen, nachdem zuletzt von 72 Toten die Rede war. Da zudem 13 US-Soldaten starben, steigt die Gesamtzahl der Opfer nun auf mindestens 92.

Britische Botschaft in Kabul lĂ€sst sensible Dokumente von OrtskrĂ€ften zurĂŒck

Bei der ĂŒberstĂŒrzten Evakuierung des britischen BotschaftsgelĂ€ndes in Kabul sollen Diplomaten einem Medienbericht zufolge die Kontaktdaten afghanischer OrtskrĂ€fte zurĂŒckgelassen haben. Die Zeitung "Times" berichtete am Freitag in einer Titelgeschichte des langjĂ€hrigen Kriegsberichterstatters Anthony Loyd, dass er bei einem Rundgang durch das nun von Taliban-KĂ€mpfern bewachte GelĂ€nde nicht geschredderte Dokumente mit den Kontaktdaten afghanischer Mitarbeiter und Stellenbewerber fand.

Die "Times" rief die Nummern an und stellte fest, dass einige Mitarbeiter noch in Afghanistan waren und versuchten zu fliehen. Die Zeitung leitete die Kontakte nach eigenen Angaben an das britische Außenministerium weiter, damit die Menschen noch in Sicherheit gebracht werden können.

UN-Sicherheitsrat: Terrorismus im Land muss bekÀmpft werden

Der UN-Sicherheitsrat fordert eine BekĂ€mpfung des Terrorismus in Afghanistan. Das Land dĂŒrfe nicht dazu genutzt werden, um andere Staaten zu bedrohen oder anzugreifen, verlangt der Sicherheitsrat. Zivilisten im Land mĂŒssten respektiert und eine Ausreise gesichert sein. Der Anschlag am Flughafen sei besonders abstoßend, da gezielt Zivilisten angegriffen worden seien.

Vier vormals Abgeschobene aus Afghanistan zurĂŒck – Haft oder Duldung

Über die EvakuierungsflĂŒge aus Afghanistan ist es nach Kenntnis der Behörden vier vormals Abgeschobenen gelungen, nach Deutschland zurĂŒckzukehren. Aufgrund der Notlage habe sich die Bundesregierung bei der Evakuierung fĂŒr ein "sehr pragmatisches Verfahren" entschieden, das auch mit Risiken verbunden sei, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Steve Alter, am Freitag in Berlin. Dazu gehöre, dass die SicherheitsĂŒberprĂŒfung, die normalerweise vor Erteilung des Visums erfolgt, erst bei der Einreise vorgenommen werde.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Donnerstag gesagt, von Abgeschobenen seien gefĂ€lschte Dokumente vorgelegt worden, um an Bord der Evakuierungsflugzeuge zu gelangen. Mindestens einer der vormals abgeschobenen Afghanen sei direkt wieder in Haft genommen worden, berichtete der Sprecher. Andere erhielten eine Duldung, weil keine Bedenken gegen ihren Aufenthalt in Deutschland bestĂŒnden.

AuswÀrtiges Amt: Lage am Flughafen Kabul "hochgefÀhrlich"

Das Krisenreaktionszentrum des AuswĂ€rtigen Amts schĂ€tzt die Sicherheitslage am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul als "hochgefĂ€hrlich" ein. Es bestehe weiterhin ein hohes Anschlagsrisiko rund um den Flughafen, hieß es am Freitag in einem Schreiben an deutsche StaatsbĂŒrger, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Wir raten Ihnen deshalb dringend, sich derzeit nicht zum Flughafen zu begeben." Es sei noch nicht absehbar, wann der regulĂ€re Flugbetrieb wieder aufgenommen werde.

Wallace: Zeit verschwendet mit Diskussion ĂŒber Evakuierung von Tieren

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace hat nach eigenen Angaben zu viel Zeit mit der Diskussion ĂŒber die Evakuierung von Haustieren aus Afghanistan verbracht. Das sagte der konservative Politiker am Freitag in einem Interview des Senders "Times Radio". Der ehemalige britischer Soldat Paul Farthing hatte zuvor eine Kampagne in sozialen Medien gestartet, um mehr als 150 Katzen und Hunde aus einem von ihm gegrĂŒndeten Tierheim in Kabul ausfliegen zu können. Wallace hatte das zunĂ€chst unter Verweis auf den Vorrang fĂŒr von den Taliban gefĂ€hrdete Menschen abgelehnt, aber schließlich dem Druck nachgegeben.

Der Versuch Farthings, mit rund 70 Mitarbeitern und den Tieren am Donnerstag zu einer Maschine an den Flughafen zu gelangen, die von UnterstĂŒtzern gechartert worden war, scheiterte jedoch an fehlenden Dokumenten, die Aktion musste wegen des Chaos nach dem blutigen Anschlag mit Dutzenden Toten abgebrochen werden. Die britische Rettungsmission sollte nach Angaben von Wallace noch am Freitag zu Ende gehen. Ob Farthing mit seinen Mitarbeitern und Tieren die Ausreise vor dem Ende des US-MilitĂ€reinsatzes am 31. August noch gelingen wird, scheint inzwischen mehr als fraglich.

Islam-Expertin: Taliban hatte UnterstĂŒtzung in Bevölkerung

Die Taliban hat bei ihrem Kampf gegen die Nato und auch auf ihrem jĂŒngsten Eroberungszug teilweise UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung gehabt. Schon unter der sowjetischen Besatzung seien sie manchen als eine Art Befreiungsbewegung erschienen, sagte die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin".

Der Anschlag in Kabul zeigte laut Schröter allerdings auch, dass der IS selbst in der Hauptstadt zuschlagen könne und die Taliban nicht das ganze Land vollstĂ€ndig kontrollieren. Sie befĂŒrchte, dass es nun zu "bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen ZustĂ€nden" kommen könnte. Die neuen islamistischen Machthaber, die Taliban, und die mit ihnen verfeindete Terrormiliz Islamischer Staat, die sich zu dem Anschlag bekannte, konkurrierten um Macht, Einfluss und die religiöse Deutungshoheit.

Außenministerium: Immer mehr Desinformation in Kabul

In Afghanistan wurden nach Angaben eines Sprechers des Außenministeriums in den letzten Tagen Deutsche immer wieder Opfer von gezielter Desinformation. Immer wieder wĂŒrden Personen von gefĂ€lschten E-Mailadressen aus aufgefordert, sich zu bestimmten Punkten in der Hauptstadt zu begeben, was mit erheblichen GefĂ€hrdungen verbunden sei. "Leider handelt es sich um ein PhĂ€nomen, das in den letzten Tagen erheblich zugenommen hat", sagt der Sprecher.

Schweden hat Einsatz beendet

Schweden hat den Einsatz zur Rettung Schutzsuchender beendet. "Alles in allem hat das Außenministerium rund 1.100 Menschen evakuiert", sagt Ressortchefin Ann Linde bei einer Pressekonferenz. "Alle OrtskrĂ€fte der Botschaft und ihre Familienangehörigen sind evakuiert worden."

Noch 300 Deutsche in Afghanistan

Ein Sprecher des deutschen Außenministeriums sagt, es seien noch etwa 300 Deutsche in Afghanistan. Deutschland habe insgesamt ĂŒber 10.000 Afghanen als schutzwĂŒrdig identifiziert. Von deutscher Seite seien keine Listen mit Namen an die Taliban ĂŒbergeben worden.

Scholz verspricht ZurĂŒckgelassenen Hilfe

Vizekanzler Olaf Scholz hat versprochen, die BemĂŒhungen um die Rettung von in Afghanistan zurĂŒckgelassenen Menschen fortzusetzen. "Wir tun weiter alles dafĂŒr, die in Sicherheit zu bringen, fĂŒr die wir in Afghanistan Verantwortung tragen", schrieb der SPD-Kanzlerkandidat am Freitag auf Twitter. Deutschland habe mehr als 5.000 Menschen aus Afghanistan evakuieren können. "Das war ein hochgefĂ€hrlicher Einsatz, fĂŒr den ich den KrĂ€ften der Bundeswehr und des AuswĂ€rtigen Amtes zutiefst dankbar bin."

Scholz verurteilte den Anschlag, zu dem sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte, aufs SchÀrfste. "Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und den vielen Verletzten dieses menschenverachtenden Terrors", schrieb er.

World Vision: Acht Millionen Kinder auf Hilfe angewiesen

Mehr als acht Millionen Kinder in Afghanistan sind nach Angaben des internationalen Kinderhilfswerks World Vision dringend auf humanitĂ€re Hilfe und Schutz angewiesen. 8,2 Millionen MinderjĂ€hrige in dem Krisenland seien "in höchstem Maße gefĂ€hrdet", teilte die Organisation am Freitag mit. Insgesamt benötigten demnach 18,4 Millionen Menschen und damit fast die HĂ€lfte der afghanischen Bevölkerung Hilfe und Schutz.

Die humanitĂ€re Lage im Land habe sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. "Kinder konnten nicht zur Schule gehen, Lebensmittel sind knapp und die Zahl der Binnenvertriebenen ist steil angestiegen", teilte World Vision mit. Aufgrund einer DĂŒrre hĂ€tten mehr als zwölf Millionen Afghaninnen und Afghanen nicht genĂŒgend zu essen, viele Kinder seien schwer unterernĂ€hrt.

"Kinder sind einem grĂ¶ĂŸeren Risiko von Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt", erklĂ€rte die nationale Direktorin der Hilfsorganisation in Afghanistan, Asuntha Charles. "Die Menschen sind jetzt am verwundbarsten, und wir können sie jetzt nicht im Stich lassen." Die internationale Gemeinschaft mĂŒsse ihre PrĂ€senz vor Ort aufrechterhalten, um eine humanitĂ€re Katastrophe zu verhindern. "Wir appellieren an die Staats- und Regierungschefs der Welt, die dringend benötigten Mittel dauerhaft und flexibel bereitzustellen, damit die afghanischen Kinder nicht vergessen werden", erklĂ€rte Charles.

Medizinisches Material wird knapp

In Afghanistan wird das medizinische Material zur Versorgung der Bevölkerung knapp. Geplante VersorgungsflĂŒge der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnten wegen der Sicherheitslage nicht stattfinden, wie Rick Brennan, WHO-Nothilfekoordinator fĂŒr die Region, am Freitag per Video zu Journalisten in Genf sagte. "Die VorrĂ€te reichen nur noch fĂŒr ein paar Tage", sagte Brennan.

Die WHO versuche, mit UnterstĂŒtzung Pakistans den Flughafen von Mazar-i-Scharif zu erreichen. FlĂŒge waren fĂŒr Anfang kommender Woche geplant. Ein große HĂŒrde seien die Kosten: Die Preise fĂŒr die Versicherung solcher FlĂŒge sei in nie da gewesene Höhen geschnellt, sagte Brennan. Knapp werde praktisch alles: Material zur Versorgung von Verletzungen, zur Behandlung von UnterernĂ€hrten und Arzneimittel fĂŒr chronisch Kranke.

Nahe Masar-i-Scharif war der deutsche StĂŒtzpunkt zur UnterstĂŒtzung des Nato-Einsatzes. Die letzten deutschen Soldaten zogen im Juni ab.

Als Lichtblick bezeichnete Brennan die Tatsache, dass 97 Prozent der rund 2 200 Gesundheitseinrichtungen, die die WHO unterstĂŒtzt, weiter funktionierten. Allerdings blieben den Kliniken hier und da sowohl Frauen und Kinder als Patienten als auch weibliches Personal fern. Nach ersten EindrĂŒcken gehe das auf Angst und Vorsicht der Frauen zurĂŒck. Es gebe bislang keine Berichte, dass sie von den machthabenden islamistischen Taliban am Besuch der Kliniken gehindert werden. Unter den Evakuierten und GeflĂŒchteten sei auch Gesundheitspersonal, sagte Brennan. Der Verlust von FachkrĂ€ften ("brain drain") sei ein enormes Problem fĂŒr alle.

Über 18.700 Menschen in Ramstein angekommen

Auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz sind bis Freitag mehr als 18.700 Evakuierte aus Afghanistan gelandet. Das teilte der weltweit grĂ¶ĂŸte US-LuftwaffenstĂŒtzpunkt außerhalb Amerikas mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit vergangenem Freitag (20.8.) ein US-Drehkreuz fĂŒr GeflĂŒchtete aus Afghanistan.

Auf der Air Base seien etwa 76 Flugzeuge der United States Air Force eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des StĂŒtzpunkts. In die USA weitergereist seien mehr als 4.100 Evakuierte mit etwa 18 FlĂŒgen. Die FlĂŒge werden voraussichtlich das ganze Wochenende ĂŒber fortgesetzt.

Schutzsuchende wie etwa ehemalige OrtskrĂ€fte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunĂ€chst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt. In der US-MilitĂ€ranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern werden Menschen aus Afghanistan ebenfalls vorĂŒbergehend beherbergt.

Afghanische FlĂŒchtlinge kommen in Ramstein an: Mehr als 18.700 Menschen sind bislang auf den StĂŒtzpunkt gebracht worden.
Afghanische FlĂŒchtlinge kommen in Ramstein an: Mehr als 18.700 Menschen sind bislang auf den StĂŒtzpunkt gebracht worden. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)

TĂŒrkei fĂŒhrt erste GesprĂ€che mit Taliban

Die tĂŒrkische Regierung hat nach eigenen Angaben erste Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan in Kabul gefĂŒhrt. Die GesprĂ€che auf dem militĂ€rischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt dauerten rund dreieinhalb Stunden, wie PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan am Freitag mitteilte. Dabei sei ĂŒber den Vorschlag der Taliban gesprochen worden, dass die TĂŒrkei kĂŒnftig den Flughafen in der afghanischen Stadt betreibt.

In den Wochen vor der MachtĂŒbernahme der Taliban hatte die TĂŒrkei mit den USA darĂŒber verhandelt, dass sie sich nach dem vollstĂ€ndigen US-Abzug aus Afghanistan an der Absicherung und dem Betrieb des Kabuler Flughafens beteiligen könnte. Die schnelle Einnahme Kabuls durch die Taliban brachte die PlĂ€ne allerdings durcheinander. Die TĂŒrkei, die zuletzt 500 Soldaten in Afghanistan stationiert hatte, begann am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Soldaten aus dem Land.

Högl: Soldaten haben alles gegeben

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, hat der Bundeswehr fĂŒr den Einsatz zur Evakuierung aus Afghanistan gedankt. Sie sei sehr erleichtert, dass Soldaten und Diplomaten das Land wohlbehalten verlassen hĂ€tten, teilte Högl am Freitag mit. Sie war mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Vorabend nach Taschkent in Usbekistan geflogen, wo die Truppe ihr Drehkreuz hatte.

"BuchstĂ€blich bis zur letzten Minute haben sie alles gegeben, um noch so viele SchutzbedĂŒrftige wie möglich aus Kabul herauszuholen. FĂŒr diesen herausragenden Einsatz gebĂŒhrt ihnen unser allergrĂ¶ĂŸter Respekt und Anerkennung", so Högl weiter. "Wichtig wird es nun sein, auf diplomatischem Weg weiteren OrtskrĂ€ften und SchutzbedĂŒrftigen, die es nicht geschafft haben, eine Ausreise zu ermöglichen."

Die Wehrbeauftragte forderte, es mĂŒsse nun fĂŒr Soldatinnen und Soldaten die nötige Zeit und genĂŒgend Betreuungsangebote geben, "damit sie ihre Erlebnisse verarbeiten können und der grĂ¶ĂŸte Evakuierungseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr aufgearbeitet werden kann".

Mehrheit der Deutschen findet: OrtskrÀften nicht genug geholfen

Deutschland tut zu wenig fĂŒr OrtskrĂ€fte deutscher Einrichtungen in Afghanistan, sagen 57 Prozent der Befragten im ZDF-Politbarometer. 27 Prozent sind zufrieden, sieben Prozent sind der Meinung, es werde zu viel fĂŒr sie getan. 43 Prozent geben an, den Afghanistan-Einsatz seit 2001 fĂŒr grundsĂ€tzlich richtig zu halten. 43 Prozent sind hier gegenteiliger Meinung.

Spanien zieht sich aus Afghanistan vollstĂ€ndig zurĂŒck

ach den AnschlĂ€gen von Kabul am Donnerstag hat Spanien die Evakuierungen von Schutzsuchenden beendet und sich vollstĂ€ndig aus dem Konfliktland zurĂŒckgezogen. Die letzten 81 Spanier, die sich zuletzt noch im Land aufgehalten hĂ€tten, seien am Freitag in einem Transportflugzeug Airbus A400M der Luftwaffe nach Dubai ausgeflogen worden, teilte die Regierung in Madrid mit. Es handele sich um Botschafter Gabriel FerrĂĄn, Botschaftsmitarbeiter und MilitĂ€rpersonal, hieß es. Außerdem seien in den letzten beiden EvakuierungsflĂŒgen auch vier MilitĂ€rangehörige aus Portugal und 85 afghanische Mitarbeiter Spaniens, Portugals und der Nato aus dem Land gebracht worden.

Bei den von Spanien organisierten FlĂŒgen wurden den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 1.900 Schutzsuchende aus Afghanistan evakuiert. Man habe nicht nur eigene Mitarbeiter und deren Familien, sondern auch einheimische Mitarbeiter anderer LĂ€nder, der EuropĂ€ischen Union, der Vereinten Nationen und der Nato ausgeflogen, ließ Madrid wissen.

DRK rechnet mit deutlich mehr Suchanfragen

Die dramatische Situation in Afghanistan spiegelt sich auch in der Suche nach Vermissten beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) wider. "Aufgrund der aktuellen Ereignisse erwarten wir, dass die Zahl der Suchanfragen mit Bezug auf Afghanistan in den nĂ€chsten Wochen deutlich zunehmen werden", erklĂ€rte DRK-PrĂ€sidentin Gerda Hasselfeldt. Bei Anfragen in den Beratungsstellen zur FamilienzusammenfĂŒhrung sei schon seit Tagen "ein drastischer Anstieg zu verzeichnen".

Steinmeier kondoliert Joe Biden

Nach dem Tod von 13 US-Soldaten bei dem Anschlag am Kabuler Flughafen hat BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier US-PrÀsident Joe Biden kondoliert. "Wir trauern mit Ihnen um die Opfer des brutalen Anschlags in Kabul", schrieb Steinmeier am Freitag. "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der tapferen amerikanischen Soldaten, die ihr Leben gaben, um das Leben anderer zu retten."

Mit ihrem mutigen Einsatz hĂ€tten sie auch die Evakuierung vieler Deutscher und tausender afghanischer OrtskrĂ€fte erst möglich gemacht, erklĂ€rte Steinmeier. "Wir beklagen mit Ihnen auch die vielen Toten und Verletzten unter der afghanischen Zivilbevölkerung, die unseren Schutz gesucht haben." Deutschland stehe in "dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus, der so viel Leid ĂŒber so viele Menschen bringt".

Maas: Taliban signalisieren Entgegenkommen

Die Taliban signalisieren nach Angaben von Außenminister Heiko Maas die Bereitschaft, auch nach Ende der Evakuierungen Ausreisen von Afghanen zuzulassen. Erste Äußerungen der Taliban deuteten darauf hin, dass Afghanen mit gĂŒltigen Ausweispapieren das Land verlassen könnten, schreibt Maas in einem Reuters vorliegenden Brief an die Mitglieder der SPD-Fraktion.

Neun Bundespolizisten sind zurĂŒck in Berlin

Die neun Bundespolizisten, die bis zum Ende der Evakuierungsmission in Kabul waren, sind in Berlin eingetroffen, wie das Bundesinnenministerium mitteilt. "Sie haben unter Einsatz ihres Lebens einen gefĂ€hrlichen und fĂŒr unser Land sehr wichtigen Dienst getan, um andere zu schĂŒtzen und zu retten", erklĂ€rt Minister Horst Seehofer.

Journalist in Kabul: "Bislang haben Taliban noch nichts gemacht"

Die Situation in Afghanistan sei derzeit nicht bedrohlicher, als in den vergangenen Tagen. Das erklĂ€rte Franz Marty, Journalist in Kabul, in einer Sondersendung der "Tagesschau". Es gebe zwar Checkpoints, doch abgesehen von der Region rundum den Flughafen in Kabul, wĂŒrden die Menschen nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig kontrolliert werden.

"Sie werden den Staat sicher umbauen und neue Gesetze erlassen. Das ist bisher aber nicht passiert", erklÀrte er. Marty rechne damit, dass die Taliban mit einem Propagandaprogramm die Medienarbeit lenken wollen. "Bisher gab es noch keinen flÀchendeckenden Eingriff in die Medienarbeit, wie einschneidend das sein wird, kann man derzeit noch nicht sagen."

Kramp-Karrenbauer kommt in Taschkent an

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Bundeswehrsoldaten nach dem Ende ihres Evakuierungseinsatzes in Kabul in der usbekischen Hauptstadt Taschkent in Empfang genommen. Kramp-Karrenbauer und Generalinspekteur Eberhard Zorn seien am Donnerstagabend nach Taschkent geflogen, teilte das Verteidigungsministerium am Freitagmorgen mit. Auch die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), war nach Angaben ihres BĂŒros bei der BegrĂŒĂŸung der Soldaten in Taschkent dabei.

"Die Evakuierungsoperation in Kabul war hochgefÀhrlich. Die Bundeswehr hat unter schwersten Bedingungen vor Ort so viele Menschen wie möglich in Sicherheit gebracht", erklÀrte das Ministerium auf Twitter.

Großbritannien beendet in "wenigen Stunden" Evakuierungsmission

Nach mehreren anderen westlichen LĂ€ndern haben nun auch Großbritannien und Spanien das Ende ihrer Evakuierungen aus Kabul angekĂŒndigt. In "wenigen Stunden" wĂŒrden die EvakuierungsflĂŒge fĂŒr britische und afghanische StaatsbĂŒrger beendet, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitagmorgen dem Sender Sky News. Die Armee werde sich nun noch um etwa tausend Menschen kĂŒmmern, die sich bereits auf dem FlughafengelĂ€nde befinden.

Zwar hielten die Soldaten noch Ausschau nach ausreiseberechtigten Menschen in der Menge, die sich vor dem Flughafen versammelt habe. GrundsÀtzlich sei der Prozess aber nun abgeschlossen, sagte Wallace. Der Verteidigungsminister bezeichnete den verheerenden Doppelanschlag am Kabuler Flughafen als "entsetzlich". Der Angriff habe den Abzug der britischen Soldaten aber nicht beschleunigt. Bei dem Attentat am Donnerstagabend waren mindestens 85 Menschen getötet worden, unter ihnen 13 US-Soldaten.

Afghanische Ministerin flieht nach Norwegen

Nach der MachtĂŒbernahme der Taliban konnte sich die ehemalige afghanische Ministerin fĂŒr Mineralien und Erdöl, Nargis Nehan, nach Norwegen retten. Auf Twitter schrieb sie am Donnerstag, sie sei endlich mit ihrer Familie in Norwegen gelandet, hĂ€tte aber ihren Vater und ihre Schwester zurĂŒcklassen mĂŒssen. "Ich bin nicht lĂ€nger eine stolze, robuste und hoffnungsvolle Afghanin", schrieb sie. "Ich bin wieder ein hoffnungsloser und hilfloser FlĂŒchtling, dessen Suche nach einer IdentitĂ€t, einem Zuhause und Frieden nie aufhört."

Britische Botschaftsmitarbeiter hinterließen Dokumente ĂŒber Angestellte

Wie die Zeitung "The Times" berichtet, haben Mitarbeiter des britischen Außenministeriums in der Botschaft in Kabul, Dokumente mit Kontaktdaten ihrer afghanischen Angestellten zurĂŒckgelassen.

"Der Abzug unserer Botschaft erfolgte großer Eile, weil sich die Lage in Kabul verschlechterte. Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um sensibles Material zu vernichten", sagt ein Sprecher des Außenministeriums gegenĂŒber der Nachrichtenagentur Reuters.

Australien stoppt EvakuierungsflĂŒge

Australien hat EvakuierungsflĂŒge aus Kabul gestoppt. Laut MinisterprĂ€sident Scott Morrison seien australische MilitĂ€rs nur wenige Stunden vor den SelbstmordanschlĂ€gen aus Kabul ausgeflogen worden. Angesichts der prekĂ€ren Sicherheitslage sei es nicht mehr sicher, die Evakuierungen fortzusetzen. Morrison rĂ€umte ein, dass sich noch einige australische Visuminhaber in Afghanistan aufhielten, Canberra aber keine genauen Zahlen kenne.

Soldatinnen und Soldaten nach Einsatz in Deutschland erwartet

Die EinsatzkrÀfte der Bundeswehr werden nach dem Evakuierungseinsatz am Flughafen Kabul am Freitagnachmittag in Deutschland erwartet. Wie das Verteidigungsministerium am spÀten Donnerstagabend mitteilte, sollen die etwa 600 Soldatinnen und Soldaten, die am Einsatz beteiligt waren, um 16 Uhr am MilitÀrflugplatz in Wunstorf empfangen werden.

Bei der Ankunft werden Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Generalinspekteur Eberhard Zorn, die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl, sowie weitere Politikerinnen und Politiker anwesend sein.

Taliban: Mindestens 28 KĂ€mpfer ums Leben gekommen

Bei den Explosionen vor dem Flughafen von Kabul sollen mindestens 28 Taliban-Mitglieder ums Leben gekommen sein, wie ein Mitglied der Taliban gegenĂŒber der Nachrichtenagentur Reuters erklĂ€rte.

Zahl getöteter US-Soldaten steigt auf 13

Nach dem Anschlag in Kabul ist ein weiterer US-Soldat seinen Verletzungen erlegen. Die Zahl der getöteten Soldaten stieg damit auf 13, wie ein Sprecher des US-MilitĂ€rs am Donnerstag (Ortszeit) sagte. Die Zahl der verletzten Truppenmitglieder sei auf 18 angestiegen. Sie alle wĂŒrden mit medizinisch ausgerĂŒsteten Transportflugzeugen vom Typ Boeing C-17 aus Kabul ausgeflogen. Nach dem Anschlag an einem Tor des Flughafens der afghanischen Hauptstadt hatte das US-Verteidigungsministerium zunĂ€chst von zwölf getöteten und 15 verletzten Soldaten gesprochen.

Joe Biden
Joe Biden (Quelle: Evan Vucci/ap-bilder)

Biden verspricht Vergeltung: "Wir werden euch jagen"

US-PrĂ€sident Joe Biden hat den Terroristen nach dem Anschlag am Flughafen in Kabul mit Vergeltung gedroht. "Wir werden Euch jagen und Euch dafĂŒr bezahlen lassen", sagte Biden am Donnerstag (Ortszeit) im Weißen Haus. Das US-MilitĂ€r werde EinsĂ€tze gegen die fĂŒr den Anschlag verantwortliche Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) durchfĂŒhren, kĂŒndigte er an. "Wir werden Wege finden, um die Terroristen zu finden, wo auch immer sie sind." Hier lesen Sie mehr.

Letztes Flugzeug mit GeflĂŒchteten in Deutschland gelandet

Das letzte Flugzeug mit GeflĂŒchteten aus Kabul ist vor wenigen Minuten in Frankfurt gelandet.

Norwegen stoppt Evakuierungseinsatz in Kabul

Der norwegische Außenministerin Ine Eriksen Soreide zufolge, hat Norwegen seinen Evakuierungseinsatz in Kabul vorerst gestoppt. Wie Soreide dem Fernsehsender TV2 sagt, seien die TĂŒren des Flughafens nun wegen der jĂŒngsten AnschlĂ€ge geschlossen worden.

Flaggen in den USA nach tödlichem Anschlag in Kabul auf halbmast

Nach dem tödlichen Terroranschlag in Kabul werden die Flaggen in den USA auf halbmast gesetzt. Damit sollen die Opfer der "sinnlosen Gewaltakte" geehrt werden, wie die Sprecherin von US-PrĂ€sident Joe Biden, Jen Psaki, am Donnerstag sagte. Die Flaggen-Anordnung werde bis zum Montagabend fĂŒr das Weiße Haus, alle öffentlichen GebĂ€ude und MilitĂ€reinrichtungen in den USA sowie US-Botschaften und konsularische Vertretungen weltweit gelten.

Soldaten kehren Freitagnachmittag vom Afghanistan-Einsatz zurĂŒck

Die Bundeswehr plant die RĂŒckkehr der bei der Evakuierungsmission in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten fĂŒr Freitagnachmittag. Ihre Ankunft sei gegen 16.00 Uhr auf dem niedersĂ€chsischen Fliegerhorst Wunstorf geplant, teilte die Bundeswehr am spĂ€ten Donnerstagabend mit. Empfangen werden sie demnach unter anderem von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Taliban: Haben vor Risiken bei großen Menschenmengen gewarnt

Die Taliban haben nach eigenen Angaben die auslĂ€ndischen StreitkrĂ€fte vor den Auswirkungen großer Menschenmengen am Flughafen in Kabul gewarnt. Das sagte ein Taliban-Sprecher dem Sender Al-Jazeera. Die Ansammlung von vielen Personen habe angemessene Sicherheitsmaßnahmen verhindert.

Macron verurteilt TerroranschlÀge in Kabul "auf das SchÀrfste"

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron hat die TerroranschlĂ€ge in Kabul "auf das SchĂ€rfste" verurteilt. Der PrĂ€sident spreche den Familien der amerikanischen und afghanischen Opfer sein Beileid aus sowie den Verletzten seine UnterstĂŒtzung, hieß es in einer Mitteilung des ÉlysĂ©epalasts am Donnerstagabend. Zugleich hob Macron den "heldenhaften Einsatz" derjenigen hervor, die sich vor Ort um den Erfolg der Evakuierungsoperationen bemĂŒhten. "Frankreich wird sie bis zum Ende durchziehen und seine humanitĂ€ren und SchutzbemĂŒhungen fĂŒr die bedrohten Afghanen fortsetzen."

Zuvor hatte Macron von mehreren Hundert Menschen gesprochen, die in Kabul noch auf ihre Evakuierung nach Frankreich warteten. "Wir werden ein Maximum tun, damit diese Menschen, um die wir uns bereits kĂŒmmern, die aber noch nicht auf dem GelĂ€nde des MilitĂ€rflughafens eingetroffen sind, dort hingelangen können und evakuiert werden können in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate und nach Frankreich."

US-Armee sprengt angeblich AusrĂŒstung

Die letzte Explosion in Kabul in der Nacht war angeblich eine kontrollierte Sprengung der US-Truppen, wie mehrere Journalisten berichten. Ein angeblicher Taliban-Sprecher schrieb auf Twitter, dass US-Soldaten AusrĂŒstung vernichtet hĂ€tten. FĂŒr die Bewohner von Kabul bestehe kein Anlass zur Sorge. Die Angaben konnten zunĂ€chst nicht von unabhĂ€ngiger Seite bestĂ€tigt werden.

Berichte ĂŒber weitere Explosionen in Kabul

Die afghanische Hauptstadt Kabul ist am frĂŒhen Freitagmorgen (Ortszeit) nach Angaben von Mitarbeitern der Nachrichtenagentur AFP erneut von einer starken Explosion erschĂŒttert worden. Die Ursache der Explosion, die sich wenige Stunden nach dem Doppelanschlag vor dem Flughafen von Kabul ereignete, war zunĂ€chst unklar.

Auch mehrere Twitternutzer berichteten von weiteren Explosionen. BestĂ€tigen ließ sich das bislang nicht. Auch ĂŒber weitere Opfer liegen keine Angaben vor. Da es seit der MachtĂŒbernahme durch die radikalislamischen Taliban keine funktionierenden Behörden in dem Land gibt, waren zunĂ€chst keine nĂ€heren Informationen zu erhalten. Mehr zum Terror in Kabul lesen Sie hier.

US-Armee will Einsatz fortsetzen – trotz Terror am Flughafen

Die TerroranschlĂ€ge außerhalb des Flughafens von Kabul werden das US-MilitĂ€r nach Angaben von Verteidigungsminister Lloyd Austin nicht davon abhalten, seinen Aufgaben weiter nachzukommen. Alles andere wĂŒrde das von den getöteten Soldaten erbrachte Opfer entehren, teilte Austin mit.

Ein US-Soldat hinter einer Mauer am Flughafen in Kabul: Mindestens zwölf US-Soldaten wurden bei den AnschlÀgen am Donnerstag getötet.
Ein US-Soldat hinter einer Mauer am Flughafen in Kabul: Mindestens zwölf US-Soldaten wurden bei den AnschlÀgen am Donnerstag getötet. (Quelle: Wali Sabawoon/ap-bilder)

Er sprach den Familienangehörigen und Kameraden der getöteten und verletzten US-Soldaten sein Beileid aus. "Wir bedauern ihren Tod. Wir werden ihre Wunden behandeln. Und wir werden die Familien unterstĂŒtzen bei dem, was sicher vernichtende Trauer sein wird. Aber wird werden uns nicht von unserer Aufgabe abbringen lassen", erklĂ€rte Austin.

Bei dem Doppelanschlag am Flughafen von Kabul sind mindestens zwölf US-Soldaten getötet worden. 15 weitere Soldaten seien verletzt worden, sagte der Chef des Zentralkommandos der US-StreitkrĂ€fte, General Kenneth McKenzie, am Donnerstag. Er machte die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) fĂŒr den Doppelanschlag verantwortlich und stellte klar, die USA wĂŒrden ihren Evakuierungseinsatz fortsetzen. Inzwischen hat sich der IS ĂŒber den Internet-Dienst Telegram zu dem Angriff bekannt.

Merkel: "Wir werden Sie nicht vergessen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht angesichts der AnschlĂ€ge vor dem Flughafen Kabul von einer "bedrĂŒckenden Nachricht". "Dies ist ein absolut niedertrĂ€chtiger Anschlag", sagt sie. Es habe offenbar auch US-Soldaten getroffen.

Bundeskanzlerin Merkel: "Dies ist ein absolut niedertrÀchtiger Anschlag."
Bundeskanzlerin Merkel: "Dies ist ein absolut niedertrÀchtiger Anschlag." (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa-bilder)

"Wir beenden die LuftbrĂŒcke mit dem heutigen Tag", sagte Merkel. Auch nach dem Ende der Evakuierung werde sich Deutschland um von den Taliban bedrohte Menschen kĂŒmmern, betonte sie. An die Menschen gerichtet, die bisher von deutscher Seite aus nicht gerettet werden konnten, sagte sie: "Wir werden Sie nicht vergessen". FĂŒr die Rettung dieser Menschen sollen auf dem Verhandlungsweg Lösungen gefunden werden: "Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darĂŒber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden."

Maas: Bundesregierung arbeitet an Ausreisemöglichkeiten fĂŒr verbliebene OrtskrĂ€fte

Bundesaußenminister Heiko Maas zufolge arbeitet die Bundesregierung daran, Ausreisemöglichkeiten fĂŒr verbliebene OrtskrĂ€fte und besonders gefĂ€hrdete Menschen zu schaffen. Als Teil seines Asien-Besuchs werde er auch in die TĂŒrkei und nach Katar reisen, um ĂŒber die Lage in Afghanistan zu sprechen, sagt Maas. Er kĂŒndigt zudem ab Sonntag Besuche in Pakistan, Usbekistan und Tadschikistan an, wie bereits von Reuters gemeldet. Dabei solle sichergestellt werden, dass Afghanen schnell und sicher von der Grenze zu den deutschen Botschaften gelangen können, sagt der Minister.

Bei den AnschlĂ€gen vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es nach den bisherigen Erkenntnissen des AuswĂ€rtigen Amts keine deutschen Opfer gegeben. "Wir haben zurzeit keine Informationen ĂŒber deutsche Opfer", sagte Außenminister Heiko Maas am Donnerstag in Berlin. Er sprach von zwei aufeinanderfolgenden AnschlĂ€gen. Ein erster "ekelhafter Anschlag" mit zahlreichen Toten und Verletzten habe sich Minuten vor dem Start der letzten Evakuierungsmaschine der Bundeswehr in Kabul ereignet. "Kurz danach gab es noch einen weiteren Anschlag." Die Bilder aus Kabul seien "grauenhaft, und sie gehen jedem bis ins Mark".

Britische Rettungsmission wird trotz Anschlag fortgesetzt

Die britischen StreitkrÀfte wollen ihre Evakuierungsmission trotz des tödlichen Anschlags am Flughafen in Kabul fortsetzen. Das sagte Premierminister Boris Johnson nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Donnerstagabend. Der Premier verurteilte die Tat als "barbarisch" und sprach den USA sowie "dem afghanischen Volk" sein Beileid aus.

Es habe sich wohl um eine Serie von Attacken gehandelt, so Johnson weiter. Zu geheimdienstlichen Erkenntnissen ĂŒber die HintergrĂŒnde wollte er sich nicht Ă€ußern. Es sei aber "beinahe sicher", dass auch Mitglieder der Taliban unter den Opfern seien, so Johnson. Mit dem Fortschritt der Evakuierungen zeigte sich Johnson zufrieden. Der grĂ¶ĂŸte Teil derjenigen, die evakuiert werden sollten, sei bereits außer Landes gebracht.

Kramp-Karrenbauer: Alle deutschen Soldaten, Diplomaten und Polizisten ausgeflogen

Die Luftwaffe hat am Donnerstag alle deutschen Soldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin nach dem Start der letzten Maschine. Damit ist der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach elf Tagen beendet.

Bundeswehr schickte ein Flugzeug zurĂŒck nach Kabul

Nach dem Anschlag in Kabul hat die Bundeswehr am Donnerstag ein fĂŒr die Versorgung von Verletzten ausgerĂŒstetes Transportflugzeug A400M zurĂŒck zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt geschickt. Die fĂŒr mögliche NotfĂ€lle im Luftraum ĂŒber Kabul bereitgehaltene Maschine landete am Abend nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur außerplanmĂ€ĂŸig und bot den US-Amerikanern Hilfe bei der Versorgung an. Zudem wurden zwei deutsche Soldaten aufgenommen, die wĂ€hrend des Chaos nach der Explosion vor dem Flughafen noch am Boden geblieben waren.

Bundeswehr schließt Evakuierungen am Flughafen Kabul ab

Die Bundeswehr schließt die EvakuierungsflĂŒge am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul an diesem Donnerstag ab. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Sicherheitskreisen. Die letzten Bundeswehrflieger seien abgeflogen.

Die LuftbrĂŒcke soll spĂ€testens am Dienstag kommender Woche mit dem Abzug der US-Soldaten vom Flughafen aufgelöst werden. Am Nachmittag waren noch einmal vier A400M der Bundeswehr in Kabul gelandet. Parallel dazu ereignete sich vor den Toren des Airports nach US-Informationen ein Selbstmordanschlag, bei dem nach Angaben der jetzt in Afghanistan regierenden Taliban mehrere Menschen getötet wurden.

Generalinspekteur Eberhard Zorn hatte am Mittag gesagt, die Bundeswehr habe bislang mehr als 5.200 Menschen aus Kabul evakuiert. Unter den Personen aus insgesamt 45 Nationen seien 4.200 Afghanen und 505 Deutsche.

Nato-GeneralsekretÀr verurteilt Terroranschlag am Flughafen von Kabul

Jens Stoltenberg, der GeneralsekretĂ€r der Nato, hat sich entsetzt ĂŒber die jĂŒngsten Ereignisse in der afghanischen Hauptstadt geĂ€ußert. "Ich verurteile den grausamen Terroranschlag vor dem Flughafen Kabul auf das SchĂ€rfste", teilte er am Donnerstag mit. PrioritĂ€t der Nato bleibe es, möglichst schnell möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen. Seine Gedanken seien bei allen Betroffenen des Anschlags und ihren Angehörigen.

Tote bei Anschlag am Flughafen Kabul – Berichte ĂŒber zweite Explosion

Am Donnerstag ereigneten sich mindestens zwei Explosionen vor dem Flughafen Kabul. Dabei gab es zahlreiche Tote und Verletze. Ersten Erkenntnissen zufolge soll die Ursache die Tat eines SelbstmordattentÀters sein, wie ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Kanzlerin sagt Israel-Reise ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre geplante Reise nach Israel wegen der Krise in Afghanistan abgesagt. Die von Samstag bis Montag geplante Reise sei in Absprache mit dem israelischen MinisterprÀsidenten aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Afghanistan abgesagt worden, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag mit. Der Besuch soll demnach nachgeholt werden.

Merkel wollte kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit auf Einladung des neuen israelischen MinisterprĂ€sidenten Naftali Bennett Israel besuchen. Auf dem Plan standen zudem Treffen mit dem israelischen Kabinett und mit PrĂ€sident Isaac Herzog sowie ein Besuch in der Holocaust-GedenkstĂ€tte Yad Vashem. Zudem sollte der Kanzlerin die EhrendoktorwĂŒrde des Haifa Technion – Israel Institute of Technology verliehen werden.

Angesicht der dramatischen Lage in Afghanistan und kurz vor dem Ende der militĂ€rischen EvakuierungsflĂŒge aus Kabul sagte Merkel diese Reise nun ab. Am Mittwoch hatte sie sich in einer RegierungserklĂ€rung im Bundestag zu der Lage dort geĂ€ußert und dabei fĂŒr GesprĂ€che mit den radikalislamischen Taliban plĂ€diert, um die Not der Menschen in Afghanistan zu lindern.

Italienisches MilitÀrflugzeug offenbar versehentlich beschossen

Ein italienisches MilitĂ€rflugzeug wurde beim Start vom Flughafen Kabul laut italienischen Sicherheitskreisen beschossen. Das Flugzeug sei dabei aber nicht beschĂ€digt worden. Ein italienischer Journalist an Bord sagt dem Sender Sky 24 TG, das Flugzeug habe 100 afghanische Zivilisten ausgeflogen. Die SchĂŒsse hĂ€tten nicht dem Flugzeug gegolten, verlautet aus Regierungskreisen.

Vielmehr seien sie nach EinschÀtzung des italienischen Geheimdienstes wohl abgefeuert worden, um die Menschenmenge nahe des Flughafens auseinanderzutreiben.

Kramp-Karrenbauer warnt vor Terroranschlag in Kabul

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat vor einer immer weiter wachsenden Terrorgefahr um den Flughafen im afghanischen Kabul gewarnt. "Wir wissen, dass die Terrordrohungen sich massiv verschÀrft haben, dass sie deutlich konkreter geworden sind", sagte sie am Donnerstag in Berlin. "Wir befinden uns jetzt in der sicherlich hektischsten, in der gefÀhrlichsten, in der sensibelsten Phase."

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr soll wegen des bevorstehenden Abzugs der US-StreitkrĂ€fte vom Flughafen und der wachsenden Terrorgefahr in KĂŒrze enden. Am Donnerstag flog die Bundeswehr aber Kabul noch an. Die deutsche Botschaft hat bereits am Mittwoch davor gewarnt, zum Flughafen zu kommen. Laut Informationen von "Bild" und dpa sollen fĂŒr Donnerstag noch vier RettungsflĂŒge vorgesehen sein, ein Flug mit 154 Passagieren ist bereits erfolgreich in Taschkent gelandet.

Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn sagte, dass inzwischen 5.200 Menschen aus 45 Nationen von der Bundeswehr ausgeflogen worden seien. Darunter seien 4.200 Afghanen und 505 deutsche StaatsbĂŒrger. Zwei Hubschrauber, die fĂŒr die Evakuierungsaktionen nach Kabul transportiert worden waren, sind bereits wieder ins usbekische Taschkent gebracht worden. Dort befindet sich das Drehkreuz der Bundeswehr fĂŒr die Evakuierung.

Journalisten in Afghanistan offenbar von Taliban geschlagen

Zwei Mitarbeiter des beliebten afghanischen Fernsehsenders Tolonews sind in Afghanistan eigenen Angaben zufolge von militant-islamistischen Taliban misshandelt worden. Der Reporter Siar Jad und sein Kameramann seien am Mittwoch im Zentrum der Hauptstadt Kabul geschlagen worden, als sie gerade an einem Bericht arbeiteten, teilte Tolonews am Donnerstag auf Twitter mit.

Die Mitarbeiter hĂ€tten Tagelöhner und Arbeitslose fĂŒr einen Beitrag gefilmt, als TalibankĂ€mpfer sie plötzlich schlugen. Der Grund dafĂŒr sei unbekannt. Der Reporter Jad selbst schrieb auf Twitter, die Taliban seien plötzlich aus ihrem gepanzerten Landcruiser ausgestiegen und hĂ€tten ihn mit vorgehaltener Waffe geschlagen. Auch Kameras, technische GerĂ€te und sein persönliches Handy seien gekapert worden. Ein Vertreter der Taliban habe zu Tolonews gesagt, der Fall werde "ernsthaft" untersucht.

Die Taliban haben Mitte August nach einem rasanten Eroberungszug im ganzen Land auch Kabul eingenommen. Die Islamisten hatten nach ihrer Ankunft erklĂ€rt, dass Medien normal weiter arbeiten könnten. WĂ€hrend ihrer frĂŒheren Herrschaft in den 1990er-Jahren gab es keine Medienfreiheit.

Britische Regierung hĂ€lt Anschlag am Flughafen fĂŒr möglich

Ein Vertreter der britischen Regierung hĂ€lt einen Terroranschlag am Flughafen in Kabul binnen Stunden fĂŒr möglich. Auf die Frage des Senders Sky News, ob sich ein Anschlag innerhalb der nĂ€chsten Stunden ereignen könne, sagte VerteidigungsstaatssekretĂ€r James Heappey am Donnerstagmorgen ausdrĂŒcklich "Ja". Im Laufe der Woche seien sich die Geheimdienste immer sicherer darĂŒber geworden, dass ein "ernsthafter, unmittelbarer, tödlicher Angriff" auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren drohe.

"WĂ€hrend die Uhr bis zum Ende des Monats weiter tickt, mĂŒssen wir diese sehr, sehr reelle Bedrohung mit den Menschen in Kabul teilen und ihnen raten, sich vom Flughafen zu entfernen, anstatt dorthin zu kommen", sagte der StaatssekretĂ€r.

Der Sender zitiert zudem eine nicht genannte, hochrangige britische Quelle, die von einem "sehr hohen Risiko eines Terroranschlags" auf die Evakuierungsmission in Kabul sprach. Auch deutsche und US-Behörden hatten davor bereits gewarnt. Wann die britischen EvakuierungsflĂŒge enden sollen, wollte StaatssekretĂ€r Heappey nicht genauer bekanntgeben. In den nĂ€chsten 24 Stunden sollten aber elf FlĂŒge stattfinden, sofern möglich.

Frankreich beendet am Freitag EvakuierungsflĂŒge aus Kabul

Regierungschef Jean Castex sagte am Donnerstag im Radiosender RTL, die französische Armee werde den Einsatz "bis morgen Abend fortfĂŒhren". Zur BegrĂŒndung sagte er: "Ab morgen Abend können wir keine Evakuierungen mehr vom Flughafen Kabul aus vornehmen." Die Zahl der bisher aus Afghanistan Ausgeflogenen bezifferte Castex auf "rund 2.500" Menschen. Darunter seien Franzosen, OrtskrĂ€fte und ihre Familien sowie "KĂŒnstler und Journalisten".

"Mein Sohn darf dort nicht sterben"

Sie sind hier, doch ihre Familien schweben in Afghanistan in Lebensgefahr: Eine Gruppe von Afghanen demonstriert seit Tagen vor dem Außenministerium. Sie sind wĂŒtend auf die Taliban – und auf die Deutschen. Den ganzen Text lesen Sie hier.

Tausende Menschen drÀngen sich an der Grenze zu Pakistan

Nachdem die Lage am Flughafen von Kabul immer dramatischer wird, versuchen offenbar viele Menschen ĂŒber den Landweg Afghanistan zu verlassen. Aufnahmen eines Journalisten auf Twitter sollen chaotischen Szenen aus der Stadt Spin Boldak zeigen, die an Pakistan grenzt. Dort drĂ€ngen sich offenbar tausende Menschen vor dem GrenzĂŒbergang.

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"Die Situation ist hier deutlich schlimmer als am Flughafen von Kabul, weil es hier keine auslÀndischen StreitkrÀfte gibt", schreibt der Journalist Natiq Malikzada.

DĂ€nemark, Belgien und Polen beenden Evakuierung aus Kabul

DÀnemark, Belgien und Polen haben die Evakuierung aus der afghanischen Hauptstadt Kabul eingestellt. "Es ist nicht mehr sicher, vom Flughafen Kabul zu fliegen", sagte die dÀnische Verteidigungsministerin Trine Bramsen der Nachrichtenagentur Ritzau. Die letzte Maschine sei am Mittwochabend in Islamabad gelandet. An Bord waren 90 Evakuierte, die letzten dÀnischen Angestellten, Soldaten und Diplomaten aus Kabul, so die Ministerin. DÀnemark hat in den letzten Tagen rund 1.000 Menschen aus Afghanistan evakuiert.

Der letzte belgische Flug sei vergangene Nacht in Islamabad angekommen, sagt MinisterprĂ€sident Alexander De Croo. Grund fĂŒr den Abbruch der Transporte seien Warnungen vor drohenden AnschlĂ€gen. Man habe rund 1.400 Menschen evakuieren können, sagt De Croo.

Polen flog mit 14 Flugzeugen 1.300 Menschen aus, 200 davon auf Bitten anderer LĂ€nder und Organisationen, wie Vize-Außenminister Marcin Przydacz am Donnerstag in Warschau sagte. Am Vormittag traf laut der Nachrichtenagentur PAP das letzte Flugzeug mit Geretteten auf dem Warschauer Flughafen ein.

Britische Regierung hĂ€lt Anschlag in Kabul binnen Stunden fĂŒr möglich

Ein Vertreter der britischen Regierung hĂ€lt einen Terroranschlag am Flughafen in Kabul binnen Stunden fĂŒr möglich. Auf die Frage des Senders Sky News, ob sich ein Anschlag innerhalb der nĂ€chsten Stunden ereignen könne, sagte VerteidigungsstaatssekretĂ€r James Heappey am Donnerstagmorgen ausdrĂŒcklich "Ja". Im Laufe der Woche seien sich die Geheimdienste immer sicherer darĂŒber geworden, dass ein "ernsthafter, unmittelbarer, tödlicher Angriff" auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren drohe.

Draghi: G20 mĂŒssen sich fĂŒr Frauen in Afghanistan einsetzen

Italiens MinisterprĂ€sident Mario Draghi fordert die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€nder (G20) auf, sich fĂŒr die Einhaltung der Grundrechte von Frauen in Afghanistan unter der Herrschaft der radikal-islamischen Taliban einzusetzen.

"Der in den vergangenen 20 Jahren erzielte Fortschritt muss erhalten bleiben", sagt Draghi zum Auftakt der G20-Konferenz zur StÀrkung der Frauenrechte. Italien hat derzeit die PrÀsidentschaft der Gruppe inne.

NĂ€chste Evakuierungsmaschine auf dem Weg nach Kabul

Die Bundeswehr hat ihre Evakuierungsmission fĂŒr Deutsche und einheimische OrtskrĂ€fte in Afghanistan am Donnerstagmorgen fortgesetzt. Gegen 7.15 Uhr deutscher Zeit startete in der usbekischen Hauptstadt Taschkent ein Transportflugzeug A400M in Richtung Kabul, wie das EinsatzfĂŒhrungskommando auf Twitter mitteilte. Es soll dort weitere Schutzsuchende aufnehmen.

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Am Vorabend hatte die Bundeswehr mit dem letzten von mehreren FlĂŒgen am Mittwoch 167 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen. "Insgesamt 5.193 Personen konnten seit Beginn der Evakuierungsmission durch die Bundeswehr in Sicherheit gebracht werden – allein gestern waren es 539 zu SchĂŒtzende", schrieb das Verteidigungsministerium am Donnerstag auf Twitter. "Wir evakuieren bis zur letzten Sekunde."

Diplomat: Umgebung des Flughafens "unglaublich ĂŒberfĂŒllt"

Trotz der Warnungen der USA und ihrer VerbĂŒndeten vor Angriffen der IS-Miliz drĂ€ngen sich riesige Menschenmengen vor den ZugĂ€ngen zum Flughafen Kabul. Die Umgebung sei "unglaublich ĂŒberfĂŒllt", sagt ein westlicher Diplomat.

Soldaten sind am Flughafen Kabul im Einsatz. Rund um den Flughafen Kabul harren weiter Tausende Menschen in der Hoffnung auf einen Evakuierungsflug ins Ausland aus.
Soldaten sind am Flughafen Kabul im Einsatz. Rund um den Flughafen Kabul harren weiter Tausende Menschen in der Hoffnung auf einen Evakuierungsflug ins Ausland aus. (Quelle: Stfw Schueller/Bundeswehr/dpa)

Allein schĂ€tzungsweise 1.500 Menschen, die US-PĂ€sse oder Visa fĂŒr die USA hĂ€tten, versuchten weiterhin, auf das FlughafengelĂ€nde zu gelangen. Der Flugbetrieb, der sich am Mittwoch verlangsamt habe, werde nun wieder beschleunigt.

US-Botschaft: Sicherheitswarnung fĂŒr Flughafen Kabul

Die US-Botschaft in Kabul hat US-BĂŒrgern laut einer Sicherheitswarnung geraten, sich derzeit nicht zum internationalen Flughafen Hamid Karzai zu begeben. BĂŒrger, die sich bereits am Abbey Gate, East Gate und North Gate des Flughafens aufhielten, sollen den Flughafen sofort verlassen, heißt es in dem Sicherheitshinweis.

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Auch Großbritannien forderte seine bis jetzt in Afghanistan verbliebenen StaatsbĂŒrger wegen der Gefahr von AnschlĂ€gen auf, sich vom Kabuler Flughafen fernzuhalten. Es gebe eine "anhaltende und hohe Gefahr terroristischer Angriffe".

Die australische Regierung in Canberra forderte australische StaatsbĂŒrger und Visa-Inhaber am Flughafen in Kabul auf, das Gebiet sofort zu verlassen. "Es besteht eine anhaltende und sehr hohe Bedrohung durch einen Terroranschlag", sagt Außenministerin Marise Payne.

Soldaten sind am Flughafen Kabul im Einsatz. Rund um den Flughafen Kabul harren weiter Tausende Menschen in der Hoffnung auf einen Evakuierungsflug ins Ausland aus.
Soldaten sind am Flughafen Kabul im Einsatz. Rund um den Flughafen Kabul harren weiter Tausende Menschen in der Hoffnung auf einen Evakuierungsflug ins Ausland aus. (Quelle: Stfw Schueller/Bundeswehr/dpa)

Letzter Bundeswehr-Rettungsflug schon am Donnerstag?

In Afghanistan warten noch Tausende auf Rettung. Die Bundeswehr will einem Bericht zufolge ihre LuftbrĂŒcke schon an diesem Donnerstag beenden. Die Taliban haben Ausreisemöglichkeiten auch nach dem US-Abzug zugesagt. Mehr dazu lesen Sie hier.

UN-Bericht: Sicherheitslage in Afghanistan weitgehend ruhig

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist seit der MachtĂŒbernahme der Taliban weitgehend ruhig. Das geht aus einem wöchentlichen Bericht der UN-Agentur zur Koordinierung humanitĂ€rer Hilfe (OCHA) hervor, der am Mittwochabend veröffentlicht wurde. In den allermeisten Regionen des Landes sei die Sicherheitssituation im Berichtszeitraum - der Woche nach der Taliban-MachtĂŒbernahme – vergleichsweise ruhig.

In dem Bericht hieß es, im SĂŒden seien Zivilistinnen und Zivilisten weiter von Explosionen durch am Straßenrand versteckte Bomben betroffen gewesen oder von Kugeln durch FreudenschĂŒsse in den ProvinzhauptstĂ€dten. Die großen KrankenhĂ€user in der sĂŒdlichen Region hĂ€tten zudem eine große Zahl an Patienten aufgenommen, die bereits frĂŒher verletzt worden waren, wegen andauernder Gefechte und Straßensperren aber keine Möglichkeit gehabt hĂ€tten, in KrankenhĂ€user zu kommen.

Im Nordosten habe es Berichte ĂŒber Gefechte in den Bezirken Pul-i Hisar, Dih Salah und Bano der Provinz Baghlan gegeben. Einem Bericht der "New York Times" zufolge hatten Hausdurchsuchungen durch die Taliban diese Gefechte mit lokalen Milizen ausgelöst. Aus den Provinzen Kabul und Pandschir seien mehrere SicherheitsvorfĂ€lle und Gewalttaten gemeldet worden. Allerdings gibt es in dem Bericht keine Details hierzu.

In der Stadt Dschalalabad im Osten seien Berichten zufolge zwei Zivilisten getötet und sechs weitere im Zuge eines Protests am Nationalfeiertag verletzt worden, hieß es weiter. Lokale Journalisten berichteten, Taliban-KĂ€mpfer hĂ€tten das Feuer eröffnet. Vergangenen Samstag habe es bewaffnete ZusammenstĂ¶ĂŸe zwischen KĂ€mpfern der Taliban und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Bezirk Alingar der Provinz Laghman im Osten gegeben.

Afghanisches Baby nach Flugzeug benannt

Das an Bord eines US-Transportflugzeugs zur Welt gekommene afghanische Baby ist nach MilitĂ€rangaben von den Eltern nach dem Flugzeug benannt worden. Das MĂ€dchen, das auf dem deutschen US-StĂŒtzpunkt Ramstein geboren wurde, heiße nun nach dem Rufzeichen der Maschine "Reach", erklĂ€rte der Kommandeur der US-StreitkrĂ€fte in Europa, General Tod Wolters, am Mittwoch. Die Transportflugzeuge vom Typ Boeing C-17 der US-Luftwaffe nutzen oft das Rufzeichen "Reach", gefolgt von einer Zahlenkombination.

"Wie sie sich gut vorstellen können, als Pilot der Luftwaffe ist es mein Traum, dass junge Kind namens Reach als US-StaatsbĂŒrgerin aufwachsen zu sehen und dass sie (spĂ€ter) Kampflugzeuge der US-Luftwaffe fĂŒr die Luftwaffe fliegen wird", sagte Wolters, der ĂŒber Video ins US-Verteidigungsministerium zugeschaltet war. Das MilitĂ€r habe mit den Eltern gesprochen, sagte Wolters. Zudem seien zwei weitere SĂ€uglinge von Evakuierten im nahen MilitĂ€rkrankenhaus in Landstuhl zur Welt gekommen, sagte er. Den Babys gehe es gut.

US-Regierung: Keine "Frist" fĂŒr Hilfe bei Ausreise aus Afghanistan

Die US-Regierung will auch nach dem 31. August US-Amerikaner und Afghanen bei der Ausreise aus Afghanistan unterstĂŒtzen. "Wir und die internationale Gemeinschaft erwarten, dass die Menschen, die Afghanistan nach dem Abzug des US-MilitĂ€rs verlassen wollen, dies auch tun können. Daran arbeiten wir", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Mittwochnachmittag (Ortszeit). Man prĂŒfe eine Reihe von Möglichkeiten, wie man etwa weiter konsularische UnterstĂŒtzung leisten können.

US-Außenminister Antony Blinken sprach davon, dass es keine "Frist" fĂŒr die BemĂŒhungen gebe, ausreisewilligen US-Amerikanern oder Afghanen zu helfen. Die militant-islamistischen Taliban hĂ€tten sich verpflicht, Menschen ĂŒber den 31. August hinaus sicheres Geleit zu ermöglichen. "Und wir haben sicherlich Anreize und Druckmittel gegenĂŒber einer zukĂŒnftigen afghanischen Regierung, um sicherzustellen, dass dies geschieht", sagte Blinken weiter ohne ins Detail zu gehen.

Bruder von berĂŒhmtem Taliban-Gegner berichtet von wachsendem Widerstand

In Afghanistan weitet sich die Widerstandsbewegung gegen die radikalislamischen Taliban nach den Worten des Bruders des legendĂ€ren afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud aus. Der Widerstand habe sich ĂŒber das Land verbreitet, sagte Ahmed Wali Massud am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Die Einstellungen der Afghanen hĂ€tten sich in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, sagte Massud. "Die Frauen Afghanistans sind der Widerstand, denn ihre Werte unterscheiden sich sehr von denen der Taliban." Auch die jĂŒngeren Generationen, die einen Großteil der Bevölkerung ausmachten, seien Teil der Widerstandsbewegung. "Egal was passiert, der Widerstand wird weitergehen. Es ist ein Freiheitskampf fĂŒr universelle Rechte und Überzeugungen. Das wird niemals sterben", sagte Ahmed Wali Massud.

Der Sohn des frĂŒheren Kriegsherrn Massud, Ahmed Massud, hatte in der vergangenen Woche zum Widerstand gegen die Taliban aufgerufen. Nach seinen Angaben haben sich ihm im Pandschir-Tal tausende KĂ€mpfer angeschlossen. Das Pandschir-Tal war in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Taliban und fiel nie unter die Kontrolle der Islamisten.

US-Soldaten sollen Journalisten Zugang nach Kabul verwehrt haben

Journalisten am Kabuler Flughafen soll nach eigenen Angaben am Mittwoch durch US-Soldaten der Zugang in die Stadt verwehrt worden sein. Der stellvertretende Chefredakteur der Boulevardzeitung "Bild", Paul Ronzheimer, selbst vor Ort, berichtete auf Twitter: "Unter Androhung von MilitÀrpolizei zwingt US-MilitÀr uns und zehn weitere internationale Journalisten, Flieger nach Doha zu nehmen. Obwohl wir einen gesicherten Weg raus aus dem Airport hatten Richtung Stadt. Krasser Angriff auf die Pressefreiheit." Im weiteren Verlauf berichtete Ronzheimer, man werde zum Flieger nach Doha eskortiert.

Ähnlich berichtete auf Twitter am Mittwoch eine freischaffende Journalistin, die unter anderem regelmĂ€ĂŸig fĂŒr den "Guardian" arbeitete: Sie sei Teil einer Gruppe von Journalisten, die von US-KrĂ€ften gezwungen wĂŒrden, in ein Flugzeug zu steigen. Alles, was man wolle, sei in Kabul zu bleiben. Sie schrieb auch: "Wer kann helfen?"

Ronzheimer war am Mittwochnachmittag dann auch in einer Sondersendung des TV-Senders Bild per Telefon zugeschaltet. Er sagte, er gehe davon aus, in wenigen Stunden im Flugzeug nach Doha, der Hauptstadt von Katar, zu sitzen. Von dort sei er am Mittwochmorgen gekommen.

AuswÀrtiges Amt: Noch mehr als 200 Deutsche in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul halten sich nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts noch mehr als 200 deutsche StaatsbĂŒrger auf. Die Zahl liege höher als noch am Vortag, "weil sich weiterhin Menschen bei uns melden", sagte ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts am Mittwoch in Berlin. 540 Deutsche seien bereits ausgeflogen worden. Am Dienstag hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) von rund 100 Deutschen vor Ort und ihren Familien gesprochen.

Es gebe eine "gewisse UnschĂ€rfe" bei den Zahlen, weil teils auch Angehörige deutsche StaatsbĂŒrger seien, sagte der Sprecher. Wie viele der Betroffenen neben der deutschen auch die afghanische StaatsbĂŒrgerschaft haben, werde nicht erfasst, weil es fĂŒr die Frage, ob jemand zur Teilnahme an der Evakuierungsmission berechtigt sei, keinen Unterschied mache. Er rĂ€umte aber ein, dass es fĂŒr die Bewegungsfreiheit der Betroffenen im von den Taliban kontrollierten Kabul relevant sein könne. "Das ist ein Faktor, den man berĂŒcksichtigen muss."

Das AuswĂ€rtige Amt geht davon aus, dass sich in Kabul insgesamt noch eine "hohe vierstellige oder niedrige fĂŒnfstellige Zahl" schutzbedĂŒrftiger Menschen befindet, die grundsĂ€tzlich fĂŒr eine Evakuierung infrage kĂ€men.

Bundestag stimmt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in Kabul zu

Mehr als eine Woche nach Beginn der Evakuierungsaktion der Bundeswehr im afghanischen Kabul hat der Bundestag dem Einsatz von bis zu 600 Soldaten zugestimmt. Die Abgeordneten billigten das bis zum 30. September befristete Mandat mit großer Mehrheit. 539 stimmten dafĂŒr, 9 dagegen, 90 enthielten sich.

Mit dem Mandat schafft der Bundestag nachtrĂ€glich die rechtliche Grundlage fĂŒr den Einsatz. Das Parlament muss jedem bewaffneten Einsatz der Bundeswehr zustimmen. In AusnahmefĂ€llen ist das auch nachtrĂ€glich möglich, vor allem, wenn Gefahr in Verzug ist. Das trifft nach Ansicht der Bundesregierung auf die Evakuierung deutscher StaatsbĂŒrger und afghanischer Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien zu.

Die große Mehrheit fĂŒr den Einsatz war erwartet worden. Die Linksfraktion hatte allerdings am Dienstag wegen einiger Kritikpunkte am Mandatstext beschlossen, sich zu enthalten.

AuswÀrtiges Amt will auch nach Fristenende evakuieren

Die Bundesregierung spricht nach eigenen Angaben weiter mit Vertretern der Taliban, um auch nach dem 31. August Menschen außer Landes bringen zu können. Das Ende der LuftbrĂŒcke sei nicht gleichbedeutend mit einem Ende dieser BemĂŒhungen, sagte ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin. Möglich sei etwa eine Evakuierung mit zivilen FlĂŒgen oder auch ein Transport von Menschen auf dem Landweg in die NachbarlĂ€nder Afghanistans.

Bereits am Dienstag hatte Außenminister Heiko Maas verdeutlicht, dass ein Ende der LuftbrĂŒcke nicht bedeute, dass keine Menschen mehr gerettet werden. GegenĂŒber "Bild" nannte er mögliche Verhandlungen mit den Taliban "schlimmer als verkehrte Welt". Allerdings habe man "ĂŒberhaupt keine Alternative. DafĂŒr muss man Wege gehen, die man nicht gehen will."

Bericht: KSK rettete Deutsche per Hubschrauber

SpezialkrĂ€fte der Bundeswehr haben offenbar erstmals Deutsche aus Afghanistan mit Hubschraubern gerettet. Das berichtet die "SĂŒddeutsche Zeitung". Demnach haben Soldaten des "Kommando SpezialkrĂ€fte" (KSK) in einer Geheimoperation in der Nacht zum Mittwoch gemeinsam mit US-KrĂ€ften mehr als ein Dutzend deutsche StaatsbĂŒrger aus Kabul geflogen, die auf der Flucht vor den islamistischen Taliban waren.

Nach Informationen der Zeitung war es offenbar bereits die vierte Operation der Spezialeinheit. Genutzt wurden allerdings keine eigenen, sondern amerikanische Hubschrauber des Typen MH-6. Ein Lufteinsatz galt zuletzt noch als zu gefĂ€hrlich. Bisher waren die Soldaten nur am Boden tĂ€tig. Aufgrund des geplanten Abzugs der US-Truppen drĂŒcke auch die Bundeswehr aufs Tempo. "Das Fenster, Leute zu retten, schließt sich", heißt es aus Bundeswehrkreisen.

USA fliegen in 24 Stunden mehr als 11.000 Menschen aus

Bei der Evakuierungsmission am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die USA zuletzt innerhalb von 24 Stunden mehr als 11.000 Menschen außer Landes gebracht. Zwischen dem frĂŒhen Dienstagmorgen und dem frĂŒhen Mittwochmorgen hĂ€tten 42 Flugzeuge des US-MilitĂ€rs rund 11.200 Menschen ausgeflogen, teilte das Weiße Haus am Mittwoch in Washington mit. Im gleichen Zeitraum hĂ€tten außerdem 48 Maschinen internationaler Partner rund 7.800 Menschen evakuiert. Insgesamt waren es innerhalb der 24-Stunden-Spanne also etwa 19.000 Menschen.

Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August haben die Vereinigten Staaten insgesamt rund 82.300 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht, wie es weiter hieß. Nach der MachtĂŒbernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatten die USA und ihre VerbĂŒndeten begonnen, in großer Eile ihre StaatsbĂŒrger sowie afghanische Helfer und andere SchutzbedĂŒrftige außer Landes zu bringen.

US-PrĂ€sident Joe Biden hatte am Dienstag nach einer Videoschalte mit den Staats- und Regierungschefs der G7-LĂ€nder erklĂ€rt, dass er an dem Plan festhalte, die amerikanischen Truppen bis zum 31. August aus Kabul abzuziehen. Ohne die UnterstĂŒtzung der USA gilt auch eine Fortsetzung der EvakuierungsflĂŒge anderer westlicher Staaten als undenkbar. Das US-MilitĂ€r kontrolliert den Flughafen in Kabul und hat dort mehrere Tausend Soldaten stationiert, die den internationalen Evakuierungseinsatz absichern.

Verteidigungsministerium: Schwerste Stunden stehen noch bevor

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagt in Berlin mit Blick auf das bevorstehende Ende der Evakuierungsmission: "Jetzt beginnen fĂŒr uns die anspruchvollsten und auch die gefĂ€hrlichsten Stunden." Die Sicherheitslage am Kabuler Flughafen habe sich immer weiter verschĂ€rft und verschĂ€rfe sich weiter.

Briten holen Hunde und Katzen aus Kabuler Tierheim

Nach tagelanger Debatte hat die britische Regierung einen Rettungsflug fĂŒr Hunde und Katzen aus einem Kabuler Tierheim vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt genehmigt. "Wenn er mit seinen Tieren kommt, werden wir einen Slot fĂŒr sein Flugzeug finden", schrieb der britische Verteidigungsminister Ben Wallace am Mittwoch auf Twitter ĂŒber Paul Farthing, einen ehemaligen Soldaten, der in Kabul ein Tierheim fĂŒr Hunde und Katzen betreute.

Farthing will nun mit einem gecharterten Flugzeug rund 140 Hunden und 60 Katzen zusammen mit seinen afghanischen Mitarbeitern und deren Familien die Ausreise ermöglichen. Bereits am Montag hatte die britische Regierung laut Farthing allen Mitarbeitern des Vereins "Nowsad" und ihren Familienmitgliedern Visa erteilt. Es handele sich insgesamt um 68 Menschen.

Wallace hatte noch am Dienstag erklĂ€rt, dass er "Tieren keinen Vorrang vor verzweifelten MĂ€nnern, Frauen und Kindern, die an die TĂŒr klopfen", einrĂ€umen werde. DafĂŒr musste der Verteidigungsminister harte Kritik von TierschĂŒtzern einstecken. Nun folgte die Wende.

Mindestens 12 von 78 Afghanistan-RĂŒckkehrern nach Indien haben Corona

Mindestens 12 Personen einer Gruppe von 78 Menschen, die aus Kabul in Afghanistan evakuiert und nach Indien gebracht wurden, sind mit dem Coronavirus infiziert. Sie zeigten keine Symptome, sagte ein Mitarbeiter der Organisation India World Forum, die dem indischen Außenministerium bei ihrer Evakuierungsmission hilft, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Die Gruppe sei am Dienstag in Indien angekommen und die Positiv-Getesteten befĂ€nden sich in QuarantĂ€ne. Indien hat seit der MachtĂŒbernahme der Taliban in Afghanistan mehr als 600 Menschen ausgeflogen – darunter mehr als 200 indische BĂŒrgerinnen und BĂŒrger.

Kritische Soldaten: Überraschung ĂŒber Ende des Einsatzes "geheuchelt"

Der kritische Soldatenarbeitskreis "DarmstĂ€dter Signal" bewertet Deutschlands Beteiligung am Einsatz in Afghanistan als "riesigen Fehler". "Der Einsatz war so verlogen wie die Überraschung [ĂŒber das Ende] geheuchelt", sagte der Sprecher des Arbeitskreises, Florian Pfaff, dem SĂŒdwestrundfunk am Mittwoch.

"Man wurde im Grunde herausgeworfen. Man hatte die Standorte aufgeben mĂŒssen, weil der Druck zu groß war." Wer jetzt so tue, als hĂ€tte man sich auf die afghanische Armee verlassen, sei unehrlich, ergĂ€nzte Pfaff im Radioprogramm SWR Aktuell. Die Kriege im Irak und in Afghanistan bezeichnete er als sinnlos und verlogen.

Der eher linksgerichtete Arbeitskreis "DarmstĂ€dter Signal" bezeichnet sich als "das einzige kritische Sprachrohr von ehemaligen und aktiven Offizieren und Unteroffizieren sowie Soldatinnen und Soldaten und zivilen Angehörigen der Bundeswehr". Das erste Treffen des Arbeitskreises gab es 1983. Zu den GrundsĂ€tzen gehört laut Homepage die kritische Begleitung der "hinsichtlich des Auftrags der StreitkrĂ€fte, deren Bindung an Moral und Gesetze, die Umsetzung des StaatsbĂŒrgers in Uniform sowie nichtmilitĂ€rische Alternativen der KonfliktbewĂ€ltigung".

Sorge um Radikalisierung in der Bundeswehr

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, Bernhard Drescher, hat angesichts der Entwicklungen in Afghanistan nach dem Abzug der Bundeswehr vor einer Radikalisierung altgedienter Soldaten gewarnt. "Die Stimmung unter den Veteranen ist grottenschlecht", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Sie hĂ€tten das GefĂŒhl, dass ihre Belange "noch nie interessiert" hĂ€tten. Angesichts der Bilder aus Kabul entstehe nun der Eindruck, dass ihre Arbeit zunichte gemacht werde. Schließlich ziehe man SchutzkrĂ€fte nicht ab, bevor nicht alles SchĂŒtzenswerte in Sicherheit gebracht worden sei, so Drescher. Und die Helfer der Bundeswehr, also die afghanischen OrtskrĂ€fte, wĂŒrden offenbar nicht fĂŒr schĂŒtzenswert gehalten. Die VorgĂ€nge wĂŒrden "hochemotional aufgenommen".

Drescher warnte: "Man verliert emotional eine Gruppe von Menschen, die fĂŒr den Staat wichtig ist." In der Folge entstĂŒnden neuerdings rechtsorientierte Gruppen wie "Veteranen 5 n 12" oder der "Veteranen Pool". "Ich mache mir Sorgen, wie sich das weiterentwickelt."

Bundeswehr hat 4.650 Menschen aus Kabul ausgeflogen

Die Bundeswehr hat mittlerweile mehr als 4.650 BundesbĂŒrger, Afghanen und BĂŒrger anderer Staaten aus Kabul evakuiert. Am spĂ€ten Dienstagabend landete ein MilitĂ€rtransporter des Typs A400M mit 178 schutzbedĂŒrftigen Menschen an Bord in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, wie die Bundeswehr in der Nacht zu Mittwoch twitterte. "Damit wurden bisher insgesamt mehr als 4.650 Menschen aus Afghanistan evakuiert", hieß es weiter. Von Taschkent aus geht es dann weiter nach Deutschland.

Derweil teilten die USA mit, vorerst an dem Plan festzuhalten, ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen. Der laufende internationale MilitĂ€reinsatz zur Evakuierung westlicher StaatsbĂŒrger, afghanischer OrtskrĂ€fte und anderer SchutzbedĂŒrftiger ist von der US-TruppenprĂ€senz abhĂ€ngig. Bereits am Montag hatte ein Taliban-Vertreter die fĂŒr den 31. August gesetzte Frist als "rote Linie" bezeichnet.

Nato-Diplomat: NachbarlÀnder sollen Grenzen öffnen

Angesichts des nahenden Endes von EvakuierungsflĂŒgen aus Kabul werden Forderungen nach einem verstĂ€rkten Engagement der NachbarlĂ€nder Afghanistans laut. "Iran, Pakistan und Tadschikistan sollten mehr Menschen ĂŒber Land oder Luft herausholen", sagte ein in Kabul ansĂ€ssiger Nato-Diplomat am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die LĂ€nder sollten ihre Grenzen öffnen.

Aus Diplomatenkreisen hieß es in den vergangenen Tagen, nach Einstellung der EvakuierungsflĂŒge könnten die zu Evakuierenden möglicherweise auf dem Landweg in Drittstaaten ausreisen und von dort nach Europa geflogen werden. Beide GrenzĂŒbergĂ€nge nach Pakistan etwa sind aktuell geöffnet, allerdings brauchen Afghanen Visa fĂŒr das Nachbarland.

In einem in der Nacht zu Mittwoch versandten Landsleutebrief der deutschen Botschaft in Kabul hieß es, Deutschland plane zunĂ€chst weiterhin EvakuierungsflĂŒge mit der Bundeswehr und zudem mit anderen befreundeten Staaten FlĂŒge von Kabul ins Ausland. Gleichzeitig prĂŒfe man weitere konkrete Maßnahmen zur Ermöglichung der Ausreise.

Bundeswehr-LuftbrĂŒcke endet wohl spĂ€testens am Wochenende

Laut mehreren Medienberichten plant die Bundeswehr, ihre RettungsflĂŒge aus Afghanistan bereits Ende der Woche einzustellen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Biden warnt vor Anschlagsgefahr

US-PrĂ€sident Joe Biden hat vor einer wachsenden Terrorgefahr am Flughafen in Kabul gewarnt. Jeder Tag, den man wegen der Evakuierungen lĂ€nger vor Ort bleibe, sei ein weiterer Tag, an dem ein örtlicher Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat versuche, den Flughafen anzugreifen, sagte Biden. Es gebe die "akute und wachsende Gefahr eines Anschlags", sagte er am Dienstag in Washington (Ortszeit) nach einer Videoschalte der G7-Staats- und Regierungschefs zur Lage in Afghanistan. Die USA halten daher vorerst an ihrem Plan fest, ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen. "Je frĂŒher wir es abschließen, desto besser", sagte Biden.

US-MilitÀr zieht "mehrere Hundert" Soldaten vom Flughafen Kabul ab

Das US-MilitĂ€r hat seine TruppenprĂ€senz am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben um "mehrere Hundert" Soldatinnen und Soldaten reduziert. Dies sei bei einem laufenden Einsatz Teil der normalen Entscheidungsgewalt des örtlichen Kommandeurs, erklĂ€rte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Es handle sich dabei unter anderem um BeschĂ€ftigte der Zentrale, Spezialisten fĂŒr Wartungsarbeiten und andere Soldaten, deren Mission am Flughafen abgeschlossen sei, erklĂ€rte er am Dienstag (Ortszeit). Das US-MilitĂ€r hatte dort zuletzt rund 5.800 Soldaten im Einsatz.

Kirby betonte, der routinemĂ€ĂŸige Abzug einiger Truppen stelle nicht den Beginn des Abzugs aller Soldaten aus Afghanistan dar. Dies sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht befohlen worden, erklĂ€rte er.

MĂ€dchen des Robotik-Teams flĂŒchten nach Mexiko

Eine Gruppe von Computer-Spezialistinnen ist nach ihrer Flucht aus Afghanistan vor den Taliban in Mexiko eingetroffen. "Wir heißen Sie herzlich in Mexiko willkommen", sagt Martha Delgado, UnterstaatssekretĂ€rin fĂŒr multilaterale Angelegenheiten und Menschenrechte im mexikanischen Außenministerium bei einer Pressekonferenz zur Ankunft des Robotik-Teams. Das jĂŒngste Mitglied ist 14 Jahre alt. Die international ausgezeichnete Gruppe hatte im MĂ€rz mit der Arbeit an einem kostengĂŒnstigen Open-Source-BeatmungsgerĂ€t begonnen, um die KrankenhĂ€user ihres Heimatlandes im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu unterstĂŒtzen.

Putin: Westen hinterlÀsst Chaos und Terrorgefahr in Afghanistan

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, Chaos in Afghanistan hinterlassen sowie eine große Terrorbedrohung fĂŒr andere LĂ€nder verursacht zu haben. "Es gibt die Gefahr, dass Terroristen und verschiedene Gruppierungen, die in Afghanistan Zuflucht gefunden haben, das von unseren westlichen Partnern hinterlassene Chaos nutzen", sagte Putin am Dienstag in Moskau. Terroristen könnten in den NachbarlĂ€ndern fĂŒr eine Eskalation der Lage sorgen.

"Das ist eine direkte Bedrohung fĂŒr unsere VerbĂŒndeten und fĂŒr unser Land", sagte Putin mit Blick etwa auf die Ex-Sowjetrepubliken Tadschikistan und Usbekistan, direkte Nachbarn Afghanistans. Es bestehe die Gefahr, dass der Drogenschmuggel und die illegale Migration zunehmen, meinte er bei einer Veranstaltung der Kremlpartei Geeintes Russland vor der Parlamentswahl am 19. September. "Das sind alles Bedrohungen fĂŒr uns. Sie sind absolut real."

"Schreckliche hygienische ZustÀnde in Katar": USA geloben Besserung

Die USA haben nach Berichten ĂŒber schlechte hygienische ZustĂ€nde auf dem MilitĂ€rflugplatz nahe der katarischen Hauptstadt Doha eine schnelle Besserung versprochen. Der Flugplatz ist ein wichtiges Drehkreuz fĂŒr die EvakuierungsflĂŒge aus Afghanistan. "Wir sind uns dessen bewusst und arbeiten schnell daran, die Situation zu verbessern, und wir wollen natĂŒrlich, dass die Menschen, die evakuiert werden, mit Respekt behandelt werden", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Dienstag (Ortszeit). Zuvor hatte etwa das Nachrichtenportal "Axios" unter Berufung auf eine E-Mail eines US-Beamten von Ratten, Urin und FĂ€kalien berichtet.

Selbst wenn Afghanen ein Sondervisum fĂŒr die USA haben, kommen sie nicht direkt in das Land. MilitĂ€rflĂŒge bringen sie zunĂ€chst auf US-StĂŒtzpunkte oder in andere Transitzentren in Drittstaaten –wie etwa nach Katar. Von diesen Zwischenstationen sollen die Menschen nach einer SicherheitsprĂŒfung in die USA gebracht werden. Axios zufolge sind auf dem StĂŒtzpunkt in Katar Tausende Afghanen vorlĂ€ufig untergebracht. Nach dem Bericht ist die Situation dort "die Hölle auf Herden". Psaki betonte, dass der Bericht des Portals sich auf die Lage vor einigen Tagen beziehe.

Man sei sich der "schrecklichen hygienischen ZustĂ€nde in Katar" bewusst, die dort geherrscht hĂ€tten, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Man habe bereits daran gearbeitet, sie zu verbessern. "Ich werde mich hier nicht hinstellen und sagen, dass sie perfekt sind, denn das sind sie nicht, weil die Evakuierten weiterhin nach Katar strömen, und im Moment eine Menge vor Ort sind", so Kirby weiter. Niemand suche nach Ausreden. "Wir erkennen an, dass die sanitĂ€ren VerhĂ€ltnisse und die Hygiene in vielerlei Hinsicht noch nicht das Niveau erreicht haben, das wir uns wĂŒnschen."

Evakuierte von Ramstein auf anderen US-StĂŒtzpunkt in Deutschland verlegt

Weil die KapazitĂ€ten fĂŒr die Unterbringung tausender Evakuierter aus Afghanistan auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz an ihre Grenzen stoßen, hat die US-Armee mit der ÜberfĂŒhrung der Menschen zu anderen StĂŒtzpunkten in Deutschland begonnen. Erste Evakuierte seien am Dienstag in den Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern eingetroffen, gaben die US-StreitkrĂ€fte bekannt. Dort könnten rund 2.000 Menschen vorĂŒbergehend untergebracht werden.

DarĂŒber hinaus seien die TruppenĂŒbungsplĂ€tze Grafenwöhr und Hohenfels bereit, bei Bedarf Gerettete aus Afghanistan aufzunehmen. An diesen Standorten können laut US-Armee vorĂŒbergehend etwa 3.000 beziehungsweise 2.000 Menschen untergebracht werden.

Auch Weltbank legt Hilfszahlungen fĂŒr Afghanistan auf Eis

Nach der MachtĂŒbernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan legt auch die Weltbank ihre Hilfen fĂŒr das Land auf Eis. Die Zahlungen seien ausgesetzt worden, sagte ein Weltbank-Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die internationale Finanzorganisation beobachte die Entwicklungen vor Ort genau. Die Weltbank unterhĂ€lt in Afghanistan nach eigenen Angaben mehr als zwei Dutzend Entwicklungsprojekte und hat dem Land seit 2002 5,3 Milliarden Dollar zur VerfĂŒgung gestellt.

Afghanistan ist als eines der Àrmsten LÀnder der Welt stark auf Hilfsgelder angewiesen. Nach Angaben der Weltbank belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2020 auf 19,81 Milliarden US-Dollar, davon machten Hilfsgelder fast 43 Prozent aus.

Merkel nach G7-Gipfel: Keine VerlÀngerung der Evakuierungen vereinbart

Die sieben grĂ¶ĂŸten westlichen IndustrielĂ€nder (G7) wollen von den Taliban freies Geleit fĂŒr Ausreisewillige ĂŒber den 31. August hinaus verlangen. Das erklĂ€rte der britische Premierminister Boris Johnson am Dienstag nach dem G7-Sondergipfel zu Afghanistan. Man plane ein Abkommen mit den Islamisten, in der diese Forderung die wichtigste Bedingung fĂŒr eine Einigung sein solle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach der Video-Konferenz der Staats- und Regierungschefs, man habe keine VerlĂ€ngerung der Evakuierungen vereinbart. Bereits zuvor hatte ein Mitarbeiter der US-Regierung Reuters gegenĂŒber erklĂ€rt, US-PrĂ€sident Joe Biden bleibe dabei, die Evakuierungen am 31. August abzuschließen.

Die Taliban hatten mit Konsequenzen gedroht, sollten auslÀndische Soldaten bis Ende August nicht abgezogen werden. Kritiker warnen, bis dahin könnten nicht alle Menschen ausgeflogen werden, die Schutz vor den Islamisten suchen.

Die G7-Staaten beschlossen, ihre Afghanistan-Politik mit anderen Staaten abzustimmen. Deshalb solle auch mit den G20 zusammengearbeitet werden. In dieser Staaten-Gruppe sind auch Russland und China Mitglieder. Der italienische MinisterprĂ€sident Mario Draghi forderte auch eine gemeinsame Immigrationspolitik Europas fĂŒr Menschen aus Afghanistan.

Bundeswehr warnt vor IS-SelbstmordattentÀtern in Kabul

Die Bundeswehr sieht eine zunehmende Anschlagsgefahr durch IS-Terroristen in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Man habe Signale aus amerikanischen Quellen, aber auch eigene Erkenntnisse, dass zunehmend potenzielle SelbstmordattentÀter der Terrororganisation Islamischer Staat "in die Stadt einsickern", sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn am Montag in Berlin. Man habe von den Amerikanern bereits in der vergangenen Woche Hinweise darauf bekommen. "Das nimmt jetzt zu."

Die US-Regierung hatte am Sonntag erstmals öffentlich Sorgen vor einem IS-Anschlag am Flughafen oder in der Umgebung geĂ€ußert. "Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend", sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-PrĂ€sident Joe Biden, Jake Sullivan, im Sender CNN. Man nehme die Warnungen "absolut todernst". Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekĂ€mpft.

Maas: "Zeit wird nicht reichen, um alle auszufliegen"

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat wĂ€hrend eines Live-Interviews mit dem neuen Fernsehsender Bild eine erschĂŒtternde Prognose abgegeben. Trotz aller BemĂŒhungen, so viele OrtskrĂ€fte wie möglich schnell aus Afghanistan auszufliegen, vermutet er: "Die Zeit wird nicht reichen, um alle auszufliegen." Er gehe nicht davon aus, dass "wir alle ausfliegen können, die wir ausfliegen wollen." Das Gleiche gelte wohl fĂŒr die USA. Weiter erklĂ€rte er: "Wir stehen noch mit 100 StaatsbĂŒrgern und ihren Familien in Kontakt, deren Standort wir auch kennen. Die versuchen wir heute wieder einigermaßen sicher an den Flughafen zu bringen, um sie dann auf eine unserer Maschinen zu verteilen."

Es gehe jetzt darum, die Probleme in Afghanistan zu lösen und nicht um seine politische Zukunft, betonte Maas auf Nachfrage. "Gehen Sie mal davon aus, dass auch ich meine SchlĂŒsse daraus ziehen wĂŒrde, was zurzeit geschieht und wie damit umzugehen ist und wie auch ich persönlich damit umgehe", sagte er.

Heiko Maas: Der Außenminister hat in Aussicht gestellt, dass nicht alle OrtskrĂ€fte aus Afghanistan gerettet werden können.
Heiko Maas: Der Außenminister hat in Aussicht gestellt, dass nicht alle OrtskrĂ€fte aus Afghanistan gerettet werden können. (Quelle: Annegret Hilse/ap-bilder)

Ab 2013 beschÀftigte Entwicklungshelfer auf Evakuierungsliste

Die Bundesregierung hat den Kreis der afghanischen OrtskrĂ€fte in der Entwicklungshilfe ausgeweitet, die fĂŒr eine Evakuierung im Gefahrenfall infrage kommen: GrundsĂ€tzlich sei am Wochenende entschieden worden, dass ab jetzt auch OrtskrĂ€fte der Entwicklungszusammenarbeit aufgrund einer GefĂ€hrdung fĂŒr eine Ausreise infrage kĂ€men, deren BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis schon mehr als zwei Jahre zurĂŒckliege, teilt ein Sprecher des Entwicklungsministeriums mit. Analog zur Regelung des Bundesministeriums der Verteidigung sei nun eine BeschĂ€ftigung ab 2013 ausschlaggebend.

Brandenburg will OrtskrÀfte dauerhaft aufnehmen

Brandenburg will die im Land angekommenen OrtskrĂ€fte aus Afghanistan auch dauerhaft aufnehmen. Das erklĂ€rte Innenminister Michael StĂŒbgen am Dienstag. "Wir hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können, die weiteren Belastungen fĂŒr die geretteten Menschen möglichst gering zu halten und aufwendige BĂŒrokratie zu vermeiden." Die Verteilung aller in Deutschland angekommenen OrtskrĂ€fte obliege aber dem Bundesinnenministerium, so StĂŒbgen weiter. Brandenburg tausche sich derzeit eng mit dem Bund und den anderen BundeslĂ€ndern aus, um weitere AblĂ€ufe zur Aufnahme der OrtskrĂ€fte zu klĂ€ren. ZunĂ€chst hatten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" berichtet, dass Land wolle 300 OrtskrĂ€fte dauerhaft aufnehmen.

Nach Angaben des Innenministeriums sind mittlerweile 265 Menschen, davon 125 Kinder und Jugendliche, in Brandenburg angekommen und werden erstversorgt. "Wir wollen, dass die Menschen zur Ruhe kommen können und kĂŒmmern uns um die Erledigung aller notwendigen FormalitĂ€ten der Erstaufnahme", sagte StĂŒbgen.

USA fliegen an einem Tag mehr als 12.000 Menschen aus

Die Evakuierungsmission am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul gewinnt weiter an Tempo. Die USA flogen bei dem Einsatz erstmals innerhalb von 24 Stunden mehr als 12.000 Menschen aus Kabul aus. Zwischen dem frĂŒhen Montagmorgen und dem frĂŒhen Dienstagmorgen hĂ€tten 37 Flugzeuge des US-MilitĂ€rs rund 12.700 Menschen außer Landes gebracht, teilte das Weiße Haus am Dienstag in Washington mit. Im gleichen Zeitraum hĂ€tten außerdem 57 Maschinen internationaler Partner rund 8900 Menschen evakuiert. Seit dem Start der Evakuierungsmission Mitte August hĂ€tten die Vereinigten Staaten insgesamt rund 58 700 Menschen entweder selbst aus Afghanistan ausgeflogen oder deren Ausreise ermöglicht.

Das US-MilitĂ€r kontrolliert den Flughafen in Kabul und hat dort mehrere Tausend Soldaten stationiert, die den internationalen Evakuierungseinsatz absichern. Nach der MachtĂŒbernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatten die USA und ihre VerbĂŒndeten begonnen, in großer Eile ihre StaatsbĂŒrger sowie afghanische OrtskrĂ€fte außer Landes zu bringen.

CIA-Chef berĂ€t sich mit Taliban-AnfĂŒhrer

CIA-Chef William Burns hat einem Zeitungsbericht zufolge den AnfĂŒhrer der Taliban, Abdul Ghani Baradar, zu einem GesprĂ€ch getroffen. Der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes und Baradar seien sich am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul begegnet, berichtet die "Washington Post". Das Blatt beruft sich auf nicht nĂ€her bezeichnete US-Beamte, die sich nur anonym Ă€ußern wollten.

Taliban lassen SprengschutzwÀnde entfernen

Die militant-islamistischen Taliban lassen in der afghanischen Hauptstadt Kabul die fĂŒr das Stadtbild bislang typischen SprengschutzwĂ€nde abbauen. Das ist auf Videos und Fotos zu sehen, die am Dienstag in sozialen Medien kursierten.

Die oft drei Meter hohen und einen halben Meter dicken grauen BetonwĂ€nde sollten in der Vergangenheit die Auswirkungen von Autobomben oder anderen Explosionen vermindern. Sie standen bisher praktisch ĂŒberall in der Stadt, vor allem rund um Regierungseinrichtungen wie Ministerien oder auslĂ€ndischen Botschaften.

Am Sonntag hatten die Taliban ĂŒber die Facebook-Seite der Stadtverwaltung die BĂŒrger der Stadt dazu aufgerufen, binnen einer Woche SprengschutzwĂ€nde rund um PrivathĂ€user zu entfernen. BĂŒrger, die keinen Platz hĂ€tten, könnten sich an die Stadtverwaltung wenden, die ihnen einen Deponieplatz zur VerfĂŒgung stelle.

WHO befĂŒrchtet Engpass bei medizinischen GĂŒtern

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfĂŒgt nach eigenen Angaben nur noch ĂŒber medizinische VorrĂ€te fĂŒr eine Woche. Mehr als 500 Tonnen solcher GĂŒter wie OP-AusrĂŒstungen oder Mittel zur Versorgung von UnterernĂ€hrten gelangten wegen der EinschrĂ€nkungen am Kabuler Flughafen derzeit nicht ins Land, sagt ein WHO-Vertreter. Auch werde ein Anstieg der Corona-Infektionen befĂŒrchtet, weil die Zahl der durchgefĂŒhrten Tests in der vergangenen Woche um 77 Prozent gesunken sei. Dagegen hielten 95 Prozent der medizinischen Einrichtungen ihren Betrieb aufrecht. Allerdings seien mehrere weibliche Angestellte nicht mehr zum Dienst erschienen und einige Patientinnen wagten nicht, ihre HĂ€user zu verlassen und zum Arzt zu gehen.

ZweijÀhrige am Flughafen Kabul getötet

WĂ€hrend einer Massenpanik am Flughafen Kabul ist am Samstag ein zweijĂ€hriges Kind gestorben. Es handelt sich um die Tochter einer Dolmetscherin, die fĂŒr eine amerikanische Firma in Kabul gearbeitet hatte. Die Frau, ihre Tochter und weitere Familienmitglieder wurden von der Menge zu Boden geworfen. Menschen trampelten auf ihnen herum, wie die Frau der "New York Times" erzĂ€hlte. "Ich fĂŒhlte puren Terror. Ich konnte sie nicht retten."

Die deutschen Behörden haben wegen der Sicherheitslage davor gewarnt, selbststÀndig zum Flughafen zu gehen. Am Wochenende starben am Flughafen in Kabul sieben Menschen.

US-Truppen an einem Eingang zum Flughafen: Vor den Toren drÀngen sich Hunderte Menschen.
US-Truppen an einem Eingang zum Flughafen: Vor den Toren drÀngen sich Hunderte Menschen. (Quelle: Victor Mancilla/imago-images-bilder)

Bundeswehr fliegt 200 weitere Menschen aus

Mit einer Bundeswehr-Maschine sind abermals mehr als 200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden. Der MilitÀrtransporter des Typs A400M startete am Dienstag vom Flughafen der Hauptstadt Kabul ins Nachbarland Usbekistan, wie die Bundeswehr am Dienstag mitteilte. Von dort geht es dann weiter nach Deutschland.

Insgesamt hat die Bundeswehr inzwischen mehr als 3.650 BundesbĂŒrger, Afghanen und BĂŒrger anderer Staaten aus Kabul evakuiert. Am Sonntag vergangener Woche hatten die militant-islamistischen Taliban die afghanische Hauptstadt erobert und wieder die Macht ĂŒbernommen.

Maas: USA werden bald ĂŒber Ende der Evakuierungen entscheiden

Bundesaußenminister Heiko Maas rechnet damit, dass die USA noch am Dienstag entscheiden werden, ob sie ihr MilitĂ€r zum 31. August abziehen werden. Sollte die Operation tatsĂ€chlich Ende des Monats auslaufen, wĂŒrden die Amerikaner alleine ein bis zwei Tage brauchen, um ihre eigenen Soldaten auszufliegen. Deutschland habe bislang etwa 3.800 Personen evakuiert, sagt der SPD-Politiker bei "Bild TV."

Von der Leyen vervierfacht Hilfsgelder

Die EuropĂ€ische Union vervierfacht ihre Hilfsgelder fĂŒr afghanische StaatsbĂŒrger auf mehr als 200 Millionen Euro, wie EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen auf Twitter ankĂŒndigt. Die Mittel wĂŒrden zusĂ€tzlich zu den Hilfszusagen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zur VerfĂŒgung gestellt. Offiziell werde sie das Vorhaben beim virtuellen G7-Gipfel vorstellen.

Das Geld solle den Menschen innerhalb und außerhalb ihres Heimatlandes zugutekommen, erklĂ€rt die KommissionsprĂ€sidentin. Ein EU-Vertreter fĂŒgt hinzu, zur Bedingung fĂŒr die Auszahlung werde die Achtung der Menschenrechte und insbesondere der Rechte von Frauen gemacht. Danach werde entschieden, ob das Geld direkt nach Afghanistan oder in benachbarte Regionen fließe.

Taliban ernennen Finanz- und Innenminister

Die Taliban stellen einem Medienbericht zufolge eine neue Regierung zusammen. Finanzminister werde Gul Agha, meldet die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok. Zum amtierenden Innenminister sei Sadr Ibrahim ernannt worden. Auch der Geheimdienst erhalte eine neue Spitze. Neuer Gouverneur der Provinz Kabul sei Mullah Schirin, BĂŒrgermeister der gleichnamigen Hauptstadt sei Hamdullah Nomani. Weitere Details wurden zunĂ€chst nicht bekannt.

EU-Abgeordneter organisiert Charterflug

Der Europaabgeordnete der GrĂŒnen, Erik Marquardt, hat mit mehreren Hilfsorganisationen und in Absprache mit der Bundesregierung einen Charterflug nach Kabul organisiert, wie er auf Twitter mitteilt. Um weitere FlĂŒge zu realisieren, bittet der Politiker um Spenden.

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Druck auf Biden zur VerlÀngerung der Abzugsfrist wÀchst

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson und US-PrĂ€sident Joe Biden haben miteinander gesprochen. Die Politiker hĂ€tten vereinbart, weiter daran zu arbeiten, dass alle Ausreiseberechtigten Afghanistan verlassen könnten, teilte die britische Regierung am Montag mit. Großbritanniens Verteidigungsminister Ben Wallace sagte, Johnson werde bei dem virtuellen Gipfel der G7-Staats- und Regierungschefs an diesem Dienstag "versuchen, die Möglichkeit einer VerlĂ€ngerung" des bis zum 31. August befristeten US-Einsatzes am Kabuler Flughafen zu ergrĂŒnden.

US-PrÀsident Joe Biden.
US-PrÀsident Joe Biden. (Quelle: Michael Brochstein/imago-images-bilder)

Johnson erklĂ€rte, die Rettung "unserer BĂŒrger und jener Afghanen, die uns wĂ€hrend der vergangenen 20 Jahre geholfen haben", habe nun "oberste PrioritĂ€t". Die G7-Staaten mĂŒssten aber bereits jetzt "die nĂ€chste Phase" in den Blick nehmen, in der es darum gehen mĂŒsse, als internationale Gemeinschaft einen "gemeinsamen Ansatz" gegenĂŒber Afghanistan zu definieren.

Laut seinem BĂŒro will Johnson seine G7-Kollegen dazu aufrufen, die UnterstĂŒtzung fĂŒr FlĂŒchtlinge aus Afghanistan zu erhöhen und den Partnern die Selbstverpflichtung abnehmen, "den Schutz der Fortschritte der vergangenen 20 Jahre in Afghanistan sicherzustellen – insbesondere die MĂ€dchenbildung und die Rechte von Frauen und Minderheiten".

US-Truppen am Kabuler Flughafen: Die USA sichern den Flughafen derzeit mit 6.000 Soldaten ab.
US-Truppen am Kabuler Flughafen: Die USA sichern den Flughafen derzeit mit 6.000 Soldaten ab. (Quelle: Sgt. Samuel Ruiz/U.S. Marine Corps/AP/dpa)

Harris verteidigt Afghanistan-Abzug

US-VizeprĂ€sidentin Kamala Harris hat den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan verteidigt. PrĂ€sident Joe Biden habe "die mutige und richtige Entscheidung" getroffen, einen seit 20 Jahren dauernden Krieg zu beenden, sagte Harris am Dienstag bei einem Besuch in Singapur. "Wir hatten das erreicht, wofĂŒr wir dorthin gegangen waren." Nach der MachtĂŒbernahme der militant-islamistischen Taliban liege der Focus nun auf der Evakuierung von US-Amerikanern, von BĂŒrgern aus PartnerlĂ€ndern und von Afghanen, die mit den USA zusammengearbeitet haben.

Zugleich kritisierte Harris Chinas Auftreten im Streit um mehrere Gebiete im rohstoffreichen SĂŒdchinesischen Meer. Peking setze Mittel wie "Nötigung" und "EinschĂŒchterung" ein, um rechtswidrige AnsprĂŒche durchzusetzen. Die Biden-Stellvertreterin fĂŒgte hinzu: "Pekings Aktionen untergraben weiterhin die regelbasierte Ordnung und bedrohen die SouverĂ€nitĂ€t von Nationen." Bei dem Besuch in Singapur wurden eine VerstĂ€rkung der US-PrĂ€senz in dem sĂŒdostasiatischen Stadtstaat sowie eine engere Zusammenarbeit bei Cybersicherheit und im Finanzsektor vereinbart. NĂ€chste Station der Reise ist Vietnam.

US-MilitÀr evakuierte schon mehr als 10.000 Menschen

Trotz Gewalt und chaotischen ZustĂ€nden an den Gates zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul schreitet die Evakuierungsmission voran. Das Tempo der AbflĂŒge habe sich im Vergleich zu Sonntag fast verdoppelt, schrieb der zivile ReprĂ€sentant der Nato in Afghanistan, Stefano Pontecorvo, auf Twitter. Das US-MilitĂ€r flog zwischen dem frĂŒhen Sonntagmorgen und dem frĂŒhen Montagmorgen rund 10.400 Menschen aus Kabul aus, teilte das Weiße Haus in Washington mit.

Insider: Bidens Entscheidung ĂŒber Abzugsdatum binnen Tagesfrist

US-PrĂ€sident Joe Biden will einem Insider zufolge binnen 24 Stunden ĂŒber eine VerlĂ€ngerung der Abzugsfrist entscheiden. Biden wolle dem Pentagon Zeit zur Vorbereitung einrĂ€umen, erklĂ€rt ein Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-ReprĂ€sentantenhauses, Adam Schiff, geht nicht von einem Abschluss der Evakuierungen bis zum 31. August aus. "Ich halte es zwar fĂŒr möglich, aber angesichts der Zahl der Amerikaner, die noch evakuiert werden mĂŒssen, fĂŒr sehr unwahrscheinlich", sagt Schiff nach einem Briefing von Geheimdienstmitarbeitern zu Reportern.

Bundeswehr flog bislang mehr als 3.650 Menschen aus

Der um 22.29 Uhr MESZ in Kabul gestartete A400M ist um 23.48 Uhr MESZ nach Angaben der Bundeswehr mit 211 weiteren SchutzbedĂŒrftigen in Taschkent gelandet. Seit Beginn der Operation seien damit bislang mehr als 3.650 Menschen durch die Bundeswehr aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen worden.

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Afghanische Frauenrechtlerin Ghafari in Deutschland eingetroffen

Die aus Afghanistan geflohene Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari ist am Montagabend in Deutschland eingetroffen. Wie die nordrhein-westfĂ€lische Staatskanzlei berichtete, landete sie zusammen mit Familienmitgliedern am Flughafen Köln/Bonn. Anschließend traf sie in DĂŒsseldorf den NRW-MinisterprĂ€sidenten und Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU). Hier lesen Sie mehr.

Zarifa Ghafari: Die geflohene Frauenrechtlerin ist in Deutschland eingetroffen.
Zarifa Ghafari: Die geflohene Frauenrechtlerin ist in Deutschland eingetroffen. (Quelle: Federico Gambarini//dpa-bilder)

US-MilitÀr: Mindestens drei Babys wÀhrend Evakuierungsaktion geboren

Im Rahmen der Evakuierungen aus Afghanistan sind nach Angaben des US-MilitĂ€rs mindestens drei Babys auf die Welt gekommen. Seines Wissens nach seien es bislang drei gewesen, aber es gebe keine formelle ZĂ€hlung, sagte General Steve Lyons am Montag bei einer Pressekonferenz des Pentagons. Lyons sprach ĂŒber die afghanische Frau, die an Bord eines US-Evakuierungsflugzeugs ein Baby zur Welt gebracht hatte. Die Maschine war auf dem Weg zum US-StĂŒtzpunkt im pfĂ€lzischen Ramstein in Deutschland. Nach der Landung in Ramstein hat die Frau im Laderaum der Maschine mit Hilfe von Soldaten ein MĂ€dchen zur Welt gebracht.

"Es gab tatsĂ€chlich mehr", sagte Lyons, der Chef des Transportkommandos der USA ist. Auf Nachfrage erklĂ€rte er, ihm sei die Geburt von insgesamt drei Babys bekannt. Er konnte aber keine Details nennen. Offen blieb, ob die anderen beiden Babys ebenfalls in einem Flugzeug, in einer Einrichtung zur temporĂ€ren Unterbringung wie Ramstein oder noch am Kabuler Flughafen zur Welt gekommen waren. Insgesamt sei das aber ein Zeichen der "beeindruckenden Arbeit unser großartigen Soldaten der LuftstreitkrĂ€fte", so Lyons.

Habeck erwartet langfristigen Afghanistan-Abschiebestopp

Deutschland wird nach EinschĂ€tzung von GrĂŒnen-Co-Chef Robert Habeck fĂŒr lange Zeit keine abgelehnten oder straffĂ€lligen Asylbewerber nach Afghanistan abschieben können. "Ich sehe nicht, wie wir Menschen in ein Taliban-Regime abschieben könnten, zumal dem Land nun ein BĂŒrgerkrieg droht. Wir werden Islamisten und StraftĂ€ter also bei uns verurteilen und ihre Strafe hier weiterhin absitzen lassen mĂŒssen", sagte Habeck der DĂŒsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag).

Bericht: G7-Staaten wollen Taliban geeint gegenĂŒbertreten

Die Staats- und Regierungschefs der G7 wollen einem Insider zufolge den radikal-islamischen Taliban geeint gegenĂŒbertreten. "Die Staats- und Regierungschefs der G7 werden sich koordinieren, ob und wann sie die Taliban anerkennen", sagte ein europĂ€ischer Diplomat.

Außerdem wollten sie sich darauf verstĂ€ndigen, weiterhin eng zusammenzuarbeiten. Auch bei möglichen Sanktionen wollten sie mit einer Stimme sprechen. Der virtuelle Sondergipfel der G7-Staaten zur Lage in Afghanistan soll an diesem Dienstag stattfinden.

Auch Ischinger fĂŒr Nationalen Sicherheitsrat

Der Vorsitzende der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat sich hinter die Forderung von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) nach einem Nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt gestellt. "Schwierige oder gar gefĂ€hrliche außenpolitische Situationen, in denen die Bundesregierung eine gemeinsame tragfĂ€hige Strategie benötigt, werden uns in der Zukunft hĂ€ufiger bevorstehen. Darauf mĂŒssen wir organisatorisch und ressourcenmĂ€ĂŸig vorbereitet sein", sagte Ischinger der DĂŒsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag).

Er freue sich, dass die Forderung, den Bundessicherheitsrat auszubauen und Außen- und Sicherheitspolitik systematisch besser zu koordinieren, nun auch parteiĂŒbergreifend auf Zustimmung stoße. "Man hat ja den Eindruck, dass die Ministerien nicht sonderlich gut zusammengearbeitet haben – und das hat nun gravierende Konsequenzen fĂŒr viele Menschen, aber eben auch fĂŒr die außenpolitischen Interessen und das Gewicht der Bundesrepublik", sagte Ischinger.

Großbritannien flog bislang ĂŒber 7.000 Menschen aus

Großbritannien hat mehr als 7.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Wie das Verteidigungsministerium mitteilt, sollen die RettungsflĂŒge weitergehen, solange es die Sicherheitslage zulĂ€sst. Ein festes Datum fĂŒr ein Ende der FlĂŒge sei nicht bestimmt worden.

Dobrindt zu Afghanistan: Schlimmste Bilder stehen noch bevor

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat vor einer weiteren Eskalation der Lage in Afghanistan gewarnt. "Ich befĂŒrchte, dass die schlimmsten Bilder aus Afghanistan uns noch bevorstehen werden", sagte Dobrindt "Focus Online". "Es ist bisher nicht absehbar, wie lange die Situation am Flughafen in Kabul aufrechterhalten werden kann. Die Amerikaner jedenfalls sind in der Lage, Kabul innerhalb weniger Stunden zu verlassen. Damit wĂ€re der Einsatz dort beendet – mit vermutlich sehr schwierigen Bildern fĂŒr uns."

CSU-Landesgruppenvorsitzender Alexander Dobrindt: "Ich glaube nicht daran, dass sich die Taliban von 2021 von den Taliban von 2001 unterscheiden."
CSU-Landesgruppenvorsitzender Alexander Dobrindt: "Ich glaube nicht daran, dass sich die Taliban von 2021 von den Taliban von 2001 unterscheiden." (Quelle: Peter Kneffel/dpa-bilder)

Dobrindt vertrat die Ansicht, nun kĂ€men zwei große Herausforderungen auf den Westen zu. "Das eine ist die neue Terrorgefahr durch die Taliban. Ich glaube nicht daran, dass sich die Taliban von 2021 von den Taliban von 2001 unterscheiden. Darauf mĂŒssen wir uns einstellen und unsere FĂ€higkeiten international anpassen", sagte er. "Die zweite ist eine langanhaltende Fluchtbewegung durch die MachtĂŒbernahme der Taliban. Auf diese Herausforderungen mĂŒssen wir uns vorbereiten."

KSK-Soldaten retten MĂŒnchner Familie aus Kabul

Am Sonntag haben Soldaten des Kommandos SpezialkrĂ€fte (KSK) eine MĂŒnchner Familie aus Afghanistan gerettet. Die EinsatzkrĂ€fte haben eine Mutter, deren 19-jĂ€hrige Tochter und ihren 12-jĂ€hrigen Sohn an den Flughafen von Kabul gebracht. Von dort wurden sie nach Taschkent im sicheren Nachbarland Usbekistan geflogen, berichtet der "Spiegel".

Chaos am Flughafen in Kabul: Auf eigene Faust ist es einer Familie aus MĂŒnchen nicht gelungen, einen Platz in einer Evakuierungsmaschine zu erlangen.
Chaos am Flughafen in Kabul: Auf eigene Faust ist es einer Familie aus MĂŒnchen nicht gelungen, einen Platz in einer Evakuierungsmaschine zu erlangen. (Quelle: Rahmatullah Alizadah/XinHua/dpa-bilder)

Die Rettungsaktion war demnach seit dem frĂŒhen Samstagmorgen geplant worden. Die MĂŒnchner Familie hatte schon mehrmals versucht, auf eigene Faust durch ein Gate in den Flughafen zu kommen. Als dies nicht gelang, entschied sich das KSK zur Rettungsaktion, so der "Spiegel". Per Telefon habe man vereinbart, dass sich die Familie zwischen 21 und 23 Uhr dem sogenannten Abbey Gate nĂ€hern sollte, wo sie das KSK im Schutz der Dunkelheit abholen sollte.

Die Operation habe rund eine Stunde gedauert, neun Soldaten sollen beteiligt gewesen sein. Bisher hatte sich die Evakuierungsmission der Bundeswehr auf das FlughafengelĂ€nde beschrĂ€nkt. Zwei Hubschrauber, die zur Evakuierung von gefĂ€hrdeten Menschen aus dem Stadtgebiet nach Afghanistan gebracht worden waren, kamen bisher nicht zum Einsatz. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte bei "Bild TV", es sei im Moment fast nicht mehr möglich, zum Flughafen zu gelangen. "Deswegen mĂŒssen wir sehr viel stĂ€rker dazu ĂŒbergehen, die Leute sozusagen abzuholen. Das tun wir."

Bundeswehr evakuiert mehr als 300 Personen

Die Bundeswehr hat weitere 378 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Um 11.53 Uhr und 13.00 Uhr landete jeweils eine A400M mit den Geretteten in Taschkent in Usbekistan. Nach eigenen Angaben hat die Bundeswehr bereits mehr um die 3.000 Menschen evakuiert.

Kramp-Karrenbauer: "Ich halte den Kopf hin"

Nach der Eskalation der Lage in Afghanistan hat Annegret Kramp-Karrenbauer bereits gravierende Fehler eingerÀumt. Nun spricht die Verteidigungsministerin von "persönlichen Konsequenzen". Mehr dazu hier.

Taliban drohen den USA: VerlÀngerung der Besatzung "wird Konsequenzen haben"

Am 31. August sollen die Rettungsaktionen der USA aus Afghanistan enden. Nun sagte ein Sprecher der Taliban in Doha, der Hauptstadt Katars, dem Fernsehnetzwerk Sky News, eine VerlÀngerung der Frist zu Evakuierung kÀme einer VerlÀngerung der militÀrischen Besatzung seines Landes gleich. Das sei weder notwendig noch werde man sich darauf einlassen. Sollten sich die USA dazu entscheiden, werde das Konsequenzen haben, so der Sprecher weiter.

Johnson will Biden um VerlÀngerung bei Evakuierungseinsatz bitten

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will sich bei US-PrĂ€sident Joe Biden fĂŒr eine VerlĂ€ngerung des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan ĂŒber die bisherige Deadline Ende August hinaus einsetzen. Das sagte Verteidigungs-StaatssekretĂ€r James Heappey dem Nachrichtensender Sky News am Montag. Johnson werde das Thema an diesem Dienstag bei einem Sondergipfel der G7-Staats- und Regierungschefs ansprechen.

Bericht: Helikopter werden vorerst nicht eingesetzt

Die nach Kabul gebrachten Helikopter der SpezialkrĂ€fte (KSK) werden wohl vorerst nicht eingesetzt. Das sagte ein Bundeswehr-Offizier dem "Focus". Der Einsatz sei zu gefĂ€hrlich, da die Taliban von den Helikoptern wĂŒssten, hieß es. Die GerĂ€te wurden angefordert, da sie klein und wendig sind und damit auch Menschen aus dem Stadtgebiet von Kabul evakuieren könnten. Die Bundeswehr hatte den Transport der Helikopter selbst fotografiert und in den sozialen Netzwerken verbreitet.

Bundeswehr meldet Feuergefecht am Eingang zum Flughafen Kabul

Am Flughafen von Kabul hat es laut Angaben der Bundeswehr am Montagmorgen ein Feuergefecht zwischen afghanischen SicherheitskrÀften und unbekannten Angreifern gegeben. Dabei seien eine afghanische Sicherheitskraft getötet und drei weitere verletzt worden, meldete die Bundeswehr im Onlinedienst Twitter. Im weiteren Verlauf des Gefechts seien auch US- und deutsche Soldaten beteiligt gewesen. Alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seien unverletzt. Nach Angaben der Bundeswehr kam es zu dem Schusswechsel gegen 4.15 Uhr (MESZ) am Nordtor des Airports.

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