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Rente: So wollen CDU, Grüne, SPD, FDP und Co. die Altersvorsorge reformieren

Übersicht der Ideen  

So wollen CDU, Grüne, SPD und FDP die Rente reformieren

13.08.2021, 23:49 Uhr
Alterspyramide im Zeitraffer: So drastisch verändert sich die Demographie in Deutschland

Es gibt immer mehr Rentenbezieher und immer weniger Renteneinzahler: Deutschland steht immer mehr vor einem demographischen Problem. Eine Animation zeigt eindrücklich die deutliche Veränderung.

Alterspyramide im Zeitraffer: So drastisch verändert sich die Demographie in Deutschland. (Quelle: t-online)


Wenige Themen werden den Wahlkampf maßgeblich bestimmen: Eines davon ist die Altersvorsorge. t-online erklärt Ihnen, was die Parteien mit der Rente vorhaben – und ordnet die Ideen ein.

Neben der Klimakrise und der Corona-Pandemie bestimmt ein großes Thema die Bundestagswahl: die Sicherung der Rente.

Was die Parteien gemeinsam haben: Alle sehen in der Rentenpolitik großen Handlungsbedarf. Die Rente steht vor einem Finanzierungsproblem, auf immer mehr Beitragsempfänger kommen immer weniger Beitragszahler.

Doch wie sich die Rente auf Dauer finanzieren lässt, beantworten Union, die SPD, Grüne, Linke, FDP oder AfD in ihren Wahlprogrammen teils sehr unterschiedlich. t-online gibt einen Überblick über die teils sehr konkreten, teils sehr unkonkreten Ideen – und ordnet ein, wie wahrscheinlich die Vorschläge jeweils sind.

Dieser Text ist Teil des regelmäßigen Formats "Der Leserauftrag". Hierbei können Leserinnen und Leser von t-online darüber abstimmen, welche Themen wir als Redaktion umsetzen sollen. Wenn Sie über die Abstimmungsmöglichkeiten und Ergebnisse informiert werden möchten, abonnieren Sie gerne unseren Newsletter.

Union

CDU/CSU wollen, dass die gesetzliche Rente neben betrieblicher und privater Vorsorge zentral bleibt. Neu eingeführt werden soll eine Pflicht zur Altersvorsorge für alle Selbstständigen mit Wahlfreiheit bei der Vorsorgeart.

Angekündigt wird im Wahlprogramm ein neues Konzept einer "betrieblichen Altersvorsorge für alle". So sollen Betriebsrenten auch für Geringverdiener attraktiver werden.

Einen Neustart soll es bei der privaten Altersvorsorge geben: Entwickelt werden soll ein Standard-Vorsorgeprodukt, das alle Beschäftigten automatisch abschließen – es sei denn, man widerspricht. Die Einführung einer neuen kapitalgedeckten Vorsorge mit einem Pensionsfonds soll geprüft werden, auch eine "Generationenrente für eine Altersvorsorge von Geburt an" könne ein guter Baustein sein.

Wie realistisch sind die Ideen?

Dass Selbstständige stärker in die gesetzliche Rente einbezogen werden, gilt als ausgemacht. Denn neben der Union fordern auch andere Parteien ein solches Konzept. Wie genau es ausgestaltet werden soll, ist dabei unklar.

Gut möglich ist auch, dass die private Altersvorsorge oder die Betriebsrente angepasst wird. So fordern auch die Grünen einen Bürgerfonds, der sowohl in die private als auch betriebliche Altersvorsorge fließen soll. Hier ist ebenfalls die konkrete Ausgestaltung offen – und wird in Koalitionsverhandlungen womöglich Thema werden.

SPD

Das Rentenniveau soll bei mindestens 48 Prozent stabilisiert werden. Auch die Selbstständigen, Beamtinnen und Beamte, freien Berufe und Mandatsträger sollen der gesetzlichen Rentenversicherung angehören. 

Statt den Riester-Rentenverträgen soll es ein freiwilliges Standardangebot geben. Zuschüsse soll es dabei nur für untere und mittlere Einkommensgruppen geben. Erwerbsminderung soll nicht in Armut führen – entsprechende Renten sollen verbessert werden.

Wie realistisch sind die Ideen?

Nicht nur die SPD, etwa auch die Grünen, fordern, dass künftig auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen. Gut möglich also, dass sich die nächste Regierung auf einen solchen Vorstoß einigen könnte. Dass in dem Zuge aber auch Beamte in die Rentenversicherung mit einbezogen werden, ist dagegen eher unrealistisch.

Auch ist unwahrscheinlich, dass das Rentenniveau dauerhaft bei 48 Prozent gehalten werden kann. Um das zu garantieren, sind große Anstrengungen nötig – etwa steigende Beiträge zur Rente oder steigende Zuschüsse aus Steuermitteln. 

Das Rentenniveau stellt dabei ohnehin nur eine theoretische Größe dar. Es zeigt das Verhältnis zwischen einer sogenannten Standardrente, auch Eckrente genannt, zum Einkommen eines aktuellen Durchschnittsverdieners an. Die Eckrente basiert auf der Regelaltersrente und gibt an, wie hoch die gesetzliche Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren ist.

Sinkt das Rentenniveau, heißt das also nicht, dass die individuell ausgezahlte Rente sinkt. Es bedeutet lediglich, dass die Renten insgesamt langsamer steigen als die Verdienste. Mehr dazu lesen Sie hier.

Grüne

Das Rentenniveau soll bei mindestens 48 Prozent bleiben. Perspektivisch sollen alle in die Rentenversicherung einbezogen werden – im ersten Schritt Selbstständige.

Aus der Grundrente soll eine Garantierente mit mehr Empfängerinnen und Empfängern werden. Als Ergänzung soll es eine kapitalgedeckte Altersvorsorge geben – als öffentlich verwalteten "Bürger*innenfonds", in den alle einzahlen, die nicht widersprechen. Auch für die betriebliche Altersvorsorge soll der Fonds genutzt werden können.

Wie realistisch sind die Ideen?

Größtenteils realistisch. So fordern auch andere Parteien wie die SPD, dass auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen. Wahrscheinlich also, dass hier auch die Union entgegenkommen würde.

Auch der Bürgerfonds ist eine eher wahrscheinliche Idee; auch Armin Laschet (CDU) sprach sich für die Schaffung eines Deutschlandfonds aus. Die genaue Ausgestaltung müsste sich dann zeigen. Dass die Grundrente reformiert wird, ist ebenso möglich. Fraglich jedoch, ob künftig noch mehr Menschen in sie einbezahlen sollen. Denn das würde die Rentenkasse weiter belasten.

Die Sicherung des Rentenniveaus bei mindestens 48 Prozent wird langfristig nicht möglich sein, auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz müsste sich von der Idee verabschieden, glauben Ökonomen (siehe oben).

FDP

Die FDP will eine Altersvorsorge nach dem Baukastenbetrieb ermöglichen, bei der Bausteine aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge flexibel kombiniert werden.

Es soll eine gesetzliche Aktienrente eingeführt werden. Dazu soll der Hauptteil der Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern weiter in die umlagefinanzierte Rentenversicherung fließen, ein kleinerer Betrag von beispielsweise zwei Prozent des Bruttoeinkommens aber in ein Aktiensparmodell. Mehr dazu lesen Sie hier. Eine Basis-Rente soll Altersarmut bekämpfen.

Wie realistisch sind die Ideen?

Eine Aktienrente ist in Deutschland eher unwahrscheinlich, auch wenn sich Verbraucherschützer für ein solches Modell ausgesprochen haben. Die restlichen Parteien scheuen sich größtenteils davor, die erste Säule der Alterssicherung, die gesetzliche Rente so deutlich anzufassen – und sie teilweise auf eine breite Aktienanlage zu stellen.

Einen prominenten Unterstützer der Aktienrente hat die FDP jedoch außerhalb der eigenen Partei: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Er sagte t-online jüngst: "Vorschläge, die gesetzliche Rente mit Aktienelementen zu ergänzen, finde ich richtig und interessant." Er halte eine Aktienrente für eine "Option, die wir unbedingt prüfen sollten", so der CDU-Mann weiter.

Die Linke

Das Rentenniveau soll auf 53 Prozent steigen. Eine "solidarische Erwerbstätigenversicherung" soll auch Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Politiker umfassen.

Garantiert werden soll eine Mindestrente von 1.200 Euro für alle, die sonst ein niedrigeres Alterseinkommen haben. Die Aufschläge sollen aus Steuern finanziert werden, die Linke plant deutlich steigende Einkommensteuern für Besser- und Spitzenverdiener.

Wie realistisch sind die Ideen?

Sehr unwahrscheinlich. Eine enorme Steigerung des Rentenniveaus wie auch eine Mindestrente von 1.200 Euro würde ein großes Loch in die Rentenkasse reißen. Unwahrscheinlich ist, dass die Steuerreform der Linken durchgesetzt wird – und das Mehr an Steuern das Rentenloch überhaupt füllen würde.

Ohnehin gilt: Eine Regierungsbeteiligung der Linken ist eher unwahrscheinlich.

AfD

Beim Zeitpunkt des Renteneintritts sollen die Menschen wählen können – wer länger arbeitet, bekommt entsprechend mehr Rente. Altersarmut soll eingedämmt werden, indem 25 Prozent der Rente nicht auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wird.

Familien sollen für jedes Kind 20.000 Euro Beiträge zur Rentenversicherung aus Steuermitteln erstattet bekommen, ohne dass sich die Rentenansprüche dadurch verringern.

Wie realistisch sind die Ideen?

Die Wahlfreiheit vor dem Renteneintritt ist nicht unwahrscheinlich. Generell könnte das Rentenalter Teil einer nächsten Rentenreform sein. Auch aus der Union gibt es Stimmen, die Anreize für eine längere Lebensarbeitszeit setzen wollen. Ins Wahlprogramm der Union hat es das indes in der Breite nicht geschafft.

Die Erstattung der Rentenbeiträge für Familien ist unwahrscheinlich. Nicht zuletzt, weil eine Regierungsbeteiligung der Rechtspopulisten als ausgeschlossen gilt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Wahlprogramme der Parteien
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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