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Das bedeuten die Swift-Sanktionen gegen Russland

  • Nele Behrens
Von Nele Behrens

Aktualisiert am 27.02.2022Lesedauer: 7 Min.
Das Zahlungsnetzwerk Swift: Der Ausschluss einiger Banken gilt aus hartes Sanktionsmittel gegen Russland – und die EU könnte weiter eskalieren, indem sie gegen weitere Banken Sanktionen verhĂ€ngt.
Das Zahlungsnetzwerk Swift: Der Ausschluss einiger Banken gilt aus hartes Sanktionsmittel gegen Russland – und die EU könnte weiter eskalieren, indem sie gegen weitere Banken Sanktionen verhĂ€ngt. (Quelle: imago-images-bilder)
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Russland lĂ€sst nicht von der Ukraine ab. Der Westen reagiert auf den Hass aus Moskau mit harten Sanktionen. Nun hat der Westen ein schweres GeschĂŒtz aufgefahren: Den Teilausschluss aus dem Swift-Netzwerk.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist Swift?
  • Wurde Russland nun aus Swift ausgeschlossen?
  • Warum wehrte sich Deutschland gegen einen Swift-Ausschluss?
  • Welche außenwirtschaftliche Auswirkungen sind nun zu erwarten?
  • Könnte ein Swift-Ausschluss den Westen schwĂ€chen?

Raketen auf Wohnsiedlungen, KĂ€mpfe auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Kernkraftwerks Tschernobyl und eine Rhetorik des Hasses: Die kriegerischen Aggressionen der Russen gegen die Ukraine sind vor wenigen Tagen noch unvorstellbar gewesen – und sie halten an. Der Westen reagiert seit dem Wochenende mit scharfen Sanktionen, eine davon: Der Ausschluss vieler russischer Banken aus dem internationalen Zahlungsnetzwerk Swift.

Statt eines pauschalen Ausschlusses des Landes, wie es viele LĂ€nder die vergangenen Tage gefordert haben, einigten sich die EU, die USA und Großbritannien nun auf das gezielte Abkoppeln einiger Banken.

Trifft das Russland wirklich hart und welche Konsequenzen werden wir aus dieser Sanktion spĂŒren?

Was ist Swift?

Der Begriff Swift ist eine AbkĂŒrzung fĂŒr "Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication" (Eigenschreibweise: SWIFT) – eine internationale Genossenschaft mit Sitz in Belgien, die mit ihrem Telekommunikationsnetz (dem Swift-Netz) den Nachrichtenaustausch zwischen Finanzinstituten rund um den Globus betreibt.

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Russland gerÀt mit Schuldenbegleichung in Verzug
PrĂŒfender Blick (Symbolbild): Russlands PrĂ€sident Putin sieht die GrĂŒnde fĂŒr eine mögliche ZahlungsunfĂ€higkeit seines Landes in der Verantwortung des Westens.


Kurz gesagt: Das Swift-Netz ermöglicht es, Zahlungen international ĂŒber den ganzen Globus ĂŒber ein einheitliches System zu tĂ€tigen. TĂ€glich durchlaufen das System Hunderte Milliarden Dollar. Laut Unternehmensangaben nutzen das Netzwerk mehr als 11.000 Banken, Wertpapierfirmen und Konzerne in ĂŒber 200 LĂ€ndern.

(Quelle: ha)

Wer beispielsweise aus Deutschland eine Überweisung an Freunde in den USA vornehmen möchte, geht ĂŒber das Swift-Netzwerk. DafĂŒr geben Sie bei Überweisungen außerhalb der EU den BIC (Business Identifier Code) an (mehr dazu lesen Sie hier).

Das Swift-System ist im internationalen Handel allgegenwĂ€rtig. Wer also aus diesem Netzwerk ausgeschlossen ist, kann kaum mehr Zahlungen ins Ausland senden oder erhalten. "Ein Ausschluss vom Swift-Standard wĂŒrde BĂŒrgern, Unternehmen und letztlich auch dem russischen Staat jedweden Zugang zum internationalen Finanzsystem verwehren", sagt Michael Kötter, stellvertretender PrĂ€sident und Leiter der Abteilung FinanzmĂ€rkte am Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Wurde Russland nun aus Swift ausgeschlossen?

Nein, die beschlossenen Sanktionen haben nicht Russland als gesamtes Land von dem Swift-Netzwerk ausgenommen. Vielmehr haben sich die USA, die EU, Großbritannien und seit Sonntag auch Japan darauf geeinigt, einige russische Banken aus dem Netzwerk auszuschließen.

Zudem soll es zusĂ€tzliche Sanktionen gegen die russische Zentralbank und auch gegen Oligarchen aus dem Umfeld von Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin geben. Hinzukommen sollen – soweit erforderlich – weitere russische Banken. Die Institute sollen von den internationalen Finanzströmen abgeklemmt werden, teilte die Bundesregierung mit.

Lange Zeit hatten Experten diesen Schritt fĂŒr unwahrscheinlich gehalten – denn der Ausschluss dĂŒrfte auch SchĂ€den bei den westlichen Partnern erzeugen, besonders einige europĂ€ische LĂ€nder, etwa Deutschland, haben deutlich mehr Handelsbeziehungen mit den Russen. Diese werden durch die Sanktionen behindert.

Diese Banken fliegen wohl aus dem System

Welche Banken nun genau betroffen sind, ist noch nicht endgĂŒltig. In der am Samstag verabschiedeten ErklĂ€rung der Bundesregierung heißt es, dass alle Banken betroffen seien, die bereits von der internationalen Gemeinschaft sanktioniert worden sind.

Das umschließt bisher fĂŒnf Banken, darunter die beiden Staatsbanken Wneschekonombank (VEB) und Promswjasbank (PSB) sowie die grĂ¶ĂŸten Banken des Landes Sberbank und die VTB Bank.

Warum wehrte sich Deutschland gegen einen Swift-Ausschluss?

Deutschland und andere europĂ€ische Staaten haben deutlich mehr Handelsbeziehungen mit Russland, die bei einem kompletten Swift-Ausschluss hart getroffen werden wĂŒrden. Lange Zeit blockierte Deutschland neben Italien daher diese Form der Sanktion in der EU. "Swift infrage zu stellen, das könnte die Atombombe fĂŒr die KapitalmĂ€rkte und auch fĂŒr die Waren- und Dienstleistungsbeziehungen sein", sagte CDU-Vorsitzender Friedrich Merz noch vor wenigen Tagen.

Annalena Baerbock im Krisengebiet: Die Bundesaußenministerin zeigt PrĂ€senz in der Ukraine. Am Sonntag verschĂ€rfte sie ihren Kurs gegen Putin stark: "Unsere internationale Ordnung steht auf dem Spiel"
Annalena Baerbock im Krisengebiet: Die Bundesaußenministerin zeigt PrĂ€senz in der Ukraine. Am Sonntag verschĂ€rfte sie ihren Kurs gegen Putin stark: "Unsere internationale Ordnung steht auf dem Spiel" (Quelle: Thomas Koehler/getty-images-bilder)

Am Samstag wandelte sich die Haltung Deutschlands aber drastisch, als russische Truppen die Hauptstadt Kiew belagerten und zivile WohnhÀuser mit Raketen angriffen.

"Genug ist genug, das Spiel ist aus", sagte OppositionsfĂŒhrer Friedrich Merz bei einer Sondersitzung am Sonntag. Putin habe sich als Kriegsverbrecher entlarvt. Der CDU-Vorstand hat der Bundesregierung UnterstĂŒtzung fĂŒr die Sanktionen gegen Russland nach dem Angriff auf die Ukraine zugesagt – auch fĂŒr umfassende Maßnahmen. Damit vollzog er eine Kehrtwende zu seiner Haltung, die er noch vor knapp einer Woche vertrat.

Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) Ă€ußerte sich bei der Sondersitzung und hat die Kehrtwende Deutschlands bei Waffenlieferungen mit der Pflicht zur Verteidigung der Ukraine und der UN-Charta begrĂŒndet. "Wir dĂŒrfen die Ukraine nicht wehrlos dem Aggressor ĂŒberlassen, der Tod und VerwĂŒstung ĂŒber dieses Land bringt", sagte Baerbock. "Wir tun dies, weil unsere internationale Ordnung auf dem Spiel steht."

Kehrtwende in der deutschen Energiepolitik

Vor allem die AbhĂ€ngigkeit vom russischen Gas hat Deutschland lĂ€nger zögern lassen als andere EU-Staaten, russische Banken aus dem Swift-System auszuschließen. Deutschland bezieht mehr als 55 Prozent seiner Gasimporte aus Russland, die deutschen Gasspeicher sind auf einem historisch niedrigen Niveau. Auch andere Faktoren machen Deutschland bei der Gasversorgung angreifbar, eine ausfĂŒhrliche Analyse dazu lesen Sie hier.

Die Sorge der deutschen Regierung war bei einem Swift-Ausschluss Russlands, dass die Gasversorgung zum Erliegen kommen könnte, schließlich wĂ€re Deutschland nicht mehr in der Lage, Zahlungen nach Russland zu senden.

Nun kam aber auch hier die Kehrtwende: Am Sonntag kĂŒndigte Bundeskanzler Olaf Scholz den Bau von zwei FlĂŒssiggas-Terminals an. Zudem möchte die Regierung sich kurzfristig zwei Milliarden Kubikmeter Gas ĂŒber staatlich abgesicherte sogenannte Long-Term-Options beschaffen. ZusĂ€tzlich will die Ampel-Koalition laut Scholz im EU-Verbund weiteres Erdgas auf den WeltmĂ€rkten beschaffen.

Welche außenwirtschaftliche Auswirkungen sind nun zu erwarten?

Das kommt stark darauf an, wie viele Banken betroffen sind. Die westlichen Partner haben seit Samstag deutlich gemacht, dass sie auch weitere Banken auf die Liste setzen könnten.

Der Ausschluss der zwei grĂ¶ĂŸten Banken Russlands, Sberbank und die VTB Bank, dĂŒrfte die russische Wirtschaft spĂŒren. Das Kernkapital dieser beiden Banken machten 2010 allein 57 Prozent des gesamten Kapitals der 20 grĂ¶ĂŸten GeldhĂ€user in Russland aus.

Da die beiden Banken bereits auf der Sanktionsliste der USA standen, ist es wahrscheinlich, dass diese aus dem Swift-System ausgekoppelt werden. Entscheidend ist dann, welche Banken ebenfalls betroffen sein werden.

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Entscheidender Faktor: Trifft es auch die Gazprom-Bank?

"Wenn die Liste der Banken die großen Fische umfasst – Sberbank, VTB, und Gazprombank – ist das ein absolut großes Ding", schreibt etwa der Sanktionsexperte Edward Fishman vom Thinktank Atlantic Council auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Gazprombank ist die drittgrĂ¶ĂŸte Bank Russlands. 1990 grĂŒndete der Gazprom-Konzern die Bank als Tochterunternehmen, heute ist das Geldhaus aber nicht mehr mehrheitlich im Besitz des Gaskonzern. Sie verfĂŒgt ĂŒber ein Privatkunden- und FirmenkundengeschĂ€ft, eine Investmentbanking-Sparte sowie Abteilungen fĂŒr Devisen- und Rohstoffhandel.

Es ist davon auszugehen, dass Gazprom seine GeschĂ€fte ĂŒber die Gazprom-Bank abwickelt, auch wenn diese heutzutage nicht mehr mehrheitlich in der Hand des Gaskonzerns ist. Dies Gazprom-Bank dĂŒrfte daher der entscheidende Dreh- und Angelpunkt fĂŒr die Gasversorgung sein. Am Sonntag lief das Gas noch durch die Ukraine, wie ein Sprecher von Gazprom mitteilte.

Mitarbeiter ĂŒberprĂŒft Gasleitung (Symbolbild): Eine Sanktion gegen die Gazprombank dĂŒrfte sich auf die Gasversorgung auswirken.
Mitarbeiter ĂŒberprĂŒft Gasleitung (Symbolbild): Eine Sanktion gegen die Gazprombank dĂŒrfte sich auf die Gasversorgung auswirken. (Quelle: Sean Gallup/getty-images-bilder)

"Wir arbeiten daran, Russland so vom Swift-System abzukoppeln, dass KollateralschÀden möglichst klein bleiben", erklÀrte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) auf Twitter.

Sollte die Gazprom-Bank dennoch auf die Liste der sanktionierten Banken geraten, dann dĂŒrfte es Russland besonders empfindlich treffen – auch Deutschland und andere europĂ€ische LĂ€nder wĂŒrden dies spĂŒren.

Weitere Sanktionen könnten noch am Sonntag folgen

Da die Ampel-Koalition allerdings bereits nach kurzfristigen Alternativen fĂŒr die Gasversorgung sucht, könnte auch die Gazprom-Bank als weitere Eskalationsstufe im Sanktionsplan angedacht sein.

Bereits am Sonntag will die EU aufgrund der anhaltenden Aggressionen Russlands in der Ukraine weitere Sanktionen verhĂ€ngen, schreibt EU-Außenbeauftragter Josep Borrell auf Twitter. Hier könnten weitere Banken aus dem Swift-Netzwerk ausgeschlossen werden, möglicherweise auch die Gazprom-Bank.

Könnte ein Swift-Ausschluss den Westen schwÀchen?

Das Kieler Institut fĂŒr Weltwirtschaft (IfW) warnte bezĂŒglich einer Swift-Blockade der GasgeschĂ€fte dagegen vor einem "Vergeltungsreflex". Kurzfristig wĂŒrde ein mit der Swift-Blockade ausgelöster Lieferstopp fĂŒr Gas dem Westen mehr schaden als Russland, erklĂ€rte IfW-VizeprĂ€sident und Konjunkturchef Stefan Kooths am Sonntag.

Dazu kommt: Russland hat sich bereits auf eine Abkoppelung vom Swift-Netzwerk vorbereitet. Denn schon bei der Invasion der Krim 2014 drohten die Amerikaner damit, das Land vom internationalen Zahlungsverkehr abzuschneiden.

Seitdem hat Russland vorgesorgt und ein eigenes Zahlungsnetzwerk mit seinen Anrainer-Staaten aufgebaut: SPFS, ein System, das zwar nicht ganz so ausgeklĂŒgelt wie Swift funktioniert, aber nach einem sehr Ă€hnlichen Prinzip.

Ein Ausschluss aus dem Swift-System wĂŒrde fĂŒr die russische Wirtschaft also eine gewisse Disruption bedeuten, aber keinen Stillstand. Die EU dagegen hĂ€tte auf einmal deutlich weniger Möglichkeiten, Gelder mit seinem fĂŒnftgrĂ¶ĂŸten Handelspartner auszutauschen.

Allianz zwischen China und Russland droht

Zudem könnte ein Ausschluss der Russen aus dem Swift-System das Bankennetzwerk langfristig schwĂ€chen und damit die Finanzhoheit des Westens ĂŒber globale Zahlungswege. China dĂŒrfte einen solchen Schritt besonders aufmerksam beobachten und könnte stattdessen sein eigenes Zahlungsmittel vorantreiben.

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Neue Allianz? Russland suchte vor dem Krieg die NĂ€he zu China, doch das Land bemĂŒht sich zunehmend um eine Balance zwischen Russland und dem Westen.
Neue Allianz? Russland suchte vor dem Krieg die NĂ€he zu China, doch das Land bemĂŒht sich zunehmend um eine Balance zwischen Russland und dem Westen. (Quelle: Kenzaburo Fukuhara/getty-images-bilder)

Wenn Russland komplett vom Westen abgeschnitten wÀre, könnte sich eine Allianz der aneinandergrenzenden Staaten bilden. Bereits zu den Olympischen Spielen haben beide PrÀsidenten einen demonstrativen Schulterschluss prÀsentiert.

Chance fĂŒr Chinas rivalisierendes System

Chinas Rivale zum Swift-System heißt CIPS. Im vergangenen Jahr hat China die Summen, die durch das Netzwerk tĂ€glich transferiert werden, auf 50 Millionen Dollar verdoppelt. Das sind zwar deutlich weniger als die 400 Milliarden Dollar, die tĂ€glich ĂŒber Swift die Seite wechseln, zeigt aber deutlich das Potenzial.

Und China wirbt bereits seit Jahren dafĂŒr, unabhĂ€ngiger vom Swift-System zu werden. Ein Ausschluss Russlands aus dem Netzwerk könnte diesen Bewegungen neuen Antrieb verleihen. Allerdings hat sich China zunehmend zurĂŒckgezogen im Ukraine-Konflikt und versucht, eine Balance zwischen Russland und der EU zu waren.

Finanzexperte Kötter sieht das Risiko der chinesisch-russischen Finanzallianz daher als gering an, da Chinas wichtigste Handelspartner im Swift-System organisiert sind. "Ich vermag somit nicht akute Anzeichen erkennen, dass die Volksrepublik China in ihrem KalkĂŒl den Nutzen aus einer Aggression Russlands gegenĂŒber der Ukraine als wertvoller bewertet, im Vergleich zu einem funktionalen, sicheren und stabilen globalen Zahlungssystem", so Kötter.

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