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China und USA einigen sich auf Abkommen

Von afp, dpa, t-online, rtr, cry

Aktualisiert am 12.11.2021Lesedauer: 46 Min.
Unwirkliche Szene: Ein Minister hĂ€lt im Anzug eine Rede – doch diese surreale Situation hat eine ernste Botschaft. (Quelle: t-online-video)
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Die beiden grĂ¶ĂŸten Verursacher von Treibhausgasen wollen mehr fĂŒr den Klimaschutz tun. Darauf einigten sich USA und China. Zuvor hatte China fĂŒr eine EnttĂ€uschung gesorgt. Alle Infos im Newsblog.

Die Folgen des Klimawandels, der zu hĂ€ufigeren und extremeren Wetterereignissen beitrĂ€gt, waren in diesem Jahr deutlich zu spĂŒren: Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen hat es am höchsten Punkt des grönlĂ€ndischen Eisschildes geregnet statt geschneit. Auf der Weltklimakonferenz (COP26) in Glasgow berĂ€t die Weltgemeinschaft noch bis zum 12. November, wie der Kampf gegen die ErderwĂ€rmung weitergehen soll.


Diese LĂ€nder trifft die Klimakrise schon jetzt hart

Thailand wird in den nĂ€chsten 30 Jahren Experten zufolge mit "extremen Risiken" zu kĂ€mpfen haben. Schon jetzt stellt das sĂŒdostasiatische Land immer neue Hitzerekorde auf. Immer heftigere RegenfĂ€lle fluten StĂ€dte und Ackerland, es kommt zu ErnteausfĂ€llen und Hunger.
Auch die Bahamas gehören zu den LĂ€ndern, die kaum CO2 ausstoßen, aber am hĂ€rtesten leiden. Hurrikan Dorian tobte 2019 mit einer Wucht, die ganze Landstriche verwĂŒstete und HĂ€user wie Schuhkartons durch die Luft wirbelte. Die HĂ€ufigkeit solcher WirbelstĂŒrme wird laut Experten weiter zunehmen.
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China schließt Vereinbarung mit USA

Die beiden grĂ¶ĂŸten Treibhausgasemittenten der Welt, China und die USA, haben bei der UN-Klimakonferenz eine Vereinbarung fĂŒr mehr Klimaschutz geschlossen. Das gab der chinesische Klimagesandte Xie Zhenhua am Mittwochabend in Glasgow bekannt. "Beide Seiten erkennen an, dass es eine Kluft zwischen den gegenwĂ€rtigen BemĂŒhungen und den Zielen des Pariser Klimaabkommens gibt", sagte Xie mit Blick auf die drohende ErderwĂ€rmung von 2,7 Grad.

China hatte kurz vor der Weltklimakonferenz mit seinem ĂŒberarbeiteten Klimaziel enttĂ€uscht. Darin bestĂ€tigte das bevölkerungsreichste Land der Welt lediglich, dass es bis zum Jahr 2060 CO2-NeutralitĂ€t erreichen will. Die Treibhausgasemissionen des Landes sollen vor 2030 ihren Höhepunkt erreichen, könnten also bis dahin noch deutlich steigen.

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Ranga Yogeshwar: Der Wissenschaftsjournalist hat einen Appell mit der Überschrift "Waffenstillstand jetzt!" unterschrieben.


Vielfach kritisiert wurde auch, dass Chinas PrÀsident Xi Jinping anders als zahlreiche andere Staats- und Regierungschefs zum Auftakt der UN-Klimakonferenz nicht nach Glasgow gereist war. Sowohl die USA als auch die Bundesregierung hatten Peking aufgerufen, beim Klimaschutz nachzulegen.

Neuer COP26-Entscheidungsentwurf mit abgeschwÀchter Formulierung zu Kohleausstieg

Der Aufruf zum Ausstieg aus der Kohle in der vom britischen Konferenzvorsitz vorgelegten Rahmenentscheidung wurde mit dem Zusatz "ohne CO2-Abscheidung" abgeschwÀcht. Kohlekraftwerke, die Technologien zum Abfangen von klimaschÀdlichem Kohlendioxid nutzen, sind damit anders als in dem ersten Entwurf vom Mittwoch nicht mehr vom Ausstieg betroffen.

Bei dem Appell an die Staaten, ihre Förderung fĂŒr alle fossilen EnergietrĂ€ger einzustellen, wurde nun eingeschrĂ€nkt, dass damit "ineffiziente" Subventionen gemeint sind. Damit fĂ€llt die Förderung etwa von Erdgas-Infrastruktur fĂŒr eine Übergangsphase beim Umstieg von der Kohle auf erneuerbare Energien nicht unter diesen Aufruf.

Die Umweltschutzorganisation WWF erklĂ€rte, der ĂŒberarbeitete Entwurf bewege sich "in SchlĂŒssel-Bereichen rĂŒckwĂ€rts". Dass die Formulierungen zu fossiler Energie nicht entfallen sei, sei "ein wichtiges Signal", die EinschrĂ€nkungen mĂŒssten aber wieder gestrichen werden. Außerdem sei der Beschlusstext "nicht auf Linie mit den 1,5 Grad". Greenpeace-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Martin Kaiser warnte, ohne NachschĂ€rfungen bei den Punkten fossile Energien und robuste Regeln fĂŒr KohlenstoffmĂ€rkte werde Glasgow "eine gefĂ€hrliche Luftnummer".

Eine Verbesserung in dem Textentwurf sah Oxfam-Experte Jan Kowalzig beim Aufruf an die IndustrielĂ€nder, ihre Hilfen fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder fĂŒr die Anpassung an den Klimawandel zu verdoppeln. Da dies nun bis 2025 gefordert werde, sei dieser Appell "nicht mehr leere HĂŒlle".

Thunberg: UN soll Krisenstufe 3 ausrufen

Die Aktivistin Greta Thunberg und einige ihrer Mitstreiter wollen, dass die Vereinten Nationen die Klimakrise als "globalen Notstand Ebene 3" ausrufen. Eine entsprechende Petition wurde an GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres geschickt, schrieb Thunberg auf Twitter. Damit sollen die Vereinten Nationen Ă€hnliche Ressourcen freimachen können wie bei der Corona-Pandemie. Zu den Mitunterzeichnern gehören Ranton Anjain und Litokne Kabua von den Marshallinseln, Ridhima Pandey aus Indien, Alexandria Villaseñor aus den USA und Ayakha Melithafa aus SĂŒdafrika.

Außenminister von Tuvalu hĂ€lt Rede im Meer

Bis zu den Oberschenkeln im Meer stehend hat sich der Außenminister des Inselstaats Tuvalu mit einem eindringlichen Appell an die Weltklimakonferenz gewandt: "Wir gehen unter, aber das tun alle anderen auch", sagte Simon Kofe in einer Videoansprache, die am Dienstag beim UN-Klimagipfel in Glasgow ĂŒbertragen werden sollte. Der SĂŒdseestaat Tuvalu mit seinen 12.000 Einwohnern ist infolge der Klimakrise vom steigenden Meeresspiegel bedroht.

Simon Kofe: Der Außenminister von Tuvalu hielt angesichts des Klimawandels eine Ansprache im Meer.
Simon Kofe: Der Außenminister von Tuvalu hielt angesichts des Klimawandels eine Ansprache im Meer. (Quelle: Reuters-bilder)

FĂŒr sein Land und andere niedrig gelegene Atoll-Staaten sei der Klimawandel "eine tödliche und existenzielle Gefahr", betonte Kofe. Tuvalu spĂŒre die Auswirkungen schon heute, andere "erst in hundert Jahren", fuhr er fort. Doch am Ende wĂŒrden "alle die schrecklichen Auswirkungen dieser globalen Krise spĂŒren", warnte er. Das Video zeigt den Außenminister zunĂ€chst in einer Nahaufnahme mit Anzug und Krawatte vor einer blauen Leinwand stehend. Im Verlauf seiner Rede zoomt die Kamera heraus und es wird deutlich, dass Kofe bis zu den Oberschenkeln im Wasser vor der KĂŒste Tuvalus steht.

Der Minister forderte weltweite KlimaneutralitÀt bis Mitte des Jahrhunderts, Klimahilfen und dass die 1,5-Grad-Marke zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs "in Reichweite" bleibe. "Wir erwarten von der Welt, dass sie die Kurve kriegt", sagte Kofe.

Entwurf zu letztem Beschluss liegt vor

Der erste Entwurf der abschließenden Entscheidung der UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26) fordert schnellere und verstĂ€rkte Klimaschutzanstrengungen von den Staaten. Sie seien aufgerufen, ihre PlĂ€ne fĂŒr eine Dekarbonisierung "zu ĂŒberdenken und zu stĂ€rken", heißt es in dem am Mittwoch von der britischen COP-PrĂ€sidentschaft vorgelegten Textentwurf. Die Regierungen sollen dies demnach bereits bis Ende 2022 tun und nicht wie bisher vorgesehen erst 2025.

Der Textentwurf verweist auf das Ziel, die ErderwĂ€rmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dies erfordere "bedeutende und effektive Maßnahmen aller Seiten in dieser entscheidenden Dekade". Nötig seien "eine schnelle, tiefe und nachhaltige Verringerung der Treibhausgasemissionen".

US-Fluggesellschaften sollen bis 2050 klimaneutral werden

Washington: Die US-Fluggesellschaften mĂŒssen ihren CO2-Ausstoß reduzieren. Bis 2050 sollen die amerikanischen Airlines ihre CO2-Emissionen auf "netto null" reduzieren, wie US-Verkehrsminister Pete Buttigieg mitteilt. Unter ihrem neuen PrĂ€sidenten Joe Biden waren die USA zum Pariser Klimaabkommen zurĂŒckgekehrt, aus dem sie unter Donald Trump ausgetreten waren. Washington verordnete sich selbst auch ambitionierte Vorgaben, das heißt KlimaneutralitĂ€t bis 2050.

24 Staaten fĂŒr Ausstiegsdatum fĂŒr Verbrennermotor

Zwei Dutzend Staaten wollen sich auf der Weltklimakonferenz in Glasgow auf ein Enddatum fĂŒr Autos mit Verbrennermotor festlegen. Zu der Allianz gehören bislang 24 Staaten, sechs große Auto-Hersteller sowie einige StĂ€dte und Investoren, wie der britische Gastgeber des Klimagipfels am Mittwoch mitteilte. Detaillierte Infos zu den Unterzeichnern gab es vorab nicht.

Die beteiligten Regierungen wollen "darauf hinarbeiten, dass alle VerkĂ€ufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den fĂŒhrenden MĂ€rkten bis spĂ€testens 2035 emissionsfrei sind". Die Autokonzerne sollen demnach anstreben, spĂ€testens 2035 in fĂŒhrenden MĂ€rkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen.

Ob Deutschland die ErklĂ€rung unterzeichnen wird, war am Abend noch unklar. Aus dem Umweltministerium hieß es, dass es dazu noch keine endgĂŒltige Entscheidung der Bundesregierung gebe. Bis zum spĂ€ten Dienstagabend berieten die Verhandler auf der Klimakonferenz noch. Der scheidende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte dem Vorstoß zuvor eine Absage erteilt.

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Deutschland steigt aus Finanzierung fossiler Energien im Ausland aus

Deutschland schließt sich einer Initiative fĂŒr den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland bis Ende 2022 an. Das verkĂŒndete Umwelt-StaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth am Dienstag bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow. Am vergangenen Donnerstag hatten bereits die Regierungen der USA und etwa 20 weiterer LĂ€nder angekĂŒndigt, sich bis Ende kommenden Jahres aus der Finanzierung von Kohle-, Erdöl- und Erdgasprojekten im Ausland zurĂŒckzuziehen.

Zahlreich Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie anwesend

Die Zahl der Lobbyisten fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger bei der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hat zu Beginn der zweiten Woche des Gipfels Kritik von KlimaschĂŒtzern auf sich gezogen. Nach Angaben der Organisation Global Witness ist die Zahl der Öl- und Gas-Lobbyisten grĂ¶ĂŸer als jede einzelne Delegation der teilnehmenden LĂ€nder. Das geht den Angaben zufolge aus eine Liste der Vereinten Nationen hervor. Demnach sind bei der Konferenz 503 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie akkreditiert. Die grĂ¶ĂŸte nationale Delegation Brasilien hat hingegen nur 479 Mitglieder.

Gleichzeitig hĂ€tten sich viele Gruppen aus LĂ€ndern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, ĂŒber mangelnden Zugang zu der Konferenz beklagt, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Anwesenheit Hunderter Lobbyisten werde "die Skepsis von Klimaschutzktivisten nur noch erhöhen", warnte Murray Worthy von Global Witness der Mitteilung zufolge.

Bei der COP26 in Glasgow ringen derzeit Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen und Experten aus 200 LÀndern darum, wie das Pariser Klimaziel von einer Begrenzung der ErderwÀrmung auf 1,5 Grad Celsius erreicht werden kann.

Luisa Neubauer trifft Obama: "Er ist in einer bequemen Rolle"

Bei der COP26-Klimakonferenz hat sich der ehemalige US-PrÀsident Barack Obama mit Klimaaktivisten getroffen. Darunter war auch Luisa Neubauer, die er namentlich erwÀhnte. Lesen Sie die ganze Geschichte hier.

Aus Glasgow berichtet Theresa Crysmann: Vegetarische Eingeweiden fĂŒrs Klima

Auch auf der Klimakonferenz in Glasgow darf die schottische Delikatesse "Haggis" nicht fehlen. Die klein gehackten und mit GewĂŒrzen gebratene Schafseingeweide gibt es in der Messehalle mit KartoffelpĂŒree und gestampften SteckrĂŒben. Die Klimabilanz des Essens: 3,4 Kilogramm CO2-Äquivalente, guten Appetit.

Bei der Weltklimakonferenz muss niemand auf "Haggis" verzichten: Das schottische Traditionsgericht gibt es auch als vegane Variante.
Bei der Weltklimakonferenz muss niemand auf "Haggis" verzichten: Das schottische Traditionsgericht gibt es auch als vegane Variante. (Quelle: T-Online-bilder)

Wem das zu viel ist, muss allerdings nicht auf "Haggis" verzichten - zumindest trĂ€gt die vegetarische Alternative denselben Namen. Was darin steckt, erfĂ€hrt man nicht. Wohl aber, wieviel klimaschĂ€dliche Gase sich so einsparen lassen. Mit 0,6 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Portion kann man hier vier Mal nachnehmen und steht immer noch besser da als die Sitznachbarin mit den SchafsĂŒberresten auf dem Pappteller.

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Der Denkanstoß ist gut. Die Wahlfreiheit aber auch. Sie zeigt, dass sich ĂŒber die eigene ErnĂ€hrung viel fĂŒrs Klima tun lĂ€sst – ohne, dass Fleisch ganz von der Karte gestrichen wird.

Besser fĂŒrs Klima, aber nicht fĂŒr den Geldbeutel: Beide Varianten kosten gleich viel.
Besser fĂŒrs Klima, aber nicht fĂŒr den Geldbeutel: Beide Varianten kosten gleich viel. (Quelle: T-Online-bilder)

Ärgerlich ist in der Kantine der Klimakonferenz aber, was man auch aus normalen Restaurants kennt: Der klimafreundliche "Haggis" kostet mit 7,60 Euro genauso viel wie die Variante vom Schaf. Dabei dĂŒrfte die Herstellung des fleischfreien Produktes deutlich gĂŒnstiger sein. Positive Anreize, die man auch im Portemonnaie spĂŒrt, sehen anders aus.
Unsere Nachhaltigkeitsredakteurin Theresa Crysmann berichtet wÀhrend der Weltklimakonferenz aus Glasgow.

Kommentar: Es droht eine riesige Blamage

Schauerhafte Warnungen und mĂ€chtige SchwĂŒre: Die erste Woche der Weltklimakonferenz war kinotauglich. Das Ende der Klimakrise rĂŒckt damit aber kein StĂŒck nĂ€her. Ein Videokommentar von unserer Korrespondentin Theresa Crysmann.

Entwicklungshilfeminister MĂŒller kritisiert COP26 -Ergebnisse

Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Entwicklungsminister Gerd MĂŒller (CSU) hat die bisherigen Verhandlungsergebnisse bei der UN-Klimakonferenz COP26 scharf kritisiert. "Die sich abzeichnenden BeschlĂŒsse reichen nicht aus, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen", sagte MĂŒller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Ă€ußerte sich hingegen optimistischer mit Blick auf das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens.

"Auch die UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr die EntwicklungslĂ€nder, selbst wenn sie voll umgesetzt werden, sind absolut unzureichend zur Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel", kritisierte MĂŒller zudem. "Notwendig ist ein Klimalastenausgleich von Reich zu Arm." Die Anhebung des 100 Milliarden-Dollar-Ziels fĂŒr die internationale Klimafinanzierung auf 150 Milliarden sei ebenso notwendig wie eine private Investitionsoffensive mit Anreizen und Absicherungen fĂŒr grĂŒnes Wachstum und Energiekonzepte in den EntwicklungslĂ€ndern.

Aus Glasgow berichtet t-online: Es zieht ein Sturm auf

Die Ruhe ist vorbei. Rund 10.000 Demonstrierende wollen in Glasgow ab Mittag durch die Innenstadt ziehen. Denn am Freitag ist nicht nur der etablierte Streiktag der Fridays-for-Future-Bewegung. Heute geht es auch in den TagungsrĂ€umen und Diskussionsforen der Weltklimakonferenz darum, wie Jugendliche und DurchschnittsbĂŒrger helfen können, die Klimakrise zu bezwingen. Die Tausenden jungen Menschen, die ab 12.30 Uhr Ortszeit in einem langen Zug von Kelvingrove Park zum Glasgow Green laufen werden, scheinen auf die Tipps von oben aber nicht angewiesen zu sein.

Sie dĂŒrften am besten wissen, dass der Druck der Straße und die juristischen Klagen der Klimabewegung in wenigen Jahren mehr Klimaschutz erreichen konnten als zwei Jahrzehnte internationaler Klimakonferenzen zuvor. Nach Abreise der Staats- und Regierungschefs am Dienstag war es in Glasgow sehr ruhig geworden – keine schwarzen Limousinen mehr, kein durchgehender HubschrauberlĂ€rm. Heute wird die Stadt wieder mehr davon mitbekommen, dass in den Messehallen am Ufer der Clyde um die Zukunft des Planeten gerungen wird.

Unsere Nachhaltigkeitsredakteurin Theresa Crysmann berichtet wÀhrend der Weltklimakonferenz aus Glasgow.

Ein Protestplakat in der Glasgower Innenstadt: Am Freitag findet die erste Massendemonstration im Rahmen der Weltklimakonferenz statt.
Ein Protestplakat in der Glasgower Innenstadt: Am Freitag findet die erste Massendemonstration im Rahmen der Weltklimakonferenz statt. (Quelle: Theresa Crysmann/T-Online-bilder)

Klimaaktivistin aus Amazonas: Mir wurde mit dem Tod gedroht

Eine Klimaaktivistin aus dem Amazonas-Gebiet hat nach eigenen Angaben nach ihrer Rede bei der Eröffnungszeremonie der Weltklimakonferenz COP26 etliche Todesdrohungen erhalten. "Ich denke, ich habe die richtigen Worte gesagt, weil sie mich attackiert haben", sagte Txai Suruí, die zum indigenen Volk der Paiter Suruí gehört, der BBC am Freitag.

Suruí hatte den Teilnehmern der Konferenz davon berichtet, wie der Klimawandel das Leben ihrer Gemeinschaft bedroht und sie zum Handeln aufgerufen. Brasiliens PrÀsident Jair Bolsanaro bezichtigte sie daraufhin, das Land zu attackieren. Suruí wurde zum Ziel von Anfeindungen und Drohungen in sozialen Medien. "Ich bin nicht hier, um Brasilien zu attackieren, ich bin hier, um die RealitÀt zu bringen", verteidigte sich Suruí in dem BBC-Interview.

Bei der COP26 in Glasgow ringen derzeit Staats- und Regierungschefs sowie Delegationen und Experten aus 200 LÀndern darum, wie das Pariser Klimaziel von einer Begrenzung der ErderwÀrmung auf 1,5 Grad Celsius erreicht werden kann.

UmweltstaatssekretÀr Flasbarth schÀtzt Verhandlungen als schwierig ein

Knapp eine Woche nach Beginn der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow sieht UmweltstaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth noch schwierige Verhandlungen auf die Delegationen zukommen. Vor allem mit Blick auf die finanziellen Mittel fĂŒr Ă€rmere Staaten oder den umstrittenen Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens gebe es noch KlĂ€rungsbedarf, erlĂ€uterte Flasbarth am Freitag.

Beim Artikel 6 geht es um den Handel mit Emissionsminderungen zwischen den Staaten und unter anderem darum, wie die Staaten sich eingesparte Treibhausgase auf ihre Klimabilanz anrechnen lassen können, ohne dass es zu Doppelanrechnungen kommt. Die Verhandler in Glasgow mĂŒssen laut Flasbarth auch noch klĂ€ren, in welchem Zeitrahmen die nationalen Klimaschutz-Ziele ĂŒberprĂŒft werden sollen – etwa in FĂŒnf-Jahres-AbstĂ€nden oder alle zehn Jahre. Hier stehe eine Lösung noch aus.

Auch die transparente Berichterstattung ĂŒber die Emissionsentwicklungen in den jeweiligen Staaten sei ein schwieriger Punkt. Vor allem fĂŒr Ă€rmere Staaten sei die zusĂ€tzliche BĂŒrokratie, die mit Transparenzregeln einhergehe, eine Belastung, sagte Flasbarth. Hier wĂŒrden die Staatenvertreter darum ringen, wie viel FlexibilitĂ€t es geben könne und ob etwa besonders belasteten Staaten eine etwas weniger aufwendige Art der Berichterstattung zugestanden werden könne.

Ein weiterer Verhandlungsschwerpunkt ist demnach die Klima-Finanzierung, also das Geld, das Industriestaaten Ă€rmeren Staaten jĂ€hrlich zur VerfĂŒgung stellen wollen, um sie bei der Anpassung an den Klimawandel und dem Klimaschutz zu unterstĂŒtzen. Bis 2025 wollen die Staaten diese Mittel auf 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr hochgeschraubt haben. Verhandelt wird unter anderem ĂŒber die Zukunft dieser Mittel nach 2025 und darĂŒber, welcher Anteil kĂŒnftig in die Anpassung an Klimawandel-Folgen wie Extremwettereignissen fließen soll. Die Staaten des globalen SĂŒdens und UmweltverbĂ€nde fordern einen Anteil von 50 Prozent, bislang sind es laut OECD nur etwa 25 Prozent.

USA und 18 andere LĂ€nder steigen aus Finanzierung fossiler Energien im Ausland aus

Die USA und eine ganze Reihe weiterer LĂ€nder steigen aus der Finanzierung der fossilen Energien Kohle, Öl und Gas im Ausland aus. Bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow bekannten sich rund 20 LĂ€nder, darunter große Treibhausgas-Emittenten wie die USA und Kanada, dazu, bis Ende 2022 aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland auszusteigen. "In Projekte zu investieren, die unvermindert von fossiler Energie abhĂ€ngig sind, bringt sowohl soziale als auch wirtschaftliche Risiken mit sich", heißt es in der gemeinsamen ErklĂ€rung. Deutschland gehört nicht zu den Unterzeichnern.

Auf Initiative von Großbritannien kĂŒndigten LĂ€nder wie Portugal, die Schweiz, Mali und die Marshall-Inseln sowie mehrere Entwicklungsbanken in der gemeinsamen ErklĂ€rung an, bis Ende kommenden Jahres grundsĂ€tzlich keine staatlichen Gelder mehr fĂŒr Projekte zur VerfĂŒgung zu stellen, bei denen fossile EnergietrĂ€ger genutzt werden, ohne deren Emissionen durch CO2-Abscheidung unschĂ€dlich zu machen. Ausnahmen seien möglich unter "beschrĂ€nkten und klar definierten Bedingungen", die im Einklang seien mit dem Ziel, die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Große Investoren von Projekten mit fossilen EnergietrĂ€gern wie Japan, SĂŒdkorea und China beteiligten sich nicht an der ErklĂ€rung. China hatte im September angekĂŒndigt, aus der Finanzierung von Kohleprojekten im Ausland auszusteigen, dazu aber keinen konkreten Zeitrahmen genannt. Vergangenen Monat bekannten sich alle G20-Staaten zum Ausstieg aus der Finanzierung von Kohlekraftwerken im Ausland. Die ErklĂ€rung vom Donnerstag umfasst nun aber auch Erdöl- und Erdgasprojekte.

Braunkohlekraftwerk: 19 LĂ€nder wollen die Finanzierung von fossilen Energien im Ausland stoppen.
Braunkohlekraftwerk: 19 LĂ€nder wollen die Finanzierung von fossilen Energien im Ausland stoppen. (Quelle: Jochen Tack/imago-images-bilder)

Bericht: China 2020 fĂŒr 31 Prozent weltweiter CO2-Emissionen verantwortlich

China ist im vergangenen Jahr fĂŒr 31 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich gewesen. Das geht aus dem Klimabericht des Forschungsprojekts Global Carbon Project 2021 hervor, der am Donnerstag anlĂ€sslich der Weltklimakonferenz veröffentlicht wurde.

Dieser hohe Anstieg der CO2-Emissionen könne darauf zurĂŒckzufĂŒhren sein, dass die chinesische Wirtschaft sich frĂŒher von der Corona-Krise erholt habe als der Rest der Welt, erklĂ€rten die Autoren des Berichts. Hier lesen Sie mehr.

UmweltschĂŒtzer beklagen Ausschluss ihrer Experten

Mehrere Umweltschutzorganisationen haben erhebliche ZugangsbeschrĂ€nkungen fĂŒr Experten bei der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow angeprangert. Von den Tausenden zivilgesellschaftlichen Vertretern, die nach Glasgow gereist seien, hĂ€tten nur vier die Genehmigung bekommen, die internationalen Verhandlungen als offizielle Beobachter zu begleiten, kritisierte Teresa Anderson von Actionaid International. Als "Katastrophe" bezeichnete der Direktor von Power Shift Africa, Mohamed Adow, den Ausschluss zivilgesellschaftlicher Akteure.

"Die Zivilgesellschaft davon abzuhalten, die Regierungen zu kontrollieren und sie zur Verantwortung zu ziehen, könnte echte Klima-Konsequenzen fĂŒr die Gemeinschaften haben, die am meisten unter der Klimakrise leiden", betonte Anderson.

Adow, dessen Organisation Power Shift Africa in Kenia ansĂ€ssig ist, erinnerte an Zusagen der britischen COP-PrĂ€sidentschaft im Vorfeld der Konferenz. "Mitgliedern der Zivilgesellschaft aus einigen der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt wurde gesagt, dass dies die inklusivste COP aller Zeiten sein wĂŒrde. Also sind sie hergereist, um ihre Gemeinschaften zu vertreten", sagte er. Nun könnten aber viele der Angereisten die COP-Veranstaltungen nur ĂŒber eine Online-Plattform verfolgen, "die kaum funktioniert".

Finanzierungsfrage bestimmt vierten Tag der Verhandlungen

Am vierten Tag der UN-Klimakonferenz in Glasgow ist die Finanzierung von Maßnahmen zur BewĂ€ltigung der Klimakrise ins Zentrum der Verhandlungen gerĂŒckt. Großbritanniens Finanzminister Rishi Sunak bekrĂ€ftigte am Mittwoch vor den Delegierten der COP26, dass die Industriestaaten kĂŒnftig ihr Versprechen von jĂ€hrlich 100 Milliarden Dollar (86,3 Milliarden Euro) Klimafinanzierung fĂŒr Ă€rmere LĂ€ndern einhielten. "Wir wissen, dass sie am Boden zerstört sind wegen der doppelten Tragödie Corona und Klimawandel", sagte Sunak. "Deshalb werden wir das Ziel, 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung fĂŒr die EntwicklungslĂ€nder bereitzustellen, erfĂŒllen."

Die Finanzzusage geht auf die UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen zurĂŒck: Die Industriestaaten wollten ihre Klimahilfen fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder demnach kontinuierlich steigern und ab 2020 eine jĂ€hrliche Gesamtsumme von 100 Milliarden Dollar erreichen. Der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge lag das Volumen der Klimahilfen 2019 jedoch unter 80 Milliarden Dollar. Auch 2020 und 2021 wird das 100-Milliarden-Dollar-Ziel nicht erreicht.

Das nicht eingelöste Versprechen belastet die Verhandlungen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Die britische COP-PrĂ€sidentschaft hatte daher vor der Weltklimakonferenz Deutschland und Kanada damit beauftragt, einen Umsetzungsplan fĂŒr die Finanzzusage auszuhandeln. Der deutsche Umwelt-StaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth sagte am Mittwoch in Glasgow, 2022 wĂŒrden die Industriestaaten "sehr nah" an das 100-Milliarden-Dollar-Ziel herankommen oder es erreichen. 2023 werde die Vorgabe "definitiv" erreicht und 2024 und 2025 ĂŒbertroffen, um die vorherige Unterfinanzierung auszugleichen. Die Industriestaaten bewiesen damit, "dass sie sich an ihr Versprechen halten".

Kritik von KlimaschĂŒtzern: "Es steckt viel Teufel im Detail"

Klimaschutzorganisationen aus aller Welt haben die bisherigen AnkĂŒndigungen der Staats- und Regierungschefs beim Klimagipfel als unzureichend kritisiert. "Diese Schlagzeilen werden nicht den Planeten retten", sagte Harjeet Singh vom Climate Action Network, zu dem mehr als 1.500 Organisationen aus aller Welt gehören, am Mittwoch in Glasgow.

Einige der bisherigen AnkĂŒndigungen seien ermutigend gewesen, aber alles in allem reichten sie bei weitem nicht aus, um die Welt auf den angestrebten 1,5-Grad-Pfad zu bringen. "Es steckt viel Teufel im Detail", sagte Singh. Mit ihren aktuellen PlĂ€nen steuert die Welt den Vereinten Nationen zufolge auf 2,7 Grad ErderwĂ€rmung zu.

Demonstration in Glasgow: Thunberg ist fĂŒr ihre eindringlichen Worte im Kampf gegen die Klimakrise bekannt.
Demonstration in Glasgow: Thunberg ist fĂŒr ihre eindringlichen Worte im Kampf gegen die Klimakrise bekannt. (Quelle: Reuters-bilder)

Klimagerechtigkeit mĂŒsse im Mittelpunkt der Konferenz stehen. "Die Menschen, die heute schon leiden, brauchen auch heute UnterstĂŒtzung", sagte Singh. Dabei geht es unter anderem um das im Pariser Klimaabkommen bekrĂ€ftigte 100-Milliarden-Dollar-Versprechen der reichen Industriestaaten an Ă€rmere EntwicklungslĂ€nder. Dieses Geld sollte eigentlich schon seit 2020 jedes Jahr fließen, nun soll die Summe aber erst 2023 erstmals erreicht werden.

Die Aktivistin Greta Thunberg machte sich auf ihre eigene Art ĂŒber die AbsichtserklĂ€rungen lustig, die sie bereits in der Vergangenheit als "bla, bla, bla" kritisiert hatte. "Ich freue mich, mitteilen zu können, dass ich mich entschieden habe, bei Schimpfwörtern netto Null anzustreben", twitterte die 18-JĂ€hrige. "FĂŒr den Fall, dass ich etwas Unangemessenes sagen sollte, verpflichte ich mich, dies durch nette Worte zu kompensieren." Thunberg ist fĂŒr ihre eindringlichen Worte im Kampf gegen die Klimakrise bekannt, nicht aber fĂŒrs Fluchen. In Glasgow hatte sie in Reden aber gelegentlich KraftausdrĂŒcke benutzt, worauf sie sich dabei beziehen dĂŒrfte.

Auch Russland dabei: Staaten erzielen historische Einigung

Nach drastischen Klimaschutz-Appellen am Vortag erzielten die Staats- und Regierungschefs am Dienstag eine historische Einigung: Rund 100 Staaten haben sich darauf verstÀndigt, bis 2030 die Zerstörung von WÀldern und anderen Landschaften zu stoppen. Wie die britische Regierung bekannt gab, reprÀsentieren die beteiligten LÀnder 85 Prozent der weltweiten WaldflÀche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer.

Bereits am Montag wurde die Initiative gegen Entwaldung vorgestellt, die von Dutzenden Staaten unterstĂŒtzt wurde. Doch erst am Dienstag kam ein zentraler UnterstĂŒtzer hinzu: Russland. "Unser Land beherbergt 20 Prozent des weltweiten Waldes", so PrĂ€sident Wladimir Putin in einer vorab aufgezeichneten Videoansprache am Dienstag. Russland habe eine langfristige Strategie entworfen, um KlimaneutralitĂ€t 2060 zu erreichen, so der Kremlchef, der nicht persönlich auf der Konferenz anwesend ist.

Weitere UnterstĂŒtzerstaaten sind Deutschland und die gesamte EU, aber auch die LĂ€nder mit den grĂ¶ĂŸten WĂ€ldern ĂŒberhaupt – also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. FĂŒr das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen.

Wald in Russland: Erst am Dienstag kam das Land als zentraler UnterstĂŒtzer der Initiative hinzu.
Wald in Russland: Erst am Dienstag kam das Land als zentraler UnterstĂŒtzer der Initiative hinzu. (Quelle: Ilya Naymushin/SNA/imago-images-bilder)

Großbritannien will "klimaneutrales Finanzzentrum" werden

Die britische Regierung will Finanzinstitutionen und andere Unternehmen dazu verpflichten, PlĂ€ne fĂŒr ihren Umbau zur KlimaneutralitĂ€t vorzulegen. Das geht aus einer vorab verbreiteten Mitteilung des Finanzministeriums in London hervor. Schatzkanzler Rishi Sunak wolle das Vorhaben am Mittwoch beim UN-Weltklimagipfel in Glasgow vorstellen, hieß es darin. Großbritannien könne dadurch der weltweit erste klimaneutrale Finanzstandort werden.

Nach Angaben Sunaks haben sich 30 LĂ€nder von sechs Kontinenten zur Schaffung globaler Standards bekannt, um die Auswirkungen von Anlagen auf das Klima zu erfassen. Das werde helfen, um Anlegern die notwendigen Informationen fĂŒr klimafreundliche Investitionen zugĂ€nglich zu machen. Gemeinsam seien diese LĂ€nder fĂŒr mehr als 70 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

Sunak ist der Mitteilung nach auch optimistisch, dass das Ziel der Industriestaaten, 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr fĂŒr den Klimaschutz in EntwicklungslĂ€ndern aufzubringen, bis 2023 erreicht werden kann. Eigentlich hĂ€tte die Summe laut Pariser Klimaabkommen bereits seit 2020 fließen sollen. Eine VerspĂ€tung von drei Jahren hatten die Industriestaaten bereits einige Tage vor dem Klimagipfel eingestanden.

Indonesien stellt Kohleausstieg bis 2040 in Aussicht

Indonesien stellt einen Kohleausstieg bis 2040 in Aussicht. Vorraussetzung dafĂŒr sei, dass das Land ausreichende finanzielle UnterstĂŒtzung von der internationalen Gemeinschaft erhalte, sagt Finanzministerin Sri Mulyani. Kohle macht rund 65 Prozent des Energiemixes Indonesiens aus. Das Land ist der weltgrĂ¶ĂŸte Kohleexporteur. Zuvor hatte Indonesien einen Kohleausstieg fĂŒr 2056 angepeilt.

Skepsis an PlÀnen zum Stopp von Entwaldung

Experten haben die angekĂŒndigten PlĂ€ne zum Stopp der Entwaldung bis 2030 beim UN-Klimagipfel in Glasgow teilweise mit Skepsis aufgenommen. Eine Ă€hnliche ErklĂ€rung aus dem Jahr 2014 habe sich als vollkommen wirkungslos erwiesen, sagte der Klima- und Waldexperte Simon Lewis vom University College London der BBC am Dienstag. "Es ist eine gute Nachricht, dass sich so viele LĂ€nder politisch dazu verpflichtet haben, die Entwaldung zu beenden, und dass erhebliche Mittel zur VerfĂŒgung stehen, um auf diesem Weg voranzukommen", so Lewis. Die Welt sei aber bereits vor Jahren schon an diesem Punkt gewesen.

Die neue Abmachung gehe auch nicht das Problem der wachsenden Nachfrage nach Produkten wie Fleisch an, die auf gerodeten RegenwaldflĂ€chen produziert werden. Dazu mĂŒsse der hohe Fleischkonsum in LĂ€ndern wie den USA und Großbritannien thematisiert werden, fĂŒgte Lewis hinzu.

Der Ökologe Nigel Sizer vom World Resources Institute (WRI) bezeichnete die Abmachung als "große Sache", schrĂ€nkte aber ein, die Zielmarke von einem Ende der Entwaldung bis 2030 könne als "enttĂ€uschend" wahrgenommen werden. Dem WWF Deutschland zufolge weist die AnkĂŒndigung der Staats- und Regierungschefs in die richtige Richtung. Diese mĂŒsse aber "zĂŒgig mit verbindlichen Abkommen abgesichert" werden, mahnte die fĂŒr das Thema Wald zustĂ€ndige WWF-Programmleiterin Susanne Winter. Ansonsten drohe die Initiative "zu scheitern wie schon andere vor ihr".

Afrikas Bauern und Indigene fordern Agrar-Umbau

Vertreterinnen afrikanischer Kleinbauern und indigener Gemeinschaften haben einen nachhaltigen, klimafreundlichen Umbau der Landwirtschaft gefordert. Elizabeth Nsimadala, PrĂ€sidentin der Föderation ostafrikanischer Bauern und des panafrikanischen Bauernverbands, sagte, sie spreche fĂŒr 80 Millionen Bauern, die mehr als 800 Millionen Menschen ernĂ€hrten. Oft kĂ€men die Landwirte aber selbst kaum ĂŒber die Runden – auch weil vom Klimawandel beförderte DĂŒrren immer öfter Böden austrockneten oder Naturkatastrophen Ernten vernichteten.

"Zu viele von uns hungern jeden Tag", sagte die BĂ€uerin aus Uganda. Die Selbstmordrate sei so hoch wie in kaum einem anderen Berufsstand – und steige noch. Das Agrarsystem stehe vor dem Kollaps, warnte sie. "Unsere Böden sterben." Kleinbauern im Osten Afrikas brauchten daher internationale UnterstĂŒtzung. Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen fĂŒr die rechte indigener Völker, Victoria Tauli-Corpuz, sagte, sie kĂŒmmere sich um rund 500 Millionen Menschen in etwa 90 Staaten, die etwa 80 Prozent der verbliebenen BiodiversitĂ€t weltweit beschĂŒtzten. Doch brauchten diese UnterstĂŒtzung, weil industrielle Agrarbetriebe viele Indigene aus ihrer Heimat vertrieben.

500 Millionen Hektar Wald wĂŒrden jedes Jahr zerstört, um Agrarprodukte anzubauen. Man könne von Indigenen viel lernen, ihnen sei sogenanntes "Superfood" wie Quinoa lange vertraut. "Wir wissen, wie man Lebensmittel so anbaut, dass man das Natur-Kaptal der Erde erhĂ€lt. Wir tun dies seit Jahrtausenden." Der Agrarsektor zĂ€hlt heutzutage zu den grĂ¶ĂŸten Quellen klimaschĂ€dlicher Treibhausgase. Fast die HĂ€lfte davon wird frei, weil WĂ€lder zu Acker- und Weideland umgewandelt und Moore trockengelegt werden oder Biomasse verbrannt wird. Die andere HĂ€lfte stammt aus der Landwirtschaft selbst.

Mehr als 100 Staaten besiegeln Pakt gegen Methan-Ausstoß

Mehr als 100 Staaten haben sich einer von der EU und den USA ins Leben gerufenen Initiative zur Reduzierung des Ausstoßes von klimaschĂ€dlichem Methan angeschlossen. Beim Klimagipfel im schottischen Glasgow teilten die EU und die USA am Dienstag mit, diese LĂ€nder reprĂ€sentierten 70 Prozent der Weltwirtschaft. Mit dabei sind neben Deutschland unter anderem auch Frankreich, Kanada, Israel und Japan. Die wichtigen LĂ€nder Indien, China und Russland standen allerdings nicht auf der Liste.

Methan ist das zweitschĂ€dlichste Treibhausgas und verantwortlich fĂŒr KlimaerwĂ€rmung und Luftverschmutzung. Die schon im September ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenĂŒber 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die KlimaerwĂ€rmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden.

"Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können", sagte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen am Dienstag in Glasgow. Sie stellte den Pakt gemeinsam mit US-PrĂ€sident Joe Biden vor. Der Ausstoß von Methan in die AtmosphĂ€re habe einen erheblichen Beitrag zur ErderwĂ€rmung. "Das ist die am tiefsten hĂ€ngende Frucht", die man schnell und effektiv reduzieren mĂŒsse.

Trump nennt Klimakrise "Schwindel"

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump nannte den menschengemachten Klimawandel in einer Mail, die der "Daily Mail" vorliegt, einen der grĂ¶ĂŸten "Schwindel" in den USA. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, den ĂŒberwiegenden Konsens der Wissenschaft anzuzweifeln.

Anlass fĂŒr die erneute BekrĂ€ftigung seiner Meinung zur Klimakrise war der Auftritt seines Amtsnachfolgers Joe Biden bei der Weltklimakonferenz. "Biden flog nach Europa, um zu sagen, die globale ErwĂ€rmung hat die höchste PrioritĂ€t. Doch dann nickt er wĂ€hrend der Konferenz ein und die ganze Welt kann dabei zusehen. Niemand mit echter Begeisterung fĂŒr ein Thema wĂŒrde jemals einschlafen!", soll Trump in der Mail geschrieben haben.

Biden wurde auf der Konferenz dabei ertappt, wie er rund eine halbe Minute die Augen schloss, wÀhrend gerade die aufgezeichnete Rede eines Klimaaktivisten abgespielt wurde. Mehr dazu lesen Sie hier.

Biden: Beim Bauen an Klimakrise denken

US-PrĂ€sident Joe Biden hat dazu aufgerufen, beim Bau neuer Infrastruktur immer schon die Folgen des Klimawandels mit zu berĂŒcksichtigen. So mĂŒsse etwa bei Verkehrswegen schon der Anstieg des Meeresspiegels bedacht werden, und neue Gesundheitszentren oder Versorgungsleitungen mĂŒssten Extremwetter widerstehen können, sagte er am Dienstag auf der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow. Auch mĂŒssten nachhaltige, hohe Standards beim Bauen gelten, um etwa Korruption auszuschließen, die Umwelt nicht zu schĂ€digen und Steuerzahler vor Ort nicht zu ĂŒberfordern.

Um das Ziel einer KlimaneutralitĂ€t bis 2050 zu erreichen, seien Billionen US-Dollar an Investitionen nötig, sagte Biden weiter. Dazu mĂŒsse auch der private Sektor mobilisiert werden. Die Klimakrise biete dabei auch ökonomische Chancen, sagte er. Es gehe um Millionen Jobs in den "Industrien der Zukunft". Auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen unterstĂŒtzte den Appell. Der britische Gastgeber Boris Johnson erklĂ€rte: "Dies kann der Moment sein, an dem wir die Welt aufwerten." Es sei wichtig, dass zeitgleich ĂŒberall die gleichen Weichen gestellt wĂŒrden.

Flasbarth dringt auf Lösung zu Pariser Abkommen

UmweltstaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth hat am dritten Tag der Weltklimakonferenz in Schottland auf eine Lösung zu den Regeln des Pariser Klimaschutzabkommens gedrungen. Er bezeichnete die bislang nicht ausformulierten Passagen zur Kooperation der Staaten beim Klimaschutz als "grĂ¶ĂŸte Bremse" bei den internationalen Verhandlungen. "Das ist diplomatischer Ballast, das muss weg", sagte Flasbarth am Dienstag vor Journalisten. Konkret gehe es darum, Regeln festzulegen, wie Staaten sich etwa die Reduktion von Treibhausgasen anrechnen lassen dĂŒrfen, die ein anderer Staat im Rahmen einer Vereinbarung ĂŒbernimmt.

Flasbarth betonte, dass es eine Zusammenarbeit nur "ohne Beschiss" geben könne. Dass sich Staaten Emissionen, die nur einmal eliminiert werden, doppelt anrechnen lassen, mĂŒsse dringend vermieden werden. UmweltverbĂ€nde kritisierten hier bislang vor allem die Rolle Brasiliens, das bislang auf diese Doppelanrechnung gepocht hatte.

Amazon-GrĂŒnder Jeff Bezos spendet zwei Milliarden Dollar

Die Stiftung "Bezos Earth Fund" hat bei der Weltklimakonferenz angekĂŒndigt, zwei Milliarden US-Dollar zu spenden, das sind umgerechnet etwa 1,72 Milliarden Euro. Mit der HĂ€lfte des Geldes sollen in den USA LandflĂ€chen geschĂŒtzt werden. Die andere HĂ€lfte soll fĂŒr die VerĂ€nderung landwirtschaftlicher Systeme ausgegeben werden.

Der Amazon-GrĂŒnder hatte schon im vergangenen MĂ€rz angekĂŒndigt, er wolle insgesamt zehn Milliarden Dollar bis 2030 im Kampf gegen die Klimakrise spenden.

Allerdings gab es auch Kritik an dem Unternehmer: Wie viele andere der Politiker und Prominenten ist auch Bezos mit einem Privatjet nach Glasgow gereist. Laut der britischen Boulevardzeitung "Daily Mail" soll Bezos aus der TĂŒrkei mit seinem Gulfstream-Jet G650ER geflogen sein. Dort habe er zuvor auf einer Superjacht den 66. Geburtstag von Bill Gates gefeiert.

Jeff Bezos (Archivbild): Der Amazon-GrĂŒnder gibt Geld aus, um die Klimakrise zu bekĂ€mpfen.
Jeff Bezos (Archivbild): Der Amazon-GrĂŒnder gibt Geld aus, um die Klimakrise zu bekĂ€mpfen. (Quelle: Dennis Van Tine/imago images)

Baerbock betont Verbindlichkeit beim Klimaschutz

Zu Beginn des dritten Tages der UN-Klimakonferenz hat die GrĂŒnen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock konkrete Abmachungen von den Teilnehmern verlangt. "Es braucht endlich Verbindlichkeit", sagte Baerbock am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". "Wir haben ja kein Erkenntnisproblem. Dass wir dringend, dringend handeln mĂŒssen, das wissen wir eigentlich seit Jahren. Dass wir mit den KlimaplĂ€nen der Nationalstaaten nicht auf den 1,5-Grad-Pfad kommen, das ist auch bekannt."

Kohleausstieg, Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, Schutz der WĂ€lder und vor allem ein Technologiesprung zu einer klimaneutralen Industrie, "das muss jetzt endlich gemacht werden und nicht nur versprochen werden", sagte Baerbock.

100 Staaten wollen bis 2030 Entwaldung stoppen

Mehr als 100 Staaten haben sich verpflichtet, die Zerstörung von WĂ€ldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies hat die britische Regierung, die der UN-Konferenz vorsitzt, am spĂ€ten Montagabend bekanntgegeben. Die beteiligten LĂ€nder, darunter Deutschland und die gesamte EU, reprĂ€sentieren demnach 85 Prozent der weltweiten WaldflĂ€che, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den grĂ¶ĂŸten WĂ€ldern ĂŒberhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Hier lesen Sie mehr.

Macron fordert mehr Anstrengung von grĂ¶ĂŸten Emittenten von Treibhausgas

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron hat die grĂ¶ĂŸten Emittenten klimaschĂ€dlicher Treibhausgase zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz aufgerufen. Die nationalen PlĂ€ne von LĂ€ndern wie den USA, China, Russland und Saudi-Arabien "stehen nicht mit unserem 1,5-Grad-Ziel im Einklang", sagte Macron am Montag. Mehr Ehrgeiz dieser LĂ€nder sei "der einzige Weg, um unser Vorhaben wieder glaubwĂŒrdig zu machen".

Die "SchlĂŒsselfrage" bei der Klimakonferenz sei, "wie sich die USA bewegen werden, sowohl bei ihren Verpflichtungen fĂŒr 2030 als auch bei der Finanzierung", sagte Macron. Washington mĂŒsse "die verlorenen Jahre" der PrĂ€sidentschaft von Donald Trump wettmachen.

Queen hofft auf einen Klimagipfel fĂŒr die GeschichtsbĂŒcher

Königin Elizabeth II. hat sich zum Auftakt des Weltklimagipfels in Glasgow in einem ungewöhnlich energischen Appell an die Staatenlenker gewandt. "In den kommenden Tagen hat die Welt die Chance, eine sicherere und stabilere Zukunft fĂŒr unsere Bevölkerung und den Planeten, von dem wir abhĂ€ngig sind, zu schaffen", sagte die Königin in einer am Montagabend veröffentlichten Botschaft, die vor einigen Tagen auf Schloss Windsor aufgezeichnet wurde. Sie selbst hoffe, dass die Konferenz einer jener Momente sein werde, bei der alle die Politik des Augenblicks hinter sich lassen und ĂŒber sich hinauswachsen wĂŒrden.

"Viele hoffen, dass das VermĂ€chtnis dieses Gipfels – geschrieben in noch zu druckenden GeschichtsbĂŒchern – Sie als die Staatenlenker beschreiben wird, die die Gelegenheit nicht verpasst haben, sondern dass Sie dem Ruf dieser zukĂŒnftigen Generationen gefolgt sind", sagte die Queen.

Die 95 Jahre alte Königin hatte eigentlich persönlich nach Glasgow reisen und an einem Empfang teilnehmen wollen. Auf Ă€rztlichen Rat sagte sie die Reise jedoch kurzfristig ab und sendete stattdessen die Videobotschaft, in der sie auch ihren im April gestorbenen Ehemann Prinz Philip als leidenschaftlichen UmweltschĂŒtzer wĂŒrdigte.

Brasilien verschĂ€rft Klimaziel fĂŒr 2030

Brasilien hat pĂŒnktlich zur Weltklimakonferenz sein Klimaziel fĂŒr 2030 verschĂ€rft. "Die von unserem Land bis 2020 erzielten Ergebnisse zeigen, dass wir noch ehrgeiziger sein können", sagte Staatschef Jair Bolsonaro in einer am Montag in Glasgow gezeigten Videobotschaft. Demnach sollen sich die Treibhausgasemissionen des Landes bis 2030 im Vergleich zu 2005 halbieren. Bislang war eine Reduktion um 43 Prozent vorgesehen.

Nach Angaben von Brasiliens Umweltminister Joaquim Leite will das Land bis 2050 KohlenstoffneutralitĂ€t erreichen. Diese Zusagen werde er nĂ€chste Woche bei seiner Teilnahme an der COP26 formalisieren. Außerdem kĂŒndigte er an, dass nun bis 2028 – und somit zwei Jahre frĂŒher als ursprĂŒnglich vorgesehen – illegale Abholzungen im Amazonasgebiet vollstĂ€ndig unterbunden werden sollen.

Johnson reist von Glasgow zurĂŒck nach London im Flugzeug

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson wird im Flugzeug von der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow zurĂŒck nach London reisen. "Wir stehen unter erheblichem Zeitdruck", entgegnete Johnsons Sprecher am Montag auf Kritik an der Flugreise. Johnson hatte die an der COP26 teilnehmenden Staats- und Regierungschefs zuvor eindringlich dazu aufgerufen, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Premierminister Boris Johnson: "Es wÀre schön gewesen, wenn er mit dem Zug nach Glasgow gefahren wÀre."
Premierminister Boris Johnson: "Es wÀre schön gewesen, wenn er mit dem Zug nach Glasgow gefahren wÀre." (Quelle: Steve Reigate/Reuters-bilder)

Johnson war am Sonntagabend vom G20-Gipfel in Rom mit einer gecharterten Airbus-Maschine nach Glasgow geflogen. Das selbe Flugzeug werde ihn am Dienstag zurĂŒck nach London bringen, erklĂ€rte sein BĂŒro. "Der Kraftstoff, den wir verwenden, ist nachhaltig und die Emissionen werden auch ausgeglichen", sagte sein Sprecher. Johnson hatte zuvor in seiner Rede gefordert, "den Klimawandel wirklich ernst zu nehmen". Wenn die Staats- und Regierungschefs diese Gelegenheit nun verpassten, wĂŒrden zukĂŒnftige Generationen ihnen das nicht verzeihen.

"Boris Johnson hat Recht, wenn er davor warnt, dass die Welt beim Klimawandel eine Minute vor Mitternacht steht", sagte der Direktor der Organisation Power Shift Africa, Mohamed Adow. "Deshalb wĂ€re es schön gewesen, wenn er mit dem Zug nach Glasgow gefahren wĂ€re." Ein Flug von Glasgow nach London dauert durchschnittlich 60 bis 90 Minuten, die Zugfahrt rund fĂŒnf Stunden. Umwelt- und KlimaschĂŒtzer verlangen, den Flugverkehr, insbesondere Privat- und KurzstreckenflĂŒge, deutlich zu verringern. Flugzeuge stoßen pro Passagier und Kilometer bedeutend mehr klimaschĂ€dliche Treibhausgase aus als alle anderen Fortbewegungsmittel.

Merkel: Staaten allein können Klimaschutz nicht stemmen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Gemeinschaft bei der Weltklimakonferenz in Glasgow zu ehrgeizigeren Klimazielen aufgerufen. "Wir sind nicht da, wo wir hinmĂŒssen", sagte Merkel im Plenum der Staats- und Regierungschefs bei der COP26. Die von den Unterzeichnerstaaten des Pariser Klimaabkommens von 2015 eingereichten Emissions-Reduktionsziele "ergeben zusammen nicht das, was wir in Paris vereinbart haben".

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der COP26: "Wir sind nicht da, wo wir hinmĂŒssen".
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der COP26: "Wir sind nicht da, wo wir hinmĂŒssen". (Quelle: Reuters-bilder)

Merkel verwies gleichwohl auf Fortschritte beim Klimaschutz. So sei die Einigung der G20-Gruppe vom Wochenende auf einen Stopp der internationalen Finanzierung von Kohlekraftwerken ab dem kommenden Jahr "sehr wichtig". Allerdings werde es "mit staatlichen AktivitÀten alleine" kein Vorankommen beim Klimaschutz geben, warnte Merkel. "Es geht um eine umfassende Transformation unseres Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens."

NachdrĂŒcklich plĂ€dierte Merkel deshalb fĂŒr die Bepreisung von CO2-Emissionen. In der derzeitigen "Dekade des Handelns" mĂŒsse es darum gehen, "national ambitionierter zu sein, aber auch globale Instrumente zu finden, die nicht nur Steuergelder einsetzen, sondern auch wirtschaftlich vernĂŒnftig sind", sagte Merkel. "Das ist fĂŒr mich die CO2-Bepreisung."

Kommentar: Die Kanzlerin weiß, dass sie versagt hat

Unter der FĂŒhrung von Angela Merkel hat Deutschland eine Klimapolitik verfolgt, die diesen Namen nicht verdient. Auch der letzte große Auftritt der Kanzlerin ist eine absolute EnttĂ€uschung. Lesen Sie den ganzen Kommentar aus Glasgow hier.

Thunberg in Glasgow: "Wandel kommt nicht von da drinnen"

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat sich pessimistisch zur UN-Klimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow geĂ€ußert. "Wandel kommt nicht von da drinnen", sagte sie außerhalb des KonferenzgelĂ€ndes am Montag vor Demonstranten.

Den teilnehmenden Politikern warf sie vor, nur so zu tun, als lĂ€ge ihnen etwas an der Zukunft junger Menschen oder dem Schicksal von bereits heute vom Klimawandel Betroffenen. Das seien keine FĂŒhrungsqualitĂ€ten, so Thunberg weiter. "So sieht FĂŒhrung aus", rief sie und deutete auf die versammelten Aktivisten.

Indien verspricht erstmals KlimaneutralitÀt bis 2070

Indiens Premierminister Narendra Modi hat beim Weltklimagipfel in Glasgow erstmals ein Ziel fĂŒr die KlimaneutralitĂ€t seines Landes genannt: Bis 2070 will das bevölkerungsreiche Land nur noch so viel klimaschĂ€dliche Emissionen ausstoßen, wie etwa in Senken wie Ozeanen und WĂ€ldern aufgenommen werden können.

Das ist das obere Limit, das der Weltklimarat (IPCC) fĂŒr weltweite KlimaneutralitĂ€t angegeben hat, damit das Leben auf dem Planeten Erde noch lebenswert bleibt. Viele LĂ€nder streben – so wie die EU – KlimaneutralitĂ€t bis 2050 an, China hat 2060 ins Auge gefasst.

Biden entschuldigt sich fĂŒr Trumps RĂŒckzug aus Klimaabkommen

US-PrĂ€sident Joe Biden hat um Entschuldigung fĂŒr den RĂŒckzug seines VorgĂ€ngers Donald Trump aus dem Pariser Klimaschutzabkommen gebeten. "Ich entschuldige mich fĂŒr die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten unter der letzten Regierung aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen sind", sagte Biden in Glasgow. Die USA wĂŒrden ihren Teil zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Biden verwies darauf, dass er an seinem ersten Tag als PrĂ€sident am 20. Januar die RĂŒckkehr zum Klimaabkommen von Paris einleitete.

Biden hat den Kampf gegen den Klimawandel zu einem seiner wichtigsten Ziele erklĂ€rt. Der Demokrat sieht in der Klimakrise eine existenzielle Bedrohung fĂŒr die Menschheit. Das ist ein deutlicher Kontrast zu seinem republikanischen VorgĂ€nger: Trump hatte daran gezweifelt, ob der Klimawandel menschengemacht ist – solche Zweifel sind wissenschaftlich klar widerlegt.

Boris Johnson: COP26 muss Bombe des Klimawandels entschÀrfen

Der britische Premierminister Boris Johnson hat als Gastgeber des Klimagipfels COP26 die Weltgemeinschaft auf schnelles und ehrgeiziges Handeln gegen die drohende Klimakatastrophe eingeschworen. Das Treffen mĂŒsse "diese Bombe" entschĂ€rfen und "der Anfang vom Ende" des zerstörerischen Klimawandels werden, sagte Johnson zu Beginn der feierlichen Eröffnungszeremonie am Montag in Glasgow. "COP26 kann und darf nicht das Ende der Geschichte sein." Man habe mit dem Pariser Klimaabkommen ein Rettungsboot geschaffen, dem man nun einen Schubs in die Richtung einer grĂŒneren, saubereren Zukunft geben mĂŒsse.

Boris Johnson: "Es ist eine Minute vor Mitternacht auf der Uhr des Weltuntergangs."
Boris Johnson: "Es ist eine Minute vor Mitternacht auf der Uhr des Weltuntergangs." (Quelle: Yves Herman/Reuters-bilder)

"Es ist eine Minute vor Mitternacht auf der Uhr des Weltuntergangs", sagte Johnson. "Wir fĂŒhlen uns vielleicht nicht wie James Bond und sehen vielleicht auch nicht so aus." Aber mit Blick auf den Film-Geheimagenten und die Gefahr der Erderhitzung sagte er: "Lasst uns diese Bombe entschĂ€rfen." Man habe nun die einmalige Chance, das Ruder herumzureißen und dafĂŒr zu sorgen, dass kommende Generationen die heutigen MĂ€chtigen nicht verurteilen wĂŒrden, sagte der Premier zu seinen Amtskolleginnen und -kollegen.

UN-Chef Guterres: "Wir graben uns unser eigenes Grab"

Die von den Staaten weltweit versprochenen Anstrengungen beim Klimaschutz reichen nach Worten von UN-GeneralsekretĂ€r Antonio Guterres hinten und vorne nicht aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Er rief die Regierungsvertreter auf der Weltklimakonferenz am Montag in Glasgow auf, mehr zu tun. "Wir graben unser eigenes Grab", warnte Guterres bei der feierlichen Auftaktveranstaltung mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs. Regierungen mĂŒssten Subventionen fĂŒr fossile Brennstoffe beenden, aus der Kohle aussteigen und einen Preis fĂŒr sĂ€mtliche Emissionen festlegen, verlangte er.

"Es ist an der Zeit, zu sagen: Genug", sagte Guterres. "Genug brutale Angriffe auf die Artenvielfalt. Genug Selbstzerstörung durch Kohlenstoff. Genug davon, dass die Natur wie eine Toilette behandelt wird. Genug BrĂ€nde, Bohrungen und Bergbau in immer tiefere Lagen." Guterres Ă€ußerte Zweifel an den Klimaschutzversprechen mancher Staaten. Selbst, wenn alle tatsĂ€chlich eingehalten wĂŒrden, steige die ErwĂ€rmung zur Jahrhundertwende auf 2,7 Grad ĂŒber vorindustriellem Niveau.

Erdoğan sagt Teilnahme kurzfristig ab

Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdoğan hat Regierungskreisen zufolge seine Teilnahme an der Weltklimakonferenz in Glasgow kurzfristig abgesagt. Grund sei, dass Großbritannien den Forderungen Ankaras nach Sicherheitsvorkehrungen nicht nachgekommen sei, heißt es in den tĂŒrkischen Regierungskreisen. Neben protokollarischen Problemen seien unter anderem auch die Forderungen bezĂŒglich der Anzahl der Sicherheitsfahrzeuge nicht erfĂŒllt worden.

Erdoğan kehrte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge vom G20-Gipfel in Rom direkt wieder zurĂŒck in die TĂŒrkei, anstatt zum Klimagipfel zu reisen. Die tĂŒrkische Regierung nannte keinen Grund fĂŒr seine außerplanmĂ€ĂŸige RĂŒckkehr. Das tĂŒrkische Parlament hatte im vergangenen Monat als letztes G20-Land das Pariser Klimaabkommen ratifiziert.

Chinas PrÀsident will Statement schreiben

Chinas PrĂ€sident Xi Jinping wird auf dem UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow voraussichtlich weder persönlich sprechen noch sich per Video zuschalten. Wie aus der am Montag abrufbaren Version der offiziellen Rednerliste hervorging, soll stattdessen ein schriftliches Statement von Xi Jinping auf der Website des Gipfels veröffentlicht werden. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wollte dies zunĂ€chst nicht bestĂ€tigten. Genau wie sein russischer Amtskollege Wladimir Putin war Xi Jinping bereits am Wochenende nicht zum G20-Gipfel der fĂŒhrenden WirtschaftsmĂ€chte nach Rom gereist. Dort waren beide per Video zugeschaltet. Kein Land produziert eine so große Menge klimaschĂ€dlicher Treibhausgase wie China.

Von der Leyen: "Mut zur Wahrheit"

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat zu Beginn der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow von einem "Moment der Wahrheit" gesprochen. Das globale Rennen fĂŒr KlimaneutralitĂ€t bis Mitte des Jahrhunderts sei eröffnet, schrieb die Politikerin am Montag auf Twitter. Europa habe sich dazu verpflichtet, als erster Kontinent in der Welt klimaneutral zu sein und sich fĂŒr einen ehrgeizigeren Klimaschutz mit seinen Partnern zusammenzutun. "COP26 ist ein Moment der Wahrheit fĂŒr unsere PlĂ€ne, den Klimawandel zu stoppen", schrieb von der Leyen.

Aus Glasgow berichtet: Erst ab heute geht es richtig rund

In Schottland ist der erste Morgen der Weltklimakonferenz angebrochen. Zwar ist der offizielle Startschuss schon gestern Nachmittag gefallen, doch die Aufmerksamkeit gilt erst jetzt so richtig dem Klimagipfel. Der Grund: Rund 130 Staats- und Regierungschefs werden heute in Glasgow erwartet, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Politelite soll der Konferenz den nötigen Anschub geben, sie sollen zeigen, wie ernst es ihren Staaten mit dem Klimaschutz ist. Oder eben nicht: Chinas PrĂ€sident Xi Jinping reist nicht nach Großbritannien. Er wird sich nur per Video zuschalten.

Auch das ist ein Zeichen – immerhin ist China das Land, das jĂ€hrlich die meisten CO2-Emissionen weltweit ausstĂ¶ĂŸt. Rechnet man den Treibhausgasausstoß allerdings auf die BevölkerungsgrĂ¶ĂŸe um, sieht es schon ganz anders aus. Pro Einwohnerin und Einwohner gemessen, stießen Kanada, die USA und Australien zuletzt bei weitem mehr Treibhausgase aus als China. Das gilt ebenso fĂŒr Deutschland.

Auch deshalb ist wichtig, wie Bundeskanzlerin Merkel heute Nachmittag in Glasgow auftritt. Unterstreicht sie in ihrer Rede noch einmal verstĂ€rkt die deutsche Verantwortung beim internationalen Klimaschutz? Gibt sie der neuen Regierung eine Steilvorlage fĂŒr ambitioniertere Klimapolitik? Oder lĂ€sst sie das Thema nun zum Ende ihrer Amtszeit mit lĂ€ngst bekannten WorthĂŒlsen ausplĂ€tschern? Verfolgen Sie die Rede der Kanzlerin ab 15 Uhr live bei t-online.

Unsere Nachhaltigkeitsredakteurin Theresa Crysmann berichtet wĂ€hrend der Weltklimakonferenz fĂŒr Sie vor Ort aus Glasgow.

Experte: "Welt verweigert sich Kampf gegen Klimawandel"

Der renommierte deutsche Klimaexperte Mojib Latif hegt keine Hoffnungen auf ein positives Ergebnis der aktuellen Weltklimakonferenz in Glasgow. "Wir dĂŒrfen ja nicht vergessen, das ist die 26. Weltklimakonferenz. Die sitzen seit ĂŒber einem Vierteljahrhundert zusammen und haben wirklich nichts geschaffen", sagte der Kieler Wissenschaftler am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Treibhausgasemissionen stiegen weiter. Er erwarte daher nichts.

Es werde in Glasgow am Ende "wieder schöne Worte geben, aber an konkreten Maßnahmen wird nichts beschlossen werden", fĂŒgte Latif an. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Ergebnisse des jĂŒngst zu Ende gegangenen G20-Gipfels in Rom, auf dem sich die 20 fĂŒhrenden IndustrielĂ€nder ebenfalls bereits mit dem Thema Klima befassten. "Ich habe das GefĂŒhl, dass sich die Welt dem Kampf gegen den Klimawandel einfach verweigert", sagte der Experte.

Braunkohlekraftwerk in Baden-WĂŒrttemberg: Die Energiewende verlĂ€uft schleppend.
Braunkohlekraftwerk in Baden-WĂŒrttemberg: Die Energiewende verlĂ€uft schleppend. (Quelle: Shotshop/imago-images-bilder)

Zugleich rief er Deutschland, die EU und die USA unter dem neuen PrĂ€sidenten Joe Biden dazu auf, beim Klimaschutz trotzdem eine "Allianz der Willigen" zu bilden und "voranzugehen". Wenn andere nicht mitmachten, dann "kann man es nicht Ă€ndern". Es gehe beim Thema Klimaschutz aber eben auch um die Sicherung des eigenen kĂŒnftigen Wohlstands durch Schaffung gut bezahlter ArbeitsplĂ€tze.

"Es ist ja auch in unserem ureigenen wirtschaftlichen Interesse, das darf man ja nicht vergessen", sagte Latif. LĂ€nder wie Deutschland könnten zudem zeigen, dass Klimaschutz funktioniere und damit ein wichtiges "Signal" senden. DafĂŒr mĂŒsse auch Deutschland mehr tun – etwa durch einen schnelleren Kohleausstieg, einen Ausstieg aus der Nutzung des Verbrennungsmotors und eine MobilitĂ€ts- und Agrarwende.

Johnson knĂŒpft Klima-Investitionen an Wirtschaftswachstum

"FĂŒr die Menschheit ist die Uhr beim Klimawandel schon lange abgelaufen. Es ist eine Minute vor Mitternacht und wir mĂŒssen jetzt handeln", heißt es in Johnsons Eröffnungsrede, die sein BĂŒro am Sonntag vorab veröffentlichte. "Wenn wir heute nicht ernsthaft gegen den Klimawandel vorgehen, wird es fĂŒr unsere Kinder morgen zu spĂ€t sein."

Der britische Premierminister Boris Johnson macht angekĂŒndigte Investitionen in den Klimaschutz davon abhĂ€ngig, dass die Wirtschaft seines Landes wĂ€chst wie erwartet. Großbritannien wolle bis 2025 eine Milliarde Pfund (rund 1,18 Mrd. Euro) mehr in die Finanzierung von Klimamaßnahmen stecken, kĂŒndigte Johnson zum Auftakt des Weltklimagipfels COP26 in Glasgow an. Das gilt aber nur fĂŒr den Fall, dass die Konjunktur wie prognostiziert zulegt. Bislang hatte Großbritannien vorgesehen, zwischen 2021 und 2026 insgesamt 11,6 Milliarden Pfund fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder im Kampf gegen die Klimakrise locker zu machen.

Boris Johnson beim G20-Gipfel in Italien: NĂ€chster Stop ist Glasgow.
Boris Johnson beim G20-Gipfel in Italien: NĂ€chster Stop ist Glasgow. (Quelle: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa-bilder)

Die nun angekĂŒndigte zusĂ€tzliche Milliarde soll aus dem Topf fĂŒr internationale Entwicklungshilfe kommen, fĂŒr den im Haushaltsjahr 2024/25 – im Fall einer sich entsprechend erholenden Wirtschaft – wieder 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vorgesehen sind.

Die britische Regierung hatte diesen Topf wegen der wirtschaftlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie fĂŒr die nĂ€chsten Jahre auf 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung gekĂŒrzt und dafĂŒr massive Kritik von humanitĂ€ren Organisationen, aber auch von Abgeordneten aus den eigenen Reihen erhalten.

Die Klimafinanzierung ist ein besonders strittiges Thema bei den Verhandlungen in Glasgow: Bereits einige Tage vor Beginn der COP26 hatten die Industriestaaten eingerĂ€umt, das Ziel von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr fĂŒr weniger entwickelte Staaten erst 2023 erstmalig zu erreichen – und damit drei Jahre spĂ€ter als geplant.

Prognose: 2021 unter den sieben heißesten Jahren

Das Jahr 2021 war zwar nach vorlĂ€ufigen Messungen nicht ganz so heiß wie die vergangenen drei Jahre, aber am langjĂ€hrigen Trend deutlicher ErwĂ€rmung Ă€ndert das nichts.

Das Jahr dĂŒrfte zu den sieben wĂ€rmsten der jĂŒngeren Geschichte gehören, alle seit 2015, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) zum Auftakt der Weltklimakonferenz am Sonntag in Glasgow.

In diesem Jahr hatte das alle paar Jahre auftretende WetterphĂ€nomen La Niña anfangs einen AbkĂŒhlungseffekt. Auf Basis der Messungen bis Ende September geht die WMO in diesem Jahr von einer globalen Durchschnittstemperatur von 1,09 Grad ĂŒber dem Niveau von 1850 bis 1900 aus. Das bislang wĂ€rmste Jahr war 2016, mit plus 1,2 Grad. Auch 2019 und 2020 lagen in der GrĂ¶ĂŸenordnung. Die Unterschiede zwischen den drei Jahren waren so minimal, dass eine Rangordnung nicht möglich ist. Die WMO errechnet immer einen Durchschnitt der Daten von Messstationen aus aller Welt.

Der Anstieg des Meeresspiegel beschleunigt sich nach dem Bericht seit 2013 und hat in diesem Jahr ein neues Hoch erreicht. Zwischen 1993 und 2002 betrug der jĂ€hrliche Anstieg 2,1 Millimeter, zwischen 2013 und 2021 4,4 Millimeter. Der Meeresspiegelanstieg geht zurĂŒck auf Eisschmelze und die Ausdehnung des Salzwassers durch ErwĂ€rmung.

Ärzte fordern bessere Krankenhausfinanzierung

Klimawandel und kĂŒnftige Hitzesommer in Deutschland dĂŒrften nach EinschĂ€tzung von Medizinern viele Krankheiten dramatisch verschĂ€rften. Daher mĂŒssten Bund und LĂ€nder die Krankenhausfinanzierung verbessern, forderte Martina Wenker, Beauftragte der BundesĂ€rztekammer fĂŒr Umweltmedizin und PrĂ€sidentin der Ärztekammer Niedersachsen, in Hannover. "Handeln ist das Gebot der Stunde", betonte die 63-JĂ€hrige. "Die LĂ€nder mĂŒssen bei zukĂŒnftigen Krankenhausbauten mit berĂŒcksichtigen, dass es dort genug gekĂŒhlte RĂ€ume gibt." KĂŒnftig drohten nicht nur tropische Krankheiten wie Malaria, grĂ¶ĂŸere Gefahr gehe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

"Hitze bedeutet fĂŒr viele Menschen, dass ihre Medikamente nicht mehr vernĂŒnftig wirken oder unerwĂŒnschte Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Medikamente fĂŒr Blutdruck oder bei Herz-Rhythmus-Störungen und Diabetes – hĂ€ufige Medikamente, die viele Menschen nehmen", erklĂ€rte Wenker. Betroffen seien demnach etwa Patienten mit Bluthochdruck, Übergewicht, Zuckerkrankheit und Bronchitis. "Diese großen Volkskrankheiten betreffen fast jeden zweiten Erwachsenen." Darauf sei das Gesundheitssystem nicht eingerichtet.

Umweltministerin: Deutschland ist BrĂŒckenbauer

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sieht Deutschland bei der Weltklimakonferenz in Glasgow als BrĂŒckenbauer in der Klimapolitik. Schulze sagte der DĂŒsseldorfer "Rheinischen Post" (Montagausgabe): "Wir haben die Expertise, die Erfahrung und die Vertrauensbasis, die Fortschritte auf solchen Konferenzen möglich machen." Deutschland könne anderen LĂ€ndern im Kampf gegen den Klimawandel helfen - finanziell, aber auch mit Erfahrungen.

Klimakonferenz in Glasgow startet mit Verzögerung

Mit etwas Verzögerung hat die Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow nun offiziell begonnen. Unter dem Vorsitz von Großbritannien verhandeln ab Sonntag Regierungsvertreter aus rund 200 Staaten zwei Wochen lang ĂŒber eine ambitioniertere globale Klimapolitik. Ausrichter der Veranstaltung sind die Vereinten Nationen. Die offizielle Eröffnungszeremonie, deren Beginn sich um etwa eine Stunde verzögerte, begann mit einer Schweigeminute fĂŒr die Opfer der Corona-Pandemie.

"In Glasgow kann und muss die Weltgemeinschaft die noch offenen Fragen zu den Regeln der internationalen Zusammenarbeit beim Klimaschutz abschließend klĂ€ren", sagte die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Auftakt der Konferenz. Jetzt mĂŒsse es darum gehen, einen Schwerpunkt auf die konkrete Umsetzung der Klimaziele zu legen. "Das ist dringend nötig: Die Welt ist noch lange nicht auf 1,5 Grad-Kurs", sagte Schulze. Gemeint ist das oberste Ziel der Vertragsstaaten, die Erderhitzung möglichst unter 1,5 Grad gegenĂŒber der vorindustriellen Zeit zu halten. Darauf hatten sich die Staaten bei der entscheidenden Weltklimakonferenz in Paris vor sechs Jahren verbindlich verstĂ€ndigt.

Bis zum 12. November wollen die Staatenvertreter miteinander verhandeln. Es reisen voraussichtlich etwa 25.000 Menschen an, darunter Tausende Journalisten und Klimaschutzaktivisten. Zentrale Themen sind der Handel zwischen den Staaten bei der Reduktion von Treibhausgasen sowie die Finanzierung von SchÀden und Verlusten durch die ErderwÀrmung vor allem in Àrmeren LÀndern. Der britische Premierminister Boris Johnson erklÀrte am Morgen, er hoffe auf eine "AtmosphÀre der Verantwortung und Ambition", um das Pariser Ziel am Leben zu halten.

Aktivistin Neubauer: "So kann das nicht weiter gehen"

Vor dem Start der Weltklimakonferenz in Glasgow an diesem Sonntag fordert die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer deutlich mehr Tempo und Ehrgeiz im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe. Keine der reichen Industrienationen, auch Deutschland nicht, halte sich gerade an seine Zusagen zum Klimaschutz, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Sie alle rauben dem globalen SĂŒden und den jungen Generationen wissentlich ihre Perspektiven. Wo sind die Regierungen, die diesen Betrug beenden?", fragte die 25-JĂ€hrige von der Umweltbewegung Fridays For Future.

Luisa Neubauer spricht bei einer Kundgebung in Berlin (Archivbild): Die Aktivistin fordert mehr BemĂŒhungen bei der BewĂ€ltigung der Klimakrise.
Luisa Neubauer spricht bei einer Kundgebung in Berlin (Archivbild): Die Aktivistin fordert mehr BemĂŒhungen bei der BewĂ€ltigung der Klimakrise. (Quelle: Philipp Znidar/dpa-bilder)

Seit dem als historisch gefeierten Klimaschutz-Abkommen von Paris im Jahr 2015 seien sechs Jahre vergangen – und die Emissionen klimaschĂ€dlicher Treibhausgase heute höher denn je, prangerte sie an. "So kann das nicht weitergehen. Diese Konferenz muss der Moment sein, in dem dieser Trend umgekehrt wird." Die Aktivistin, die auch GrĂŒnen-Mitglied ist, kĂŒndigte an, mit hunderten Mitstreiterinnen und Mitstreitern von Fridays for Future und anderen Bewegungen nach Glasgow zu reisen, "um Verantwortung fĂŒr echten Wandel einzufordern".

Prinz Charles erinnert G20-Staaten an Verantwortung fĂŒr Jugend

Prinz Charles will die G20-Staaten in Rom an ihre Verantwortung gegenĂŒber nachfolgenden Generationen erinnern. "Es ist unmöglich, die verzweifelten Stimmen junger Menschen nicht zu hören, die Sie als Verwalter des Planeten sehen, wĂ€hrend Sie ihre Zukunft in den HĂ€nden halten", wie aus dem Manuskript seiner Rede hervorgeht, die der britische Thronfolger anlĂ€sslich des Gipfeltreffens der 20 wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€ndern (G20) in Rom halten will. Sie ist laut G20-Programm fĂŒr Sonntagvormittag auf einer Veranstaltung zur Rolle des privaten Sektors im Kampf gegen den Klimawandel geplant.

Die Staats- und Regierungschefs haben Prinz Charles zufolge noch ungeborenen Generationen gegenĂŒber eine "ĂŒberwĂ€ltigende Verantwortung", hieß es vorab aus seiner Residenz Clarence House. Der Prince of Wales sehe jedoch, dass sich beim Thema Klimawandel die Haltung Ă€ndere.

Ärzte warnen vor gesundheitlichen Folgen der Klimakrise

Die deutsche Ärzteschaft hat zum Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow dazu aufgerufen, gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels stĂ€rker in den Blick zu nehmen. Auch in Deutschland seien immer hĂ€ufiger "Extremwetterereignisse" wie Starkregen und Hitzewellen zu erleben, sagte der PrĂ€sident der BundesĂ€rztekammer, Klaus Reinhardt, der Deutschen Presse-Agentur.

Er verwies etwa auf die Folgen der Hochwasserkatastrophe im Sommer, bei der in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mehr als 180 Menschen starben. "Aber auch Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen können schwerwiegende Folgen fĂŒr die menschliche Gesundheit haben." Dazu zĂ€hlten Hitzschlag, Herzinfarkt und akutes Nierenversagen wegen FlĂŒssigkeitsmangels. Am stĂ€rksten gefĂ€hrdet seien Ältere, SĂ€uglinge, Patienten mit chronischen Erkrankungen sowie Menschen, die schwere körperliche Arbeit im Freien verrichteten.

G20-Staaten finden keine Klima-Einigung

Beim Treffen der wichtigsten Industrienationen konnte man sich nicht auf konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz einigen. Die BemĂŒhungen um ein starkes Signal des G20-Gipfels vor dem Weltklimatreffen in Glasgow könnten daran scheitern. Die Gruppe der großen WirtschaftsmĂ€chte (G20) kann sich auf ihrem Gipfel in Rom offenbar nicht auf konkrete Ziele zum Klimaschutz einigen. Aus dem jĂŒngsten Entwurf des AbschlusskommuniquĂ©s, der am Samstag der Deutschen Presse-Agentur vorlag, sind ursprĂŒnglich beabsichtigte Zielvorgaben und Zusagen wieder gestrichen worden. Lesen Sie mehr dazu hier.

Baerbock dringt auf ehrgeizige BeschlĂŒsse in Glasgow

GrĂŒnen-Chefin Annalena Baerbock dringt auf ehrgeizige BeschlĂŒsse auf der bevorstehenden UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow. Es sei wichtig, "dass jetzt wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um diese ErderwĂ€rmung in den Griff zu bekommen", sagte Baerbock am Freitag den Sendern RTL und ntv. "Es zĂ€hlt jedes Zehntel Grad", hob sie hervor.

Baerbock wies darauf hin, dass die Folgen des Klimawandels in Form von Hitzewellen, BrĂ€nden und Starkregen bereits jetzt ĂŒberall auf der Welt zu sehen seien. Maßnahmen, um die ErderwĂ€rmung gemĂ€ĂŸ dem Pariser Klimaschutzabkommen auf 1,5 Grad zu begrenzen, seien zwar eine "Riesen-Kraftanstrengung", rĂ€umte sie ein, aber notwendig.

Hierbei spiele Deutschland "eine große Rolle", hob die GrĂŒnen-Vorsitzende weiter hervor. Es brauche einen "Technologiesprung mit Blick auf eine klimaneutrale Industrie", diesen Prozess mĂŒsse die angestrebte Ampel-Regierung unterstĂŒtzen. Der Klimaschutz dĂŒrfte dabei "nicht nur eine Aufgabe der GrĂŒnen" sein, "sondern der gesamten neuen Bundesregierung". Der SPD-Politiker Olaf Scholz mĂŒsse, wie von ihm im Wahlkampf angekĂŒndigt, "zum Klimakanzler werden".

Als vorrangiges Ziel nannte Baerbock, dass "wir jetzt in großen Schritten aus der fossilen AbhĂ€ngigkeit aussteigen". Der Ausbau von erneuerbaren Energien sei dabei auch "ein weiterer Schritt in Richtung UnabhĂ€ngigkeit und niedrigere Energiepreise fĂŒr den Verbraucher".

Erste Proteste vor Klimakonferenz in Glasgow

Vor Beginn des Klimagipfels COP26 in Glasgow ist es in der schottischen Großstadt zu ersten Protesten gekommen. Mitglieder von Ocean Rebellion legten sich am Samstag als "tote Meermenschen" halb nackt nahe des Flusses Clyde unter Fischernetze, um auf Gefahren von Meeresbewohnern wie Delfinen, Haien und Walen aufmerksam zu machen.

Am Samstag sollten zudem Tausende Aktivistinnen und Aktivisten ankommen, die zu Fuß nach Glasgow kommen, darunter auch aus Deutschland. Eine spanische Gruppe war mit der FĂ€hre ins sĂŒdenglische Portsmouth gefahren und von dort 30 Tage durch Großbritannien gewandert. Im Stadtzentrum war eine "Eröffnungszeremonie" der Gruppe Extinction Rebellion geplant.

"Cop26 muss ein wachsendes Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch wohlhabende Regierungen beenden, bei dem der globale SĂŒden geopfert wird, um die Hauptlast des wohlhabenden, kohlenstoffintensiven Lebensstils des globalen Nordens zu tragen", sagte Alex Cochrane von Extinction Rebellion. Die Gruppe plant ebenso wie viele andere Organisationen mehrere gewaltlose Proteste wĂ€hrend des zweiwöchigen Gipfels, der an diesem Sonntag offiziell eröffnet wird. Etwa 200 Staaten wollen in Glasgow darĂŒber verhandeln, wie die ErderwĂ€rmung gestoppt werden kann. Etwa 7000 Polizisten sind im Einsatz.

BDI warnt vor AlleingÀngen bei Klimakrise

Der PrĂ€sident des Industrieverbands (BDI), Siegfried Russwurm, hat vor einem Scheitern des UN-Klimagipfels gewarnt. "Ein globales Problem wie der Klimawandel lĂ€sst sich nur global lösen", sagte Russwurm den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagausgaben). Nationale AlleingĂ€nge seien kontraproduktiv und die Industrie in Sorge, dass auf der Weltklimakonferenz in Glasgow der dringend notwendige globale große Wurf fĂŒr den Klimaschutz erneut nicht gelinge. "Es ist gefĂ€hrlich und schadet dem Klima, wenn die Unterschiede im Ehrgeiz fĂŒr Klimaschutz zunehmen", so der BDI-PrĂ€sident.

G20 bekennen sich zu Klimaziel "in Reichweite" von 1,5 Grad

Die wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€ndern wollen sich auf dem G20-Gipfel in Rom zu ehrgeizigeren Klimazielen bekennen als bisher. "Wir erkennen an, dass die Auswirkungen des Klimawandels bei 1,5 Grad viel geringer sind als bei zwei Grad und dass sofortige Maßnahmen ergriffen werden mĂŒssen, um 1,5 Grad in Reichweite zu halten", heißt es in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf der GipfelerklĂ€rung. "Wir verpflichten uns, die existenzielle Herausforderung des Klimawandels zu bewĂ€ltigen".

Allerdings gilt weiter als strittig, bis zu welchem Jahr die LĂ€nder KlimaneutralitĂ€t erreicht haben wollen. Dabei gehen die Meinungen bei so unterschiedlichen G20-LĂ€ndern wie Japan, China, Saudi-Arabien und den EU-Staaten weit auseinander. Auch der Hinweis in der ErklĂ€rung, dass die G20-Staaten fĂŒr mindestens 75 Prozent der Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich sind, gilt noch als strittig.

US-PrÀsident Biden und seine Ehefrau Jill Biden steigen in den Flieger nach Rom: In Italien treffen sich am Samstag und Sonntag die G20-Staaten.
US-PrÀsident Biden und seine Ehefrau Jill Biden steigen in den Flieger nach Rom: In Italien treffen sich am Samstag und Sonntag die G20-Staaten. (Quelle: Gemunu Amarasinghe/AP/dpa)

Zuvor hatte es etwa in der Bundesregierung geheißen, dass von Rom ein Signal fĂŒr ehrgeizige Klimaziele ausgehen solle, man aber wegen der folgenden Weltklimakonferenz in Glasgow keine weitreichende BeschlĂŒsse erwarte. Ölproduzenten-LĂ€nder wie Saudi-Arabien galten zudem bei den G20 als Bremser.

Indien sieht sich in Glasgow als "Stimme der EntwicklungslÀnder"

Indien will bei der kommenden Weltklimakonferenz COP26 die "Rolle der Stimme der EntwicklungslĂ€nder ausfĂŒllen". Umweltminister Bhupender Yadav sagte am Mittwoch in einer Runde mit Journalisten, Indien wolle sich insbesondere fĂŒr "Klimagerechtigkeit" einsetzen. Ein hoher Beamter seines Ministeriums ergĂ€nzte, ohne Finanzmittel fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder werde es "extrem schwierig, eine grĂŒne Entwicklung auf unsere eigenen Kosten zu erreichen".

Indien ist der drittgrĂ¶ĂŸte Verursacher von Treibhausgasen weltweit. COP26-Gastgeber Großbritannien macht Druck, dass das Land bis zum Beginn der Konferenz am Sonntag neue Maßnahmen zur EindĂ€mmung des Klimawandels vorlegt. Indien spielt dabei auf Zeit und weist auf die ungleich höheren Pro-Kopf-Emissionen der großen IndustrielĂ€nder hin.

Nach Angaben des Umweltministeriums produziert jeder Inder etwa 1,9 Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, gegenĂŒber 7,1 Tonnen fĂŒr den DurchschnittsbĂŒrger der EuropĂ€ischen Union, 8,4 Tonnen fĂŒr einen Chinesen und 18 Tonnen fĂŒr den durchschnittlichen US-BĂŒrger. Yadav sagte, die Sicherstellung der Finanzierung der weltweiten Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs werde eine der wichtigsten Aufgaben bei der Weltklimakonferenz sein.

Umweltminister Willingmann will Artenprogramm ĂŒberarbeiten

Zum Schutz der LebensrĂ€ume heimischer Tiere und Pflanzen unterstĂŒtzt das Umweltministerium in diesem Jahr 91 Projekte mit rund 4,6 Millionen Euro. Dies erklĂ€rte Umweltminister Armin Willingmann (SPD) am Donnerstag in einer Pressemitteilung. So werden im Drömling beispielsweise die Brutgebiete von Vögeln, die Eier in Wiesen legen, vor dem WaschbĂ€r mit ZĂ€unen geschĂŒtzt. Und im Kalksteintagebau Förderstedt entsteht eine 150 Meter lange Uferschwalben-Wand. An der Selke werden schĂ€dliche Pflanzenarten wie RiesenbĂ€renklau bekĂ€mpft, damit die heimischen Arten ihren Lebensraum behalten können.

Willingmann kĂŒndigte an, das Programm der sogenannten Arten-Sofortförderung in den kommenden Jahren zu ĂŒberarbeiten. FĂŒr den Landeshaushalt 2022 hat sein Haus rund 4,5 Millionen Euro fĂŒr die Artensofortförderung angemeldet.

UN-Menschenrechtskommissarin: Schluss mit leeren Reden

Die UN-Hochkommissarin fĂŒr Menschenrechte, Michelle Bachelet, hat die Teilnehmer der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow zu konkretem Handeln aufgefordert. "Es ist an der Zeit, leere Reden, nicht gehaltene Versprechen und unerfĂŒllte Zusagen hinter uns zu lassen", teilte sie drei Tage vor Beginn der Konferenz am Donnerstag in Genf mit. "Wir brauchen Gesetze, die erlassen werden, Programme, die auch umgesetzt werden und Investitionen, die schnell und umfassend finanziert werden – alles ohne weitere Verzögerungen."

Nur so könnten Natur- und Umweltkatastrophen abgewendet oder zumindest die Folgen abgemindert werden. Es mĂŒsse vor allem denjenigen geholfen werden, die von den Folgen des Klimawandels am meisten betroffen seien, oft arme und ausgegrenzte Menschen. "Dies ist eine menschenrechtliche Verpflichtung", teilte Bachelet mit.

Großbritannien will Abgaben auf innerbritische FlĂŒge senken

Um die heimische Wirtschaft anzukurbeln, senkt die britische Regierung die Abgaben fĂŒr innerbritische FlĂŒge. "Derzeit zahlen die Menschen mehr fĂŒr Hin- und RĂŒckflĂŒge zwischen den vier Landesteilen als fĂŒr HeimflĂŒge aus dem Ausland", sagte Finanzminister Rishi Sunak bei der Vorstellung des Haushalts in London.

Wenige Tage vor Beginn der Klimakonferenz COP26 in Glasgow kĂŒndigte er an, von April 2023 an die Passagierabgabe fĂŒr diese Verbindungen zu reduzieren. Zugleich sollen die Kosten fĂŒr sehr weite FernflĂŒge ab 5.500 Meilen (8.850 Kilometer) steigen. "Weniger als 5 Prozent der Passagiere werden weniger zahlen, aber diejenigen, die am weitesten fliegen, werden mehr zahlen", sagte Sunak im Parlament. Der Minister sagte, die Regierung trage damit zur Reduzierung der Emissionen bei. "Die meisten Emissionen stammen aus internationalen und nicht aus innerbritischen FlĂŒgen", behauptete Sunak.

Von der Änderung sollen neun Millionen Passagiere sowie die RegionalflughĂ€fen profitieren. Das Vorhaben gilt auch als Versuch, die Bande zwischen den einzelnen Landesteilen des Vereinigten Königreichs zu stĂ€rken. Vor allem in Schottland wurden seit dem Brexit die Rufe nach einer Loslösung von London wieder lauter. Die Opposition kritisierte die AnkĂŒndigung. "Wenigstens die Champagner schlĂŒrfenden Banker auf KurzstreckenflĂŒgen werden diesen Haushalt bejubeln", sagte die Finanzexpertin der Labour-Partei, Rachel Reeves.

Schulze reist erst spÀter zur Weltklimakonferenz

Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wird wegen der KoalitionsgesprĂ€che zur Bildung einer kĂŒnftigen Ampelregierung erst spĂ€ter als geplant zur Weltklimakonferenz nach Glasgow reisen. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach wird Schulze voraussichtlich erst nach dem 10. November vor Ort an den internationalen Klimaverhandlungen der COP26 teilnehmen können. Davor werde sie der UN-Konferenz aber digital beiwohnen, erklĂ€rte der Sprecher weiter.

Bei der Weltklimakonferenz, die an diesem Sonntag im schottischen Glasgow als physische und digitale Veranstaltung beginnt, kommen Vertreter aus fast 200 Nationen zusammen, um ĂŒber ambitioniertere Rahmenbedingungen fĂŒr den globalen Klimaschutz zu verhandeln.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Die Welt ist noch lange nicht auf 1,5 Grad-Kurs".
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Die Welt ist noch lange nicht auf 1,5 Grad-Kurs". (Quelle: Mike Schmidt/imago-images-bilder)

Schulze ist in die derzeit laufenden KoalitionsgesprĂ€che zwischen SPD, GrĂŒnen und FDP eingebunden. Die noch amtierende Fachministerin ist Teil der Arbeitsgruppe "Klima, Energie, Transformation", die ab diesem Mittwoch in Berlin ihre Arbeit aufnimmt. Sie soll bis zum 10. November Ergebnisse fĂŒr einen kĂŒnftigen Koalitionsvertrag der drei Parteien erarbeiten. Auch die restlichen 21 Arbeitsgruppen beginnen in dieser Woche mit den vertraulichen Ampel-Verhandlungen auf Fachebene.

EU-Initiative fĂŒr mehr Umweltschutz in der Politik startet

Eine EuropĂ€ische BĂŒrgerinitiative fĂŒr mehr Umweltschutz in der Politik ist von der EU-Kommission offiziell registriert worden und kann nun mit dem Sammeln von Unterschriften beginnen. Ihr erklĂ€rtes Ziel: Die EU-Kommission soll per Gesetz sicherstellen, dass die Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung nationaler Maßnahmen auf den Umweltschutz achten.

Wenn es der Initiative mit dem Namen "Call to Action – Environmental protection in all policies" (Deutsch: Aufruf zum Handeln – Umweltschutz in allen Politikbereichen) gelingt, innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften vorzulegen, muss die Kommission reagieren. Dann muss sie begrĂŒnden, ob sie der Aufforderung nachkommt. Neben der Zahl von einer Million ist eine bestimmte Anzahl an Unterschriften in mindestens sieben Mitgliedstaaten notwendig.

Nach Ansicht der Initiatoren muss die EU-Kommission die LebensqualitĂ€t aller EuropĂ€er sichern, verbessern und gleichzeitig andere Arten sowie die Umwelt als Ganzes schĂŒtzen. Sie fordern ein Gesetz, das zu einem besseren VerstĂ€ndnis und einer besseren Einhaltung der Umweltschutzmaßnahmen in den EU-Mitgliedstaaten fĂŒhrt.

Baerbock wirbt fĂŒr europĂ€ische Lösungen beim Umbau der Industrie

Mit Blick auf anstehende Transformationsprozesse der Industrie in Deutschland hin zur KlimaneutralitĂ€t hat GrĂŒnen-Parteichefin Annalena Baerbock fĂŒr europĂ€ische Lösungen geworben. "Nichts anderes ist unser Anspruch: Europa als ersten klimaneutralen Kontinent in den nĂ€chsten Jahren zu gestalten und damit den Wohlstand und auch den Industriestandort Europa zu sichern", sagte Baerbock bei einem Kongress der Industriegewerkschaft IG BCE am Mittwoch in Hannover.

Wenn Europa nicht gemeinsam agiere, könne der Kontinent keine gemeinsame Schlagkraft entfalten. Dies sei aber notwendig, schließlich befinde sich Europa nicht in einer neutralen Welt. "China steht nicht nur im Industriewettbewerb, sondern auch im Systemwettbewerb mit uns EuropĂ€erinnen und EuropĂ€ern", sagte Baerbock. Die GrĂŒnen-Co-Chefin plĂ€dierte dafĂŒr, Europas Wettbewerbsregeln nicht nur im Binnenmarkt anzuwenden, sondern auch auf DrittlĂ€nder – etwa auslĂ€ndische Investoren, die Subventionsrichtlinien unterliefen.

Annalena Baerbock (GrĂŒne): Sie wirbt fĂŒr eine europĂ€ische Lösung.
Annalena Baerbock (GrĂŒne): Sie wirbt fĂŒr eine europĂ€ische Lösung. (Quelle: localpic/imago-images-bilder)

Beim "Green Deal" als neue Wachstumsstrategie fĂŒr die EU mĂŒsse Deutschland treibende Kraft werden. "Weil wir eben nicht nur alleine aus unserer nationalen Brille schauen können, was die anderen machen, sondern die Energiewende, die Chemiewende, die Automobilwende – all das gelingt nur gemeinsam europĂ€isch und daher mĂŒssen wir Europa endlich stĂ€rken", erklĂ€rte Baerbock.

Merkel ist zum Auftakt vor Ort

Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert zum Auftakt der UN-Klimaberatungen persönlich in Schottland erwartet. NĂ€here Informationen zur Teilnahme Merkels an der COP26 wĂŒrden noch nachgereicht, hieß es auf Nachfrage.

Angela Merkel: Die Kanzlerin wird nach Glasgow reisen.
Angela Merkel: Die Kanzlerin wird nach Glasgow reisen. (Quelle: Bernd Elmenthaler/imago-images-bilder)

Bedford-Strohm mahnt zu ergebnisoffener Debatte ĂŒber Klimaschutz

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mahnt zur gesellschaftlichen Debatte ĂŒber den Klimaschutz. "Bei Fragen wie dem Umgang mit dem Klimawandel muss ergebnisoffen diskutiert werden, wie wir unsere Wirtschaft und unseren Lebensstil so umstellen können, dass auch zukĂŒnftige Generationen gut leben können", erklĂ€rte der evangelische Landesbischof der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Dass wir nicht auf Kosten zukĂŒnftiger Generationen leben dĂŒrfen, ist aber gemeinsame christliche Überzeugung."

Wenige Investmentfonds kompatibel mit Pariser Klimaziel

Die wenigsten Investmentfonds sind einer aktuellen Analyse zufolge kompatibel mit dem Pariser Klimaziel einer maximalen ErderwĂ€rmung von deutlich unter zwei Grad. Zu diesem Ergebnis kommt das Carbon Disclosure Project mit Sitz in London in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht, fĂŒr den die Organisation mehr als 16.500 Fonds untersucht hat, das entspreche rund einem Drittel der weltweiten Fonds-Industrie. Weniger als 0,5 Prozent davon waren mit dem 2015 in Paris vereinbarten Klimaziel kompatibel.

Dabei legte das Carbon Discloure Project sogar nur das Ziel zugrunde, die ErderwĂ€rmung auf "deutlich unter zwei Grad" zu begrenzen – nicht das ambitioniertere 1,5 Grad-Ziel aus dem Pariser Abkommen. FĂŒr die Analyse haben die beteiligten Forscher ausgegebene Klimaziele der in den Fonds vertretenen Unternehmen ausgewertet sowie einfließen lassen, wie diese bislang umgesetzt wurde. Die untersuchten Investmentfonds haben ein gemeinsames Vermögen von 27 Billionen US-Dollar (rund 23 Billionen Euro).

Klima-Versprechen laut UN nicht ausreichend

Die Anstrengungen der Staatengemeinschaft reichen nach UN-Angaben bei Weitem nicht fĂŒr die ErfĂŒllung der Pariser Klimaziele aus. In einem am Dienstag vorgestellten Bericht wenige Tage vor der Klimakonferenz in Glasgow sehen die Vereinten Nationen eine große LĂŒcke zwischen nationalen AnkĂŒndigungen und den nötigen Handlungen, um die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Die neuesten Klima-Versprechen der LĂ€nder wĂŒrden den Berechnungen zufolge nur zu einer zusĂ€tzlichen Reduzierung der Treibhausgase um 7,5 Prozent im Jahr 2030 fĂŒhren. FĂŒr das 1,5-Grad-Ziel wĂŒrden allerdings 55 Prozent benötigt, fĂŒr eine Begrenzung auf 2 Grad noch immer 30 Prozent. Die Zahlen gehen zurĂŒck auf die die nationalen AktionsplĂ€ne zur BekĂ€mpfung des Klimawandels, die 120 LĂ€nder laut UN bis zum 30. September aktualisiert hatten.

Die Welt steuere nach wie vor auf eine ErderwĂ€rmung um 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu. Die Verpflichtungen zur KlimaneutralitĂ€t einiger LĂ€nder könnten bei voller Umsetzung 0,5 Grad ErderwĂ€rmung weniger bedeuten. Allerdings seien die AnkĂŒndigungen teilweise vage gehalten oder schwammig formuliert und mĂŒssten konkretisiert werden.

"Der Klimawandel ist kein Zukunftsproblem mehr. Es ist jetzt ein Problem", sagte die Chefin des UN-Umweltprogramms Unep, Inger Andersen. Um noch eine Chance auf das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels zu haben, mĂŒssten die Emissionen durch Treibhausgase in den kommenden acht Jahren fast halbiert werden. "Die Uhr tickt laut." Auch die Chefin des UN-Klimasekretariats, Patricia Espinosa, hatte sich am Montag Ă€hnlich geĂ€ußert: "Wir sind noch nicht einmal in der NĂ€he, wo die Wissenschaft sagt, dass wir sein sollten."

Schulze fordert ehrgeizigere Klimaschutz-Zusagen

Wenige Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow hat die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Staatengemeinschaft aufgerufen, sich höhere Klimaziele zu setzen. Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, sei es nötig, dass mehr Staaten ihre Ambitionen bei der Reduktion von Treibhausgasen hochschraubten, sagte Schulze am Dienstagabend in einer Videobotschaft zu einem Klima-Event der Vereinten Nationen. Die globalen klimaschĂ€dlichen Emissionen wĂŒrden weiterhin dramatisch steigen.

Die aktuellen PlÀne reichten lediglich, um die ErderwÀrmung deutlich unter drei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Es werde nicht leicht, die Temperatur, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart, deutlich unter zwei Grad zu halten, sagte die noch amtierende Ministerin. In Glasgow wolle man dem Versprechen von Paris "neues Leben einhauchen".

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Die Welt ist noch lange nicht auf 1,5 Grad-Kurs".
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Die Welt ist noch lange nicht auf 1,5 Grad-Kurs". (Quelle: Mike Schmidt/imago-images-bilder)

Die Industriestaaten seien immer noch weit von ihrem Ziel entfernt, jedes Jahr 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, um Ă€rmeren und besonders hart vom Klimawandel getroffenen Staaten bei der Anpassung an die Folgen zu helfen, sagte Schulze. Deutschland habe die dafĂŒr bereitgestellten Mittel verdoppelt, sie hoffe, dass andere Staaten diesem Beispiel folgten.

Als einen weiteren entscheidenden Punkt mit Blick auf Glasgow nannte Schulze die Einigung auf Regeln zur internationalen Klimakooperation zwischen den Staaten. Es mĂŒsse Transparenz geben und aufeinander abgestimmte ZeitrĂ€ume fĂŒr kĂŒnftige Klimaziele.

EU ĂŒbererfĂŒllt Klimaziel von Kyoto – wegen Corona

Die EuropĂ€ische Union hat ihr Klimaziel aus dem Kyoto-Protokoll deutlich ĂŒbererfĂŒllt. Das sei auch der Corona-Pandemie geschuldet, heißt es in einem Klima-Fortschrittsbericht, den die EU-Kommission am Dienstag in BrĂŒssel veröffentlichte, kurz vor Beginn des Weltklimagipfels am Sonntag in Glasgow. Danach sank der Treibhausgas-Ausstoß in der EU im vergangenen Jahr um 31 Prozent im Vergleich zu 1990. Das sind elf Prozentpunkte mehr als geplant.

Unter dem Kyoto-Protokoll hatte sich die EU verpflichtet, ihre Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu drosseln. "Die EU hat ihr Ziel deutlich ĂŒbererfĂŒllt", stellte die Kommission nun mit Blick auf die Klimakonferenz COP26 fest.

Wegen der Corona-Pandemie und des weltweiten Wirtschaftseinbruchs sei das Jahr 2020 aber "einzigartig", hieß es in dem Bericht weiter. Im vergangenen Jahr stießen die 27 Mitgliedstaaten demnach zehn Prozent weniger Treibhausgase aus als noch 2019. Das sei ein "beispielloser RĂŒckgang". Erst im kommenden Jahr lasse sich bewerten, inwiefern diese Entwicklung anhalte, schlussfolgerte die Kommission. Es seien aber in jedem Fall "grĂ¶ĂŸere Anstrengungen nötig, um das Ziel fĂŒr 2030 zu erreichen". Bis dahin will die EU ihre Emissionen um 55 Prozent senken und bis 2050 sogar klimaneutral werden.

China bekrĂ€ftigt Klimaschutzziele und beschließt Aktionsplan

China hat seine Klimaschutzziele fĂŒnf Tage vor der Weltklimakonferenz in Glasgow bekrĂ€ftigt. Demnach will die Volksrepublik den Höhepunkt der CO2-Emissionen vor 2030 erreichen, wie die Regierung am Dienstag mitteilte. Der Aktionsplan bestĂ€tigt zudem die Ziele Chinas, die Wind- und SolarkapazitĂ€ten bis Ende des Jahrzehnts auf 1.200 Gigawatt zu erhöhen, mehr Wasserkraft- und Kernkraftwerke zu bauen und Erdgas-Ressourcen zu erschließen. China ist weltweit der grĂ¶ĂŸte Verursacher von CO2-Emissionen. Klima-Experten hatten sich Anzeichen fĂŒr ehrgeizigere Ziele erhofft. Doch das Land kĂ€mpft derzeit mit einer Stromknappheit und fĂ€hrt die Kohleproduktion wieder hoch, um die Energieversorgung im Winter zu sichern.

Australien strebt KlimaneutralitÀt bis 2050 an

Kurz vor Beginn des Klimagipfels COP26 in Glasgow hat Australien angekĂŒndigt, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Die Reduktionsziele fĂŒr 2030 will das Land jedoch nicht weiter verschĂ€rfen, sagte der konservative Premierminister Scott Morrison am Dienstag. Er sprach sich zudem fĂŒr einen Erhalt von Bergbau und Schwerindustrie aus. Derweil reichten indigene Bewohner der vom Klimawandel bedrohten Torres-Strait-Inseln im Norden Australiens Klage gegen die Regierung ein.

Australien hatte sich als einer der wichtigsten Kohle- und Gasexporteure der Welt lange gegen eine Festlegung auf ein Datum fĂŒr das Erreichen der Netto-Null-Emissions-Marke gewehrt. "Wir werden uns nicht von anderen belehren lassen, die Australien nicht verstehen", sagte Morrison. Auch wolle er nicht das Versprechen brechen, "das wir bei der letzten Wahl gegeben haben, indem wir unsere Emissionsreduktionsziele fĂŒr 2030 Ă€ndern". Wie das Land bis 2050 klimaneutral werden soll, erlĂ€uterte der Regierungschef nicht.

Schwerindustrie und Bergbau sollen "offen und wettbewerbsfÀhig bleiben und sich anpassen, damit sie so lange lebensfÀhig bleiben, wie es die globale Nachfrage erlaubt". Die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen bis 2030 gilt Experten zufolge als entscheidend, um noch rechtzeitig angesichts der Klimakrise umzusteuern.

Deutsche Industrie hat Klimaschutz-Investitionen seit 2009 mehr als verdoppelt

Die deutschen Industriefirmen investieren immer mehr Geld in den Klimaschutz und dabei vor allem in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte, steckten die Firmen des produzierenden Gewerbes ohne das Baugewerbe im Jahr 2019 insgesamt 3,46 Milliarden Euro in den Klimaschutz – mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. 2009 waren es 1,63 Milliarden Euro.

Einen Grund fĂŒr die auch anteilig höheren Investitionen sieht das Bundesamt in der staatlichen UnterstĂŒtzung. Der Staat fördere seit Jahren die Umstellung auf energiesparende und klimaschonende Produktionsprozesse. Die Mehrheit der Klimaschutz-Investitionen, nĂ€mlich 52 Prozent, flossen 2019 in die Nutzung erneuerbarer Energien wie Windkraft und Solarenergie. Gut ein Drittel der Gelder floss in mehr Energieeffizienz und -einsparung, etwa ĂŒber WĂ€rmedĂ€mmung von GebĂ€uden.

Der Umsatz der Firmen im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich mit Klimaschutzprodukten stieg stark an: Er lag 2019 bei 44,1 Milliarden Euro, das war ein Anstieg um 61 Prozent verglichen mit 2009. Mit solchen Produkten sind etwa die Herstellung und Installation von Windkraftanlagen und energieeffiziente Antriebs- und Steuerungstechnik gemeint.

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Von Theresa Crysmann
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